0. Vorwort
„In der Tat überzeugt mich die Theorie von Carl Schmitt nicht“ (Luhmann 1987, 11). Mit diesen Worten kritisiert Niklas Luhmann die politische Philosophie Carl Schmitts, wie sie sich vo r allem in dessen Werken „Der Begriff des Politischen“ und „Politische Theologie“ darstellt. Wie sieht nun diese politische Theorie Schmitts aus? Was bedeutet sein Freund-Feind-Schema? Welcher Zusammenhang besteht bei Schmitt zwischen Souveränität und Ausnahmezustand? Und wie beurteilt Luhmann Schmitts Position auch hinsichtlich seiner selbst entworfenen Systemtheorie? Diese erkenntnistheoretischen Fragen sollen im Folgenden anhand eines fiktiven Streitgesprächs untersucht werden, in der Luhmann, Schmitt, ein Moderator als kritisch Abwägender zwischen beiden Standpunkten sowie ein Jurist als Experte für rechtliche Fragen auftreten. Im Nachwort sollen die Ergebnisse resümiert und ihre Aktualität thematisiert werden. [...]
Inhaltsverzeichnis
0. Vorwort
1. 1. Sendeblock: Politik als Unterscheidung von Freund und Feind
2. 2. Sendeblock: Souveränität und Ausnahmezustand
3. Nachwort
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht kritisch die politische Philosophie von Carl Schmitt im direkten Vergleich mit der Systemtheorie von Niklas Luhmann, um grundlegende Fragen nach der Natur des Politischen, der Souveränität und der Legitimität staatlichen Handelns zu klären.
- Analyse des Freund-Feind-Schemas als essenzielles Kriterium des Politischen bei Schmitt.
- Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Souveränität und dem Ausnahmezustand.
- Gegenüberstellung von Schmitts Dezisionismus und Luhmanns systemtheoretischer Sicht auf moderne Gesellschaften.
- Diskussion der aktuellen Relevanz politischer Theorie angesichts moderner Krisen und globaler Herausforderungen.
- Reflexion über die Rolle der Politik in einer ausdifferenzierten, modernen Gesellschaft.
Auszug aus dem Buch
1. Sendeblock: Politik als Unterscheidung von Freund und Feind
SCHMITT. Meines Erachtens nach besteht die elementare Aufgabe der Politik und des Staates als deren institutionelle Form in der Unterscheidung von Freund und Feind, wobei es hier nicht um individuelle, private Beziehungen, sondern um gesellschaftliche, öffentliche Verhältnisse geht. „Der politische Feind braucht nicht moralisch böse, er braucht nicht ästhetisch hässlich zu sein, er muss nicht als wirtschaftlicher Konkurrent auftreten [...]. Er ist eben der andere, der Fremde, und es genügt zu seinem Wesen, dass er in einem besonders intensiven Sinne existenziell etwas anderes und Fremdes ist [...]“.
Diese Abgrenzung zum Feind fungiert als Begründung der gesellschaftlichen Identität und Einheit eines Volkes durch die objektive Bestimmung dessen, was alles nicht dazu gehört. Am deutlichsten wird man den Feind als Feind und den Freund als Freund in einer extremen politischen Situation wie der des Krieges erkennen, wo die Existenzauslöschung eines Volkes droht, entweder die des eigenen oder die des feindlichen. Doch nicht nur Konflikte zwischen einzelnen Staaten, sondern auch religiöse, moralische, ökonomische, ethnische oder andere Gegensätze zählen in dem Moment zur Sphäre des Politischen, wo sich Menschen als Freund und Feind gruppieren. Grundsätzlich kann es deshalb in vielen Fragen zu so heftigen Auseinandersetzungen kommen, dass Krieg beziehungsweise Bürgerkrieg ausbricht.
Zusammenfassung der Kapitel
0. Vorwort: Dieses Kapitel führt in die Fragestellung der Arbeit ein und präsentiert das methodische Format eines fiktiven Streitgesprächs zwischen Carl Schmitt, Niklas Luhmann, einem Moderator und einem Juristen.
1. 1. Sendeblock: Politik als Unterscheidung von Freund und Feind: Hier wird Schmitts Kernthese der Freund-Feind-Unterscheidung dargelegt und von Luhmann aus systemtheoretischer Perspektive kritisiert.
2. 2. Sendeblock: Souveränität und Ausnahmezustand: Dieses Kapitel beleuchtet den Zusammenhang zwischen staatlicher Souveränität und der Entscheidungsgewalt im Ausnahmezustand unter Einbeziehung rechtlicher Perspektiven auf den deutschen Staatsnotstand.
3. Nachwort: Das Kapitel fasst die wesentlichen Erkenntnisse des Diskurses zusammen und diskutiert die Aktualität der behandelten Theorien für zeitgenössische politische Herausforderungen.
Schlüsselwörter
Politische Philosophie, Carl Schmitt, Niklas Luhmann, Freund-Feind-Schema, Souveränität, Ausnahmezustand, Dezisionismus, Systemtheorie, Politische Theologie, Gesellschaftliche Subsysteme, Macht, Konflikt, Krisenmanagement, Demokratie, Recht.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die politische Philosophie von Carl Schmitt und konfrontiert diese mit der Systemtheorie von Niklas Luhmann, um grundlegende politische Konzepte kritisch zu hinterfragen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf dem Freund-Feind-Schema, der Definition von Souveränität, der Funktion des Ausnahmezustands und der Rolle der Politik in modernen Gesellschaften.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, wie Schmitt das Politische definiert, wie Luhmann seine Theorie kritisiert und wie diese gegensätzlichen Ansätze zur Analyse staatlicher Souveränität beitragen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt die Methode eines fiktiven, moderierten Streitgesprächs, um verschiedene theoretische Positionen direkt aufeinanderprallen zu lassen und wissenschaftlich abzuwägen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden in zwei "Sendeblöcken" die Themen "Politik als Unterscheidung von Freund und Feind" sowie "Souveränität und Ausnahmezustand" detailliert diskutiert und fachlich kommentiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Freund-Feind-Schema, Souveränität, Ausnahmezustand, Dezisionismus, Systemtheorie und die Gegenüberstellung von Schmitt und Luhmann.
Wie bewertet Luhmann die Theorie von Schmitt?
Luhmann lehnt Schmitts Ansichten ab, da er die moderne Gesellschaft als aus differenzierte, autonome Subsysteme begreift und politische Eingriffe von oben als oft kontraproduktiv einstuft.
Warum ist die Unterscheidung zwischen Normalzustand und Ausnahmezustand für Schmitt so wichtig?
Für Schmitt zeigt sich nur im Ausnahmezustand, wer die souveräne Macht besitzt, eine Entscheidung zu treffen, die außerhalb der geltenden Rechtsordnung steht, um den Staat zu sichern.
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- Sophia Gerber (Author), 2004, Das philosophische Duett - Die politische Philosophie Carl Schmitts in der Kritik von Niklas Luhmann, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/36833