[...] Der Autor vorliegender Arbeit hat sich zum Ziel gesetzt, die Potentiale, aber auch Begrenzungen dieses Wachstumssegments zu untersuchen und aufzuzeigen. Neben der Kaufpreisfindung handelt es sich um ein Geschäft mit dem Tod12, das insofern besonderen ethischen Ansprüchen genügen muss. Da es sich gleichzeitig um eine junges Marktsegment handelt, befindet sich der Markt noch in einem Anpassungsprozess, wobei die Einhaltung der Geschäftsethik gerade in den USA vermehrt kritisiert wurde und beide Seiten der Marktteilnehmer, sowohl die Verkäufer, als auch die Aufkäufer durch Betrug und rigides Marktauftreten auffielen. Insofern kommt dem Markteintritt deutscher Investoren ebenfalls eine besondere Bedeutung zu. Der Gang der Untersuchung folgt dabei zwei „roten Fäden“. Der erste ist die elementare Einteilung des Textes in drei Teile. Kapitel drei beschreibt zunächst den Sekundärmarkt, wie er sich aus Sicht deutscher Investoren darstellt. Zum einen wird die Form geschlossener Beteiligungen näher beschrieben (3.1), zum anderen wird das Investitionsobjekt der Lebensversicherung und die Funktionsweise des amerikanischen Markts dargestellt (3.2). Aufbauend auf diesen Grunderkenntnissen wird in Kapitel vier die Entstehung des Markts aus volkswirtschaftlicher Sicht untersucht und liefert damit die Erkenntnisgrundlage, warum sich ein Zweitmarkt für Lebensversicherungen etablieren konnte (4.1 bis 4.5). Im dritten Teil werden aus Sicht des Anlegers die relevanten Investitionskriterien dargestellt und abgewogen (5.1 bis 5.5). Der zweite rote Faden geht aus der Überschrift hervor. Die Marktpotentiale und Grenzen können sowohl aus den Marktteilnehmern, in der Theorie der Versicherungsökonomie und in den Angeboten der deutschen Initiatoren der Beteiligungsprodukte gesehen werden. Als Zwischenfazit werden nach jedem Textteil die festgestellten Potentiale und Grenzen aus dem Markt, aus den volkswirtschaftlichen Überlegungen und aus den Investitionskriterien aus Sicht des Anlegers aufgezeigt. In Kapitel sechs schließlich werden die gewonnen Erkenntnisse zusammengefasst und ein Ausblick auf eine mögliche Marktentwicklung gegeben.
Inhaltsverzeichnis
2. Einleitung
2.1 Motivation
2.2 Zielsetzung und Gang der Untersuchung
3. Der Sekundärmarkt für Lebensversicherungen
3.1 Geschlossene Beteiligungen
3.1.1 Abgrenzung zu offenen Fonds
3.1.2 Der Markt geschlossener Beteiligungen
3.1.3 Rechtsform geschlossener Beteiligungen
3.1.4 Steuerliche Qualifizierung
3.2 Zweitmarktbeteiligungen in Lebensversicherungen
3.2.1 Entstehung des amerikanischen Markts
3.2.2 Die Angebote an Versicherungen im Primärmarkt
3.2.3 Funktionsweise des Zweitmarkts
3.2.4 Marktdaten
3.2.5 Marktpotentiale und Grenzen
4. Volkswirtschaftliche Marktbetrachtung
4.1 Theorie der Versicherungsnachfrage und des Angebots
4.1.1 Risikotransformation
4.1.2 Risikoaversion
4.2 Preisbildungstheorie auf Versicherungsmärkten
4.2.1 Äquivalenzprinzip
4.2.2 Aktuarisch faire Prämien
4.2.3 Lebensversicherungsprämien
4.2.4 Veränderung des Gesundheitsstatus
4.3 Marktversagen
4.3.1 Modell der vollständigen Konkurrenz
4.3.2 Monopolistischer Markt
4.3.3 Rent seeking behavior
4.3.4 Adverse Auslese
4.3.5 Transaktionskosten
4.4 Einfluss von Zweitmärkten
4.4.1 Liquiditätserhöhung
4.4.2 Marktanpassungsprozesse
4.5 Einfluss staatlicher Regulierung
4.6 Volkswirtschaftliche Potentiale und Grenzen
5. Investitionskriterien aus Sicht des Anlegers
5.1 Chancen und Risiken der Beteiligungsangebote
5.1.1 Beteiligungsangebote
5.1.2 Prospekt und Prospekthaftung
5.1.3 Chancen und Risiken im Überblick
5.2 Steuerliche Einordnung
5.2.1 Abgrenzung einer vermögensverwaltenden von einer gewerblichen Tätigkeit
5.2.2 Doppelbesteuerungsabkommen Deutschland - USA
5.2.3 Auffassung der Finanzverwaltung
5.2.4 Einfluss von Fremdkapital, Rückversicherung, Re-Investitionen und Policenhandel auf die Besteuerung
5.2.5 Abzugsfähige Kosten
5.2.6 Erbschafts- und schenkungssteuerliche Aspekte
5.3 Mittelverwendung
5.3.1 Fondskosten
5.3.2 Policenauswahl
5.4 Erwartete Rendite
5.4.1 Rendite nach der internen Zinsfußmethode
5.4.2 Rendite bei unterschiedlichen Annahmen der Sterbewahrscheinlichkeit
5.4.3 Kaufpreisberechnung und Renditewahrscheinlichkeit
5.4.4 Diversifikationseffekte
5.5 Korrelation mit anderen Anlageformen
5.6 Potentiale und Grenzen aus Anlegersicht
6. Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Potentiale und Grenzen des Wachstumssegments Zweitmarktbeteiligungen in US-amerikanische Lebensversicherungen. Das primäre Ziel besteht in der Analyse der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sowie der Investitionskriterien für deutsche Anleger in diesem jungen, aber schnell wachsenden Finanzmarkt.
- Marktentwicklung und Funktionsweise des Sekundärmarkts für US-Lebensversicherungen
- Volkswirtschaftliche Betrachtung der Marktineffizienzen und Preismechanismen
- Investitionskriterien, Chancen und Risiken aus Sicht des Anlegers
- Steuerliche Einordnung von Beteiligungsfonds für deutsche Privatanleger
- Analyse von Renditeerwartungen unter Berücksichtigung medizinischer Gutachten und Diversifikationseffekten
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Entstehung des amerikanischen Markts
Die erste dokumentierte Veräußerung einer bestehenden Lebensversicherung lässt sich auf das Jahr 1844 in England datieren. Dort wurde erstmals eine bestehende Lebensversicherung im Rahmen einer öffentlichen Versteigerung weiterverkauft. In den USA wurde die erste Transaktion einer bestehenden Lebensversicherung 1989 vorgenommen.
In den achtziger Jahren entstand mit Auftreten der Krankheit Aids, für die die gesetzlichen Krankenversicherungen in den USA keinen ausreichenden Versicherungsschutz gewährten, der so genannte „Viatical“-Markt (lat. "viatikate", jemanden für eine Reise ausstatten). Versicherungsnehmer, die dringend Geld für Medikamente oder Behandlungen benötigten, konnten ihre Policen an Makler verkaufen. Die Versicherungsgesellschaften selbst boten entweder gar keinen oder einen sehr geringen Rückkaufswert.
Der Markt hatte in seinen Anfängen aufgrund der kontrovers diskutierten ethischen Komponente, und dem Auftreten unseriöser Versicherungsvermittler einen schlechten Ruf. Dies äußerte sich beispielsweise in der Zurückhaltung bei der Investition der großen amerikanischen Pensionskassen. Betrugsfälle (cleansheeting) führten vermehrt zu negativen Presseberichten. Viele der neuen beteiligten Gesellschaften kamen mit den Aufsichtsbehörden in Konflikt und erhielten teilweise ein Verbot, in bestimmten Bundesstaaten tätig zu werden. Aus diesem Grund wurde dieses Segment von vielen Kapitalsammelstellen gemieden und blieb letztlich eine Randerscheinung. Erst gegen Ende der Neunziger entwickelte sich der „Life settlement“-Markt, um den es in der weiteren Betrachtung gehen wird. Der Markt umfasst vor allem den Ankauf von Versicherungspolicen von Senioren, die Verträge zur Absicherung von Familienmitgliedern bzw. einer Hypothek oder der Finanzierung von Nachlass-Steuern abgeschlossen haben.
Zusammenfassung der Kapitel
2. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Motivation hinter dem schnellen Marktwachstum von Zweitmarktbeteiligungen und definiert die Zielsetzung der Arbeit.
3. Der Sekundärmarkt für Lebensversicherungen: Dieses Kapitel beschreibt die Struktur der geschlossenen Beteiligungen und die Funktionsweise des amerikanischen Markts für Policen.
4. Volkswirtschaftliche Marktbetrachtung: Hier werden theoretische Aspekte wie Marktversagen und die Effekte von Zweitmärkten auf den Erstmarkt analysiert.
5. Investitionskriterien aus Sicht des Anlegers: Dieser Abschnitt behandelt die Chancen, Risiken, steuerliche Aspekte und Methoden zur Renditeberechnung für Investoren.
6. Zusammenfassung und Ausblick: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die zukünftige Marktentwicklung.
Schlüsselwörter
Zweitmarkt, Lebensversicherung, geschlossene Beteiligungen, USA, Rendite, Sekundärmarkt, Risikoaversion, Marktversagen, Policenhandel, steuerliche Einordnung, Portfolio, Sterbewahrscheinlichkeit, Viatical, Life Settlement, Diversifikation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit analysiert das Wachstumssegment der Zweitmarktbeteiligungen in US-amerikanische Lebensversicherungen, insbesondere aus Sicht deutscher Anleger und Analysten.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Themen umfassen die Marktentstehung, die Funktionsweise des Sekundärmarkts, ökonomische Preisbildungstheorien, steuerliche Aspekte sowie die spezifischen Chancen und Risiken für den Anleger.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Untersuchung der Potentiale und Begrenzungen dieses jungen Wachstumssegments und die Ableitung relevanter Investitionskriterien für Anleger.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt spieltheoretische und ökonomische Analysemodelle sowie die Auswertung von Emissionsprospekten und empirischen Marktdaten.
Was steht im Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Marktbeschreibung, eine volkswirtschaftliche Marktbetrachtung inklusive Marktversagen sowie eine detaillierte Analyse der Investitionskriterien aus Anlegersicht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselwörter sind u.a. Zweitmarkt, Lebensversicherung, geschlossene Beteiligungen, Rendite, Risikoaversion, Marktversagen und Life Settlement.
Warum ist das Risiko bei der Auswahl der Settlement Company so hoch?
Da viele Transaktionen auf Schätzungen beruhen und der Markt in der Vergangenheit durch Betrugsfälle wie „cleansheeting“ belastet wurde, ist die Managementqualität und Reputation des Partners entscheidend für die Qualität der erworbenen Policen.
Warum spielt die Statistik (Bell curve) eine so große Rolle für die Rendite?
Die Rendite hängt entscheidend vom Fälligkeitszeitpunkt der Police ab. Eine präzise Einschätzung der Lebenserwartung mittels statistischer Verteilungsmodelle wie der Weibull-Verteilung minimiert das Risiko und verbessert die Kalkulationsgenauigkeit für den Anleger.
- Quote paper
- Dennis Möhlmann (Author), 2004, Potentiale und Grenzen des Wachstumssegments Zweitmarktbeteiligungen in US-amerikanische Lebensversicherungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/36835