Im September 2003 habe ich ein Praktikum am Liceo „G. e. Q. Sella“ absolviert, einem
staatlichen, allgemeinbildenden Gymnasium in Italien. Einen Monat lang durfte ich im
Philosophieunterricht der Oberstufe dieser Schule hospitieren sowie eigene Stunden gestalten
und durchführen. Bei der Hospitation fiel mir auf, dass die italienischen Philosophielehrer
im Allgemeinen den Lernzielorientierten Unterricht, eine eher lehrerzentrierte,
zweckrationale Methode, dem Handlungsorientierten Unterricht, einer eher schülerzentrierten,
offenen Methode, vorzogen. Im Folgenden sollen die beiden Methoden theoretisch
anhand ihrer jeweiligen historischen Entwicklung und Vertreter sowie ihrer Merkmale und
Planung dargestellt werden. Berücksichtigt werden dabei vor allem Forschungsbeiträge aus
der allgemeinen Didaktik, wie von Herbert Gudjons, Werner Jank, Hilbert Meyer, Ingbert
Martial, aber auch aus der Philosophiedidaktik, wie von Wulff D. Rehfus und Ekkehard
Martens. Zur Veranschaulichung der Methoden werden zwei Beispiele aus der Praxis des
Liceo herangezogen, und zwar eine konventionelle Philosophiestunde zur Erkenntnistheorie
Immanuel Kants und ein von mir selbst durchgeführtes Unterrichtsprojekt zu verschiedenen
Herangehensweisen an die Philosophie. Am Ende sollen die Chancen und Probleme
des Lernzielorientierten und Handlungsorientierten Unterrichts in Theorie und Praxis aufgezeigt
und ein nicht nur auf das italienische Schulsystem bezogener Ausblick gegeben
werden.
Inhaltsverzeichnis
0. Einleitung
1. Die Lernzielorientierte Methode im Philosophieunterricht
1.1 Historische Entwicklung und Vertreter
1.2 Merkmale und Planung
1.3 Fallbeispiel: Unterrichtseinheit „Kants Erkenntnistheorie“
1.4 Chancen und Probleme
2. Die Handlungsorientierte Methode im Philosophieunterricht
2.1 Historische Entwicklung und Vertreter
2.2 Merkmale und Planung
2.3 Fallbeispiel: Unterrichtseinheit „Wege zur Philosophie“
2.4 Chancen und Probleme
3. Fazit und Ausblick
4. Literaturverzeichnis
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht und vergleicht die lernzielorientierte und die handlungsorientierte Methode im Philosophieunterricht, um deren Einsatzmöglichkeiten und Grenzen in der schulpraktischen Anwendung zu analysieren. Ziel ist es, durch die Reflexion von Erfahrungen aus einem Praktikum an einem italienischen Gymnasium zu klären, wie beide Ansätze zur Vermittlung philosophischer Inhalte beitragen können.
- Historische Herleitung didaktischer Unterrichtsmodelle
- Gegenüberstellung von lehrerzentrierten und schüleraktiven Unterrichtsmethoden
- Praktische Fallbeispiele für die Unterrichtsplanung im Fach Philosophie
- Analyse von Chancen und Problemen bei der Umsetzung im Schulalltag
- Entwicklung eines kombinierten Ansatzes für die Unterrichtspraxis
Auszug aus dem Buch
2.3 Fallbeispiel: Unterrichtseinheit „Wege zur Philosophie“
Während meiner Praktikumszeit hatte ich immer wieder die Gelegenheit, Unterrichtsstunden selbständig zu planen und durchzuführen. Im Fach Philosophie entschied ich mich, in einer elften Klasse für eine Einzelstunde à fünfzig Minuten und zwei Doppelstunden à hundert Minuten ein handlungsorientiertes Unterrichtsprojekt zum Arbeitsthema „Wege zur Philosophie“ zu realisieren. In der Vorbereitungsphase formulierte ich zunächst meine Lehrziele anhand der Curriculumvorgaben. Ich wollte den Schülern vor allem methodische und soziale Kompetenzen bezüglich der eigenständigen Beschäftigung mit dem Fach Philosophie (z.B. Arbeit mit verschiedenen Medien, Teamarbeit) vermitteln. Unter Einbeziehung ihrer künstlerischen und musischen Interessen formulierte ich das Handlungsziel, in Gruppenarbeit freie Projekte zu den verschiedenen Herangehensweisen an die Philosophie zu gestalten. Auf der Basis der Lehr- und Handlungsziele machte ich folgenden Stundenentwurf:
Zusammenfassung der Kapitel
0. Einleitung: Die Einleitung begründet das Interesse an der Thematik durch ein Praktikum in Italien und steckt den theoretischen sowie praktischen Rahmen der Untersuchung ab.
1. Die Lernzielorientierte Methode im Philosophieunterricht: Dieses Kapitel erläutert die Ursprünge, Merkmale und Planungsprinzipien der lehrerzentrierten Methode und veranschaulicht diese an einer Unterrichtseinheit zu Kants Erkenntnistheorie.
2. Die Handlungsorientierte Methode im Philosophieunterricht: Hier werden die reformpädagogischen Wurzeln sowie die schüleraktive Ausrichtung des handlungsorientierten Unterrichts dargestellt und anhand eines eigenen Projektbeispiels zur Philosophie verdeutlicht.
3. Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die Stärken beider Ansätze zusammen und plädiert für eine didaktische Kombination, um die Qualität des Philosophieunterrichts nachhaltig zu steigern.
4. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten fachdidaktischen Quellen und Standardwerke zur Unterrichtsplanung.
Schlüsselwörter
Philosophieunterricht, Fachdidaktik, Lernzielorientierung, Handlungsorientierung, Lehrerzentrierung, Schüleraktivierung, Unterrichtsplanung, Projektunterricht, Kompetenzerwerb, Methodik, Immanuel Kant, Italienisches Schulsystem, Didaktische Modelle, Sozialformen, Schulpraxis
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?
Die Arbeit analysiert zwei grundlegende didaktische Konzepte – den lernzielorientierten und den handlungsorientierten Unterricht – und untersucht deren Eignung für den Philosophieunterricht.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt?
Zentrale Themen sind die historische Entwicklung beider Methoden, ihre spezifischen Planungsprinzipien sowie die praktische Umsetzung im Rahmen von Unterrichtseinheiten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Vor- und Nachteile der beiden Methoden aufzuzeigen und zu prüfen, wie sie durch eine sinnvolle Kombination die Qualität des Philosophieunterrichts verbessern können.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Erarbeitung gewählt?
Die Autorin kombiniert die theoretische Aufarbeitung didaktischer Fachliteratur mit der empirischen Reflexion ihrer eigenen praktischen Erfahrungen an einem italienischen Gymnasium.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Darstellung und Kritik beider Methoden, unterstützt durch konkrete Unterrichtsentwürfe und Fallbeispiele aus der Schulpraxis.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Fachdidaktik, Unterrichtsmethodik, Handlungsorientierung, Kognition und soziale Kompetenz.
Warum wurde ein Beispiel zur „Erkenntnistheorie Kants“ für den lernzielorientierten Teil gewählt?
Dieses Thema eignet sich besonders gut, um ein klassisches, stark lehrerzentriertes Vermittlungsmodell aufzuzeigen, das auf Wissensvermittlung und Systematik beruht.
Welche spezifischen Probleme entstanden bei der Durchführung des handlungsorientierten Projekts?
Die Autorin nennt hier vor allem die Komplexität der Organisationsstruktur, einen erhöhten Lärmpegel sowie den hohen materiellen Aufwand und die Herausforderungen bei der Leistungsbewertung.
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- Sophia Gerber (Author), 2004, Lernziel- und handlungsorientierter Philosophieunterricht in Theorie und Praxis, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/36837