Gleichnisse im Unterricht. Möglichkeit der Behandlung des Themas am Beispiel des Gleichnisses vom verlorenen Sohn


Hausarbeit, 2017

20 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsklärung: Gleichnis
2.1 Gleichnistheorie von Adolf Jülicher
2.2 Gleichnisse Jesu

3. Gleichnistypen
3.1 Gleichnis im engeren Sinn (besprechendes Gleichnis)
3.2 Die Parabel (erzählendes Gleichnis, Gleichnis-erzählung)
3.3 Beispielerzählungen (Beispielgeschichten)
3.4 Allegorie

4. Theologisieren mit Kindern

5. Das Gleichnis vom verlorenen Sohn

6. Umsetzung des Gleichnisses im Unterricht
6.1 Religiöse Symbole/Gottesbilder
6.2 Moralischer Aspekt-Vom verlorenen Sohn
6.3 Religiöser Aspekt-Vom verlorenen Sohn

7. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Eine Textgattung der Bibel, die sowohl im Alten Testament als auch in den drei synoptischen Evangelien des Neuen Testaments zu finden ist, ist das Gleichnis. Gleichnisse sind im Bildungsplan 2016 fest verankert und somit Teil des Religionsunterrichtes. Jedoch wird aus eigener Erfahrung oft nur der moralische Aspekt des Gleichnisses zum Unterrichtsstoff und der theologische Hintergrund wird vernachlässigt.

Die vorliegende Hausarbeit zeigt auf, wie das Gleichnis vom verlorenen Sohn mit Kindern im Unterricht theologisiert werden kann.

Zunächst wird der Begriff „Gleichnis“ operationalisiert. Dabei wird kurz auf die Gleichnistheorie von Adolf Jülicher und die heutige Jesusforschung zu den Gleichnissen eingegangen. Daraufhin folgt ein Absatz zu den Gleichnissen Jesu. Im nächsten Schritt wird sich mit den verschiedenen Gleichnistypen auseinandergesetzt, um sie voneinander abzugrenzen. Anschließend folgt der Übergang zum Schulbezug, in dem das Theologisieren mit Kindern angerissen wird. Um die spätere Unterrichtsidee besser nachvollziehen zu können, wird daraufhin das Gleichnis vom verlorenen Sohn vorgestellt, kurz in den Bibelkontext eingeordnet und gedeutet. Abschließend wurde eine eigene Idee entwickelt, wie der Unterrichtsverlauf zur Behandlung des Gleichnisses vom verlorenen Sohn abgehandelt werden kann. Im Vordergrund steht hierbei die Erarbeitung des theologischen Hintergrunds des Gleichnisses mit den Kindern. Der Unterrichtsverlauf und die Idee werden grob skizziert.

Es wurde darauf verzichtet genaue Unterrichtsdetails, wie zum Beispiel die Festigung des Stoffes mit Arbeitsblättern und dergleichen zu erarbeiten. Ebenfalls wurde auf eine ausführliche Exegese des Gleichnisses verzichtet. Beides würde den Umfang der Arbeit sprengen.

Für die vorliegenden Bibelstellen wurde die Lutherbibel verwendet. Schülerinnen und Schüler werden als SchülerInnen bezeichnet.

2. Begriffsklärung: Gleichnis

Da der Fokus dieser Arbeit auf dem Gleichnis als solches liegt, sollte zunächst geklärt werden, was unter diesem Begriff zu verstehen ist. Allgemein bezeichnet der Duden ein Gleichnis als „kurze bildhafte Erzählung, die einen abstrakten Gedanken oder Vorgang durch Vergleich mit einer anschaulichen, konkreten Handlung (mit belehrender Absicht) verständlich machen will“ (Duden online unter http:// www.duden.de/ rechtschreibung/ Gleichnis [gesehen am 27.03.17]). Sieht man Gleichnisse unter theologischem Aspekt, so sind sie eine Textgattung, die sowohl im Alten, als auch im Neuen Testament der Bibel zu finden sind. Zimmermann zählt sie nicht nur zu dem Kernbestand des Neuen Testament, sondern ebenfalls zur Weltliteratur (vgl. Zimmermann 2007, S. 3). Für das Gleichnis, welches im Neuen Testament zu finden ist, wird das griechische Wort παραβολή (parabolé) gebraucht, was so viel wie „Nebeneinander-Stellen, Vergleichen“ bedeutet (Betz 2006, S. 448). Das griechische Wort parabolé ist eine Übersetzung des hebräischen Wortes māšāl (maschál), welches wiederum mit „Sprichwort“ oder „Weisheitswort“ übersetzt werden kann. Die Begriffe bieten jedoch keine genaue Definition. Sie werden allgemein als Bezeichnung für die bildliche Rede verwendet und bezeichnen ebenfalls den Vergleich, das Beispiel, das Sprichwort, die Gleichniserzählung und die Allegorie (vgl. ebd.).

2.1 Gleichnistheorie von Adolf Jülicher

Adolf Jülicher (1857-1938), der als Begründer der theologischen Gleichnisforschung gilt, wandte sich gegen die allegorische Gleichnisauslegung (vgl. Erlemann 2014, S. 17). Er war der Meinung, dass es keinen versteckten Sinn hinter dem wörtlichen Verständnis gibt. Ferner hätte Jesu sich unmissverständlich ausgedrückt und somit gäbe es nichts auszulegen. Darüber hinaus hätten die Evangelisten die Texte schwer verständlich gemacht und sie mit theologischem und christologischem Inhalt überfrachtet. Er sah das Ziel der modernen Gleichnisauslegung darin, den ursprünglichen, wörtlichen und klaren Textsinn wiederherzustellen. Er unterschied zwischen dem Gleichnis als „eigentlicher“, nicht deutungsdürftiger Sprachform (mit dem Vergleich als Grundbaustein) und der Allegorie, als „uneigentlicher“, deutungsdürftiger Rede (mit der Metapher als Grundbaustein) (vgl. ebd.). Das Gleichnis im engeren Sinn ist nach Jülicher demnach „die Veranschaulichung eines Satzes durch Nebenstellung eines anderen ähnlichen Satzes“ (Zimmermann 2007, S. 17). Das Gleichnis besteht aus einer Bild- und einer Sachebene. Die Bildebene besteht aus den Geschichten über die alltäglichen Dinge des Lebens und die Sachhälfte aus der Botschaft über das Reich Gottes. Zwischen der Bild- und Sachebene gibt es den Vergleichspunkt, den Jülicher als „tertium comparationis“ (= das Dritte des Vergleichs) bezeichnete. Dieser ist laut Jülicher inhaltlich „eine religiös-sittliche Wahrheit von überzeitlicher Gültigkeit“ (Erlemann 2014, S. 18).

Die Rekonstruktionsversuche der ureigenen Stimme Jesu waren allerdings nicht konsensfähig und wurden heutzutage aufgegeben. Jedoch besteht das Interesse am historischen Jesus weiter. Die Grundüberzeugung der neusten Phase der Jesusforschung sieht Jesus als Gleichniserzähler. Durch die Gleichnisse erhofft man sich somit, besonders nahe an die Verkündigung des geschichtlichen Jesus heranzukommen und hört in ihnen „einen Nachklang der Stimme Jesu“ (Zimmermann 2007, S. 3).

2.2 Gleichnisse Jesu

Gleichnisse stellen für Jesus eine charakteristische Redeform dar und bestehen aus kleinen, gerundeten Erzählstücken. Ihren Inhalt beziehen sie aus alltäglichen Beobachtungen und Erfahrungen, jedoch stellen sie gleichzeitig einen Zusammenhang zum Reich Gottes her. In den ersten drei synoptischen Evangelien sind 41 Gleichnisse zu finden, während je nach Zählart im Alten Testament 500 bis 1400 Gleichnisse niedergeschrieben wurden. Die alten rabbinischen Texte des Alten Testament werden herangezogen, um auf die jüdischen Wurzeln Jesu zu verweisen. Diese können jedoch keinen Aufschluss über die Verkündigung Jesu geben, da sie nur bis ins dritte und vierte Jahrhundert nach Christus datiert sind (vgl. Zimmermann 2007, S. 3ff.). Jesu war Gleichniserzähler, dennoch zeigt allein die Mehrfachüberlieferung der einzelnen Gleichnisse, dass durch die Weitergabe Spuren in den Texten hinterlassen wurden. Es ist somit nicht davon auszugehen, dass die in den urchristlichen Texten überlieferten Gleichnisse dem genauen Wortlaut Jesu entsprechen. Bei einigen ist es eher unwahrscheinlich, dass sie überhaupt von Jesu stammen (vgl. ebd.).

Die Intention des erzählten Gleichnisses wird nie direkt angesprochen. In Mt. 13, 10-14 äußert sich Jesu zu dem Sinn und Zweck der Gleichnisse:

„Und die Jünger traten hinzu und sprachen zu ihm: Warum redest du zu ihnen in Gleichnissen? Er antwortete und sprach zu ihnen: Euch ist`s gegeben, zu wissen die Geheimnisse des Himmelreichs, diesen aber ist`s nicht gegeben. Denn wer da hat, dem wird gegeben, dass er Fülle habe; wer aber nicht hat, dem wird auch das genommen, was er hat. Darum rede ich zu ihnen in Gleichnissen. Denn mit sehenden Augen sehen sie nicht und mit hörenden Ohren hören sie nicht; und sie verstehen es nicht. [...]“

Ungläubige, welche die Gleichnisse hören, können die Bedeutung des Gleichnisses nicht verstehen. Das Geheimnis der Herrschaft Gottes bleibt ihnen verschlossen. Die verschlüsselte Intention, die Botschaft, kann nur durch den Glauben an Jesus und das von Gott gegebene Verständnis begriffen werden. Die eigentliche Botschaft des Gleichnisses, die religiöse Dimension, versteckt sich hinter den alltäglichen Vorgängen und erzählten Geschichten. Jeder kann die Moral des Gleichnisses verstehen, jedoch können nur die Gläubigen diese auch für ihr Leben umsetzen. Dennoch sind die Gleichnisse nicht auf eine Zielgruppe beschränkt. Alle gesellschaftlichen Schichten werden angesprochen und somit können sich prinzipiell alle Menschen die Kraft aus den Gleichnissen ziehen, welche an Gott glauben.

Ein Drittel der von Jesus gesprochenen Worte in der Bibel sind Gleichnisse. Betrachtet man den Begriff des Gleichnisses näher, so kann man vier verschiedene Typen kategorisieren (siehe Adolf Jülicher):

- das Gleichnis (im engeren Sinne)
- die Parabel
- die Beispielerzählung
- und die Allegorie.

Im Folgenden wird auf diese Gleichnistypen eingegangen und kurz voneinander abgegrenzt.

3. Gleichnistypen

Seit Adolf Jülicher wird zwischen verschiedenen Gleichnistypen unterschieden (vgl. Erlemann 2014 S. 32).

3.1 Gleichnis im engeren Sinn (besprechendes Gleichnis)

Das Gleichnis im engeren Sinn erzählt einen „vertrauten, typischen und oft wiederkehrenden Vorgang, dessen Bildhälfte der Alltagswelt der Hörer entnommen ist“ (Betz 2006, S. 448). Die alltäglichen Vorgänge bzw. ein Naturvorgang (das Backen von Brot oder die Saat und Ernte etc.) wird, charakteristisch für diese Untergattung, in der Zeitform Präsens geschildert. Dies soll den besprechenden Charakter des Gleichnisses signalisieren. Außerdem tritt meist nur ein Akteur auf (vgl. Erlemann 2014, S. 32).

„[...] Das Himmelreich gleicht einem Senfkorn, das ein Mensch nahm und auf seinen Acker säte; das ist das kleinste unter allen Samenkörner; wenn es aber gewachsen ist, so ist es größer als alle Kräuter und wird ein Baum; dass die Vögel unter dem Himmel kommen und wohnen in seinen Zweigen“ (Mt. 13, 31-33).

Die Beschreibung der Alltagswelt erzielte einerseits die Aufmerksamkeit und das Verständnis der damalig Angesprochenen (zu Zeiten Jesu), andererseits fördert das Gleichnis so die Übertragung der Botschaft in andere Bereiche (vgl. Betz 2006, S. 448). Anhand des Naturvorgangs wird eine Gesetzesmäßigkeit des Reiches Gottes deutlich gemacht. Aus dem kleinen Senfkorn wird die große Senfstaude, so wird auch das Reich Gottes seine Herrlichkeit entfalten und wachsen. Die Herrschaft Gottes ist schon da, wird jedoch nicht bemerkt, da sie noch sehr klein ist. Es ist jedoch nur eine Frage der Zeit, bis das Senfkorn wächst.

3.2 Die Parabel (erzählendes Gleichnis, Gleichnis-erzählung)

Die Parabeln erzählen Geschichten, die, laut Jülicher, eine frei erfundene, aber realistisch wirkende Handlung (vgl. Erlemann 2014, S. 33) beinhalten. Sie schildern ein „einmaliges, aus dem üblichen Rahmen fallendes Ereignis [...] [, welches] durch die Außergewöhnlichkeit die Aufmerksamkeit und die Stellungnahme der Hörer herausforder[t]“ (Betz 2006, 449). Sie behandeln ungewöhnliche Ereignisse und provozieren somit bei den Hörern eine Stellungnahme. Der Unterschied zu den besprechenden Gleichnissen liegt darin, dass allegorische Elemente wie Metaphern, Bildfelder, Anspielungen oder Übertreibungen auf die theologische Sachebene verweisen (vgl. Erlemann 2014, S. 33). Eine weitere Eigenschaft der Parabel, ist die anschauliche und ausführliche Schilderung und die literarische Form (Aufbau, Inhalt, Form). Zudem besitzt die Parabel ein offenes Ende. Das gewählte Tempus ist die Vergangenheit (Präteritum).

„Denn das Himmelreich gleicht einem Hausherrn, der früh am Morgen ausging, um Arbeiter anzuwerben für seinen Weinberg. Und als er mit den Arbeitern einig wurde über einen Silbergroschen als Tageslohn, sandte er sie in seinen Weinberg. Und er ging aus um die dritte Stunde und sah andere auf dem Markt müßig stehen und sprach zu ihnen: Geht ihr auch hin in den Weinberg; ich will euch geben, was recht ist. Und sie gingen hin. Abermals ging er aus um die sechste Stunde und tat dasselbe. Um die elfte Stunde aber ging er aus und fand andere stehen und sprach zu ihnen: Was steht ihr den ganzen Tag müßig da? Sie sprachen zu ihm: Es hat uns niemand angeworben. Er sprach zu ihnen: Geht ihr auch hin in den Weinberg. Als es nun Abend wurde, sprach der Herr des Weinbergs zu seinem Verwalter: Ruf die Arbeiter und gib ihnen den Lohn und fang an bei den letzten bis zu den ersten. Da kamen, die um die elfte Stundeangeworben waren, und jeder empfing seinen Silbergroschen. Als aber die Ersten kamen, meinten sie, sie würden mehr empfangen; und sie empfingen auch ein jeder seinen Silbergroschen. Und als sie den empfingen, murrten sie gegen den Hausherrn und sprachen: Diese Letzten haben nur eine Stunde gearbeitet, doch du hast sie uns gleichgestellt, die wir des Tages Last und die Hitze getragen haben. Er antwortete aber und sagte zu einem von ihnen: Mein Freund, ich tu dir nicht Unrecht. Bist du nicht mit mir einig geworden über einen Silbergroschen? Nimm, was dein ist, und geh! Ich will aber diesem Letzten dasselbe geben wie dir. Oder habe ich nicht Macht zu tun, was ich will, mit dem, was mein ist? Siehst du darum scheel, weil ich so gütig bin? So werden die Letzten die Ersten und die Ersten die Letzten sein (Mt. 20, 1-16).

Dieses Gleichnis zeigt, inwieweit die Erzählung der Erfahrenswelt der Menschen entnommen ist. Ein Weinbergbesitzer wirbt Tagelöhner für seinen Weinberg an. Das ungewöhnliche Ereignis, welches die Aufmerksamkeit und Stellungnahme der Hörer herausfordert, ist, dass der Besitzer des Weinbergs allen Arbeitern den selben Lohn auszahlt, ohne Rücksicht auf die unterschiedliche Arbeitszeit. Das ewige Leben ist nicht vom Verdienst des Menschen abhängig, sondern einzig und allein von der Gnade Gottes. Gott macht keine Unterschiede, denn alle Menschen sind in gleicher Weise auf die Gnade und das Erbarmen Gottes angewiesen. Gott rechnet nicht nach der Menschen Maß und Gedanken. Darum kann manch kurzer Arbeitstag, oder scheinbar ganz kleine Gaben für den Herrn kostbarer sein, als manch großes Werk, das unter Menschen Anerkennung genossen hat.

3.3 Beispielerzählungen (Beispielgeschichten)

Beispielerzählungen schildern ebenfalls nicht alltägliche Vorgänge. Die Bilder die dabei verwendet werden, benötigen allerdings keine Übertragung in die Lebenswelt der Hörer. Die Erzählungen sprechen für sich selbst und ermöglichen eine direkte Imitation (vgl. Betz 2006, S. 449). Bei den Beispielerzählungen handelt es sich um vier Gleichnisse des lukanischen Sonderguts: vom barmherzigen Samariter (Lk. 10, 25-37), vom reichen Kornbauern (Lk. 12, 16-21), vom reichen Mann und armen Lazarus (Lk. 16, 19-31) sowie vom Pharisäer und Zöllner (Lk. 18, 9-14).

„Und siehe, da stand ein Gesetzeslehrer auf, versuchte ihn und sprach: Meister, was muss ich tun, dass ich das ewige Leben ererbe? Er aber sprach zu ihm: Was steht im Gesetz geschrieben? Was liest du? Er antwortete und sprach: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft und deinem ganzen Gemüt, und deinen Nächsten wie dich selbst. Er aber sprach zu ihm: Du hast recht geantwortet; tu das, so wirst du leben. Er aber wollte sich selbst rechtfertigen und sprach zu Jesus: Wer ist denn mein Nächster? Da antwortete Jesus und sprach: Es war ein Mensch, der ging von Jerusalem hinab nach Jericho und fiel unter die Räuber; die zogen ihn aus und schlugen ihn und machten sich davon und ließen ihn halb tot liegen. Es traf sich aber, dass ein Priester dieselbe Straße hinabzog; und als er ihn sah, ging er vorüber. Desgleichen auch ein Levit: Als er zu der Stelle kam und ihn sah, ging er vorüber. Ein Samariter aber, der auf der Reise war, kam dahin; und als er ihn sah, jammerte es ihn; und er ging zu ihm, goss Öl und Wein auf seine Wunden und verband sie ihm, hob ihn auf sein Tier und brachte ihn in eine Herberge und pflegte ihn. Am nächsten Tag zog er zwei Silbergroschen heraus, gab sie dem Wirt und sprach: Pflege ihn; und wenn du mehr ausgibst, will ich dir's bezahlen, wenn ich wiederkomme. Wer von diesen dreien, meinst du, ist der Nächste geworden dem, der unter die Räuber gefallen war? Er sprach: Der die Barmherzigkeit an ihm tat. Da sprach Jesus zu ihm: So geh hin und tu desgleichen! (Lk. 10, 25-37).

Somit ist die Beispielerzählung ein provokatives Fallbeispiel (exemplum), für das geforderte bzw. abgelehnte Verhalten. Sie antwortet auf eine konkrete Frage mit einem offenen Beispiel. Die Hörer sollen ein bestimmtes Verhalten nachahmen bzw. vermeiden. Das Fehlverhalten soll durch das Gleichnis entdeckt und korrigiert werden (vgl. Erlemann 2014, S. 34). Das Volk der Samariter war kein Freund des jüdischen Volkes. Mit dem „Nächsten“ ist nicht eine Person aus der näheren Umgebung gemeint und auch nicht die Person, die man besonders mag. Mit dem „Nächsten“ ist die Person gemeint, die Hilfe benötigt. Diese kann auch aus einem anderen Land stammen und andere Werte besitzen. Barmherzigkeit bedeutet, zu helfen ohne eine Gegenleistung zu verlangen. Jesus fordert mit diesem Gleichnis auf, gesellschaftliche Normen und Werte zu übertreten.

3.4 Allegorie

Allegorie bedeutet „das Anderssagen“ (vgl. Betz 2996, S. 449). In der antiken Rhetorik wird sie zusammen mit dem Rätsel, dem Sprichwort und der Ironie genannt (vgl. Erlemann 2014, S, 38).

„Das Himmelreich gleicht einem Schatz, verborgen im Acker, den ein Mensch fand und verbarg; und in seiner Freude geht er hin und verkauft alles, was er hat, und kauft den Acker“ (Mt. 13, 44-45).

Die Erzählung besteht aus Einzelaussagen, die wörtlich verstanden rätselhaft bleiben und einzeln entschlüsselt werden müssen. Wer das Himmelreich erkannt hat und weiß, wie wertvoll es ist, der wird alles Irdische beiseitelegen, um Teil dieses Schatzes zu werden.

Im Folgenden wird eine kurze Einführung in das „Theologisieren mit Kindern“ gemacht.

[...]

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Gleichnisse im Unterricht. Möglichkeit der Behandlung des Themas am Beispiel des Gleichnisses vom verlorenen Sohn
Hochschule
Pädagogische Hochschule Heidelberg
Note
2,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
20
Katalognummer
V368384
ISBN (eBook)
9783668467439
ISBN (Buch)
9783668467446
Dateigröße
647 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Religionsunterricht, Gleichnis, Gleichnis vom verlorenen Sohn, Theologisieren mit Kindern
Arbeit zitieren
Marie-Claire Lahuerta Casañ (Autor), 2017, Gleichnisse im Unterricht. Möglichkeit der Behandlung des Themas am Beispiel des Gleichnisses vom verlorenen Sohn, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/368384

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