In dieser Arbeit soll der Einfluss der NSDAP auf die deutschen Siedler und Missionare sowie die Reaktion der britischen Behörden, der britischen Siedler und der einheimischen Inder darauf untersucht werden. Die beiden Exkolonien waren beide als Siedlerkolonien geplant, jedoch hatten sie nach dem 1.Weltkrieg eine unterschiedliche Geschichte. Die Mandatsmacht von Südwestafrika, die Südafrikanische Union, wies nur Funktionsträger der deutschen Kolonialregierung aus. Alle anderen Siedler blieben im Land. In Tanganyika dagegen mussten alle deutschen Staatsangehörigen die Kolonie verlassen. Diese Arbeit beschränkt sich auf das letztere Gebiet, da hier mit besonderem Ehrgeiz eine Wiederbesiedlung mit Deutschen betrieben wurde. Mit Beginn des 2. Weltkriegs wurden fast alle Deutschen interniert oder mussten das Land verlassen.
Seit 1926, als Deutschland Mitglied im Völkerbund wurde, war es deutschen Staatsangehörigen wieder erlaubt, sich in Tanganyika niederzulassen. Der Status der ehemals deutschen Kolonien als Mandatsgebiet des Völkerbundes wurde in Deutschland so interpretiert, dass eine Rückgabe an Deutschland in absehbarer Zeit möglich sein würde. Deutsche Siedler, in erster Linie in Südwestafrika und Tanganyika, waren ein Argument dafür. Deshalb wurde die Auswanderung dorthin vom Staat als Volkstumspflege gefördert. Die NSDAP hatte schon vor ihrer Machtergreifung Ortsgruppen in diesen beiden Ländern gegründet, war aber erst seit 1933 in der Lage flächendeckend präsent zu sein.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Deutsche im Ausland nach dem 1. Weltkrieg
2.1 Versailles und das deutsche Kolonialreich
2.2.Volkstumspolitik, Versailles und die Auslandsdeutschen
3. Die Auslandsorganisation der NSDAP
3.1 Aus der Geschichte der Auslandsorganisation
3.2. Die NSDAP AO in Tanganyika und der Deutsche Bund
4. Vermutungen und Reaktionen der Briten
5. Tanganyika und das Sudetenland
6. Die Auslandsorganisation und ihre Landsleute
6.1 Evangelische Mission, die Schulen und der Deutsche Bund
6.2. Missionar und Parteifunktionär, ein „afrikanischer“ Antisemitismus
6.3. Katholische Mission und die NSDAP
6.4. Devisenbewirtschaftung
7. Spionage
8. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss der Auslandsorganisation der NSDAP in der ehemaligen deutschen Kolonie Tanganyika im Zeitraum zwischen 1933 und 1939. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, inwiefern die Ortsgruppen der NSDAP tatsächlich als „fünfte Kolonne“ fungierten oder ob ihre Aktivitäten primär der Disziplinierung und Kontrolle der eigenen deutschen Landsleute im Ausland dienten.
- Rolle und Arbeitsweise der Auslandsorganisation der NSDAP im Ausland
- Einflussnahme auf deutsche Vereine, Schulen und Kirchengemeinden
- Reaktionen der britischen Mandatsverwaltung auf nationalsozialistische Aktivitäten
- Verhältnis zwischen ideologischer Indoktrination und Opportunismus der deutschen Siedler
- Bedeutung der „Volkstumspolitik“ für die koloniale Revisionspolitik
Auszug aus dem Buch
Die Auslandsorganisation und ihre Landsleute
Stattdessen arbeiteten die Auslandsorganisation in Deutschland und die NSDAP Ortsgruppen in Tanganyika daran, den Zugriff auf die Deutschen weiter zu intensivieren. Gauleiter Bohle hatte schon erkannt, dass man nur mit Druck im Ausland nicht zum Ziel gelangen würde.
„Die Gruppe der NSDAP bleibt nach wie vor der rein nationalsozialistische Kern der jeweiligen deutschen Kolonie und wird ein umso grösseres Ansehen geniessen, je mehr die Gruppe es versteht, die übrigen Reichsdeutschen für das Gedankengut des nationalsozialistischen Reiches zu gewinnen. Bei dieser besonderen Aufgabe kommt es in aller erster Linie gerade auf dieses ‚Gewinnen‘ an.“
Hilfreich für die Überzeugungsarbeit waren auch Unterstützungen materieller Art für die deutschen Siedler. Dazu gehörten z.B. günstige Startkredite, die Übernahme der erforderlichen Kaution bei der Mandatsverwaltung, und der Ankauf von Kaffee und Sisal zu höheren als den Marktpreisen. Auch die Nationalsozialistische Volkswohlfahrt (NSV) war in Tanganyika präsent, finanzierte den Schulbesuch von Kindern in Deutschland, deren Eltern dazu nicht in der Lage waren oder betrieb ein Müttererholungswerk.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt das Erkenntnisinteresse an der Auslandsorganisation der NSDAP in Tanganyika dar und erläutert die verwendete Quellenlage sowie die zeitliche Begrenzung auf den Zeitraum bis 1939.
2. Deutsche im Ausland nach dem 1. Weltkrieg: Dieses Kapitel skizziert die historische Vorgeschichte nach Versailles, die durch den Verlust des Kolonialreichs und eine forcierte Volkstumspolitik geprägt war.
3. Die Auslandsorganisation der NSDAP: Es wird der organisatorische Werdegang der Auslandsorganisation der NSDAP beschrieben und deren Etablierung in Tanganyika im Kontext des Deutschen Bundes aufgezeigt.
4. Vermutungen und Reaktionen der Briten: Dieses Kapitel analysiert die britische Wahrnehmung der deutschen Präsenz und die von den Behörden befürchteten subversiven Aktivitäten.
5. Tanganyika und das Sudetenland: Die Untersuchung befasst sich mit den Auswirkungen der europäischen Ereignisse von 1938, wie dem Anschluss Österreichs und der Sudetenkrise, auf die politische Stimmung in der Kolonie.
6. Die Auslandsorganisation und ihre Landsleute: Hier werden die Versuche der Partei beleuchtet, mittels sozialer Unterstützung, Schulkontrollen und Einflussnahme auf kirchliche Strukturen die deutschen Siedler an die nationalsozialistische Ideologie zu binden.
7. Spionage: Das Kapitel setzt sich kritisch mit dem häufig geäußerten Vorwurf auseinander, die Auslandsorganisation sei primär als Spionageorganisation tätig gewesen, und differenziert diesen Befund.
8. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass die Ortsgruppen vorwiegend Disziplinierungs- und Kontrollinstrumente gegenüber der eigenen Gemeinschaft waren.
Schlüsselwörter
Auslandsorganisation, NSDAP, Tanganyika, Deutschostafrika, Volkstumspolitik, Nationalsozialismus, Mandatsverwaltung, Deutscher Bund, Schulwesen, Mission, Disziplinierung, Propaganda, Spionage, Drittes Reich, Kolonialrevision.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?
Die Arbeit untersucht die Aktivitäten der Auslandsorganisation der NSDAP in Tanganyika zwischen 1933 und 1939, um deren tatsächlichen Einfluss und Charakter zu bestimmen.
Welche zentralen Themenfelder werden in dem Buch behandelt?
Zentrale Themen sind die Rolle der NSDAP-Ortsgruppen, das Verhältnis der deutschen Siedler zur NS-Ideologie, der Einfluss auf Institutionen wie Schulen und Kirchen sowie die Reaktion der britischen Mandatsverwaltung.
Was ist die primäre Forschungsfrage des Autors?
Die zentrale Frage ist, ob die Auslandsorganisation in Tanganyika lediglich als „fünfte Kolonne“ und Spionageinstrument agierte oder ob ihr Fokus primär auf der ideologischen Gleichschaltung und Kontrolle der eigenen Landsleute lag.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Die Untersuchung basiert auf einer intensiven Quellenanalyse, unter anderem von Berichten des amerikanischen Konsuls, Archivunterlagen der Bethel-Mission sowie NS-Rundschreiben und Dokumenten aus dem Bundesarchiv.
Was wird im Hauptteil der Untersuchung thematisiert?
Der Hauptteil analysiert die Instrumente der Machtausübung (Wohlfahrt, Schulkontrolle, wirtschaftliche Anreize), die Konfrontation mit der Mission und die britische Skepsis gegenüber der deutschen Gemeinde.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Werk?
Wesentliche Begriffe sind Auslandsorganisation, Volkstumspolitik, Tanganyika, Gleichschaltung, Mandatsverwaltung und Kolonialrevision.
Wie bewertet der Autor die Rolle des „Deutschen Bundes“ in Tanganyika?
Der Autor zeigt, dass der Deutsche Bund zunächst als Instrument zur ideologischen Vereinheitlichung diente, bevor er zunehmend unter den Einfluss der NSDAP geriet.
Welche Rolle spielte die Evangelische Mission in der Auseinandersetzung mit der NSDAP?
Die Mission versuchte, ihre Unabhängigkeit zu wahren, war jedoch durch die Abhängigkeit von Geldern aus dem Deutschen Reich und den Druck der lokalen NS-Ortsgruppen in einem permanenten Spannungsfeld zwischen christlichem Bekenntnis und politischer Anpassung.
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- Christian Neumann (Author), 2017, Hitlers "fünfte Kolonne" oder nur eine Volkstanzgruppe? Die NSDAP in Tanganyika zwischen 1933 und 1939, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/368416