Um nachzuvollziehen, in welchem historischen Kontext der Fuldaer Domherr Philipp Anton von Bibra seine Preisfrage gestellt hat, wird zunächst wird die Ausgangslage beschrieben. Dabei ist aber eine differenzierte Betrachtungsweise von Nöten: Sowohl die positiven als auch die negativen Aspekte der „Krummstabländer“ werden betrachtet und mit den protestantischen Gebieten verglichen. Dazu wird insbesondere auf die Punkte eingegangen, welche die Verfasser der Preisschriften bemängelt haben.
Um die Hintergründe Bibras zu ergründen, und auch auf die Bedeutung seiner Frage eingehen zu können, wird seine Biografie im nächsten Punkt vorgestellt. Dies geschieht recht ausführlich, damit das scheinbar antagonistische Dasein Bibras als Geistlicher und Aufklärer gedeutet werden kann.
Anschließend werden drei ausgewählte Preisschriften, von Joseph von Sartori5, Friedrich Carl Freiherr von Moser6 und Joseph Andreas Schnaubert, inhaltlich dargelegt. Dabei wird zunächst auf den Hintergrund der Teilnehmer des Preisausschreibens eingegangen. Anschließend wird lediglich Bezug auf den Grundtenor genommen, eine detailliertere Analyse erfolgt im Punkt 3.3.
Die Schriften explizit dieser drei Autoren werden vorgestellt, da sie als Zeugnis der Disputation dienen, die zu dieser Zeit in der Reichskirche geherrscht hat. Darüber hinaus nehmen sie, gerade was die Wahlkapitulationen und die Wahl an sich betreffen, konträre Position ein, was Wiederholungen verhindert. Die Ergebnisse der Arbeiten Sartoris, Mosers und Schnauberts werden daraufhin bezüglich des Bildes, das sie von der Geistlichkeit haben, dem Sozialwesen, der Erziehung und Wahlkapitulationen verglichen.
Bewusst wurde hier eine Doppelung der im zweiten Punkt „Ausgangslage“ vorgestellten Aspekte vermieden, um ein weiter fassendes Bild der geistlichen Staaten, welches Sartori, Moser und Schnaubert, mit ihren Abhandlungen malen, aufzuzeigen. Insgesamt vermitteln die Preisschriften eine detaillierte Darstellung von den „Krummstabländern“ des deutschen Reichs Ende des 18. Jahrhunderts.8 Im darauf folgenden Punkt 3.4 soll die Bedeutung der Frage analysiert und bewertet werden. Im Fazit wird das Ergebnis dieser Arbeit zusammengefasst.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Ausgangslage
2.1 Unvereinbarkeit von geistlichem Amt und landesherrlicher Stellung
2.2 Militär
2.3 Wirtschaft
2.4 Sozialwesen
2.5 Bildung, Kunst und Kultur
3. Die Preisfrage des Fuldaer Domherrn von Bibra
3.1 Biographie Philipp Anton von Bibra
3.2 Preisschriften
3.2.1 Joseph von Sartori
3.2.2 Friedrich Carl Freiherr von Moser
3.2.3 Joseph Andreas Schnaubert
3.3 Vergleich der Preisschriften
3.3.1 Bild der Geistlichen
3.3.2 Sozialwesen
3.3.3 Erziehung durch die Geistlichen
3.3.4 Wahlkapitulationen
3.4 Bedeutung der Preisfrage
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die historische Wahrnehmung der geistlichen Staaten des Heiligen Römischen Reiches am Ende des 18. Jahrhunderts, zentriert um die Preisfrage des Fuldaer Domherrn Philipp Anton von Bibra. Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen der wahrgenommenen Rückständigkeit der "Krummstabländer" und der Lebensqualität der Bewohner durch die Analyse zeitgenössischer Preisschriften zu ergründen.
- Historischer Kontext der geistlichen Staaten
- Analyse der Preisschriften von Sartori, Moser und Schnaubert
- Kritik an der Unvereinbarkeit von geistlichem und landesherrlichem Amt
- Untersuchung der Wahlkapitulationen und ihrer Auswirkungen
- Biographische Einordnung von Philipp Anton von Bibra
Auszug aus dem Buch
3.3.1 Bild der Geistlichen
Vergleicht man die Preisschriften Sartoris, Mosers und Schnauberts, so fällt sofort das negative Bild auf, das sie von den Geistlichen haben. Schnaubert verurteilt das Leben der geistlichen und betitelt ihr Dasein als „arbeitslos“ und „müffig“:
„Kann man sich als möglich gedenken, daß der ganze große Haufen der Geistlichen nur aus guten, weißen, verständigen, richtig denkenden und handelnden Menschen bestehen werde? Wird nicht das Leben in Stiftern und Klöstern noch immer im Ganzen ein arbeitsloses und müffiges Leben bleiben, wozu auch leere und schale Köpfe tauglich sind? Sind nicht Unwissenheit und Müßiggang ihrer Natur nach die Quellen alles Uebels?65
Auch Sartori fand einige Kritikpunkte. Er bemängelte, dass die Domherren häufig die älteren Kandidaten zum Landesherrn machten, um möglichst schnell selbst wieder eine Chance auf deren Stellung zu haben. Darüber hinaus warf er den geistlichen Regenten Selbstsucht und Nepotismus vor:
„Insgemein kommen in den geistlichen Wahlstaaten Regenten auf den Thron, die den größten Theil ihrer besten Lebensjahr schon zurückgelegt haben: diese sind öfters für das Beste ihrer Familien zu sehr besorgt, als daß sie ihren Ueberfluß zum Beßten des Landes anwenden, da doch ohne Unterstützung des Regenten kein Staat sich verbessern kann.“66
Moser war der Meinung der beiden anderen Verfasser der Preisschriften. Er sprach vom „Müßiggang“ des geistlichen Standes, der sich durch Stiftungen nur noch weiter vermehrte.67
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung des historischen Kontextes der geistlichen Staaten und der Bedeutung der Preisfrage des Fuldaer Domherrn von Bibra als "Präludium der Säkularisation".
2. Ausgangslage: Analyse der Rahmenbedingungen in den geistlichen Staaten, inklusive der kritischen Betrachtung von Politik, Militär, Wirtschaft, Sozialwesen und Kultur.
3. Die Preisfrage des Fuldaer Domherrn von Bibra: Detaillierte Betrachtung der Biographie Bibras sowie die Vorstellung und vergleichende Analyse der Preisschriften von Sartori, Moser und Schnaubert.
4. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse, insbesondere der unterschiedlichen Perspektiven auf die Wahlkapitulationen und die historische Einordnung des Endes der Reichskirche.
Schlüsselwörter
Germania Sacra, geistliche Staaten, Philipp Anton von Bibra, Preisfrage, Aufklärung, Wahlkapitulationen, Joseph von Sartori, Friedrich Carl Freiherr von Moser, Joseph Andreas Schnaubert, Säkularisation, Reichskirche, Sozialwesen, Bildung, Domkapitel, 18. Jahrhundert
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?
Die Arbeit analysiert die Kritik an den geistlichen Staaten ("Krummstabländer") im ausgehenden 18. Jahrhundert, die durch die Preisfrage des Fuldaer Domherrn Philipp Anton von Bibra angestoßen wurde.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf der Regierungsverfassung der geistlichen Staaten, den sozialen und wirtschaftlichen Strukturen sowie der Rolle von Bildung, Kunst und Kultur in diesen Territorien.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, ein detailliertes Bild der geistlichen Staaten zu zeichnen und zu ergründen, warum diese trotz ihrer kulturellen Blüte bei Zeitgenossen als "rückständig" galten.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Es handelt sich um eine historisch-analytische Arbeit, die primär auf der Auswertung und dem Vergleich zeitgenössischer Preisschriften (von Sartori, Moser und Schnaubert) sowie historischer Sekundärliteratur basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Darstellung der Ausgangslage, eine biographische Einordnung Bibras und eine vergleichende Analyse der drei ausgewählten Preisschriften hinsichtlich ihrer Kritik an Geistlichkeit, Sozialwesen, Erziehung und Wahlkapitulationen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Germania Sacra, Katholische Aufklärung, Preisschriften, Wahlkapitulationen und Säkularisation.
Wie bewerteten die Preisschreiber das Verhältnis zwischen Domkapiteln und Landesherrn?
Alle drei Autoren (Sartori, Moser, Schnaubert) sahen in den Wahlkapitulationen ein strukturelles Hindernis, das notwendige Reformen blockierte und die Handlungsfähigkeit der geistlichen Fürsten massiv einschränkte.
Warum wird Bibra trotz seiner Kritik an den geistlichen Staaten nicht als Kirchengegner eingeordnet?
Bibra war ein tief religiöser Katholik und gut ausgebildeter Geistlicher; sein Anliegen war nicht die Zerstörung des Systems, sondern eine interne Reform im Sinne eines verantwortungsbewussten Patriotismus.
- Citation du texte
- Sina Ramsperger (Auteur), 2017, "Unterm Krummstab ist gut leben?" Die Preisfrage des Fuldaer Domherrn von Bibra, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/368492