Die Handlungsmotivation als genuines Moralkriterium. Ethische Bewertung von Spenden zwischen Konsequenz und Motivation


Hausarbeit, 2016

12 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung.

2. Hauptteil
2.1 Signifikanz der Handlungsmotivation als genuines Moralkriterium
2.2 Relevanz der Handlungsmotivation als genuines Moralkriterium
2.3 Ethische Bewertungen von Spenden zwischen Konsequenz und Motivation

3. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In einer zunehmend individualisierten und emanzipierten Gesellschaft gewinnen moralische und ethische Prinzipien nicht nur im allgemeinen gesellschaftlichen Dialog, sondern auch bei wirtschaftlichen Sachverhalten zunehmend an Bedeutung. Dass moralische Verfehlungen wie persönliche Bereicherung oder ethische Ignoranz zum großangelegten Scheitern eines Konzerns führen können, zeigt der Fall des amerikanischen Großkonzerns Enron in beeindruckender Weise auf (De Vous, 2002). In Folge solcher Fälle, die der Wirtschaft und der Gesellschaft messbaren Schaden zufügen, versuchen staatliche Instanzen verstärkt unethische Unternehmenshandlungen bereits vor ihrem Auftreten durch zusätzliche Regularien und Aufsichtsbehörden zu verhindern. Die nur bedingte Effektivität solcher Maßnahmen beweisen Affären wie die um Erin Brockovich und Pacifc Gas & Electric, bei der die immensen Verfehlungen des Konzerns nur durch enormes Engagement von Privatpersonen aufgedeckt und bestraft werden konnten (Steinberg, 2013). Zusätzlich nehmen die Medien einen immer wichtigeren Platz in der Enthüllung von ‚vermeintlich‘ schlechter Unternehmenspolitik und insgesamt in der Bestimmung des gesellschaftlichen Dialogs um Moralfragen ein. Trotzdem sind die verfolgten Interessen zumeist mehr von Schlagzeilensucht sowie Auflagenstärke auf medialer Seite und der Schadensvermeidung für die Gesellschaft oder der Verbesserung von Wahlergebnissen auf staatlicher Seite dominiert. Eine ethische Motivation aus fundamentalen moralischen Grundprinzipien heraus gerät dabei zunehmest ins Hintertreffen. Aber ob eben gerade diese Motivation überhaupt eine entscheidende Rolle in der ethischen Bewertung von ‚moralischen‘ Handlungen spielen sollte, möchte ich in dieser Ausarbeitung diskutieren.

Im Rahmen der Untersuchung werfen sich unterschiedlichste Fragen auf: Zu Beginn muss ganz grundsätzlich die Signifikanz der Hintergrundmotivation für die ethische und moralische Richtigkeit einer Handlung hergeleitet werden. Ist diese hinreichend belegt, schließt sich folglich die Diskussion um die Relevanz der Handlungsmotivation als genuines Moralkriterium in ethischen Bewertungen an. Exemplarisch möchte ich nach der Diskussion der Grundsatzfrage die Relevanz der Handlungsmotivation am Beispiel des Spendenverhaltens bei großangelegten Spenden von Millionären und Milliardären erörtern. Damit möchte ich den Versuch unternehmen die Rolle der Handlungsmotivation an einem Fallbeispiel abseits von theoretischen Grundsatzdiskussionen zu bewerten.

2. Hauptteil

2.1 Signifikanz der Handlungsmotivation als genuines Moralkriterium

Die wesentlichste Frage um die ethische Beurteilung der Motivation ist deren grundsätzliche Signifikanz für ethische Fragestellungen. Diese Frage bedarf der generellen Klärung des Ethikbegriffes und der aus ihm abgeleiteten Handlungslogik. Dazu ist es notwendig verschiedene theoretische Betrachtungsweisen von Ethik heranzuziehen: Der Philosoph Arthur Schopenhauer diskutiert Ethik beispielsweise unter dem Hauptgesichtspunkt des Mitleids mit dem Anderen. Diese steht aus seiner Sicht unter zwei prinzipiellen Maximen: Zum einen aus der Aufforderung nicht aktiv schlechte Taten zu begehen, woraus die Gerechtigkeit abgeleitet wird, und aus der Aufforderung aktiv zu handeln um anderen zu helfen, woraus die Menschenliebe resultiert (Moosburger, 2012). Unter diesem Gesichtspunkt wird die Frage der Motivation hinter ethischen Handlungen fast vollkommen ausgeblendet. Wichtig sind hier nur das Konstrukt des Handelns im Rahmen des Positiven und das Unterlassen des Negativen. Allerdings belässt es Schopenhauer auch beim theoretischen Ansatz und unterlässt eine weitergehende Spezifizierung der These, die damit zwar als allgemeine Handlungsmaxime anerkannt, aber sich nur schwer auf konkrete ethische Situationsfragen anwenden lässt.

Vergleichbar zu Schopenhauers Betrachtung ist die sogenannte ÄGoldene Regel“, die aussagt, dass man andere so behandeln soll wie man selbst behandelt werden möchte (Ethica Rationalis e.V., 2011). Dieses Konzept ist historisch in verschiedensten Kulturkreisen fundamentiert und findet sich auch in dem christlichen Werteverständis wieder. Nichtsdestotrotz lässt auch die Goldene Regel jegliche Bewertung der Handlungsmotivation als Bestandteil der Ethik aus.

Die christliche Ethik kann dabei jedoch auch weitergehend und konsequenter sein. Denn wenn zwar hier die Maxime allen Handelns auf die Nächstenliebe ausgerichtet ist, wird trotzdem auch die Motivation hinter Handlungen als Maßstab für das Ägottgerechte Leben“ angelegt (1. Korinther 13, n.d.). So muss eine vermeintlich ‚gute’ Tat durch Liebe und Selbstlosigkeit allein motiviert sein, was besonders in der neutestamentlichen Interpretation herausgestellt wird. Aus dem Ansatz heraus, dass der allwissende Gott die innigsten Gedanken der Menschen kennt, kann so auch eine Bestrafung von egoistisch motivierten Handlungen erfolgen, selbst wenn sie aus isolierter externer Sicht für ‚gut‘ gehalten werden könnten. Hierbei lässt sich also klar eine Signifikanz der Motivationsfrage für die ethische Beurteilung herleiten.

Als weiterer theoretischer Blickwinkel kann sich nun auch Peter Ulrichs unternehmensethische Konzeption herangezogen werden. Ulrich sieht dabei den Gemeinsinn als strikten Verzicht der Eigennutzenmaximierung (Ulrich, 2001). Ökonomisch negiert er damit die von Hobbes verfolgte These des Menschen als Eigennutzenmaximierer, lässt theoretisch aber durchaus einen Vergleich mit der oben beschriebenen christlichen Ethik zu. Denn als Konsequenz des Verzichts auf den Eigennutzen, muss jede Handlung, die nur durch denselben motiviert ist, auch als ethisch inkorrekt gelten. Die Frage, ob eine Handlung auch dann ethisch ist, wenn sie zusätzlich zum Gemeinsinn auch einen Eigennutzen verfolgt oder diesem als Begleiterscheinung zuträglich ist, wird im letzten Paragraph umfassender erörtert werden. Trotzdem kann auch hier eine Wesentlichkeit der Handlungsmotivation als genuines Moralkriterium in unterstützender Weise nachgewiesen werden.

Abschließend muss auch das eher radikale Konzept des Utilitarismus in die Diskussion mit einbezogen werden, um diese zu vervollständigen. Nach Benthams ÄPrinzip der Nützlichkeit“ ist alles Handeln der Maxime des größten Glücks für die größte Zahl untergeordnet (Bentham, 1907). Ethik ist dabei also nur die Konsequenz der Entscheidung für eine der Handlungsalternativen die dem Menschen gegeben sind (Wesche, 2001). Dabei wird jede weiterführende Frage nach der Motivationgrundlage hinter der Entscheidung oder nach dem Ausgleich zwischen verschiedenen Interessen hinfällig. Da aber auch der Utilitarismus vergleichbar mit Schopenhauer und der Goldenen Regel als äußerst abstraktes Model aufgefasst werden kann, sehe ist völlige Widerlegung der Signifikanz von Motivation als ethisches Moralkriterium damit nicht hinreichend belegt.

Auch wenn diese Konzepte die Frage der Motivation als Zwischenschritt ausblenden, spielt sie doch gerade in der christlichen Ethik oder auch bei Peter Ulrich eine nicht unwesentliche Rolle. Um zu einem abschließenden Urteil zu kommen, muss die Diskussion auf die aktuellen Umstände abgeleitet werden. Bezogen auf die heutige Zeit, ergibt sich die Signifikanz des Moralkriteriums Motivation aus der Entwicklung der westlichen Gesellschaft: Diese ist zunehmend auf das Individuum fokussiert, welches subjektiv handelt und damit eigene Betrachtungen von ethischen Fragestellungen vor allgemeingültige Grundprinzipien stellt (Seibel, 2005). Damit gewinnt eine interne Betrachtung, also die Frage nach individueller Motivation und Eigeninteressen, zunehmend an Bedeutung für die gesamtethische Beurteilung von Handlungen. Als Konsequenz dieser Umstände kann die Signifikanz der Handlungsmotivation als genuines Moralkriterium belegt werden, wenn auch manche gegenteilige theoretische Ansätze dieser Schlussfolgerung widersprechen.

2.2 Relevanz der Handlungsmotivation als genuines Moralkriterium

Folgend auf die Erörterung der Signifikanz der Handlungsmoral im vorangegangenen Paragraphen, rückt nun die Frage nach der Relevanz ebendieser für die grundsätzliche ethische Beurteilung von Handlungen in den Mittelpunkt. Um die Motivation des Individuums weiterfassend zu diskutieren ist es notwendig diese aufzuschlüsseln. Grundsätzlich können zwei Arten der Motivation unterschieden werden. Erstens die intrinsische und zweitens die extrinsische Motivation (Robbins & Judge, 2010). Die extrinsische Motivation ist in drei weitere Ebenen unterteilbar. Die affektive Ebene mit den Elementen Lob und Anerkennung, die soziale Ebene mit der Motivation des sozialen Status und letztlich die berufliche Ebene mit dem Streben nach Geltung und Prestige. Die intrinsische Motivation steht dazu im Gegensatz für die Handlungsmotivation aus eigenem inneren Antrieb heraus mit Neugier, Anregung, Wissen und Erkenntnis als Kernmotivatoren, die in keiner Weise zusätzlich extern unterstützt werden.

Durch diese Kategorisierung von Motivation wirft sich nun die Frage auf, welche Art der Motivation als ethisch ‚gut‘ oder ‚schlecht‘ angesehen werden kann. Wenn man die Handlungsmotivation nun also als genuines Moralkriterium festlegen sollte, kann man die intrinsische Motivation, die aus Eigenantrieb heraus ohne Eigennutzen hervortritt, als die wünschenswerte und ethisch korrekte Motivationsform identifizieren. Dass aber auch die intrinsische Motivation zu einem gewissen Teil von Eigennutzen geprägt sein kann, zeigt wie unscharf und schwer festlegbar die Trennlinie zwischen ethisch ‚guter‘ und ‚schlechter‘ Motivation ist. Um nun die Relevanz der Motivation für die ‚gute‘ oder ‚schlechte‘ ethische Bewertung einer Handlung zu erörtern, muss diese unter Anwendung der theoretischen Konzepte der Deontologie und der Teleologie diskutiert werden (Hübner 2014).

Die aristotelische Teleologie bewertet dabei ausschließlich den Zweck der Handlung. Das Verhalten selbst verliert dabei an Bedeutung für die ethische Beurteilung, solange die Konsequenzen der Handlung gut sind. Die Deontologie verfolgt dabei einen anderen Ansatz. Nach deontologischen Prinzipien muss die Tat selbst gut sein, unabhängig von ihren Konsequenzen. Sie folgt klaren Regeln, die konsequent angewendet werden sollen. Bei beiden Betrachtungsweisen auf die Ethik spielt die Handlungsmotivation keine entscheidende Rolle. Selbst bei der Deontologie in ihrer Reinform ist mehr die Handlung als solche im Mittelpunkt der Betrachtung und weniger die Motivation hinter dieser.

Geht man jedoch tiefer und betrachtet die kantsche Prinzipienethik, so kann man durchaus eine Relevanz der intrinsischen Motivation als ethisches Moralkriterium herleiten. Denn wenn man das ethische Ideal als ohne Eigennutzen und nur dem Gewissen folgend definiert, so stimmt Kants Pflichtbegriff mit der oben definierten Form der intrinsischen Motivation überein (Kirchgessner, n.d.). Damit lässt sich die hier erarbeitete Betrachtung der Motivation als relevantes genuines Moralkriterium als konsequente Fortsetzung der kantschen Prinzipienethik in die heutige Zeit auffassen, die die gute Motivation als Maxime jeder Handlung sieht. Unterstützt wird dieser Ansatz von der Theorie des Altruismus, der ebenfalls die Leitgedanken der Selbstlosigkeit und der Rücksicht auf andere in jeder Handlung verfolgt.

Die Idee des altruistischen Verhaltens zieht damit wieder den Rückschluss zur Motivation, da die Entscheidung für das Handeln hier im Eigenantrieb aus einer Form der Liebe entspringen muss (Klein, 2009). Problematisch in der abschließenden Beurteilung der Relevanz der Motivation für die ethische Beurteilung von Handlungen ist der Mangel an belastbaren Quellen. Dadurch dass die Motivation bisher kaum von Theoretikern in Bezug zur ethischen Richtigkeit von Handlungen gesetzt wurde, lässt sich die Frage nach der Relevanz letztlich nur durch eine Fortsetzung der Konzepte der Prinzipienethik und des Altruismus klären. Nimmt man diese konsequente Erweiterung vor, kann die Signifikanz und Relevanz der intrinsischen Handlungsmotivation als genuines Moralkriterium besonders in der heutigen Gesellschaft durchaus belegt werden.

2.3 Ethische Bewertungen von Spenden zwischen Konsequenz und Motivation

Nachdem nun sowohl Signifikanz als auch Relevanz der Handlungsmotivation als Moralkriterium umfassend erörtert wurden, ist es nötig die Diskussion von einer theoretischen Betrachtung auf konkrete Sachverhalte des alltäglichen Lebens zu lenken und damit die Praxistauglichkeit der Überlegungen zu überprüfen. Dies soll exemplarisch am Themenkomplex der Spende, also der freiwilligen Abgabe von monetären Mitteln oder nicht-monetären Gütern an andere, betrachtet werden.

[...]

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Die Handlungsmotivation als genuines Moralkriterium. Ethische Bewertung von Spenden zwischen Konsequenz und Motivation
Hochschule
Otto Beisheim School of Management Vallendar
Note
1,3
Autor
Jahr
2016
Seiten
12
Katalognummer
V368496
ISBN (eBook)
9783668480605
ISBN (Buch)
9783668480612
Dateigröße
590 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ethik, Handlungsmotivation, Moral, Spenden, Motivation
Arbeit zitieren
Cedric Crecelius (Autor), 2016, Die Handlungsmotivation als genuines Moralkriterium. Ethische Bewertung von Spenden zwischen Konsequenz und Motivation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/368496

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