In der Vergangenheit wurde die Finanzierungssituation von Unternehmen durch Fremdkapital in Form von Bankkrediten dominiert, woraus eine geringere Eigenkapitalausstattung resultierte. Unternehmen mussten Forderungsausfallrisiken berücksichtigen und haben daher eher auf lange Zahlungsziele für deren Kunden verzichtet.
Gerade heute haben es kleine und mittelständische Unternehmen schwerer denn je günstig und unkompliziert Bankkredite zu erhalten, da die Kreditinstitute „wegen der Eigenkapitalvorschriften von Basel II bei der Kreditvergabe die Risiken angemessen berücksichtigen müssen.“ Aus diesem Grund wird das Factoring in den nächsten Jahren an Bedeutung in der Unternehmensfinanzierung und als Risikomanagementinstrument gewinnen. Durch dieses Modell können die Unternehmen ihre Forderungen an einen Factor abtreten und so die offenen Forderungen sofort in Liquidität umwandeln.
Des Weiteren ist die eigene Bonität des Unternehmens für den Factor weniger entscheidend als die der Kunden, an die sich dieser bei Fälligkeit der Forderung wenden wird. Das sogenannte echte Factoring mit Übernahme des Delkredererisikos kann daher als kostengünstigere, sicherere und unkompliziertere Alternative zur Finanzierung und für das Risikomanagement eines Unternehmens gegenüber traditionellen Bankkrediten gesehen werden. Diese These werde ich, inklusive Begriffserklärungen, Merkmalen und Formen des Factorings, in meiner folgenden Seminararbeit kritisch untersuchen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Begriffe und Merkmale zum Factoring
2.1 Echtes und unechtes Factoring
2.2 Offenes und stilles Factoring
2.3 Kosten des Factorings
3 Lösung von Finanzierungsproblemen durch Factoring im Vergleich zur Kreditfinanzierung
4 Factoring als Instrument im Risikomanagement
5 Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Seminararbeit untersucht das Factoring als alternative Finanzierungsmethode und Instrument zur Risikominimierung in Unternehmen, wobei insbesondere die Vorteile gegenüber klassischen Bankkrediten im Kontext der Baseler Eigenkapitalrichtlinien kritisch beleuchtet werden.
- Funktionsweise von echtem und unechtem Factoring
- Gegenüberstellung von Factoring und Kreditfinanzierung
- Kostenstrukturen und Wirtschaftlichkeit von Factoring
- Bedeutung für das betriebliche Risikomanagement
- Branchenspezifische Eignung und Anwendungsmöglichkeiten
Auszug aus dem Buch
2 Begriffe und Merkmale zum Factoring
„Factoring ist der Ankauf von Forderungen aus Warenlieferungen und Dienstleistungen durch eine spezialisierte Finanzierungsgesellschaft oder ein Kreditinstitut (Factor). Die Vorteilhaftigkeit hinsichtlich der Finanzierung liegt darin, dass die Unternehmung über Liquidität verfügen kann, bevor ihre Forderungen fällig sind, und [das] Ausfallrisiko im Wesentlichen auf den Factor übergeht.“
Das heißt das Unternehmen tritt als Kunde der Factoringgesellschaft auf und überträgt die offenen Forderungen vor Fälligkeit gegen einen oder mehrere Forderungsschuldner auf den Factor gegen eine Gebühr bzw. Provision.
Der Forderungsverkäufer trägt bei jeder Form des Factorings das Veritätsrisiko, also haftet für die Rechtsbeständigkeit der Forderungen.
Ist die Forderung tatsächlich zustande gekommen, das heißt es handelt sich bspw. nicht um einen Betrugsfall durch den Ausgleichszahler, so findet ein Aktivtausch in der Bilanz des Unternehmens statt. „Konkret werden in der Bilanz Forderungen der Aktivseite gegen Kasse getauscht.“
Der Vorteil liegt hierbei in der schnellen Abwicklung, sodass der Kunde Verbindlichkeiten kurzfristig begleichen kann, ohne weitere Kredite aufnehmen zu müssen. Der Kunde tritt lediglich seine Forderungen ab und zahlt eine entsprechende Forderungsvergütung, während der Factor sich bei Fälligkeit der Forderung selbst an den Kunden wendet.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Beleuchtung der Ausgangslage, in der klassische Bankkredite durch Basel II erschwert wurden, und Einführung in die Relevanz des Factorings.
2 Begriffe und Merkmale zum Factoring: Definition des Factoring-Begriffs sowie Erläuterung der verschiedenen Formen, wie echtes/unechtes sowie offenes/stilles Factoring und deren Kosteneffekte.
3 Lösung von Finanzierungsproblemen durch Factoring im Vergleich zur Kreditfinanzierung: Analyse der Vorteile des Factorings hinsichtlich Liquiditätssteigerung und Bonitätsprüfung im Vergleich zur traditionellen Kreditaufnahme.
4 Factoring als Instrument im Risikomanagement: Untersuchung, wie Factoring durch die Delkrederefunktion vor Forderungsausfällen schützt und die Prozesshaftung auslagert.
5 Fazit: Zusammenfassende Bewertung der These, dass Factoring eine unkomplizierte, sichere und bei richtiger Anwendung kosteneffiziente Finanzierungsalternative darstellt.
Schlüsselwörter
Factoring, Finanzierung, Risikomanagement, Liquidität, Delkrederefunktion, Kreditinstitute, Basel II, Forderungsausfall, Forderungsmanagement, Bonitätsprüfung, echte Factoring, unechte Factoring, Eigenkapitalrichtlinien, Unternehmenskredit, Forderungsabtretung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert Factoring als Instrument zur Unternehmensfinanzierung und dessen Funktion im betrieblichen Risikomanagement.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten zählen die Definition verschiedener Factoring-Arten, die Abgrenzung zum Bankkredit sowie die Übertragung von Delkredere- und Servicefunktionen auf einen Factor.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es zu belegen, dass Factoring für Unternehmen eine flexiblere und oft sicherere Alternative zur klassischen Kreditfinanzierung unter den Bedingungen von Basel II darstellt.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und einer kritischen Untersuchung theoretischer Konzepte sowie praxisbezogener Beispiele der Factoring-Anwendung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil erörtert die Definitionen, Kostenstrukturen, den Vergleich zum klassischen Bankkredit und die konkreten Mechanismen zur Risikominimierung durch Factoring.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlagworte sind Factoring, Liquidität, Delkrederefunktion, Forderungsausfall und Risikomanagement.
Wie unterscheidet sich das echte vom unechten Factoring?
Beim echten Factoring übernimmt der Factor das Delkredererisiko (Ausfallrisiko), während beim unechten Factoring das Risiko beim Unternehmen verbleibt und die Forderung nur als Sicherheit dient.
Warum beeinflusst Basel II die Attraktivität von Factoring?
Da Basel II Banken zu strengeren Eigenkapitalvorschriften und restriktiverer Kreditvergabe zwingt, wird Factoring als alternative Liquiditätsquelle für Unternehmen immer bedeutender.
Gibt es branchenspezifische Einschränkungen bei der Nutzung von Factoring?
Obwohl Factoring vielseitig einsetzbar ist, fordern einige Anbieter Mindesttransaktionsvolumina oder schließen bestimmte Branchen aus, die mit hohen Reklamationsquoten verbunden sind.
Kann Factoring auch Forderungen gegen Privatkunden absichern?
Ja, sofern es sich um standardisierte Massengeschäfte (Micropayment) handelt, wie es etwa bei Transport- oder Verkehrsunternehmen der Fall ist.
- Citation du texte
- Nils Becker (Auteur), 2016, Factoring als Instrument in der Unternehmensfinanzierung und im Risikomanagement, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/368555