Vergleich der Konzepte der Erlebnispädagogik und oder Lebensweltorientierten Sozialen Arbeit


Hausarbeit, 2016
20 Seiten, Note: 1,7
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Geschichte der Erlebnispädagogik
2.1 Die wichtigsten Vordenker
2.2 Kurt Hahn
2.2.1 Biographie
2.2.2 Erlebnistherapie
2.3 Erlebnispädagogik nach dem 2. Weltkrieg
2.4 Moderne Erlebnispädagogik

3 Kernideen und Mittel der Erlebnispädagogik
3.1 Ausgewählte Definitionen
3.2 Kernideen der Erlebnispädagogik
3.3 Möglichkeiten und Ziele
3.4 Zielgruppen

4. Lebensweltorientierte Soziale Arbeit
4.1 Grundidee
4.2 Vergleich der LWO und der EP

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Erlebnispädagogik und Lebensweltorientierte Soziale Arbeit sind Begriffe, die einem im Studium der Sozial- und Organisationspädagogik öfters begegnen. Aber wie sind die Konzepte entstanden und wie haben sie sich weiterentwickelt? Kann man von Unterschieden und Gemeinsamkeiten sprechen? Die Soziale Arbeit hat in den letzten Jahren eine große Bedeutung erfahren. Viele Menschen nehmen Angebote und Hilfeleistungen der Sozialen Arbeit in Anspruch. Es gibt unzählige Möglichkeiten die Klienten in ihren Anliegen zu unterstützen. Häufig wird aber auf altbewährte, individuell angepasste Methoden zurückgegriffen. Erlebnispädagogik und Lebensweltorientierte Soziale Arbeit sind zwei Konzepte, deren Ursprünge schon mehrere Jahrzehnte, sogar Jahrtausende zurückliegen. Dennoch haben sie sich durchgesetzt und weiterentwickelt. In der heutigen Zeit greift die Soziale Arbeit gerne darauf zurück und hat damit große Erfolge zu verzeichnen. Im Folgenden werden die geschichtlichen Entwicklungen, mit den wichtigsten Wegbereitern, und Grundideen beider Konzepte beschrieben. Anschließend wird ein kurzer Vergleich der Erlebnispädagogik und der Lebensweltorientierten Sozialen Arbeit aufgestellt.

2 Geschichte der Erlebnispädagogik

Nachfolgend gebe ich einen kurzen Überblick über die geschichtliche Entwicklung der Erlebnispädagogik. Sie hat sich aus vielen verschiedenen Einflüssen der Pädagogik, Psychologie und Philosophie entwickelt und blickt auf eine mehr als 2000 Jahre alte Geschichte zurück. Schon die alten Griechen, wie Platon (427 – 347 v. Chr.), hatten erste erlebnispädagogische Grundgedanken (Baig-Schneider, 2012).

2.1 Die wichtigsten Vordenker

Anfang des 18. Jahrhunderts, in der Epoche der Aufklärung, sind erste moderne Entwicklungen hin zur Erlebnispädagogik erkennbar. Jean-Jacques Rousseau (1712 – 1778) galt in dieser Zeit als Wegbereiter der Erlebnispädagogik. In seinem Werk „Émile – oder über die Erziehung“ (1762) erkennt er die Kindheit als eine wichtige Lebensphase an.

Er plädiert dafür, Kind Kind sein zu lassen, die Natur als Erziehungsmittel zu nutzen und damit „zurück zur Natur“ zu gelangen. Rousseau stellte fest, dass drei Dinge entscheidend für die Erziehung eines Kindes sind: „Die Natur oder die Dinge oder die Menschen“ (ebd., S. 10). Mit diesen Gedanken bildete Rousseau schon die ersten Grundelemente für die moderne Erlebnispädagogik.

Als ein zweiter wichtiger Vordenker ist Henry David Thoreau (1817 – 1862) zu nennen. In seinem Walden-Experiment flüchtete er vor dem rasanten technischen Fortschritt zur Zeit der amerikanischen Industrialisierung und gelangte zu der Erkenntnis, mit einfachsten Mitteln in der Natur zu Überleben und zurück zu den wirklich wichtigen Dingen im Leben zu gelangen (vgl. Thoreau, 1971).

John Dewey (1856 – 1952) war einer der wichtigsten amerikanischen Pädagogen und Vertreter des handlungs- und erfahrungsorientierten Lernens. Er prägte den Begriff „Learning by doing“ und war überzeugt davon, dass „die einzige Art der Ausbildung für einen Beruf die Ausbildung durch einen Beruf“ (Dewey, 1933) sei. „Er war zutiefst davon überzeugt, dass Lernen durch Handeln nachhaltiger wirkt als Befehle, Verbote, Billigungen und Mißbilligungen“ (ebd., S. 33).

Die bedeutenden Wurzeln der heutigen Erlebnispädagogik finden sich in der Reformpädagogik, eine entscheidende Umwälzung gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Besonders betroffen davon waren die Erziehung, die Bildung und außerschulische Aktivitäten. ‚Erlebnis’, der ‚Augenblick’, die ‚Unmittelbarkeit’, die ‚Gemeinschaft’, die ‚Natur’, die ‚Echtheit’ und die ‚Einfachheit’ sind zentrale Begriffe der Reformpädagogik und finden sich in der Erlebnispädagogik wieder.

2.2 Kurt Hahn

Kurt Hahn wird als bedeutendster Wegbereiter der Erlebnispädagogik und anerkannter Reformpädagoge bezeichnet, obwohl er kein Studium der Pädagogik vorweisen konnte. Wegweisend für seine pädagogischen Ansichten waren sicherlich Ereignisse in seinem Leben während des ersten Weltkrieges. Um seine späteren Gedanken besser nachvollziehen zu können werde ich im Folgenden kurz sein Leben skizzieren.

2.2.1 Biographie

Kurt Martin Hahn wurde am 05. Juni 1886 als Sohn jüdischer Eltern in Berlin geboren. Seine schulische Ausbildung beendete er 1904 mit dem Abitur. Danach entschied er sich für ein Studium der klassischen Philosophie und Philologie an den Universitäten Oxford, Berlin, Heidelberg Freiburg und Göttingen. Aufgrund seiner Erfahrungen im Ausland wurde er im ersten Weltkrieg zum politischen Referenten des Auswärtigen Amtes und der obersten Heeresleitung. Später war er als Privatsekretär des letzten deutschen Reichskanzlers Prinz Max von Baden tätig.

Mit ihm gründete Kurt Hahn 1920 das Landerziehungsheim Schule Schloss Salem am Bodensee und eröffnete neben diesem noch vier weitere Zweigschulen in Hermannsberg, Spetzgart, Hohenfels und Birklehof im Schwarzwald. Neben seiner Tätigkeit als Leiter dieser Schule unterrichtete er zudem auch Geschichte, Politik, Altgriechisch, und Literatur bis 1933. Kurt Hahn stellte sich gegen das nationalsozialistische Regime und wurde nach seiner Haft aus Baden verbannt. Daraufhin emigrierte er nach Großbritannien und gründete dort ebenfalls drei Schulen, von denen Gordonstoun die Berühmteste war. Nachdem diese 1941 aus Kriegsgründen evakuiert werden musste gründete Hahn in Wales seine erste ‚Outward Bound School’ und wird zum Mitinitiator für weitere Internatschulen in Großbritannien, Griechenland und den USA. Aufgrund gesundheitlicher Beschwerden trat er 1953 von seinem Amt als Leiter zurück und kehrte nach Salem zurück. 1962 gründete er in Wales das erste „United World College“, wovon mittlerweile 15 Colleges weltweit existieren. Am 14. Dezember 1974 starb Kurt Hahn im Alter von 88 Jahren in Ravensburg.[1] [2]

2.2.2 Erlebnistherapie

Mit seinem Konzept der Erlebnistherapie und der Gründung der ‚Outward Bound Schools’ legte Kurt Hahn seinerzeit den Grundstein der heutigen Erlebnispädagogik. Der Begriff ‚Outward Bound’ bezeichnet in der englischen Seemannssprache ein Schiff, das bereit ist zu großer Fahrt auszulaufen (Michl, 2011). Das Schiff steht symbolisch für die Schüler, die durch das Konzept auf die große Fahrt ins Leben vorbereitet werden sollen.

Hahn beobachtete in der damaligen Gesellschaft unterschiedliche Verfallserschei-nungen:

- Mangel an menschlicher Anteilnahme
- Mangel an Sorgsamkeit
- Verfall der körperlichen Tauglichkeit und
- Mangel an Initiative und Spontaneität (Michl, 2011, S. 27 f.).

Jedem Mangel stellt er in seinem Konzept der Erlebnistherapie ein Element gegenüber.

Zu den Elementen gehört Dienst am Nächsten, welches dem Mangel an menschlicher Anteilnahme gegenübersteht. Das Erlernen von Erster Hilfe, Berg- und Seenotrettung zählt zu den Diensten.

Das Projekt stellt handwerklich-technische oder künstlerische Anforderungen an die Jugendlichen und soll den Mangel an Sorgsamkeit beseitigen.

Um dem Verfall der körperlichen Tauglichkeit entgegenzuwirken nutzt er das körperliche Training, zu dem leichtathletische Übungen und Natursportarten wie Segeln, Kanufahren, Wandern und Bergsteigen gehören.

Dem Mangel an Initiative und Spontaneität wird die Durchführung von Expeditionen entgegengesetzt. Bei einer mehrtägigen Tour in herausfordernden Naturlandschaften sind die Teilnehmer für die Planung, Vorbereitung und die gemeinsame Bewältigung verantwortlich. (Michl 2001, S.27 f.)

Als Ziel definierte Hahn die Motivation der Jugendlichen Herausforderungen anzunehmen, sozialen Umgang mit Menschen zu erlernen und herauszufinden, welche Fähigkeiten in ihnen stecken. In meist vierwöchigen kurzzeitpädagogischen Kursen führte er die Erlebnistherapie mit Jugendlichen im Alter von 16 bis 20 Jahren durch.

2.3 Erlebnispädagogik nach dem 2. Weltkrieg

Mit Ausbruch des Zweiten Weltkrieges 1933 geriet die Erlebnispädagogik stark in Verruf. Die NSDAP rief die „Hitler-Jugend“ (HJ), den „Bund Deutscher Mädel“ (BDM) und die „Kraft durch Freude“ (KDF) ins Leben und missbrauchte jegliche erlebnispädagogische Elemente zu Gunsten ihrer eigenen ideologischen Zwecke in dem sie Feste und Feiern, Fahrten und Lager etc. organisierten. Ziel dieser Unternehmungen war dabei ausschließlich die Formung der Jugendlichen im Sinne des nationalsozialistischen Regimes (Schirp 2013).

Nach dem Zweiten Weltkrieg 1945 versuchte man dort anzuknüpfen, wo die Entwicklung unterbrochen wurde. Der Begriff „Erlebnispädagogik“ war jedoch sehr negativ behaftet und wurde in den nächsten Jahrzehnten nicht weiter verwendet. Außerdem hatte man größere Probleme zu lösen, als sich um die Ausreifung des erlebnispädagogischen Ansatzes Gedanken zu machen.

2.4 Moderne Erlebnispädagogik

In den Vordergrund rückte die Erlebnispädagogik erst wieder in den 1970er Jahren, als sie zur Resozialisierung von Jugendlichen genutzt wurde. Viele Einflüsse aus verschiedenen Richtungen der Pädagogik, zum Beispiel Natur- und Umweltpädagogik, Spielpädagogik, Theater- und Zirkuspädagogik, unterstützten die Entwicklung zurück zur Erlebnispädagogik.

Seit Beginn der 1980er Jahre spricht man von der modernen Erlebnispädagogik. Neue Zielgruppen und Tätigkeitsfelder wurden angesprochen, dabei erfährt die Methode eine große Bedeutung. Die Weiterentwicklung methodischer Standards und neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen führten zu der Etablierung der Erlebnispädagogik als alternatives Modell handlungs- und erfahrungsorientierten Lernens (Paffrath 2013, S. 41).

3 Kernideen und Mittel der Erlebnispädagogik

Nachdem ich den geschichtlichen Verlauf der Erlebnispädagogik beschrieben habe möchte ich mich jetzt näher mit der Grundidee, dem Zweck und der Zielgruppe beschäftigen.

Zunächst stellt sich jedoch eine wichtige Frage: Was versteht man heute unter Erlebnispädagogik?

3.1 Ausgewählte Definitionen

Eine allgemeingültige und einheitliche Definition des Begriffs und der Methode ‚Erlebnispädagogik’ ist sehr schwer möglich. Ich habe zwei Definitionen ausgewählt, die nach meiner Meinung die Methode am Besten beschreiben.

„Erlebnispädagogik beschreibt einen methodischen und erlebnisorientierten Ansatz, der mittels vielfältigen und naturnahen Settings die Teilnehmenden vor reale Aufgaben, Herausforderungen, Frage- und Problemstellungen und eben erlebnisreiche Eindrücke stellt, deren Umsetzung, Lösung oder Internalisierung gleichzeitig eine positive Veränderung und Weiterentwicklung der eigenen Persönlichkeit fördern will.“[3]

(Stephan Straub & Leif Cornelissen N.E.W.-Institut Freiburg)

Heckmair und Michl definieren die Erlebnispädagogik als eine „handlungsorientierte Methode, in der die Elemente Natur, Erlebnis und Gemeinschaft pädagogisch zielgerichtet miteinander verbunden werden. […] Sie trägt zur zwischenmenschlichen Begegnung und Beziehung bei, weil sie durch notwendige und persönliche Nähe neue Sichtweisen der Fremd- und Selbstwahrnehmung eröffnet […].“ (Heckmair/Michl, 1994, S. 66)

Die Erlebnispädagogik ist demnach eine Teildisziplin der Erziehungswissenschaft und eine handlungsorientierte Methode, die verschiedene Medien, wie Natur, Abenteuer und Erlebnis, nutzt, um weiterbildende, therapeutische, erzieherische und persönlichkeitsfördernde Ziele zu erreichen.

[...]


[1] Vgl. https://www.schule-schloss-salem.de/privatschule-internat/schule-schloss-salem/geschichte/das-leben-von-kurt-hahn.html [01.09.2016]

[2] Vgl. http://www.uwc.de/uber-uwc/12-colleges-weltweit/ [01.09.2016]

[3] Vgl. http://www.new-institut.de/erlebnispaedagogik/definition-erlebnispaedagogik/ [30.08.2016]

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Vergleich der Konzepte der Erlebnispädagogik und oder Lebensweltorientierten Sozialen Arbeit
Hochschule
Universität Trier
Note
1,7
Jahr
2016
Seiten
20
Katalognummer
V368602
ISBN (eBook)
9783668473454
ISBN (Buch)
9783668473461
Dateigröße
531 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
vergleich, konzepte, erlebnispädagogik, lebensweltorientierten, sozialen, arbeit
Arbeit zitieren
Anonym, 2016, Vergleich der Konzepte der Erlebnispädagogik und oder Lebensweltorientierten Sozialen Arbeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/368602

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