Der Begriff des Helden unter besonderer Berücksichtigung von E.T.A. Hoffmann: "Der goldenen Topf"


Seminar Paper, 2003
19 Pages, Grade: Sehr gut (1)

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hoffmann als Vertreter der Romantik

3. Der Heldenbegriff in der Literaturgeschichte

4. Der romantische Held

5. Der Held bei E.T.A. Hoffmann

6. „Der Goldene Topf“
6.1. Autor
6.2. Entstehungsgeschichte
6.2. Inhalt
6.3. Struktur
6.4. Die Figurenkonstellation

7. Der romantischer Held Anselmus

8. Vergleich zwischen Anselmus und Nathanael

9. Zusammenschau und Heldenbegriff unserer Zeit

10. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Begriff des Helden unter besonderer Berücksichtigung von E.T.A. Hoffmann und seinem Werk „Der goldene Topf“. Ich habe den Begriff des Helden unter verschiedenen Gesichtspunkten beleuchtet und mich anhand eines aktuellen Zeitungsartikels mit den Ansprüchen beschäftigt, die heutzutage an einen Helden gestellt werden. Darüber hinaus habe ich die Struktur von Hoffmanns „Der goldene Topf“ untersucht und mich mit seiner Person und Epoche befasst.

2. Hoffmann als Vertreter der Romantik

Der Begriff „Romantik“ geht auf das altfranzösische Wort „romanz“ zurück, das die romanische Volkssprache im Gegensatz zum Latein der Gelehrten bezeichnet hat. Aus diesem sprachlichen Kern geht später das Wort „Roman“ hervor. Das Adjektiv „romantisch“ wird zunächst im Sinne von „wie in einem Roman“ verwendet, also phantasievoll, abenteuerlich, erdichtet und eher als Kritik verstanden. Später umfasst der Begriff auch immer mehr das Exzentrische, Überspannte, Unheimliche, Gruselige und Grausige, sowie das Gefühlsselige und Empfindsame. Im 17. Jahrhundert wird „romantisch“ als ein beschreibender Begriff für Landschaftsmalereien verwendet und ist nicht mehr abwertend zu verstehen.

Im 18. Jahrhundert entwickelt sich der Begriff „Romantik“ von der Bedeutungsvielfalt des Wortsinnes fort zu einem wissenschaftlichen Begriff, der als Gegenstück zur „Klassik“ zu verstehen ist. Dem klassischen Menschenbild, das durch Gesetz und Maß, Ordnung und Sitte geprägt ist, setzt die „Romantik“ eine von tiefem Gefühl und Unbestimmtheit geprägte neue Sehweise entgegen (vgl. Schulz, 2002, S. 10-12).

Das Aufkommen der romantischen Kultur in Europa geht einher mit tief greifenden Veränderungen der Lebensverhältnisse im ausgehenden 18. Jahrhundert und beginnenden 19. Jahrhundert. Hier sei auf die Französische Revolution (1789), den Aufstieg und Fall Napoleons, die Neuordnung Europas auf dem Wiener Kongress (1815) und die Entstehung des Nationalstaatsgedankens verwiesen sowie auf die Karlsbader Beschlüsse (1819), die Pressezensur und eine Beaufsichtigung der Hochschulen zur Folge hatten.

„Romantik“ ist ein von dem Wandel der „Denkungsart“ und „Mentalität“ geprägter Begriff, der sich allein auf den Bereich der ästhetischen Kunst beschränkt und ohne einen eindeutig beschreibbaren „romantischen“ Stil auskommen muss (vgl. Ebenda S.26-27).

„Seine Stärke erwies sich nicht in der Fähigkeit, gewisse Sachverhalte – etwa eines bestimmten und genau bestimmbaren Stils – zu benennen, sondern darin, dass er als Messinstrument zur Erkenntnis ebensolcher Kombinationen und Zusammenhänge zwischen Kunst, Geschichte, Naturverständnis und Mentalität in einem gewissen historischen Ausblick [der sehr bedeutend war, vgl. oben] dienen kann“ (Ebenda S.138).

Höchster Ausdruck der romantischen Vorstellung ist die Musik, das »Wunder der Tonkunst« (Wackenroder), das »unbekannte Reich« »unaussprechlicher Sehnsucht« (Hoffmann). Traum, Vision, Wunder, Dämmerung u. Halbwachen, 'Ahnungen', Gemütszustände dem Somnambulismus und dem Mesmerismus ähnlich, letzten Endes auch der Wahnsinn gehören zur poetischen Gemütswelt der Romantik

(vgl. Killy Literaturlexikon, 2000, S. 25031 Digitale Bibliothek. Globale Bildschirmseite).

Die Romantik gliedert sich in Früh – und Spätromantik. Zwar werden im Roman der Spätromantik im Wesentlichen die frühromantischen Strukturmodelle fortgeschrieben, doch lässt sich bei Armin und Hoffmann eine gegenüber der Frühromantik deutlich höher ausgebildete Souveränität in der fragmentarischen Konstruktion feststellen. Diese geht mit einer Zunahme des Phantastischen einher. Aus der Kombination von Phantastik, Schrecken und einer ausdifferenzierten psychologischen Reflexion ist der einzige bedeutende Schauerroman der deutschen Literatur entstanden: Hoffmanns „Die Elixiere des Teufels“ (vgl. Kremer, 1999, S.136/7).

Anhand der gegebenen Definition lässt sich Hoffmanns Zugehörigkeit zur Romantik insbesondere der Spätromantik, durch eine auszugsweise Betrachtung seines Werks deutlich festmachen.

Dem „Wunder der Tonkunst“ huldigt Hoffmann in „Das Sanctus“, wo im ganzen Werk die Musik im Vordergrund steht.

„Visionen“ und die Sehnsucht nach dem „unbekanntem Reich“ sind im „Goldenen Topf“ immer wiederkehrende, tragende Motive.

Eine Vision als Trugbild spielt auch im „Öden Haus“ eine wichtige Rolle.

„Dämmerung und Halbwachen“ sind Zustände, in denen sich Anselmus aus dem „Goldenen Topf“ immer wieder befindet.

Hoffmann war aber seiner Zeit in einigen Belangen auch voraus, so spielen

Automaten und Maschinen in seinem Werk eine wichtige Rolle. Sie sind als Vorboten des Industriezeitalters zu verstehen. Er greift somit schon früh mit der Beziehung Mensch-Maschine eine bedeutende Fragestellung des 19. Jahrhunderts auf.

In seinem letztem Werk „Des Vetters Eckfenster“ verzichtet Hoffmann völlig auf das Phantastische, Übernatürliche und Unheimliche, sonst integrale Bestandteile seiner Dichtung und nähert sich dem Realismus (1848-1897) an.

Abschließend kann man sagen, dass Hoffmann obwohl er einer der Dichter der Romantik war, häufig von der allgemeinen Strömung der Zeit abweicht und mit einigen Werken und Fragestellungen seiner Zeit weit voraus war.

3. Der Heldenbegriff in der Literaturgeschichte

Der Begriff des „Helden“ ist in der Literaturwissenschaft nicht eindeutig bestimmt. Man bezeichnet die Hauptfigur, den Protagonisten eines Romans, als „Helden“ und gebraucht das Wort vermeintlich neutral und wertfrei. Zur näheren Bestimmung des Begriffes spricht man vom Antihelden, stellt dem positiven den negativen Helden gegenüber und unterscheidet zwischen starken und schwachen „Helden“. Doch lassen diese Umschreibungen keine eindeutige Definition zu, sie bleiben wage und unbestimmt (vgl. Plett, 2002, S. 22/3).

Einen Versuch der Umschreibung unternimmt Herbert Kolb:

Ein Held im ersten Sinne ist jemand, der mit Tatkraft und Standhaftigkeit vorwiegend im Handeln, doch auch im Erleiden, bestimmte Qualitäten eines verbindlichen und respektierten Wertsystems in besonders scharfen Situationen verwirklicht; in diesem Sinne ist „Held“ also ein Wertbegriff. Im zweiten Fall ist „Held“ wertungsfrei: Held eines Romans oder Dramas kann auch sein, wer die Merkmale und Qualitäten eines Helden im ersten Sinne nicht erfüllt, wer also, von diesem her geurteilt, ein Nicht-Held oder gar ein Anti-Held ist

(Kolb zitiert nach Plett 2002: Der Name des „Helden“. Betrachtung zur Geltung und Geschichte eines Wortes. In: Zeiten und Formen in Sprache und Dichtung. Festschrift für Fritz Tschirch zum 70. Geburtstag. Hg. von Karl-Heinz Schirmer und Bernhard Sowinski. Köln, Wien 1972. S.384).

Aber auch diese Beschreibung lässt viele Fragen offen, etwa ob der positive „Held“ zwangsläufig ein guter „Held“ sein muss und der negative ein schlechter, oder ob der „Anti-Held“ das genaue Gegenstück des „Helden“ ist.

Festzuhalten bleibt, dass der literarische „Held“ nicht heroisch sein muss, sondern auch völlig entgegen dem die positiv konnotierten Wertvorstellungen einer Gesellschaft verkörpernden (Positiv-) Helden wirken kann.

Der „Held“ wird mit positiv, stark und hell in Beziehung gesetzt. Dem gegenüber steht der „Anti-Held“, dem Eigenschaften wie negativ, schwach und dunkel zugeordnet werden. Der „mittlere Held“ ist eine literaturwissenschaftliche Hilfskonstruktion, die für den sich kaum durch besondere Fähigkeiten oder Merkmale hervorhebenden „mittelmäßigen Helden“ (wertfrei) verwendet wird (vgl. Plett, 2002, S. 95-98).

4. Der romantische Held

Bei der Annäherung an den Begriff des „romantischen Helden“ tauchen zwangsläufig wieder die schon oben bei dem Versuch der Beschreibung von „Romantik“ und „Helden“ aufgetretenen Probleme auf.

Die Helden der Romantik sind grundverschieden und voller charakterlicher Gegensätze.

Abgesehen von der Tatsache, dass der „romantische Held“ literarischen Werken aus dem Zeitraum von etwa 1790-1840 entspringen muss, sind alle Figuren auf den ersten Blick in Herkunft, Anlage, Neigung und Verhalten verschieden.

Doch sind auch Gemeinsamkeiten wie die banal erscheinende Tatsache, dass alle „romantischen Helden“ Kunstfiguren, also Produkte kreativer Phantasie sind, zu erkennen.

Aus der historisch-gesellschaftlichen Blickrichtung betrachtet zeichnet den „romantischen Helden“ eine Reaktion auf die Verhältnisse und Situation, also Enttäuschung, Resignation, Weltflucht, Entsagung und Opferbereitschaft, aber auch Rebellentum und Opposition, aus.

Psychologisch gesehen zeichnet sich der „romantische Held“ durch eine gesteigerte Sensibilität und Reflexivität aus, mit Folgen wie Melancholie, Weltschmerz, Unrast, Gefühlsleere, Liebesunfähigkeit, Zynismus, aber zugleich Sehnsucht und Schwärmerei ebenso wie Geistesstörungen verschiedener Art.

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Details

Title
Der Begriff des Helden unter besonderer Berücksichtigung von E.T.A. Hoffmann: "Der goldenen Topf"
College
University of Cologne  (Seminar für Deutsche Sprache und ihre Didaktik)
Course
Analyse von Prosatexten
Grade
Sehr gut (1)
Author
Year
2003
Pages
19
Catalog Number
V36886
ISBN (eBook)
9783638363976
File size
477 KB
Language
German
Tags
Begriff, Helden, Berücksichtigung, Hoffmann, Topf, Analyse, Prosatexten
Quote paper
Florian Rolf (Author), 2003, Der Begriff des Helden unter besonderer Berücksichtigung von E.T.A. Hoffmann: "Der goldenen Topf", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/36886

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