Die manische und hypomanische Episode der Bipolaren Störung

Ein Vergleich von DSM-IV-TR und DSM 5


Seminararbeit, 2016

23 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Symptome nach DSM-IV-TR und DSM 5
2.1 Manische Episode
2.2 Hypomanische Episode
2.3 Gemischte Episode

3 Verlauf von bipolaren Störungen nach DSM-IV-TR und DSM-5 .
3.1 Die Bipolar-I Störung
3.2 Bipolar-II Störung
3.3 Rapid Cycling
3.4 Zyklothymie

4 Epidemiologie
4.1 Prävalenz
4.2 Verlauf
4.3 Komorbidität

5 Diagnose

6 Fazit

7 Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Phasen der bipolaren Störung

Abbildung 2: Die gemischte Episode

Abbildung 3: Verlauf der Bipolar-I Störung

Abbildung 4: Verlauf der Bipolar-II Störung

Abbildung 5: Verlaufsform Rapid Cycling

Abbildung 6: Verlauf der Zyklothymie-Störung

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Vergleich der Kriterien einer manischen Episode nach DSM IV-TR und DSM-5

Tabelle 2: Vergleich der Kriterien einer hypomanischen Episode nach DSM IV-TR und DSM-5

Tabelle 3: Vergleich der Kriterien einer Bipolar-I-Störung nach DSM IV-TR und DSM-5

Tabelle 4: Vergleich der Kriterien einer Bipolar-II nach DSM IV-TR und DSM-5

Tabelle 5: Vergleich der Kriterien einer Zyklothymie nach DSM IV-TR und DSM5 .

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Bipolare Störungen sind gekennzeichnet durch wiederkehrende Episoden von extremen Hoch- und Tiefstimmungen. Betroffene erleben wechselweise oder auch zugleich manische und depressive Phasen, welche über mehrere Tage und Wochen hinweg andauern können (vgl. Abb.1).

Abbildung 1: Phasen der bipolaren Störung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die psychosozialen Folgen einer bipolarer Erkrankungen sind weitreichend. Unbehandelt kann zum Beispiel eine 25-jährige betroffene Frau etwa eineinhalb Jahrzehnte ihres gesunden unbeeinträchtigten Lebens verlieren. Neben großen Einschränkungen in beruflichen und familiären Bereichen kann sich ihre Lebenserwartung um neun Jahre verkürzen. Zusätzlich ist ihr Suizidrisiko gegenüber der allgemeinen Bevölkerung signifikant erhöht (Kasper, et al., 2013). Dieses Beispiel verdeutlicht, wie wichtig es ist, eine Bipolare Störung frühzeitig und korrekt zu diagnostizieren, umso eine optimale und angemessene Therapie gewährleisten zu können. Im klinischen Alltag ist dies aber leider oft nicht der Fall, häufig werden Bipolare Störungen nicht erkannt oder fehldiagnostiziert, wodurch Betroffene in ihrem Leiden keine angemessene Hilfe erhalten. Im Gegenteil, eine unzureichende Behandlung kann den Krankheitsverlauf verschlechtern und die Frequenz der Episoden erhöhen (Grunze & Severus, 2005).

In der vorliegenden Arbeit sollen die Symptome, Diagnosekriterien und die Probleme in der Diagnostik einer Bipolaren Störung genauer erörtert werden. Im Hinblick auf die Neuveröffentlichung der fünften Auflage des DSM (DSM-5; Falkai & Wittchen, 2014) im Jahr 2013, sollen zusätzlich die Veränderungen zu der älteren vierten Auflage (DSM-IV-TR von 1994;Sass, Wittchen, Zaudig, & Houben, 2003) herausgearbeitet und diskutiert werden.

2 Symptome nach DSM-IV-TR und DSM 5

2.1 Manische Episode

Das Wort „Manie“ stammt aus dem altgriechischen und bedeutet so viel wie „Wahnsinn“ oder „Raserei“. Die Manie ist wohl die einzige psychische Störung, welche von vielen Betroffenen als angenehm empfunden wird (Finze & Hofmann- Richter, 2014). Die Symptome einer Manie zeigen sich praktisch in allen Lebens- und Wahrnehmungsbereichen. Auf der kognitiven Ebene zählen die heitere bis gehobene Stimmung, die sehr positive und optimistische Einstellung, die Angst- und Sorglosigkeit sowie das bis zum Größenwahn steigende Selbstbewusstsein nur zu einigen der Symptomen, die, zumindest in der akuten Phase, von den Betroffenen als positive Steigerung der Lebensqualität wahrgenommen werden (Finze & Hofmann- Richter, 2014; Meyer & Bauer, 2011) . Aber auch leichte Reizbarkeit, Unmut und Streitlust gehören nicht selten zu den Stimmungen der Manie. Auf der körperlichen Ebene kommt es zu einem deutlich verminderten Schlafbedürfnis, einem gesteigerten Antrieb, einer sexuellen Überaktivität und erhöhten Stärkegefühlen (Schäfer, Mehlfeld, Bauer, & Bauer, 2011). Gesteigerter Antrieb und Aktivität gehen mit beschleunigtem Denken und Sprechen, Unruhe, leichter Ablenkbarkeit und einem hohen Beschäftigungsdrang einher. Manische Patienten sind in ihrem Verhalten sehr unternehmungslustig und gesellig. Sie treffen unüberlegte Entscheidungen, können Gefahren nicht richtig einschätzen und neigen zu hohen unbedachten Geldausgaben. Auch aggressive Verhaltensweisen, Streitereien und Provokationen sind typische Merkmale einer manischen Phase (Schäfer, Mehlfeld, Bauer, & Bauer, 2011). Die Folgen sind meist verehrend. Oft werden nur die angenehmen Aspekte des Lebens wahrgenommen und mögliche Konsequenzen ignoriert. So kann es zum Beispiel vorkommen, dass die eigene Familie, der Haushalt oder der Beruf von dem Betroffenen stark vernachlässigt wird, hohe Schulden durch Glücksspiele und unbedachte Einkäufe angehäuft und wahllose Affären eingegangen werden.

Ist die Symptomatik einer Manie sehr ausgeprägt kann es zusätzlich zu psychotischen Erscheinungen kommen (z.B. Liebeswahn, Größenwahn oder religiöser Wahn). Auch Sinnestäuschungen können sowohl in optischer als auch akustischer Art auftreten (Schäfer, Mehlfeld, Bauer, & Bauer, 2011).

Bei einer akuten manischen Phase ist die Krankheits- und Behandlungseinsicht zumeist sehr gering oder der „Normalzustand“ ist für die Betroffene nicht erstrebenswert. Er fühle sich ja „in Topform“ und „Kerngesund“ (Schäfer, Mehlfeld, Bauer, & Bauer, 2011)

In der folgenden Tabelle werden jeweils die Kriterien einer manischen Episode des DSM-IV-TR (Sass, Wittchen, Zaudig, & Houben, 2003) und des DSM-5 (Falkai & Wittchen, 2014) gegenübergestellt.

Tabelle 1: Vergleich der Kriterien einer manischen Episode nach DSM IV-TR und DSM-5

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Aus Tabelle 1 wird ersichtlich, dass die Veränderungen der Diagnosekriterien einer manischen Episode von DSM-IV-TR zu DSM-5 nicht all zu groß sind. Zum einen wird hier in Kriterium A neben einer expansiven Stimmung eine gesteigerte Energie und Aktivität vorausgesetzt. Mit dieser Veränderung wird nun die charakteristische Symptomkonstellation einer manischen Episode, im Sinne des aufgedrehten bzw. überdrehten Zustands, eindeutiger beschrieben. Gleichzeitig wird eine Abgrenzung zu einer sehr guten Stimmungen mit gleichzeitig niedrigem Aktivitätslevel, wie sie zum Beispiel im Urlaub anzutreffen ist, ermöglicht (Severus & Bauer, 2014). Zum anderen entfällt im DSM-5 die Differentialdiagnose der gemischten Episode (vgl. Abschn. 2.3).

2.2 Hypomanische Episode

Sind die Symptome einer Manie weniger stark ausgeprägt und von kürzerer Dauer, spricht man von einer Hypomanie. Im Gegensatz zur Manie sind die Betroffenen in sozialen, familiären und beruflichen Bereichen noch angepasst und damit weniger schwer in ihrem Leben beeinträchtigt (Sass, Wittchen, Zaudig, & Houben, 2003; Meyer & Bauer, 2011). Aufgrund dieser geringen Beeinträchtigung im Funktionsniveau werden die emotionalen, kognitiven und behavioralen Veränderungen der Betroffenen eher von Freunden und Bekannten bemerkt und von ihnen als untypisch empfunden. Typische Merkmale einer Hypomanie sind, das Absinken der Hemmungen im sozialen Bereich, Prahlereien oder Grenzverletzungen.

Diese Symptome können zu Missverständnissen, Missstimmung und Meinungsverschiedenheiten mit anderen Personen führen. Oft besteht aber auch nur für mehrere Tage eine angehobene Stimmung mit vermehrter körperlicher Energie und Schaffenskraft (Meyer & Bauer, 2011; Schäfer, Mehlfeld, Bauer, & Bauer, 2011). Bei einer Hypomanie treten im Gegensatz zur Manie keine psychotischen Symptome wie Wahnvorstellungen und Halluzinationen auf.

Eine Hypomanie wird von den Betroffenen häufig nicht nur als normal sondern auch als angenehm und nur selten als krankheitswertig empfunden. Aufgrund der milden Symptomatik wird sie auch oft von Ärzten und Psychologen nicht erkannt. Dies ist vor allem in jener Hinsicht bedenklich, dass sich aus einer unbehandelte Hypomanie eine schwere Manie entwickeln kann. Unerkannte Hypomanien können des Weiteren zu Fehldiagnosen wie zum Beispiel die der unipolaren Depression führen, was aufgrund der unterschiedlichen Behandlungsverfahren ebenfalls einen beschleunigten Krankheitsverlauf zur Folge haben kann (vgl. Abschn. 5; Kasper, et al., 2013).

Die Kriterien A und B einer hypomanischen Episode im DSM-IV-TR und DSM 5 entsprechen den Kriterien der manischen Episode (vgl. Tabelle 1). Der einzige Unterschied bezieht sich auf die nötige Symptomdauer. Für die Diagnose einer hypomanischen Episode müssen die Symptome lediglich 4 Tage andauern. Die Kriterien C-F werden in der folgenden Tabelle gegenübergestellt.

Tabelle 2: Vergleich der Kriterien einer hypomanischen Episode nach DSM IV-TR und DSM-5

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2 zeigt, dass in den Kriterien C-F der hypomanischen Episode nur eine geringfügige Veränderung im neuen DSM-5 vorgenommen wurde; Lediglich auf das Kriterium des medizinischen Krankheitsfaktors wurde verzichtet.

2.3 Gemischte Episode

Die gemischte Episode ist definiert durch das gleichzeitige oder schnell wechselnde Auftreten von sowohl depressiven als auch (hypo)manischen Symptomen (vgl. Abb.2). Zum Beispiel kommt es zu einem raschen Wechsel zwischen Bedrücktheit, Traurigkeit, Euphorie und reizbarem Verhalten. Betroffene haben oft Schlafstörungen, sind unablässig unruhig und weisen in manchen Fällen psychotische Symptome auf (Arolt, Reimer, & Dilling, 2011). Das komplexe Erscheinungsbild einer gemischten Episode ist durch eine erschwerte Diagnostik und Behandlung gekennzeichnet, da es auf Medikamente schlecht anspricht, sehr heterogen ist und eine besonders schwere Symptomatik aufweist (Köhler & Stöver, 2015). So berichten zum Beispiel Swann et al. (2013) über höhere Komorbiditätsraten (besonders bei Angststörungen, Persönlichkeitsstörungen, Substanzabhängigkeit), einer höheren Episodenfrequenz, einem früheren Erkrankungsbeginn und schlechteren Behandlungsergebnissen. Auch das Suizidrisiko ist bei einer gemischten Episode wesentlich höher als bei einer „einfachen“ Episode (Köhler & Stöver, 2015).

Abbildung 2: Die gemischte Episode

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Das ehemalige DSM-IV-TR forderte für die Diagnosestellung einer gemischten Episode, dass für mindestens eine Woche sowohl die Kriterien einer manischen Episode als auch die einer depressiven Episode erfüllt werden (Sass, Wittchen, Zaudig, & Houben, 2003). Demzufolge konnte eine gemischte Episode nur für eine Bipolar-I Störung (vgl. Abschn. 3.1) diagnostiziert werden. Dieses enge diagnostische Fenster war mit der Problematik verbunden, dass es, trotz hoher Prävalenz, keine Möglichkeit gab subsyndromale gemischte Episoden zu diagnostizieren (Köhler & Stöver, 2015). Studien und klinische Erfahrungen zeigten, dass häufig Symptome eines gegenüberliegenden affektiven Pols zwar vorlagen aber nicht diagnostisch zugeordnet werden konnten (Nusslock & Frank, 2011; Pacchiarotti, et al., 2013; Köhler & Stöver, 2015).

Im aktuellen DSM-5 wurde diesem Problem entgegengetreten, indem man die herkömmliche gemischte Episode abschaffte. Stattdessen wurde die Zusatzbezeichnung „mit gemischten Merkmalen“ für beide Pole der affektiven Störung eingeführt. Für diese Zusatzdiagnose muss der Betroffene neben der eigentlichen akuten Episode mindestens drei Symptome des gegenüberliegenden Pols aufweisen. Die gemischte Episode ist nun also nicht mehr an die Bipolar-I Diagnose gebunden, sondern kann auch bei allen Episoden der Bipolar-II Störung (vgl. Abschn. 3.2) sowie der unipolaren Depression angewendet werden (Köhler & Stöver, 2015). Folgen dieser Veränderungen sind eine niedrigere diagnostische Schwelle und ein größerer Fokus auf das Krankheitsbild der gemischten Episode. Besonders im Hinblick auf den sehr heterogenen und komplexen Behandlungsverlauf kann die neue Möglichkeit der differenzierteren Wahrnehmung und Diagnostik von großem Vorteil sein.

3 Verlauf von bipolaren Störungen nach DSM-IV-TR und DSM-5

3.1 Die Bipolar-I Störung

Von einer Bipolar-I Störung wird gesprochen, wenn im Krankheitsverlauf des Betroffenen mindestens eine manische Episode diagnostiziert wird. Zumeist treten im Verlauf auch eine oder mehrere Episoden der Major Depression auf. Auch hypomanische Episoden sind möglich (vgl. Abb.3).

Abbildung 3: Verlauf der Bipolar-I Störung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Reihenfolge und Anzahl der auftretenden Episoden sind sehr individuell und unregelmäßig. Manche Episoden dauern dabei nur mehrere Tage an, die meisten jedoch bis zu mehreren Wochen. Wobei die manischen Episoden in der Regel kürzer sind als die depressiven Episoden. In der Regel liegen zwischen den Episoden symptomfreie Phasen vor, in denen Gemüt und Antrieb wieder den normalen Schwankungen unterliegen. Die Dauer dieser stabilen Stimmungslagen ist sehr unterschiedlich und kann von mehreren Wochen und Monaten bis zu mehreren Jahren andauern (Arolt, Reimer, & Dilling, 2011).

Die Kriterien für eine Diagnose der Bipolar-I Störungen stimmen im DSM-VI- TR und DSM-5 größtenteils überein, lediglich die Unterkodierungen wurden, wie in Tabelle 3 ersichtlich, überarbeitet. Wie in Abschnitt 2.3 erläutert kommt so zum Beispiel als Ersatz für die gemischte Episode die Unterkodierung „mit gemischten Merkmalen“ hinzu.

Tabelle 3: Vergleich der Kriterien einer Bipolar-I-Störung nach DSM IV-TR und DSM-5

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

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Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Die manische und hypomanische Episode der Bipolaren Störung
Untertitel
Ein Vergleich von DSM-IV-TR und DSM 5
Hochschule
Universität Ulm
Note
1,3
Autor
Jahr
2016
Seiten
23
Katalognummer
V368902
ISBN (eBook)
9783668473560
ISBN (Buch)
9783668473577
Dateigröße
476 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bipolare Störung, Manische Episode, Hypomanische Episode
Arbeit zitieren
Anna-Lena Broß (Autor), 2016, Die manische und hypomanische Episode der Bipolaren Störung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/368902

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