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Die soziale Macht der Schriftsprache. Wie kann Teilhabe trotz mangelnder Literalität funktionieren?

Alphabetisierung, Analphabetismus und die Notwendigkeit der Schriftsprachenkompetenz

Titel: Die soziale Macht der Schriftsprache. Wie kann Teilhabe trotz mangelnder Literalität funktionieren?

Bachelorarbeit , 2016 , 50 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Marie Grünheid (Autor:in)

Soziale Arbeit / Sozialarbeit
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Diese Arbeit soll einen Überblick über den sensiblen Umgang mit der Schriftsprache geben. Welch eine (soziale) Macht kann mit dem Gebrauch der Schriftsprache einhergehen? Wie bedeutend ist Schriftsprache in der heutigen Gesellschaft überhaupt? Warum sind manche Menschen, trotz eines Schulbesuchs, weniger literalisiert als andere? Und was kann eine Bevölkerung oder insbesondere die Soziale Arbeit tun, um diesen Menschen dennoch eine Teilhabe zu gewähren?

In Deutschland scheint der Gebrauch der Schriftsprache selbstverständlich. Ein basaler Grundbaustein, der nicht infrage gestellt wird, da jeder Mensch in der Gesellschaft zur Schule geht oder gegangen ist. Ob an der Bushaltestelle oder beim Einkaufen, am Bahnhof, beim Ausfüllen von Formularen, beim Suchen einer Wohnung - schriftsprachliche Fähigkeiten begegnen uns. Im Alltag, im Berufsleben und in der Freizeit, wie dem Lesen des Kino- oder Theaterprogrammes – die Schrift ist gegenwärtig. Zettel, Skripte, Briefe, das Recherchieren im Internet, Verträge, Nachrichten, es gibt so viel aufzuzählen, so viele Buchstaben, Textgattungen, die uns täglich begleiten.

Eingehend sei für die Einstimmung dieser Arbeit beispielhaft ein Fall aus dem Dokumentarfilm Abgestempelt? Leben mit Hartz IV von Thomas Reutter und Sylvia Nagel beschrieben. Es wird von einem Mann berichtet, der seit vielen Jahren arbeitssuchend ist und Arbeitslosengeld II nach dem SGB II bezieht. Er hat etliche Briefe und Auflagen vom zuständigen Jobcenter bekommen. Seine Anwältin beschreibt diese Briefe im Interview als schwierig lesbar, da die/der zuständige Betreuer*in sehr viele Abkürzungen benutzt hat, über die sie sich selbst erst kundig machen musste.

Nachdem der Interviewte den Auflagen des Jobcenters nicht nachgekommen war, folgte die Sanktionierung, später sogar zu hundert Prozent. Seine Wohnung ist daraufhin zwangsgeräumt worden. Er lebt seit einem Jahr in einer Obdachlosenunterkunft. Erwähnt sei an dieser Stelle, dass der Mann zu der Gruppe der funktionalen Analphabet*innen gehört, da er seinen Angaben nach, nicht lesen und schreiben kann. Diese Information habe er dem Jobcenter von Anfang transparent gemacht. Dieses Beispiel zeigt auf, dass nicht jeder Mensch innerhalb einer Gesellschaft in den Genuss von Teilhabe kommt.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

1.1 Darstellung eines gesellschaftlichen Phänomens

1.2 Aufbau der Arbeit

2 Schriftsprache

2.1 Die Notwendigkeit der Schriftsprachenkompetenz

2.2 Retrospektive der Schriftsprachenentwicklung

2.3 Mündlichkeit und Schriftlichkeit

2.4 Die Soziale Macht

2.4.1 Der Machtbegriff

2.4.2 Die soziale Macht durch Schrift

2.5 Definitionen

2.5.1 Literalität

2.5.2 Analphabetismus

2.5.3 Legasthenie

2.6 Ursachen von funktionalen Analphabetismus

2.7 Alphabetisierung

2.7.1 Internationale Alphabetisierungsbestrebungen

2.7.2 Nationale Alphabetisierungsbestrebungen in Deutschland

2.8 Aktuelle Studien

2.8.1 PIAAC 2012

2.8.2 Leo. Level- One-Studie

3 Teilhabe

3.1 Definition Teilhabe

3.2 Aktuelle politische Situation

3.3 Betroffene

3.4 Grundbildung

3.5 Möglichkeiten wirksamer Teilhabechancen

3.5.1 Das Konzept Leichte Sprache

3.5.2 Alpha–Siegel

3.5.3 Deutscher Volkshochschul-Verband

3.5.4 Lesen und Schreiben e.V. Berlin

3.5.5 Das Alphabündnis Neukölln

3.6 Neue Medien

3.7 Prävention

3.8 Sensibilisierung und Akzeptanz

3.8.1 Alfa-Mobil

3.8.2 Grundbildungszentren

4 Fazit

4.1 Aufgabe der Sozialen Arbeit

4.2 Ausblick

Zielsetzung und Themen

Die Bachelorarbeit untersucht die soziale Dimension der Schriftsprachenkompetenz und analysiert, wie trotz mangelnder Literalität eine gesellschaftliche Teilhabe möglich ist und welche Rolle die Soziale Arbeit dabei spielt.

  • Funktionaler Analphabetismus und soziale Exklusion
  • Literalität als Machtinstrument in der Gesellschaft
  • Teilhabechancen und Unterstützungsangebote für Betroffene
  • Bedeutung der Grundbildung und Präventionsstrategien
  • Die Rolle der Sozialen Arbeit bei der Inklusion

Auszug aus dem Buch

Die soziale Macht durch Schrift

Mit der Einführung der Schrift veränderte sich die Kommunikation der Menschen schlagartig. Nicht nur die schriftliche Speicherung von Leistungen des menschlichen Intellektes konnte erhalten und weiterentwickelt werden. Ebenso wurde aus der schriftlichen Mitteilung unter anderem Bürokratie, die mitunter – damals wie heute – auch als Machtinstrument der Herrschenden betrachtet werden kann. Ebenso wurde soziale Ungleichheit sehr früh mit der Schrift verbunden. Einst ein Privileg, dem Lesen und Schreiben mächtig zu sein, so ist es gegenwärtig die Basis, um in der avantgardistischen Gesellschaft überhaupt partizipieren zu können. Es ist eine Frage des Zugangs zur Schriftsprache, was die Ungleichheit innerhalb einer Gesellschaft bzw. die Macht über das Geschriebene ausmacht. Im Altertum waren es zum Beispiel die Tempelschreiber, die ihre Schreibkunst verteidigten, heutzutage sind es Verlage, die die Rolle des Türhüters einnehmen, ebenso wie die Rechtschreibung ein signifikantes Mittel der sozialen Kontrolle ist.

PAULUS und RODARIUS sind der Auffassung, dass sogar durch die Sprache allgemein soziale Ungleichheiten geschaffen werden. Das Ausmaß, in dem sich ein Mensch sprachliche Fähigkeiten aneignen kann, ist wiederum durch die Möglichkeit des Zugangs zu Bildung bedingt. BERNSTEIN unterscheidet zum Beispiel den elaborierten Kode der Mittelschicht und den restringierten Kode, der allen Schichten zur Verfügung steht. Die Kodes beziehen sich auf die Satzkomplexität, das Ausmaß grammatikalischer und lexikalischer Alternativen der Sprechenden. Der restringierte Kode ist in der Regel redundant und monoton, verglichen mit dem Standard des elaborierten Kodes, gilt dieser als defizitär. Das Besondere hierbei ist, dass die gesprochene Sprache jedoch nicht per se defizitär oder inadäquat ist einem Inhalt Ausdruck zu verleihen, sondern dass die Gesellschaft bewertet und soziale Stigmata vergibt.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik der Schriftsprachenkompetenz ein und begründet die Relevanz der Untersuchung für die Soziale Arbeit.

2 Schriftsprache: Dieses Kapitel behandelt theoretische Grundlagen, den Machtaspekt der Schrift, Definitionen sowie nationale und internationale Alphabetisierungsbemühungen und aktuelle Studien.

3 Teilhabe: Hier werden der Teilhabebegriff, die aktuelle politische Situation, die Lebenssituation Betroffener und konkrete Möglichkeiten und Konzepte für eine wirksame Teilhabe analysiert.

4 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, diskutiert die Rolle der Sozialen Arbeit und gibt einen Ausblick auf notwendige künftige Entwicklungen.

Schlüsselwörter

Schriftsprachenkompetenz, Literalität, funktionaler Analphabetismus, Teilhabe, Soziale Arbeit, Grundbildung, Inklusion, soziale Macht, Alphabetisierung, Bildungsbenachteiligung, gesellschaftliche Partizipation, leo.-Level-One-Studie, präventive Maßnahmen, Schriftsprachenentwicklung, Diskriminierung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit der Bedeutung von Schriftsprachenkompetenz für die gesellschaftliche Teilhabe und untersucht die Folgen mangelnder Literalität.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind der funktionale Analphabetismus, die Machtfunktion von Schrift, die Rolle der Grundbildung sowie Ansätze zur Inklusion und Prävention.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Ziel ist es zu klären, wie gesellschaftliche Teilhabe trotz mangelnder Literalität funktionieren kann und welchen Beitrag die Soziale Arbeit dazu leisten kann.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse sowie der Auswertung aktueller Studien zum funktionalen Analphabetismus (wie der leo.-Level-One-Studie).

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung der Schriftsprache und eine praktische Analyse von Teilhabechancen für Betroffene.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Literalität, Teilhabe, funktionaler Analphabetismus, Soziale Arbeit und Grundbildung sind die zentralen Begriffe.

Wie korreliert Bildungsabschluss mit funktionalem Analphabetismus?

Die Arbeit zeigt, dass die Lese- und Schreibfähigkeit stark mit dem formalen Bildungsabschluss korreliert, wobei jedoch auch höher Gebildete von Analphabetismus betroffen sein können.

Welche Rolle spielen Neue Medien bei der Teilhabe?

Digitale Geräte wie Smartphones fungieren als Bindeglied zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit und können Barrieren bei der gesellschaftlichen Teilhabe abbauen.

Ende der Leseprobe aus 50 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Die soziale Macht der Schriftsprache. Wie kann Teilhabe trotz mangelnder Literalität funktionieren?
Untertitel
Alphabetisierung, Analphabetismus und die Notwendigkeit der Schriftsprachenkompetenz
Hochschule
Katholische Hochschule für Sozialwesen Berlin  (Hochschule)
Veranstaltung
Soziale Arbeit
Note
1,0
Autor
Marie Grünheid (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2016
Seiten
50
Katalognummer
V369008
ISBN (eBook)
9783668503663
ISBN (Buch)
9783668503670
Sprache
Deutsch
Schlagworte
analphabetismus schriftsprache Literalität Teilhabe Leseschwäche Schreibschwäche soziale Macht
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Marie Grünheid (Autor:in), 2016, Die soziale Macht der Schriftsprache. Wie kann Teilhabe trotz mangelnder Literalität funktionieren?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/369008
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  50  Seiten
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