Der Lernprozess im betrieblichen Alltag. Wie Mitarbeiter durch Erfahrungsbildung unbekannten Störungen mit erfolgreichen Lösungen begegnen können

Das Unplanbare planen


Hausarbeit, 2017
10 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Aufbau der Arbeit

2 Grundlagen
2.1 Was heißt Lernen?
2.2 Erwerb von Wissen
2.3 Lernprozesse
2.4 Abgrenzung des Lernprozesses vom Wissenserwerb

3 Praxis des Lernens
3.1 Lernen durch Erfahrungsbildung
3.2 Lernen durch Reflexion
3.3 Lernen durch Feedback
3.4 Fazit

4 Zusammenfassung

5 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

In vielen Branchen ist es üblich, dass in der Produktion und anderen Abteilungen Teamarbeit erforderlich ist. Die zunehmende Komplexität der Fertigungsmaschinen und Arbeitsprozessen erfordert das Zusammenwirken von Spezialisten und Facharbeitern gleichermaßen, um die Produktion aufrecht zu erhalten und Stillstände zu vermeiden. In Papierfabriken werden die Teams bzw. Schichten, neben der Ausführung von Routineaufgaben, auch mit unerwarteten, unbekannten und ungeplanten Störungen und Problemen konfrontiert. Die Herausforderung ist es, in solchen Situationen schnellstmöglich erfolgreiche Lösungen zu finden, um beispielsweise Maschinenausfälle oder Ausschuss zu vermeiden. Diese Probleme können meist nicht durch Standardabläufe behoben werden und erfordern von den Beteiligten kreative Lösungsansätze, basierend auf ihren eigenen Erfahrungen und Wissensbeständen.
Das Handeln muss also an die Situation angepasst werden.

1.1 Problemstellung

Die vorliegende Seminararbeit beschäftigt sich mit dem skizzierten Lernprozess und wie dieser im betrieblichen Alltag gestaltet werden kann, d.h. wie die vorhandenen Kompetenzen einzelner Mitarbeiter effektiv auf neue, ungeplante und unerwartete Situationen angewandt werden können. Auch gilt es aufzuzeigen, wie diese Lernsituationen im Unternehmensalltag geschaffen werden können, so dass der Mitarbeiter das Wissen in adäquates Handeln umsetzt.

1.2 Aufbau der Arbeit

In Kapitel 2 werden zunächst die Grundlagen der weiteren Arbeit geschaffen. Es wird der Begriff Lernen genauer betrachtet und auf den Lernprozess näher eingegangen. Anschließend wird dieser vom reinen Wissenserwerb abgegrenzt. Darüber hinaus wird in Kapitel 3 der Lernprozess im betrieblichen Alltag gestaltet und reflektiert. Das bedeutet, dass man den Lernenden Erfahrungen machen lässt, er das eigene Verhalten beobachtet bzw. seine Handlungen reflektiert und dass Feedback gegeben und genommen wird. Abschließend werden die gemachten Äußerungen und Erfahrungen zu Lernprozessen noch einmal zusammengefasst.

2 Grundlagen

2.1 Was heißt Lernen?

In der Umgangssprache wird der Begriff Lernen oft in Zusammenhang mit der Schule benutzt. Dort lernt man Schreiben, Lesen, Rechnen, erwirbt Allgemeinwissen usw. Der psychologische Lernbegriff ist aber wesentlich weiter gefasst. Eine Definition von Lernen beschreibt Lernen als einen Prozess, der als Ergebnis von Erfahrungen relativ langfristige Änderungen im Verhaltenspotential erzeugt. Lernen ist also ein Prozess der Veränderung und die Verhaltensänderung der Indikator für Lernprozesse. Ebenso beruht Lernen auf Erfahrung.
Die Erfahrungsbildung ist also ein gemeinsames Merkmal aller Lernprozesse. Davon abzuheben sind die Prozesse der menschlichen Reifung, wie z. B. das Gehen lernen, die ebenfalls das eigene Verhalten verändern. Dies wird jedoch nicht als Lernen verstanden, sondern als Prozess der Reifung.[1]

2.2 Erwerb von Wissen

Es lassen sich zwei Arten von Wissen unterscheiden: Sachwissen und Handlungswissen. Die erste Form, das Sachwissen, wird auch als deklaratives Wissen bezeichnet und wir können es sprachlich ausdrücken. Es umfasst Wissen über Begriffe (z. B. Einfamilienhaus, Student) und Faktenwissen über die Realität (z. B. Funktionsweise einer Maschine). Wissen dieser Art ist sehr gut zugänglich, sei es über Vorlesungen in Hochschulen, über Kommunikation und Informationsverteilung auf der Arbeit oder über das Internet.

Die zweite Art wird auch als prozedurales Wissen bezeichnet und ist das Wissen, wie man etwas tut. Es kann aus allgemeinen Regeln bestehen, wie man Aufgaben bewältigt und Probleme löst oder es kann sich um spezielle Fertigkeiten (z. B. Autofahren) handeln.
Außerdem umfasst es beispielsweise das Ausführen einer Rechenaufgabe. Diese Fertigkeiten können durch die Überführung von deklarativen Wissen in prozeduralen Wissen erworben werden und durch Übung und Wiederholung gefestigt werden.[2]

2.3 Lernprozesse

Lernprozesse sind Komplexe von Intern-Operationen, die an Operations-Objekten vollzogen werden, um neue Unterrichts-Objekte zu erwerben. Intern-Operationen sind z. B. das Erkennen, Erinnern, Speichern und Auswerten. Das Operationsobjekt regt den Lernenden zu Operationen an. Diese wiederum führen zum Operationsziel. Die Unterrichtsobjekte legen fest was gelernt werden soll.[3] Nachfolgende Grafik zeigt das Modell der Lernprozesse.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Modell der Lernprozesse. Quelle: http://www.haraldriedel.de/html/modell_der_lernprozesse.html

Aus der Abbildung erkennt man, dass die Lernprozesse in drei Teilmodelle differenziert werden: Bewusstheit, Selbstständigkeit und Komplexitätsstufe. Im Rahmen dieser Ausarbeitung wird in Kapitel 3 auf den komplexen Lernvorgang des Problemlösens in der Praxis eingegangen.

2.4 Abgrenzung des Lernprozesses vom Wissenserwerb

Der reine Wissenserwerb ist im Gegensatz zum Lernprozess ein sehr einfacher Ablauf.
Wissen ist in der heutigen Zeit durch das Internet sehr gut zugänglich und jeder kann es sich selbst aneignen. Auch in Unternehmen ist dies der Fall, da über das Intranet und anderen Infomaterialien Wissen verteilt und somit der Wissenserwerb gefördert wird. Zudem ist der Wissenserwerb häufig von kurzer Dauer, d.h. das Wissen wird erworben und nach gewisser Zeit wieder vergessen, wenn man dieses nicht direkt anwenden muss oder im beruflichen Alltag nicht benötigt.

Im Vergleich dazu steht das Lernen bzw. der Lernprozess. Hierbei handelt es sich um komplexe Lernvorgänge. Dies bedeutet, dass eigene Erfahrungen und bereits Gelerntes auf ähnliche, unbekannte Situationen angewandt werden und so neue, kreative Lösungswege geschaffen werden. Beim Lernen geht es um die Auseinandersetzung mit konkreten Problemen. Diese Erfahrungsbildung ruft nachhaltige Verhaltensänderungen hervor, die als Indikator des Lernens gelten. Es bedeutet also, dass der Energieaufwand beim Lernen wesentlich höher ist als beim reinen Wissenserwerb.

Somit ist die Abgrenzung des Lernprozesses vom reinen Wissenserwerb eindeutig. Der Erwerb von Wissen ist ein einfacher Vorgang. Wissen ist mit Hilfe des Internets sehr einfach zugänglich und ruft keine Verhaltensänderung hervor. Der Lernprozess hingegen ruft langfristige Änderungen im Verhaltenspotential hervor. Veränderung ist allerdings anstrengend und beansprucht viel Energie. Lernen zeigt sich also durch eine Verhaltensänderung und beruht auf den eigenen Erfahrungen.

3 Praxis des Lernens

Wie kann der Lernprozess im betrieblichen Alltag gestaltet werden? Dieser Lernvorgang soll am Beispiel eines Mitarbeiters im Schichtbetrieb einer Papierfabrik skizziert werden.

Die Person hat gerade die Meisterprüfung der Papiererzeugung bestanden und verfügt über entsprechendes Wissen und Kompetenzen. Sie soll nun an die Aufgaben eines Schichtführers Schritt für Schritt herangeführt werden. Hierbei geht es vor allem um den Umgang mit neuen, ungeplanten, unbekannten Situationen und Problemen und wie man daraus lernt. Es gilt also derartige Lernsituationen zu schaffen, es soll das Unplanbare geplant werden. Menschen entwickeln sich am häufigsten weiter, indem sie handeln, anschließend reflektieren und Feedback nehmen.[4] Im Folgenden sollen diese Aspekte praxisnah betrachtet werden und so den Lernprozess des angehenden Meisters gestalten.

[...]


[1] Vgl. Andrea Kiesel, Iring Koch: Lernen – Grundlagen der Lernpsychologie, S. 11f.

[2] Vgl. Simone Wittmann; Walter Edelmann: Lernpsychologie, S. 113ff.

[3] Vgl. Harald Riedel: Modell der Lernprozesse [Online]

[4] Vgl. Jean-Marcel Kobi: Erfahrungen machen lassen und zum Reflektieren anleiten, S. 46-48

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Der Lernprozess im betrieblichen Alltag. Wie Mitarbeiter durch Erfahrungsbildung unbekannten Störungen mit erfolgreichen Lösungen begegnen können
Untertitel
Das Unplanbare planen
Hochschule
Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt; Schweinfurt
Note
1,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
10
Katalognummer
V369073
ISBN (eBook)
9783668493353
ISBN (Buch)
9783668493360
Dateigröße
839 KB
Sprache
Deutsch
Reihe
Aus der Reihe: e-fellows.net stipendiaten-wissen
Schlagworte
Lernen, Erfahrungsbildung, Feedback, Reflexion
Arbeit zitieren
Fabian Hirt (Autor), 2017, Der Lernprozess im betrieblichen Alltag. Wie Mitarbeiter durch Erfahrungsbildung unbekannten Störungen mit erfolgreichen Lösungen begegnen können, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/369073

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Der Lernprozess im betrieblichen Alltag. Wie Mitarbeiter durch Erfahrungsbildung unbekannten Störungen mit erfolgreichen Lösungen begegnen können


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden