Partizipation in der frühkindlichen Erziehung. Beschwerdemanagement für Kinder in einer katholischen Kindertagesstätte


Studienarbeit, 2017
10 Seiten, Note: 1,2

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Beschwerdemanagement für Kinder

2. Planung und interne Kommunikation

3. Praktische Ein- und Durchführung in den Gruppen

4. Gruppenübergreifendes Beschwerdemanagement

5. Eltern und Medienpräsenz

6. „Kleines“ Fazit

Literaturverzeichnis

Anhang

1. Beschwerdemanagement für Kinder

„Partizipation ist in den letzten Jahren zu einem zentralen Begriff in der Diskussion um frühkindliche Bildung und Erziehung geworden. In der UN-Kinderrechtskonvention werden Partizipationsrechte als ein Grundprinzip der Konvention hervorgehoben und auch in verschiedenen nationalen Gesetzen verankert. Dazu gehören das Recht auf Beteiligung, Teilhabe, Teilnahme, Mitwirkung, Mitbestimmung, Einbeziehung, aber auch Beschwerde“ (LVR, S.4).

In der Kita X in Andernach wurde das Beschwerdemanagement für Kinder eingeführt und in der Konzeption verankert. Das Recht der Kinder sich beschweren zu dürfen ist seit dem 01. Januar 2012 im § 45 SGB VIII festgeschrieben. Dort heißt es:"Die Erlaubnis ist zu erteilen […], wenn zur Sicherung der Rechte von Kindern undJugendlichen in der Einrichtung geeignete Verfahren der Beteiligung sowie der Möglichkeit der Beschwerde in persönlichen Angelegenheiten Anwendung finden“.Ziel dieses Gesetzes und der Einführung von Beschwerdeverfahren ist die Eindämmung von Machtmissbrauch jeglicher Art. Deshalb ist es besonders wichtig dieses Recht der Kinder im Alltag umzusetzen.

2. Planung und interne Kommunikation

Zunächst einmal wurde in einer gemeinsamen Teamsitzung das Vorhaben (Einführungeines Beschwerdemanagement für Kinder) besprochen. Dafür wurde der Begriff der„Beschwerde“ definiert. Laut Duden versteht man unter einer Beschwerde, eine Klagemit der man sich über jemanden oder etwas beschwert. Gemeinsam überlegte dasTeam, welche Aufgaben sie durch das Beschwerdemanagement erwartet, welcheHaltung sie einnehmen sollten und wie ein sinnvolles Beschwerdemanagement für dieKinder eingeführt und durchgeführt werden kann. Zudem setzte sich das Teamintensiv mit den Gedanken der Partizipation und der Beschwerde auseinander. Dabeiklärte sich, was die Fachkräfte unter gelungener Partizipation und Beschwerdeverstehen und wie es umgesetzt werden kann.

Folgende Leitlinien wurden gemeinsam vom Team formuliert:

- Kinder haben das Recht an Beteiligungsprozessen teilnehmen zu können.
- Kinder sind als Ideen- und Beschwerdeführer aktiv mit einzubeziehen.
- Kinder sollen sich an den Aufgaben des Alltags und deren Verrichtung beteiligen können und als Gestalter ihres eigenen Lebens Selbstwirksamkeiterfahren.
- Die Beschwerden der Kinder sollten nicht immer als nörgeln oder Petzen wahrgenommen werden. Vielmehr sollte abgewogen werden, ob das Kind wirklich eine Veränderung; Verbesserung einer Situation erzielen möchte.
- Kinder können ihre Beschwerden nicht immer klar und deutlich äußern. Es ist Aufgabe der Fachkräfte ein Unwohlsein, eine Unzufriedenheit oder einen Veränderungswunsch wahrzunehmen und darauf zu reagieren.
- Zudem sollten die Kinder immer wieder ermutigt werden ihre Bedürfnisse zu äußern, Missstände zu erkennen und aufzudecken.
- Beschwerden sollten ernstgenommen, aufgenommen, bearbeitet und reflektiert werden.
- Die Beschwerden sollten als konstruktive und erwünschte Kritik verstanden werden. Auch Beschwerden über das pädagogische Personal dürfen öffentlich geäußert werden
- Beschwerden über das pädagogische Personal sollen zur offenen Reflektion des eigenen Handelns anregen und genutzt werden.

Im Anschluss wurde festgehalten, wie das Beschwerdemanagement eingeführtwerden soll und welche Instrumente zur Beschwerdeerfassung genutzt werdenkönnen. Zunächst sollten die Kinder im täglichen Stuhlkreis (in ihren Gruppen) auf ihreRechte aufmerksam gemacht werden. Die Herangehensweise wurde nichtfestgehalten (Gruppeninterne Durchführung). Im Anschluss wurden drei Instrumentezur Beschwerdeerfassung vorgestellt. Zum einen die Beschwerdewand oder die

Beschwerdebox. Hier können die Kinder ihre Beschwerden, in Form eines gemaltenBildes anbringen oder einwerfen. In die Beschwerdebox können auch Gegenständeeingeworfen werden. Zum anderen die Beschwerdetrommel. Diese kann sofort betätigtwerden wenn das Kind eine akute Beschwerde hat, diese aussprechen kann und sofort nach einem Lösungsweg suchen möchte. Welches Instrument zur Beschwerdeerfassung genutzt wird, sollten die Kinder Gruppenintern entscheiden.

3. Praktische Ein- und Durchführung in den Gruppen

Da die Kita X aus vier Gruppen besteht und das Beschwerdemanagement zunächst einmal Gruppenintern eingeführt werden sollte, die anderen Gruppen es aber ähnlich durchführen, bezieht sich die Beschreibung der Ein- und Durchführung des Beschwerdemanagements konkretisiert nur auf die „XXX“.

Die XXX besteht aus fünfundzwanzig Kindern, im Alter von drei- bis sechs Jahren, zweipädagogischen Fachkräften und einer dualen Studentin. Da die Ein- undDurchführung zunächst Gruppenintern erfolgen sollte, machten sich die Kollegen derXXX vorab Gedanken über den Ablauf und wie sie das Thema „Beschwerde“ für dieKinder verständlich und zugänglich gestalten können. Dabei entschieden sie sich fürdas Kinderbuch „Ich bin stark, ich sag laut Nein!“. Eine Woche wurde das Buch immorgendlichen Stuhlkreis vorgelesen und gemeinsam mit den Kindern bearbeitet. DieKinder fanden schnell einen Anschluss zu dem Thema und fingen an verschiedeneSituationen, die ihnen bislang missfielen, aufzuzählen. Zudem schilderten sie genauwas ihnen dabei nicht gefiel.

Beispiel: Ein Junge erzählte, dass er am liebsten in der „Bauecke“ mit den Bausteinen spielen würde. Oftmals aber würden die Kinder in der Bauecke die Bausteine nicht teilen und er hätte dann gar keine. Außerdem habe er sich deshalb schon öfter bei einer Erzieherin beschwert. Diese hätte ihn dann weggeschickt und gesagt er solle es selber mit den Kindern klären.

Daraufhin stellte die duale Studentin den anderen Kindern die Frage, was man denändern könnte damit alle Kinder in der Bauecke Bausteine zum Spielen haben. Dieunterschiedlichen Lösungsvorschläge notierte sie verbildlicht auf ein Plakat. ZumSchluss stimmten alle Kinder ab, wie sie das Problem in Zukunft lösen möchten undwas geschieht wenn die Kinder sich nicht an diese neue Regel halten. Die Erzieherin,welche das Kind immer wieder weg schickte, erhielt die Möglichkeit ihre Handlungproduktiv zu reflektieren. Da dieser Beschwerdeprozess innerhalb des Stuhlkreisessehr guten Anklang bei den Kindern fand, entschieden sich die Kollegen der XXX zweimal die Woche einen Beschwerdestuhlkreis stattfinden zu lassen. Während diesem Stuhlkreis können die Kinder ihre Beschwerden äußern und gemeinsam mit den anderen Kindern und unter Moderation einer Fachkraft nach Lösungswegen suchen. Außerdem haben die Kinder sich für die Einführung einer Beschwerdebox entschieden. Die Box wurde von den Kindern gestaltet und an der Wand (in Augenhöhe der Kinder) der XXX angebracht. Die Kinder haben somit die Möglichkeit ihre Beschwerden, in Form eines Bildes oder Gegenstandes, bis zum nächsten Beschwerdestuhlkreis zu sammeln und sie dort zu bearbeiten.

4. Gruppenübergreifendes Beschwerdemanagement

Das Beschwerdemanagement für Kinder ist ein Thema welches immer wieder imgemeinsamen Team besprochen und reflektiert wird. Die pädagogischen Fachkräftestellten fest, dass einige Beschwerden nicht nur Gruppenintern besprochen werdenkönnen sondern Gruppenübergreifend kommuniziert werden müssen. Da dieEinrichtung vor einiger Zeit bereits einen Kinderrat ins Leben gerufen hat, einigte mansich darauf Beschwerden, die alle Kinder betreffen, dort zu besprechen.

Beispiel: Ein Kind beschwerte sich im Beschwerdestuhlkreis in seiner Gruppe überden Zustand des Außengeländes. Er wünschte sich mehr Pflanze. Diese Beschwerdewurde notiert. In allen Gruppen wurden Stimmen der Kinder gesammelt, die dieseBeschwerde nachvollziehen konnten und sich ebenfalls eine Veränderung wünschten.In der nächsten Kinderratssitzung wurde die Beschwerde dann bearbeitet. Die Kinderaus dem Kinderrat stellten fest, dass sie Kooperationspartner benötigen um dasAußengelände neu zu gestalten. Somit wurden zur darauffolgenden Sitzung die Elternaus dem Elternrat und ein ortsansässiger Blumenfachhandel eingeladen. Der Kinderratschilderte den Beteiligten das Anliegen. Der Blumenfachhandel erklärte sich dazubereit, ein Starterpaket zum bepflanzen des Außengeländes zu sponsern. Der Elternratverfasste einen Elternbrief um freiwillige Helfer aufzutreiben. Zudem stellten dieFachkräfte fest, dass einige Kinder sehr zurückhaltend sind was die Äußerung vonBeschwerden betrifft. Aus diesem Grund wurde eine feste Kindersprechstundeeingeführt. Diese Sprechstunde wird von einer kontinuierlichen Fachkraft begleitet undfindet einmal wöchentlich für eine Stunde statt. Hier können die Kinder „anonym“ ihre Beschwerden äußern. Die Sprechstunde wurde von Anfang an wahrgenommen und besucht. Die anonymen Beschwerden werden, je nach Sachlage, im Kinderrat oder in den Gruppen im Stuhlkreis bearbeitet.

5. Eltern und Medienpräsenz

Die Zusammenarbeit mit den Eltern wurde bei der Planung nicht beachtet. Bei späterenTeamsitzungen und einigen Reflektionen wurde den Fachkräften allerdings klar, dassdie Eltern beim Gelingen von Partizipation mit einbezogen werden sollten. Die Elternsind Experten für Ihre Kinder und für die Fachkräfte unverzichtbare Erziehungspartner - sie sind Interessenvertreter ihrer Kinder. Um Eltern für partizipative Verfahren zu sensibilisieren, ist es sinnvoll, die bereits bestehenden Partizipationsmöglichkeiten aufzuzeigen und über die weiterführende Entwicklung umfangreich zu informieren. Die Fachkräfte der Kita X entschieden sich dazu, nachträglich einen Informationsabend für die Eltern durchzuführen. Somit konnten sie die Eltern über die konzeptionelle Umstellung, die pädagogische Arbeit und derer Ziele informieren.

Die Medienpräsenz beschränkt sich bislang auf vereinzelte Zeitungsartikel. Dortwerden hin und wieder die Projekte der Kinder, die meistens durch Beschwerdenentstanden sind, vorgestellt. Geplant ist allerdings ein Kurzfilm, inseriert von denVorschulkindern, welcher den Prozess der Beschwerde bis hin zum Projekt darstellensoll.

6. „Kleines“ Fazit

Die pädagogischen Fachkräfte haben das Gefühl, dass die Kinder durch das Beschweren, Mitbestimmen und Problemlösen selbstbewusster werden. Sie bekommen die Chance den Kindergartenalltag an ihre Bedürfnisse anzupassen und etwas zu ändern was ihnen missfällt - Sie bekommen eine Stimme. Das Beschwerdemanagement kann somit durchaus ein hoher Partizipationsprozess sein. Allerdings nur, wenn die pädagogischen Fachkräfte diesen Prozess auch zulassen, für eine sinnvolle Ein- und Durchführung des Beschwerdemanagements sorgen und eine kontinuierliche Kommunikation im Team gewährleisten.

[...]

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Partizipation in der frühkindlichen Erziehung. Beschwerdemanagement für Kinder in einer katholischen Kindertagesstätte
Hochschule
Hochschule Koblenz (ehem. FH Koblenz)
Note
1,2
Autor
Jahr
2017
Seiten
10
Katalognummer
V369106
ISBN (eBook)
9783668509078
Dateigröße
663 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
pädagogik, frühkindliche erziehung, kindertagesstätte, beschwerdemanagement
Arbeit zitieren
Simon Mönikes (Autor), 2017, Partizipation in der frühkindlichen Erziehung. Beschwerdemanagement für Kinder in einer katholischen Kindertagesstätte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/369106

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