Gegenstand dieser Arbeit ist die darstellende Analyse der bestehenden Sprachförderung von Kindern mit Migrationshintergrund in Kindertagesstätten – unter Berücksichtigung linguistischer, sozialer und pädagogischer Aspekte. In dieser Arbeit wird im Wesentlichen der Frage nachgegangen, wie sich die Benachteiligung der Migrantenkinder kompensieren lässt und insbesondere, wie diese Kinder schon frühzeitig in ihrer Sprachkompetenz in der deutschen Sprache gefördert werden können.
So wird nachhaltig auf den Zusammenhang zwischen Erst- und Zweitspracherwerb und auf die Relevanz der frühen Zweisprachigkeit aufmerksam gemacht, wobei sowohl die Praxis innerhalb der Kindertagestätten als auch die Sprachförderkonzepte in diese Betrachtung miteinbezogen werden. Die Bedeutung der Erstsprache auf den Zweitspracherwerb wird dargestellt und über diese Darstellung werden in Verbindung mit der Bewertung verschiedener Sprachförderkonzepte die positiven Aspekte der Mehrsprachigkeit hervorgehoben. Um diese Ziele erreichen zu können, ist der interdisziplinäre Ansatz dieser Arbeit unerlässlich; es werden somit Erkenntnisse der Linguistik, der Neurobiologie sowie der Sozialpädagogik und der Interkulturellen Pädagogik herangezogen.
Inhaltsverzeichnis
1 Grundlagen zum Spracherwerb
1.1 Begriffsdefinitionen: Kinder mit Migrationshintergrund, Mehrsprachigkeit und Spracherwerbstypen
1.2 Erkenntnisse der Hirnforschung zum Spracherwerb
1.2.1 Sprachentwicklung aus neurobiologischer Perspektive
1.2.2 Neurobiologische Unterschiede zwischen simultanem und nachzeitigem Zweitspracherwerb
1.3 Spracherwerbstheorien
1.4 Phasen des Spracherwerbs
1.4.1 Kognitive Entwicklung und Spracherwerb
1.4.2 Entwicklung von Wortbedeutungen
1.4.3 Sprachentwicklung und soziales Umfeld
1.5 Die zweisprachige Entwicklung
1.5.1 Lernersprache
1.5.2 Strategien zweisprachiger Entwicklung
1.5.3 Unterschiede zum monolingualen Spracherwerb
1.6 Zusammenfassung Kapitel 1
2 Kinder mit Migrationshintergrund in Kindertagesstätten – Mehrsprachigkeit, situationsorientierte Sprachförderung & interkulturelle Aspekte
2.1 Gesellschaftliche Aspekte von Mehrsprachigkeit
2.1.1 Migration und Mehrsprachigkeit in Deutschland seit den 1960er Jahren
2.1.2 Gesellschaftliche Einstellungen zur Mehrsprachigkeit
2.2 Mehrsprachigkeit in der Kindertagesstätte
2.2.1 Die Kindertagesstätte als frühkindliche Bildungsinstitution
2.2.2 Bedeutung der Erstsprache in der Kindertagesstätte – emotionale, intellektuelle und kommunikative Aspekte
2.2.3 Situationsorientierte Aspekte von Sprachförderung
2.2.4 Vom Umgang mit Mehrsprachigkeit in der Kindertagesstätte
2.3 Interkulturelle Erziehung und Bildung – Umgang mit kultureller Vielfalt
2.3.1 Begriffsdefinition „Kultur“
2.3.2 Interkulturelle Aspekte in der Kindertagesstätte
2.3.3 Interkulturelle Kompetenz der pädagogischen Fachkräfte
2.4 Zusammenfassung Kapitel 2
3 Sprachstandsverfahren und Sprachförderprogramme
3.1 Sprachstandsverfahren
3.1.1 Anforderungen an Sprachstandsverfahren
3.1.2 Verfahren zum Sprachstand – „Fit in Deutsch“ & „SISMIK“
3.1.3 Bewertung der Verfahren – testen vs. beobachten
3.2 Sprachförderprogramme für Kinder mit Migrationshintergrund
3.2.1 Anforderungen an Sprachförderprogramme
3.2.2 „Rucksack“
3.2.3 „KIKUS“ – Sprachförderung Deutsch & Erstsprachen im Vor- und Grundschulalter
3.2.4 „kon-lab“ – Neue Wege der sprachlichen Frühförderung von Migrantenkindern
3.2.5 Vergleich der Sprachförderprogramme – linguistischer vs. sozial-kommunikativer Schwerpunkt
3.2.6 Bedingungen und Empfehlungen für eine wirksame Sprachförderung
3.3 Zusammenfassung Kapitel 3
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit analysiert die bestehende Sprachförderung von Kindern mit Migrationshintergrund in Kindertagesstätten unter linguistischen, sozialen und pädagogischen Gesichtspunkten. Ziel ist es, Wege aufzuzeigen, wie Bildungsbenachteiligungen durch gezielte, frühzeitige Sprachförderung kompensiert werden können, wobei die interdisziplinäre Bedeutung von Erst- und Zweitspracherwerb im Fokus steht.
- Grundlagen des Erst- und Zweitspracherwerbs
- Die Rolle der Kindertagesstätte als Bildungsinstitution
- Methoden und Ansätze der Sprachstandserfassung
- Kritische Bewertung verschiedener Sprachförderprogramme
- Interkulturelle Aspekte in der pädagogischen Arbeit
Auszug aus dem Buch
1.2.1 Sprachentwicklung aus neurobiologischer Perspektive
Das menschliche Gehirn wiegt ca. 1,3 kg. Bei der Geburt beträgt das Gewicht des Gehirns lediglich ein Fünftel seines späteren Gewichts (vgl. Klatte 2007, S. 119).3 Dieses beachtliche Wachstum des Gehirns im Laufe der Entwicklung ist vor allem auf die Vernetzung der Neuronen untereinander zurückzuführen. Das Gehirn eines zweijährigen Kindes hat doppelt so viele Synapsen (Schaltstellen) wie das eines Erwachsenen und verbraucht doppelt so viel Energie (vgl. Butzkamm/Butzkamm 2008, S. 314).
Das Gehirn entwickelt sich bereits während der Schwangerschaft. So werden die meisten Nervenzellen in der ersten Schwangerschaftshälfte gebildet. In dieser Zeit entstehen 500.000 Nervenzellen pro Minute (vgl. Klatte 2007, S. 123). Die Nervenzellen können als Funktionsträger des Gehirns bezeichnet werden. Das menschliche Gehirn besitzt ca. 100 Milliarden Nervenzellen (Neuronen), die über Fortsätze (Dendriten und Axone) verfügen mit denen sie Kontakt untereinander, zu den Sinnesorganen oder dem Bewegungsapparat aufnehmen können (vgl. Nitsch 2007, S. 48).
Bei der Geburt ist das Gehirn aber noch weitaus unvollkommen, denn die Nervenzellen eines Neugeborenen stehen isoliert nebeneinander, sie können noch nicht miteinander kommunizieren (vgl. Klatte 2007, S. 123). Innerhalb der ersten drei Lebensjahre kommt es dann zu einem gewaltigen Wachstum von Verbindungen zwischen den Nervenzellen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Grundlagen zum Spracherwerb: Dieses Kapitel erörtert die neurobiologischen, psychologischen und linguistischen Grundlagen des Erst- und Zweitspracherwerbs von Kindern, wobei auch theoretische Erklärungsmodelle vorgestellt werden.
2 Kinder mit Migrationshintergrund in Kindertagesstätten – Mehrsprachigkeit, situationsorientierte Sprachförderung & interkulturelle Aspekte: Hier werden soziale Bedingungen, institutionelle Rahmenbedingungen der Kitas sowie die Bedeutung der Erstsprache und interkultureller Kompetenz für die Integration behandelt.
3 Sprachstandsverfahren und Sprachförderprogramme: Der Schwerpunkt liegt auf der Vorstellung und kritischen Analyse verschiedener Verfahren zur Sprachstandserhebung sowie konkreter Sprachförderprogramme, ergänzt durch Empfehlungen für die Praxis.
Schlüsselwörter
Sprachförderung, Migrationshintergrund, Kindertagesstätte, Mehrsprachigkeit, Spracherwerb, Erstsprache, Zweitsprache, Sprachstandsverfahren, Interkulturelle Pädagogik, Bildungschancen, Integration, Hirnforschung, Sprachförderprogramme, Frühkindliche Bildung, Sprachkompetenz
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie Kinder mit Migrationshintergrund in Kindertagesstätten in ihrer sprachlichen Entwicklung gefördert werden können, wobei linguistische, soziale und pädagogische Perspektiven interdisziplinär verknüpft werden.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Arbeit behandelt die Grundlagen des Spracherwerbs, institutionelle Rahmenbedingungen in Kindertagesstätten, die Rolle der Mehrsprachigkeit, Verfahren zur Sprachstandserfassung sowie verschiedene konkrete Sprachförderkonzepte.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel besteht darin, Bedingungen und Empfehlungen für eine gelingende Sprachförderung zu formulieren, die Kindern mit Migrationshintergrund bessere Bildungschancen ermöglicht.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es handelt sich um eine darstellende Analyse bestehender Sprachförderansätze auf Basis der aktuellen Fachliteratur und unter Einbeziehung Erkenntnisse aus Linguistik, Neurobiologie, Pädagogik und interkultureller Pädagogik.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden theoretische Grundlagen dargelegt, soziale Aspekte wie Mehrsprachigkeit im Kitalltag beleuchtet sowie verschiedene Sprachstandsverfahren (wie „Fit in Deutsch“ oder „SISMIK“) und Sprachförderprogramme („Rucksack“, „KIKUS“, „kon-lab“) detailliert vorgestellt und kritisch bewertet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Sprachförderung, Migrationshintergrund, Mehrsprachigkeit, Spracherwerb, Interkulturelle Pädagogik und Sprachstandsverfahren.
Warum spielt das Alter beim Zweitspracherwerb eine so wichtige Rolle?
Aus neurobiologischer Sicht gibt es sensible Phasen (insbesondere bis zum 3. oder 4. Lebensjahr), in denen das Gehirn Sprachen besonders effizient und in denselben Hirnarealen verarbeiten kann, was den frühen Kontakt zur Zweitsprache für den Lernerfolg maßgeblich macht.
Welches Fazit zieht die Autorin zu den aktuellen Sprachförderprogrammen?
Die Programme werden zwar positiv bewertet, die Autorin merkt jedoch kritisch an, dass kaum fundierte wissenschaftliche Evaluationen zur Wirksamkeit vorliegen und die Förderdauer oft zu kurz angelegt ist, um eine langfristige Bildungssprache (CALP) sicherzustellen.
- Citar trabajo
- Claudia Schacht (Autor), 2009, Sprachförderung bei Kindern mit Migrationshintergrund in Kindertagesstätten. Linguistische, soziale und pädagogische Aspekte, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/369298