Macht, Vertrauen, Loyalität. Normen und Werte in der US-Serie "House of Cards"


Hausarbeit, 2015
14 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Vorstellung der Serie House of Cards

3. Vermittelte Normen und Werte
3.1. Macht
3.2. Vertrauen
3.3. Loyalität

4. Vergleich House of Cards und The West Wing
4.1. Unterschiedliche Normen und Wertvorstellungen
4.2. Zwei Serien, zwei Politikbilder

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis
6.1. Bibliografie
6.2. Online Quellen
6.3. Mediografie

1. Einleitung

Die US-amerikanische Fernsehserie House of Cards wurde 2013 erstmals durch den Streaming-Anbieter Netflix veröffentlicht und zieht seither immer wieder Zuschauer in großem Ausmaß vor die Bildschirme.

Die Serie erzählt von dem Politiker Francis Underwood, einem skrupellosen Abgeordneten im amerikanischen Kongress, der seine Karriere um jeden Preis vorantreibt. Verkörpert von Kevin Spacey spinnt er dabei die schlimmsten Intrigen, schreckt selbst vor Mord nicht zurück und erschafft zusammen mit seiner Frau ein System von Korruption und Macht. Dem Zuschauer wird in mittlerweile 39 Folgen gezeigt, wie verkommen und egoistisch Politiker handeln können.

Besonders in Gebieten, in denen Zuschauer durch reine Alltagserfahrungen nur wenig wissen, prägt fiktive Unterhaltung stark deren Vorstellung. So erzeugt eine Serie wie House of Cards beim Zuschauer ein Bild von Politik, welches er dann auf die Realität überträgt. Die Normen und Wertvorstellungen der Protagonisten werden so schnell auf Akteure der realen Regierung bezogen.

Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit der Frage, welche Normen und Werte dem Zuschauer in der Politserie House of Cards vermittelt werden. Die Werte Macht, Vertrauen und Loyalität stehen dabei im Fokus.

Zunächst werden die Grundzüge der Serie rund um Frank Underwood vorgestellt.

Darauffolgend sollen die Normen und Werte, welche in House of Cards vermittelt werden, herausgearbeitet und analysiert werden. Dabei ist anzumerken, dass die Normen und Wertvorstellungen hauptsächlich denen des Protagonisten Frank Underwood entsprechen, da es sich bei House of Cards um eine Abwertung politischer Inhalte und damit fast ausschließlich um ein Personendrama handelt. Anschließend wird The West Wing aus dem Jahr 1999 zum Vergleich herangezogen. Die Serie, in der es um den fiktiven Präsidenten Josiah Bartlett und seinen Beraterstab geht, bietet einen deutlichen Kontrast zu House of Cards. Sowohl innerhalb der vertretenen Normen und Werte, als auch in Bezug auf die Funktionsweise des politischen Systems sind starke Unterschiede zu erkennen.

Die Ausführungen der vorliegenden Hausarbeit beziehen sich durchgängig auf die Staffeln 1 und 2 der jeweiligen Serien.

2. Vorstellung der Serie House of Cards

Die Netflix Originalserie House of Cards, welche am 1. Februar 2013 von dem Streaming-Anbieter veröffentlicht wurde, basiert auf einer Romantrilogie von Autor Michael Dobbs, einem englischen Politiker und ehemaligem Berater von Margaret Thatcher. Er beschreibt in seinen Romanen einen machthungrigen, konservativen Abgeordneten im britischen House of Common. Bereits Anfang der 90er Jahre verfilmte BBC die Bücher als drei kleine Serien für das Fernsehen. Das Netflix Original adaptiert also Bücher und BBC Serie, hält sich allerdings nur in der ersten Staffel eng an die Vorlage, bevor sie sich ab der zweiten Staffel immer mehr davon entfernt. Im Gegensatz zu ihrem Vorbild spielt sich die Handlung jedoch in den Vereinigten Staaten und somit im Kongress, anstatt im House of Commons ab. Auch durch den Einsatz eines besonderen Stilmittels hebt sich die Netflix-Version von ihrem filmischen Vorgänger ab. Der Protagonist durchbricht die vierte Wand und spricht den Zuschauer direkt an. Diese Tatsache wird in den späteren Ausführungen nochmals genauer angesprochen.

Die Handlung der Serie gründet sich auf ein Ereignis, welches direkt in der ersten Folge der ersten Staffel stattfindet. Dem Politiker Francis, genannt Frank, Underwood wird entgegen der Versprechung des Präsidenten das Amt des Außenministers verwehrt. Frank beginnt seinen Rachefeldzug um sein Ziel der Macht auf eigene Faust zu erreichen. Er spinnt eine Intrige nach der anderen, spannt jeden Mitmenschen für seine Zwecke ein und verfolgt sein Ziel ohne Rücksicht auf Verluste. Selbst vor Mord schreckt Frank nicht zurück und so kommt es, dass er am Ende der 2. Staffel schon zwei Menschenleben auf dem Gewissen hat. Stetig an seiner Seite: seine ebenfalls machthungrige Ehefrau Claire und sein loyaler Stabschef Doug Stamper.

„In Franks Welt ist jeder Mensch nur eine Schachfigur, mit der man strategisch spielen, sie aber eben genauso gut vom Brett schleudern kann“[1]. Genau diese Einstellung lebt Frank ab der ersten Staffel aus. Besonders zu erwähnen sind hier Zoe Barnes, eine junge aufstrebende Journalistin, die sich auf eine Affäre mit dem deutlich älteren Kongressabgeordneten einlässt. Für Frank ist sie ein Mittel, um bei Bedarf Insider-Informationen an die Presse zu leiten und für sie ist er wiederum ein Sprungbrett zum journalistischen Erfolg. Das Arrangement wehrt allerdings nur so lange bis Zoe anfängt Franks Machenschaften zu hinterfragen. Als sie droht zu tief zu graben und Franks Hinterhalt nahezu entlarvt, muss sie mit ihrem Leben bezahlen. Während das Arrangement zwischen Zoe und Frank anfangs noch in beidseitigem Einvernehmen zu sein scheint, ist bei Peter Russo, einem Abgeordneten, genau das Gegenteil der Fall. Er wird skrupellos manipuliert, seine Karriere zerstört und am Ende ebenfalls von Frank persönlich ermordet. So ließe sich die Liste im Laufe der zweiten Staffel beliebig fortsetzen. Das Verblüffende an all den Intrigen: Frank scheint damit Erfolg zu haben. Am Ende der zweiten Staffel wird er zum Präsidenten der Vereinigten Staaten ernannt.

Für den 4. März 2016 hat Netflix nun die vierte Staffel angekündigt.[2]

3. Vermittelte Normen und Werte

Wie in der Einleitung schon erwähnt, prägt fiktive Unterhaltung besonders in Politserien die reale Vorstellung ihrer Zuschauer. Politserien inszenieren Normen und Werte, um Zuschauern die Orientierung in der Alltagswelt zu erleichtern[3] und ihnen die Möglichkeit zu bieten, das Gesehene auf die Realität zu beziehen.

Im folgenden Kapitel werden die Werte, die in House of Cards vertreten sind, analysiert und belegt. Es wird insbesondere auf Macht, Vertrauen und Loyalität eingegangen, welche die wichtigsten Normen und Werte der Serie darstellen.

3.1. Macht

Eine besonders ausgeprägte Rolle in House of Cards spielt das Machtstreben des Frank Underwood. Generell muss zunächst festgehalten werden, dass Macht für Frank nicht mit Geld gleichzusetzen ist. Dies wird besonders in der zweiten Staffel deutlich, als er sagt: „Mit Geld kann man sich ein Traumschloss in Sarasota kaufen,

dass nach zehn Jahren beginnt baufällig zu werden, aber Macht ist das steinerne Fundament, das Hunderte von Jahren überdauert.“[4] Frank strebt das Amt des Präsidenten nicht seiner Karriere wegen oder aus Prestigegründen an, sondern um die Welt mit wahrer Macht zu gestalten. So ist er auch der Meinung, dass sich Macht mit Immobilien vergleichen lässt, da alles was zähle der Standort sei. Je besser die Lage, desto größer der Wert.[5]

Frank weiß aber nicht nur zwischen Geld und Macht zu unterscheiden, er weiß letzteres auch genauestens einzusetzen. Er behandelt seine Mitmenschen wie Leibeigene und positioniert sie an der für ihn günstigsten Stelle, wie Schachfiguren. Dabei versäumt er nicht, sich selbst ins rechte Licht zu rücken. Er bedient sich der verschiedensten Methoden um seinen Willen zur Macht durchzusetzen und voranzutreiben. Er lügt, verschweigt oder verschleiert die Wahrheit und erzwingt Loyalität wenn nötig durch Erpressung. Manipulation ist Franks Mittel zur Machterreichung, so sagt er selbst zum Zuschauer: „Wissen Sie was ich an Menschen mag? Sie sind so leicht zu manipulieren.“[6]. Dabei streicht er mit Ketchup am Finger über die Kehle des Präsidenten, dessen Bild auf einer Zeitung aufgedruckt ist.

Ein Beispiel, auf das ich im Folgenden genauer eingehen möchte, bietet sich in der ersten Staffel in Gestalt von Peter Russo. Peter Russo, ein Abgeordneter mit Alkohol- und Drogenproblem befindet sich in einem sehr labilen Zustand.

Peter ahnt nicht, dass Frank und Stabschef Doug ihn als nächstes Ziel auserkoren haben und bietet ein perfektes Opfer. Frank überredet ihn zur Kandidatur als Gouverneur von Pennsylvania und bereitet ihn scheinbar selbstlos mit einem Team für den bevorstehenden Wahlkampf vor. Kurz vorm Ziel provoziert Frank einen Rückfall Peters, durch den er die Chance auf den Titel des Gouverneurs verliert. Als Peter betrunken nach einem Treffen mit Frank auf dem Beifahrersitz seines Wagens einschläft, fährt Frank das Auto in die Garage und schließt diese bei laufendem Motor. Peter stirbt an einer Abgasvergiftung, die Presse berichtet von Selbstmord. Im Folgenden tritt der Vizepräsident an Peters Stelle als Gouverneur und Frank Underwood wird zum neuen Vizepräsidenten ernannt.[7] Erst zum Schluss wird dem Zuschauer bewusst, wie skrupellos Frank diesen ganzen Verlauf geplant hatte, nur um sein Ziel, der Quelle der Macht ein Stück näher zu kommen, zu erreichen. Underwood agiert kalt und gewissenlos, nur die eigenen Ziele im Hinterkopf. Seine Machtambition treibt ihn zu außerordentlichen Handlungen und beschert ihm am Ende einen Triumph.

Auch bei der Affäre mit der jungen Journalistin Zoe Barnes behält Frank Underwood stetig die Oberhand. Er legt die Regeln in diesem Arrangement fest. Auch über die Affäre übt er auf gewisse Weise seine Macht aus. Er selbst sagt: "Ein großer Mann hat einmal gesagt, alles drehe sich um Sex. Außer Sex. Beim Sex geht es um Macht"[8]. Ein weiterer Hinweis darauf, dass Macht für Frank Underwood etwas von einem erregenden Moment hat, welchen es zu erstreben gilt.

Dem Zuschauer wird hier eine korrupte, intrigante politische Welt vorgestellt, die genau nach diesen Regeln auch zu funktionieren scheint. Mit Frank Underwood wird ein Bild von Politikern gezeigt, die es ausschließlich auf Macht abgesehen haben und dabei ohne Skrupel vorgehen. Macht dient zur Wertbemessung eines Menschen und Politik wird zum Thriller.

[...]


[1] Steppart, Timo (2014): Von House of Cards bis Homeland. Wie uns Fernsehserien manipulieren. Online auf: [http://www.handelsblatt.com/panorama/kultur-kunstmarkt/von-house-of-cards-bis-homeland-fiktive-unterhaltung-praegt-reale-vorstellungen/9484368-2.html] zuletzt aufgerufen am 24.02.2016

[2] Zum besseren Verständnis der folgenden Fußnoten, muss hier erwähnt werden, dass die Bezeichnungen der einzelnen Folgen durch alle vier Staffeln hindurch als fortlaufende Kapitel bezeichnet werden.

[3] Vgl. Dörner, Andreas: Politische Bildwelten: Filmanalyse als Instrument der Politischen Kulturforschung In: Sowi., Ausgabe: Jahrgang 26 Heft 4, 1997: S.248 -254

[4] House of Cards, USA 2013: Kapitel 15 TC 00:05:00

[5] Vgl. House of Cards, USA 2013: Kapitel 1 TC 00:46:00

[6] House of Cards, USA 2013: Kapitel 2 TC 00:01:00

[7] Ein Erzählstrang der Serie House of Cards, USA 2013: Kapitel 5 bis 13 wurde hier zusammengefasst.

[8] House of Cards, USA 2013: Kapitel 9, TC 00:45:57

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Macht, Vertrauen, Loyalität. Normen und Werte in der US-Serie "House of Cards"
Hochschule
Philipps-Universität Marburg
Note
2,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
14
Katalognummer
V369345
ISBN (eBook)
9783668472181
ISBN (Buch)
9783668472198
Dateigröße
913 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
House of Cards, Werte, Normen, Frank Underwood, Serie, Macht, Vertrauen, Loyalität, The West Wing, Josiah Bartlett
Arbeit zitieren
Lena Kötitz (Autor), 2015, Macht, Vertrauen, Loyalität. Normen und Werte in der US-Serie "House of Cards", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/369345

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