Der Filmemacher Peter Weiss und der Avantgarde-Film


Hausarbeit, 2016
16 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Biografisches
2.1. Eckdaten
2.2. Vier Arbeitsphasen
2.3. Peter Weiss als Filmemacher

3. Theoretische Abhandlungen

4. Einflüsse auf Peter Weiss künstlerisches Schaffen

5. Filmbeispiele
5.1. Kurzfilm: Studie II
5.2. Dokumentarfilm: Gesichter im Schatten

6. Einordnung und Vergleich mit internationalem Undergroundfilm

7. Fazit

Bibliografie

Mediografie

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

Der deutsch-schwedische Künstler Peter Weiss wird nicht selten auch als multimedialer Künstler betitelt. Diese Bezeichnung ist durchaus gerechtfertigt, denn er war nicht nur als Filmemacher sondern auch als Maler und Schriftsteller tätig. Der Wechsel zwischen den Künsten hatte zum Teil unterschiedliche Ursachen. Der Wechsel vom Maler eines Bildes zum Regisseur eines Filmes war allerdings durch eine künstlerische Krise begründet. In dieser Krise empfand Weiss das Bild als zu begrenzt für seine Vorstellungen. Der Film jedoch bot ihm mit seinen bewegten Bildern einen Ausweg.

Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit der Frage nach dem Status des Filmemachens in Peter Weiss Leben. Außerdem werden der Wandel innerhalb seines Filmschaffens und seine filmische Ästhetik anhand von Beispielen näher erörtert und verdeutlicht.

Da Peter Weiss Werke häufig zur Verarbeitung der eigenen Vergangenheit dienten, ist eine biografische Betrachtung unabkömmlich. Es wird so zunächst auf biografische Eckdaten, seine verschiedenen Arbeitsphasen und insbesondere auf seine Phase des Filmschaffens eingegangen. Darauffolgend wird seine theoretische Abhandlung zum Avantgardefilm vorgestellt und im gleichen Zuge auch seine Forderungen an den Experimentalfilm genannt. Nachdem die Faktoren, die ihn und seine Werke weitreichend beeinflusst haben dargestellt wurden, werden die Filme Studie II - Halluzinationen[1]und Gesichter im Schatten[2]als Beispiele für seine filmischen Produktionen herangezogen. Schließlich findet eine Einordnung von Weiss in den internationalen Undergroundfilm der Nachkriegszeit statt.

2. Biografisches

2.1. Eckdaten

Der Künstler Peter Weiss lebte von 1916 bis 1982. Er wurde in Nowawes bei Potsdam geboren und verstarb mit 66 Jahren in Stockholm. Er war ein deutsch-schwedischer Maler, Schriftsteller und Experimentalfilmer, der in einer Fabrikantenfamilie aufwuchs. Um im Zweiten Weltkrieg ihr Vermögen zu sichern, immigrierte die Familie 1934 nach England und Peter Weiss besuchte somit eine Zeichenschule in London. Später zog die Familie weiter nach Böhmen und er besuchte daraufhin die Kunstakademie in Prag. 1939 immigrierte er schließlich nach Schweden, wo er bis zu seinem Tod am zehnten Mai 1982 lebte.

2.2. Vier Arbeitsphasen

Peter Weiss künstlerisches Schaffen lässt sich in vier Perioden beziehungsweise Arbeitsphasen einteilen. Da Weiss nicht nur als Filmemacher, sondern auch als Maler und Schriftsteller tätig war, wird er nicht selten als multimedialer Künstler bezeichnet.

Zunächst übte er nur die Tätigkeit als Maler aus, da er das Handwerk, wie oben bereits erwähnt, in London und Prag studiert hatte. Es fiel ihm allerdings schwer in Schweden Fuß zu fassen, da die eher düstere Bilderwelt Zentraleuropas in Schweden nicht verstanden wurde. Er versuchte sich und seine Werke an die skandinavischen Anforderungen anzupassen, dieser Versuch misslang jedoch.

Später veröffentlichte er zwei schwedische Bücher im surrealistischen Stil, die aber ebenfalls scheiterten.

Zudem stand Peter Weiss in einem permanenten Zwiespalt zwischen seiner deutschen Herkunft und der schwedischen Umgebung. Durch die zahlreichen Ortswechsel in seiner Kindheit fühlte er sich weder zum einen, noch zum anderen Land zugehörig. Dieser Zwiespalt beeinflusste auch seine künstlerischen Werke sehr stark. Folglich geriet er in eine künstlerische Krise, in der er zusätzlich das Erschaffen eines Bildes als zu statisch und begrenzt empfand. Er begann Filmkritiken und Artikel über den Film zu schreiben und fand den endgültigen Ausweg aus seiner Krise schließlich in der Universalität des Films.

2.3. Peter Weiss als Filmemacher

Peter Weiss versuchte sich also in der Zeit zwischen 1952 und 1961 als Filmemacher. Er schloss sich dem ‚Svensk Filmexperimentstudio‘ an, welches später in ‚Arbetsgruppen för film‘ umbenannt wurde. Hier ging es um freien, experimentalen Film, da die Grenzen der Künste als zu eng empfunden wurden. Peter Weiss wurde das prominenteste und auch produktivste Mitglied des Experimentalfilmstudios. Das Filmstudio war für ihn nicht nur der Ausweg aus seiner künstlerischen Krise, sondern auch aus der gesellschaftlichen Isolation.

In seinen Filmen verknüpfte er meist soziales Engagement mit avantgardistischer Kunstpraxis und skizziert die Szenen des Filmes oftmals vorher. So kommt es zu einer Vermischung von Malerei und Film, was Peter Weiss als multimedialen Künstler bestätigt.

Generell lässt sich sein neunjähriges Filmschaffen in zwei Perioden einteilen. Zunächst drehte Peter Weiss hauptsächlich Kurzfilme. Produktionen dieser Zeit sind „fünf experimentelle, surrealistische, psychoanalytisch beeinflusste Studien“[3]und sein einziger Farbfilm The Studio of Dr. Faust. In seinen Kurzfilmen spielt er teils realistisch, teils surrealistisch mit den Möglichkeiten des Films. Er mischt Formen und Stile und erprobt die Grenzen des für ihn neuen Mediums. Die theoretische Abhandlung ‚Avantgardefilm‘, die 1956 erscheint, repräsentiert den Höhepunkt dieser Zeit der Kurzfilme.

Die zweite Phase seines Filmschaffens ist gekennzeichnet von Dokumentar- und Spielfilmen. Hier drehte Peter Weiss vor allem Filme über soziale Themen, die die Gesellschaft kritisieren und Missstände aufzeigen sollen. So zeigt er beispielsweise das Elend der Stockholmer Obdachlosen in seinem Film Gesichter im Schatten, auf welchen an späterer Stelle noch genauer eingegangen werden soll. Außerdem zeigt er in Im Namen des Gesetzes die Zustände und Lebensweisen in einem Stockholmer Jugendgefängnis. Sein Filmisches Hauptwerk wird der Film Hägringen / Fata Morgana 1958/1959 nach dem Vorbild seines Buches ‚Der Vogelfreie‘.

In seinen Filmen übernahm Peter Weiss die Aufgabe der Regie, des Schnittes, des Buches und stand letztendlich sogar selbst vor der Kamera.

Generell zeichnen sich alle seine Filme durch eine Fragmentierung des menschlichen Körpers, ungewöhnlichen Kameratechniken und die zentralen Themen Isolation, (Selbst-)Befreiung und die Identitätsproblematik aus. Diese Kennzeichen dienen ebenfalls als Bindeglied zwischen den Phasen der Kurz- und Dokumentarfilme.

1961 gab Peter Weiss das Filmemachen auf, da er mit seinen Filmen keinen ökonomischen Erfolg erzielen konnte und es große Mühe erforderte, jeden Film durchzusetzen. Er selbst sagt über diesen Lebensabschnitt:

„Wenn mich das Medium so gefesselt hätte, hätte ich weiter gemacht. Die ganzen Jahre später war mir das Stückeschreiben interessanter als das Filmemachen. Für mich waren Filme immer nur Andeutungen, Skizzen zu etwas, das mir vorgeschwebt hat, und das hat mich auf die Dauer nicht befriedigt, weil ich damals wusste, dass ich keine Aussicht hatte, meine ökonomischen Möglichkeiten so zu verbessern, dass ich absehen konnte, irgendetwas zu verwirklichen.“[4]

So begann Peter Weiss das Schreiben in deutscher Sprache und die Periode des Filmschaffens in seinem Leben war vorüber. Er erzielte später vor allem mit seinem Roman Ästhetik des Widerstandes den Erfolg, den er gerne schon mit seinen Filmen erreicht hätte.

3. Theoretische Abhandlungen

Peter Weiss einzige theoretische Publikation zum Avantgardefilm ist das gleichnamige Buch, welches 1956, am Ende seiner Kurzfilmphase, erschien. Es stellt „Höhepunkt und zugleich Abschluß seiner auch theoretischen Auseinandersetzung mit dieser Art Film“[5]dar. Allerdings handelt es sich bei der Publikation nicht um eine eigenständige Theorie. Weiss beschreibt viel mehr „die kurze, wechselvolle Geschichte des Experimentalfilms“[6], seine Entwicklung und die Merkmale, die diesen seines Erachtens auszeichnen. Dazu führt er viele Filmbeispiele an, welche er ebenfalls genauer analysiert.

Hauptsächlich enthält das Buch viele alte Texte aus seiner Zeit als Filmkritiker, welche lediglich zusammengefügt wurden.

Er beschreibt, dass experimentelle Werke den Film als eigenständige Kunstform weiterführen sollten und dass sie sich dadurch auszeichnen, dass sie „neue Relationen zwischen dem Menschen und den Dingen, zwischen Wirklichkeit und Traum, neue Formen von Bewegungen und Rhythmen“[7]zeigen. Weiss reflektiert mit der Publikation als Ende seiner Kurzfilmphase auch seine eigenen Werke und versucht sich selbst in einer filmtheoretischen Tradition zu verorten. Auffällig ist, dass Weiss die genannten Merkmale eines Experimentalfilms in seinen audio-visuellen Werken selbst kaum umsetzt, sich aber dennoch explizit als Avantgardefilmer betitelt.

4. Einflüsse auf Peter Weiss künstlerisches Schaffen

Auf Peter Weiss filmische Produktionen nahmen neben seinen Vorbildern des Avantgardefilmes vor allem einige soziale Umstände Einfluss. Seine künstlerischen Produktionen dienten immer wieder zur Verarbeitung eigener Erlebnisse.

Zunächst sind die Jahre der Emigration zu nennen, die er erlebte, als er mit seinen Eltern erst nach England, später in die Tschechoslowakei und schließlich nach Schweden flüchtete. Die Flucht und der Kampf ums Überleben beeinflussten seine künstlerischen Produktionen entscheidend. Er versucht diese Zeit in vielen seiner Werke zu verarbeiten, vor allem in seinem Roman Ästhetik des Widerstandes.

Als nächster Einfluss ist die Phase zu nennen, in der er sich weder in Schweden, noch in Deutschland dazugehörig fühlt. Er lebte in Schweden die Rolle des Außenseiters, obwohl er ursprünglich aus nicht politischen Gründen immigriert war. Da er schon in seiner frühen Kindheit aus Deutschland floh, fehlte ihm auch in dieses Land eine Bindung. Diese Zeit verarbeitet er besonders in seinem Buch Der Vogelfreie, welches später auch verfilmt wurde. Außerdem wurde dieser heimatlose Zustand auch im Film Gesichter Im Schatten verarbeitet, in dem es um die gesellschaftliche Ausgrenzung von Obdachlosen in Stockholms Altstadt geht.

[...]


[1]Studie II – Halluzinationen (1952), R: Peter Weiss

[2]Gesichter im Schatten (1956), R: Peter Weiss

[3]Schönefeld, Andreas: Die filmische Produktion des multimedialen Künstlers Peter Weiss im Zusammenhang seiner künstlerisch- politischen Entwicklung in den späten 40er und 50er Jahren, In: Wolff, Rudolf (Hrsg.):Peter Weiss. Werk und Wirkung, Bonn: Bouvier Verlag Herbert Grundmann 1987, S. 121

[4]Machnik, Hark und Niehoff, Reiner (Hrsg.):Peter Weiss. Filme. Vorgestellt von Harun Farocki,Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag 1981, online unter: http://www.suhrkamp.de/download/Blickinsbuch/9783518135303.pdf, zuletzt aufgerufen am 21.08.2016, S.19

[5]Lange-Fuchs, Hauke:Peter Weiss und der Film. Eine Dokumentation zur Retrospektive der 28. Nordischen Filmtage Lübeck vom 30. Oktober bis 2. November 1986, Lübeck: LN- Druck Lübeck 1986, S.8

[6]Ek, Sverker: Eine Sprache suchen. Peter Weiss als Filmemacher, In: Palmstierna-Weiss, Gunilla und Schutte, Jürgen (Hrsg.):Peter Weiss. Leben und Werk, Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag 1991, S. 146

[7]Weiss, Peter:Avantgardefilm, Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag 1995, S. 7

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Der Filmemacher Peter Weiss und der Avantgarde-Film
Hochschule
Philipps-Universität Marburg
Note
2,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
16
Katalognummer
V369349
ISBN (eBook)
9783668470750
ISBN (Buch)
9783668470767
Dateigröße
639 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
filmemacher, peter, weiss, avantgarde, film
Arbeit zitieren
Lena Kötitz (Autor), 2016, Der Filmemacher Peter Weiss und der Avantgarde-Film, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/369349

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