Diese Arbeit bezieht sich auf zwei Vorlesungen aus dem Sommersemester 2016 an der Universität Siegen. Beide Vorlesungen beschäftigen sich thematisch mit der Beziehung des Menschen zu Gott, dem Selbstverständis des Menschen, welches teilweise aus dieser Beziehung zu Gott resultierte und der Abgrenzung des Menschen zu Gott, sich selbst und der Welt.
Hierbei wird der Autor sich an der Chronologie der philosophischen Epochen orientieren, die sich in dieser Arbeit als relevant herausstellen, den Kerngedanken vorstellen und daraufhin die Beziehung zu Behinderung/en und/oder Inklusion erläutern.
Obligatorisch wird der Autor mit einer aktuellen Definition von „Inklusion“ beginnen. Einhergehend mit der Inklusion muss auch der Begriff der „Behinderung“ erläutert werden.
Der Kernbegriff der Inklusion leitet sich vom lateinischen „inclusio“ ab, welcher „Einschließung“ bedeutet. Laut Michael Wunder ist dies kein passiver Begriff, sondern Bedeutet die „aktive Einbeziehung von Menschen mit Behinderung in gesellschaftliche Prozesse“. Inklusion soll eher als „Integration“ verstanden werden, also als Tätigkeit, die von jedem durch Offenheit gegenüber Menschen mit Beeinträchtigung, vollzogen werden kann. Er spricht auch davon, Menschen mit Behinderung in die vorausgesetzte und gegebene Gesellschaftsstruktur „hereinzuholen“. Allerdings betrifft dieses Prinzip zwei Parteien: Diejenigen, die als „nicht-behindert“ gelten und die „Behinderten“. Besonders die Behinderten müssen sich aktiv am Integrationsprozess beteiligen und sich „an die gesellschaftlichen Bedingungen anpassen“.
Inhaltsverzeichnis
Inklusion
Behinderung
Die Norm
Sokrates
Beziehung von Sokrates’ Grundgedanken zur Behinderung
Die Antike
Seneca
Das Mittelalter
Die Aufklärung
20. Jahrhundert
Eigene Meinung
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Ziel dieser Hausarbeit ist es, den historischen Wandel der Begriffe "Inklusion" und "Behinderung" anhand ausgewählter philosophischer Epochen und Denker zu untersuchen, um die Bedingtheit gesellschaftlicher Normalitätsvorstellungen kritisch zu hinterfragen.
- Aktuelle Definitionen von Inklusion und Behinderung nach Wunder und WHO
- Die philosophische Konstruktion von Norm und Normalität
- Einfluss der Antike und des Mittelalters auf das Menschenbild und den Wert des Individuums
- Der Wandel der Inklusionsdebatte in der Aufklärung und im 20. Jahrhundert
- Kritische Reflexion über die heutige gesellschaftliche Verantwortung zur Inklusion
Auszug aus dem Buch
Die Aufklärung
Die Philosophen der Aufklärung, insbesondere John Locke, definierte den Menschen ohne den Einfluss Gottes. Er behauptete, dass alle Menschen frei geboren werden und diese Freiheit von niemandem genommen werden kann. Lediglich Besitztümer können beraubt und genommen werden. Habgier und Geiz sind lasterhaft, da genügend Güter für alle zur Verfügung stehen.
Der Mensch ist außerdem ein Mängelwesen, so Locke, da er von Natur aus der Natur und dessen Einwirkungen schutzlos ausgeliefert ist. Der Mensch hat keine naturgegebenen Waffen, kein Fell, das ihn vor dem Wetter schützt, noch besondere Schnelligkeit oder andere Sinne, die ihm dem Tier (oder auch sich selbst) überlegen machen. Dies führt dazu, dass sich die Menschen zum Opfer ihrer Freiheit in eine Gesellschaft zusammenfinden müssen, um sich selbst und um sich vor sich selbst zu schützen, da jeder sein eigener König (frei) ist und sich somit an keine Regeln oder Gebote zu halten hat, welches wiederum zur Anarchie in der Gesellschaft führen würde.
Locke konstruiert ein Gesellschaftsgebilde, in dem es einen Freiwilligen gibt, der sich einem anderen Freiwilligen anschließt. Diese treffen eine Übereinkunft über bestimmte Regeln mit dem Ziel friedlichen Zusammenlebens zum Opfer ihrer eigenen Freiheit. Es können weitere Mitglieder in diese Gesellschaft aufgenommen, abgestoßen oder abgelehnt werden, obwohl von Natur aus alle Menschen gleich (mit Freiheit) geboren wurden.
Mit der Definition der Behinderung, die oben gegeben wurde, ist jeder abgestoßene oder abgelehnte Mensch behindert, da er gar nicht, eingeschränkt oder nur teilweise an den gesellschaftlichen Prozessen teilnehmen kann. Die positive Seite dieser Gesellschaftskontruktion ist, dass die Inklusion sich als extrem einfach gestaltet: man einigt sich in der Gesellschaft darauf, ob dieser Mensch nun Teil der Gesellschaft werden soll, oder eben nicht. Wenn man sich darauf geeinigt hat, dass ein Behinderter aufgenommen werden soll, ist er automatisch Teil der Gesellschaft und vollständig inkludiert.
Zusammenfassung der Kapitel
Inklusion: Dieser Abschnitt definiert Inklusion als aktiven Prozess der gesellschaftlichen Teilhabe und stellt diese dem veralteten Integrationsbegriff gegenüber.
Behinderung: Hier wird Behinderung anhand der drei WHO-Kategorien (Impairment, Limitation, Restriction of Participation) als Grundlage für gesellschaftliche Ausgrenzungsmechanismen dargelegt.
Die Norm: Das Kapitel erläutert, dass Normalität ein variabler zeitlicher Rahmen ist, der maßgeblich definiert, wer als behindert und wer als zugehörig gilt.
Sokrates: Untersuchung des sokratischen Ideals des "guten Lebens", welches Wissen und geistige Teilhabe voraussetzt, und der daraus resultierenden Exklusion beeinträchtigter Menschen.
Beziehung von Sokrates’ Grundgedanken zur Behinderung: Vertiefung der antiken Sichtweise, in der körperliche oder geistige Defizite den Erwerb von Wissen und damit das tugendhafte Leben verhindern.
Die Antike: Analyse des antiken Menschenbildes als "gottähnliches" Wesen und der Konsequenz, dass Menschen außerhalb der Polis-Gemeinschaft den Status als Mensch verloren.
Seneca: Betrachtung der stoischen Philosophie Senecas, die den Fokus auf das Individuum und dessen Fehlbarkeit legt, was Inklusionsfragen aufgrund des fehlenden Gemeinschaftskonzepts verdrängt.
Das Mittelalter: Diskussion der christlichen Prägung, in der der Mensch als Ebenbild Gottes an Wert gewinnt, jedoch durch ein hierarchisches Verständnis von "Gottähnlichkeit" (Artes liberales) erneut selektiert wird.
Die Aufklärung: Analyse der gesellschaftstheoretischen Ansätze von Locke und Kant hinsichtlich Freiheit, Vertragsschluss und der problematischen Annahme universeller Möglichkeiten.
20. Jahrhundert: Untersuchung des "Homo oeconomicus" und der damit verbundenen ökonomischen Abwertung von Menschen, die nicht als produktive Arbeitskraft fungieren können.
Eigene Meinung: Persönliche Reflexion des Autors über die Notwendigkeit, Vielfalt als menschliche Eigenschaft anzuerkennen und eine wertebasierte Teilhabe aktiv zu gestalten.
Schlüsselwörter
Inklusion, Behinderung, Normalität, Philosophie, Menschenbild, Antike, Mittelalter, Aufklärung, Gesellschaftsvertrag, Partizipation, Ethik, Menschenwürde, Vielfalt, Teilhabe, Sozialtheorie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den historischen Wandel von Inklusion und Behinderung anhand philosophischer Epochen, um zu verstehen, wie gesellschaftliche Normen den Wert des Menschen beeinflussen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Definition von Behinderung im Wandel der Zeit, die Konstruktion von Normalität, philosophische Menschenbilder und die ethische Notwendigkeit aktiver Inklusion.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass Behinderung und Inklusion keine statischen Begriffe sind, sondern durch gesellschaftliche und philosophische Konstruktionen maßgeblich mitbestimmt werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor wendet eine chronologische philosophische Analyse an, gestützt auf Vorlesungsinhalte, Literaturrecherche und eine kritische Auseinandersetzung mit historischen Denkern.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert das Menschenbild von der Antike über das Mittelalter und die Aufklärung bis hin zum 20. Jahrhundert und beleuchtet, wie diese Epochen den Status von Menschen mit Behinderungen prägten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Besonders prägend sind Begriffe wie Inklusion, Normalität, Menschenwürde, Vielfalt und die ethische Debatte über den Wert des Menschen innerhalb einer Gesellschaft.
Inwiefern beeinflusste die Antike heutige Inklusionskonzepte?
Die Antike legte durch die Definition des "zoon politikon" den Grundstein für eine Gesellschaftsstruktur, die Ausgrenzung als Ausschluss aus der Gemeinschaft begründet, was heute kritisch reflektiert wird.
Welche Rolle spielt die ökonomische Perspektive im 20. Jahrhundert?
Im 20. Jahrhundert wurde der Mensch zunehmend als "homo oeconomicus" betrachtet, was Menschen, die nicht dem ökonomischen Ideal entsprechen, qua Definition abwertet und die Inklusion erschwert.
Warum hält der Autor den Aufwand der Inklusion für gerechtfertigt?
Der Autor argumentiert, dass jeder Mensch einzigartig und wertvoll ist, weshalb eine aktive Inklusion, die über bloße Offenheit hinausgeht, eine moralische Pflicht zur Sicherung menschlicher Vielfalt darstellt.
- Citation du texte
- Simon Antonius Heitlage (Auteur), 2016, Behinderung und Inklusion im Laufe der Zeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/369357