Die rückwirkende Kausalität und ihre Relevanz für Newcombs Problem

Kann die Zukunft die Vergangenheit verursachen?


Bachelorarbeit, 2010
56 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung

TEIL I: DAS NEWCOMB-PROBLEM UND ZWEI WIDERSTREITENDE ARGUMENTE
2. Die Ausgangslage
3. Die Argumente
4. Vier Erklärungsmöglichkeiten der prophetischen Meisterleistung

TEIL II: DER KAUSALITÄTSBEGRIFF UND DIE KONTROVERSE UM DIE MÖGLICH KEIT RÜCKWIRKENDER KAUSALITÄT
5. Einige Grundlagen
5.1. Relata
5.2. Relation
5.2.1. Klassische Regularitätsauffassung (nach Hume)
5.2.2. Der kontrafaktische Ansatz
5.2.3. Ursachen als Inus-Bedingungen
5.2.4. Das probabilistische Paradigma
6. Aufkommen einer Debatte: Die Historie um rückwirkende Kausalität
7. Die Richtung der Kausalität
7.1. Das Bilking-Argument
7.2. Reichenbachs kausale Theorie der Zeit
7.3. Zeitreisen
7.4. Ein Argument aus der Physik
8. Paradoxien im Zusammenhang mit rückwirkender Kausalität
8.1. Bootstrap-Paradoxien
8.2. Konsistenz-Paradoxien
9. Zwischenfazit

TEIL III: NEWCOMBS PROBLEM UND RÜCKWIRKENDE KAUSALITÄT
10. Eine Zusammenschau
11. Der Kerngedanke aus Schmidts Zwergen-Geschichte
12. Kritik an Schmidt: Scheinbare versus echte Verursachung
13. Fazit und abschließende Bemerkungen
Literatur

1. Einleitung

Gemeinhin wird gesagt, dass Ursachen immer früher geschähen als ihre Wirkungen; häufig wird als Grenzfall noch anerkannt, dass Ursachen mit ihren Wirkungen gleichzeitig sein können; doch manche halten es gar für denkbar, dass Ursachen nach ihren Wirkungen stattfinden. Besonders hinsichtlich des dritten Falles stellt sich gleich die Frage: Wenn dieser nicht vorkommt, ist dem dann bloß kontingenterweise so, oder hätte das zwingendere, womöglich logisch-begriffliche Gründe? Anders und gezielter gefragt: Ist der dritte Fall, ist rückwirkende Kausalität möglich?

Auf diese Fragen gibt es, wie auch auf andere Fragen nach der Kausalität, keine einfache Ant-wort. Dass dies so ist, liegt daran, dass ein und dieselbe Frage im Rahmen verschiedener Be-griffssysteme gestellt werden kann und dass dann die Antworten entsprechend ausfallen.

Sofern man versucht, mit alltagssprachlichen, nicht-technischen Mitteln das (oder ein) Kausa-litätsproblem zu formulieren, kann man das Pech haben, sich in eine solche Vielzahl von Pro-blemen zu verstricken, dass man nicht mehr angeben kann, worin das (oder dieses) Kausalitäts-problem eigentlich bestehe. Sofern man andererseits von vornherein mit formal-technischen Mitteln „das Problem“ lösen will, übersieht man leicht die Vielzahl von Aspekten, die es beim Kausalitätsproblem gibt, und begnügt sich möglicherweise mit einer einfältigen Lösung.

Ich möchte in der vorliegenden Arbeit trotz der genannten und weiterer Hürden die Frage nach der Möglichkeit rückwirkender Kausalität aufgreifen. Ganz im Sinne der obigen Ankündigung wird sich hier keine einfache bejahende oder verneinende Antwort finden lassen; doch ist es aufschlussreich, die verschiedenen Argumente zu diskutieren und gegeneinander abzuwägen (Kap. 7). Denn dies bietet einerseits einen Überblick über den Stand der Kontroverse und andererseits soll die Wiedergabe und Bewertung der vier Argumente für und wider der Möglich-keit rückwirkender Kausalität in Kapitel 7 aufzeigen, in welche Richtung weitergedacht werden könnte.

Des Weiteren ist auch die Frage „Ist rückwirkende Kausalität möglich?“ selbst nicht einfach. Hinter ihr verbergen sich zahlreiche andere wichtige Fragen. Die vermutlich wichtigste gilt es zuvor in Kapitel 5 zu stellen, nämlich die einfach anmutende Frage, was Kausalität ist. Tatsäch-lich ist diese Frage sehr komplex, weshalb in dieser Arbeit auch nicht der Anspruch gestellt wird, sie wirklich befriedigend zu klären. Um aber die wenigen angestellten Überlegungen sys-tematisch zu ordnen, seien von der Tatsache ausgehend, dass Kausalität eine Relation ist, zu-nächst einige Bemerkungen zu den Relata gemacht (5.1.), die aber in Anbetracht der Ziel-setzung der Abhandlung von eher untergeordneter Wichtigkeit und dementsprechend relativ knapp gehalten sind. Im Vordergrund stehen vielmehr diejenigen Ausführungen, welche die Kausal relation betreffen. Darunter subsumiert sich die weitere Frage, ob und wenn ja, wie eine Reduktion von Kausalem auf Nicht-Kausales gelingt. Im Zuge dessen werden vier wichtige Theorien rekapituliert – die klassische Regularitätsauffassung (nach Hume), die klassische kontrafaktische Theorie, die Einführung von Inus-Bedingungen (durch Mackie) und das probabilistische Paradigma –, die sich allesamt um eine Explikation des Kausalitätsbegriffs bemühen. Allerdings werden sich die ersten drei Theorien (5.2.1. – 5.2.3.) als unzulänglich herausstellen, sodass der vierte, der probabilistische Ansatz verbleibt (5.2.4.). Zwar soll nicht ausgeschlossen werden, dass dieser nicht auch problembehaftet ist, doch dürfte die allgemeine Verständigung auf einen basalen und vorläufigen Kausalitätsbegriff, den Begriff der Prima-facie-Ursache, keine größeren Schwierigkeiten bereiten. Im Speziellen bereitet die Annahme des Begriffs der Prima-facie-Ursache, zumindest in seinem ursprünglichen Sinn, wie er von Suppes (1970) geprägt wurde, dann doch noch eine größere Schwierigkeit: In dieser, d.h. in Suppes' Formulierung ist er inkompatibel mit der Möglichkeit rückwirkender Kausalität, weil Suppes (1970) voraussetzt, dass sich Ursachen zeitlich vor ihren Wirkungen ereignen. Aber an-statt seine Explikation der Prima-facie-Ursache als Grund für die Sinnlosigkeit der Diskussion um rückwirkende Kausalität hinzunehmen, ist es vielmehr umgekehrt zu sehen, d.h. die Argu-mente zugunsten der Annahme rückwirkender Kausalität sind als Anlass zu nehmen, um die Bedingung, dass Ursachen notwendigerweise ihren Wirkungen zeitlich vorangehen, in Zweifel zu ziehen. Damit schließt sich der Kreis um die Problematik „ Kausalität und Zeit “.

Freilich wurden hier viele Fragen der Kausalität, die unter anderen Gesichtspunkten mindestens ebenso wichtig sind, stillschweigend ausgeblendet. Dies ließ sich aber aufgrund des sehr um-fangreichen Themas, das eine Eingrenzung erforderlich macht, nicht vermeiden. Nichtsdesto-trotz ist es angebracht, eine weitere Frage noch aufzuwerfen: Warum sollte man überhaupt dem mühseligen, womöglich kaum ertragreichen Geschäft nachgehen und die Möglichkeit rück-wirkender Kausalität diskutieren, die lange Zeit und oft auch noch heutzutage für unmöglich gehalten wurde respektive wird?

Eine interessante Antwortmöglichkeit und eine Motivation für die Beschäftigung mit dem Thema ist diejenige, dass die Hypothese von rückwirkender Kausalität für ein Problem von Belang ist, welches der Öffentlichkeit erstmals von Nozick (1969) vorgestellt wurde und welches unter Entscheidungstheoretikern und anderen Leuten eine veritable Verwirrung ge-stiftet hat. Dieses Newcombsche Problem ist nicht nur ein entscheidungstheoretisches, sondern ebenso – und dieser Aspekt wird hier hervorgehoben – ein den Kausalbegriff betreffendes Pro-blem. Im Besonderen kann Newcombs Problem als ein Anwendungsfall für rückwirkende Kausalität gesehen werden, wobei eben dieser Zusammenhang v.a. im III. Teil dieser Arbeit auch explizit beleuchtet wird. Dort wird jedoch festzuhalten sein, dass der bisher einzig wirklich ausgearbeitete Versuch, Newcombs Problem mithilfe von rückwirkender Kausalität zu lösen, selbst bei Unterstellung der prinzipiellen Möglichkeit von rückwirkender Kausalität, nicht gelingt (Kap. 12). Darüber hinaus wird dafür argumentiert, dass auch in anderen denkbaren Fällen ein solcher Lösungsansatz für Newcombs Problem nicht überzeugt. Doch schauen wir uns in einem ersten Schritt zunächst einmal besagtes Problem genauer an.

Teil I: Das Newcomb-Problem und zwei widerstreitende Argumente

2. Die Ausgangslage

Angenommen man wird vor eine Wahl gestellt. Vor einem sind zwei verschlossene (nicht trans-parente) Kisten platziert, K1 und K2. Es stehen zwei Handlungsalternativen zur Verfügung: die

Handlung H1, nur die zweite Kiste samt Inhalt zu nehmen, und die

Handlung H2, beide Kisten samt deren Inhalt zu nehmen.

Darüber hinaus gibt es da noch ein sehr mächtiges Wesen, das, wie man weiß, und wie das Wesen weiß, dass man es weiß, etc. (sodass es schließlich common knowledge ist) bereits 1000 € in K1 deponiert hat und das ferner Folgendes gemacht hat:

Wenn es vorausgesagt hat, dass man nur die zweite Kiste nimmt, dann

U1: hat es 1 Mio. € in K2 deponiert;[1] und

wenn es vorausgesagt hat, dass man beide Kisten nimmt, dann

U2: hat es nichts in K2 gelegt, sodass sie 0 € enthält;

Nehmen wir weiter an, es handele sich um ein Wesen, „in whose power to predict your choices you have enormous confidence” (Nozick 1969, S. 114). Denn dieses Wesen, im Fortgang „Prophet“ genannt, kann Handlungen von Menschen allgemein und speziell von Newcomb-Spielern mit großer Zuverlässigkeit voraussagen. Die Geschichte könnte noch ausgewalzt werden, doch jedenfalls weiß man, dass die Prophezeiungen bislang immer richtig waren. Mithilfe einer Entscheidungsmatrix lässt sich die Situation wie folgt wiedergeben:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Newcombs Problem

Wie sollte man sich im Lichte dessen entscheiden? Was jemand vernünftigerweise tun sollte, hängt maßgeblich davon ab, was er will und was er glaubt. Die Frage des Wollens dürfte dabei wenig kontrovers sein. Es ist plausibel anzunehmen, dass die Präferenzen der Newcomb-Spieler eindeutig durch die Höhe des zu gewinnenden Geldbetrags bestimmt werden (wenngleich in manchen Diskussionen des Problems auch vorgebracht wurde, dass jemand mehr als am schnöden Mammon daran interessiert sein könnte, seine menschliche Entscheidungsfreiheit zu beweisen)[2]. Alles andere als unstrittig ist hingegen die Frage, was man in der Newcomb-Situation vernünftigerweise glauben kann bzw. glauben sollte. Es scheint nämlich sowohl ein schlagendes Argument für die Ansicht zu geben, es sei das Ver-nünftigste, H1 auszuführen, als auch ein schlagendes Argument für die Ansicht, es sei das Ver-nünftigste, H2 auszuführen. Diese Argumente raten zu zwei unverträglichen Handlungsweisen: Wenn man beide Kisten nimmt, dann kann man nicht gleichzeitig nur die zweite Kiste nehmen. Die beiden Argumente zusammengenommen beinhalten den Schluss, dass es sowohl das Vernünftigste als auch nicht das Vernünftigste ist, beide Kisten zu wählen. Das ist nicht annehmbar, wiewohl die Argumente (für beide Handlungsalternativen), aus denen diese Con-clusio abgeleitet ist, annehmbar zu sein scheinen. Doch wie so oft trügt auch hier der Schein.

3. Die Argumente

Das Argument zugunsten der Entscheidung, nur die zweite Kiste zu wählen (H1), stützt sich auf die vorausgesetzte hohe Zuverlässigkeit der Vorhersage: Wenn ich beide Kisten nehme, so wird der Prophet das aller Wahrscheinlichkeit nach vorhergesagt und K2 nicht mit 1 Mio. € gefüllt haben; in diesem Fall bekomme ich also fast sicher nur die 1000 € aus K1. Wenn ich hingegen nur die zweite Box nehme, so wird der Prophet auch dies mit großer Sicherheit vorhergesagt und dementsprechend 1 Mio. € in K2 gelegt haben; in diesem Fall erhalte ich also fast sicher diese 1 Mio. €. Der erwartete Nutzen von H1 (oder der erwartete monetäre Wert)[3] ist somit entschieden größer als der von H2, und daher sollte ich natürlich H1 wählen.[4] Diese Überlegung beruht auf dem sogenannten Prinzip der Maximierung des zu erwartenden Nutzens, das man so formulieren kann:

(MAX) Wähle stets jene Handlung, deren zu erwartender Nutzen gegenüber den Erwartungsnutzenwerten der alternativen Handlungen maximal ist.[5]

Das konkurrierende Argument beruft sich stattdessen auf die Tatsache, dass zum Zeitpunkt der Entscheidung bereits feststeht, wie viel Geld in K2 gelegt wurde und dass die Entschei- dung des Spielers hieran nichts mehr zu ändern vermag:[6]

Wenn der Prophet die 1 Mio. € bereits in K2 gelegt hat, dann erhalte ich 1 Mio. € plus 1000 €, sofern ich den Inhalt beider Kisten nehme, wohingegen ich „nur“ 1 Mio. € bekomme, wenn ich nur das nehme, was in K2 ist. Umgekehrt, wenn das Wesen die 1 Mio. € nicht in die zweite Kiste gelegt hat und wenn ich den Inhalt beider Kisten nehme, dann bekomme ich immerhin 1000 €, wohingegen ich sonst (d.h. wenn ich bloß K2 wähle) überhaupt kein Geld bekomme. Das heißt – egal ob nun in K2 1 Mio. € oder 0 € liegen – ich fahre mit H2 in jedem Fall besser, habe ich doch in jedem Fall 1000 € mehr als mit H1. Meine Wahrscheinlichkeiten da-für, dass K2 1 Mio. € respektive 0 € enthält, scheinen dabei überhaupt keine Rolle zu spielen, da zu t3 (zum Zeitpunkt der Entscheidung) bereits feststeht, was sich in der jeweiligen Box be-findet. Technisch ausgedrückt, H2 dominiert H1, und deshalb sollte ich H2 tun:

(DP) Wenn in einer Entscheidungssituation eine (schwach oder strikt) dominante Handlungs-alternative H existiert, dann ist es stets rational, H auszuführen.[7]

So geschildert, legt es die vorangehende Beschreibung des Dilemmas nahe, das Newcomb-Problem als einen Konflikt zwischen zwei allgemeinen entscheidungstheoretischen Prinzipien zu verstehen, nämlich zwischen dem Dominanzprinzip (DP) und dem Prinzip der Maxi-mierung des zu erwartenden Nutzens (MAX).[8]

Der Kern des Newcomb-Problems lässt sich dann wie folgt zusammenfassen: Es gibt zwei mögliche Umstände, U1 und U2, die eintreten können. In beiden Fällen führt die Handlung H2 zu einem besseren Resultat als H1, d.h. – in der Terminologie der Entscheidungstheorie – H2 ist gegenüber H1 strikt dominant. Trotzdem erscheint es insgesamt besser, die nicht-dominante Handlung H1 auszuführen, weil hierdurch anscheinend wahrscheinlich wird, dass der Um-stand U1 eintritt (was zugleich den Gewinn von 1 Mio. € bedeutet), während die dominante Handlung H2 scheinbar dazu führt, dass U2 wahrscheinlich vorliegen wird und somit bloß einen Gewinn von 1000 € verspricht.

4. Vier Erklärungsmöglichkeiten der prophetischen Meisterleistung

Ohne auf weitere in der Literatur vorgebrachte Argumente (für H1 bzw. H2) eingehen zu wollen, ist es wichtig, sich klar zu machen, dass die Befürworter von H1 in Schwierigkeiten gelangen, falls man die Zuverlässigkeit der Prophezeiungen hinterfragt: Wenn das Wesen nur noch etwas häufiger richtige als falsche Voraussagen macht, wenn man also die bedingte Wahr-scheinlichkeit dafür, dass der Prophet Hi vorhergesagt hat, sofern Hi ausgeführt wird (i = 1, 2), z.B. auf 0,6 oder gar auf 0,51 senkt, so müssten diese Ein-Boxer nach der ersten Überlegung, die auf (MAX) rekurriert, auch dann nur die zweite Box nehmen.[9] Dies erscheint absurd – kann es doch jeder halbwegs intelligente Mensch bei etwas Training zu Voraussagen dieser geringen Qualität bringen.

Aus dem Grund sei abschließend (für den I. Teil) der Frage nachgegangen, wie die hohe Zu-verlässigkeit des Propheten zu erklären ist. Um seine prophetischen Fähigkeiten besser beurtei-len zu können, wollen wir davon ausgehen, dass jenes Wesen die Entscheidungen von 100 Perso-nen, die bislang am Newcomb-Spiel teilgenommen und die entsprechend entweder H1 oder H2 gewählt haben, alle korrekt vorhergesagt hat.

Insofern ist die Frage dahingehend zu präzisieren, wie die verblüffende Leistung des Propheten bei 100 stattgefunden habenden Newcomb-Spielen zu begründen ist. Unter der (in Fußnote 6) aufgestellten Restriktion, dass Newcombs Problem nicht zu trivialisieren ist, und um einen Fehlschluss der Art cum hoc ergo propter hoc [10] zu vermeiden, sind (mindestens)[11] folgende vier verschiedene Erklärungsmöglichkeiten zu betrachten:

E1: Der Prophet hatte lediglich unglaubliches Glück bei seinen Vorhersagen, da keine (dann wäre es bloßer Zufall) oder – wie sich bei einer fortgeführten Datenerhebung erkennen lie-ße[12] – nur eine schwache bis mittlere, jedoch keine sehr hohe Korrelation zwischen der jeweiligen Vorhersage und der dementsprechenden Entscheidung des Spielers besteht.

Bei der Bewertung von E1 zeigt sich schnell, dass es zwar möglich, aber doch sehr unwahrscheinlich ist, dass E1 den Erfolg des Propheten begründet,[13] weshalb man E1 keine weitere Beachtung schenken braucht. Wenn man aber den puren Zufall und andere Ansätze (wie etwa, dass der Prophet ein sehr guter Psychologe ist), die eine schwache bis mittlere Korrelation rechtfertigen würden, vernachlässigen kann, dann wird es umso dringlicher, nach der Ursache für die bis dato perfekte Übereinstimmung zwischen der Vorhersage und der tatsächlichen Entscheidung des Spielers zu fragen.[14] Eine mögliche Erklärung gibt E2.

E2: Die jeweilige Vorhersage des Propheten zu t1 und die dementsprechende Entscheidung des Newcomb-Spielers zu t3 haben eine gemeinsame Ursache X (bzw. X'), die zum Zeit-punkt t0 eintritt: Die Konfiguration (und Bewegung) C (bzw. C') der Teilchen im Körper des Spielers, in den Kisten und in der Umgebung kurz vor t1, d.h. kurz bevor es zur Pro-phezeiung kommt, verursacht, sowohl dass der Prophet die Entscheidung des Spielers für H1 (bzw. H2) vorhersagt, als auch dass der Spieler zu t3 H1 (bzw. H2) ausführt.[15]

E2 erklärt sehr gut den bisherigen Erfolg des Propheten. Man kann aber anzweifeln, ob E2 für uns verständlich ist: Eine hinreichend präzise Beschreibung von C (C') würde wohl unsere eigene Vorstellungskraft übersteigen und bloß zu sagen: „C ist eine Konfiguration, die dazu führt, dass sich der Spieler zu t3 mit der Wahl von K2 begnügt“, erlaubt es uns nicht nach-zuvollziehen, wie die Entscheidung des Spielers zustande kommt (vgl. auch Schmidt 1998, S. 81). Im III. Teil dieser Arbeit werden wir auf E2 zurückkommen und einen Bezug zu der noch ausstehenden Alternative E4 herstellen. Eine andere Erklärung gibt indessen E3.

E3: Die jeweilige Vorhersage des Propheten zu t1 verursacht die Wahl der entsprechenden Handlung des Newcomb-Spielers zu t3.

Es scheint sehr seltsam, dass die jeweilige Vorhersage die dementsprechende Handlung bewirkt haben soll. Denn die Spieler beteuern, ihre Entscheidung frei von der Einflussnahme anderer getroffen zu haben, sie können immerhin ja auch eine Münze werfen. Und wenn ihre Entschei-dung nicht frei von Einflüssen war, so bleibt es immer noch rätselhaft, wie eine Vorhersage hätte kausal Einfluss nehmen können (immerhin gehen wir nicht davon aus, dass der Prophet das Spiel manipuliert). Diese Gründe sollen (einfachheitshalber) ausreichen, um auch E3 zu verwerfen (obschon man E3 streng genommen nicht als unwahr deklarieren darf, bloß weil wir keine Anhaltspunkte für E3 kennen). Die folgende Alternative E4 scheint zunächst nicht weniger mysteriös zu sein.

E4: Die Entscheidung des Spielers für H1 (bzw. H2) zu t3 verursacht rückwirkend, dass der Prophet zu t1 vorhergesagt hat, der Spieler werde H1 (bzw. H2) wählen.

E4 würde zwar sehr gut den bisherigen Erfolg des Propheten erklären, doch scheint der Ge-danke, rückwirkende Kausalität anzunehmen, (zumindest prima facie) nicht überzeugend. Vielmehr glauben wir gerade, es sei eine wohlbekannte Eigenschaft unserer Welt, dass in allen Fällen von Kausalität die Ursache ihrer Wirkung zeitlich vorangeht. Hingegen bedeutet die Idee von rückwirkender Kausalität, dass die eindeutige temporale Ordnung von Ursache und Wirkung – wenn überhaupt[16] – ein bloß kontingentes Merkmal unserer Welt sei und dass eben Fälle zu erwägen seien, in denen die Ursache zeitlich auf ihre Wirkung folgt. Bevor aber auf E2 und E4 und damit auf die Relevanz rückwirkender Kausalität für Newcombs Problem ein-gegangen wird, gilt es zunächst, die grundsätzlichen Fragen aufzugreifen, was unter Kausalität zu verstehen und ob rückwirkende Kausalität überhaupt möglich ist.

Teil II: Der Kausalitätsbegriff und die Kontroverse um die Möglichkeit rückwirkender Kausalität

5. Einige Grundlagen

Gemeinhin bezeichnet man mit „Kausalität“ die Beziehung zwischen Ursache und Wirkung. In-sofern handelt es sich um eine Relation. Aber schon bei der Frage, ob sie eine zweistellige, dreistellige oder gar eine vierstellige Relation ist, herrscht unter Philosophen Uneinigkeit. Da-rüber hinaus ist grundsätzlich zu fragen: Wie muss eine Welt überhaupt beschaffen sein, damit in ihr Kausalrelationen vorkommen? Was zeichnet es als einen Fall von kausaler Verknüpfung aus, wenn die Billard-Spielkugel die schwarze Acht in die Ecktasche stößt?

Es bietet sich an, Fragen in Bezug auf die Metaphysik der Kausalität wie folgt einzuteilen: Zunächst möchte ich einige Bemerkungen zur Natur der kausalen Relata machen, insbesondere darüber, welcher Art sie sind (Kategorie), wie viele es sind (Anzahl) und welche Rolle sie je-weils spielen (Kap. 5.1.). Zweitens stehen dem Fragen gegenüber, welche die Relation betreffen (5.2.). Dabei sei vornehmlich der Frage nachgegangen, ob und wenn ja, wie eine Explikation, eine Reduktion von Kausalem auf Nicht-Kausales gelingt.

5.1. Relata

Frage: Was sind kausale Relata: Welcher Kategorie gehören sie an? Wie viele gibt es? Und welche Rolle üben sie aus?

Optionen: Die Standard-Auffassung besagt, dass es sich bei den Relata um zwei (Anzahl) Ereignisse (Kategorie) handelt, von denen eines die Ursache und das andere die Wirkung ist (Rolle). Gemäß der Standard-Auffassung gibt es also beim Stoß der Spielkugel auf die schwarze Acht, die daraufhin in die Ecktasche fällt, ein tatsächliches Ereignis e1: die Spielkugel stößt die schwarze Acht, und ein davon verschiedenes (tatsächliches) Ereignis e2: die schwarze Acht ver-sinkt in der Ecktasche, sodass e1 die Ursache und e2 die Wirkung ist. Kurzum, die Standard-Ansicht geht davon aus, dass e1 e2 bewirkt.

Allerdings wurde diese Auffassung in allen drei Hinsichten bestritten. Im Hinblick auf die Kategorie sprechen manche, statt von Ereignissen (Kim 1973, Davidson 1967/1980, Lewis 1986a), lieber von Fakten (Mellor 1995), andere von Sachlagen („states of affairs“, Armstrong 1997), von Situationen (Menzies 1989) oder von Entitäten anderer Art. Ein Konsens wird ferner dadurch erschwert, dass die Parteien nicht darin übereinstimmen, was Ereignisse, Fakten, etc. jeweils genau sind. Ein erfolgversprechender Ansatz, um die Kategorie kausaler Relata festzu-legen, würde angesichts dessen erfordern, dass zunächst einmal bestimmt werden würde, in welchen Merkmalen sich Ereignisse, Fakten, etc. voneinander unterscheiden, um dann zu identifizieren, welche Merkmale die Relata haben müssen.

Im Wesentlichen findet man zwei differenzierende Charakteristika vor: Das erste ist Immanenz (vgl. Bennett 1988, S. 22ff.). Ereignisse werden bspw. im Allgemeinen als immanent, d.h. als innerhalb der Raumzeit bleibend angesehen, Fakten hingegen als transzendent und damit als die Raumzeit überschreitend.[17] Es kommt darum die Frage auf, ob Kausalität immanente oder transzendente Relata verlangt. Die zweite wichtige Frage zielt darauf, inwieweit die Relata der Kausalrelation individuiert sein müssen; d.h. was sind die Bedingungen, die bestimmen, ob die Relata r1 und r2 identisch oder verschieden sind. Ereignissen sagt man oft (aber nicht immer) nach, sie seien relativ grobkörnig, wohingegen Fakten eher als spezifisch gelten.[18]

Was die Anzahl und die Rolle anbelangt, so finden sich neben der klassischen Ansicht, die ge-nau zwei Relata zählt (Mackie 1965, Davidson 1967/1980, Lewis 1973b) auch konkurrierende Auffassungen, die von drei (van Fraassen 1980, Hitchcock 1996) oder gar vier (Schaffer 2005) Relata ausgehen. Dabei haben die zusätzlichen Relata die Rolle inne, als alternative Ursache („ causal alternative “, Hitchcock 1996) und/oder als alternative Wirkung („ effectual difference “, van Fraassen 1980) zu fungieren. Genauer: Die letztgenannte Option, zu der van Fraassens (1980) Arbeit über kontrastierende Erklärungen angeregt hat, nimmt Kausalrelationen an, die folgende Form haben: c verursacht e eher als e': Wenn ich einen Pflasterstein auf eine Glas-scheibe werfe (c), dann zerbricht sie eher (e), als dass sie einen Sprung bekommt (e'). Dem-gegenüber kommen in der erstgenannten Alternative, basierend auf Hitchcocks (1996) Arbeit über probabilistische Kausalität, Kausalrelationen folgender Form vor: Weniger c', als vielmehr c verursacht, dass e: Wenn ich einen Pflasterstein auf eine Glasscheibe werfe (c), dann zerbricht sie eher (e), als wenn ich einen Kieselstein werfe (c'). Drittens und schließlich können die beiden genannten Ansätze – wie bspw. von Schaffer (2005) gefordert – noch kombiniert werden: c eher als c' verursacht e eher als e': Eher mein Wurf eines Pflastersteins (c) als mein Wurf eines Kieselsteins (c') verursacht eher, dass die Scheibe zerbricht (e), als dass sie bloß einen Sprung davonträgt (e'). Es bleibt dann zu fragen, ob ein drittes oder viertes Glied in der Kausalrelation gebraucht wird, um bestimmte Probleme oder Paradoxien zu lösen oder ob deren Hinzuziehung selbst Schwierigkeiten bereitet.[19]

Daneben existieren noch ganz andere Ansätze, zusätzliche, sogenannte sekundäre Relata ein-zuführen, die im Rahmen dieser Arbeit allerdings ausgespart bleiben sollen.[20]

Annahme: Sowohl die Kontroverse um die Kategorie der Relata als auch um ihre Anzahl und Rolle sind durch die Bedingung entfacht, dass die Teilnehmenden scheinbar nur je eine einzige Antwort auf die eingangs (zu 5.1.) gestellten Fragen billigen wollen: Die Debatte setzt ein-fachhin voraus, dass es eine eindeutig bestimmte Anzahl von Relata gibt, dass diese nur von einer einzigen Kategorie sind und bloß bestimmte Rollen spielen. Doch vielleicht ist es an-gebracht, in verschiedenen Kontexten unterschiedliche Standpunkte einzunehmen. Warum sollten wir dann nicht Relata verschiedener Kategorien, in unterschiedlicher Anzahl und in unterschiedlichen Rollen zulassen?

Jedenfalls scheint es im Hinblick auf das Newcomb-Spiel ziemlich unerheblich zu sein, welche genauen Annahmen wir bzgl. der Relata der Kausalrelation treffen. Im Gegenteil, die Fest-legung auf eine bestimmte Kategorie, auf eine bestimmte Anzahl und bestimmte Rollen der Relata brächte vornehmlich den Aufwand mit sich, dass die vielen Einwände der Befürworter anderer Ansichten zu entkräften wären und gleichzeitig bloß ein geringfügiger Ertrag in die andere Waagschale geworfen werden könnte. Denn es scheint eher nebensächlich, ob wir nun die jeweilige Vorhersage des Propheten und die entsprechende Entscheidung des Spielers bspw. als Ereignisse oder Fakten etc. verstehen. Im Vordergrund steht doch vielmehr die Frage, ob zwischen diesen Ereignissen, Fakten etc. eine Kausal relation besteht oder nicht. Doch bevor wir uns dem Spezialfall der rückwirkenden Kausalität zuwenden, ist es sinnvoll, zunächst ein-mal (in Grundzügen) zu klären, was unter einer Kausalrelation überhaupt zu verstehen ist.

5.2. Relation

Frage: Was ist die Kausalrelation: Was ist die metaphysische Basis für eine kausale Ver- knüpfung? Ob und wie ist Kausales auf Nicht-Kausales zurückführbar?

Optionen: Ein Gros der philosophischen Literatur zur Kausalität beschäftigt sich damit, was eine Kausalrelation ausmacht. Darauf wurden im Laufe der Zeit so viele Antworten gegeben, dass es den Rahmen dieser Arbeit schier sprengen würde, auf die einzelnen Ansätze einzugehen. Glücklicherweise lassen sich viele von ihnen auf einen gemeinsamen Nenner bringen, sodass wir uns in der Folge damit begnügen können, vier prominente Positionen zu beleuchten.

Ihnen ist eines gemeinsam: Sie versuchen alle, den Kausalitätsbegriff mit logischen Mitteln, in einem weiten Sinne verstanden,[21] zu explizieren, und zumindest dem ersten Anscheine nach er-reichen sie damit eine Reduktion von Kausalem auf Nicht-Kausales. Dies macht sie attraktiv. Denn bei Explikationen, die auf solche Dinge wie kausale Notwendigkeit, Kräfte, Vermögen, Kausalgesetze etc. rekurrieren, bekäme man sofort den Eindruck, dass mit ihnen überhaupt nichts gewonnen ist, da diese Dinge in gleicher Hinsicht und in gleichem Maße klärungs-bedürftig sind wie das zu Explizierende selbst. Diesen Eindruck hat man bei den hier zu schil-dernden Versuchen nicht (Spohn 1983, S. 31).[22] Insofern erfahren hier (v.a. aus Platzgründen) keine Theorien Berücksichtigung, die entweder behaupten, dass sich der Kausalitätsbegriff einer Analyse prinzipiell entzieht, d.h. Kausales generell nicht auf Nicht-Kausales zurückführbar sei (Primitivismus, vgl. z.B. Anscombe 1975), oder die dafür plädieren, dass der Kausalitätsbegriff ein leerer, dass der Glaube an Kausalzusammenhänge ein bloßer Volksmythos sei (Eliminati-vismus, vgl. z.B. Russell 1913).[23]

5.2.1. Klassische Regularitätsauffassung (nach Hume): Darstellung

Was hier als die klassische Regularitätsauffassung bezeichnet ist, geht auf Hume (1748/1999) zurück, der seine Überlegungen in einem vielzitierten Satz bündelt. Danach mögen wir also eine Ursache definieren als „ an object, followed by another, and where all the objects, similar to the first, are followed by objects similar to the second[24] (ebd. S. 146).

Mit anderen Worten: In einer singulären Kausalbehauptung sei eine allgemeine Regularitäts-aussage oder Gesetzesannahme implizit enthalten. Neben dieser logischen Analyse von Kau-salbehauptungen stellt Hume außerdem eine psychologische Hypothese darüber auf, wie wir zu der Annahme solcher Gesetze gelangen. Beides ist bei ihm so miteinander verquickt, dass dadurch seine ganze Deutung einen stark psychologistischen Anstrich erhält; oder kritischer ausgedrückt: Es findet sich bei Hume keine methodisch scharfe Trennung zwischen der lo-gischen Analyse und einer bestimmten psychologischen Theorie. Wenn wir nun hier von dieser spezifischen Humeschen psychologischen Assoziationstheorie[25] abstrahieren, so lässt sich der wesentliche Aspekt der klassischen Regularitätsauffassung – in modernerer Redeweise – wie folgt reformulieren: Dass A Ursache von B ist, sei so auszulegen, dass

(a) die beiden Gegenstände (Ereignisse/Sachverhalte etc.) vorliegen (eine Selbstverständlich-keit), dass
(b) A früher ist als B (was Humes Reden vom Folgen übersetzt), und dass schließlich
(c) Gegenstände (Ereignisse/Sachverhalte etc.) dieser Art regelmäßig miteinander verknüpft (b) sind, wobei es zu bedenken gilt, dass die Rede von allgemeinen Regularitäten nur eine (b) rudimentäre Form des Sprechens von Naturgesetzen bildet. Deshalb darf man in Überein- (b) stimmung mit Spohn (1983, S. 32f.) folgender Formulierung den Vorzug einräumen:

(c') Es gibt ein wahres Gesetz G derart, dass B aus G und A logisch folgt.

Die Plausibilität dieser ersten Explikation muss dabei nicht eigens herausgestellt werden; es fallen einem mühelos zahlreiche Beispiele für Ereignisse/Sachverhalte etc. ein, die man intuitiv Ursache und Wirkung nennen würde, und die die Bedingungen (a) – (c') erfüllen.[26] Wichtiger ist jedoch, zu erkennen, wie viel an der klassischen Regularitätstheorie unzulänglich ist. Als Explikation des Ursachenbegriffs ist sie in mehrfacher Hinsicht inadäquat und selbst in ihrer modernen Reformulierung ist sie trotz ihrer Schlichtheit gar nicht im gewünschten Maße klar.

5.2.1. Klassische Regularitätsauffassung (nach Hume): Diskussion Natürlich kann manaaa Natürlich kann man jedes einzelne Wort in (a) – (c') problematisieren, wir wollen unser Augen-merk stattdessen aber auf folgende Punkte legen:

(i) (a) – (c) bzw. (c') charakterisieren bloß eine hinreichende Ursache für B und tragen not-wendigen Ursachen nicht Rechnung (also solchen, deren Ausbleiben das Ausbleiben von B sicherstellt, deren Eintreten aber nicht das Eintreten von B garantiert). Zwar gibt es Fälle, in denen wir weniger geneigt sind, eine notwendige Bedingung (z.B. für ein bestimmtes Er-eignis) als (Teil-) Ursache zu bezeichnen: Für die Entstehung des Brandes war es erforderlich, dass sich hinreichend viel Sauerstoff in der Luft befand etc.; allerdings weist Spohn (1983) auf das folgende überzeugende Gegenbeispiel hin: Bekanntlich hat jede Krankheitsgeschichte, die mit progressiver Paralyse endet, mit einer luetischen Infektion angefangen; die Umkehrung gilt nicht. Nun wird man in jedem Fall einen solchen Anfang eine Ursache eines solchen Endes nennen wollen; die klassische Regularitätstheorie wird dem jedoch nicht gerecht (eben weil die gegebene Explikation nur hinreichende und nicht derlei notwendige Ursachen berücksich-tigt). Diesem Einwand ist durch eine zweite Explikation (in Spohn 1983, S. 34) aber leicht zu begegnen. Es bleibt dann freilich die Frage offen, was denn im intuitiven Verständnis Ur-sachen schlechthin seien: hinreichende Ursachen, notwendige Ursachen oder notwendige und/ oder hinreichende Ursachen?
(ii) Eine gravierende Schwachstelle in der dargebotenen Explikation liegt in dem Gebrauch des ominösen Wortes „Gesetz“ in Bedingung (c'). Da sich nicht jeder Satz, der die logische Form eines Allsatzes hat, als Gesetz qualifiziert, ist zu fragen, worin Gesetzesartigkeit besteht, was nach wie vor heftig umstritten bleibt.[27]
(iii) Schließlich kommt ein schwerwiegendes Ungenügen von (a) – (c) bzw. (c') zum Vorschein, wenn man komplex verursachte Ereignisse/Sachverhalte etc. betrachtet: Es müssen schon viele Faktoren zusammenkommen, damit ein Mensch an Krebs erkrankt (darum heißt Krebs auch eine multifaktorielle Krankheit). Eine entsprechende genetische Veranlagung (A1), langjähriges Kettenrauchen (A2), kaum sportliche Tätigkeiten (A3), andere Umweltfaktoren und im Laufe des Lebens erworbene Veränderungen im genetischen Material tragen z.B. in unterschiedlicher Weise zum Entstehen und Verlauf der Krankheit bei. Nehmen wir nun dem Beispiel zuliebe an, dass wenigstens das Gesetz gilt: Immer wenn A1, A2, …, An tatsächlich zusammen vorliegen, erkrankt der Betroffene an Krebs. Gemäß der gegebenen Explikation ist dann aber nur das Zusammentreffen aller Tatsachen A1, A2, …, An (hinreichende) Ursache für den Krankheits-ausbruch. Das ist jedoch überhaupt nicht das, was wir sagen wollen. Wir hätten gerne jede einzelne dieser Tatsachen als eine (nicht: die) Krankheitsursache. Oder allgemeiner ausge-drückt: Was (a) – (c) bzw. (c') allenfalls erfassen, ist, dass A eine (die?) Gesamtursache von B ist, während wir üblicherweise auch Teilursachen als Ursachen bezeichnen. Die Situation ver-schärft sich gar noch, wenn man auf das Problem der irrelevanten Gesetzesspezialisierung anspielt.[28] Falls obiges Gesetz gilt, so gilt gewiss auch das folgende: Immer wenn die fraglichen Tatsachen A1, A2, …, An zusammentreffen und wenn das Omelette des Betroffenen versalzen ist, erkrankt selbiger an Krebs. Auf diese Weise würde das missratene Omelette zum Teil der Gesamtursache und somit zu einer Ursache des Krebsleidens, was man bei unserem der-zeitigen medizinischen Wissensstand wohl nicht ernstlich in Betracht ziehen kann.

5.2.2. Der kontrafaktische Ansatz: Darstellung

Nach einer interessanten Alternative zu 5.2.1. muss man nicht lange Ausschau halten, sie findet sich schon an der besagten Stelle bei Hume (1748/1999). Seine zweite Definition der Ursache ist – entgegen seiner Überzeugung – keine bloße Umformulierung seiner ersten, sie schlägt etwas ganz anderes vor, nämlich eine kontrafaktische Analyse der Kausalität: „[…] where, if the first object had not been, the second never had existed “ (ebd. S. 146).

In einer ersten Approximation könnte man sagen, dass eine Behauptung von der Gestalt „ A verursachte B “ dasselbe bedeutet wie (KK1): „ A war der Fall, und B war der Fall, und B wäre nicht der Fall gewesen, wenn A nicht der Fall gewesen wäre “, wobei Hume voraussetzt, dass A früher ist als B (vgl. auch Spohn 1983, S. 43). Was hier erfolgt, ist die Analyse eines singu-lären Kausalsatzes mittels einer irrealen Konditionalbehauptung, durch welche die Ursache als notwendige Bedingung des durch sie Bewirkten ausgezeichnet wird. Kann man A nicht auch als hinreichend für B deuten? Wenn wir der Versuchung nachgeben, „A verursachte B“ als „A erzwang B“ zu interpretieren,[29] so müssten wir A tatsächlich als hinreichend für B ansehen. Die Bedeutung des Begriffs „hinreichende Bedingung“ (im starken oder kontrafaktischen Sinne, um den Wortlaut von Mackie 1974, S. 39 zu gebrauchen) beinhaltet (KK2): „ … und A wäre nicht der Fall gewesen, wenn B nicht der Fall gewesen wäre.

Freilich könnte man schnell vermeintliche Gegenbeispiele aufzählen, wo (KK1) und (KK2) scheinbar nicht zur Bedeutungsanalyse von Kausalaussagen taugen: Die Aussage sei zutreffend, dass das Reiben des Streichholzes an einer bestimmten Fläche eine Flamme verursachte; indes kann es auch richtig sein, dass die Flamme entstanden wäre, selbst wenn das Streichholz nicht gerieben worden wäre, sondern z.B. mit einem glühenden Schürhaken in Berührung gekommen wäre. Solche Fälle von Richtigkeit des Kausalsatzes trotz scheinbarer Falschheit des für seine Analyse vorgeschlagenen kontrafaktischen Konditionalsatzes zeigen: Man hat, um zu einer korrekten Analyse zu gelangen, die im Konditionalsatz stillschweigend mitgedachten Umstände mit einzubeziehen. In der wohl am besten ausgearbeiteten Theorie kontrafaktischer Kondi-tionale, der sogenannten Ähnlichkeitssemantik,[30] wird dieser vermeintliche Einwand jedoch nicht zugelassen, da gemäß dieser Theorie kontrafaktische Konditionale wie folgt aufgefasst werden: Um zu ermitteln, ob die kontrafaktische Aussage S: „Wenn A der Fall wäre, so wäre B der Fall“ wahr oder falsch ist, muss ich zuerst – gedanklich – unsere tatsächliche Welt W1, in der non-A gilt, zu der zu W1 am nächsten liegenden Welt W2 abändern, in der A gilt, und dann nachprüfen, ob in W2 auch B gilt. Dabei verbürgt der Ausdruck „die am nächsten liegende Welt W2“, dass nur minimale Änderungen (gegenüber W1) vorgenommen werden, sodass die tatsächlichen Umstände durchaus Berücksichtigung finden und somit dem mutmaßlichen Kri-tikpunkt, zumindest bzgl. der Ähnlichkeitssemantik, keine Angriffsfläche geboten wird:[31] Im geschilderten Beispiel würden die Umstände die Tatsache einschließen, dass dieses Streichholz zur fraglichen Zeit nicht mit einem glühenden Schürhaken berührt wurde. Wenden wir uns nun einigen nicht nur scheinbaren Einwendungen zu, die z.B. Mackie (1974) präsentiert.

5.2.2. Der kontrafaktische Ansatz: Diskussion

(i) Zunächst sei ein exemplarischer Fall angeführt, wo ein singulärer Kausalsatz gilt, aber die damit angeblich gleichbedeutende Analyse unrichtig ist. Man denke etwa an den Fall, wo das Streichholz gerieben und zugleich von einem glühenden Schürhaken berührt wurde: Hier wäre die Flamme selbst dann unter den tatsächlichen Umständen entstanden, wenn das Streichholz nicht gerieben worden wäre. Die Aussage „Die Flamme wäre nicht entstanden, wenn das Streichholz nicht gerieben worden wäre“ ist also falsch, gleichwohl ist die damit angeblich be-deutungsgleiche Aussage „Das Reiben des Streichholzes verursachte die Flamme“ wahr, weil das Reiben des Streichholzes in dieser Situation eben eine (nicht die) Ursache für das Ent-stehen der Flamme war. Solche Fälle der kausalen Überdeterminierung sind ein Indiz dafür,[32] dass die kontrafaktische Analyse selbst im nicht-naiven Sinne, d.h. bei Bezugnahme auf die Um-stände, oder schlicht gemäß der Standardauffassung (Ähnlichkeitssemantik) inkorrekt wird.
(ii) kann auch in die entgegengesetzte Richtung Kritik geübt werden. Es geht also um solche Fälle, wo wir nicht bereit wären zu sagen, dass B durch A bewirkt wurde, der als Analyse von „A verursacht B“ vorgeschlagenen Aussage jedoch zustimmen würden. Ein solcher Fall läge z.B. dann vor, wenn a) A der Fall war und A und B identisch sind: Die entsprechende kontra-faktische Konditionalaussage ist offensichtlich richtig, dagegen sträuben wir uns gegen die Be-hauptung, dass A (als Platzhalter für dieses oder jenes Ereignis, für diesen oder jenen Sachverhalt etc.) sich selbst verursacht. Interessanter sind aber diejenigen Spezialfälle des zweiten Ein-wandes, in denen b) A und B zusammen Wirkungen derselben Ursache sind. Auch hier ist A (et-wa der Abfall des Barometers zu t1) keine Ursache von B (etwa das Aufziehen eines Gewitters zu t2) – denn sie entspringen beide der Ursache C (in diesem Beispiel: ein rapides Absinken des Luftdrucks zu t0) –, gleichwohl würden wir sagen, dass unter den Umständen B nicht passiert wäre, falls A nicht stattgefunden hätte. Gehen wir nämlich von der plausiblen Annahme aus, dass C notwendig und hinreichend für A, und dass C notwendig für B ist – sodass B hinrei-chend für C ist. Weiter darf man darum schließen, dass auch A notwendig für B ist; dennoch ist A keine notwendige Ursache für B, obschon die kontrafaktische Analyse genau dies suggeriert: Die Aussage „B wäre nicht der Fall gewesen, wenn A nicht der Fall gewesen wäre“ hat den semantischen Wert „wahr“, da die mögliche Welt, in der non-A und non-B gilt, un-serer tatsächlichen Welt ähnlicher ist als irgendeine andere Welt, in der non-A und B gilt.

Verlaufe dann die positive Zeitrichtung in der Horizontalen von links nach rechts – die Verti-kalausdehnung habe nur suggestive Bedeutung –, so lassen sich die Zusammenhänge an fol-gender Abbildung veranschaulichen:[33]

[...]


[1] Nozick (1969, S. 115) ergänzt hier per Fußnote: „If the being predicts that you will consciously randomize your choice, e.g., flip a coin, […] then he does not put the [1 Mio. €, C.H.] in the second box.“

[2] Vgl. dazu die Ausführungen von I. Asimov, die in Dacey et al. (1977, S. 80) zitiert werden.

[3] Der erwartete monetäre Wert ist sicherlich nicht mit dem Nutzenerwartungswert gleichzusetzen und mit dem erwarteten monetären Wert zu operieren, ist sicherlich problematisch (vgl. etwa Resnik 1987/2006 Kap. 4.2.). Allerdings brauchen uns diese Schwierigkeiten hier nicht kümmern.

[4] Mit anderen Worten: Es leuchtet rasch ein (sofern die subjektive Nutzenfunktion des Spielers für Geld nicht allzu stark abflacht), dass folgende Ungleichung gilt: [[P (U1 | H1) ´ Ut (1 Mio. €)] + [P' (U2 | H1) ´ Ut (0 €)]] > [[P' (U1 | H2) ´ Ut (1001 000 €)] + [P (U2 | H2) ´ Ut (1000 €)]], wobei P dem subjektiven Glaubensgrad des Spielers bzgl. der Zuverlässigkeit der Vorhersagen entspricht (und per Annahme sehr hoch ist) und wobei ferner gilt: P' = 1 – P. Die (wohldefinierte) Nutzenfunktion Ut ordnet schließlich jeder Konsequenz von H1 respektive H2 eine reelle Zahl als kardinales Maß der subjektiven Vorlieben und Wertungen des Spielers zu.

[5] Für eine kritische Einführung in die formale Theorie individueller Entscheidungen und einen Überblick über verschiedene Nutzenerwartungswert-Konzeptionen (für welche je (MAX) gilt) vgl. Spohn (1978).

[6] Da wir Taschenspielertricks, Telekinese oder Ähnliches (etwa Kisten mit doppeltem Boden) ausschließen wollen, dürfen wir davon ausgehen, dass, sobald die Boxen einmal im Sinne des Propheten gefüllt sind, die sich darin befindenden Geldbeträge fix sind und nicht noch im Nachhinein variiert werden können. Damit sehen wir also auch von Fällen ab, in denen die Rolle der Prophezeiungen unterminiert würde.

[7] Eine Handlungsalternative H ist dominant, wenn gilt:
H führt unter allen Weltzuständen/Umständen nie zu schlechteren Konsequenzen als sämtliche anderen dem Entscheider in der jeweiligen Entscheidungssituation offenstehenden Handlungen.
H ist mindestens für einen Weltzustand besser als alle anderen Handlungsalternativen, die dem Ent-scheider in der jeweiligen Entscheidungssituation zur Wahl stehen.
Falls H für alle Weltzustände besser ist, dann spricht man von strikter, ansonsten nur von schwacher Dominanz.

[8] Normalerweise werden Anhänger von H1 (Ein-Boxer) als Befolger von (MAX) hingestellt. Tatsächlich zeigte Spohn (1978) aber auf, dass sich gerade der Befürworter von H2 in Übereinstimmung mit (MAX) (und damit in Übereinstimmung mit der Standard-Entscheidungstheorie) befindet. Vgl. v.a. ebd. Kap. 2.5, 3.3, 5.1 und 5.2.

[9] Sofern ihre Nutzenfunktion für Geld (€) nicht allzu stark abflacht.

[10] Die je zwei gemeinsam auftretenden, koinzidenten Ereignisse, die Prophezeiung von Hi und die Ausführung des Spielers von Hi (i = 1, 2), dürfen nicht einfachhin als Ursache und Wirkung (kausal) erklärt werden. Man beginge sonst zum einen den Fehler, ohne genauere Prüfung einen Zusammenhang zwischen der Prophezeiung und der Ausführung von Hi zu unterstellen und zum anderen würde man jeweils das eine Ereignis willkürlich zur Ur-sache, und das andere als Wirkung bestimmen.

[11] Theoretisch gibt es noch mehrere andere Möglichkeiten als die vier folgenden, wir wollen hier allerdings ledig-lich die wichtigsten Ansätze heranziehen.

[12] Wenn man etwa die prophetische Leistung des Wesens nicht an 100 Newcomb-Spielen, sondern an einer sehr viel größeren Zahl an durchgeführten Newcomb-Spielen misst, dann ist es möglich, dass der Korrelationskoeffi-zient deutlich kleiner als 1 ist (z.B. einen Wert von 0,6 oder 0,3 usw. aufweist).

[13] Angenommen die Wahrscheinlichkeit, dass der Prophet eine Newcomb-Entscheidung richtig vorhersagt, be-trage 0,7, dann ergibt sich (unter Voraussetzung stochastischer Unabhängigkeit) eine verschwindend geringe Wahrscheinlichkeit von 0,7100 dafür, dass er 100mal in Folge zu richtigen Vorhersagen gelangt. Daher (und da er 100mal in Folge richtig lag) ist es sehr wahrscheinlich, dass der Prophet nicht nur eine Glückssträhne hatte, sondern sehr viel besser als angenommen den Ausgang einer Newcomb-Entscheidung vorherzusehen vermag.

[14] Die Tatsache, dass sich alle bisherigen Vorhersagen als wahr herausgestellt haben, verbürgt nicht, dass dies auch künftig so sein wird. Ein induktives Argument der Form: P1: Die Vorhersage1 ist richtig, P2: Die Vorhersage2 ist richtig, Pn: …, also C: Alle Vorhersagen sind richtig, ist nicht schlüssig und infolgedessen liegt hiermit kein Beweis für die Unfehlbarkeit des Propheten vor.

[15] Streng genommen müsste man noch den Fall berücksichtigen, dass die jeweilige Vorhersage und die ent-sprechende Newcomb-Entscheidung zwei verschiedene Ursachen zu t0 (bzw. zu t4) haben (X/X' bzw. Y/Y'). Damit wäre aber unser Problem (der Erklärung der prophetischen Meisterleistung) lediglich um eine Ebene ver-schoben; denn statt nach der Beziehung zwischen der Prophezeiung und der Entscheidung des Spielers zu fragen, wäre es nun zu untersuchen, ob und wie X und Y respektive X' und Y' kausal miteinander zusammenhängen. Aus diesem Grund darf der soeben geschilderte Fall übergangen werden.

[16] Seit den 1960ern und 1970ern diskutieren Physiker, ob Teilchen, sogenannte Tachyonen, existieren, die sich schneller als Photonen (Lichtteilchen) bewegen. Sofern es solche Partikel gibt und sofern sie für die Erzeugung von Signalen genutzt werden könnten, wäre es scheinbar möglich, mit der Vergangenheit zu kommunizieren, da sich die Tachyonen nur in Bezug auf einen Referenzrahmen vorwärts in der Zeit bewegen würden und rückwärts von anderen aus. Damit wäre a fortiori rückwirkende Kausalität bestätigt. Daneben wird v.a. in der Quanten-mechanik die Möglichkeit rückwirkender Kausalität erwogen. Vgl. dazu etwa Feynman (1949) oder Costa de Beauregard (1977) und für eine philosophisch motivierte Abhandlung z.B. Dowe (1996).

[17] D.h. das Ereignis, dass ich die Zugspitze erklimme, ist etwas Konkretes, das zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort geschieht; wohingegen die korrespondierende Tatsache etwas Abstraktes ist, ein wahrer Sach-verhalt (in Wittgensteins Worten), eine wahre Proposition, die nicht in der Raumzeit lokalisiert ist.

[18] So mag man vielleicht nicht zwischen dem Ereignis, dass ich die Zugspitze erklimme, und dem Ereignis, dass ich sie schnell erklimme, unterscheiden. Hingegen ist die Tatsache, dass ich die Zugspitze erklimme, durchaus verschieden von der Tatsache, dass ich sie schnell erklimme. Für die Diskussion eines gleichartigen Beispiels vgl. Davidson (1967/1980), S. 161ff.

[19] Z.B. könnte man die Annahme von drei Relata verwerfen, da sie Kausalketten ausschließt (Schaffer 2005, S. 298).

[20] So behauptet etwa Anscombe (1969), Kausalität sei eine intensionale Relation, sie sei relativ zu Beschrei-bungen der primären Relata. Danach hat die Kausalrelation folgende Form: c verursacht e relativ zu B, wobei B ein geordnetes Paar (Tupel) aus Beschreibungen (für c und e) ist. Diese Beschreibungen, Modelle (Pearl 2000), etc. mögen als sekundäre Relata durchaus wichtig sein, doch können sie innerhalb dieser Arbeit ausgeblendet werden.

[21] Spohn (1983, S. 14) spricht von einer Logik der Kausalaussagen.

[22] Natürlich kann der erste Anschein trügen; genauere Analyse kann ergeben, dass diese Versuche in einer mehr oder weniger großen Schleife wieder an Kausales oder Kausaloides anknüpfen.

[23] Für eine Begründung der Unzulänglichkeit des Primitivismus vgl. Schaffer (2007), S. 20f. und für eine Kritik des Eliminativismus vgl. ebd. und Suppes (1970), S. 5f.

[24] Offenbar schenkte Hume der im vorherigen Kap. 5.1. angeklungenen Problematik, welcher Art die Gegenstände von Kausalaussagen sind, keine Beachtung. Er spricht undifferenziert von „objects“.

[25] Danach würden wir die Kausalbehauptung, dass der Gegenstand A den Gegenstand B bewirkt, erst dann auf-stellen, wenn wir in der Vergangenheit wiederholt beobachtet haben, dass auf Gegenstände von der Art des Ge-genstandes A (oder von einer ähnlichen Art) ein Gegenstand von der Art des Gegenstandes B (oder von einer ähnlichen Art) folgte, sodass die Vorstellungen von der Folge dieser beiden Gegenstände in uns so fest assoziiert sind, dass wir zu der Annahme kommen, diese beiden Gegenstandsarten folgten regelmäßig aufeinander. Daher haben wir beim Eintreten von A die gewohnheitsmäßige Erwartung, dass sich B realisiert und sprächen infolge-dessen von einem Kausalzusammenhang.

[26] Des Weiteren ist es Hume hoch anzurechnen, dass er mit seiner Analyse des Ursachenbegriffs die wichtige Entdeckung machte, dass die Kausalrelation eine Relation besonderer Art ist (Carnap 1966, S. 201f.). In den meisten alltäglichen Situationen, wo wir das Bestehen einer Relation R zwischen zwei Einzelobjekten oder -ereig-nissen a und b behaupten, genügt es, diesen individuellen Fall zu betrachten; wohingegen man für die Begrün-dung eines singulären Kausalsatzes über den Einzelfall hinausgehen und jene Gesetze entdecken müsse. Vgl. ebd.

[27] Vgl. dazu Goodman (1955) und die ausführliche Diskussion in Stegmüller (1969), Kap. V. Spohn (1983) zeigt ferner, dass man die Bedingung (c') auf eine Weise begreifen kann, sodass der klassischen Regularitätstheorie ein Zirkel droht, weil es möglich ist, dass das wahre Gesetz G unter Zuhilfenahme des Hempel-Oppenheimschen Erklärungsbegriffs als Kausal gesetz zu spezifizieren ist. Vgl. ebd. S. 34 und S. 21f.

[28] Vgl. dazu Stegmüller (1973), S. 285.

[29] Selbstverständlich soll das nicht heißen, es gäbe das Wort „erzwingen“ ausschließlich in einem kausalen Sinne.

[30] Ihr gehören in erster Linie Stalnaker (1968) und Lewis (1973a) zu. Vgl. für eine ausführliche Darstellung des Grundgedankens der Ähnlichkeitssemantik Lewis (1973a), Abschn. 1.1 – 1.4 und ebenso für einen Überblick über andere Ansätze zur Analyse kontrafaktischer Rede (z.B. die metasprachliche Theorie).

[31] Genauer: S ist wahr (in einer Welt w) gdw. entweder gilt, (1) es gibt keine möglichen A-Welten (in diesem Fall ist die kontrafaktische Aussage S trivial wahr), oder (2) es gibt eine A-Welt, in der auch B gilt, und sie kommt näher (an w) heran als irgendeine andere A-Welt, in der B nicht gilt (vgl. Lewis 1973b, S. 560).
Positiv fällt auf, dass in der formulierten Wahrheitsbedingung für S keine kontrafaktischen oder subjunktiven Konstruktionen und auch keine kausalen Ausdrücke vorkommen; in einen Zirkel geraten wir damit anscheinend nicht. Negativ fällt auf, dass wir die für diese Wahrheitsbedingung entscheidende Wendung, die Rede von der Ähnlichkeit möglicher Welten mit W1, intuitiv nicht sonderlich gut im Griff haben. Schon Ähnlichkeitsver-gleiche zwischen alltäglichen, realen Gegenständen sind häufig eine diffizile Angelegenheit; umso schwieriger und subjektiver erscheinen Ähnlichkeitsvergleiche zwischen fiktiven und so groß geratenen Gegenständen wie möglichen Welten (Spohn 1983, S. 51). Vgl. dazu auch Kutschera (1976), S. 114f., und Mackie (1973), S. 88ff.

[32] Diese schwache Formulierung wurde mit Bedacht gewählt, da man auch dafür argumentieren könnte, dass ent-weder das Reiben des Streichholzes (A) oder der glühende Schürhaken (C) die Flamme (B) hervorbrachte und somit die Aussage, dass A die Ursache von B war, falsch sein könnte. Die Aussage wäre dann falsch, wenn man sagen würde, dass das Eintreten des Ereignisses C Ereignis A in seiner kausalen Relevanz für B abgeschirmt hat und A damit automatisch aufhört, kausal relevant für B zu sein. Für eine Erklärung des Begriffs der kausalen Ab-schirmung („screening-off relation“) vgl. Reichenbach (1956), S. 189ff.

[33] Für ein weiteres Bsp. vgl. Mackie (1974), S. 81ff.

Ende der Leseprobe aus 56 Seiten

Details

Titel
Die rückwirkende Kausalität und ihre Relevanz für Newcombs Problem
Untertitel
Kann die Zukunft die Vergangenheit verursachen?
Hochschule
Universität Mannheim
Note
1,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
56
Katalognummer
V369377
ISBN (eBook)
9783668494237
ISBN (Buch)
9783668494244
Dateigröße
1094 KB
Sprache
Deutsch
Reihe
Aus der Reihe: e-fellows.net stipendiaten-wissen
Schlagworte
Kausalität, Entscheidungstheorie, Zeitreisen, rückwirkende Kausalität, Ursache, Wirkung, Entscheidungen, Philosophie
Arbeit zitieren
Christian Hugo Hoffmann (Autor), 2010, Die rückwirkende Kausalität und ihre Relevanz für Newcombs Problem, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/369377

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