Freundschaft in Gefangenschaft. Der Philipperbrief des Apostels Paulus und seine Resonanz bei Dietrich Bonhoeffer


Bachelorarbeit, 2015
68 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Fragestellung

2 Der Philipperbrief als Freundschaftsbrief

3 Das Leiden des Apostels im Spiegel des Gefangenschaftsbriefes

4 Die Pflege der Beziehung zu den Philippern aus dem Gefängnis heraus .

5 Dietrich Bonhoeffers Gefangenschaftsbriefe als Imitatio Pauli

6 Auswertung und Fazit

7 Literaturverzeichnis

Anhang

1 Fragestellung

Kann die Beziehung zwischen Paulus und den Philippern als wahre Freund- schaft bezeichnet werden? Nach Aristoteles gibt es drei Arten von Freund- schaft: bei der ersten steht der Spaß im Vordergrund, die zweite gilt dem Nut- zen und die dritte Art soll dem Menschen Wohlbefinden einbringen.1 Die Be- deutung der Freundesliebe in den Weisheitsschriften ist maßgebend für diese Arbeit. Besonders wichtig sind dabei die Eigenschaften, dass die Freundschaft treu (Spr 18,24), beständig in Notsituationen (Spr 17,17) und vergebend (Spr 17,9) sein soll. Eine ehrliche Freundschaft basiert auf Weisheit.2 Diese Arbeit wird anhand des Philipperbriefes die Freundschaft zwischen Paulus und den Philippern aufzeigen.

Weiterhin ergibt sich die Frage in Hinblick auf den Philipperbrief, ob eine Erfahrung der religiös motivierten Verfolgung eine Gotteserfahrung sein und ob diese Erfahrung menschliche Beziehungen vertiefen kann. Diese Frage ist - auch in ihrer doppelten Ausrichtung - von großer existentieller und theo- logischer Bedeutung, weil Gotteserfahrungen und menschliche Beziehungen zusammen gehören.

Aus einem ersten Impuls heraus müsste die Frage negativ beantwortet werden, da alles Vernunftgemäße dagegen spricht. Auch das Vertrauen in Got- tes Schutz und seine Macht, seine Liebe und Gerechtigkeit scheinen nicht mit der Tatsache der Verfolgung zu harmonieren. Dieser Widerspruch wird an vie- len Stellen deutlich (vgl. Ps 22, Mk 15,34). Allerdings lässt sich in den jüdi- schen und christlichen Traditionslinien feststellen, dass das Leiden eine Erfah- rung Gottes ist.3

Im Hinblick auf diese Frage wird die religiös motivierte Verfolgung un- tersucht. Diese ist von der Antike bis heute ein essentielles Thema. Es lassen sich sowohl Beispiele im Alten und Neuen Testament aufzeigen wie auch in der Gegenwart. Als Referenz für diese Aussage sollen zwei Beispiele aus dem Alten und Neuen Testament ausreichend sein.4 Im Alten Testament findet sich die Verfolgung Jeremias, da er ein Prophet ist und somit berufsbedingt leiden muss (vgl. Jer 11,18-23; 12,1-6; Sir 2,1-5). Es gibt ein breites Spektrum an diesem Thema zwischen Klage (vgl. Hiob 6,14-30 und 13,1-12) und Vertrauen (vgl. Ps 31).5 Bereits zu Beginn des Neuen Testaments wird über Verfolgung berichtet: im Evangelium nach Matthäus steht, dass Jesus als Säugling verfolgt wurde und nach Ägypten geflohen ist (Mt 2,13-15). Durch die Verfolgung und das Leiden entsteht eine große Nähe zum Weg Jesu Christi und damit zur Lie- be Gottes (vgl. 1Petr 4,13; Hebr 2,18). Thomas Söding konstatiert: ÄDie Inten- sität der Agape als Philadelphia entspricht ihrer Kraft, über den Kreis der Ekk- lesia hinauszudringen und sich dort sogar angesichts von Verfolgung und erlit- tenem Unrecht zu bewähren.“6 Die Verfolgung lässt sich als Gegenstand vieler Briefe Pauli erkennen (vgl. 1Thess 1,6;2,14; Röm 5,3; 1Kor 13,5 uvm.). Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem Philipperbrief des Apostels Paulus, der die Leiden der Verfolgung intensiv thematisiert und dabei eine besondere Form der Briefliteratur darstellt, da er ein in Gefangenschaft geschriebener Freund- schaftsbrief ist. Somit stellt der Philipperbrief einen genuinen Zusammenhang zwischen Verfolgung und Gotteserfahrung her.

Diese Arbeit wird zunächst die Gattung des Freundschaftsbriefes identi- fizieren und den Philipperbrief in sie einordnen. Dazu werden epistolographi- sche Bestandteile aufgezeigt. Zur Identifizierung werden Briefe von Marcus Tullius Cicero und Polykarp von Smyrna betrachtet und untersucht. Positiv wird aufgewiesen, was den Philipperbrief zu einem Freundschaftsbrief werden lässt (Kapitel 2).

Im dritten Kapitel wird das Leiden des Apostels im Spiegel des Gefan- genschaftsbriefes erläutert. Dabei werden essentielle Fragen in Bezug auf Pauli Leiden beantwortet. Woran leidet Paulus? Wie stellt er das Leiden dar? Wie setzt er sich mit ihm auseinander? Wie nimmt er es an? Explizit geht es in die- sem Abschnitt um die Eigenperspektive Pauli und seine Korrespondenz darü- ber. Weiterhin wird die Frage beantwortet, ob die religiös motivierte Verfol- gung als Gotteserfahrung das menschliche Miteinander intensivieren und Freundschaft festigen kann. Bereits Aristoteles sagte: ÄFreunde teilen ‚Freud und Leid‘ (EthNik IX 4 1165a 8f.)“7 ; so wird diese Arbeit aufzeigen, weshalb ein Freundschaftsbrief Verfolgung und Leid thematisieren kann.

Im vierten Kapitel wird die Beziehung zwischen Paulus und den Philip- pern dargestellt, dabei werden die Funktion und Auswirkung des Freund- schaftsbriefes markiert. Die einzelnen Elemente werden untersucht und die Erwartungen und Zukunftswünsche Pauli formuliert. Auch wenn bereits die Untersuchung der Briefgattung und des Leitthemas (Leiden) die Freundschaft zwischen Paulus und den Philippern aufzeigen wird, soll diese aber im vierten Kapitel auf exegetischer Basis noch einmal genau analysiert werden Um den Aktualitätsbezug zu markieren, wird hier der Weltverfolgungsindex in Kürze beschrieben. Seit 1993 wird dieser Index, in dem Länder aufgelistet werden, in denen Christen aufgrund ihres Glaubens intensiv verfolgt werden, jährlich von ÄOpen Doors“ erstellt. Zur Ermittlung der Daten arbeitet eine internationale überkonfessionelle Arbeitsgruppe, bestehend aus Experten, Pastoren, Kirchenleitern und ortsansässigen Mitarbeiter. In dem Berichtszeitraum vom 1. November 2013 bis zum 31. Oktober 2014 belegte Nordkorea den ersten Platz in dem beschriebenen Ranking. Seit bereits 13 Jahren führt dieses Land die Weltrangliste in dieser Bewertung an.8

Im fünften Kapitel wird die Resonanz bei Dietrich Bonhoeffer untersucht, die nicht an Halt verliert in der Suche nach Leiden zur Gotteserfahrung (wie bei Ignatius von Antiochien9 ), da dieser nicht das Leiden gesucht hat. Es handelt sich um ein Martyrium in der Imitatio des Apostels, der Jesus Christus nachahmt. Seine Gefangenschaftsbriefe werden als Imitatio Pauli charakterisiert. Eines seiner bekanntesten Werke ist das Lied ÄVon guten Mächten“10, welches sehr stark vom Philipperbrief geprägt ist.11

Im sechsten Kapitel werden die Ergebnisse zusammengefasst und die aufgeworfenen Fragen beantwortet, dazu werden Schlaglichter auf die Kernaspekte dieser Arbeit geworfen.

2 Der Philipperbrief als Freundschaftsbrief

Bernhard Oestreich sagt: ÄEin Schwerpunkt der Erforschung der neutestament- lichen Briefe liegt seit Adolf Deissmann auf der Frage, wie sie in die Vielfalt der antiken Briefliteratur einzuordnen sind.“12 Aufgrund dieser Tatsache wird der Philipperbrief zur Einordnung seiner Gattung in ein Verhältnis mit antiken Briefen gesetzt und dort in spezieller Weise mit den Briefen Ciceros.

Briefe sind in der Antike von besonderer Bedeutung gewesen, da sie Nähe in Zeiten der Abwesenheit schafften (Äἀπών/πάρων-Motiv“13 ). Cicero, der bekannteste Briefschreiber in der antiken Kultur, beschäftigte sich mit ihrer theoretischen Bedeutung, zwar nicht in einer eigenen Abhandlung, aber in ei- nigen Briefen. So stellte er fest, dass es viele verschiedene Gattungen gibt, doch allen Briefen die grundlegende Intention gemein ist: ÄUm jemandem in der Ferne Nachricht zukommen zu lassen, wenn es etwas gibt, was man den Betreffenden wissen lassen will oder dieser selbst wissen möchte.“14

Bei dem Freundschaftsbrief handelt es sich um einen Typus aus einer Vielzahl von Briefarten. Pseudo-Demetrios hat verschiedene Arten in seinem Werk ÄBriefliche Typen“15 zusammengefasst und dabei den Freundschaftsbrief (Φιλικός) als einen Brief definiert, Äder den Schein erweckt, von einem Freund an einen Freund geschrieben zu sein.“16 Diese Aussage meint, dass auch höher- rangige Funktionäre miteinander und auch an unterlegene Positionen diese Briefform genutzt haben, da der höfliche Ton mehr Erfolg einbrachte.17 Es gibt sogenannte Zweckfreundschaften und auch politische Freundschaften, die dem Machterhalt dienen sollen.18 So finden sich auch Freundschaftsbriefe von Cice- ro an Politiker, die aber nicht zu seinen wahren Freunden zählten. Eine beson- dere Differenzierung ergibt sich dabei im Präskript, da der Schreiber sich hier je nach Gattung in unterschiedlicher Form darstellt. Die Briefe, die an Politiker (vgl. Paullus, Cassius) adressiert sind, weisen Ciceros Titel im Präskript auf. Wenn Cicero an einen befreundeten19 Politiker (vgl. P. Lentulus) schreibt, nutzt er in erster Linie seinen Nachnamen als Begrüßung, vernachlässigt aber dabei seinen Titel. In den Fällen, in denen er an seine wahren Freunde (vgl. Terentia, Tiro) schreibt, nutzt er nur seinen Vornamen, wodurch eine gewisse Nähe erkenntlich wird.20 Dieses Phänomen ist auch bei Paulus zu beobachten. Bei dem Philipperbrief verzichtet Paulus auf den Titel ἀπόστολος (Phil 1,1; vgl. 1 Thess, Phlm), da das gute Verhältnis zu der Gemeinde die Erwähnung seines amtlichen Titels unnötig macht.21

Die Basis für einen Brief ist, nach Cicero, Ädie Freundschaft und die Sehnsucht nach dem Freund“22 (vgl. Att I 18,1-8). Dieses Phänomen wird Äπόϑος-Motiv“23 genannt und wurde bereits bei Ovid (Forschung Thraede) nachgewiesen (vgl. Phil 1,3f.; 1,8; 4,1).24 So schrieb auch Demetrios von Pha- leron, ein Schüler des Aristoteles, dass Briefe Symbole Äfreundschaftlicher Gesinnung (Φιλοφρόνησις) in geraffter Form (σύντομος)“25 sind. Allgemein kann mit den Worten Ciceros festgehalten werden: Ein Brief ist Äein Gespräch unter Freunden, die räumlich voneinander getrennt sind (amicorum conloquia absentium).“26 Explizit wird dies von John L. White (1972, 1984) formuliert: ÄThe letter arises because of the inability of two [...] parties to communicate face to face. Thus the letter becomes the written means of keeping oral conver- sation in motion.“27 Somit ist der wahre Freundschaftsbrief die Grundintention für die Briefschreibung und es erweist sich, dass das ÄKonzept der Philophro- nesis für die Briefideologie“28 eine essentielle Rolle einnimmt.29

Doch was ist wahre Freundschaft? Aristoteles unterschied drei ver- schiedene Sinnrichtungen der Freundschaft30 (vgl. Kapitel1), doch nur die drit- te Kategorie, die Freundschaft, die auf das Wohlbefinden aus ist, kann als wah- re Freundschaft bezeichnet werden, denn sie ist nur auf das Gute aus, ganz ohne Hintergedanken und eigene Vorteile. Freundschaft zeichnet sich darin aus, dass sie aus freier Überzeugung entsteht und bestehen bleibt. Erst wenn dies geschieht, können sich Menschen mitfreuen und miteinander leiden. Eine tiefe Verbundenheit ist dabei die Grundlage, die sich auch durch Gemeinsam- keit ausdrückt; das bedeutet aber, dass eine Freundschaft durch stetigen Ge- dankenaustausch gepflegt werden muss. Wahre Freundschaft zeichnet sich darin aus, dass sie besonders in schlechten Zeiten bestehen bleibt. Bei Jesus Sirach lassen sich Belege für die Bewährungsproben wahrer Freundschaft fin- den (Sir 6,5-17; 12,8). Eine ehrliche Freundschaft basiert auf Weisheit, sie muss treu (Spr 18,24), vergebend (Spr 17,9) und beständig in Notsituationen (Spr 17,17) sein.31 Erst wenn diese Eigenschaften erfüllt sind, kann die Rede von wahrer Freundschaft sein.

Der allgemeine Aufbau von Briefen in der antiken Kultur ist, nach der Brieftheorie, fast immer gleich: Es beginnt mit dem Präskript, anschließend erscheint der Eingang, gefolgt vom Korpus, bestehend aus Eingang, Mitte und Abschluss, und schließlich erscheint der Briefschluss. Unterschiedliche Topoi lassen sich diesen Briefabschnitten zuordnen. Dazu gehören die Anredeform, die die wechselseitige Beziehung von Absender und Empfänger genauer cha- rakterisieren kann (vgl. Cicero an Politiker, befreundete Politiker und Freunde), die Äformula valetudinis“32 (Gesundheitswunsch) und die ÄProskynema- Formel“33 (Gebetszusicherung). Weitere Topoi sind die Wunschäußerung eines Briefes und der Frohsinn über einen erlangten Brief, die Äἀφορμή-Formel“34

(Briefursache), die ÄDisclosure-Formel“35 (Kundgabe) und verschiedene Varia- tionen der Schlussgrüße und Wünsche 36 (vgl. Cicero: An seine Freunde). Die neutestamentlichen Briefe bestehen aus vergleichbaren Bausteinen, die in unterschiedlicher Variation eingesetzt werden. Allgemein ist folgender Aufbau gängig: Die Schreiben beginnen mit dem Briefeingang, zuerst erscheint das Präskript (Phil 1,1f.), das aus der Superscriptio (Paulus und Timotheus), der Adscriptio (die Gemeinde Philippi) und der Salutatio (1,2) besteht. An-schließend folgt das Proömium (1,3-11), welches verschiedene Topoi, wie zum Beispiel den Wunsch nach Gesundheit, Dank, Gedenken und Äußerungen über den Frieden beinhaltet. Danach erscheint der Korpus (1,12-4,9) und bildet den Hauptteil des Briefes; dieser ist eingeteilt in die Öffnung, die Mitte und den Abschluss. Auch in diesem Abschnitt finden sich verschiedene der genannten Topoi wieder. Der Briefschluss wird gebildet aus dem Epilog und dem Post-skript (4,10-23).37 Der Brief des Polykarp an die Gemeinde in Philippi folgt den gleichen Regeln.38

Zusammenfassend wird festgehalten, dass der Freundschaftsbrief eine essentielle Position in der Gattung der Briefe einnimmt. Er bezweckt, dass sich Personen in der Ferne nah fühlen und sich Beistand leisten können. Er folgt den gleichen brieflichen Bestimmungen wie alle anderen antiken und neutes- tamentlichen Briefe. Dabei lassen sich besondere brieftypische Momente in Bezug auf Freude und Zuneigung sowie ein hoher Grad an Emotionalität fest- stellen. J. L. White bezeichnete diese Formel mit dem Begriff: ÄAusdruck der Freude ('joy expression')“.39 Eine Besonderheit bildet die sehr private Su- perscriptio (bei Cicero: Vorname; bei Paulus: Verzicht auf den Titel), die ein Indiz für eine freundschaftliche Beziehung ist. Ein weiterer stilistischer Hin- weis für das Phänomen des Freundschaftsbriefes ist das Äἀπών/πάρων- Motiv“40, welches auch bei Demetrius (Forschung Weichert) und Cicero (For- schung Thraede) häufig vertreten ist. Dieses weist auf, dass trotz der Distanz von Sender und Empfänger eine geistige Zusammengehörigkeit vorhanden ist (Phil 1,7.25.27a; 2,12.18.24).41

Aufgrund der brieftheoretischen Bestimmungen und der besonderen Merkmale lässt sich der Philipperbrief in die Gattung der Freundschaftsbriefe einordnen. Wie aufgezeigt wurde, ist der Philipperbrief stark vom antiken Freundschaftsbrief geprägt, woraus sich folgern lässt, dass eine intensive und innige Beziehung zwischen Paulus und den Philippern besteht. Folgende brief- typische Momente sind besonders häufig vertreten: In verschiedenen Ausfüh- rungen kommt die Äbriefliche Parusie“42 (suggerierte Anwesenheit) vor (vgl. 1,27; 2,12), weiterhin werden Hoffnungen auf einen Besuch erwähnt (vgl. 1,26; 2,24). Besonders entscheidend für die Zuordnung ist die Freundschafts- sprache in diesem Brief, die durch das Leitmotiv der Freudenäußerung geprägt wird. Dieser Begriff erscheint 15 Mal im Philipperbrief (als Prädikat: 1.18.19; 2.17 (zweimal). 18 (zweimal); 3,1; 4,4 (zweimal).10; als Substantiv: 1,4.25; 2,2.29; 4,1).43 Explizit drückt sich diese Äußerung im Dank des Apostels aus (4,10-20).44 John Reumann betont: ÄPaul arouses good feelings by pouring out the emotions of his heart. The affection and longing may reflect the friendship topos.“45 Die von White dargestellte Briefformel findet sich besonders in Phil 2,28 und 4,10 wieder. Durch den hohen Grad an Emotionalität46 (z.B. εὐχĮριστέω, μνείĮ, ἀγάπη, κĮρδίĮ) in dem Brief wird eine intensive ÄBezie- hungsrealität“47 signalisiert. Allerdings muss auch festgehalten werden, dass es sich nicht um einen reinen Freundschaftsbrief handelt. Christina Hoegen-Rohls stellt fest: ÄIm Horizont antiker Epistolographie lässt sich der Paulusbrief als eine multiple Mischform darstellen.“48 Grundsätzlich partizipiert der Brief am Typ des Freundschaftsbriefes, weist aber noch ÄElemente des Empfehlungs-, Lehr-, [...] Beratungs[...-]“49 und Familienbriefes auf.

Doch warum erscheint der Begriff »Freundschaft« - philos und philia - nicht im Philipperbrief? Dafür gibt es gute Gründe: diese Sprachformen wur- den in zwei verschiedenen sozialen Kontexten zu Pauli Zeiten genutzt. Keine dieser Kontexte passt zu der Freundschaft zwischen Paulus und den Philippern: Erstens wurde diese Sprachform genutzt, wenn eine in einer Hierarchie höher- gestellte Person eine niedriger gestellte Person auf euphemistischen Weg ange- sprochen hat. Ben Witherington III hält dazu fest: ÄThe lower status persons were the 'friend' of the higher status person because they promoted the honor of their 'friend', did his bidding, supported his candidacy for some office.“50 In diesem Kontext bedeutet die Freundschaftssprache nicht die gleichwertige Freundschaft, sondern vielmehr das auf ironische Weise verzerrte Gegenteil in einer höflichen Sprache.

Zweitens wurden Freundschaftsbriefe meistens zwischen elitären und belese- nen Personen geschrieben, die sich durch ihre Gleichwertigkeit auszeichnen.51 Paulus befindet sich in einem hierarchischen Gefüge mit den Philippern, aber verhöhnt sie nicht. Der Aspekt der Gleichwertigkeit ist nicht gegeben, aber der erste Bereich trifft auch nicht zu. Daher ist verständlich, warum Paulus nie ex- plizit den Begriff der Freundschaft (philadelphia) nennt. Paulus bezeichnet allerdings die Adressaten als seine Brüder (iδελροί/iγĮπητοί vgl. 1,12; 2,12; 3,1.17; 4,1.8). Letztlich nutzt er in dem Freundschaftsbrief eine Familienspra- che, die ausdrückt, dass die Philipper und er in einem innigen Verhältnis zuei- nander stehen, aber eine Hierarchie zwischen ihnen vorhanden ist.52 B. Witherington III konstatiert dazu: ÄWhen Paul calls his converts his 'beloved' in Phil.4.1 (twice), he is claiming them as family, his Christian family.“53

Literakritisch wird die Einheitlichkeit diskutiert, da sich die stilistische Schreibweise und das Thema zwischen 3,1 und 3,2 ändern. Diese Änderungen lassen sich auch in der Dichte der Freudenbegriffe feststellen.54 Zuerst ist der Brief durch Freude bestimmt, anschließend herrscht Äharsche Polemik“55. Nach Gnilka bestünde der Philipperbrief aus einem Freundschaftsbrief (abgegrenzt mit 1,1-3,1a; 4,2-7.10-23) und einem Kampfbrief (3,1b-4,1.8f.).56 Diese Unter- suchung wird hier nicht genauer ausgeführt, da sie für die Thematik nicht wei- ter relevant ist.57

Doch lassen sich ein Freundschaftsbrief und die Verschriftlichung von Leid miteinander vereinbaren? Ja, denn durch die Kommunikation über die erlittenen Erfahrungen, lässt der Schreiber den Leser an seinem Leben teilha- ben, und zwar in der unzensierten und ehrlichen Form, wie sie nur Freunde erfahren. Bereits bei Cicero sind die Briefe, besonders an seine Liebsten, durchwachsen von Berichten über das erfahrene Leid58. Auch in den Briefen an Tiro wird sehr viel über den schlechten Gesundheitszustand des Empfängers und die Sorge Ciceros geschrieben.59 Solche Inhalte finden sich nicht in den Schreiben an (befreundete) Politiker und sind somit ein weiteres Indiz dafür, dass Freundschaftsbriefe über Leid und Elend schreiben dürfen. Sie sollen nichts verherrlichen, sondern eröffnen die Möglichkeit, dass Sorgen miteinan- der geteilt werden können. Freundschaften, die diesen Informationen nicht standhalten können oder ihrer nicht wert sind, sind keine wahren Freundschaf- ten. An der Universität Mannheim wurde das Motto »Geteiltes Leid ist halbes Leid« sozialpsychologisch untersucht und dabei festgestellt, dass die Kommu- nikation mit Freunden über negative Erlebnisse das Wohlbefinden steigern kann, da ein Gefühl der sozialen Zugehörigkeit entsteht.60 Dadurch ist der Phi- lipperbrief auch in Bezug auf die Intensivierung des Leides als Leitthema wie- der als ein wahrer Freundschaftsbrief gekennzeichnet.

Wenn nun die Briefe von Cicero an Terentia und Tiro neben den Phi- lipperbrief gestellt werden, lassen sich viele Parallelen aufweisen. Der Brief- aufbau ist vergleichbar. Beide verwenden eine intimere Bezeichnung ihrer selbst im Präskript. Die Freundschafts- und Familiensprache kommt in beiden Fällen vor. Die Intensivierung des Leides als Thema ist jeweils vorhanden.61 Im Vergleich zu diesen beiden Autoren wird der Brief des Polykarp von Smyr- na an die Philipper untersucht. Dieser Brief wurde ausgewählt, da er an die gleiche Gemeinde adressiert ist wie der Philipperbrief. Allerdings ist der Brief entschieden später geschrieben worden.62 Der briefliche Aufbau ist identisch mit der Brieftheorie. Polykarp weiß um die Beziehung der Philipper zu Paulus (vgl. PolPhil 3,2; 11,3). Aus der Briefkommunikation wird ersichtlich, dass die Gemeinde in wechselseitiger Beziehung zu Polykarp steht. Im Vergleich zu der Beziehung zu Paulus fällt aber auf, dass die Freundschaftssprache nicht so in- tensiv und das Verhältnis nicht so innig ist. In diesem Brief stehen der Inhalt, die Weisheit und die Mahnung eher im Vordergrund, als die Beziehung selbst. Das Leid wird in der Imitatio Christi angesprochen (PolPhil 8,2), auch hier wird die Brücke zwischen dem Leid und der Freude (hier in Form der Prei- sung) geschlagen. Das Thema des Leids taucht noch an weiteren Stelle auf (PolPhil 9,2; 11,4), wird aber nur kurz und nicht detailliert behandelt; bei die- sem Thema handelt es sich nicht um eine Situation des Polykarp, sondern um eine allgemeine Aufforderung und Feststellung.63 Dieser Brief wird in der For- schung nicht als Freundschaftsbrief betrachtet. Wie gezeigt wurde, sind einige inhaltliche Aspekte (v.a. die Mahnungen) in gleicher Weise vorhanden, aber die Freundschaftssprache und die starke Emotionalität fehlen, wodurch sich der Philipperbrief nochmals als ein besonderer Brief ausweist.64

3 Das Leiden des Apostels im Spiegel des Gefangenschaftsbriefes

Paulus kann in seiner Biographie (in seiner Imitatio Christi) viel Leid aufwei- sen und daher ist es logisch, dass das Thema oftmals in seinen Briefen (vgl. Röm 8,17f.; 2Kor 1,5.7; 4,9; Gal 4,14; 5,11; 1Thess 2,2) und in sehr intensiver Form im Philipperbrief erwähnt wird. Karl Theodor Kleinknecht konstatiert, dass, Äder Philipperbrief [...] derjenige unter den Paulusbriefen [ist], der die Leidensthematik am breitesten und [...] am 'ausgewogensten' behandelt.“65

Woran leidet Paulus? An verschiedenen Stellen im Brief scheint seine momentane Situation durch, dass er aus dem Gefängnis heraus schreibt (vgl. Phil 1,7.14.17: δεσμόν; 1,13: δεσμόν ἐν Χριστός; 1,19ff.: ζωή und ϑάνĮτος; 2,17f.: ϑυσίĮ; 2,23: ὡς ἂν ἀφίδω τὰ περὶ ἐμὲ ἐξĮυτῆς; 4,11-14: ϑλίψις). Er sitzt im Gefängnis und ist sich des Ausgangs dieser Situation nicht sicher. Er weiß nicht, ob ihn die Todesstrafe oder ein Freispruch (1,19-26) erwartet. Aufgrund dieser Ungewissheit finden sich existentielle Inhalte in großer Fülle. Paulus leidet berufsbedingt (vgl. Jeremia, Kapitel 1). Sein Leiden kann in drei größere Bereiche eingeteilt werden: der erste Bereich ist der leidende Jesus Christus als Vorbild.66 Der Weg des Apostels in der Imitatio Christi ist vorherbestimmt durch das Leid (vgl. Kapitel 1; Apg 9,16). Leid und Auferstehung sind zwei fest miteinander verbundene Begriffe (vgl. 3,10). Young Sook Choi schreibt in ihrem Buch über die paulinischen Peristasenkataloge: ÄDie Leiden des Apos- tels als Gemeinschaft mit den Leiden Christi [sind] als Gleichgestaltung mit seinem Tod (Phil 3,10) zu verstehen.“67 Verstärkt wird die These dadurch, dass Röm 6,3-5 zeigt, dass die Taufe Äauf Christus Jesus“ eine Taufe Äin seinen Tod hinein“ ist. ÄMitleiden“ (Röm 8,17) und ÄMitsterben“ (2Kor 7,3) können nicht getrennt voneinander betrachtet werden; so sagt Tannehill: ÄThe past dying with Christ and the present dying with Christ in suffering are not two unrelated things.“68 Die Freude über die Auferstehung Jesu ist untrennbar mit der Parti- zipation an seinem Leiden verbunden. Als Resultat kann festgehalten werden, dass aufgrund der sakramentalen konzeptionellen Bestimmung aus Röm 6,3-5 die apostolischen Leiden eine Teilnahme an Christi Leiden darstellen. Die Auferstehungsmacht zeigt sich Äin der Erfahrung der Gemeinschaft mit Christi Leiden.“69 Durch die Leiden wird die wahre Christuszugehörigkeit bei seinen Werken als Apostel erkenntlich. Der zweite Bereich ist eng mit dem ersten verknüpft; es handelt sich um die eigene apostolische Biographie, mit der sich Paulus auseinandersetzt. Er schreibt über seinen Werdegang vom Bekämpfer bis hin zum Verfechter des Evangeliums (Phil 3,5ff.). Hierzu geht er in kom- primierter Form auf seine Kindheit resp. Herkunft, seine Ausbildung resp. sei- nen Beruf und seine Taten ein (ÄSelbstruhm“70 ). Dabei beginnt dieser Ab- schnitt mit einer Erwähnung der Beschneidung, die das eigentliche Konflikt- thema darstellt. Der dritte Bereich beschäftigt sich mit der Frage nach Leben und Tod. Paulus ist sich seiner Zukunft nicht gewiss und daher stellt sich ihm diese Frage (vgl. 1,18-26). Pointiert werden beide Möglichkeiten für den Pro- zessausgang in Vers 20 genannt. Resümierend sei festgehalten, dass das Leiden Pauli aus drei eng miteinander verknüpften Kategorien besteht: Leiden in der Imitatio Christi, Einordnung in die eigene apostolische Biographie und die Frage nach Leben und Tod.

Wie stellt Paulus das Leiden dar? Er verschweigt und verschönert nichts in seinem Brief. Er stellt seine Situation nüchtern dar, er zeigt seine Not und die bestehende Gefahr und schreibt über seine Hoffnung und Befürchtung. Als Zeichen der innigen Freundschaft zu den Philippern teilt Paulus alles mit ihnen und das beinhaltet auch sein Leid (vgl. Kapitel 2). Der Briefkorpus wird unmit- telbar mit einem Bericht über die Situation des Apostels im Gefängnis eingelei- tet (1,12-26). Paulus beginnt mit diesen Aussagen, weil sich die Philipper nach seinem Ergehen in der Haft erkundigt haben. Diese These wird dadurch belegt, dass Paulus mit den Worten τὰ κĮτ’ ἐμὲ alles zusammenfasst, was der Leser zuvor erfragt hatte.71 Ulrich Müller stellt weiterhin fest: ÄDie »apostolische Sachlichkeit« hindert Paulus, rein menschlich von seinen persönlichen Proble- men zu sprechen.“72 Er stellt also sein Leiden dar, dramatisiert es aber nicht, er erfleht kein Mitleid und möchte nicht klagen. Karl Barth stellte bereits fest, dass ein Apostel auf die Frage nach seinem Wohlergehen immer mit dem Be- scheid darüber reagieren muss, wie es dem Evangelium geht.73 Auch Paulus reagiert nach diesem Muster, denn er schreibt: ÄIhr sollt wissen Brüder, daß alles, was mir zugestoßen ist, die Verbreitung des Evangeliums gefördert hat“ (1,12; vgl. 1,13-18a). Paulus stellt dadurch sein Leid nicht kleiner dar, zeigt aber, dass es für ein höheres Ziel notwendig war. In Bezug auf die drei zuvor genannten Bereiche lassen sich bestimmte Darstellungsmerkmale feststellen: Paulus fungiert als Vorbild für die Gemeinde (vgl. Phil 3,17); besonders in 4,14f. wird mit συγκοινωνήσĮντες μου τῇ θλίψει Ädie Koinonia der Gemeinde mit dem leidenden Apostel als vorbildlich beschrieben.“74 Das Leiden in der Nachahmung Christi ist erstrebenswert75, da erst die Erfahrung des Leides in der Gemeinschaft das wahre Christsein und die Auferstehungskraft (vgl. 3,20f.) zeigt. So wird die ÄFreude im Leiden als Merkmal des Geistes aller Christen“76 ausgezeichnet (vgl. 1,18.29; 2,17; weiterhin 2Kor 1,5; 7,4). Sie alle sind Chris- ten und somit in den Tod Jesu hinein getauft (Röm 6,3-5). Dies ist auch der Grund, warum Paulus das Leiden mit der Freude verknüpft (vgl. Phil 1,18; 2,17f.; 3,1; 4,1.4). Th. Söding schreibt: ÄDadurch entsteht ein Zeugnis des Glaubens, das Hoffnung macht, ohne das irdische Leben zu verachten, und die Lebensfreude zum Ausdruck bringt, ohne im Diesseits aufzugehen.“77 Weiter- hin stellt Paulus eine Brücke zwischen sich und den Philippern her, indem er seine eigene apostolische Biographie aufzeigt. Die Wir-Aussagen (vgl. 3,3) appellieren an die Philipper, als Christen neu in Christus vereint zu sein, ohne dass die Vergangenheit ein Hindernis darstellen könnte (vgl. 3,13), wenn sogar ein Gegner des Evangeliums zum Christ werden kann. Durch diese Darstellung gibt er den Philippern ein Gefühl des Gleichseins, aber stellt auch seine Vor- bildfunktion klar heraus (3,17). Ulrich Müller stellt fest: ÄDas biographische Ich des Paulus [...] wird jetzt zum exemplarischen Ich, das paradigmatische Bedeutung für die angeschriebene Gemeinde hat.“78 Mit seinen Gedanken über den Prozessausgang formuliert Paulus die Antwort auf die wahrscheinlich zu- vor gestellte Frage der Philipper. Paulus stellt beide möglichen Ausgänge vor und ist dabei nicht betrübt oder erbost. Ob er leben oder sterben wird, wird mit Äsei es - sei es“ (εἴτε διὰ ζωῆς εἴτε διὰ θĮνάτου) angeführt, was die Aussage relativiert (vgl. 1,20). Die Möglichkeit des Todes wird dadurch entschärft. Durch das Futur drückt Paulus seine Freude aus, da er sich dieser stets gewiss sein kann (vgl. 1,18).79 Das Motiv der Rettung wird ebenfalls angeführt. Paulus gibt sein Leben vollkommen in die Hand Gottes. James Ware belegt dies folgendermaßen: ÄThe activity of the Spirit in mission is also strongly accented in the present passage, through Paul´s use in 1:20 of the passive μεγĮλυνθήσετĮι, which refers implicitly to God´s activity.“80 Er spricht über seine Wünsche, die in unterschiedliche Richtungen - unterschiedlicher könnten sie nicht sein - gehen. Er beschreibt, weshalb er sich nach dem Tod sehnt, der nicht sein Ende ist, sondern ihn zu Jesus Christus führt.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Paulus sein Leiden nicht dra- matisiert, er kombiniert es stets mit den Freuden und dem Wohlergehen des Evangeliums. Die Leiden dienen der Verkündigung des Evangeliums.81 Er zeigt, dass das Leiden zum Christsein gehört und dass es mit dem ewigen Le- ben belohnt wird (vgl. 3,20). Daher stellt er in 3,10 eine Ächiastische Wen- dung“82 auf (Auferstehung - Leiden - Tod - Auferstehung), dadurch wird auf der einen Seite Ädie Kraft der Auferstehung im Leben der Gemeinden [und] andererseits die Auferstehung von den Toten“83 betont. Allerdings darf dieser Aspekt nicht als Vertröstung und Legitimation von Gewalt verstanden werden.

Wie setzt sich Paulus mit dem Leiden auseinander und wie nimmt er es nach der Darstellung des Briefes an? Paulus versteht das Leiden in einer drei- fachen komplexen Konstellation: in einem Wechselwirken von Christus, dem Evangelium und der Gemeinde; mit diesen drei ÄAspekten ist der Zusammen- hang seines Apostolats zum Ausdruck gebracht“84 worden. Paulus akzeptiert die Leiden, denn sie werden erst durch Ädie Existenz Jesu Christi ermöglicht, durch dessen Sterben und Leben der Apostel existiert.“85 Paulus reflektiert sein Leiden in seiner Korrespondenz mit der Gemeinde Philippi. Er lässt sie teilha- ben an seinem Leben und seinem Leiden. Paulus hat keine Angst vor seinem Leiden und dem Ausgang des Prozesses, weil er sich sicher und geborgen in der Hand Gottes fühlt.

[...]


1 Für ein tieferes Verständnis sei hier auf die Nikomachische Ethik des Aristoteles verwiesen, in dieser sind mehrere Bücher dem Thema der Freundschaft gewidmet (EthNik VIII-X).

2 Vgl. Söding, Thomas: Freundschaft mit Jesus. Ein neutestamentliches Motiv, in: Communio 36 (2007), S. 220-231 (Im Folgenden zitiert als: Söding, Thomas: Freundschaft).

3 Diese Arbeit weist besonders in Kapitel 3 einen Beleg dafür auf.

4 Im Rahmen dieser Arbeit können nur einzelne Beispiele genannt werden. Es lassen sich aber eine Vielzahl an Beispielen für die Aussage finden.

5 Für das tiefere Verständnis wird auf Meuffels, Otmar: Gott erfahren. Theologischphilosophische Bausteine zur Gotteslehre, Tübingen 2006 (Religion in Philosophy and Theology; 19) verwiesen, besonders Kapitel 3, §1 Alttestamentliche Vorgaben, da im Rahmen dieser Arbeit keine genauere Analyse möglich ist.

6 Söding, Thomas: Nächstenliebe. Gottes Gebot als Verheißung und Anspruch, Freiburg i. Br. 2015, S. 281.

7 Söding, Thomas: Freundschaft, S. 221.

8 Vgl. OpenDoors: Weltverfolgungsindex 2015, Internetdokument auf http://www.opendoors.de/downloads/wvi/pdf_wvi2015.pdf , Zugriff am 18.08.2015.

9 Für eine genauere Untersuchung sei auf v. Heyden, Wichard: Doketismus und Inkarnation. Die Entstehung zweier gegensätzlicher Modelle von Christologie, Tübingen 2014 verwiesen (Im Folgenden zitiert als: v. Heyden, Wichard: Doketismus und Inkarnation).

10 Bonhoeffer, Dietrich: Widerstand und Ergebung. Briefe und Aufzeichnungen aus der Haft, hg. v. Eberhard Bethge, München 1970, S. 435-436 (Im Folgenden zitiert als Bonhoeffer, Dietrich: Widerstand und Ergebung).

11 Vgl. Söding, Thomas: Ausbruch aus dem Gefängnis - Der Philipperbrief. Skriptum der Vorlesung im Sommersemester 2014, Internetdokument auf http://www.ruhr-uni- bochum.de/imperia/md/content/nt/nt/aktuellevorlesungen /vorlesungsskriptedownload/ vlskriptess14/skript_philipperbrief_sose_2014.pdf , vom 16.07.2014, Zugriff am 19.08.2015 (Im Folgenden zitiert als: Söding, Thomas: VL Philipperbrief).

12 Oestreich, Bernhard: Performanzkritik der Paulusbriefe, Tübingen 2012 (Wissenschaftliche Untersuchungen zum Neuen Testament, 296), S. 7 (Im Folgenden zitiert als: Oestreich, Bernhard: Performanzkritik).

13 Schoon-Janssen, Johannes: Umstrittene ÄApologien“ in den Paulusbriefen. Studien zur rheto- rischen Situation des 1. Thessalonicherbriefes, des Galaterbriefes und des Philipperbriefes, Göttingen 1991, S. 136 (Im Folgenden zitiert als: Schoon-Janssen, Johannes: Apologien).

14 Klauck, Hans-Josef: Die antike Briefliteratur und das Neue Testament. Ein Lehr- und Arbeitsbuch, Paderborn 1998, S. 129 (Im Folgenden zitiert als: Klauck, Hans-Josef: Antike Briefliteratur). Diese Angabe findet sich inhaltlich bei Cicero in Fam II 4,1.

15 Ebd., S. 158. Weitere Brieftypen sind z. B. Empfehlungsbriefe, Trostbriefe, der tadelnde Briefe, Anklagebriefe, ironische Briefe, Bittbriefe, Fragebriefe, Scheltbriefe, uvm.

16 Ebd., S. 160.

17 Vgl. ebd.

18 Vgl. Söding, Thomas: Freundschaft, S. 221.

19 Es bleibt zu unterscheiden zwischen Äbefreundet“ oder ÄFreund“ sein.

20 Vgl. Cicero, M. Tullius: An seine Freunde, München 1964 (Im Folgenden zitiert als: Cicero: Freunde). Zum inhaltlichen Verständnis vgl. S. 938.

21 Vgl. Haupt, D. Erich: Die Gefangenschaftsbriefe. Von der 7. bzw. 6. Aufl. an neu bearbeitet, Göttingen 1902 (Kritisch-exegetischer Kommentar über das Neue Testament, 8. u. 9. Abtei- lung).

22 Klauck, Hans-Josef: Antike Briefliteratur, S. 130.

23 Schoon-Janssen, Johannes: Apologien, S. 137.

24 Vgl. ebd.

25 Klauck, Hans-Josef: Antike Briefliteratur, S. 151.

26 Ebd., S. 155.

27 Oestreich, Bernhard: Performanzkritik, S. 9.

28 Klauck, Hans-Josef: Antike Briefliteratur, S. 159.

29 Für weitere Forschung seien insbesondere Heikki Koskenniemi (Idee und Phraseologie 1956), Klaus Thraede (Briefoptik 1970) und Thomas Johann Bauer (Epistolographie 2011) angegeben, vgl. Oestreich, Bernhard: Performanzkritik, Kapitel 1.1; Hoegen-Rohls, Christina: Zwischen Augenblickskorrespondenz und Ewigkeitstexten. Eine Einführung in die paulinische Epistolographie, Neukirchen-Vluyn, 2013 (Biblisch-Theologische Studien, 135), Kapitel 2 (Im Folgenden zitiert als: Hoegen-Rohls, Christina: Paulinische Epistolographie).

30 Vgl. Aristoteles: Nikomachische Ethik, Hamburg 32011: 1. Spaßfreundschaft, 2. Nutzfreundschaft, 3. Wohlbefindliche Freundschaft.

31 Vgl. Söding, Thomas: Freundschaft, S. 222. Vgl. Kapitel 1.

32 Klauck, Hans-Josef: Antike Briefliteratur, S. 154.

33 Ebd.

34 Ebd.

35 Ebd.

36 Vgl. ebd.

37 Vgl. Hoegen-Rohls, Christina: Paulinische Epistolographie, S. 21; 25-26.

38 Vgl. Paulsen, Henning: Die Briefe des Ignatius von Antiochia und der Brief des

Polykarp von Smyrna. 2., neubearb. Aufl. d. Auslegung von Walter Bauer, Tübingen, 1985 (Handbuch zum Neuen Testament; 18, Die apostolischen Väter; 2) (Im Folgenden zitiert als: Paulsen, Henning: Polykarp).

39 Vgl. Schnider, Franz/ Stenger, Werner: Studien zum neutestamentlichen Briefformular, Leiden 1987 (New Testament tools and studies, v. 11), S. 175 (Im Folgenden zitiert als: Schnider, Franz/ Stenger, Werner: Studien zum neutestamentlichen Briefformular).

40 Schoon-Janssen, Johannes: Apologien, S. 136.

41 Vgl. ebd.

42 Hoegen-Rohls, Christina: Paulinische Epistolographie, S. 33.

43 Vgl. Schluep-Meier, Christoph: Der Philipperbrief/ Der Philemonbrief, Neukirchen-Vluyn, 2014 (Die Botschaft des Neuen Testaments), S. 165.

44 Vgl. Reumann, John H. P., Philippians. A New Translation with Introduction and Commentary, New Haven (CT)/ London 2008 (AYB, v. 33B), S. 679 (Im Folgenden zitiert als: Reumann, John: Philippians).

45 Ebd., S. 152.

46 Vgl. Anhang 1 (zeigt eine exegetische Untersuchung von Phil mit detailierten Angaben).

47 Reck, Reinhold: Kommunikation und Gemeindeaufbau. Eine Studie zu Entstehung, Leben und Wachstum paulinischer Gemeinden in den Kommunikationsstrukturen der Antike, Stutt- gart 1991 (Stuttgarter biblische Beiträge, 22), S. 211 (Im Folgenden zitiert als: Reck, Rein- hold: Gemeindeaufbau).

48 Hoegen-Rohls, Christina: Paulinische Epistolographie, S. 107.

49 Ebd.

50 Witherington III, Ben: Paul`s Letter to the Philippians. A Socio-Rhetorical Commentary, Grand Rapids, Michigan 2011, S. 18 (Im Folgenden zitiert als: Witherington III, Ben: Philippi- ans).

51 Vgl. ebd.

52 Familien bestehen aus hierarchischen Gefügen (in der Antike stärker, als in der Neuzeit).

53 Witherington III, Ben: Philippians

54 Vgl. Anhang 1.

55 Söding, Thomas: VL Philipperbrief, S. 12.

56 Vgl. Klauck, Hans-Josef: Antike Briefliteratur, S. 241.

57 Weiterführend dazu: Müller, Ulrich B.: Der Brief des Paulus an die Philipper, Leipzig ²2002 (Theologischer Handkommentar zum Neuen Testament, 11/I).

58 Vgl. die Briefe zwischen Cicero und Terentia. Bsp.:Ä[...], daß Du in all Deinem Elend mir in meinem Elend unter die Arme greifen musst“, Cicero, M. Tullius: Ausgewählte Werke. Band V. Briefe, Düsseldorf 2008, S. 89.

59 Vgl. Cicero: Freunde, Liber sextus decimus.

60 Vgl. Hoffmann, Johanna: Geteiltes Leid ist halbes Leid, geteilte Freude ist doppelte Freude. Das Teilen von Erlebnissen mit anderen kann unser Wohlbefinden steigern, Internetdokument auf http://www.forschung-erleben.uni-mannheim.de/?q=node/72, vom 29.10.2008, Zugriff am 24.08.2015.

61 Vgl. Anhang 2 (Vergleichende Analyse eines Cicero-Briefes mit dem Philipperbrief).

62 Polykarp ist um 69 n.Chr. geboren, daher ergibt sich auch die Tatsache, dass der Brief weit nach dem Philipperbrief geschrieben wurde. Vgl. Hill, Charles E.: From the Lost Teaching of Polycarp, Tübingen 2006 (Wissenschaftliche Untersuchungen zum Neuen Testament, 186).

63 Vgl. Anhang 3 (Vergleichende Analyse von PolPhil und Phil).

64 Vgl. Anhang 1.

65 Kleinknecht, Karl Theodor: Der leidende Gerechtfertigte. Die alttestamentlich-jüdische Tradition vom ‚leidenden Gerechten‛ und ihre Rezeption bei Paulus, Tübingen 1984 (Wisseschaftliche Untersuchungen zum Neuen Testament; Reihe 2; 13), S. 322 (Im Folgenden zitiert als: Kleinknecht, Karl Theodor: Der leidende Gerechtfertigte).

66 Im Neuen Testament ist für den Begriff des Leidens Jesu Leben und vor allem Jesu Tod am Kreuz programmatisch. Seine Biographie ist von Beginn an mit diesem Thema eng verknüpft. Die Ankündigungen des Leidens sind auch immer als Ankündigungen des Sieges zu verstehen (vgl. Phil 1,19; 1Kor 9,24-27; 15,35; Röm 8,18-30).

67 Choi, Young Sook: ÄDenn wenn ich schwach bin, dann bin ich stark“. Die paulinischen Peristasenkataloge und ihre Apostolatstheologie, Tübingen 2010, S. 263 (Im Folgenden zitiert als: Choi, Young Sook: Denn wenn ich schwach bin).

68 Müller, Ulrich B.: Der Brief des Paulus an die Philipper, Leipzig ²2002 (Theologischer Handkommentar zum Neuen Testament, 11/I), S. 162 (Im Folgenden zitiert als: Müller, Ulrich: Paulus an die Philipper).

69 Ebd.

70 Müller, Ulrich: Paulus an die Philipper., S. 149.

71 Vgl. ebd., S. 50.

72 Ebd.

73 Vgl. ebd.

74 Choi, Young Sook: Denn wenn ich schwach bin, S. 266.

75 Soll aber nicht gesucht werden, wie im Fall von Ignatius von Antiochien, vgl. dazu v. Heyden, Wichard: Doketismus und Inkarnation, besonders S. 273, 277, 283.

76 Choi, Young Sook: Denn wenn ich schwach bin, S. 266.

77 Söding, Thomas: VL Philipperbrief, S. 11.

78 Müller, Ulrich: Paulus an die Philipper, S. 152.

79 Vgl. ebd., S. 59-60.

80 Ware, James: The Mission of the Church in Paul`s Letter to the Philippians in the Context of Ancient Judaism, Brill/ Leiden 2005 (Supplements to Novum Testamentum, v. 120), S. 205.

81 Vgl. Choi, Young Sook: Denn wenn ich schwach bin, S. 263.

82 Ebd., vgl. dazu auch Holloway, Paul A.: Consolation in Philippians. Philosophical Sources and Rhetorical Strategy, Cambridge u.a. 2007 (Monograph series/ Society for New Testament Studies; 112), S. 138-139 (Im Folgenden zitiert als: Holloway, Paul: Consolation).

83 Ebd.

84 Ebd., S. 260.

85 Ebd., S. 263.

Ende der Leseprobe aus 68 Seiten

Details

Titel
Freundschaft in Gefangenschaft. Der Philipperbrief des Apostels Paulus und seine Resonanz bei Dietrich Bonhoeffer
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum  (Fakultät Katholische Theologie - Lehrstuhl Neues Testament)
Note
1,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
68
Katalognummer
V369416
ISBN (eBook)
9783668509115
ISBN (Buch)
9783668509122
Dateigröße
1102 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Diese Bachelorarbeit ist honoriert worden mit dem Förderpreis für Studierende für die beste Bachelor-Arbeit an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Ruhr-Universität-Bochum. Im Anhang befinden sich eine exegetische Untersuchung des Philipperbriefes und eine Gegenüberstellung zu einem Brief Ciceros an Terentia, dem Brief des Polykarpen an die Philipper und einem Brief Bonhoeffers an seinen Freund Eberhard Bethge.
Schlagworte
Paulus, Leiden, Freundschaft, Gefangenschaft, Philipperbrief, Bonhoeffer
Arbeit zitieren
Anita Greinke (Autor), 2015, Freundschaft in Gefangenschaft. Der Philipperbrief des Apostels Paulus und seine Resonanz bei Dietrich Bonhoeffer, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/369416

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