Diese Bachelor Thesis untersucht den Einfluss der Finanzmarktkrise von 2008 auf die Bedeutung des Fair Value in den International Financial Reporting Standard (IFRS). Dazu wird, in einem ersten Schritt, ein Überblick über die Entwicklung des Rahmenkonzeptes der IFRS und die daraus resultierenden Auswirkungen auf die Fair Value Bewertung in den Einzelstandards, geben. Der sich anschließende Teil der Arbeit untersucht, inwieweit der Fair Value-Bewertungsansatz möglicherweise einen Beitrag zur Krise geleistet hat, oder die Finanzkrise sogar noch verschlimmert haben könnte.
In diesem Zusammenhang bietet die Arbeit einen gewichteten und detaillierten Überblick über Argumentation und empirische Erkenntnisse in diesem akademischen Diskurs. In einem letzten Schritt beleuchtet die Arbeit mögliche Auswirkungen der Finanzmarktkrise auf den Prozess der Standardentwicklung. In diesem Zusammenhang kann ein Bedeutungszuwachs der Fair Value-Bewertung bei Finanzinstrumenten vor der Finanzkrise beobachtet werden. Diese Entwicklung wurde durch umfangreiche externe politische Einflussnahme und Lobbying eingeschränkt. Folglich wird geprüft, inwieweit die Finanzkrise, politischer Einfluss, sowie der Einfluss von Interessensgruppen Auswirkung auf die Fair Value-Bewertung bei Finanzinstrumenten gehabt haben könnte.
Inhaltsverzeichnis
I Problemstellung
II Konzeptionelle Verankerung des Fair Value innerhalb der IFRS
1. Zwecke des IFRS-Abschlusses gemäß IFRS Rahmenkonzept
a) Übergeordneter Zweck der Vermittlung entscheidungsnützlicher Informationen
b) Untergeordnete Rechenschaftsfunktion
2. Zentrale qualitative Anforderungen gemäß IFRS-Rahmenkonzept
a) Dominante Rolle des Grundsatzes der Relevanz
b) Nachrangige Rolle des Grundsatzes der glaubwürdigen Darstellung
aa) Abwertung des Verlässlichkeitsgrundsatzes
bb) Unklare Rolle und Bedeutung des Vorsichtsprinzips
3. (Inkonsistente) Verankerung des Fair Value innerhalb der Einzelstandards
III Rolle des Fair Value-Ansatzes im Zusammenhang mit der Finanzmarktkrise
1. Die Entstehung der Finanzkrise in Wechselwirkung mit Finanzbuchhaltung und Bankenregulierung
2. Fraglicher Beitrag des Fair Value-Ansatzes zur Finanzkrise
a) Fair Value als vermeintlicher Krisenverursacher
b) Wissenschaftliche Widerlegung der Argumentation
IV Auswirkung der Finanzkrise auf die Bedeutung des Fair Value innerhalb der IFRS: Veranschaulichung am Beispiel der Bilanzierung und Bewertung von Finanzinstrumenten
1. Verankerung des Fair Value im IAS 39
a) Vorschläge der International Working Group zu Full Fair Value Bewertung
b) Bedeutung des Fair Value im IAS 39
c) Politische Einflussnahme der EU
aa) Einschränkung der Fair Value-Option
bb) Umklassifizierung in der Finanzkrise
2. Geringfügige Zunahme der Bedeutung im IFRS 9
V Thesenförmige Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie sich die Finanzmarktkrise von 2008 auf die Bedeutung und Anwendung des Fair Value-Konzepts innerhalb der IFRS ausgewirkt hat. Dabei wird analysiert, inwieweit das Konzept als Krisenverursacher fungierte, welche Rolle politischer Druck bei der Standardentwicklung spielte und wie sich der Übergang von IAS 39 auf IFRS 9 in diesem Kontext darstellt.
- Konzeptionelle Grundlagen des Fair Value im IFRS-Rahmenkonzept
- Wechselwirkungen zwischen Finanzkrise, Fair Value und Bankenregulierung
- Kritische Analyse der Debatte um den Beitrag des Fair Value zur Finanzkrise
- Einfluss politischer Faktoren auf die Standardsetzung der IASB
- Vergleichende Untersuchung der Fair Value-Bewertung in IAS 39 und IFRS 9
Auszug aus dem Buch
Die Entstehung der Finanzkrise in Wechselwirkung mit Finanzbuchhaltung und Bankenregulierung
Um den möglichen Beitrag des Fair Value zur Finanzkrise besser zu verstehen, ist es zunächst notwendig seine Verwendung in den IFRS näher zu erläutern. Der Fair Value gilt hier als ein Preis, der im Rahmen eines geordneten Geschäftes, beim Verkauf eines Vermögensgegenstandes, oder beim Ausgleich einer Schuld gezahlt werden würde (IFRS 13.09). Die Ermittlung basiert auf einer Hierarchie von Inputfaktoren, wobei Inputfaktoren der ersten Stufe die höchste und die der dritten Stufe die niedrigste Priorität besitzen (IFRS 13.27). Bei Inputfaktoren der ersten Stufe handelt es sich um beobachtbare Preise identischer Vermögensgegenstände oder Schulden in einem aktiven Markt (IFRS 13.76). Ein aktiver Markt kann angenommen werden, sofern genug Handelsvolumen vorhanden ist, welches eine aussagekräftige Preisbildung ermöglicht (IFRS 13.Appendix A). Wird der Fair Value auf Basis solch eines Preises im Rahmen einer geordneten Markttransaktion gebildet, handelt es sich um eine marktpreisbasierte Bewertung, der Reinform des Fair Value. Sofern kein aktiver Markt für identische Vermögensgegenstände und Schulden vorliegt, müssen Inputfaktoren der zweiten Stufe, also Preise ähnlicher Güter und alle relevanten, beobachtbaren Marktdaten einbezogen werden (IFRS 13.81). Wenn nun auch keine beobachtbaren Marktdaten genutzt werden können, bspw. bei nicht ausreichender Marktaktivität (IFRS 13.87), werden Inputfaktoren der dritten Stufe genutzt (IFRS 13.86). Diese Inputfaktoren gelten als subjektiv und am wenigsten verlässlich, da sie auf Basis von Modellen und Annahmen ermittelt werden. Die modellbasierte Ermittlung des Fair Value impliziert die Nutzung verschiedenster finanzmathematischer Modelle, sowie teilweise idealisierte Annahmen, wie bspw. die des perfekten Marktes. In einer Finanzkrise ist das problematisch, da zugrundeliegende Annahmen und folglich auch finanzmathematische Modelle bei illiquiden und inaktiven Märkten wenig aussagekräftig sind und die wirtschaftliche Realität nur unzureichend darstellen. Mögliche negative Auswirkungen des Fair Value im Rahmen einer Finanzkrise wirken jedoch nicht alleine, sondern immer im Zusammenspiel mit weiteren Faktoren, wie bspw. den regulatorischen Kapitalanforderungen.
Zusammenfassung der Kapitel
I Problemstellung: Einleitung in die Thematik der Fair Value-Bewertung vor dem Hintergrund der Finanzmarktkrise und der Entwicklung der IFRS.
II Konzeptionelle Verankerung des Fair Value innerhalb der IFRS: Untersuchung der Zielsetzungen und qualitativen Anforderungen des IFRS-Rahmenkonzepts hinsichtlich der Fair Value-Ausrichtung.
III Rolle des Fair Value-Ansatzes im Zusammenhang mit der Finanzmarktkrise: Analyse der Wechselwirkungen zwischen Rechnungslegungsvorschriften, regulatorischem Kapital und dem Krisenverlauf.
IV Auswirkung der Finanzkrise auf die Bedeutung des Fair Value innerhalb der IFRS: Veranschaulichung am Beispiel der Bilanzierung und Bewertung von Finanzinstrumenten: Detaillierte Betrachtung der regulatorischen Anpassungen in IAS 39 und IFRS 9 unter Berücksichtigung politischen Drucks.
V Thesenförmige Zusammenfassung: Synthese der wesentlichen Ergebnisse der Arbeit in prägnanten Thesen.
Schlüsselwörter
Fair Value, IFRS, Finanzmarktkrise, Finanzinstrumente, Rahmenkonzept, IAS 39, IFRS 9, Rechnungslegung, Finanzmarktstabilität, Bankenregulierung, Marktpreis, Modellbewertung, Prozyklität, Entscheidungsnützlichkeit, politischer Druck.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den Einfluss der Finanzmarktkrise von 2008 auf die Bedeutung und Bilanzierung des Fair Value innerhalb der International Financial Reporting Standards (IFRS).
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf der konzeptionellen Basis der IFRS, der Rolle des Fair Value in der Krise, dem Einfluss der Bankenregulierung sowie der Standardentwicklung von IAS 39 bis hin zum IFRS 9.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage befasst sich mit der Untersuchung der Debatte um den Fair Value als Krisenursache und dessen tatsächlicher Auswirkung auf die Bedeutung in den IFRS-Standards.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine tiefgehende Literatur- und Normenanalyse, um die Entwicklung der Rechnungslegungsstandards vor dem Hintergrund ökonomischer Trends und politischer Einflussnahme zu bewerten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine konzeptionelle Analyse des Rahmenkonzepts, eine Diskussion der Krisenauswirkungen und eine detaillierte Gegenüberstellung der Bewertungsansätze in IAS 39 und IFRS 9.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Fair Value, IFRS, Finanzmarktkrise, Finanzinstrumente, Rahmenkonzept und regulatorisches Kapital.
Warum wird der Fair Value-Ansatz häufig mit der Finanzkrise in Verbindung gebracht?
Kritiker argumentieren, dass die Bewertung zu Marktpreisen in illiquiden Märkten eine künstliche Volatilität erzeugte und prozyklische Effekte sowie Abwärtsspiralen verstärkte.
Welche Rolle spielt die Europäische Union bei der Entwicklung des IAS 39?
Die EU übte erheblichen politischen Druck aus, was zu einem partiellen Ausschluss (Carve-Out) und Änderungen an IAS 39 führte, um die europäische Bankenbranche vor einer zu starken Ergebnisvolatilität zu schützen.
- Quote paper
- B.Sc. mit Auszeichnung Tim Schwertner (Author), 2017, Einfluss der Finanzmarktkrise auf die Bedeutung des Fair Value innerhalb der International Financial Reporting Standards, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/369459