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Von Diefenbach bis Beuys. Der Künstler als Reformer und Prophet

Title: Von Diefenbach bis Beuys. Der Künstler als Reformer und Prophet

Term Paper , 2015 , 33 Pages , Grade: 1,30

Autor:in: Christina Haupt (Author)

Art - History of Art
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Die Schirn Kunsthalle Frankfurt widmet sich im Frühjahr 2015 einem bislang wenig erkundeten Thema der Kunstgeschichte. Die Ausstellung „Künstler und Propheten – eine geheime Geschichte der Moderne“ will dem Besucher Künstlerpersönlichkeiten näher bringen, die, in der Zeit zwischen dem späten 19. und 20. Jahrhundert, als Reformer oder selbsternannte Propheten in Deutschland auftreten. Zu Lebzeiten erfreuten sich diese eines beachtlichen Bekanntheitsgrades, doch heute ist der Großteil der damaligen Künstlerpropheten in Vergessenheit geraten.

Wie kam es dazu, dass diese Menschen heute als Künstler-Propheten bezeichnet werden und können sie ihrem Ruf gerecht werden? Handelt es sich bei Diefenbach und Beuys um Weltverbesserer oder vielmehr um Betrüger? All diese Fragen gilt es, in dieser Arbeit zu beantworten.

Die Arbeit gibt zunächst einen knappen Überblick über den Künstler als Reformer und Prophet im 19. und 20. Jahrhundert in Deutschland. Ausgehend davon wird die Thematik anhand zweier signifikanter Künstler vertieft: Karl Wilhelm Diefenbach (1851-1913) und Joseph Beuys (1921-1986). Nachdem Diefenbachs grundlegende Prinzipien vorgestellt werden, soll in Kürze erläutert werden, auf welche Weise die Malerei dem Künstler dabei von Nutzen ist. Anschließend stellt sich die Frage, inwiefern Diefenbach seine Rolle als selbsternannten Propheten wahrnimmt. In einem letzten Unterpunkt sollen anhand einiger Beispiele Kritikpunkte zur Sprache kommen.

Es folgt ein Sprung in die Nachkriegszeit, in der sich Joseph Beuys (1921-1986) als Künstlerreformer einen Namen macht. An den Anfang wird hier die „Tatarenlegende“ gestellt, die maßgeblich zu der Entwicklung des „erweiterten Kunstbegriffes“ beiträgt, welcher in einem weiteren Punkt vorgestellt wird. Hierbei soll sich auch kritisch mit einer sozialen Plastik auseinandergesetzt werden. Des Weiteren werden Beuys’ strittige Mittel auf dem Weg des Bekanntwerdens erwähnt. Abschließend stellt sich mit Hilfe des Beuys-Werks „La rivoluzione siamo Noi“ die Frage, inwiefern dieser an die Reformer-Rolle Diefenbachs anknüpft.

Wie kam es dazu, dass diese Menschen heute als Künstler-Propheten bezeichnet werden und können sie ihrem Ruf gerecht werden? Handelt es sich bei Diefenbach und Beuys um Weltverbesserer oder vielmehr um Betrüger? All diese Fragen gilt es im Folgenden zu beantworten.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Künstlerreformbewegung im 19. und 20. Jahrhundert in Deutschland.

3 Repräsentative Künstlerpropheten zweier Generationen

3.1 Karl Wilhelm Diefenbach

3.1.1 Prinzipien der natürlichen Lebensweise

3.1.2 Malerei als Mittel zum Zweck

3.1.3 Inszenierung als Prophet

3.1.4 Widerspruch zwischen Sein und Schein

3.2 Joseph Beuys

3.2.1 „Tatarenlegende“ als künstlerische Basis

3.2.2 Der erweiterte Kunstbegriff

3.2.3 Öffentlichkeit durch Provokation

3.2.4 Beuys: Nachfolger Diefenbachs

4 Nachruhm oder Vergessenheit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das Phänomen des Künstler-Propheten in Deutschland zwischen dem späten 19. und 20. Jahrhundert, indem sie die Rollenbilder von Karl Wilhelm Diefenbach und Joseph Beuys kritisch vergleicht und ihre Wirksamkeit als Reformer hinterfragt.

  • Historische Einordnung der Künstlerreformbewegung
  • Analyse der Inszenierung von Karl Wilhelm Diefenbach
  • Untersuchung des "erweiterten Kunstbegriffs" bei Joseph Beuys
  • Vergleich der prophetischen Selbstinszenierung beider Künstler
  • Kritische Reflexion über Authentizität versus Selbstdarstellung

Auszug aus dem Buch

3.1.4 Widerspruch zwischen Sein und Schein

Die übertriebene Selbstinszenierung führt aber auch seitens der eigenen Kommunenmitglieder immer wieder zu harscher Kritik. So entzünt sich Arthur Roessler, zu diesem Zeitpunkt noch „Jünger“ Diefenbachs, 1895 in einem Brief an die Eltern:

„Er schauspielert in vollkom[m]ener Weise. Besuchern erklärt er [...] mit röchelnder Stimme und zuckendem Antlitz das [sic] er dieses Gemälde [...] schmerzbebenden Leibes u. zitternden Händen geschaffen, u. mit welch unsäglichen Qualen er die technischen Feinheiten hineingebracht. - Während dasselbe Bild von Kupka angefangen und von Maixner fast vollendet wurde.“

Roessler nimmt hier Stellung in Bezug auf die Tatsache, dass Diefenbach, der aufgrund einer krankheitsbedingten Lähmung im rechten Arm stark eingeschränkt ist, bei seinen Arbeiten in der Regel auf künstlerische Unterstützung durch andere angewiesen ist. So entsteht beispielsweise auch sein bekanntestes Bild, das Fries „Per aspera ad astra“ (Abb.7) überwiegend aus Fidus’ Hand. Daher finden sich auch in der Kunstgeschichte oftmals Quellen, die Fidus den Künstler des Fries’ angeben. Dass Diefenbach dies scheinbar versucht herunterzuspielen, um sein eigenes Image hervorzuheben, lässt stark an seiner Glaubwürdigkeit zweifeln.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik der Künstler-Propheten im Zeitraum zwischen dem späten 19. und 20. Jahrhundert ein und umreißt das Ziel der Arbeit, Diefenbach und Beuys vergleichend zu betrachten.

2 Künstlerreformbewegung im 19. und 20. Jahrhundert in Deutschland.: Das Kapitel definiert den Begriff des Propheten im künstlerischen Kontext und ordnet die sozioökonomischen Hintergründe der ersten Generation von Künstler-Propheten ein.

3 Repräsentative Künstlerpropheten zweier Generationen: Der Hauptteil analysiert die Lebensläufe, Lehren und Selbstinszenierungen von Diefenbach und Beuys sowie deren jeweilige künstlerische Praktiken und Widersprüche.

3.1 Karl Wilhelm Diefenbach: Dieses Kapitel widmet sich der Person Diefenbachs und seinen Bestrebungen als Naturapostel sowie der kritischen Hinterfragung seiner Authentizität.

3.1.1 Prinzipien der natürlichen Lebensweise: Hier werden Diefenbachs Ansätze zur Lebensreform, insbesondere die Abkehr von gesellschaftlichen Normen hin zu einem Leben in der Natur, erläutert.

3.1.2 Malerei als Mittel zum Zweck: Das Kapitel beleuchtet, wie Diefenbach die Malerei weniger als rein ästhetisches Handwerk, sondern als Instrument zur Verbreitung seiner weltanschaulichen Lehren einsetzte.

3.1.3 Inszenierung als Prophet: Untersuchung der gezielten Selbststilisierung Diefenbachs als messianische Figur und der damit einhergehenden Verehrung durch seine Anhängerschaft.

3.1.4 Widerspruch zwischen Sein und Schein: Kritische Beleuchtung der Diskrepanz zwischen Diefenbachs gepredigter Lebensweise und seinem tatsächlichen Verhalten, einschließlich der Inanspruchnahme fremder künstlerischer Hilfe.

3.2 Joseph Beuys: Dieses Kapitel analysiert Beuys' Rolle als Künstler-Reformer der Nachkriegszeit und seine Anlehnung an frühere Konzepte.

3.2.1 „Tatarenlegende“ als künstlerische Basis: Analyse des Mythos um Beuys' Kriegserlebnis und dessen Funktion für seine künstlerische Identitätsstiftung.

3.2.2 Der erweiterte Kunstbegriff: Erläuterung der Theorie der „sozialen Plastik“ und Beuys' Bestreben, gesellschaftliche Prozesse künstlerisch zu gestalten.

3.2.3 Öffentlichkeit durch Provokation: Betrachtung von Beuys' Wirken innerhalb der Fluxus-Bewegung und seiner Nutzung von Skandalen als Medium.

3.2.4 Beuys: Nachfolger Diefenbachs: Untersuchung der bewussten Anknüpfung von Beuys an die Tradition des Künstler-Propheten, insbesondere durch visuelle Referenzen auf Diefenbach.

4 Nachruhm oder Vergessenheit: Abschließende Betrachtung, warum das Werk beider Akteure trotz ihrer einstigen Ambitionen teilweise in Vergessenheit geriet oder neu bewertet wurde.

Schlüsselwörter

Künstler-Prophet, Künstler-Reformer, Karl Wilhelm Diefenbach, Joseph Beuys, Lebensreform, Soziale Plastik, Tatarenlegende, erweiterter Kunstbegriff, Selbstinszenierung, Fluxus-Bewegung, Mythos, Prophetentum, Künstlerleben, Gesellschaftskritik, Authentizität

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die historische Rolle von sogenannten Künstler-Propheten in Deutschland, wobei die Verbindungslinien zwischen der Lebensreformbewegung des 19. Jahrhunderts und dem Schaffen von Joseph Beuys im 20. Jahrhundert im Mittelpunkt stehen.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Zentrale Themen sind die religiöse Überhöhung des Künstlers, die utopischen Ziele einer Gesellschaftsreform durch Kunst, die Diskrepanz zwischen öffentlicher Inszenierung und privatem Handeln sowie die Wirkungsmacht von Mythenbildung.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Diefenbach und Beuys ihre Rolle als Propheten konstruierten, warum sie diese Rolle wählten und inwieweit ihr künstlerisches Wirken tatsächlich zu den angestrebten gesellschaftlichen Reformen beitragen konnte.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Arbeit nutzt eine kunsthistorische und bildwissenschaftliche Analyse, gestützt auf eine Auswertung von Primärquellen, zeitgenössischen Berichten und wissenschaftlicher Fachliteratur.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Auseinandersetzung mit Karl Wilhelm Diefenbachs Lebenswelt und Lehren sowie eine anschließende Analyse von Joseph Beuys' Konzepten, wie der "sozialen Plastik" und der "Tatarenlegende".

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Künstler-Prophet, Lebensreform, Soziale Plastik, erweiterter Kunstbegriff und die spezifischen Eigennamen Diefenbach und Beuys charakterisiert.

Inwiefern hat die "Tatarenlegende" Joseph Beuys' Ruf beeinflusst?

Die Legende diente Beuys als mythisches Fundament für sein Selbstbild als messianischer Künstler, wobei die Arbeit kritisch beleuchtet, dass die historische Belegbarkeit dieser Ereignisse kaum gegeben ist.

Was zeigt der Vergleich zwischen Diefenbach und Beuys auf?

Der Vergleich macht deutlich, dass trotz unterschiedlicher Zeitkontexte beide Künstler auf ähnliche Mechanismen der Selbstinszenierung und der Bildung eines elitären Jüngerkreises zurückgriffen, um ihre prophetische Aura zu legitimieren.

Wie bewertet die Autorin die Rolle der Provokation bei Beuys?

Die Autorin stellt dar, dass Provokation für Beuys ein bewusstes Werkzeug war, um Aufmerksamkeit für seine Konzepte zu generieren, sieht darin aber auch eine gefährliche Nähe zur reinen Effekthascherei auf Kosten der inhaltlichen Glaubwürdigkeit.

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Details

Title
Von Diefenbach bis Beuys. Der Künstler als Reformer und Prophet
College
University of Passau
Course
Genie und Handwerk: Mythos und Kult, Selbstbild und Rollen des Künstlers
Grade
1,30
Author
Christina Haupt (Author)
Publication Year
2015
Pages
33
Catalog Number
V369690
ISBN (eBook)
9783668474178
ISBN (Book)
9783668474185
Language
German
Tags
Künstlerprophet Diefenbach Beuys Reformer Legenden Kritik
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Christina Haupt (Author), 2015, Von Diefenbach bis Beuys. Der Künstler als Reformer und Prophet, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/369690
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