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Motive des Populismus in modernen Massendemokratien. Wenn Argumente scheitern

Titel: Motive des Populismus in modernen Massendemokratien. Wenn Argumente scheitern

Essay , 2017 , 17 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Benjamin Baumann (Autor:in)

Ethik
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Freiheitsstreben des Einzelnen und Steuerbarkeit von Großkollektiven - wie wird diese Spannung von Liberalismus und Demokratie politisch verklammert? Welche Funktion und Form haben gesellschaftliche Debatten? Gegen welche Formen der Autorität wendet sich der gegenwärtige "Populismus"? Welche Autorität bildet er selbst ab? Und wie sehen mögliche Reaktionen aus? Der Essay sucht demokratiekritisch nach den Motiven des Populismus in der Gegenwart. Und wird dabei nicht nur an den politischen Rändern fündig.

Ausgehend von der Überzeugung, dass moderne Massendemokratien die in ihr wirkenden Kraftpole liberal-individuellen Freiheitsstrebens einerseits und sozial-politischem Vergesellschaftungsbemühen andererseits nur als massenmedial inszenierte Stresskommunen verklammern können1, geben wir gegenwärtig Zeugnis einer neuen Erregungswelle, die sowohl die Feuilletons aller Tageszeitungen als auch die Podien öffentlich-rechtlicher Talkshowangebote überschwemmt.

Sie spült unter dem Namen Populismus selbst die hartgesottensten Liberalen weich, die sich um die Zukunft der Demokratie zu sorgen beginnen, wo Populisten das Wort ergreifen und Ausschnitte der nationalen Bevölkerungen als einmütige Hörerschar um sich versammeln, die ihrem jeweiligen Anspruch Ausdruck verleihen, das Volk zu sein. Definitionsversuche einigen sich darauf, populistische Merkmale zusammenzutragen, die vor allem auf die bereits gut untersuchten Phänomene wie die PEGIDA-Demonstrationen in Dresden zutreffen aber auch mit den inhaltlichen Statements populistischer Führungspersönlichkeiten übereinstimmen, die in Form von Björn Höcke, Marine Le Pen oder Donald Trump zuletzt häufiger Eingang in den medialen Mainstream fanden.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. …das Gespenst des Populismus

2. Erstes Motiv: Die Funktion von Debatten in Massendemokratien

3. Zweites Motiv: Zur Ideologie des Rationalismus

4. Drittes Motiv: Zur Autorität von Argumenten

5. Wege: Solidarität statt Objektivität

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen des Populismus, insbesondere im Kontext von Bewegungen wie PEGIDA, und hinterfragt die demokratische Debattenkultur. Ziel ist es zu analysieren, warum das Streben nach Objektivität und rationalistischen Argumenten in modernen Massendemokratien zunehmend zu Entfremdung und populistischen Gegenreaktionen führt, anstatt integrativ zu wirken.

  • Analyse populistischer Merkmale und der Rhetorik zwischen "Elite" und "Volk"
  • Untersuchung der Funktion von Debatten in der modernen Massendemokratie
  • Kritische Reflexion des objektivistischen Rationalismus und seiner Grenzen
  • Verständnis von Autorität als relationaler Anerkennungsprozess
  • Plädoyer für eine Abkehr von der Objektivitätsfixierung zugunsten solidarischen Handelns

Auszug aus dem Buch

1. …das Gespenst des Populismus

Ausgehend von der Überzeugung, dass moderne Massendemokratien die in ihr wirkenden Kraftpole liberal-individuellen Freiheitsstrebens einerseits und sozial-politischem Vergesellschaftungsbemühen andererseits nur als massenmedial inszenierte Stresskommunen verklammern können1, geben wir gegenwärtig Zeugnis einer neuen Erregungswelle, die sowohl die Feuilletons aller Tageszeitungen als auch die Podien öffentlich-rechtlicher Talkshowangebote überschwemmt. Sie spült unter dem Namen Populismus selbst die hartgesottensten Liberalen weich, die sich um die Zukunft der Demokratie zu sorgen beginnen, wo Populisten das Wort ergreifen und Ausschnitte der nationalen Bevölkerungen als einmütige Hörerschar um sich versammeln, die ihrem jeweiligen Anspruch Ausdruck verleihen, das Volk zu sein.

Definitionsversuche einigen sich darauf, populistische Merkmale zusammenzutragen, die vor allem auf die bereits gut untersuchten Phänomene wie die PEGIDA-Demonstrationen in Dresden zutreffen aber auch mit den inhaltlichen Statements populistischer Führungspersönlichkeiten übereinstimmen, die in Form von Björn Höcke, Marine Le Pen oder Donald Trump zuletzt häufiger Eingang in den medialen Mainstream fanden. Gleich, »ob Populismus dabei als eine Ideologie, eine Mentalität oder eine Strategie zum Erwerb, zur Ausübung und zum Erhalt von Macht begriffen wird«, die zentrale rhetorische Figur populistischer Rede bildet die »Unterscheidung von „Elite“ und „Volk“ als zwei homogene und antagonistische Gruppen« (Vorländer u.a. 2016, 124f.).

Während andere Hinweise auf die Dimensionen des Populismus - etwa auf den Gestus chronischer Entrüstung, die Nutzung positiver wie negativer Schlagzeilen im Kampf um Aufmerksamkeit oder das Auftreten charismatischer Führungsfiguren (nach Holtmann u.a. 2006, 31f.) - geeignet sind, auch auf Regierungs-oder Oppositionsvertreter jeder demokratischen Partei übertragbar zu sein, ergibt sich aus der vehementen Unterscheidung eines wahren Volkes, das sich als Kollektivsubjekt demonstrativ selbst vertritt, und einer durch volksferne Interessen korrumpierten Regierungselite ein härteres Kriterium zur Definition populistischen Selbst-u. Weltverständnisses.

Zusammenfassung der Kapitel

1. …das Gespenst des Populismus: Dieses Kapitel führt in das Phänomen des Populismus ein, beleuchtet die aktuelle Erregungswelle in Massendemokratien und definiert die zentrale rhetorische Unterscheidung zwischen "Elite" und "Volk".

2. Erstes Motiv: Die Funktion von Debatten in Massendemokratien: Hier werden die Motive der PEGIDA-Anhänger analysiert, wobei eine fundamentale Unzufriedenheit mit der demokratischen Praxis trotz grundsätzlicher Zustimmung zum Prinzip der Demokratie im Vordergrund steht.

3. Zweites Motiv: Zur Ideologie des Rationalismus: Dieses Kapitel kritisiert den objektivistischen Rationalismus in der Debattenpraxis, der versucht, divergierende Weltanschauungen durch universelle Argumentationsregeln zu harmonisieren, was zu Entfremdung führt.

4. Drittes Motiv: Zur Autorität von Argumenten: Der Fokus liegt hier auf der Definition von Autorität als relationales Anerkennungsgeschehen, das durch das Hinterfragen szientistischer Argumentationen von oben neu verhandelt wird.

5. Wege: Solidarität statt Objektivität: Das abschließende Kapitel schlägt einen Paradigmenwechsel von der Fixierung auf Objektivität hin zu einem solidarischen Miteinander vor, um den Herausforderungen einer pluralistischen Gesellschaft gerecht zu werden.

Schlüsselwörter

Populismus, Massendemokratie, PEGIDA, Rationalismus, Debattenkultur, Elite, Volk, Objektivität, Solidarität, Autorität, Anerkennungsprozess, politische Entfremdung, Weltanschauung, Diskursethik, Angewandte Ethik

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht die Ursachen des zeitgenössischen Populismus im Kontext moderner Massendemokratien und kritisiert die etablierte politische Debattenkultur.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Die Themenfelder umfassen die Entstehung populistischer Bewegungen, die Funktion von Diskursen, die Grenzen rationalistischer Argumentationslogiken sowie die philosophischen Konzepte von Autorität und Solidarität.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, ein besseres Verständnis für die Entfremdungsprozesse zwischen Bürgern und politischen Eliten zu entwickeln und Alternativen zur aktuell praktizierten, oft objektivistisch geprägten Debattenkultur aufzuzeigen.

Welche wissenschaftlichen Perspektiven kommen zum Einsatz?

Der Autor nutzt vor allem sozialphilosophische Ansätze, insbesondere die Pragmatistische Ethik und die politische Theorie von Denkern wie Richard Rorty und Peter Sloterdijk, um die Dynamiken politischer Konflikte zu analysieren.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert die drei Motive für Populismus: die Entfremdung von demokratischer Praxis, die Ideologie des Rationalismus und die falsche Autorität von Argumenten, illustriert am Beispiel von PEGIDA und dem Karikaturenstreit.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?

Die zentralen Charakteristika sind Populismus, Solidarität versus Objektivität, der Konflikt zwischen "Elite" und "Volk" sowie der Bedarf nach einer verantwortungsethischen, hermeneutischen Aufklärung von Konflikten.

Warum wird die Rolle des "Objektivismus" so kritisch hinterfragt?

Der Autor argumentiert, dass der Versuch, politische Konflikte rein durch ein Paradigma der Objektivität zu lösen, die Lebenswelt der Menschen ignoriert, Assimilation erzwingt und somit erst recht populistische Gegenreaktionen provoziert.

Welche Rolle spielt die Anerkennung bei der Autorität?

Autorität wird nicht als Eigenschaft eines Arguments oder einer Person definiert, sondern als relationaler Prozess: Sie entsteht erst, wenn ein Rezipient die Botschaft als Imperativ anerkennt und befolgt.

Wie lautet der Lösungsvorschlag des Autors?

Anstatt weiter auf einer (vermeintlich) objektiven Wahrheit zu beharren, sollte die normative Sprachpraxis auf Solidarität umgestellt werden, bei der im Anderen ein moralisches Subjekt anerkannt wird, ohne ein einheitliches Weltbild zu erzwingen.

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Details

Titel
Motive des Populismus in modernen Massendemokratien. Wenn Argumente scheitern
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Note
1,0
Autor
Benjamin Baumann (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2017
Seiten
17
Katalognummer
V369708
ISBN (eBook)
9783668485624
ISBN (Buch)
9783668485631
Sprache
Deutsch
Schlagworte
motive populismus massendemokratien wenn argumente
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Benjamin Baumann (Autor:in), 2017, Motive des Populismus in modernen Massendemokratien. Wenn Argumente scheitern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/369708
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Leseprobe aus  17  Seiten
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