Phraseologismen aus kontrastiver Sicht. Das Sprachenpaar Deutsch-Griechisch


Seminararbeit, 2017

29 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einführung

2 Grundbegriffe der Phraseologie
2.1 Polylexikalität
2.2 Festigkeit
2.3 Semantische Aspekte
2.3.1 Idiomatizität
2.3.2 Lesarten

3 Zur Klassifikation von Phraseologismen
3.1 Basisklassifikation
3.2 Spezielle Klassen

4 Die kontrastive Phraseologie
4.1 Kriterien des interlingualen Vergleichs/ Schwierigkeiten
4.2 Das Äquivalenzmodell und die Äquivalenztypen

5 Untersuchung einer phraseologischen Teilklasse
5.1 Analyse der Phraseologismen
5.2 Interlingualer Vergleich Deutsch-Griechisch
5.3 Quant2itative Aspekte

6 Schlusswort

Literaturverzeichnis

Anhang

1 Einführung

„Etwas zur Diskussion/ Debatte stellen“, „sich aus dem Staub machen“, „Kohldampf schieben“, „stark wie ein Bär/ Löwe“ … Unsere Sprache enthält eine Vielfalt von Phraseologismen, die wir im alltäglichen Leben benutzen. Die vorliegende Seminararbeit handelt sich um das Thema „Phraseologismen aus kontrastiver Sicht: das Sprachenpaar Deutsch-Griechisch“.

Den theoretischen Teil meiner Arbeit widme ich den theoretischen Grundlagen von Phraseologie. Zuerst werde ich im Kapitel 2 die Grundbegriffe der Phraseologie (Festigkeit, Idiomatizität, Polylexikalität) analysieren. Darüber hinaus werde ich im Kapitel 3 die Basisklassifikation und die speziellen Klassen von Phraseologismen nach Burger darstellen. Zusätzlich werden im Kapitel 4 der Begriff „kontrastive Phraseologie“, die Kriterien des interlingualen Vergleichs und das Äquivalenzmodell- Äquivalenztypen analysiert.

Schließlich habe ich im praktischen Teil meiner Arbeit zehn Phraseologismen ausgewählt, die mit der Kategorie „Bewegung“ zu tun haben, die ich untersuchen werde und dann werde ich sie mit den äquivalenten griechischen Phraseologismen vergleichen.

2 Grundbegriffe der Phraseologie

Ein großer Anteil der Texte, mit denen wir jeden Tag in Berührung kommen, enthalten eine Vielfalt von Ausdrücken, die aus mehr als einem Wort bestehen. Diese Wörter, die eine Einheit bilden, haben zusammen eine Gesamtbedeutung, die unterschiedlich von der Bedeutung der Einzelelemente ist. Ausdrücken, die diesen Eigenschaften tragen, nennen wir Phraseologismen und der Teildisziplin der Linguistik, die sich mit Phraseologismen zu tun hat, heißt Phraseologie. Einige Beispiele von Phraseologismen sind die folgende: „das rote Kreuz“, „Kohldampf schieben“, „Haare auf den Zähnen haben“, „jmdm. Vergeht Hören und Sehen“, „jmdm. Auf dem Kieker haben“, „die Kirche im Dorf lassen“, „klipp und klar“ „jmdm. über den Mund fahren“ usw .

Von Phraseologie im weiteren Sinne sprechen wir, wenn eine Menge von Redewendungen, die folgenden zwei Eigenschaften aufweisen. Diese Eigenschaften sind Polylexikalität und Festigkeit. Darüber hinaus sprechen wir von Phraseologie im engeren Sinne, wenn zu diesen zwei Eigenschaften noch eine dritte hinzukommt und diese ist die Idiomatizität (Burger 2003: 14-15). Diese Begriffe werden in den folgenden Kapiteln weiter analysiert.

2.1 Polylexikalität

Polylexikalität ist ein der wichtigsten Merkmale der Phraseologie und ein Begriff, der, welche die Unterschiede zwischen einer phraseologischen Einheit und einem Wort, klarmacht. Es ist festzustellen, dass Sprachwissenschaftler Phraseologismen als Bildungen betrachten, die aus Lexemen bestehen. (ČERNYSEVA 1984) „Als Definitionskriterum erlaubt sie, phraseologische Einheiten von Formen abzugrenzen, die Worbildungsprozesse durchlaufen haben“ (Chrissou 2000: 37).

Als obere Grenze phraseologischer Wortverbindungen gilt der Satz. Es gibt kleine Texte, wie beispielweise Gedichte, die einen Status vergleichbar zu den Phraseologismen haben können, wenn sie zum Sprachbesitz von Gruppen und ganzer Generationen gehören. (Burger 2003: 15) Zum Beispiel: „Man lebt nur einmal“, „Was sein muss, muss sein“. Auf der anderen Seite gilt als Minimalstruktur eines Phraseologismus die Kombination von zwei Wörtern, die zusammen eine Einheit bilden. Zum Beispiel: „auf Anhieb“, „Kohldampf schieben“. (Kahl 2015: 26)

2.2 Festigkeit

Zweites Kriterium zur Bestimmung der Phraseme ist die „Stabilität“ oder auch „Festigkeit“. „Stabilität gilt als strukturelles Korrelat zur Idiomatizität“ (Chrissou 2000:30). Im Vergleich zu der syntaktischen Wortverbindung gibt es in der Regel engere Grenzen im Austausch der Phraseologischen Komponenten und in den meisten Fällen ist ein solcher Austausch unmöglich. (Fleischer 1982: 41)

„Es liegt eine lexikalisch-semantische Stabilität vor. Die Gesamtbedeutung des Phraseologismus ist an die Kombination einzelner konkreter lexikalischer Elemente gebunden und hat in dieser Hinsicht keinen Modellcharakter.“ (Ebd)

Zum Beispiel bei der Redewendung „reden wie ein Wasserfall“ kann man nicht das Wort „Wasserfall“ mit dem Wort „Kaskade“, das die gleiche Bedeutung hat, austauschen. Das gilt, weil diese Phraseologismen in einem synchronen Sprachquerschnitt „gebräuchlich“ sind. Man kennt ein Phraseologismus, wie man jedes Wort kennt, und dass er „gebräuchlich“ ist wie ein Wort. Also wenn man eine Redewendung hört, versteht er sie unmittelbar auf der phraseologischen Bedeutung. (Burger 2003: 16).

Zusätzlich gibt es Wörter, in denen auch der Ersatz von ihren Synonymen nicht möglich ist. Diese Wörter heißen unikale Komponenten und sie sind Wörter, deren Formativ außerhalb des Phraseologismus überhaupt nicht vorkommt. (Fleischer 1982: 42) Beispiele von unikalen Komponenten sind die folgenden:

Substantive: Fersengeld geben“, „im Brustton der Übersetzung“, „auf dem Kien sein“, „auf dem Kriegsfuß leben/stehen“, „ Reißaus nehmen“, „fröhliche Urständ feiern“, „in jemandes Beisein “, „in Betracht kommen“, „in Betracht ziehen“ (Ebd: 42-43)

Adjektive/Adverbien: abhanden gehen/kommen“, „ frank und frei“, „ein gordischer Knoten“, „gang und gäbe sein“ (Ebd: 43,44)

Verben: „eine Scharte/ Niederlage auswetzen “, „jmdn. Über den Löffel balbieren / barbieren “, „wie er leibt und lebt“ (Ebd: 44)

Fremdsprachige Kombinationen von Wörtern: ad obsurdum führen“, „ganz down sein“, „jmdn./ einer Sache Paroli bieten“ (Ebd: 45)

Die meisten unikalen Komponenten in der griechischen Sprache stammt auf das Altgriechische. Beispiele von diesen unikalen Komponenten sind: „ του κάκου “, das „ vergeblich “ bedeutet, „ παίρνω κάτι τοις μετρητοίς “, das „etwas zu ernst nehmen“ bedeutet, „ τα δούναι και τα λαβείν “, für „Umgang, Transaktion, geschäftliche Beziehung“ und „ είμαι πυρ και μανία “ für „aufgebraucht sein“, (Chrissou 2000: 31)

„Vorstehend ist die lexikalische und morphologische Anomalie von Phraseologismen als ein Aspekt ihrer Stabilität zur Sprache gekommen. Diese Stabilität ist aber auch syntaktisch-struktureller Art, und zwar in verschiedener Hinsicht.“ (Fleischer 1982: 52) Was dieser syntaktisch-strukturellen Stabilität betrifft, gibt es auch ein Faktor, der „Transformationelle Defektivität“ heißt. „Unter transformationeller Defektivität wird der Sachverhalt verstanden, dass Phraseologismen Restriktionen der Transformation, Expansion und Reduktion unterliegen“. (Ebd: 54) Hier seien nach Fleischer einige davon exemplarisch erwähnt:

Die Möglichkeit der Passivtransformation ist begrenzt, z.B „Susanne stellte einen schönen Gruppenabend auf die Beine“. „Von Susanne wurde ein schöner Gruppenabend auf die Beine gebracht“ sowie auch die Relativsatz-Transformation, z.B. „Der Korb, den er mir gegeben hat, macht mir weiter keine Probleme “.

Zusätzlich sind Phraseologismen, die durch Attribute erweitert werden, z.B. „ Ich werde mich auf das rechte Ohr hauen “ (sich auf das Ohr hauen), oder nominalisiert werden, z.B. „ das Schieben des Kohldampfes “ (Kohldampf schieben), unakzeptabel.

Darüber hinaus sind Ergänzungsfragen, die zur Isolierung einer Komponente des Phraseologismus führen, auch nicht akzeptabel. Beispielweise: „Auf welchem Fleck hat er den Mund?“ (den Mund auf dem rechten Fleck haben). Zu absurden Konstruktionen führt die Kontrastierung oder Hervorhebung einer Komponente, z.B. „Du wirst sowohl die Katze als auch den Vogel im Sack kaufen“, „Du kannst dir nur entweder graue Haare wachsen lassen oder gar keine“. Ebenfalls sind phraseologische Reduktionen nicht weiteres möglich und Indiz für deren Stabilität. z.B. phraseologisch: „Er schlägt aus der Art“ – Reduktion: „Er schlägt“. Zeugmatische Beziehungen von verbaler Komponenten, die ein wendungsexternen Substantiv haben, wirken häufig befremdlich, z.B: „Er ist bei seiner Mutter ins Zimmer und ins Fettnäpfchen getreten.“ (Ebd 1982: 54-62)

Außerdem gibt es Anomalien in der syntaktischen Struktur der Komponenten. Dazu zählen der unflektierte Gebrauch des attributiven Adjektivs : z.B: „eitel Freude/ Glück“, die adverbiale Genitiv und Genitivskonstruktion als Objekt: z.B: „guter Dinge sein“, die Voranstellung des attributiven Genitivs: z.B: „auf des Messers Schneide stehen “, die sonstige Rektionsanomalien: z.B: „jmdn. Lügen strafen “, Anomalien im Artikelgebrauch: z.B: „ vor Ort “ oder im Gebrauch von Präpositionen: z.B: „jmd. / etwas ist nicht (so ganz) ohne“ und Anomalien im Gebrauch von Pronomina: z.B : „es leicht/ schwer/ gut/ schlecht haben“. (Ebd 1982: 52-53)

2.3 Semantische Aspekte

2.3.1 Idiomatizität

Drittes und sehr wichtiges Kriterium der Bestimmung von Phraseologismen ist ihre Idiomatizität. Dieser Begriff „umfasst einerseits die strukturellen Anomalien, die einen Aspekt der „Festigkeit“ ausmache, andererseits die spezifisch semantischen Besonderheiten, die viele Phraseologismen von freien Wortverbindungen abheben“ (Burger 2003: 31). Weil die Idiomatizität ein sehr verbreiteter Begriff ist, werde ich in meiner Arbeit hauptsächlich, wenn die Phraseologismen voll-, teil-, oder nullidiomatisch sind, erwähnen.

Eine Redewendung ist vollidiomatisch im semantischen Sinn, wenn es überhaupt kein Zusammenhang zwischen phraseologischer und wörtlicher Bedeutung gibt. Das bedeutet, dass zum beispielweise ein Phraseologismus wie „ Kohldampf schieben “ bedeutet: „Hunger haben; großen Appetit haben “. Hier handelt es sich um einen vollidiomatischen Phraseologismus, als diese zwei Bedeutungen sich völlig unterscheiden. Hier sprechen wir auch über einen sehr stark idiomatischen Phraseologismus, als „je stärker die Diskrepanz zwischen diesen beiden Bedeutungsebenen ist, umso stärker idiomatisch ist ein Phraseologismus“. (Ebd) Ein anderer Grund, dass dieser Phraseologismus sehr stark idiomatisch ist, ist dass er eine „unikale Komponente“ ist.[1]

Zudem ist teilidiomatisch ein Phraseologismus wie „auf der Bildfläche erscheinen“, das „plötzlich erscheinen“ bedeutet. Das ist so, weil das Wort „erscheinen“ seine freie Bedeutung beibehält, während die Komponente „auf der Bildfläche“ idiomatisch sind. Also teilidiomatisch sind diese Phraseologismen mit einer solcher semantischen Struktur.

Schließlich sind nullidiomatisch diese Phraseologismen, die keinen semantischen Unterschied zwischen phraseologischer und wörtlicher Bedeutung haben. Zum Beispiel ist eine Phrase wie „sich die Zähne putzen“ nullidiomatisch. (Ebd: 31-32)

2.3.2 Lesarten

Ein sehr wichtiger Begriff, mit der die „Phraseologie“ beschäftigt, ist die Lesarten.

„Einer bestimmten Wortverbindung (Zeichenkette) können zwei Bedeutungen zugewiesen werden. Da es sich bei dieser Zuweisung um die Aktivität des Sprachbenutzers bei der Produktion bzw. der Rezeption von Texten handelt, führen wie hier den Begriff der Lesart für die möglichen semantischen Realisationen einer bestimmten Wortverbindung ein.“ (Burger 20003: 59)

Zuerst gibt es Phraseologismen, die nur eine Lesart haben. Beispielweise: „ gang und gäbe sein “, „ Dank sagen “, „ klipp und klar “. Der zweite Phraseologismus „Dank sagen“ hat keine Phraseologische Bedeutung aber nur eine wörtliche Bedeutung. Die andere zwei Phraseologismen sind Unikale Komponenten und haben nur eine phraseologische Bedeutung. (Ebd:59) „Wir sagen, diese Wendungen sind übertragen, idiomatisiert. Sie haben eine idiomatische Bedeutung. Diejenigen Idiome mit unikalen Komponenten haben nur eine phraseologische Bedeutung“ (Lapinskas 2013: 73-74)

Zusätzlich gibt es Phraseologismen, die zwei Lesarten haben. Diese Phraseologismen werden nach Burger weiter kategorisiert. Es gibt Redewendungen mit zwei Lesarten, die sich disjunktiv zueinander verhalten, z.B: „ jmdm. einen Korb geben “, „ in die Röhre gucken “ (Homonymie), „das fünfte Rad am Wagen“ (metaphorischer Zusammenhang zwischen wörtlicher und phraseologischer Lesart) und „ jmdm. Feuer unter dem Hintern machen “ (metaphorischer Zusammenhang, wobei aber die wörtliche Lesart sehr unwahrscheinlich ist).

Darüber hinaus gibt es eine Gruppe von Phraseologismen, die zwei Lesarten ermöglichen und simultan realisiert werden: z.B: „ die Achseln zucken “ und ein gemischter Typ, wo es partiell zwei oder eine Lesart gibt. z.B: „ vom Fleck weg heiraten “ (vom Fleck weg zwei Lesarten, heiraten 1 Lesart, und zwar die freie Bedeutung des Lexems) (Burger 2003: 59)

3 Zur Klassifikation von Phraseologismen

Im folgenden Kapitel wird die phraseologische Basisklassifikation nach Burger, sowie einige Beispiele für jede Klasse von Redewendungen dargestellt. Zusätzlich gibt esspezielle Klassen von Phraseologismen, die auch anschließend analysiert werden.

3.1 Basisklassifikation

Burger verwendet für eine Gliederung des Gesamtbereichs der Phraseologie das Kriterium der Zeichenfunktion, die die Phraseologismen in der Kommunikation haben. Die erste Klasse von Phraseologismen heißt „ Referentielle Phraseologismen “, die sich auf Objekte, Vorgänge oder Sachverhalte der Wirklichkeit beziehen. z.B : „Morgenstund hat Gold in Mund“. Zweitens gibt es die „ Strukturellen Phraseologismen “, die die Funktion haben, Relationen herzustellen: z.B : „nicht nur-sondern auch“, „in Bezug auf“. Drittens haben die „ Kommunikative Phraseologismen “ mit kommunikativen Handlungen zu tun. z.B: „Guten Tag“, „Gute Nacht“.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Gemäß dem oberen Graphem ergibt innerhalb der referentiellen Phraseologismen eine semantische Zweiteilung. Einerseits gibt es die „ nominative “ Phraseologismen, die mit Objekte und Vorgänge zu tun haben und „ propositionale “ Phraseologismen, die als Aussagen über Objekte und Vorgänge fungieren. Darüber hinaus gibt eine zusätzliche syntaktische Zweiteilung: „ satzgliedwertige “ und „ satzwertige “ Phraseologismen. (auch „ textwertige “ bei größeren Einheiten)

Was der Kategorie der satzgliedwertigen/ nominativen Phraseologismen betrifft, gibt es eine andere Subklassifikation auf semantischer Ebene, die mit dem Idiomatizitätsgrad eines Phraseologismus zu tun hat. Also sprechen wir für die Klassen, die in folgenden Graphem dargestellt werden:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der Terminus für die idiomatischen Wortverbindungen ist „ Idiom “, für die Phraseologismen, die in semantischer Hinsicht als teil-idiomatisch auffassen sind, ist „ Teil-Idiom “ und der schließlich der Terminus „ Kollokation “ wendet sich an diesen Phraseologismen, die keinen idiomatischen Charakter haben.

Auch die satzwertigen/ propositionalen Phraseologismen kann man nach dem Kriterium der Idiomatizität gliedern und sie in zwei großen Gruppen klassifizieren. Diese Gruppen sind „ feste Phrasen “ und „ topische Formeln “:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

„Feste Phrasen sind satzwertige Formulierungen, die in der Regel explizit an den Kontext angeschlossen sind, entweder durch bereits verfestigte Komponenten oder auch durch ad hoc formulierte Elemente.“ (Burger 2003: 39) Beispielweise: „Das schlägt dem Faß den Boden aus“, „Das geht auf keine Kuhhaut“. Zusätzlich sind topische Formeln „satzwertige Formulierungen, die kein lexikalisches Element an den Kontext angeschlossen werden müssen. Sie bilden generalisierende Aussagen, die auch ohne Verankerung in einem spezifischen Kontext, einer spezifischen Situation verständlich sind“. (Ebd)

Schließlich gibt es zwei zusätzliche Hauptgruppen von topischen Formeln. Diese sind: „ Sprichwörter “, die geschlossene Sätze ohne Kontextanschluss sind, z.B: „ Morgenstund hat Gold im Mund “ und „ Gemeinplätze “, die Ähnlichkeiten zu Sprichwörtern aufweisen, aber keine „neuen“ Einsichten, sondern Selbstverständlichkeiten formulieren, z.B: „Was man hat, das hat man“, „Was sein muss, muss sein“ (Ebd: 40-41)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3.2 Spezielle Klassen

Außer der Basisklassifikation gibt es eine weitere Klassifikation. Es handelt sich um „Klassenbildungen, die unter einem speziellen Kriterium einzelne Gruppen herausgreifen“. (Ebd: 44) Diese Klassen sind:

Zuerst gibt es die sogenannte „ Modellbildungen “, die nach einem Strukturschema gebildet sind. Zum Beispiel gibt es die Modelle: „X um X“ und „von X zu X“. Beispiele für diese sind: „ Glas um Glas“, „Flasche um Flasche “ und „ von Stadt zu Stadt“, „von Frau zu Frau“. Zusätzlich sind „ Zwillingsformeln “ (oder „ Paarformeln “) zwei Wörter der gleichen Wortart, die miteinander mit einer Präposition oder mit einer Konjunktion verbunden sind. z.B: „klipp und klar“, „frank und frei“, „Schulter an Schulter“. (Ebd: 44-45)

Darüber hinaus haben „ Komparative Phraseologismen “ mit Vergleich zu tun. Beispiele von diesen Phraseologismen sind die folgenden: „frieren wie ein Schneider“, „flink wie ein Wiesel“, „sich benehmen wie ein Elefant im Porzellanladen“. Eine andere Klasse von Phraseologismen ist die „ Kinegramme “. Mit diesen wird nonverbales konventionalisiertes Verhalt sprachlich kodiert. z.B: „ die Achseln zucken“, „die Nase rümpfen“. „ Geflügelte Worte , die aus Filmern, literarischen Werken, der Werbung, und anderen Bereichen der Sprache stammen. z.B: „Sein oder nicht sein, das ist die Frage“, „Nicht immer, aber immer öfter“, „Veni vidi vici“. Zusätzlich sind die „ Autorphraseologismen “ Phraseologismen, die von literarischen Werken stammen und nur in diesen Werken ihren konkreten Sinn haben. z.B: „auf den Steinen sitzen“ in Th. Manns „Buddenbrooks“. (Ebd: 45-47)

Eine zusätzliche Klasse von Phraseologismen, die zu der Gruppe von „speziellen Klassen“ gehört ist die „ Onymische Phraseologismen “, die die Funktion von Eigenname haben. z.B: „Das Rote Kreuz“, „Der Ferne Osten“, „Das Weiße Haus“. Ferner gibt es die Klasse „ Phraseologische Termini “, die mit Termini zu tun haben, die zum Beispiel aus der juristischen Fachsprache oder aus der Wirtschaftssprache stammen. Beispiele sind: „rechtliches Gehör“, „einstweilige Verfügung“, „in Konkurs gehen“. Schließlich ist ein phraseologisches „ Klischees “ eine Redewendung, die mit Stereotype zu tun hat und Sachverhalte in ihrer Komplexität reduziert. z.B: das „einen Schritt in die richtige Richtung“ im folgenden Text: (Ebd: 47-50)

(…) Der FDP- Ehrenvorsitzende Oto Graf Lambsdorff sieht darin einen Schritt in die falsche Richtung. (…) Ernst Schwandhold, wirschaftspolitischer Sprecher der Spd-Bundestagsfraktion, sieht beispielweise „einen Schritt in die richtige Richtung“. (Badische Zeitung, 14. 3. 97)

4 Die kontrastive Phraseologie

„Der Teilbereich der Phraseologie, der sich Fragen des Sprachvergleichs zuwendet ist bekannt als kontrastive bzw. konfrontative Phraseologie. Kontrastive Untersuchungen reichen von Vergleich einzelner Phraseologismen (induktives Verfahren) oder phraseologischer Herkunftsbereiche (z.B: der biblischen Phraseologismen) bis zum Vergleich phraseologischer Sachgruppen (z.B: der somatischen Phraseologismen) oder struktureller Typen (z.B: der komparativen Phraseologismen).“ (Vgl. nach Földes 1996: 19, zit. in Chrissou 2000: 77-78) In diesem Kapitel werde ich zuerst die Kriterien des interlingualen Vergleichs darstellen. Jedoch ist der Teil dieses Kapitels, der uns betrifft, die Schwierigkeiten bei der Äquivalenzherstellung, die z.B. die Komplexität der Phraseologismen verursacht. Zusätzlich werde ich die Äquivalenztypen mithilfe von dem folgenden Äquivalenzmodell analysieren.

4.1 Kriterien des interlingualen Vergleichs/ Schwierigkeiten

Die Kriterien des interlingualen Vergleichs sind die denotative und wörtliche Bedeutung, der Stilwert und die Struktur der Phraseologismen. Zuerst ist die denotative Bedeutung eines Phraseologismus eine der wichtigsten Voraussetzungen des interlingualen Vergleichs. Jedoch erschwert die Komplexität der Bedeutung den Prozess des Vergleichs von Redewendungen zwischen den Sprachen. Mithilfe von Beispielen werde ich einige von diesen Schwierigkeiten darstellen.

Die erste Asymmetrie die den Vergleich erschwert ist die Ungleichheit des Bedeutungsumfangs. z.B.: „der deutsche Phraseologismus „ den Krebsgang gehen / nehmen “ zwei Sememe auf „Rückschritte machen / sich verschlechtern“ und „rückwärts gehen“, während sein neugriechisches Pendant „ περπατώ σαν τον κάβουρα “ lediglich die zweite Bedeutungskomponente mit ihm teilt.“ Zusätzlich ist die Polysemie eine häufige Asymmetrie, was die Phraseologismen betrifft. z.B: „Eine asymmetrische Beziehung besteht zwischen den Einheiten „(πηγαίνω) σαν πρόβατο στην σφαγή “ <wörtl. wie ein Lamm zum Schlachten> und sich wie ein Lamm zur Schlachtbank führen lassen. Neben der Bedeutung „etw. ergeben, geduldig, ohne Gegenwehr hinnehmen“, welche beide Wendungen aufweisen, besitzt die griechische Einheit die Bedeutungskomponente „schweren Gemüts sein“, das sie mit dem monosemen deutschen Phraseologismus nicht teilt.“ (Chrissou 2000: 124-125)

Eine andere Schwierigkeit bei der Äquivalenzherstellung ist die distributionelle Unterschiede, wenn sich die Bedeutung von einem Phraseologismus in der Ausgangsprache und in der Zielsprache unterscheidet. Beispielweise bedeutet der griechische Phraseologismus „ κοιμάμαι σαν το βόδι / μοσχάρι / ζώο “ „sehr viel schlafen“ im Vergleich zu dem deutschen Phraseologismus „ schlafen wie ein Murmeltier/ Bär/ Dachs/ eine Ratte “, das „sehr tief und fest schlafen“ bedeutet. Also gibt hier eine semantische Asymmetrie, weil dieser Phraseologismus im Griechischen mit Quantität zu tun hat, im Vergleich zur deutschen Redewendung, die die Qualität des Schlafs betrifft. (Ebd)

Schwierigkeiten ergeben sich auch in der wörtlichen Bedeutung von Phraseologismen. Beispielweise gibt es Phraseologismen, wo es sehr schwer ist eine wörtliche Bedeutung zu beschreiben. Einige von diesen Phraseologismen sind die folgende: „ jmdm. einen Bären aufbinden“, „an jmdm. einen Affen gefressen haben“, „keinen Bock auf etwas haben“, „ κάνω κάποιον άλογο ( στο ξύλο )“, „ τα φορτώνω στον κόκορα “. Zusätzlich gibt es das gleiche Problem in Redewendungen wie „Kohldampf schieben“, „Reißaus nehmen“, „Maulaffen feihalten“, „ αποδιοπομπαίος τράγος “, „ το δούναι και το λαβείν “, die aus unikalen Komponenten bestehen. Ferner erschwert diesen Prozess die Tatsache, dass einige Phraseologismen im Griechischen aus einer älteren Sprachform stammen. Beispielweise: „χωρίζω τους αμνούς από τα ερείφια“, „περί όνου σκιάς“, „μικρός/μεγάλος κύων“. Schließlich ist ein großes Problem, die siesen Prozess erschwert, die Form des Personalpronomens, die in vielen Fällen verwendet wird. z.B: „ τα κοπανάει “, „ την κοπανάει “. (Ebd: 128-129)

Was die Struktur der Phraseologismen betrifft, gibt es zuerst Unterschiede in der syntaktischen Funktion der Phraseologismen. „So ist das Äquivalent des deutschen kommunikativen Phraseologismus mit Satzstruktur da beißt sich die Katze in den Schwanz ein Phrasem in nominativer Funktion φαύλο κύκλο <wörtl. verdorbener bzw. elender Kreis>. Ein Strukturunterschied besteht überdies zwischen dem deutschen verbalen Phraseologismus ein Spatzenhirn haben und dem neugriechischen substantivischen Phraseologismus κοκόρου γνώση mit Genitivattribut <wörtl. des Hahns Wissen>, so dass die phraseologische Einbindung in den Kontext zwischen den kontrastierten Einheiten stark divergiert“ (Chrissou 2000: 132) „Darüber hinaus sind Fragen zu erörtern, welche die lexikalische Variation betreffen… Als Beispiele von phraseologischen Einheiten mit mehreren Varianten seien folgende erwähnt: „schwitzen wie ein Affe / Schwein“, „schlafen wie ein Bär / Dachs / Murmeltier / eine Ratte“, „jmdm. zureden wie einem kranken Gaul / Pferd / Ross / Schimmel“, „κοιμάμαι σαν μοσχάρι/ βόδι/ ζώο“. (Ebd: 131-132)

Ebenfalls wirken sich die Fakultativität von Komponenten der Phraseologismen und die Valenzunterschiede erschwerend auf die Äquivalenzherstellung aus. Beispielweise für Valenzunterschiede „ist der neugriechische Phraseologismus „ βγάζω το φίδι από την τρύπα “ <die Schlange aus dem Loch herausholen> zweiwertig, während seine deutsche Entsprechung „ für jmdn. die Kastanien aus dem Feuer holen “ dreiwertig ist, da ihre angemessene Verwendung das Vorkommen der Präpositionalgruppe für jmdn. voraussetzt.“. Beispiele für die Fakultativität der Komponenten: „Dennoch werden phraseologische Paare wie „(dichtgedrängt) wie die Sardinen (in der Büchse) / Heringe (in der Tonne)“ und „( στριμωγμένοι ) σαν (παστ ές ) σαρδέλες “ <wörtl. (zusammengedrängt) wie die (eingepökelten) Sardinen> aufgrund der prinzipiellen Möglichkeit einer vollständigen Entsprechung als volläquivalent betrachtet“ (Ebd: 131)

Schwierigkeiten ergeben sich auch im Stilwert eines Phraseologismus. Zuerst sind problematisch die folgenden stilistischen Angaben: salopp, derb, umgangssprachlich, jugendsprachlich, abwertend, scherzhaft, veraltend, gehoben und bildungssprachlich. (Ebd: 137) Zweitens gibt es einige phraseologische Einheiten, bei denen der deutsche Phraseologismus zur neu-Deutschen gehört, währende der griechische Phraseologismus zur alt-Griechischen gehört:

„So ist z.B. das altgriechische geflügelte Wort „κομίζω γλαύκα εις Αθήνας“ für „Eulen nach Athen tragen“ ein erstarrter altgriechischer Historismus, der ursprünglich ein Sprichwort war und auf Aristophanes Komödie Όρνιθες (die Vögel) zurückging. Die deutschen Äquivalente solcher Wendungen besitzen zumeist ebenso einen gehobenen Stilwert, der jedoch nicht durch abweichende lexikalisch-morphologische Merkmale, sondern durch ihre Stellung im Wortschatz als geflügelte Worte begründet ist. Sowohl die altgriechische Wendung als auch ihre deutsche Entsprechung können in ihrem Stilwert als bildungssprachlich eingestuft werden, wobei das Vorkommen der griechischen Einheit wegen ihrer altgriechischen Lexik, Grammatik und Flexion – stärker als im Deutschen – auf gelehrte Kreise beschränkt sein dürfte. Da dennoch solche Unterschiede einerseits empirisch nicht belegt sind und andererseits im Rahmen einer regulären Verwendung unerheblich sein dürften, werden sie als volläquivalent angesehen.“ (Chrissou 2000: 137)

[...]


[1] Fast alle „unikale Komponente“ sind voll-idiomatisch.

Ende der Leseprobe aus 29 Seiten

Details

Titel
Phraseologismen aus kontrastiver Sicht. Das Sprachenpaar Deutsch-Griechisch
Hochschule
National & Kapodistrian University of Athens  (Germanistik)
Veranstaltung
Konstrastive Phraseologie
Note
1
Autor
Jahr
2017
Seiten
29
Katalognummer
V369882
ISBN (eBook)
9783668476219
ISBN (Buch)
9783668476226
Dateigröße
822 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
phraseologismen, sicht, sprachenpaar, deutsch-griechisch
Arbeit zitieren
Evgenios Pampoukos (Autor), 2017, Phraseologismen aus kontrastiver Sicht. Das Sprachenpaar Deutsch-Griechisch, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/369882

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