Camilo Torres Restrepo. Ein Leben zwischen Kirche und Freiheitskampf


Hausarbeit, 2016
11 Seiten, Note: 3,0

Leseprobe

Inhalt

1. Situation in Kolumbien zwischen 1929-1966

2. Die „La Violencia“

3. Kurzbiografie

4. Was das Lexikon für Theologie und Kirche wiedergibt

5. Torres in jungen Jahren (1929-1954)

6. Torres ab 1954

7. Torres letzten Lebensjahre (1965/66)

8. Was hat sich verändert durch ihn?

9. Märtyrer - Seligsprechen - Ja oder Nein?

10. Literaturverzeichnis

1. Situation in Kolumbien zwischen 1929-1966

Das Land ist in Abhängigkeit von seinem Export, insbesondere vom Kaffeeexport. Ferner herrscht seit geraumer Zeit eine Korruption im Lande, wie man sie nur aus Filmen und Büchern kennt. Im zweiten Weltkrieg, wovon Kolumbien nicht ausgeschlossen war, wurde vieles zerbombt und zerschossen. Auch einige Schulen, wie unter anderem auch die „Colegio Aléman“, auf der Camilo Torres einige Zeit seiner Schulzeit verbrachte. Leider blieb das Land mit dem Exportklassiker „Kaffee“ nicht verschont von der Brutalität und Habgier der großen Mächte, wie die Vereinigten Staaten es waren. So wurden jahrelang die Bauern Kolumbiens ausgebeutet und der Kaffeepreis immens gedrückt - zum Wohle der westlichen Industriestaaten.

2. Die „La Violencia“

Entscheidend für die Sinneswandlung von Torres war neben seinen Exerzitien mit den Dominikanern die „La Violencia“, einer der verheerenden Bürgerkriege dieser Welt. Sie wütete von 1948 bis 1958 in Kolumbien und betraf die gesamte Gesellschaft. Im Grunde genommen war es anfangs nur ein Streit zwischen den Liberalen, „Partido Liberal Colombiano“ und der konservativen Partei, „Partido Conservador Colombiano“1. Ausgelöst wurde dieser Streit durch die Ermordung am 9.April 1948 von Jorge Eliécer Gaitán, der Präsidentschaftskandidat der liberalen Partei. Es folgten Straßenschlachten zunächst in Bogotá (auch „Bogotazo“ genannt), dann griff das Feuer der Gewalt auch auf die ländliche Gebiete über, sodass in kürzester Zeit ganz Kolumbien im Bürgerkrieg war. Um wieder Herr der Lage zu werden, bildete sich ein Pakt zwischen den beiden Parteien, „um ihre gemeinsamen Herrschaftsinteressen gegen die Rebellion von unten zu verteidigen.“2

3. Kurzbiografie

Geboren ist Camilo Torres Restrepo am 3.2.1929 in Bogotá, Kolumbien, als Sohn einer sehr reichen und angesehenen Familie. Nach einem abgebrochenen Jurastudium und einer Verlobung entschied sich der junge Mann, nach Exerzitien mit Dominikaner, den Menschen zu helfen, indem er den Weg zum Priester einschlug. So Phil.-Theol. Hochschule Sankt Georgen, FFM Methoden der Kirchengeschichte (M2) 1954 wurde er dann zum Priester geweiht. Kardinal Luque von Bogotá empfahl ihm das Studium der Soziologie in Löwen, Belgien.

Kurzweilig wirkte Torres auch als Seelsorger in West-Berlin bis 1959, als er dann nach Bogotá zurückkehrte. In Bogotá wurde er Studentenpfarrer an der Nationalen Universität von Kolumbien. Seinem Handeln ist es verdankt, dass es seitdem auch eine soziologische Fakultät an der Nationaluniversität gibt.

Die Armut und das soziale Ungleichgewicht in Kolumbien beschäftigte Torres so sehr, dass er begann, eine Zusammenarbeit zwischen Christen und Marxisten aufzubauen und zu fördern. Camilo Torres beschäftigte sich mit der „La Violencia“, die lange Zeit in Kolumbien wütete. In den Jahren 1962/63 veröffentlichte Camilo Torres mit dem Landpfarrer Germán Guzmán und den beiden Soziologen Eduardo Umaña Luna und Orlando Fals Borda einige Studien über „die Violencia in Kolumbien“.

Zitate wie „Warum sollen wir streiten, ob die Seele sterblich oder unsterblich sei, wenn wir beide wissen, dass Hunger tödlich ist“3 und ähnliche sorgten dafür, dass er durch Radiointerviews und intensive öffentliche Arbeit schnell nationale Berühmtheit erlangte. Seit 1965 begann er auch sozialrevolutionäre Ideen zu verbreiten, weshalb er mehrfach aufgefordert wurde, dies zu unterlassen. Erzbischof Kardinal Concha sah in Torres‘ Tätigkeiten die Kirche in Gefahr, da Torres gegen jene wetterte, die stetige Besucher der Kirchen waren und nicht allzu selten großzügige Spenden gaben. Torres wurde indes seines Amtes enthoben und auch seine Ämter in der Universität musste er niederlegen, da es einige schwerwiegende Streitfälle gab zwischen ihm und dem Rektor der Hochschule. Als fortan Laientheologe bereiste er Kolumbien, um seine christlich-marxistische Bewegung bekannter zu machen. Besonders die Jugend nahm dies positiv auf. Viele aus seiner Gefolgschaft wollten ihn als Führer der Partei „National Front“, ein Zusammenschluss aus der liberalen und kommunistischen Partei, haben. Er selbst aber versuchte die gesamten linksgerichteten Parteien in Kolumbien unter der „Frente Unido“ zu vereinigen (ab 1964). Im Oktober des Jahres 1965 schloss er sich der Nationalen Befreiungsfront, die „Ejercito de Liberacion Nacional (ELN)“ an, die kommunistisch geprägt war.

Seitdem an wirkte er im Untergrund mit und verlor sein Leben am 15.02.1966 in der Nähe von San Vicente de Chucuri in Santander, bei der Verteidigung einer Stadt gegen die kolumbianische Armee. Bis zum heutigen Tage ist seine Leiche nicht auffindbar.

4. Was das Lexikon für Theologie und Kirche wiedergibt

Das LThK gibt recht wenig Auskunft über ihn. Man liest folgendes im LThK Band 10 (2001):

„Torres Restrepo, Jorge Camilo, christlich-militanter Sozialreformer, *3.2.1929 Bogotá, +15.2.1966 San Vincente (Kolumbien; nach abgebrochenem Jurastudium Eintritt ins Priesterseminar, 1954 Priesterweihe. Nach dem Studium der Soziologie und Politik-Wiss. in Löwen (Belgien) zunächst Lektor und Studentenpfarrer in Bogotá, wo T. sich insbes. der Analyse soz. Probleme widmete und Kommunalarbeiten unterstützte, seit 1962 dann am nat. Institut für Landreform tätig. Am 26.02.1965 von den priesterl. Pflichten entbunden. T. entschied sich für die gewaltsame Revolution, schloss sich deshalb der Nationalen Befreiungsarmee an und wurde 1966 von Regierungstruppen erschossen.“4

5. Torres in jungen Jahren (1929-1954)

Die Kindheit verbrachte Camilo überwiegend in Europa, was nicht untypisch war für seinen Stand in der Gesellschaft. Seine schulische Bildung genoss er an den angesehen Schulen „Colegio Alemán“ und „Liceo Cervantes“5. Er absolvierte die Schule mit der allgemeinen Hochschulreife und begann kurze Zeit später ein Studium der Rechtswissenschaften. Nachdem Camilo Torres sich verlobt hatte und auf dem besten Wege war, seinem Namen alle Ehre zu machen, begegnete er den französischen Dominikanern. Auf den Exerzitien mit den Dominikanern entschloss sich Camilo Torres seinen eigenen Weg zu ändern und wechselte von der Rechtswissenschaft in die Theologie und schlug den Weg als Priester ein. 1954 wurde er dann zum Priester geweiht. Auf Empfehlung des Erzbischofes von Kolumbien ging er nach Löwen, Belgien, und ergänzte sein Fachwissen in Soziologie und Politikwissenschaften.

6. Torres ab 1954

Nach seiner Weihe studierte Camilo Torres Restrepo in Löwen, Belgien, Soziologie. Er reiste umher, wirkte unter anderen in Paris, Berlin, Prag und den USA6. 1959 kehrte Torres zurück nach Bogotá, wo er dann an der Nationaluniversität Studentenpfarrer wurde. Zu dem Zeitpunkt, 1959, gab es bis dato keinen Studentenpfarrer an der Nationaluniversität in Bogotá. Zudem erschwerte die antiklerikale Haltung der Studierenden Torres die Arbeit als Studentenpfarrer. Seine ehemalige Verlobte Dona Isabel beschrieb es mit folgenden Worten: „Die Studenten kehrten ihm den Rücken. In der Antipathie, die sie gegen alles empfanden, was Soutane trug, ließen sie sich nicht einmal zu einem Gruß herab“7.

Ireneo Rosier, Freund und Beichtvater von Torres und Professor an der Universität, fasste die Stimmung im Folgendem zusammen: „Der schlimmste Vorwurf, der mir je dort während meiner

Professur gemacht wurde, hieß: Er versucht, die Universität zu desatheisieren.“3 Nichtdestotrotz schien Camilo Torres eine Ausstrahlung zu haben, weshalb ihm dennoch viele Studierende Aufmerksamkeit schenkten. Ein ehemaliger Student namens Hernán Zambrano wurde interviewt in Bezug auf Pfarrer Torres Restrepo und gab folgende, relevante Sachen zu Protokoll:

- Torres wollte nie im Mittelpunkt stehen
- Torres beeindruckte die Studierende durch Spontaneität
- Torres sprach die einfache Sprache, sodass viele ihm verstanden
- seine Predigten waren immer aktuell8

Seine offene, direkte und sympathische Art und Weise wurde von vielen Studierenden und auch Dozierenden positiv aufgenommen. Seinem Engagement ist es zu verdanken, dass die Nationaluniversität in Bogotá eine Fakultät für Sozialwissenschaften hat. (vgl. Wikipedia „Camilo Torres“, zuletzt aufgerufen 22.03.16, 13:53).

Bedingt durch die Zwangsexmatrikulation von einigen Studenten nach den Aufständen und Demonstrationen in Bogotá vom Mitte Mai 1962, denen man aufrührerisches Verhalten nachsagte, fühlte sich Camilo Torres dazu genötigt, sich jenen solidarisch zu zeigen. Denn den Studierenden konnte man außer der Mitgliedschaft der Kommunistischen Partei nichts nachweisen. Bei den Demonstrationen in Bogotá wurden viele Studierende erschossen. Camilo Torres predigte am 8. Juni 1962 eine seiner bekanntesten Predigten, die sehr wahrscheinlich seinen Vorgesetzten Kardinal Luque dazu bewegte, Torres aus seinem Amt zu heben. Camilos Mutter berichtet: „Camilo kündigte an, man wolle die Messe für alle ermordeten Studenten feiern, auch für die Kommunisten.“4 Camilo begründete seine Aussage so: „Christus [sei] gekommen, nicht die Guten, sondern die Sünder zu erlösen[…][und] sie hätten in gutem Glauben gehandelt und [seien] darum gerettet[...].“9 Camilo Torres war nicht der Einzige unter den Dozierenden, die sich gegen die Willkür des Rektorates zu Wort meldete. Fast alle Professoren der soziologischen Fakultät unterzeichneten das Schreiben von Torres an das Rektorat. „Torres und die Professoren erklärten, sie seien keineswegs grundsätzlich gegen Disziplinarstrafen. Sanktionen aber, die den Verdacht politischer Verfolgungen erwecken, müssten sie ablehnen10. Die Reaktion des Rektorates ließ nicht lange auf sich warten, und verfügte die Schließung der Universität. Es traten viele Studierende in den Streik. Auf den Versammlungen der Studierenden beriet man über eine Neubesetzung des Rektorates. Hier kam die Sympathie der Studierende zu Torres wieder zur Geltung, denn viele wollten Torres als neuen Rektor haben.

Kardinal Concha, direkter Vorgesetzter von Torres zu diesem Zeitpunkt, sah eine Gefahr in Torres Handlungen. Eine Politisierung der Kirche musste vermieden werden, da die regierenden Parteien in Kolumbien seit 1958 die Kirche wieder akzeptierten. Und diese Akzeptanz galt es nun zu schützen, so die Sichtweise des Kardinals. Kardinal Concha forderte Torres auf, sich aus allen Universitätsämtern herauszuziehen.11

[...]


1 La Violencia

2 GÄRTNER La Violencia studierte er Philosophie und katholische Theologie.

3 ROTTSCHEIDT Camilo Torres; domradio.de; 15.02.2016

4 KASPER, LThK, S. 116

5 LÜNING, Camilo Torres, S. 13f

6 STEHLE, Der Weg der Gewalt, S. 11

7 LÜNING, Camilo Torres, S. 49

8 LÜNING, Camilo Torres, S. 51

9 LÜNING, Camilo Torres, S. 61

10 LÜNING, Camilo Torres, S. 61

11 LÜNING, Camilo Torres, S. 62

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Camilo Torres Restrepo. Ein Leben zwischen Kirche und Freiheitskampf
Hochschule
Philosophisch-Theologische Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt am Main
Note
3,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
11
Katalognummer
V370068
ISBN (eBook)
9783668487871
ISBN (Buch)
9783668487888
Dateigröße
768 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
camilo, torres, restrepo, leben, kirche, freiheitskampf
Arbeit zitieren
Krishna von Astran (Autor), 2016, Camilo Torres Restrepo. Ein Leben zwischen Kirche und Freiheitskampf, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/370068

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