Banken und Kreditinstitute haben ihre globalen Geschäftstätigkeiten in den letzten Jahrzehnten massiv ausgeweitet. Aufgrund dieser Entwicklung stiegen die weltweiten Verflechtungen im Finanzsektor und daraus resultierend die Risiken der Geschäftsaktivitäten. Zu einem regelrechten Kollaps des weltweiten Finanzsystems kam es im Jahr 2008 im Rahmen der weltweiten Finanzkrise, beginnend mit der Zahlungsunfähigkeit der US-amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers Inc.
Auch in Großbritannien hatte die Finanzkrise große Auswirkungen, nicht zuletzt aufgrund des weltweit bedeutenden Finanzplatzes am Standort London. Bis zum April dieses Jahres lag die Aufsicht des britischen Bankenaufsichtssystems in den Händen des sog. tripartite-system. Dieses bestand aus der Bank of England (BoE), dem HM Treasury und der Financial Services Authority. Speziell das britische Bankenaufsichtssystem erwies sich nicht nur während der weltweiten Finanzkrise als ineffektiv, sondern zeigte sich bspw. auch im Zuge des LIBOR (London Interbank Offered Rate)-Skandals als nicht schlagkräftig genug. Hierbei wurden große Lücken im britischen Bankenaufsichtssystem aufgedeckt.
Als Folge daraus wurde das britische Bankenaufsichtssystem umfassend reformiert. Umgesetzt wurde dies durch die Implementierung der PRA (Prudential Regulation Authority) als Tochterunternehmen der BoE. Außerdem tritt die FCA (Financial Conduct Authority) die Nachfolge der FSA an. Beide Institutionen haben verschiedene Aufgabenschwerpunkte, arbeiten allerdings eng zusammen. Die PRA ist für die aufsichtsrechtlichen Fragestellungen zuständig. Die FCA hingegen befasst sich mit dem Verbraucherschutz und der Erhaltung der Funktionsfähigkeit des britischen Finanz- bzw. Kapitalmarkts.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Zielsetzung der Arbeit
1.2 Aufbau der Arbeit
2 Allgemeine Vorschriften
2.1 Allgemeines
2.1.1 Begriffsbestimmungen
2.1.2 Ausnahmen
2.1.3 Inhaber bedeutender Beteiligungen
2.1.4 Verbotene Geschäfte
2.1.5 Entscheidung der FCA und der PRA
2.2 The Prudential Regulation Authority und The Financial Conduct Authority
2.2.1 Organisation
2.2.1.1 The Prudential Regulation Authority (PRA)
2.2.1.2 The Financial Conduct Authority (FCA)
2.2.2 Aufgaben
2.2.2.1 The Prudential Regulation Authority (PRA)
2.2.2.2 The Financial Conduct Authority (FCA)
2.2.3 Zusammenarbeit mit der Bank of England
2.2.4 Zusammenarbeit mit anderen Stellen
2.2.5 Zuständigkeit für die Beaufsichtigung zusammengefasster Basis
2.2.6 Verschwiegenheitspflicht
3 Vorschriften für die Institute
3.1 Eigenmittel und Liquidität
3.1.1 Eigenkapital
3.1.2 Liquidität
3.1.3 Beschränkung von Beteiligung der Institute
3.2 Kreditgeschäfte
3.2.1 Haftungsbestimmungen bezüglich Kredite
3.3 Werbung
3.4 Besondere Pflichten der Institute
3.4.1 Angabepflicht von Informationen
3.4.2 Vorlage von Rechnungsunterlagen
3.5 Prüfungen und Prüferbestellungen
3.5.1 Prüfungen
3.5.2 Prüferbestellung
3.5.3 Besondere Prüfungsergebnisse
4 Vorschriften über die Beaufsichtigung der Institute
4.1 Zulassung zum Geschäftsbetrieb
4.1.1 Erlaubnis in Deutschland
4.1.2 Erlaubnis in Großbritannien
4.1.3 Zulassung durch die PRA
4.1.4 Zulassung durch die FCA
4.1.5 Zulassung von doppelt-regulierten Unternehmen
4.1.6 Zulassung von einfach-regulierten Unternehmen
4.1.7 Zulassung – Organisatorisches
4.1.8 Änderung der Erlaubnis
4.1.9 Änderung der Rechtsform
4.1.10 Erlaubniserteilung
4.1.11 Konsequenzen aus der Erlaubnis
4.2 Versagung der Erlaubnis
4.3 Erlöschen und Aufhebung der Erlaubnis
4.4 Abberufung von Personen in kontrollierenden Funktionen
4.4.1 Anforderungen an Personen in einer kontrollierenden Funktion
4.5 Bezeichnungsschutz
4.6 Auskünfte und Prüfungen
4.6.1 Verschiedene Auskunfts- und Prüfungsverfahren der PRA
4.6.2 Zusammenarbeit mit externen Prüfern
4.6.3 Verfolgung von unerlaubten Bankgeschäften und Finanzdienstleistungen
4.7 Insolvenz
4.7.1 Bestandteile einer Insolvenz
4.7.2 Insolvenzantrag
4.7.3 Gründe eines Insolvenzantrags
5 Sondervorschriften
5.1 Sonderaufsicht
5.2 Unternehmen mit Sitz im Ausland
5.2.1 Tochterunternehmen aus Übersee Staaten
5.2.2 Niederlassungen aus dem Europäischen Wirtschaftsraum
5.2.3 Niederlassungen aus Drittstaaten
6 Strafvorschriften, Bußgeldvorschriften
6.1 Handeln ohne Erlaubnis
6.2 Informationsbeschaffung über mögliche Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung
6.3 Unbefugte Verwertung von Angaben über Kredite
6.4 Bußgeldvorschriften
6.4.1 Das 5-Schritte Modell
6.5 Geldbußen gegen Unternehmen
6.6 Zuständige Verwaltungsbehörde
6.7 Beteiligung der Bank of England und Mitteilungen in Strafsachen
7 Bewertung der ökonomischen Tauglichkeit
7.1 Gesetzeslücken
7.2 Unterregulierungen
7.3 Transaktionskosten
8 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert das britische Bankenaufsichtssystem vor dem Hintergrund globaler Herausforderungen, prüft dessen ökonomische Tauglichkeit und vergleicht es mit anderen europäischen Systemen.
- Historische Entwicklung und Reform des britischen Aufsichtssystems
- Struktur und Aufgaben der PRA und FCA
- Regulierung von Eigenmitteln, Liquidität und Kreditgeschäften
- Prozesse der Zulassung und Beaufsichtigung von Finanzinstituten
- Strafrechtliche und ökonomische Bewertung des Aufsichtsansatzes
Auszug aus dem Buch
3.1.2 Liquidität
Angaben über die Liquiditätsregelungen einer Bank werden unter anderem in der Publikation „ Liquidity and capital regime: adjustment in relation to FPC statement“ der Bank of England näher erläutert.
Die Bank of England bestimmt und überwacht dabei die angemessene Liquiditätsrücklagen der einzelnen Banken, die unter anderem dem internationalem Basel 3 Reformpaket unterliegen, um eine ausreichende Zahlungsbereitschaft zu gewährleisten, die das Vertrauen der Gläubiger und Gegenparteien in das Finanzsystem zu stärken und erhalten. Es wird allgemein ein „umsichtiges“ Verhalten, das in den Schwellenbedingungen genannt wird, vorausgesetzt.
Die Bank of England erwartet von den Instituten eine angemessene Bestandsaufnahme der liquiden Mittel bezüglich der Laufzeitinkongruenz sowie einen Risikomanagementplan hinsichtlich kurzfristiger Schocks. Dabei soll sichergestellt werden, dass Fälligkeiten und Verbindlichkeiten stets durch liquide Mittel angemessen ausgeglichen werden können, die nicht aus Großrefinanzierung (wholesale-funding) Quellen generiert werden dürfen. Außerdem verlangt die Bank of England, dass die Banken ihre Zusammensetzung der Liquiditätsreserven auf mögliche Risiken testen und ehrlich und umsichtig planen, beispielsweise nicht nur die regulatorische Minima einplanen.
Die Aufsicht besteht bezüglich der Liquidität aus einer regelmäßigen Überprüfung der Angemessenheit der Liquidität sowie die Risikomanagement Praktiken, woraufhin jedes Unternehmen eine individuelle Liquiditätsanleitung ausgestellt bekommt. Dies geschieht in der Regel einmal jährlich, wobei die Vorgaben jederzeit aktualisiert werden können.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Beschreibt die historische Ausgangslage und die Notwendigkeit der Reform des britischen Bankenaufsichtssystems nach der Finanzkrise.
2 Allgemeine Vorschriften: Erläutert die regulatorischen Rahmenbedingungen und die Organisation sowie Aufgaben der Aufsichtsbehörden PRA und FCA.
3 Vorschriften für die Institute: Detailanalyse der Anforderungen an Eigenmittel, Liquidität, Kreditgeschäfte und besondere Prüfungspflichten der Finanzinstitute.
4 Vorschriften über die Beaufsichtigung der Institute: Detaillierte Betrachtung der Zulassungsverfahren, Kontrollmechanismen und Maßnahmen bei Insolvenz oder Fehlverhalten.
5 Sondervorschriften: Behandelt spezifische regulatorische Anforderungen an Unternehmen mit Sitz im Ausland und deren Niederlassungen.
6 Strafvorschriften, Bußgeldvorschriften: Analysiert rechtliche Konsequenzen bei Verstößen und das Sanktionssystem der Bank of England.
7 Bewertung der ökonomischen Tauglichkeit: Kritische ökonomische Evaluation des Systems hinsichtlich Gesetzeslücken, Unterregulierung und Transaktionskosten.
8 Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Effektivität und Wettbewerbsfähigkeit des reformierten britischen Aufsichtssystems.
Schlüsselwörter
Bankenaufsicht, Großbritannien, PRA, FCA, Bank of England, FSMA, Eigenkapital, Liquidität, Zulassung, Insolvenz, Regulierung, Finanzmarkt, Bankrecht, Kreditgeschäft, Bußgeld
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das britische Bankenaufsichtsrecht und dessen Reformierung im Zuge der globalen Finanzkrise.
Welche Institutionen spielen die zentrale Rolle bei der Aufsicht?
Die zentralen Behörden sind die Prudential Regulation Authority (PRA) und die Financial Conduct Authority (FCA), die eng mit der Bank of England zusammenarbeiten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, das britische System zu beschreiben, dessen ökonomische Tauglichkeit zu bewerten und einen Vergleich mit anderen europäischen Modellen zu ziehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär angewandt?
Es handelt sich um eine juristisch-ökonomische Analyse, die stark auf Gesetzesgrundlagen (Acts) und Regulierungsberichten basiert.
Was bildet den inhaltlichen Schwerpunkt im Hauptteil?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der allgemeinen Vorschriften, die institutsspezifischen Regeln zu Kapital und Liquidität sowie die Prozesse zur Erlaubniserteilung und Aufsicht.
Wie lässt sich der regulatorische Ansatz charakterisieren?
Der Ansatz wird als sehr allgemein gehalten beschrieben, was den Instituten Spielraum lässt, gleichzeitig aber den Wettbewerbsvorteil des Finanzplatzes sichern soll.
Welche Rolle spielt die Bank of England bei Sanktionen?
Die Bank of England fungiert als zentrale Behörde, die Geldbußen verhängen und bei Verstößen in Interbank-Zahlungssystemen intervenieren kann.
Wie unterscheidet sich die Regulierung von Tochtergesellschaften und Niederlassungen ausländischer Banken?
Die Regulierung hängt stark vom Sitz des Mutterunternehmens ab, wobei zwischen EU/EWR-Staaten und Drittstaaten differenziert wird.
- Arbeit zitieren
- Saskia Kretschmann (Autor:in), 2013, Systeme der Bankenaufsicht in Europa. Das britische Bankenaufsichtsrecht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/370213