Die Umgestaltung des Krankenwesens und deren Ursachen unter genauerer Betrachtung der Rolle der Frau im 'langen' 19. Jahrhundert


Hausarbeit, 2005

18 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Veränderungen im 19. Jahrhundert und die gesellschaftliche Position der Frau

3 Der Wandel der Institution Krankenhaus im 19. Jhd.
3.1 Verschiedene Pflegeklassen
3.2 Sanitätspolizeiliche Vorschriften
3.3 Medizinisch-therapeutische Kräfte
3.3.1 Die katholische Ordenspflege
3.3.2 Die evangelische Diakonie
3.3.3 Das Rote Kreuz
3.3.4 Die freiberufliche Krankenpflege

4 Fazit

Abbildungsverzeichnis

Literatur

1 Einleitung

Das 19. Jahrhundert war geprägt von bedeutenden medizinischen Fortschritten und gewaltigen politischen Veränderungen. Die Frauen organisierten sich in Vereinen um dem bis dahin geltenden Rollenbild und der geschlechtsspezifischen Spaltung der Arbeitswelt geschlossen entgegenzutreten. Wie wandelte sich ihre gesellschaftliche Position? Haben diese Veränderungen den Weg von der Armenkrankenpflege zur heutigen Pflege geebnet und beschleunigte dieser Umstand die Umgestaltung vom Armenspital zum frühmodernen Krankenhaus? Wie war es um die Ausbildungssituation bestellt?

Die vorliegende Hausarbeit stellt sich diesen Fragen. Dabei werden unter hauptsächlicher Verwendung der Arbeiten von Möller (1984) im Kapitel Eins grundlegend auf die gesellschaftlichen und sozialen Gegebenheiten des 19. Jahrhunderts hingewiesen, sowie anschließend die Stellung der Frau in dieser Epoche fokussiert.

Im dritten Kapitel werden die das Krankenhaus des 19. Jahrhunderts maßgeblich verändernden Faktoren aufgezeigt. Intensive Beachtung wird dabei den medizinisch therapeutischen Kräften und ihrer Ausbildung geschenkt. Die Literatur von Seidler/Leven (2003) und Möller/Hesselbarth (1996) waren dabei sehr hilfreich.

Abschliessend folgt eine kurze Zusammenfassung der gewonnenen Erkenntnisse.

2 Veränderungen im 19. Jahrhundert und die gesellschaft liche Position der Frau

Mit der Industrialisierung veränderten sich in wachsendem Umfang die Arbeitsverhältnis- se und die Arbeitsbedingungen für die breite Masse der Bevölkerung. Entgegen der vorin- dustriellen Zeit, in der die Hausgemeinschaft und die Arbeitsstätte in der Regel miteinander verschmolzen waren, müssen erwerbstätige Personen der Frühkapitalismus die Hausgemein- schaft verlassen, um für sich und die Familie zu verdienen. „Die Lohnarbeit, d.h. die au- ßerhäusliche, bezahlte Arbeit, setzte sich (. . . ) als dominierende Arbeitsform durch“ (Möller 1984, S.67).

Das Bild der Frau und ihre Stellung innerhalb der Gesellschaft, auf diese Frage soll im kommenden Abschnitt näher eingegangen werden.

Im 19. Jahrhundert begannen die Frauen den Kampf um ihre Gleichberechtigung. Zu Be- ginn dieser Epoche erstreckte sich ihr Dasein hauptsächlich in Unterwürfigkeit, der Rolle als Mutter und der im Haushalt fungierender Person. Erst das frühkapitalistische 19. Jahr- hundert mit seinen maßgeblichen Umwandlungsprozessen veränderte auch entscheidend die Rolle der Frau innerhalb der Gesellschaft. Ob, und wie sich ihre gesellschaftliche Position, und vor allem ihr Erwerbsdasein im Verlauf dieser Epoche wandelte, ist Inhalt der kommen- den Abschnitte. Wie sich herausstellen wird, muss strikt zwischen den existierenden Klassen unterschieden werden.

Für Mitglieder der proletarischen Schicht stand es außer Frage, dass auch die Frau Lohnarbeit verrichtete um die Existenz aller Familienmitglieder wenigstens einigermaßen zu sichern. Damit wandelte sich ihre Rolle im Laufe dieses Jahrhunderts vom „reinen Hausfrauendasein zur Mitverdienerin“ (Möller/Hesselbarth 1996, S. 58).

Seit Ende des 18. Jahrhunderts löste sich die Hochkul-

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Abbildung 1: Ideologisch gefärbte Eigenschaften von Mann und Frau im 19. Jahrhundert; Quelle: Möller 1984, S.67

tur immer mehr von Hof und Kirche und wurde vom Bürgertum - der neuen herrschenden Klasse - geprägt und finanziert. Einen Versuch, die kausalen Zusammen- hänge zwischen den Geschlechtern und ihrem Anse- hen innerhalb der Gesellschaft dieser Zeit zu ergrün- den, wagt Bischoff (1992). Im Mittelalter, so die Au- torin, lösten Vernunft und Wissenschaft das bis dahin bestehende „magische Weltbild“ des Menschen ab. „Natur erscheint ihm fortan nur noch als Objekt der Beherrschung und Ausbeutung (. . . )“ und die bis dahin Unergründliche, Angst- einflössende und nicht Beherrschbare, wandelt sich zum Objekt der „Verachtung“. Die Kluft zwischen rationalem (Mann) und emotionalem Denken (Frau) wurde zunehmend größer. Nach Bischoff (1992) „wird die Frau [als Objekt der Aneignung und Ausbeutung] mit der Natur identifiziert. Die Verachtung und Unterdrückung hat hier ihren Ursprung“ und hielt bis ins 19. Jahrhundert an. Hausarbeit und Krankenpflege als naturgebundene Arbeiten wurden von den Männern an die Frauen abgegeben (Bischoff 1992, S.94f).

Letzte wurden in der kapitalistischen Gesellschaft somit doppelt unterdrückt. Diese Diskri- minierung kann einerseits durch ihre wirtschaftliche Ab- hängigkeit im Bereich des Arbeitslebens und anderer- seits durch ihre soziale Abhängigkeit von den Männern im Privaten verdeutlicht werden.

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Abbildung 2: Geschlechterrollen im 19. Jahrhundert

tung der Arbeitswelt und die Geschlechtsrollen innerhalb der Gesellschaft stark ausgeprägt (vgl. Abbildung 2). Die konservativ denkende Klasse gestattete daher den Frauen in der Regel nur die Haushaltsführung. Diese war beschränkt auf den „familiären Bereich und orientier- te sich an den Bedürfnissen der Familienmitglieder“. Die Hausarbeit wurde nicht mit den am Markt vorhandenen Tauschmitteln entlohnt, sondern mit „Anerkennung und Zuneigung“ (Möller 1984, S.67).

3 Der Wandel der Institution Krankenhaus im 19. Jhd.

Im Verlauf des 19. Jahrhunderts kam es zu einem gravierendem Wandel der Institution Kran- kenhaus. Hierzu sind vier Einflussfaktoren erwähnenswert, die nachfolgend erläutert werden sollen.

3.1 Verschiedene Pflegeklassen

Hatte die Institution Krankenhaus noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Aufgabe der Ar- menfürsorge, war also eine Armenstätte mit einer eher abschreckenden Wirkung auf große Teile der Bevölkerung, lockte es jetzt durch das Angebot an verschiedenen Pflegeklassen auch finanziell Bessergestellte zur stationären Behandlung (vgl. Jütte/Labisch 1996). Die Geschichte der Pflegeklassen wurde genauer von Stollberg (1996) untersucht. Eine Bevor- zugung dieses Klientel fand sich beispielsweise in der Art der Unterbringung und der Qualität der Speisen. In vielen Krankenhäusern, u.a. dem Osnabrücker Krankenhaus, wurden eigens kleinere Einzelzimmer für Wohlhabende geschaffen. Die Einführung der drei Klassen, so der Autor, diente aber nicht nur der „sozialen Akzeptanz der neuen Organisationen, sondern half auch „deren Bestand zu finanzieren“ (Stollberg 1996, S.374).

Privatzahler verhalfen so dem Krankenhaus des späten 19. Jahrhunderts zu einem wahren Innovationsschub. Mit diesen Mehreinnahmen investierten moderne Kliniken nun z.B. in „Bau, Organisation, Ausstattung und Leistungsangebote“ (Elkeles 1996, S.369).

3.2 Sanitätspolizeiliche Vorschriften

Eine weitere beachtenswerte Entwicklung der Krankenhäuser wurde von Seiten des Gesetz- gebers vorangetrieben. Die Ballungszentren dieser Zeit waren geprägt durch die schlechten und engen Wohnverhältnisse. Durch diese Bedingungen konnte beim Auftreten von Epidemi- en rasch ein Großteil der Bevölkerung angesteckt werden. Dieser Gefahr versuchte man mit sanitätspolizeilichen Abwehrmaßnahmen zu begegnen. „Bei Ausbruch der Seuche sollte al- len Erkrankten zweckmäßige und sorgsame Pflege und schnelle ärztliche Hilfe zuteil werden“ (Möller/Hesselbarth 1994, S.61). Um die Bevölkerung vor einer Ansteckungsgefahr präventiv zu schützen, entstanden durch den Druck von Regierungsbehörden vielerorts Krankenhäuser, wie beispielsweise das Augusta-Krankenhaus in Köln, das neue städtische Krankenhaus in Hamburg-Eppendorf und sämtliche Krankenhausbauten der Stadt Düsseldorf nach 1832. Dar- über hinaus entstanden zum Zweck der Isolation auch „An-, Um- und Neubauten“ (Labisch 1996, S.271).

3.3 Medizinisch-therapeutische Kräfte

Eine wesentliche Stellung - der das frühmoderne Krankenhaus beeinflussenden Kräfte - nahm nach Labisch (1996) die Krankenpflege ein. Nach dem Verbot aller Orden und ordensähnli- chen Gemeinschaften1, die „keinen öffentlichen Zwecken dienten“, fühlten sich die christli- chen Kirchen der Krankenpflege in Zeiten des Pauperismus2 besonders verpflichtet (Labisch 1996, S.273).

Ihre Orden, die weltlichen Mutterhausverbände und die freiberufliche Krankenpflege als die grundsätzlichen Organisationsformen, die maßgeblich an der Erneuerung der Krankenpflege im 19. Jahrhundert beteiligt waren, soll fortlaufend und unter Beachtung der Frauenrolle, besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden.

3.3.1 Die katholische Ordenspflege

Kurze Zeit, nachdem in Frankreich unter Napoleon I., die weiblichen karitativen Orden wieder zugelassen worden sind, entstanden auch in Deutschland „drei weibliche katholische Pflegegemeinschaften (. . . ), die alle zur Gruppe der barmherzigen Schwestern zu rechnen sind “ (Seidler/Leven 2003, S.210):

1. die Borromäerinnen,
2. die Vinzentinerinnen und
3. die Clemensschwestern.

Einen großen Einfluss auf diese Gemeinschaften hatte nach Seidler/Leven (2003) „die deut- sche Romantik mit ihrer besonderen Hinwendung zu den Traditionen des Mittelalters und ihrer Ehrfurcht vor der Römischen Kirche“ (Seidler/Leven 2003, S.211). Allerdings fand nicht jede Frau innerhalb dieser Organisationen eine Beschäftigung. Mit Zugangsbeschränkungen wurde von vornherein den schlechten Erfahrungen mit dem Lohn- wärtertum entgegengewirkt. „Witwen, geschiedene Frauen, Mädchen aus ’niederen Klassen’ [und] unvermögende Waisen“ verwehrte man die Aufnahme (Möller/Hesselbarth 1996, S.59). Aufgrund der weit verbreiteten Armut innerhalb des Proletariats konnten viele Frauen die- ser Schicht nicht die, von den Borromäerinnen und Vinzentinerinnen geforderte „Mitgift“ (Möller/Hesselbarth 1996, S.59f) zur Aufnahme erbringen. Es ist anzunehmen, dass ande- re wiederum an der Hürde „Lese- und Schreibkenntnisse“, wie von den Clemensschwestern gefordert, scheiterten. Letztlich bleibt die Vermutung, dass fast ausschließlich Bürgersfrauen aufgenommen wurden.

[...]


1... infolge der Französischen Revolution und der Napoleonischen Kriege

2 Pauperismus: Verarmung, Verelendung im 19. Jahrhundert

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Die Umgestaltung des Krankenwesens und deren Ursachen unter genauerer Betrachtung der Rolle der Frau im 'langen' 19. Jahrhundert
Hochschule
Alice-Salomon Hochschule Berlin
Veranstaltung
Pflegewissenschaft
Note
1,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
18
Katalognummer
V37039
ISBN (eBook)
9783638365017
ISBN (Buch)
9783638749480
Dateigröße
490 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Umgestaltung, Krankenwesens, Ursachen, Betrachtung, Rolle, Frau, Jahrhundert, Pflegewissenschaft
Arbeit zitieren
Andreas Worch (Autor), 2005, Die Umgestaltung des Krankenwesens und deren Ursachen unter genauerer Betrachtung der Rolle der Frau im 'langen' 19. Jahrhundert, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/37039

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