Werden "sogar" und "auch" im Deutschen konventionell oder frei im Fokus assoziiert?

Eine semantische Untersuchung


Seminararbeit, 2015

10 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

AUCH: ADDITIVE FOKUSPARTIKEL

SKALARE FOKUSPARTIKEL

KONVENTIONELLER FOKUS

FREIER FOKUS

ÜBERPRÜFUNG

FAZIT

LITERATURVERZEICHNIS:

Um die Frage zu klären, ob sogar und auch im Deutschen konventionell oder frei mit dem Fokus assoziiert werden, muss zunächst aufgezeigt werden, zu welchen Fokuspartikeln sich die beiden Lexeme zuordnen lassen. Des Weiteren bleibt zu klären, nach welchen Kriterien sich ein konventioneller beziehungsweise freier Fokus einteilen lässt. Sind diese Grundlagen definiert, stellen wir anhand mehrerer Tests und Beispiele fest, ob sich die genannten Fokuspartikel auch und sogar mit einem gebundenen, einem freien oder gar mit beiden Foki assoziieren lassen.

AUCH: ADDITIVE FOKUSPARTIKEL

Das Lexem auch gehört zur Gruppe der additiven Fokuspartikel und kann entweder betont oder unbetont verwendet werden. (Vgl. Sudhoff 2004) Additive bzw. inklusive Fokuspartikel implizieren, dass ein bestimmter Sachverhalt noch für andere Elemente gelten kann. Auch setzt also wenigstens eine relevante Alternative voraus. (Vgl. Sudhoff 2012)

Die addittiven Fokuspartikel wie auch assoziieren konventionell mit dem Fokus, wenn die Position des Fokus von der aktuellen Frage abhängig ist. (Vgl. Beaver/Clark 2008)

Alexander mag auch [Barbara]F.

Dieser Satz impliziert sein Pendat auch ohne das Auch, denn „Alexander mag auch Barbara“ setzt voraus: Alexander mag Barbara. An dieser Stelle zeigt sich die semantisch-pragmatische Leistung der Fokuspartikel auch. Sie besteht nämlich in der zusätzlichen Präsupposition. Die Entität X ist austauschbar: Alexander mag X . (Vgl. Von Prince 2009)

Implikation: Alexander mag Barbara.

Präsupposition: ∃x. x ̸= Barbara ∧ λx. Alexander mag x

Offensichtlich wird der Bedeutungsbeitrag in Sätzen mit auch präsupponiert und die Bedeutung des restlichen Satzes ohne auch wird assertiert. Die Päsupposition geht hier mit in die wahrheitswertrelevante Bedeutung der Partikel auch ein.

In manchen Fällen kann die deutsche Fokuspartikel auch skalar verwendet werden, nämlich dann, wenn sie als Synonym zu sogar gebraucht wird (Vgl. Sudhoff 2012):

Diese Frage ist auch [ für ExPERten ]F schwierig zu beantworten. (Sudhoff 2012)

SKALARE FOKUSPARTIKEL

Eine skalare Fokuspartikel ist beispielsweise sogar. Die zentrale Eigenschaft dieser Partikel ist, wie die Bezeichnung bereits andeutet, dass sie dem Fokus eine minimale oder maximale Position auf einer Skala zuordnen. Bedingt wird diese Position durch relevante Alternativen des Fokus. (Vgl. Sudhoff 2012) Die skalare Fokuspartikel trägt somit zur Satzbedeutung bei. (Vgl. Sudhoff 2008)

Nehmen wir zum Beispiel folgende Sätze:

1a. Maja hat [Felix]F eingeladen.
1b. Maja hat sogar [Felix]F eingeladen.

Die Aussage 1b. ist folglich stärker als 1a. ohne Partikel. Durch das Hinzufügen der Partikel wird von dem Sprecher deutlich gemacht, dass keiner damit gerechnet hat, dass sogar Felix eingeladen werden würde. (Vgl. Doering) Skalare Fokuspartikel kommentieren also die Erwartungshaltung des Adressaten. Sogar suggeriert keinen Wahrheitsgehalt, spiegelt aber in seiner semantischen Gegenüberstellung eine pragmatische Funktion wider. (Vgl. Beaver/Clark 2008) Die folgenden beiden Sätze sind beispielsweise allein nur durch ihre Fokussierung zu unterscheiden:

2a. Maja hat sogar [Felix]F eingeladen.
2b. Maja hat sogar [FElix eingeladen]F .

Während in a. die Alternativen zu Felix ausgeschlossen werden, werden in b. hingegen die Alternativen zu Felix beleidigt. (Vgl. Studhoff 2010) Die Funktion einer skalaren Fokuspartikel ist also, sich gegenüber einer übermäßig schwachen Erwartungshaltung zu äußern. Somit kann man skalare Fokupartikel als aufwärts orientiert einstufen, weil sie etwas stärkeres aussagen als zuvor angenommen wurde. Andererseits fügt sogar als aufwärts orientierte Fokupartikel monoton hinzu, was bereits vorweg suggeriert wurde und fügt wenig zu der aktuellen Frage hinzu. Dieser Umstand bedeutet aber nicht, dass ein Satz mit sogar nicht auch widersprechen kann: es bietet sogar die perfekte Grundlage, um mit Erwartungen zu spielen. (Vgl. Beaver/Clark 2008)

Wie in 1. sichtbar wird, kann sich sogar jedoch sowohl skalar als auch additiv verhalten. Bezüglich Assertion und Präsupposition verhält sich sogar in manchen Fällen genauso wie auch. Allerdings kommt hier eine weitere Bedeutungskomponente in Form einer Implikatur hinzu, welche ausschlaggebend ist für die Klassifikation von sogar als skalare Fokuspartikel. (Vgl. Studhoff 2012)

KONVENTIONELLER FOKUS

Der konventionelle oder gebundene Fokus zeichnet sich dadurch aus, dass er von einem semantischen Operator gebunden wird. Dieser Operator ist fokussensitiv. (Vgl. Ebert 2001) Diese Fokussensitivität finden wir beispielsweise bei den beiden Fokuspartikeln auch oder sogar, die dann direkt mit dem Gehalt der fokussierten Konstituente zusammenwirken. Der gebundene Fokus beinhaltet einen semantischen Effekt, was bedeutet, dass die unterschiedliche Platzierung desselben in verschiedenen Wahrheitsbedingungen resultiert. (Vgl. Krifka 2004)

3a. Georg hat sogar [Charlotte]F eine Rose geschenkt.
3b. Georg hat sogar Charlotte eine [Rose]F geschenkt.

Die beiden Sätze in 3 unterscheiden sich lediglich in ihrer Fokussierung der Konstituenten. Durch den fokussensitiven Ausdruck sogar, der jeweils mit dem Fokus des Satzes assoziiert, kommt es zu einer unterschiedlichen Wahrheitsbedingung. (Vgl. Doering 2009) Ein Ausdruck gilt also immer dann als fokussensitiv, wenn seine Auslegung von der Platzierung des Fokus abhängig ist. (Vgl. Beaver/Clark 2003) Die konventionelle Assoziation ist also lexikalisch bedingt (Vgl. Doering 2009) und ist, laut Beaver und Clark, „ a grammatical dependency on the Current Question“. (Beaver/Clark 2008) Wie im Beispiel 3 zu sehen ist, ist sogar fokussensitiv, da der Fokus im Satz anzeigt, welche Konstituente des Satzes die aktuelle Frage beantwortet.

[...]

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Werden "sogar" und "auch" im Deutschen konventionell oder frei im Fokus assoziiert?
Untertitel
Eine semantische Untersuchung
Note
1,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
10
Katalognummer
V370419
ISBN (eBook)
9783668479807
ISBN (Buch)
9783668479814
Dateigröße
454 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
werden, deutschen, fokus, eine, untersuchung
Arbeit zitieren
Diplom Winnie Faust (Autor), 2015, Werden "sogar" und "auch" im Deutschen konventionell oder frei im Fokus assoziiert?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/370419

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