Unternehmensphilosophie bundesdeutscher Krankenhäuser in Zeiten des Strukturwandels


Fachbuch, 2017
103 Seiten

Leseprobe

Gliederung

Vorwort

1) Thesen zur Unternehmensphilosophie

2) Begriffsklärung
2.1) Abgrenzungen
2.2) Aspekte

3) Anforderung an eine Unternehmensphilosophie

4) Praxisbeispiele

5) Kliniken im Strukturwandel
5.1) Hat die Bundesrepublik Deutschland zu viele Krankenhäuser?
5.2) Wirtschafts- und Investitionsdruck
5.2.1) Gefährdungsgrad bundesdeutscher Krankenhäuser
5.2.1.1) Mangelnde investive Finanzierung
5.2.1.2) Mangelnde operative Finanzierung
5.2.2) Gefährdungsgrad ländlicher Krankenhäuser
5.3) Paradigmenwechsel in der Gesundheitspolitik: Qualitätsdruck
5.4) Reaktionen ländlicher Kliniken und öffentlicher Verbände
5.4.1) Klassische Maßnahmenkataloge der Kliniken
5.4.2) Stellungnahmen der Verbände
5.4.3) Entwicklung strategischer Ziele

6) Ableitung einer Unternehmensphilosophie
6.1) Begründung
6.2) Richtungsentscheidung
6.3) Formulierung
6.4) Transparenz
6.4.1) Kommunikation intern
6.4.2) Kommunikation extern

7) Erfolgskontrolle

8) Ausblick: Wissenschaftliche Erhebung

9) Anhang
9.1) Online-Broschüre „Investitionen in die Zukunft“
9.2) Quellenverzeichnis
9.3) Abkürzungsverzeichnis
9.4) Autor
9.5) Spendenhinweis

Vorwort

Unternehmensphilosophie in Kliniken? Dieses Thema mag Sie ein wenig befremden – geht es doch in jedem deutschen Krankenhaus um die gleiche Aufgabenstellung, nämlich Patienten zu behandeln.

Umso mehr mag es provozieren, wenn der Autor dieses Fachbuchs die These aufstellt, dass Kliniken ohne eine Unternehmensphilosophie des Trägers langfristig nicht im Gesundheitsmarkt bestehen werden.

In Zeiten des Strukturwandels im Gesundheitswesen benötigen Unternehmensstrategien und Marketingkonzepte für Kliniken eine Richtungsentscheidung, an der sich Patienten, Mitarbeiter, zuweisende Ärzte, Kooperationspartner und Träger gleichzeitig orientieren.

Es geht um Mut und Bekenntnis zugleich. Es geht um die Fragestellung, ob der Gesetzgeber über die Richtung des Krankenhauses entscheidet oder der jeweilige Träger, ob Bundesleitlinien, Landesleitlinien oder regionale Gesichtspunkte die Zukunftsperspektiven eines Krankenhauses bestimmen.

Damit ist das Thema quasi „gesetzt“. Das Fachbuch nimmt Klinikleitungen und Träger von Krankenhäusern mit auf eine spannende Reise. Es verdeutlicht Patienten, Mitarbeitern und der Bevölkerung, wie wichtig eine erstklassige regionale Gesundheitsversorgung ist. Es nimmt die für stationäre klinische Versorgung Verantwortlichen in die Pflicht, „Ihrem Krankenhaus“ eine ganz besondere Note zu verpassen. Der Landkreis Amberg-Sulzbach hat sich mit seinem Kommunalunternehmen „Krankenhäuser des Landkreises Amberg-Sulzbach“ dieser Aufgabe gestellt. Wir sind stolz auf die klare Positionierung, die Transparenz für alle schafft, die mit unseren Krankenhäusern zusammenarbeiten.

Lassen Sie sich, lieber Leserinnen und Leser, von einem Experiment inspirieren, im regionalen ländlichen Klinikmarkt verantwortungsvolle Gesundheitspolitik zu gestalten, die von allen Beteiligten mitgetragen wird.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Das Krankenhaus

mit Händen greifen,

seine Absichten verstehen

Vertrauen gewinnen …

… das ist gelebte Transparenz.

(Klaus Emmerich)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1) Thesen zur Klinikphilosophie

Ca. 83% bundesdeutscher Krankenhäuser verfügen über eine ausgeprägte Klinikstrategie. Das ist wirtschaftlich sowie medizinisch sinnvoll und notwendig. *1) Spontan wäre aufgrund der hohen strategischen Durchdringung in bundesdeutschen Krankenhäusern zu schließen:
- Bundesdeutsche Krankenhäuser sind auf Herausforderungen gut vorbereitet – es geht ihnen gut.
- Sie haben mittel- bis langfristige Entwicklungsperspektiven.
- Träger der Kliniken, die versorgte Bevölkerung sowie die angestellten Mitarbeiter der Krankenhäuser können auf den Fortbestand ihrer Kliniken vertrauen.

Doch das Gegenteil ist der Fall:

- Bundesdeutsche Kliniken sind einem rasanten Strukturwandel unterworfen.
- Es geht ihnen wirtschaftlich und medizinisch schlecht; etliche Krankenhäuser sind in ihrer Existenz bedroht.
- Die klinische Versorgung insbesondere kleiner Krankenhäuser in ländlichen Regionen ist akut gefährdet.
- Klinikschließungen sind bundespolitisch gewollt, die Steuerung erfolgt durch unzureichende öffentlich-rechtliche Finanzierung und durch extrem aufwändige, von kleinen Krankenhäusern schwer erfüllbare, Qualitätsauflagen. *2)
- Veränderungen im deutschen Gesundheitswesen sind extrem kurzweilig, schwer zu prognostizieren und stellen mühsam entwickelte Klinikstrategien bereits nach kurzer Zeit wieder in Frage.
- Strategische Maßnahmenbündel – so durchdacht sie sein mögen - können den Prozess wirtschaftlich angeschlagener, medizinisch-technisch unzureichend ausgestatteter, politisch orientierungsloser sowie in ihrer Existenz bedrohter Kliniken nicht aufhalten.

Die Träger der Kliniken stehen vor einer richtungsweisenden Entscheidung:

- Sie akzeptieren die Vorgaben der Bundes- und Landesgesundheitspolitik, ihre Kliniken im Rahmen einer medizinischen Arbeitsteilung großen Verbünden anzuschließen, möglichst kostengünstig umzugestalten bzw. komplett zu schließen. Oder kurz und knapp: Sie sparen Kosten!
- Sie steigern bewusst das medizinische Leistungsangebot und handeln damit gegen die Intension der Bundes- und Landesgesundheitsministerien bzw. des Gesetzgebers. Sie handeln patientenorientiert und bieten wohnortnahe stationäre medizinische Versorgung an.

Die Steigerung des medizinischen Leistungsangebots ist wertbezogen und damit mehr als Strategie.

- Sie ist ein klares Bekenntnis der Klinikträger, wohin die Reise ihrer anvertrauten Kliniken geht.
- Sie ist eine Unternehmensphilosophie für Kliniken, in denen sich die Träger zu Gunsten der anvertrauten Patienten klar positionieren.

These dieses Fachbuchs ist, dass Kliniken ohne eine Unternehmensphilosophie des Trägers langfristig im Gesundheitsmarkt nicht bestehen werden. Kliniken brauchen in Zeiten massiven Strukturwandels den Schulterschluss zwischen Träger, Klinikleitung, Beschäftigten sowie der zu versorgenden Bevölkerung. Sie brauchen einen Konsens, wohin ihre Klinik steuert. Sie brauchen den gemeinsamen Kompass, mit dem sie gegen immer härtere wirtschaftliche und qualitative Vorgaben der Bundes- und Landesgesundheitspolitik anrennen. Sie brauchen ein Instrument, um auch in Zukunft …

- qualitativ hochwertige medizinische Leistungen anbieten zu können, und zwar,
- wohnortnah
- zuverlässig und
- langfristig.

Bei diesen Thesen darf es nicht bleiben. Das Fachbuch wird auf den aktuellen Strukturwandel im Gesundheitssektor eingehen, die Folgen für ländliche Regionen herausstellen und daraus die Herausforderungen für Klinikträger ländlicher Kliniken ableiten.

Klinikstrategien reichen in Zeiten permanenten Strukturwandels nicht mehr aus, um die Herausforderungen des bundesdeutschen Gesundheitsmarktes zu bestehen. Sie bedürfen einer Ordnung bzw. einer klaren Zielsetzung, sie benötigen eine Unternehmens-philosophie für Kliniken, kurz Klinikphilosophie.

Aber was ist mit einer Unternehmensphilosophie für Kliniken gemeint? Eine Begriffsklärung steht deshalb zu Beginn der Analyse.

Die Welt hat viele Strategen.

Doch was sie wirklich braucht, sind Visionäre.

(Klaus Emmerich)

2) Begriffsklärung

2.1) Abgrenzungen

Unternehmenskultur

„Die Unternehmenskultur stellt ein historisch gewachsenes, tradiertes Phänomen dar, das vornehmlich Sinn vermitteln und Motivationspotentiale schaffen soll. Da sie größtenteils unbewusst in einem historischen Prozess entsteht, verfolgt Unternehmenskultur keine explizite Zielsetzung, sondern stellt eine interne Orientierungsbasis für das gemeinsame Handeln der Mitarbeiter dar.“ *3)

Beispiele können ein gelebtes „menschliches Krankenhaus“ bzw. „Kliniken mit Herz“ sein, in denen die Patienten aufgrund des besonderen Engagements der Mitarbeiter eine hohe Zuwendung und menschliche Wärme erfahren. *4)

Unternehmensphilosophie

Die Notwendigkeit einer Unternehmensphilosophie unterstreicht Claudia Dahn: „Ein umfassendes Marketingkonzept beginnt mit der Formulierung der Krankenhaus-philosophie, welche sich an den ethischen und moralischen Wertvorstellungen des Krankenhausträgers orientiert. Die Philosophie soll ein Identifikationsangebot an die Mitarbeiter des Hauses sein sowie Verhaltensregeln für Mitarbeiter und Führungskräfte festlegen. Folglich kann die Krankenhausphilosophie als Leitbild verstanden werden, ...“ *5)

Gegenüber den ethischen und moralischen Wertvorstellungen eines hausinternen Leitbildes grenzt sich die Unternehmensphilosophie jedoch entscheidend ab. Der Träger bezieht Werte und Leitlinien ein, die über Bestehen, Fortentwicklung oder Einstellung des Unternehmens mitentscheiden und für Führungskräfte sowie Mitarbeiter des Gesundheitswesens nicht disponibel sind. Diese Werte sollten alle Beschäftigten eines Klinikums kennen. So entscheidet in der Regel der Träger oder das Aufsichtsgremium (Aufsichtsrat bzw. Verwaltungsrat) entsprechend der Unternehmenssatzung über wesentliche Änderungen des Betriebsumfanges der Krankenhäuser, wesentliche Änderungen in der medizinischen Zielsetzung und sonstiger Aufgaben der Einrichtungen, Gründung und Auflösung von Unternehmen, die Beteiligung an anderen Unternehmen sowie Haushalte/Budgets. Entscheidet der Träger oder das Aufsichtsgremium unter Wahrnehmung seiner politischen / gesellschaftlichen Verantwortung über Strategien ohne diese mit einer Unternehmensphilosophie zu begründen, bleibt der Klinikleitung die letztendliche Zielsetzung und Wertevorstellung des Trägers verborgen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Stellung der Unternehmensphilosophie (schematische Darstellung ohne Anspruch auf Vollständigkeit)

Strategien

„Um die Marketing- und Unternehmensziele zu realisieren, muss das strategische Krankenhausmanagement Marketingstrategien entwickeln. Dazu sind detaillierte Kenntnisse über das eigene Unternehmen, die Anspruchsgruppen und die Mitbewerber unabdingbar. Marketingstrategien analysieren die Ausgangssituation im Unternehmen und formulieren Grundsatzanweisungen und Verhaltenspläne zur Erreichung eines vorgegebenen Soll-Zustandes. Aus diesem Grund müssen die Marketing-Aktivitäten hinsichtlich ihres Beitrages zur Zielerreichung messbar sein.“, führt Tobias Grawinkel aus.

*6) Genau hier setzt wieder die Unternehmens- bzw. Klinikphilosophie an mit klar formulierten Zielen des Trägers an.

Corporate Identity

Wenn ergänzend Leitbilder und Führungsgrundsätze im Sinne einer Unternehmenskultur existieren, kann sich das strategische Marketingkonzept auf eine Unternehmensidentität (= Corporate Identity) stützen. *7) Friederike Moormann bezeichnet in Anlehnung an Birkigt, K./Stadler, M.M./Funck Corporate Identity als „Selbstdarstellung und Verhaltensweise eines Unternehmens nach innen und außen auf der Basis einer festgelegten Unternehmensphilosophie, einer langfristigen Unternehmenszielsetzung“ *8)

Bestandteile einer Corporate Identity sind demnach:

- das Unternehmens-Verhalten im Sinne eines konsistenten Auftretens der Mitarbeiter und Anteilseigner gegenüber Dritten
- das Unternehmens-Erscheinungsbild (Corporate Design) mit einheitlichem optischen Auftritt des Unternehmens (z.B. Logo, Schrift, Arbeitskleidung, ...)
- Unternehmens-Kommunikation (Corporate Communication), im Sinne einer einheitlichen Unternehmenssprache eines Unternehmens mittels Werbung, Öffentlichkeitsarbeit, Mitarbeiterinformation, eigener Homepage. *9)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Homepage Kliniken mit Herz *10)

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Abb. 3: Gesamtbroschüre Kliniken mit Herz *11)

Um die Zielsetzungen der Unternehmensphilosophie für Kliniken genauer herausstellen zu können, sollen einige Aspekte der Unternehmensphilosophie tiefer untersucht werden.

Betrachten wir zunächst die Definition des Wirtschaftslexikons des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln Medien GmbH.

„Die Unternehmensphilosophie kann als zentrale übergeordnete Konzeption für die Führung eines Unternehmens und seine Langfrist-Ausrichtung am Markt verstanden werden. Aus ihr werden Kultur, Leitbild und Strategie des Unternehmens abgeleitet. Sie besteht aus den explizit in den Führungsgrundsätzen dokumentierten und aus den implizit verfolgten Grundeinstellungen der Eigentümer oder der Geschäftsführer eines Betriebes in Bezug auf die unternehmensexterne Umwelt - Kunden, Lieferanten, Wettbewerber, aber auch die Gesellschaft allgemein - ebenso wie unternehmensintern gegenüber den Mitarbeitern. … Die Unternehmensphilosophie umfasst die drei Komponenten Gesellschaftsbild (Bezug des Unternehmens zur Gesellschaft und Politik), Unternehmensleitbild und Menschenbild (Unternehmenskultur und Führungsphilosophie). Die Philosophie beeinflusst daher maßgeblich die soziale Verantwortung des Unternehmens, seine Strategien, Pläne und Ziele sowie den Führungsstil und die Führungsgrundsätze des Managements. Funktional dient die Unternehmensphilosophie der Orientierung der Mitarbeiter. Durch eine Verbesserung der Identifikation mit dem Unternehmen steigt die Motivation, wenn anspruchsvolle aber nachvollziehbare und realistische Ziele definiert werden. Die Unternehmensphilosophie dient auch der Legitimation und Kanalisierung der Interessen des Managements. Als eindeutige Grundlage verantwortlichen Handelns erhöht die Unternehmensphilosophie - mit ihren Elementen Leitbild und Kultur - das Zusammengehörigkeitsgefühl im Unternehmen und trägt so zur Steigerung der Produktivität bei.“ *12)

Mit dieser Beschreibung bzw. Definition der Klinikphilosophie wird die hohe Verantwortung des Gesellschafters bzw. Trägers hinsichtlich der Positionierung seines Unternehmens (hier Krankenhaus) herausgestellt.

Ähnlich argumentiert finanzen.net

„Unternehmensphilosophie – Definition: Explizite, z.B. als Führungsgrundsätze dokumentierte oder implizit verfolgte Einstellungen eines Eigentümers oder der Manager eines Betriebes gegenüber der Gesellschaft, Wirtschaft und gegenüber dem Individuum (Menschen). Die Unternehmensphilosophie umfasst damit die drei Komponenten:

(1) Gesellschaftsbild (Bezug des Unternehmens zur Gesellschaft und Politik),

(2) Leitbild (Bezug des Unternehmens zum Wettbewerb, d.h. den anderen Wirtschafts- objekten) und

(3) Menschenbild (Führungsphilosophie). Diese Philosophie beeinflusst daher maßgeblich

die Soziale Verantwortung des Betriebes, die Strategie und das Ziel des Unternehmens

sowie den Führungsstil und die Führungsgrundsätze im Betrieb.“ *13)

Auch hier wird die Ausrichtung einer Unternehmensstrategie, hier Klinikstrategie, an der Unternehmensphilosophie betont.

Auch die Corporate Identity, die Darstellung des Klinikums nach außen, ist ohne eine Unternehmensphilosophie nicht vorstellbar:

„Die Unternehmensphilosophie oder das Unternehmensleitbild gibt den Rahmen vor, innerhalb dessen ein Unternehmen agiert. Sie umfasst die Unternehmensgrundsätze nach außen und innen und die Unternehmenspolitik, also die Art, wie sich das Unternehmen darstellt und wie es seinen Geschäftszweck definiert. Zur einheitlichen Darstellung und zur Stärkung des Wir-Gefühls dient die Corporate Identity.“ *14)

Somit wird die Klinik- bzw. Unternehmensphilosophie zum Orientierungsrahmen, an dem sich Patienten (allgemein Kunden), Mitarbeiter und Geschäftspartner von Kliniken gleichermaßen ausrichten können.

„Zu allererst benötigt die Entwicklung einer Corporate Identity die Formulierung einer Unternehmensphilosophie, die den aktuellen und zukünftigen Anforderungen aus dem Unternehmen selbst und seiner Umwelt gerecht wird sowie deren Umsetzung innerhalb der Unternehmenskultur. Voraussetzung hierfür ist, dass das Unternehmen sich selbst versteht, also seine eigene Persönlichkeit definiert.

Im Mittelpunkt der Corporate Philosophy steht die Vision, also die geistige Vorstellung eines denkbaren, zukünftigen und erstrebenswerten Zustandes für das Unternehmen. Die Vision ist ein Ziel, das einen Sog ausübt. ... Aus der Vision ergeben sich dann die übergeordneten Wertvorstellungen, Einstellungen und Normen des Unternehmens.

Die Wertvorstellungen beinhalten gewisse Verhaltensgrundsätze, im Sinne einer Art Verfassung des Unternehmens. Diese Grundsätze dienen als Orientierungsleitlinien um das Verhalten der Mitarbeiter zu steuern, somit kann das Unternehmen auch seinen Beitrag zur gesellschaftlichen und kulturellen Weiterentwicklung leisten. Zurückzuführen sind diese Verhaltensregeln in der Regel auf die Orientierungsmuster der Unternehmensgründer. Sie zeigen sich in den Einstellungen zu den Kunden und Mitarbeitern, zu Führung und Kommunikation, zu Qualität, Umwelt und Service. ... Nur durch Unterstützung verbindlicher Normen kann ein konkretes, situationsbezogenes, wechselseitig orientiertes und somit berechenbares Handeln gewährleistet werden.“ *15)

Nach Ansicht von Stefan Bär hat die Unternehmensphilosophie und die daraus resultierende Markenbildung für Kliniken eine hohe Bedeutung angesichts des aktuellen Strukturwandels im Gesundheitswesen: „Die Veränderungen der Krankenhauslandschaft haben einen Druck erzeugt, sich auf dem Markt zu positionieren, welcher zumindest semantisch im Bereich der Gesundheitsversorgung längst etabliert ist. Für nahezu alle Häuser hat die Dynamik der letzten Jahre zu einer Situation geführt, die als marktbasierte Konkurrenzsituation gedeutet wird. Entsprechendes Know-how zur Markenbildung gab und gibt es im Bereich der Wirtschaft zur Genüge. So verwundert es nicht, dass nun auch in der Gesundheitsversorgung – als Gesundheitswirtschaft verstanden – Themen wie Marketing, also Vermarktung, wichtig geworden sind. Die Marke spielt hierbei eine entscheidende Rolle, gewährleistet sie doch Konsistenz im Auftreten auf dem Markt und einen Zugriff auf das, was die anderen Marktteilnehmer damit verbinden sollen. … Ein behutsamer und reflektierter Umgang mit der Frage der Marke ist angezeigt. Das Krankenhausmanagement steht vor der anspruchsvollen Aufgabe der Integration medizinischen Selbstverständnisses und medizinischer Logik in die Krankenhaus-/ Unternehmensphilosophie“. *16)

Die Leitung des Unternehmens „Krankenhaus“ ist primär keine Karrierefrage.

Unternehmensführung im Krankenhaus ist eine ethische und gesellschaftliche Herausforderung im Auftrag der anvertrauten Menschen.

(Klaus Emmerich)

3) Anforderung an eine Unternehmensphilosophie

Aus den Aspekten zusammengefasst, werden in die Unternehmensphilosophie für Krankenhäuser einbezogen:

- Bezug des Krankenhauses zur Gesellschaft und Politik
- Bezug des Klinikums zum Wettbewerb
- aktuelle und zukünftige Anforderungen an das Krankenhaus
- Bezug zu seiner Umwelt
- Wertvorstellungen, Einstellungen und Normen
- Einstellungen zu den Patienten und Mitarbeitern, zu Führung und Kommunikation, zu
Qualität (insbesondere Gesundheitsmarkt) und Service
- Markenbildung.

Umwelt und politische Vorgaben ländlicher Krankenhäuser sind im Umbruch. Der Gesundheitsmarkt unterliegt einem gewaltigen Strukturwandel. Deshalb wird zunächst der Strukturwandel für ländliche Krankenhäuser beschrieben, bevor geeignete Unter-nehmensphilosophien für Krankenhäuser abgeleitet werden können.

Einem Unternehmen ohne Richtungsentscheidung

fehlt der Mut für visionäre Zukunftsperspektiven.

(Klaus Emmerich)

4) Praxisbeispiele

Eine systematische Untersuchung von Klinikphilosophien in Deutschland ist dem Buchautor nicht bekannt.

Recherchen im Internet weisen nur sehr wenige Kliniken aus, die eine Unternehmensphilosophie für Krankenhäuser veröffentlichen. Unter der Prämisse, dass eine Unternehmensphilosophie für Krankenhäuser trägerspezifische Unternehmensziele ausweist, aus der sich die Corporate Identity, die Darstellung des Klinikums nach außen, ableiten lässt, sind die überwiegenden kommunizierten „Unternehmensphilosophien“ einer anderen Kategorie zuzuordnen. Überwiegend handelt es sich um Leitbilder, d.h. im Innenverhältnis auferlegte Spielregeln zur Patientenorientierung, Mitarbeiterorientierung und Qualitätssicherung.

Die nachfolgende Tabelle ist beispielhaft und erfüllt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4: Kliniken mit veröffentlichten Klinikphilosophien

Exemplarisch werden Ausschnitte aus „echten“ Unternehmensphilosophien folgender Kliniken vorgestellt:

- Klinikgruppe Dr. Gruth
- NRZ Neurologisches Rehabilitationszentrum Leipzig.

„Die Kliniken unserer Klinikgruppe anerkennen ihre Verantwortlichkeiten in den unterschiedlichen Regionen und unterstützen Politik und Kostenträger (z. B. Krankenkassen) in der Bewältigung ihrer Aufgaben. Gerade in Zeiten knapper Ressourcen ist eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Politik und Kostenträgern notwendig und unverzichtbar, damit allen Versicherten die Leistungen unserer Kliniken zugänglich bleiben. So nehmen unsere Kliniken an mehreren Projekten der Integrierten Versorgung in Norddeutschland teil. Unser Klinikum Karlsburg stärkt als einer der größten Arbeitgeber die strukturschwache Region Mecklenburg-Vorpommern und unsere Praxisklinik unterstützt nachhaltig die medizinische Infrastruktur im Hamburger Stadtteil Mümmelmannsberg und stellt dort die medizinische Stadtteilversorgung sicher. Es ist für uns selbstverständlich, sich auch auf dem Gebiet der Prävention zu engagieren.“ *17)

„Kern der Unternehmensphilosophie ist die Realisierung übergreifender Versorgungskonzepte, bei denen Leistungserbringer aus artverwandten Bereichen durch Ansiedlung in unmittelbarer räumlicher Nähe gemeinsam am Markt auftreten können. Positive Beispiele sind Konzepte zwischen Akutkrankenhaus, Rehabilitation und Pflege sowie dem ambulantärztlichen Versorgungsbereich, sowie der Hotellerie und Anbietern aus dem Gesundheitswesen. Insbesondere in unseren Kliniken im Raum Leipzig sowie der Brandenburg Klinik Bernau bei Berlin sind derartige Konzepte mit dem Schwerpunkt der neurologisch rehabilitativen Versorgung erfolgreich umgesetzt worden. In diesem Zusammenhang sind auch Kooperationen mit der Universität Leipzig im Rahmen einer Stiftungsprofessur für neurologische Rehabilitation und dem Max-Planck-Institut zur Umsetzung gekommen, die die Qualität unserer Arbeit besonders zum Ausdruck bringen.“ *18)

Auf die Unternehmensphilosophie des Kommunalunternehmens „Krankenhäuser des Landkreises Amberg-Sulzbach“ wird in einem gesonderten Kapital eingegangen.

Vorab ist jedoch der Strukturwandel für bundesdeutsche, insbesondere ländliche Krankenhäuser einzugehen. Er ist eine große Herausforderung für jede Klinikleitung und jeden Träger. Der Strukturwandel mit seinen ständig wechselnden gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen ist es, der eine Unternehmensphilosophie für Krankenhäuser so notwendig macht.

Strukturwandel im Gesundheitswesen – eine große Herausforderung.

Die Antwort der Unternehmensphilosophie:

In Zeiten des Strukturwandels für Krankenhäuser Orientierung und Verlässlichkeit schaffen.

(Klaus Emmerich)

5) Ländliche Kliniken im Strukturwandel

51) Hat die Bundesrepublik Deutschland zu viele Krankenhäuser?

Einen beispiellosen Strukturwandel erfahren bundesdeutsche Krankenhäuser seit 25 Jahren. Im Zeitraum zwischen 1991 und 2015 veränderten sich wichtige klinische Indikatoren dramatisch:

32% mehr Patienten

31% weniger Belegungstage

Verkürzung der Verweildauer um 48%

Verringerung der Klinikbetten um 25%

Verringerung der Krankenhäuser um 19%. *19)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 5: Grunddaten der Krankenhäuser 2015 *20)

[...]


*1) vgl. BDO AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, Köln 2016, Krankenhausstrategie 2020, S. 9

*2) vgl. Dipl. Kaufmann Klaus Emmerich, 2015, Kliniksterben in ländlichen Regionen Deutschlands, München, GRIN Verlag, http://www.grin.com/de/e-book/308555/kliniksterben-in-laendlichen-regionen-deutschlands; in diesem Fachbuch werden sehr detailliert die Ursachen des politisch beabsichtigten Kliniksterbens in Deutschland beschrieben.

*3) Friederike Moormann, 2007, Die Bedeutung der Kultur eines Krankenhauses , München, GRIN Verlag GmbH, http://www.grin.com/de/e-book/82368/die-bedeutung-der-kultur-eines-krankenhauses, S. 12

*4) Hierzu hat beispielsweise das Kommunalunternehmen „Krankenhäuser des Landkreises Amberg-Sulzbach“ eine Gesamtbroschüre erstellt, das Corporate Design konzentriert sich auf „Kliniken mit Herz“.

*5) Claudia Dahn, 2004, Die Bedeutung von Marketing-Maßnahmen im Krankenhaus, München, GRIN Verlag GmbH, http://www.grin.com/de/e-book/67400/die-bedeutung-von-marketing-massnahmen-im-krankenhaus, S. 6

*6) Tobias Grawinkel, 2011, Social Media Marketing, Krankenhäuser im Web 2.0, München, GRIN Verlag GmbH, http://www.grin.com/de/e-book/183226/social-media-marketing-krankenhaeuser-im-web-2-0, S. 13

*7) vgl. Haubrock, M./ Schär, W. (Hrsg.): 3. vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage 2002, Betriebswirtschaft und Management im Krankenhaus, Verlag Hans Huber, Bern, S. 295

*8, 2007, ebda, S. 10 f., Birkigt, K./Stadler, M.M./Funck, H.J. (Hrsg.), 2002, Corporate Identity: Grundlagen, Funktionen, Fallbeispiele. 11. Aufl., München 2002, S.13 f..

*9) vgl. Friederike Moormann, ebda, S. 10 f., Birkigt, K./Stadler, M.M./Funck, H.J. (Hrsg.), ebda, S. 24

*10) Homepage „Kommunalunternehmen „Krankenhäuser des Landkreises Amberg-Sulzbach“, 2017,Sulzbach-Rosenberg, www.kh-as.de

*11) Deckblatt Gesamtbroschüre „Kommunalunternehmen „Krankenhäuser des Landkreises Amberg-Sulzbach“, 2016,Sulzbach-Rosenberg, http://www.kh-as.de/files/ab-2016/Broschueren-Flyer/2017_Gesamtbroschuere_final_neu_aktuell.pdf 22) Aspekte

*12) Homepage Institut der deutschen Wirtschaft Köln Medien GmbH, Wirtschaft und Schule, 2017, Köln, http://www.wirtschaftundschule.de/lehrerservice/wirtschaftslexikon/u/unternehmensphilosophie/

*13) Finanzen.net, Wirtschaftslexikon, 2017, Karlsruhe, http://www.finanzen.net/wirtschaftslexikon/Unternehmensphilosophie

*14) Steuerlinks GmbH, Lexikon der Unternehmensführung 2017, Malsch, http://www.steuerlinks.de/marketing/lexikon/unternehmensphilosophie.html

*15) Daniel Hartling, 2017, Sömmerda,

http://www.hartling.name/corporate_identity/corporate_philosophy.html

*16) Dr. rer. pol. Stefan Bär, 2012, Markenbildung Im Kranken­haus: Vorrang muss die interne Verständigung haben, aerzteblatt.de, Berlin, http:/www./m.aerzteblatt.de/print/121096.htm

*17) Klinikgruppe Dr. Gruth, 2017, Hamburg, https://www.drguth.de/unternehmung

*18) NRZ Neurologisches Rehabilitationszentrum Leipzig, 2017, Bennewitz http://www.nrz-leipzig.de/index.php?id=2376

*19) Zu Kapitel 5 vgl. Klaus Emmerich, 2015, Kliniksterben in ländlichen Regionen Deutschlands, München, GRIN Verlag, http://www.grin.com/de/e-book/308555/kliniksterben-in-laendlichen-regionen-deutschlands, Kap. 3, S. 10 – 73, hier wird der Strukturwandel unter dem Gesichtspunkt eines bewusst gesteuerten Kliniksterbens beschrieben

*20) Statistisches Bundesamt, 2016, Grunddaten der Krankenhäuser 2015, Wiesbaden, Fachserie 12 Reihe 6.1.1, S. 11 )

Ende der Leseprobe aus 103 Seiten

Details

Titel
Unternehmensphilosophie bundesdeutscher Krankenhäuser in Zeiten des Strukturwandels
Autor
Jahr
2017
Seiten
103
Katalognummer
V370426
ISBN (eBook)
9783668491205
ISBN (Buch)
9783668491212
Dateigröße
3541 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Das Autorenhonorar dieses Buches wird Karlheinz Böhms Stiftung „Menschen für Menschen“ zur Verfügung gestellt. Der Autor Klaus Emmerich konnte die Projekte der Äthiopienhilfe im Jahr 2008 vor Ort besuchen und sich von der Effektivität der Hilfe für Menschen in Not überzeugen. Das Geld kommt dort gut an. Mit dem Erwerb dieses Werkes unterstützen Sie Projekte in Äthiopien, einem der ärmsten Länder der Welt.
Schlagworte
Unternehmensphilosophie, ländliche Krankenhäuser, Klinikstrategien, Krankenhausimage, Zunkunftsperspektive, Strukturwandel, Klinikphilosophie, Leitbild, Marketing, Unternehmensziele, Klinikträger, Klinikleitung
Arbeit zitieren
Klaus Emmerich (Autor), 2017, Unternehmensphilosophie bundesdeutscher Krankenhäuser in Zeiten des Strukturwandels, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/370426

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