Das Motiv der Liebe in Prosastücken von Robert Walser

„Was ist Geliebtsein und Beliebtsein gegen dieses blühende holdselige Wunder: selber lieben!“


Masterarbeit, 2011
128 Seiten, Note: 1,8

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Herleitung und Relevanz des Themas
1.2. Zur Methode
1.3 Stand der Forschung und Edition

2. ,,Die Frage, ob er [Robert Walser] jemals eine Liebesbeziehung gehabt habe, verneint der Patient kategorisch.“ - Robert Walser: der Beziehungslose?
2.1. ,,Zwischen mir und Ihnen liegt eine Welt.“ - Über den Briefwechsel mit Flora Ackeret
2.2. ,,Ich küsse Ihnen [] den Saum Ihres entzückenden Unterhöschens“ - Über den Briefwechsel mit Frieda Mermet
2.3. ,,An das Mädchen im Rheinland“ - Über den Briefwechsel mit Therese Breitbach

3. ,,Was ist Geliebtsein und Beliebtsein gegen dieses blühende holdselige Wunder: selber lieben?“ - Motivanalyse
3.1. ,,[] nur wer liebt, ist lebendig.“ - Über den Mythos der Liebe, seine Anfänge und Enden und das, was über ihn hinaus geht
3.1.1. ,,Seine Brust kam ihm durchbohrt vor.“ - Verliebtheit
3.1.2. ,,Liebe macht mich groß; und geliebt und begehrt sein, macht mich klein.“ - Über die Spezifika des walserschen Liebesmotivs
3.1.3. ,,Was ein Mädchen für eine Macht hat, hätte ich nie vorher gedacht.“ - Von der ‚Kindlichkeit‘ des Mannes und dem Paradoxon des Klein- und Großseins
3.1.4. ,,Herrlich war’s, wie sie einander nun vor Liebe beinahe aßen.“ - Über das Begehren, dass sich selbst begehrt
3.1.5. ,,Mich drängt es, eine andere kennen zu lernen, um sie auf entzückende Art zu betrügen, []“ - Liebhabereien und Schweinereien
3.2. ,,Meiner Meinung nach kann nämlich Erotik immer noch zu ein wenig Idealität erziehen.“ - Sexualität
3.2.1. ,,Wie mich danach verlangt, Sie anzusehen, Sie in der Nähe zu haben; [].“ - Sexuelles Verlangen und sexuelle Handlungen
3.2.1.1. ,,[] und das Ergebnis dieser reizenden Begegnung ist ein langer, heißer, wilder, süßer, herrlicher Kuss, an dessen Wonne die beiden zu sterben wünschen.“ - Der Kuss als ,,Medium des Unsagbaren“ und der Liebesbedürftigkeit des Menschen
3.2.1.2. ,,[] ich packte zu und griff an und erwies mich in jeder Art Reiberei als Meister.“ - Über den Geschlechtsakt
3.2.2. ,,Vielleicht sollt‘ ich ihn lieber nie gelesen haben, bekenne mich aber gern zur Tatsache.“ - Masochismus in der Kurzprosa Robert Walsers
3.2.2.1. ,,Ob’s ihr nun paßt oder nicht. Die Emporgehobene muß sich dem Untergebenen fügen.“- Die entmachtete Herrscherin als walsereskes Charakteristikum masochistisch strukturierter Liebesbeziehungen
3.2.2.2. Fetisch
3.2.2.2.1. ,,Ihre Schuhe sind nicht besonders wundervoll.“
3.2.2.2.2. ,,Wenn du zum Weibe gehst, so nimm die Peitsche mit.“ - Peitschen und Pelze
3.3. ,,Ja, Grün ist - Leben, Grün ist Lieben.“ - Dimensionen der Liebe (Raum, Zeit, Farbe)
3.4. ,,Das blühende holdselige Wunder“ - Religiosität im Liebes-Motiv

4. Fazit - ,,Der Rest heißt Behagen. Bekanntlich schweigt ja, was glücklich ist.“

5. Literaturverzeichnis
5.1. Quellen
5.2. Sekundärliteratur
5.2.1. Monografien
5.2.2. Sammelbände
5.2.3. Aufsätze und Artikel
5.2.4. Artikel aus Nachschlagewerken
5.2.5. Zusätzliche Internetressourcen
5.3. Bildnachweise..

,,Was ist Geliebtsein und Beliebtsein gegen dieses blühende holdselige Wunder: selber lieben!“1

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Zum Motiv der Liebe in ausgewählten Prosastücken Robert Walsers

Master-Arbeit vorgelegt im Rahmen der Master-Prüfung für den Master-Studiengang ,,Lehramt an Gymnasien“ im Teilstudiengang Germanistik

von

Katharina Terhaag

Osnabrück, den 08. November 2011

Zitationshinweise für die Kurztitel

Quellen wurden nach folgendem Muster zitiert:

Nachname (Erscheinungsjahr der Erstausgabe): Kurztitel. Seitenangabe.

Sacher-Masoch (1986): Venus im Pelz. S.53.

Handelte es sich um Werke von Walser wurde auch auf die Autorennennung verzichtet:

Titel (Erscheinungsjahr der Erstausgabe): Abkürzung der verwendeten Quellenausgabe. Seitenangabe.

Der Bursche (1913). LG, S.29.

Walsers Briefe wurden folgendermaßen abgekürzt:

An Adressatin (Ort: Datum). B, Seitenangabe.

An Frieda Mermet (Biel: 25.12.1916). B, S.99.

Sekundärliteratur wurde folgendermaßen abgekürzt:

Nachname Erscheinungsjahr: Kurztitel. Seitenangabe.

Hobus 2011: Poetik der Umschreibung. S.13.

Folgende Abkürzungen wurden für die Quellenausgaben verwendet:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Eine detaillierte Auflistung aller verwendeten Primär- und Sekundärliteratur befindet sich im Literaturverzeichnis (Kapitel 5). In den Fußnoten wurden die Kurztitel zu besseren Lesbarkeit nicht weiter gekürzt.

1. Einleitung

1.1. Herleitung und Relevanz des Themas

Wer sich mit Walsers Liebeskonzeptionen und seinem ‚blühendem, holdseligem Wunder: selber lieben‘ aus Der Bursche2 (1913) beschäftigen will, muss zunächst drei grundlegende Fragen klären: 1) Wozu eine solche Motivanalyse mit der Liebe als Gegenstand bei den hier untersuchten Werken durchgeführt wird. 2) Worin der Inhalt des Analysegegenstandes ‚Liebe‘ eigentlich besteht und 3) was genau unter einem Motiv verstanden werden soll.

Wohl am eindeutigsten beantworten, lässt sich die Frage nach der Definition eines Motivs, auch wenn seit Goethe und Schiller mit ihrem morphologisch-dynamischen Erfassungsversuch, keine durchweg konsensfähige Definition des Motivs vorgenommen werden konnte.3 Entnommen aus der Malerei bzw. Musik ist ‚Motiv‘ die Bezeichnung für die kleinste selbstständige inhaltliche Einheit oder für das kleinste tradierbare intertextuelle Elemente eines literarischen Werks.4 In Hinblick auf Bedeutung und Funktion von Motiven in einem Werk können diese ihrer textprägenden Kraft nach subkategorisiert werden.5 Unterschieden werden zunächst Hauptmotive und Nebenmotive. Die Hauptmotive, auch Kern- bzw. Zentral- oder Grundmotive genannt, bestimmen als primäre Motive die Komposition eines Textes oder Werks. Nebenmotive dagegen als sekundäre Motive können als detailbildende Motive, als Füll- oder Rahmenmotive, Motive in sogenannter Seiten- oder Randstellung und sogar als ‚blinde‘ funktionslose Motive nach ihrer textprägenden Kraft weiter klassifiziert werden. Im Gegensatz zum Hauptmotiv als inhaltliches Zentrum dienen die Nebenmotive der ,,atmosphärischen Verdichtung“6, d.h. durch sie werden dargestellte Personen, Situationen und Lokalitäten inhaltlich näher bestimmt.7 Um nachweisen zu können, dass für die Liebe in Walsers Prosa von einem Motiv gesprochen werden kann, muss zweitens festgelegt werden, was unter Liebe zu verstehen sein soll.

Ursprung der Liebe ist der Mangel. Eine Erfahrung des (sich) Nicht-Genügens oder, um die Idee des platonische Mythos‘, demnach die Götter die eigentliche Kugelgestalt des Menschen zerschnitten und sie zum Leben als Mann und Frau zwangen, aufzugreifen, das Empfinden einer Sehnsucht der Wiedervervollkommnung. Es ist die Sehnsucht nach einem Anderen, der außerhalb des eigenen Selbsts existiert und deshalb die Bedingung des Selbstseins ist. Androgynität ist der gemeinsame Ausgangs- und Bezugspunkt der Geschlechter. Als ideeller, originärer Menschheitszustand verbindet sie beide und ermöglicht eine Differenzerfahrung, die sowohl das Selbst als auch den Anderen wechselseitig festlegt. Dabei ist diese androgyne Einheit mehr als die Summer ihrer Teile.8 Voraussetzung für die Empfindung von Liebe ist somit die Entstehung des selbstreferentiellen Subjekts und mit ihr der daraus zwangsläufig ausgeschlossene Andere. Dieser Prozess der Selbstkonstituierung vollzieht sich u.a. gerade durch die Reflexion über die Liebe.9 Liebe wird so als Sehnsucht nach der Erfahrbarkeit des ausgegrenzten Anderen erfassbar und steht in direkter wechselseitiger Beziehung zum Prozess der Selbstkonstituierung.10

Walsers Erzähler-Figurationen in der hier untersuchten (Kurz-)Prosa zeichnen sich in hohem Maße gerade durch diese Selbstreferentialität aus. Dies zeigt sich darin, dass, wie auch Hobus deutlich macht, nicht primär Liebesgeschichten erzählt werden, sondern statt von, über Liebe und damit über die eigene und die andere Person reflektiert wird.11

Trotz der engen Verknüpfung der Liebe mit einem selbstreferentiellen und -reflexiven Ich kann nicht von einer anthropologischen Konstante ausgegangen werden, denn die Empfindungen als sowohl durch die Natur als auch die Kultur geprägtes und ausgebildetes psychisches Grundmuster eines Individuums sind historischen und gesellschaftlichen Wandlungsprozessen unterworfen. Die Empfindungen einer Person bzw. die Entfaltung ihrer Gefühlswelt ist an ihre gesellschaftlichen Beziehungen gebunden. Trotz der deutlichen Selbstreferentialität lassen sich daher insbesondere für die Liebe durch ihre Literarizität und Diskursivität für bestimmte Epochen oder bestimmte soziale Gruppen Übereinstimmungen in den Beschreibungen und Darstellungen festhalten. Das individuelle Empfinden, seine Entwicklung und die Art, es auszudrücken, müssen also von allgemeinen Vorgängen, die über das einzelne Individuum hinausgehen beeinflusst sein.12,,Die Gefühle werden von religiösen und ethischen Werten ebenso bestimmt wie von der sozialen, ökonomischen, politischen oder kulturellen Situation, in der der Einzelne lebt.“13 Die personale Autonomie in Hinblick auf die Liebe erweist sich also trotz eines hohen Maßes an Selbstreferentialität und - reflexivität als Heteronomie. Ihre Entwicklung, Wahrnehmung und ihr Ausdruck sind in ihrer Ausprägung beim Individuum sowohl selbstreferentiell wie auch gesellschaftlich fremdbestimmt.14 Die Erfahrung der Liebe verstanden als die Sehnsucht nach der Erfahrbarkeit des Anderen, die einen Ausweg aus der Einsamkeit als Individuum bildet, kann unterschiedlichste Ausprägungen haben.15 Bei Walser reichen diese sogar bis zur gewollten Nicht-Erfahrbarkeit des geliebten Anderen, was paradoxer Weise gerade durch diese Unnahbarkeit die beständigsten Liebesbeziehungen entstehen lässt (Siehe Kapitel 3.1.5.).

Aus der höfischen Erotik des 10. - 12. Jahrhunderts entwickelte sich eine Liebeskonzeption, die ‚amour passion‘, die diesem Auskosten des Nicht-Erreichens des jeweiligen, in diesem Fall gegengeschlechtlichen, Anderen zur zentralen Erfahrung in der Liebe macht und bis ins 17. Jahrhundert wirkte. Der hier speziell männliche Liebende wird von der Angebeteten auf Distanz gehalten. Dabei ist alles, was das Begehren aufrechterhält oder vergrößert, ohne es zu befriedigen, erlaubt. Der Liebende leidet unter dieser prinzipiellen Unerfüllbarkeit der Sehnsucht nach der Anderen. Dieses Leiden ist gleichzeitig die größte Freude, ein Genuss: Es zeugt erfahrbar davon, dass Liebe empfunden wird und macht deutlich, dass eine Erfüllung des angestrebten Zustandes nicht erfolgt ist, aber erfolgen kann. Der hier Liebende liebt damit vielmehr die Liebe, die Imagination, für die die geliebte Andere die Projektionsfläche bildet. Die Abwesenheit des Anderen ist damit ein konstitutives Element der Liebe. Gleichzeitig besteht aber immer die Hoffnung auf Gegenliebe. Ein leichter Erfolg würde das Lieben ihres eigentlichen Reizes entledigen; Hindernisse machen es als möglichst andauerndes Sehnen nach der Erfahrbarkeit des Anderen wertvoll.16 Auch wenn das in diesem Fall weibliche Andere zum Ziel einer vom Selbst geschaffenen Imagination ist, kommt ihm eine Macht zu, die nur durch die Erfüllung der Liebe determiniert ist. Der Liebende ist der von der Geliebten Abhängige. Ihre Überlegenheit und seine Unterlegenheit, die durch die Distanz / Abwesenheit der Geliebten aufrecht erhalten werden, machen ihn zum ergebenen Diener und sie zur mächtigen Herrin.17

Diese hier nur sehr verkürzt einleitend dargestellte Konzeption der sogenannten ‚amour passion‘ ist nicht nur Grundlage für die konventionellen Vorstellungen der Liebe in der Moderne18, sie fand, wenn auch modifiziert, deutlichen Eingang in Liebesphänomene an den Grenzen des ‚Normalen‘. ,,Der Masochismus ist die zur Technik gesteigerte Kunst des Phantasmas.“19 - ,,der Entstehungsort des Masochismus [ist] die Phantasie“20. Nicht die Vollendung oder Erfüllung des Phantasmas ist Ziel sondern das Warten, das gespannte Ausharren im Zustand der Erwartung des Schmerzes, der ursprünglich als Strafe gedacht, paradoxerweise nun die Lust erlaubt, sie sogar bedingt.21

Im 19. Jahrhundert wird die ‚leidenschaftliche Liebe‘, die aus der ‚amour passion‘ als erlernbares und realisierbares Konzept abgeleitet wurde, zur bestimmenden Grundlage der Ehe. Zunehmend wird der selbstkonstituierende Faktor und Prozess im Lieben bewusst und rückt das Selbst ins Zentrum. Mit und durch den Anderen soll das eigene Glück gefunden werden.22,,Die Liebe wird voraussetzungslos und zugleich in hohem Maße selbstreflexiv und selbstreferentiell.“23 Dadurch, dass das eigene Begehren als Struktur der Liebe entlarvt wird, kann die Erfüllung nicht mehr angestrebt werden, weil sie die Liebe auflösen würde.24 Daher wird Lieben nun zu einem Aufrechterhalten, Hoffen und Sehnen und manifestiert sich vor allem in der Selbstreflexion und ,,im Selbstgenuss an diesem Prozess“25. In diesem Selbstbezug liegt die Schrankenlosigkeit der Liebe begründet.26 Alleinige Referenz ist das eigene Empfinden, bzw. dessen individuelle sprachliche Codierung. Das Konzept der Liebe existiert zwar im Diskurs und ist wie eingangs beschrieben von der Gesellschaft und ihren Veränderungstrends abhängig27, ihre Erfahrung und ihr Erleben sind dennoch nicht konsensfähig. Denn Liebe referiert im Diskurs auf eine Vielzahl variabler, nicht widerspruchsfreier, schwer kommunizierbarer und vor allem individualisierter und individueller Liebesvorstellungen.28 So gesehen, weist das Sprechen über Liebe eine eigene historisch wandelbare Semantik auf; d.h. ihm kommt je eine eigene Art der sprachlich und bildlich symbolischen Gestaltung zu, durch die soziale Orientierungsmuster und Selbstbeschreibungsprogramme (Selbstreferenzen) tradiert und modifiziert werden.29

Zu dieser Zeit treten die im Diskurs sichtbar werdenden selbstentworfenen und kontrollierten, nicht- überprüfbaren Liebesvorstellungen des Einzelnen an die Stelle von durch Stand und Klasse vorgegebenen.30 Auch hier gilt das ,,Prinzip der Distanz“31 - die Liebe wächst mit der Distanz.32 Diese Distanz gilt auch dort, wo sich Liebende räumlich nahe sind, weil auch sie nicht den jeweils Anderen um seiner Person willen lieben, sondern vielmehr ihre eigenen Bilder der Liebe und die daraus hervorgehenden Bilder des Anderen und des Selbsts.33 Der Andere ist auch hier jeweils die Projektionsfläche der eigenen Imagination. Die empfundene (Selbst-)Liebe, ihre individuellen Bilder, sind durch die Realität und vor allem die Realität des geliebten Anderen mit all seiner Andersartigkeit, die den eigenen Bilder zwangsläufig widersprechen muss, um ein Anderer zu bleiben, ständiger Bedrohung ausgesetzt. Sicherheit kann nur durch die Idealisierung der Liebe und des Anderen bei ideeller Distanz zwischen dem Selbst und dem Anderen geschaffen werden.34 Liebe ist damit eine Art ,,Einsamkeit zu zweit“35, in der das Selbst und der geliebte Andere einander unverfügbar bleiben müssen, soll der Zustand Liebe ungefährdet bleiben.

Bei aller Klarheit, die Reflexionen und Definitionsversuche in Hinblick auf die Liebe hervorbringen, muss allerdings immer berücksichtigt werden, dass sich jegliche Aussage über die Liebe der Evidenz entzieht.36 Gleichzeitig erhält sie aber ihre kollektive ‚Gestalt‘ erst als Gegenstand und Thema eines sie einerseits fortwährend konstituierenden und andererseits modifizierenden Berichtens - in der diskursiven Tradition. ,,Die Liebe ist die Erzählung, die weitergegeben wird, ohne dadurch jemals ein Mehr an Evidenz, an Klarheit zu gewinnen.“37 Das, was dabei in der Tradition als Wirklichkeit der Liebe beschrieben wird, geht damit nicht direkt ursächlich aus ihr hervor, sondern ist immer bereits eine sprachliche Aneignung im Sinne einer ,,possessiven Codierung“38 der Erfahrungen der Liebe, die sich durch das Berichten als Wahrheit ausdrücken lassen. Die Liebe somit also in Tatsachen zu erfassen, ist unmöglich. Jegliches Sprechen über sie bleibt ungenügend, da sich ihre Ursachen dem Diskurs entziehen, die Codierungen des Diskurses sie als Ausdruck einer Erfahrung gleichsam determinieren und sie letztendlich nur rückblickend in ihren Folgen und Auswirkungen für ein Individuum beschrieben werden kann.39 Andererseits unterliegt das Konzept ‚Liebe‘ durch diese Nicht-Erfassbarkeit oder eben nur partielle Darstellbarkeit durch Sprache, durch den Mangel an jeglicher logischer Beweisführung ihrer Existenz40, dem Verdacht, reines Diskursprodukt zu sein. Jegliches Sprechen also oder im Falle Walsers Schreiben über Liebe ist immer nur Erzählung von eigener faktischer oder imaginierter fiktiv (re-)konstruierter Erfahrung, die den Diskurs um die Liebe fortschreibt. Dabei vermischt sich der tradierte Mythos, das ,,Gerücht“41 von der Liebe mit individuellen Beschreibungen. Dennoch stehen individuell empfundene Liebe und das Sprechen über diese in Wechselbeziehung und lassen unter der Berücksichtigung, dass es die eine Liebe nicht gibt, sowohl Schlüsse auf ein dargestelltes oder sich darstellendes Selbst als auch auf die Gesellschaft, in der es verhaftet ist, zu.42

Damit ist annähernd erläutert, was unter Liebe im Folgenden verstanden wird und wie es sich konstituiert bzw. in welchen Abhängigkeiten es steht und durch welche Faktoren (dem selbstreferentiellen und -reflexiven Ich und der jeweiligen historischen gesellschaftlichen Situation) ihre Entwicklung, Wahrnehmung und ihren Ausdruck bestimmen und determinieren. Bleibt zu beantworten, was eine Motivanalyse mit dem Gegenstand der Liebe bei den Werken Walsers an Erkenntnisgewinn erbringen kann - wozu das Ganze?

,,Wer nicht liebt, hat kein Dasein, ist nicht da, ist gestorben. Wer Lust zu lieben hat, steht von den Toten auf, und nur wer liebt, ist lebendig.“43

Dieses Zitat aus Die Einladung44 ist nicht nur eine Einladung an eine ,,Himmlische“, dem in diesem Prosastück erzählenden Ich an ein ‚himmlisch schönes Plätzchen‘ zu folgen, es lädt auch in seiner Absolutheit dazu ein, sich dem walserschen Liebesbegriff anzunähern. Ist ‚nur wer liebt‘ lebendig, so sind alle, die nicht selber lieben tot, daseinslos, gestorben. Wer gestorben ist, muss vorher gelebt haben. Ein Zustand des Liebens geht demnach mit Lebendigsein immer einhand. Liebt man nicht (mehr), so lebt man nicht (mehr), wobei dieses den Übergang von einem Zustand zum anderen markierende Sterben umkehrbar ist. Das Wunder der Auferstehung wird damit durch die Lust zu Lieben wahrhaftig und ist Teil der hier inszenierten Realität. Dabei ist das Lieben ein Akt, der direkt vom Individuum ausgeht:

,,Was ist Geliebtsein und Beliebtsein gegen dieses blühende holdselige Wunder: selber lieben!“45

Wie das als Titel dieser Arbeit gewählte Zitat zeigt, ist der Akt des ‚Selber-Liebens‘ - als Akt eines Selbsts zu einem Anderen - richtungsweisend. Der Ausruf, den der Erzähler in Der Bursche eingeleitet als Frage formuliert, endet zwar unbeantwortet, macht aber dennoch dem Leser46 deutlich, dass es in der Liebe zwei Richtungen gibt - eine von einem Anderen zum Selbst (Geliebt- und Beliebtsein) und eine vom Selbst zu einem Anderem (das Selber-Lieben). Geliebt- und Beliebtsein sind in dieser Dichotomie Zustände, die einem Individuum passiv widerfahren; selber lieben dagegen ist eine aktive Handlung - eine Tat.

,,Mir scheint aber, daß es für die menschliche Gesellschaft zuträglicher und vernünftiger ist, wenn Frauen es sind, die bezaubern, und Männer diejenigen sind, die den Kopf verlieren. Ein Mann ist, wenn er bewundert, schöner, als wenn er sich bewundern lassen muß. Liebenlassen schickt sich weniger für ihn als Lieben, weil ersteres abwartend und letzteres tätig und voranmarschierend ist.“47

Ohne hier bereits eine genauere Analyse vornehmen zu wollen, wird deutlich, dass eine dichotome Spezifik aus Passivität und Aktivität für Walsers Liebeskonzeption, die mit einer Geschlechtsspezifik verbunden ist, vorliegen muss. Schon diese Beobachtungen anhand nur weniger Beispiele lassen vermuten, dass eine komplexe Konzeption von Liebe Walsers Werk als ein wesentliches Motiv die Gesamtkomposition geprägt haben könnte. Nicht nur, dass Liebe im Sinne eines Motivs in den Texten allgegenwärtig ist und sich in unterschiedlichen Konstellationen und Figurationen manifestiert, es lässt sich auch eine Dominanz selbstreferentieller Bezüge, die häufig mit poetologischen Überlegungen einhergehen, feststellen.48 Sie zeugen so sowohl von einem spezifischen Wissen von der Liebe, ihrer Sprachlichkeit und von einem damit durch die Reflexion in wechselseitiger Beziehung stehendem Bewusstsein eines oder mehrerer fiktiver, ,,bescheiden-figürlicher“ Ichs - ebenso aber von einem ‚autorlichen Ich‘49, das letztendlich Ursprung allen Wissens im Text ist, denn ,,jeder Autor, der von Liebe spricht, verfügt implizit über ein spezifisches Liebeskonzept, das durch die verschiedenen Figuren und Handlungen repräsentiert wird“50. Der Inhalt dieses spezifischen Konzepts kann also aus den Reflexionen des Erzählers oder aus den Handlungs- und Dialogstrukturen der Texte erschlossen werden.51 Während Hobus in seiner jüngst vorgelegten Studie zu den Figurationen der Liebe52 die Funktion des Liebesmotivs in der selbstreflexiven Thematisierung des Schreibens und damit diese als eigentlichen poetologischen Wert im Werk Walsers beschrieben hat53, soll in dieser Arbeit eine Annäherung an den für Walser spezifischen Inhalt des Motivs erfolgen. Wie Hobus selbst betont, erweist sich das Motiv ‚Liebe‘ als ,,ebenso relevant wie die Themen Spaziergang, Theater, Musik und Malerei“54. Gerade weil Walser nicht primär Liebesgeschichten, sondern über Liebe schreibt, kommt dem Inhalt dieses inszenierten Wissens, dass seinen Ursprung im Autoren hat, eine besondere reflexive Bedeutung zu.55

Die Zeit um 1900 zeichnet sich zudem ,,durch entscheidende Transformationen im Gefühlshaushalt“56 aus. Durch den Einzug des Sexualitätsdiskurses in die Öffentlichkeit und die Hochliteratur, zu dem nicht nur Freuds Studien zur Psychoanalyse oder Sacher-Masochs Prosa beitrugen, erhielt der Liebesdiskurs eine zusätzliche körperliche Qualität.57 Es erscheint also sowohl aus einer Mikroperspektive, die das Wissen über die Liebe in Walsers Texten und ihre spezifische Modernität, zu deren zentralen Merkmalen auch Selbstreferentialität gehört, fokussiert, als auch aus einer Makroperspektive, die die historische Wandelbarkeit von Emotionen und vor allem die Transformationsprozesse um 1900 berücksichtigt, ergebnisversprechend und sinnvoll den Inhalt des walserschen Liebesmotivs genauer zu bestimmen, um sowohl Erkenntnisse über Walsers Werk als auch in Hinblick auf den literarischen Liebesdiskurs am fin de siècle zu erhalten.

1.2. Zur Methode

Ein Autor, der von oder über Liebe schreibt, sie darstellt, muss zwangsläufig eine bestimmte Vorstellung davon haben.58 Diese kann implizit sein und unbewusst die expliziten Darstellungen beeinflussen; sie kann aber ebenso bewusst und selbstreferentiell und/oder -reflexiv wie auch in Reflexionen von Figuren oder in ihren Handlungen zum Einsatz kommen. Gerade Walsers Werk59 als Teil einer im ,,gemäßigt modernen Realismus“60 die Identität und Existenz reflektierenden Literatur zeichnet sich durch ein für ihn spezifisches und komplexes Verhältnis von realer und fiktiver Subjektivität, realer und fiktiver Selbstreflexion und -referenz sowie autobiographischen und autofiktiven Momenten aus. Dabei scheint die Frage nach der Identität bzw. den Identitäten der Erzähler (Ich- und Er-Erzähler) und ihrem Verhältnis untereinander nicht eindeutig beantwortbar. Trotz aller Kontroverse kann nicht von einem vollständigen, widerspruchsfreien individuellem Erzähler-Charakter ausgegangen werden. Vielmehr wechseln sowohl seine Perspektiven und Standpunkte und vor allem dieser selbst in den Prosastücken: Mal erscheint der Erzähler als ein Ich, mal als ein Er und manchmal sogar beides.61,62

,,War er für mich der heiße Brei oder war ich er für ihn?“

Es handelt sich also um ein fragmentarisch-plurales Ich.63 Diese Pluralität des einen oder der vielen Ichs wird durch das theatrale Mittel der Maskerade verwirklicht.64 Durch diese Masken wird zwar einerseits das Wesen des Erzählers verdeckt, denn es verbleibt als Träger zunächst dahinter, andererseits, erhält sich es sich die Möglichkeit zur Demaskierung.65 Die Maske als starre (Verhaltens- )Oberfläche setzt den Erzähler unter Zwang, indem sie das Verhalten vorgibt. Gleichzeitig entbindet sie ihn aber davon, sich selbst verhalten zu müssen. Die Fragmentation durch Masken kann damit durchaus positiv gedeutet werden: Aus der Freiheit der Maskenwahl, geht unter der Voraussetzung des kongruenten Verhaltens mit der Maske (ihrem Zwang), eine neue, das Wesen des Erzählers entlastende Freiheit hervor. Diese Erschaffung einer fragmentierten Kunstfigur mit porträtähnlichen Zügen, die in verschiedenen Funktionen wie Erzähler, Berichter oder Verfasser auftritt, sei Walsers entscheidender ,,dichterisch-erfinderischer Akt“.66 Dabei kommt es nicht nur zu einer Verdopplung der Autorschaft (reales schreibendes Ich (Autor) und schreibend inszenierter Instanz (Kunstfigur)), sondern auch zur Verdopplung des Lesers.67 Indem Walser ihn in den Prosastücken anspricht, macht er ihn zum Teil des Textes, inszeniert ihn. Durch das Lesen kann der inszenierte, dem realen Ereignis des Lesens vorweggenommene Leser, weder vom real Lesenden getrennt werden, noch als mit ihm deckungsgleich angesehen werden.

Die Frage, ob es sich um eine durchgehende, kongruente Entität hinter den Ichs und Ers und deren Masken handelt, kann und soll an dieser Stelle nicht beantwortet werden. Es ist auch nicht entscheidend, denn ,,Masken machen aus der Verstellung keinen Hehl, sondern weisen auf die Diskrepanz von Erscheinung und Wesen sogar in besonderer Weise hin. Sie sehen von der Person des Schauspielers ab und typisieren ihn.“68 Vieles spricht auch dagegen, von einem einzelnen kongruenten Ich auszugehen, statt es als unio pluralis zu verstehen. Die Forschung hat in den letzten zehn Jahren große Fortschritte gemacht, indem sie die Frage des Ichs und ihrem Verhältnis zur Biographie des Autors zunehmend nicht mehr definitiv, sondern vielmehr nach ihrer Qualität zu beantworten akzeptiert.69 Es geht dabei mehr um das Wie, als um das Was.70 Walsers Figuren gehen über die Grenzen des traditionellen Verhältnisses von Dichtung und Wahrheit hinaus. Wirklichkeit und Fiktion sowie Leben und Schreiben sind auf ganz eigentümlicher Art und Weise unmittelbar miteinander verknüpft.71

Berücksichtigt man diese fragmentarische Pluralität des oder der Erzähler als eine Qualität und nicht in ihrer Quantität, so lassen diese sich durch ihre unaufhebbare Referenz zu ihrem Autor verbinden. Sie alle referieren auf sein implizites Wissen und seine Vorstellungen von Liebe. Das Ich des Autors nimmt somit an der Komposition teil.72 Alle Erzählenden können zwar als Fragmente nur fragmentarischen Einblick geben; entspringen aber demselben gedanklich-emotionalen Horizont. Das bedeutet, dass sie wie Puzzleteile (Fragment) auf das inhaltliche Gesamtbild (Horizont) verweisen.

Ein weiteres Merkmal insbesondere der Kurzprosa Walsers ist die ,,extreme Uneinheitlichkeit und Vielfältigkeit seiner äußerlichen Formen“73. Durch die Problematik der Identität(en) und Existenz(en) sowie der ‚Welt‘ in ihrer Gesamtheit erhält sich thematisch dennoch ein Gesamtkontext, der die einzelnen kleinen Prosastücke wie Puzzleteile eines fragmentarisch strukturierten Gesamtbildes erscheinen lässt.74 In Eine Art Erzählung, einem unveröffentlichten Manuskript von 1928, gibt der IchErzähler Auskunft über sein Dichter-Handwerk:

,,Ich weiß, daß ich eine Art handwerklicher Romancier bin. Ein Novellist bin ich ganz gewiß nicht. Bin ich gut aufgelegt, d.h. bei guter Laune, so schneidere, schustere, schmiede, hoble, klopfe, hämmere oder nagle Zeilen zusammen, deren Inhalt man sogleich versteht. Man kann mich, falls man Lust dazu hat, einen schriftstellernden Drechsler nennen. Indem ich schreibe, tapeziere ich.“75

So ‚totzitiert‘76 diese Passage auch ist, und so kontrovers der (selbst-)reflexive, womöglich autobiographische Bezug diskutiert worden ist77, deutlich wird, dass hier eine Darstellung des Schreibprozesses explizit wird, die es als eine Art Handwerk definiert, das Einzelteile mit einander verbindet, also Fragmentarisches zusammenfügt.78 Es liegt also ein Bewusstsein für eine besondere Art zu schreiben vor.79 Der Gebrauchswert des Zusammengefügten wird an seiner Verständlichkeit gemessen (,,Zeilen […], deren Inhalt man sogleich versteht“).80 Die Zusammenfügung des Fragmentarischen bestimmt also die Verständlichkeit des Inhaltes und macht ihn zugänglich. Weiter heißt es in Eine Art Erzählung:

,,Meine Prosastücke bilden meiner Meinung nach nichts anderes als Teile einer langen handlungslosen, realistischen Geschichte. Für mich sind die Skizzen, die ich dann und wann hervorbringe, kleinere oder umfangreichere Romankapitel. Der Roman, woran ich weiter und weiter schreibe, bleibt immer derselbe und dürfte als ein mannigfaltig zerschnittenes oder zertrenntes Ich-Buch bezeichnet werden können.“81

Auch wenn es sich also um mannigfaltig Zerschnittenes oder Zertrenntes handelt, zusammen bilden die Teile eine Geschichte, einen gemeinsamen Inhalt.82 Neher fasst das paradoxe Verhältnis von Einheit und Fragmentation im Werk Walser in Bezug auf diese Stelle folgendermaßen zusammen:

,,Es handelt sich hier weder um eine aus Teilen abgeleitete Totalität (die Einheit Roman, Geschichte), noch um eine die Teile (Prosastücke) hervorbringende Urtotalität. Walser gliedert den Teilen, Prosastücken eine Einheit aus Teilen an, die sich diesen wie ein neues, gesondert gefügtes Teil anfügt.“83

Der gemeinsame Inhalt liegt begründet im Wissen und den Vorstellungen seiner Referenz, dem Autor.

Gleichzeitig, wie Benne postuliert, ,,stellt sich [Walsers Ich-Buch] damit bewusst jenseits von Autobiographie und autobiographischem Roman“84, wie auch das nächste Zitat verdeutlicht:

,,Ein Knödli mit Senf schmeckte mir herrlich, was mich nicht hindert, anzumerken, in einem Ichbuch sei womöglich das Ich bescheidenfigürlich, nicht autorlich.“85

Walser muss bewusst gewesen sein, wie dieser zweite walsersche ,,locus classicus“86 zeigt, dass seine Prosastücke, wenn sie als Ichbuch verstanden werden, die Frage nach dem Ich aufwerfen und auch, dass dieses Ich als Autor verstanden werden könnte. In der älteren Forschung von Grevens Dissertation87 an gehörte diese Frage nach dem Verhältnis von Leben und Werk Walsers zu den schwierigsten und am häufigsten bearbeiteten88:

,,Daß Walser sein Schreiben als Ausdruck von Subjektivität versteht - und vieles spricht dafür, daß diese Selbsteinschätzung ehrlich ist -, wäre aber noch nicht derart problematisch, wenn nicht der Übergang vom eindeutig biographisch Belegbaren zu Fiktiven fließend wäre, […]. Charakteristisch für die Prosa Walsers ist Mischung von Wirklichem (Identifizierbarem), Wahrscheinlichem, Möglichem und Unmöglichem, die natürlich zu Spekulationen verführt. Die verschiedenen Maskierungen, die Kunstfiguren, die Walser schreiben aufrichtet, können nicht isoliert von dem Menschen Robert Walser gesehen werden - zu viele mit Sicherheit stimmende Details sprechen dagegen. […] Das Dilemma der Forschung besteht darin, daß sie die Beziehungen zwischen Leben und Werk nicht leugnen dürfte, dazu sind sie zu offensichtlich, zu aufdringlich, manchmal sogar künstlerisch zu wenig integriert - aber es fehlen vorläufig die Kriterien, nach denen diese zweifellos vorhandenen Beziehungen geklärt werden können - […].“89

Ich schließe mich ganz den neueren Forschungen von Groddeck90 und Benne91 an, dass keine der in diesem Kontext so oft zitierten, hier angeführten Textstellen als Legitimation, Walsers Texte durchgängig als ,,biographische Selbstaussagen“92 zu lesen, aufgefasst werden kann. Selbst, wenn der Autor es doch so gemeint hätte, durch das ‚womöglich‘ ist immerhin ein Zweifel an der eigenen Aussage immanent. Das Ich im literarischen Text ist so immer ein Anderer und verbleibt ,,ebenso indefinit wie einer oder jemand“93.

Dieser Einklang von fragmentarischer Art des Erzählens und einer fragmentarischen Form der Erzählung in Prosastücken ermöglicht gerade durch den doppelten fragmentarischen Charakter, sich dem hier untersuchten Motiv der Liebe anzunähern. Denn während Form und (Erzähl-) Referenz durch ihre Kohärenz verweigernde Struktur, den Leser immer wieder herausfordern, ermöglicht die Betrachtung eines einzelnen Motivs als Ganzes annähernd, die ihm zugrunde liegende Vorstellungen / Konzepte aufzuzeigen und so auf der Ebene des Inhaltes und dessen Referenz Kohärenz herzustellen. Das Motiv als kohärenzstiftendes Strukturmerkmal von Texten eignet sich so insbesondere in Hinblick auf die Inhaltsebene dem Fragmentarischen in Narration und Form Erkenntnisse über Vorstellungen und Konzepte zu entnehmen. Dabei ist es für die Darlegung des Motivinhaltes bzw. der dahinter stehenden Vorstellungen, zunächst unerheblich, wer da narrativ Masken trägt.94 Allein der Inhalt der Aussage über die Liebe steht in dieser Arbeit im Fokus.95,,hnlich einem Puzzle werden daher die einzelnen Fundstellen, die Liebe behandeln, zueinander gelegt und zusammengesetzt. Zueinander gelegt werden dabei jene Teile, die thematisch ähnlich sind und sich jeweils ergänzen. Zusammengesetzt werden sie insofern, dass jedes Fragment in den Kontext der anderen gesetzt wird. Zu berücksichtigen ist allerdings, dass es sich nicht um ein starres Puzzle mit einem festen Rahmen, klar umrissenen Teilen und einem vorgegebenen Bild handelt.

Diese Arbeit zur Erlangung des Master of Education (GYM) hat zum Ziel unter Berücksichtigung des fragmentarischen Charakters in Art und Form des untersuchten Materials und unter der oben getroffenen definitorischen Annäherung an den Analysegegenstand den Inhalt des Motivs der Liebe in den Prosastücken Robert Walsers näher zu bestimmen.

Nach dieser grundlegenden Einleitung folgt zunächst ein kurzer biographischer Teil. In diesem werden die intimen Beziehungen Walsers zu Frauen, die vor allem brieflich erfolgten, dargestellt, um einen Einblick in seine persönlichen Erfahrungen zu ermöglichen, da diese einen Teil seiner Vorstellungen von Liebe geprägt haben müssen. Es geht ausdrücklich nicht darum, (Auto-)Biographisches in den untersuchten Texten zu identifizieren oder die Texte und darin beschriebenen Beziehungen vor dem Hintergrund seiner psychischen Krankheitssymptome bzw. seiner zu Eintritt die Heilanstalt Waldau 1929 diagnostizierten Schizophrenie96 zu pathologisieren.97 Walsers Werk ist weder biographisch noch autobiographisch zu erfassen, auch wenn es zu einem großen Teil auf Selbstdarstellungen beruht.98 Das spezifische ,,Walsersche Selbstschilderungsprinzip“99 ist zwar psychologisch-zeithistorisch erklärbar, aber Walser auf einen psychopathologischen Dichter einzugrenzen wäre falsch.100 Durch die nachweislich enge Verknüpfung des Verfassens von Briefen und Prosastücken, die von Formulierungen bis zur Identifikation von Figuren reicht, dürfen diese sich in einer Grauzone zwischen Ego-Dokumenten und Literatur konstituierenden (Liebes-) Beziehungen nicht außer Acht gelassen werden.101 Gerade vor dem Hintergrund, dass, wie Hobus nachgewiesen hat, das Schreiben und das Motiv der Liebe in einem reflexiven Verhältnis zueinander stehen, können sie Hinweise durch ihre besondere Literarizität als z.T. vollständig erschriebene Beziehungen für die Analyse geben.

Daran anschließend erfolgt die eigentliche Motivanalyse (Kapitel 3), deren Ausgangspunkt das aus dem Prosastück Der Bursche stammende Titelzitat ist. Dabei untergliedert sich die Analyse in vier Unterthemen: Im ersten Teil (3.1.) werden die konzeptionellen Erkenntnisse zum Liebes-Motiv aus den Prosastücken aufgezeigt werden. Hier geht es um die Grundzüge und die verschiedenen Ausprägungen des Motivs. Daran anschließend werden die dem Liebesbegriff immanenten erotischen und sexuellen Aspekte dargelegt werden (3.2.). Gerade das für Walser typische Motiv des Dienens und die intertextuellen Bezüge zu Sacher-Masoch werden hier kontextualisiert werden. In Kapitel 3.3. werden die durch das ‚blühend‘ im Ausgangszitat bereits thematisierten Referenzen auf die Natur behandelt werden. Abschließend werden in Kapitel 3.4. religiöse Bezüge innerhalb des Liebesmotivs dargelegt und zu einander in Kontext gesetzt. Das abschließende Fazit (Kapitel 4) fasst die wichtigsten Ergebnisse in Bezug zueinander zusammen.

Ohne auf die vielen einzelnen Besonderheiten der Prosa Walsers102 hier eingehen zu können, soll kurz erläutert werden, wie die Eingrenzung des Textkorpus‘ erfolgte und wie sich diese für den hier gewählten Untersuchungsgegenstand legitimiert. Untersucht werden ausschließlich die ‚Prosastückli‘, wie Walser sie selbst nannte103, die Kurzprosastücke. Auf Grundlage der ,,poetologischen Selbstauskunft“ Walsers (Ich-Buch-Zitat) besteht für Greven als Herausgeber der Werkausgabe insbesondere für die späte Prosa eine ,,untrennbare Einheit zwischen der kleinen Form und dem Roman, der er als eine Komposition von Prosastück-Elementen betrachtet.“104 Er geht von einer zeitübergreifenden Einheit und inneren Konsequenz des Werks aus.105 Allerdings sei, so Potthast, gerade die ,,Nicht-Gattung“106 des Prosastückli als ,,originäre Erfindung und eigentliche Grundform des Dichters“107 anzusehen, denn sie zeichnen sich durch eine ihnen eigene Art komplexer Polyvalenzen aus.108 Als ‚Nicht-Gattung‘ versuchte Greven den Facettenreichtum des Prosastücks im Sinne eines Sammelbegriffs näher zu bestimmen:

,,Es ist tatsächlich ein Sammelbegriff für mindestens die folgenden Formen, die Walser gelegentlich selbst benennt, freilich in einem ganz lockerem und z.T. deutlich ironischen Wortgebrauch: Aufsatz, Artikel, Studie, Essay, Glosse, Traktat, Tagebuchnotiz, Plauderei, Skizze, Phantasie, Märchen, Anekdote, Erzählung, Geschichte, Novelle, Bild, Gedicht in Prosa.“109

Er ergänzte diese Liste um noch weitere Formbegriffe wie Impression, Parabel, Nacherzählung, Paraphrase, Kommentar usw., kam aber auch zu dem Schluss, dass das Prosastück als ‚Nicht-Gattung‘ in erster Linie durch sein Kleinformat bestimmt ist und gerade die Abwesenheit von festgelegten Gattungsnormen ihm die Vielförmigkeit ermögliche.110 Auch die neuere Forschung betont den literarischen Wert des Prosastücks als eigenes Genre des fin de siècle als ‚hybrides Genre‘:

,,Die beiden Bezeichnungen [>Kurzprosa< und >Prosastück<] dienen als Sammelbegriffe, die eine Vielzahl von Formen kürzerer Prosa zusammenfassen. Das Genre hat keine feste Kontur, es zeichnet sich durch Einfalls-Bezogenheit, eine gewisse Stoffarmut und eine Mannigfaltigkeit formaler Varianten aus. […] Es ist ein Merkmal dieser ‚Mini-Diskurse‘ […], dass sie zu den tradierten Formen und Techniken, die sie extensiv beanspruchen, ein tendenziell ironisches Verhältnis unterhalten, das stark selbstreferentielle Züge aufweist - es handelt sich um ein hybrides Genre.“111

Gerade dieses Unterlaufen von konventionellen Bedeutungsfunktionen und die Auflösung einer nur definitorisch gegebenen Eindeutigkeit lässt das Neben-, Mit- und Zueinander von sich ergänzenden und sich wider-sprechenden Vorstellungen zu.112 Es stellt sich also die Frage, ob das Motiv, als kleinste selbstständige inhaltliche Einheit eines Textes oder Werkes, unter den Bedingungen des Prosastückes sich ebenfalls inhaltlicher Kohärenz entzieht oder ob genau hier das kohärenzstiftende Moment liegt. In Hinblick auf das Liebesmotiv wird sich dies durch die Bestimmung seines Inhaltes im Folgenden zeigen.

In rund 35 Jahren literarischer Aktivität hat Walser mehr als 2000 Prosatexte mit einem Umfang von einer halben bis zu etwa sechs Seiten geschrieben.113 Sie machen etwa vier Fünftel seines Gesamtwerkes aus und wurden lange literarisch unterschätzt.114 Die Fülle der Stellen, in denen Liebe unmittelbar oder mittelbar auftritt, lässt bereits ahnen, dass dem Motiv nicht nur quantitativ eine Bedeutung zukommen kann. Walsers Prosastücke erlauben durch ihre doppelte fragmentarische Struktur in besonderer Weise ,,einen mehrfachen Sinn des Ichs“115 und ermöglichen dadurch Zugang zu verschiedenen, potentiell auch widersprüchlichen Liebesentwürfen.

Bereits erwähnt wurde, dass in Walsers Prosa, insb. der Kurzprosa, ein walser-spezifisches Verhältnis vom Wie und Was der Erzählung vorliegt, indem dem Wie eine besondere Qualität zukommt.116 Dichtung ohne Bezug zur realen Dingwelt, ,,ohne Erinnerung an die träge Sichtbarkeit der Materie“117 sei, so Strelis, für Walser eine Unmöglichkeit gewesen. Der Stoff, das Was, eines Textes sei immer ein unverzichtbarer ,,Ballast der Dichtung“118. Er erfülle aber als gedanklich-bildlicher Inhalt seiner Dichtung zwei Funktionen: Ersten sei er ein Anreiz, einer Zündung gleich, um der eigenen von der Sache (dem Was) ganz unabhängigen (schriftstellerischen) Bewegung zu folgen. Zweitens dient das Was, der Stoff, gleichzeitig als Projektionsfläche. Dazu muss dieser Spielräume, bzw. Leerstellen aufweisen, in die der (erzählende) Betrachter etwas projizieren kann.119 Insbesondere die Kurzprosa zeichne sich durch die Ablehnung Walsers einer Bearbeitungsweise von Stoffen nach ,,ihren objektiven Erfordernissen“ aus, da diese eine ,,Beschränkung der künstlerischen Entfaltungsmöglichkeiten durch das Faktische oder die gesellschaftliche Norm“ bedeuten würde.120 Bei der ‚gefühlten‘ Themenlosigkeit, die durch z.B. Geschwätzigkeit, Weitschweifigkeit, Arabesken oder Sprachornamenten121 sowie durch assoziative Verirrungen entsteht, handelt es sich eben nicht um sprachliche Unbekümmertheiten.122 Vielmehr sind die vermeintlichen Ungenauigkeiten als ,,methodische Ungenauigkeiten“123 sehr präzise Verfehlungen des Wesentlichen: Es handelt sich um eine walser-spezifische Technik, die berücksichtigt, dass feste Bedeutungen nur um den Verlust des sprachlich nicht-fassbaren Ausdrucks erzielt werden können. Dieser Ausdruck ist aber das Zentrale der walserschen Dichtung. ,,Dichtung soll sich auf Andeutungen und gewollte Brüche beschränken, sie soll im Ungefähren verharren wie die außerästhetischen Stoffe, die per se auch nicht bedeutungsvoll, sondern bedeutungsfähig sind.“124 So bleibt auch das Was der Prosastücke immer nur bedeutungsfähig und der Ausdruck des sprachlich nicht Erfassbaren rückt durch das Wie des Erzählens ins Zentrum. Gleiches gilt für die Selbstreferenz. Sie ist bedeutungsleer, aber bedeutungsfähig, dadurch unauflösbar fragmentiert und polyvalent. Gerade in der Kurzprosa zeigt sich also die spezifische Struktur Walsers Dichtung.125 Siegrist hielt bereits 1967 das wichtigste Charakteristikum der Kurzprosa fest, indem er die Aufhebung der ,,Vorherrschaft des Gegenständlichen“126 in Walsers Texten feststellte.127

Da Liebe in der oben erläuterten Art als Sehnsucht nach der Erfahrbarkeit des Anderen verstanden wird, werden bestimmte daran anknüpfende und mit ihr verwobene Themen ausgeklammert. Rollenbilder wie beispielsweise in Die Mädchen128 oder Geschlechtsspezifika im Rollenverhalten von Figuren, überhaupt Figuren (wie beispielsweise Edith, der Räuber, Don Juan129 oder Simon) oder Masken werden in dieser Arbeit nicht weiter analysiert. Zum tieferen Verständnis und zur Annäherung an die Frage nach der Selbstreferenz im Werk Walsers ist eine solche Analyse sicherlich lohnenswert, wie auch die Forschungsdiskussionen rund um die Thematik Rollen, Masken, Selbstreferenz deutlich machen130, den Rahmen dieser Arbeit würde sie allerdings sprengen. Auch die Thematik der Ehe und Heirat, die in verschiedenen Prosastücken explizit oder implizit auftritt131, findet nur insofern Berücksichtigung, als dass sie zum Inhalt des Liebesmotives beiträgt. Ebenso werden inhaltliche und formale Vorlagen132 nur erwähnt werden, insofern sie den Inhalt des Liebesmotivs deutlich konstituieren wie beispielsweise die Italienische Novelle als explizite Genrevorlage, die zur Handlungsnorm der L(i)ebensrealität wird:

,,Denn ihr Ehrgeiz [der des Paares], muß man wissen, war die italienische Novelle, [[in der]]133 uns, wie sattsam bekannt ist, erzählt wird von Liebenden, die sich deshalb so heiß, so innig und so leidenschaftlich lieben, weil sie nicht sollen.“134

Die walser-spezifische Art der Intertextualität kann als solche in ihrer besonderen Qualität hier nicht erschöpfend thematisiert werden.135 Daher werden solche Stellen, die intertextuelle Bezüge belegbar aufweisen und das Liebesmotiv inhaltlich bereichern, als solche auch mit ihrem originären Ursprung gekennzeichnet. Auf die Art des Bezuges und die Quelle, die Walser verwendete, wird allerdings nicht weiter eingegangen.

1.3. Stand der Forschung und Edition

Robert Walser unterlag nicht selten als der ,,lange unterschätzte Schweizer“136 oder als ,,Stiefkind der deutschen Germanistik“137 einer Art Mystifizierung insbesondere in Hinblick auf seine labile Psyche. Heute gilt er dank der ,,epochemachenden Wiederentdeckung“138 durch Jochen Grevens Gesamtausgabe (1966-1975) und der Edition der Mikrogramme (Aus dem Bleistiftgebiet139 ) durch Bernhard Echte und Werner Morlang sowie durch den großen Einsatz der Robert-Walser-Zentrum in Bern140 nicht mehr nur in der Schweiz und in Deutschland als einer der wichtigsten Autoren der deutschsprachigen Moderne. Auch in Italien, Frankreich, Dänemark und den USA wird sein Werk für die literarische Physiognomie der Moderne als ebenso charakteristisch wie dasjenige Franz Kafkas angesehen.141 Heute adelt man ihn als den ,,Shakespeare des Prosastücks“142. Auch wenn die Unbeachtetheit Walsers Werk zwischen der bahnbrechenden Dissertation Jochen Grevens 1960 und der Fortführung und Intensivierung der Walser-Forschung seit den 90er-Jahren immer noch als lamentöses Gemeinplätzchen143 durch die aktuelle Forschung geistert, die zunehmende Anzahl von wissenschaftlichen Publikationen und weltweiten Übersetzungen zeugen vom Gegenteil.144 Die jüngsten Arbeiten, die Liebe in Walsers Werken thematisieren, stammen von Von Matt (2007), Fellner (2003) und Binggeli (2002).145 Von Matt zeigte, dass in Walsers Prosa Frauen nicht mehr Ziel der Lebensentwürfe von Männern sein können. Sie bilden zwar weiterhin ein konstituierendes Element für Glück, sind aber nicht mehr eroberbar und Teil einer Distanzerotik, die nicht in der Nicht-Erfüllung verharrt, sondern sich vielmehr durch eine Vielzahl von Genüssen auszeichnet.146 Daraus entsteht die Figur des ,,Don Juan der Vorlust“147. Fellner dagegen untersuchte das Geschlechterverhältnis in den Romanen Walsers in Hinblick auf Konstellationen und Bilder des Weiblichen und Männlichen. Sie wies nach, dass das Aufbegehren gegen die traditionellen Rollenvorstellungen zu einer Thematisierung des Begehrens führte.148 Binggelis Ergebnisse weisen auf die enge Verbindung von Liebeskonzept(en) und poetologischen Aspekten hin.149,,[…] die Funktion der Liebe bestehe in ihrer Instrumentalisierung für das Schreiben“150.

Zu Walsers Lebzeiten fand seine Arbeit keinen bedeutenden Anklang. Groddeck verweist in diesem Zusammenhang auf die ausgeprägte Nachlass-Wirkung Walsers Werk.151 Insgesamt veröffentlichte er 15 Buchpublikationen; vor allem aber, und ab 1925 ausschließlich, lebte Walser u.a. vom Druck seiner Prosastücke in Zeitschriften und Zeitungen.152 Seine Werke erschienen in mehr als sechzig verschiedenen Zeitschriften, Jahrbüchern und Anthologien.153 Bis auf seine drei großen Romane, Geschwister Tanner, Der Gehülfe und Jakob von Gunten und der Dramensammlung Komödie, die alle durch Cassirer in Berlin herausgegeben wurden, kam es i.d.R. nicht zu mehr als zwei Veröffentlichungen in den verschiedenen Verlagen.154 Selbst nach der Gründung des neuen Suhrkamp Verlages 1950 und trotz der Empfehlung des mit Peter Suhrkamp befreundeten Hermann Hesses‘, lehnte man zunächst ab, Walsers Werke (neu-) zu verlegen.155 Für die seit 1960 einsetzende Edition lassen sich verschiedene Phasen festhalten: Durch den von Höllerer edierten und 1960 in der Bibliothek Suhrkamp herausgegebenen Band Prosa156, der international viel Aufmerksamkeit erregte, gelangte das Werk Walser nach dessen Tod erstmals wieder an die Öffentlichkeit.157 Zwischen 1966 und 1975 erschien dann die erste durch Jochen Greven edierte Gesamtausgabe in zwölf bzw. dreizehn Bänden.158 Zum 100. Geburtstag (1978), dem ,,annus mirabilis der Wiederentdeckung Walsers“159 veröffentlichte Suhrkamp dann die erste Werkausgabe.160 Heute ist die 1985 bei Suhrkamp erschienene ebenfalls durch Greven herausgegebene auch hier verwendete Werkausgabe Sämtliche Werke in Einzelausgaben die verbreitetste und aktuelles Referenzwerk für Forschungen.161 2005 gab Echte einen Nachtragsband mit 39 bisher unbekannten Texten aus verschiedenen Quellen bei Suhrkamp heraus und postulierte:

,,Mit diesen Texten liegt nun, nach der Publikation der Mikrogramme Aus dem Bleistiftgebiet das Gesamtwerk von Robert Walser vor.“162

Formal lässt sich nach Greven das Werk Walsers chronologisch in vier Abschnitte einteilen: Zürich mit Unterbrechungen (1896-1905), Berlin (1905 -1913), Biel (1913-1921) und Bern (1921- 1929/1933)163, die durchschnittlich etwa zwischen sieben und acht Jahren umfassen.164 Diese strukturiert an vielen Stellen auch die Gesamtwerkausgabe und wird in der Forschung nach wie vor zur allgemeinen Orientierung im Werk genutzt (Berner Zeit, Bieler Zeit etc.).

2. ,,Die Frage, ob er [Robert Walser] jemals eine Liebesbeziehung gehabt habe, verneint der Patient kategorisch.“ - Robert Walser: der Beziehungslose?

Am 15. April 1878165 wurde Robert Otto Walser als siebtes von acht Kindern des Buchbinders und Inhaber eines Papier- und Spielwarengeschäfts Adolf Walser und seiner Frau Elisa in Biel, Kanton Bern, geboren.166 Von 1884 bis 1892 besuchte er die örtliche Volksschule und das Progymnasium, welches es allerdings aus wirtschaftlichen Gründen nie abschließen konnte. Trotz bester Schulleistungen verließ er 1892 die Schule, um sein Auskommen selbst zu verdienen und absolvierte bis 1895 eine Lehre bei der Bieler Filiale der Berner Kantonalbank.167 Bis 1921 wechselte Walser dann geradezu rastlos Wohn- und Arbeitsstätten unter anderem zwischen Biel, Basel, Zürich und Berlin.168 1898 veröffentlichte er seine ersten Gedichte im Sonntagsblatt des Berner ‚Bund‘, was seine Rastlosigkeit nach überraschendem Erfolg verstärkte.169 1913 kehrte er aus Berlin zurück nach Biel, wo er bis 1921 blieb und überwiegend in einer Hotelmansarde zurückgezogen lebte.170 Bereits 1918, vermutlich durch seine berufliche Situation ausgelöst, räumt er psychische Schwierigkeiten ein:

,,Im Allgemeinen war ich aus mir selbst heraus gereizt, und zwar hauptsächlich berufs wegen, der mir oft zu stocken und starren scheint, wenn ich mich nicht jede Minute schaffend am Schreibtisch sitzen sehe.“171

Nach etlichen Jahren des Dichterdaseins zog Walser zum Antritt einer Stelle als Bibliothekar im Berner Staatsarchiv 1921 von Biel nach Bern um.172 Nur kurze Zeit173 nach Antritt wurde Walser aufgrund eines Disputs mit dem Vorsteher des Archivs entlassen und lebte bis zu seinem Eintritt in die Heilanstalt als freier Schriftsteller, allerdings mit nur mäßigem Erfolg, denn für seine Texte fanden sich kaum noch Verleger.174 1925 erschien dann das letzte von ihm selbst herausgegebene Buch ‚Die Rose‘ im Ernst Rowohlt Verlag.175 Trotz des Misserfolgs dieser letzten eigenen Herausgeberschaft und den Widerständen der schweizerischen Zeitungen und Zeitschriften gewann Walser um die Mitte der zwanziger Jahre noch einmal durch die Unterstützung des damals noch unbekannten Franz Kafka neues Ansehen im Ausland.176 Zu Beginn des Jahres 1929 begleitete ihn seine Schwester Lisa Walser, nachdem seine Vermieterinnen diese aufgrund seines psychisch auffälligen Verhaltens gerufen hatten, zum Psychiater. Walser suchte auf dessen Anraten am 25. Januar 1929 die Heilanstalt Waldau auf, wo Schizophrenie diagnostiziert wurde, und blieb dort bis 1933. In Waldau arbeitete Walser weiterhin literarisch. Als er dann am 19. Juni 1933 gegen seinen Willen entmündigt und mit Gewalt in die Heilanstalt seines formellen Heimatkantons Appenzell-Außerrhoden in Herisau verlegt wurde, wo er bis zu seinem Tod ,,Papiertüten falzte, Schnüre aufknotete und Stanniolfolie sortierte“177, legte er das literarische Schaffen nieder.178 Aus dieser Zeit sind keine von Walser verfasste Texte nachweisbar.179 Walser hatte sich 1933 einer möglichen Entlassung verweigert, da seine Schwester Lisa ihn, vermutlich aus finanziellen Gründen, nicht aufnehmen wollte. Die unfreiwillige Verlegung nach Herisau war die Folge dieser Verweigerung.180 Von 1936 bis zu seinem Tod entwickelte sich die freundschaftliche Beziehung zu Carl Seelig, einem Züricher Schriftsteller und Journalisten, der viele Wanderungen mit ihm unternahm, ihm Geldmittel beschaffte und schließlich sein Herausgeber wurde. 1944 übernahm Seelig Walsers Vormundschaft.181 Am 25. Dezember 1956, nach mehr als 20 Jahren schriftstellerischem Schweigen, starb Walser 78-jährig auf einem allein unternommenen Spaziergang in einer Schneelandschaft ,,von einem Herzschlag getroffen“182.183

Auch wenn der als schüchtern beschriebene Walser184 bei seiner Internierung in Waldau kategorisch verneinte, Beziehungen zu Frauen unterhalten zu haben185, lassen sich mehrere meist sehr kurzlebige Verbindungen zu Frauen, abgesehen von seiner Schwester Lisa, festhalten. Mit Klara Wolf (1896- 1965186 ) beispielsweise, einer Lehrerin aus Meinisberg bei Biel, führte er eine ,,wohltemperierte Freundschaft“187. Sie und ihre Kollegin Getrud Stettler beherbergten Walser im Sommer 1920 einige Tage lang.188 Gegenüber Seelig gab sie wesentlich später zu, dass sie gewogen gewesen war, Walser ,,aus Bewunderung für seinen großen Geist und aus Mitleid mit seiner materiellen Armut“ zu heiraten.189 Im gleichen Jahr lebte eine etwas ältere Beziehung ebenfalls zu einer Lehrerin, Marguerite Chavanne, wieder auf. Sie war mit beiden Schwestern Walsers befreundet. Ihr machte Walser im Winter 1919 oder 1920 einen ,,romantischen Heiratsantrag“190, den sie aus Unsicherheit nicht annahm.191 Dies scheint typisch zu sein für Walsers Heiratsversuche (Siehe auch Kapitel 2.2.). Es zeigt also allein schon an diesen wenigen Beispielen, dass es entgegen Lienhards Behauptung, Walser habe zeitlebens aufgrund seiner kunstethischen Einstellung keine Beziehungen zu Frauen gekannt und Kunst und Liebe im Sinne Nietzsches strikt getrennt192, dass er durchaus Bekanntschaften und Beziehungen hatte.193 Dauerhaft waren diese direkten Kontakte allerdings nie - ganz anders dagegen seine brieflichen Freundschaften. Neben verschiedenen in Briefen erwähnten Kellnerinnen194 und einigen wenigen Briefen zu einem Fräulein H.195 unterhielt er drei z.T. ausschließlich briefliche, dauerhafte Kontakte, die Charakterzüge von Liebesverhältnissen aufweisen Flora Ackeret, Frieda Mermet und Therese Breitbach). Noble plädiert dafür die ,,brieflich festgelegte Lebensgeschichte und das schöpferische Werk als zwei Aspekte desselben Schaffens“ anzusehen, da Dichterisches und Autobiographischen bei Walser mit einander verknüpft sei.196 Sowohl inhaltlich als auch poetologisch197 sind diese brieflichen Beziehungen daher für das Liebesmotiv von Belang. Unglaub identifiziert vier Typen von Beziehungen zu Frauen: Die Schwester (Lisa Walser, die in Hinblick auf die Untersuchung des Motivs unbeachtet bleibt), die mütterliche Freundin (Frieda Mermet), und das verehrte, viel zu junge Mädchen (Therese Breitbach), die auch Mächler schon festhielt, sowie einen Typus einer möglicherweise Geliebten, der gegenüber aber keine Form von Annäherung möglich ist - Flora Ackeret.198 Die drei letzteren werden in Hinblick auf Walsers spezifischen eigenen Erfahrungen mit Liebe sowie vor dem Hintergrund die engen Verbindungen von Briefen und Dichtung vorgestellt werden.

2.1. ,,Zwischen mir und Ihnen liegt eine Welt.“ - Über den Briefwechsel mit Flora Ackeret

Über Flora Ackeret (im Gegensatz199 zu ihrem Mann unterschrieb sie mit ck) -Schumacher ist wenig bekannt. 1868 geboren war sie zehn Jahre älter als Walser.200 Sie war die Gattin des Postbeamten Philipp Akeret, bei dem Walsers Vater in Biel seit 1897 logierte und bei dem Walser mehrfach vorübergehend einzog.201 Adolf Walser starb in Ackerets Haus 1914.202 Mächler beschreibt sie als ,,Persönlichkeit voll rührenden Kultursinnes“203, die sich sowohl den Bieler Künstlern Frank Behrens und Karl Walser, einem Bruder Walsers, als auch Robert Walser förderlich angenommen haben soll.204 Für Karl Walser sind ,,dramatische Liebesgeschichten“ mit der verheirateten Flora Ackeret belegt.205 Die Verwirrung Walsers über dieses innige Verhältnis und die aus der gescheiterten Affäre entstandenen Konsequenzen fanden in gleich mehren Prosastücken Ausdruck.206

,,Das Beste was ich dazumal hatte, war ein gleichaltriger Kamerad, der mir in einem Brief schrieb, daß er eine Frau liebe. Für mich war das etwas Gewaltiges, und von da an mißfiel ich mir. […] War ich verrückt? O nein, keineswegs! Ich war in einem Konflikt mit mir selbst und lief schließlich herzlich gerne fort.“207

Flora Ackeret verstand sich nach der Beendigung des Verhältnisses 1899 als eine Frau mit gebrochenem Herzen und trug meist nur schwarz.208 Bereits 1905 suchte Walser kurzfristig bei Ackeret Unterschlupf, nachdem er die Festanstellung in der Zürcher Kantonalbank ablehnte, um als freier Schriftsteller tätig zu sein209.

,,Ich bin stellen-, brot- und adresslos, bitte laden Sie mich zu sein ein, Liebe!“210

Im März 1905 schrieb Walser an dieselbe während er in ihrem Hause weilte:

,,Ich habe ein paar Hosen angezogen und fühle mich berechtigt, Briefe in alle Welt zu schreiben. In alle Welt! Zwischen mit und Ihnen liegt eine Welt. Papa liegt dazwischen, und Papa’s Leben bedeutet sicherlich eine Welt. Zwei Treppen liegen dazwischen und Treppen sind Welten…“

Deutlich wird die von Walser empfundene Distanz zu Ackeret, aber auch seine Zugewandtheit. Unglaub konnte anhand von Briefen aufzeigen, dass es durchaus eine Zuneigung von Walsers Seite zu Flora Ackeret gegeben haben musste (1904):

,,Ich war immer unoffen. Ganz spät werde ich dann einmal stürmisch wahr reden.“211

Unglaub fasst Walsers Verhältnis zu Ackeret als eine ,,Als-ob-Liebe“ zusammen, die sich durch groteske Unterwerfungsgeste auszeichne.212 Deutlich wird dies im weiteren Verlauf des Briefes von 1905, indem seine Unterschrift lautet:

,,Ein Frecher! […] Derselbe Tief-sich-Bückende! Rüffel in Empfang-Nehmende!“213

Aber auch sie selbst fand Eingang in Walsers Werk: Sie wird als Urbild der Frau Bandi im Prosastück Marie214 angesehen, soll sich sogar im Prosastück Die böse Frau215 selbst identifiziert und die negative Darstellung Walser nie verziehen haben.216 Auch hier zeigt sich wieder die Nähe von Lebensrealität und erdichteter Realität. Wenn auch keine explizite Liebesbeziehung zwischen Walser und Ackeret festgehalten werden kann, so ist doch deutlich, dass sie zu den wenigen Frauen gehörte, zu denen Walser überhaupt eine Verbindung pflegte und der er zugeneigt war.217

2.2. ,,Ich küsse Ihnen […] den Saum Ihres entzückenden Unterhöschens“ - Über den Briefwechsel mit Frieda Mermet

Frieda Mermet (1877-1969)218 gilt als die engste Vertraute Walsers, neben seiner Schwester Lisa, mit der sie ebenfalls in freundschaftlichem Verhältnis stand.219 Bis in die Krankheitsjahre hinein, hauptsächlich aber zwischen 1914 und 1928, korrespondierten sie brieflich.220 Der Briefwechsel, von dem nur die Sendungen Walsers an Mermet erhalten sind, ist der kontinuierlichste, intensivste und intimste den Walser geführt haben soll.221 Bis 1915 war sie mit einem Herrschaftskutscher verheiratet gewesen, von dem sie sich dann nach langer Trennung scheiden ließ. Bereits 1906 zog sie getrennt lebend nach Bellelay und leitet dort die Anstaltswäscherei.222 Zu beiden, sowohl Robert als auch Lisa, hatte sie ein dauerhaften, freundschaftlichen Kontakt. Im Frühjahr 1913 lernte sie Walser kennen.223 Insgesamt zeichnen sich die Briefe Walsers an Mermet durch eine ,,rätselhafte Verschränkung von Monotonie und Faszination“224 aus, die von Zartheit geprägt sei. ,,Zart ist ein Schreiben, das in die Monotonie der Wiederholung winzige Unterbrechungen, Irritationen, Nuancierungen und Nuancen einträgt und somit […] zur Schärfung und Stärkung der Aufmerksamkeit führt.“225 Walser briefliche Zärtlichkeiten und Zartheiten seien so Effekt eines Schreibens, das nicht nur das Detail als Gegenstand fokussiert, sondern auch die kleinsten Differenzen und Differenziertheiten dazwischen.226 Schuller und Von Matt kommen beide zum Schluss, dass die Briefe Walsers an Mermet durch aus als Liebesbriefe verstanden werden können.227 Von Matt bezeichnet das Verhältnis sogar als ,,Brief- und Spazierehe“228. Walser schätzte Mermet als eine kluge, gebildete (u.a. schrieben sie sich auch auf Französisch229 ) Frau und bat auch in lebenswichtigen Entscheidungen um Rat, wog ihren sogar mit dem seiner zweiten Vertrauten, seiner Schwester, auf:

,,Meine Schwester Lisa hat letzhin gemeint, ich könnte Wärter oben in der Anstalt werden. Es würde mich interessieren, welcher Meinung Sie sind, liebe Frau Mermet, ob Sie das für richtig hielten, und ob Sie glauben, daß es Ihnen lieb sei.“230

Von Beginn des Briefkontaktes 1914 an, lässt sich eine heimliche Zuneigung Walsers zu Mermet festhalten, die er ihr gegenüber auch ausdrücklich benennt:

,,Schon im verflossenen Sommer dachte ich oft an Sie und an Ihr freundliches liebes Gesicht, und seitdem wir miteinander in einen so lebhaften Briefverkehr gekommen sind, sind meine Gedanken jeden Tag bei Ihnen, und ich fühle, daß mir das angenehm ist. Es hat etwas Heimliches, nicht wahr, liebe Frau Mermet, daß wir uns so durch die Hände meiner Schwester [Lisa] Briefe schicken, damit die BellelayLeute nichts merken davon. Etwas Geheimes ist immer wertvoll und scheint immer etwas Schönes zu versprechen. Ich möchte einmal recht nahe bei Ihnen sitzen und Ihnen recht lang in die Augen blicken. Sicherlich würde das eine gute Unterhaltung sein.“231

Die Sympathie, die Walser für die damals noch verheiratete Mermet empfindet, wird deutlich: Das Geheime, hier ihre Korrespondenz, ist ihm wertvoll und ‚scheint Schönes zu versprechen‘. Während der Wunsch nach Nähe und Zweisamkeit hier noch ganz scheu und schüchtern ist, zeigen Briefe aus dem gleichen Jahr eine explizit körperliche Anziehung Walsers, die auch dienende Aspekte aufweist:

,,Sie haben an den reizenden Augenblick erinnert, liebe Frau Mermet, wo Sie zum Guckloch herausguckten, während ich Ihr Träger war und an Ihren hübschen Rücken guckte, ein Anblick, den ich mir der schönsten Aussicht nicht hätte vertauschen mögen. Ich bin froh gewesen, daß wenigstens dieses Heben zu Stande gekommen ist. Vielleicht daß bei nächster Gelegenheit noch etwas Feineres, Reizenderes und Schöneres zu Stande kommt. Was sagen Sie dazu? Nun wird ja bald, denke ich, und setze ich mit Freuden voraus, wohl bald der Jura samt unserem lieben bekannten Moron, grün werden, und dann können wir einen gemeinschaftlichen Ausflug machen, worauf Sie sich hoffentlich sehr stark freuen. Nämlich ich selber sehr!“232

,,Es war sehr hübsch, mit Ihnen auf der Bank vor dem Schulhäuschen zu sitzen und mit Ihnen zu plaudern. Wir sollten einmal einen ganzen Nachmittag nebeneinander sitzen können an einem stillen Ort. Da würden wir gewiß näher und näher zueinanderrücken, es würde sich sicher Manches finden. Man sollte nur schön Zeit haben. […] Ich hätte Ihnen am Abend gerne die Stiefel ausgezogen, als wir nach Hause kamen, aber Sie mußten ja so bald fort.“233

Die körperlich-emotionale Verbindung findet allerdings allein in der Sprache und als Sprache statt.234 Über die körperliche Anziehung hinaus gibt es viele Stellen, die auf ganz unterschiedliche Weise den Stellenwert Mermets für Walser verdeutlichen. So blickt er beispielsweise zu Beginn 1914 auf das vergangene Jahr zurück und hält seine Hoffnungen für das kommende fest:

,,Ich freue mich, liebe, verehrte Frau Mermet, daß das alte Jahr einen so lieben und angenehmen und freundschaftlichen Verkehr zwischen Ihnen, meiner Schwester Lisa und mir eingeleitet hat, und ich bebe mich der schönen Hoffnung hin, daß der Verkehr durch das ganze neue Jahr weiterfahren wird.“235

Ganz gegen Lienhards Behauptung, Walser habe zeitlebens keine Liebe gekannt236, wird an den folgenden Briefauszügen deutlich, dass Walser sehr wohl Beziehung im Sinne einer wechselseitigen Bezugnahme aufeinander pflegte und sogar nach heutigem Maßstäben flirtete:

,,Ich danke Ihnen auch für den Ihren letzten lieben Brief, wo Sie am Schluss die nette lustige Anspielung machten, daß Sie in bezug auf Bonbons und Pralinés ein Gegenstückli wüßten, was mich veranlaßt hat, ziemlich eifrig und lang herumzustudieren, wie Sie’s wohl verstanden haben möchten. Vielleicht sagen Sie es mir gelegentlich mündlich, ich würde Sie sehr darum bitten.“237

Vor dem Hintergrund, dass Walser 1918 bereits lange mit Flora Ackeret bekannt war, mutet die Anmerkung (unten), dass Flora ein gefährlicher Name ist in seinem intertextuellen Bezug amüsant an.

Es ist aber nicht davon auszugehen, dass auch Mermet zu diesem Zeitpunkt den Bezug feststellen konnte, sondern er vielmehr zu Walsers individueller Lebensrealität gehörte.

,,Ich glaube von meiner Schwester gehört zu haben, daß Sie Flora heißen. Flora ist sicher ein gefährlicher Name, daran zweifle ich nicht. Unterdessen bin ich immerhin der anderseits genügend Unterzeichnete.“238

Interessant allerdings ist, wie Walser beinahe charmant, versucht Mermet ihren Vornamen zu entlocken, indem er sich selbst als der ,,genügend Unterzeichnete“ bezeichnet. Neben diesen Flirtversuchen, finden sich auch Hinweise auf neckende Spiele, wie hier dem mehrfach erwähnten ‚Flohspiel‘, bei den seltenen realen Begegnungen:

,,Der Weg nach Biel war prächtig, besonders noch deßhalb, weil ich auf dem Weg an das Flohspiel und an die liebenswürdige Frau denken durfte, mit welcher ich es gespielt habe.“239

,,Auch ich habe sehr oft an Sie, liebe Frau Mermet, gedacht, und immer mit großem Vergnügen. Ich denke es mir hübsch, wieder einmal mit Ihnen das Flohspiel zu spielen, wieder Ihre liebe Gestalt zu sehen, Ihr liebes Gesitchen. Bis dahin bleibe ich, Sie herzlich verehrend, mit herzlichem Gruß Ihr Robert Walser.“240

Geprägt ist diese Beziehung aber nicht nur von zaghaften bis sehr deutlichen Annäherungen und Flirts, bzw. Tändeleien. Sehr häufig tritt Mermet als Nährerin und auch Näherin auf, die ihn immer wieder mit Nahrungs- und Genussmitteln versorgt und ihm Kleidung, vor allem Strümpfe241, stopft.242 Neben Hinweisen auf die enge Verbindung von Lisa, Robert und Frieda und seiner Zuneigung ihr gegenüber zeigt sich schon früh eine versorgend mütterliche Rolle Mermets gegenüber Walser243:

,,Liebe Frau Mermet. Meine Schwester, Sie und ich haben uns am vorletzten Sonntag gut unterhalten zusammen. Uebrigens hat das Stück Käse, wozu Sie so freundlich gewesen sind, mir das Papier zu geben, gut geschmeckt. […] ich denke daran, wie oft ich Ihnen vis à vis am Tisch saß und mit Ihnen habe reden dürfen. Es war immer sehr hübsch für mich beim Essen. Es läßt sich gut plaudern mit Ihnen, ich danke Ihnen für die unterhaltenden Stunden, die ich in Ihrer Gesellschaft verbringen durfte. […] Schreiben Sie mir einmal einen kleinen Brief, liebe Frau Mermet? Ich würde mich sehr darüber freuen- […] Am letzten Sonntag saß ich hübsch zu Hause und führte ein solides Stubenleben, ganz wie ein Ehemann. Aus diesem kleinen Brief ersehen Sie, daß ich an Sie gedacht habe. Es ist mir ein Vergnügen an Sie zu denken.“244

Dabei wird an verschiedenen Stellen in den Briefen deutlich, dass sich Walser in diesem Versorgungsverhältnis als der untertänig, abhängige wahrnimmt, bzw. sich als solcher von Mermet als Hoheit mütterlich umsorgt beschreibt.245 Untertänig, ganz ihm spielerischen Gestus des Dieners, erfragt Walser beispielsweise um die Erlaubnis, ihr Socken zur Ausbesserung schicken zu dürfen:

,,Liebe Frau Mermet. Darf ich mir, edle mütterliche besorgte Freundin, erlauben, Ihnen nächstdem eine Partie zerrissene Socken zur gütigen umgehenden Aufbesserung zuzuschicken? […] Indem ich Sie meiner Artigkeit versichere und auch auf die Ihrige zähle, verbeuge ich mich vor dero Hoheit, so tief, wie ich kann und grüße Sie herzlich. Ihr gediegenes Walserchen.“246

Gerade in den Zeiten, in denen Walser zum Militär einzogen war, kommt ihr eine besondere mütterlich sorgende Nährerinnen-Rolle zu:

,,Für den Speck und Käse danke ich Ihnen herzlich. Ein Soldat sieht derartige Sachen immer gern. Was das Verzehren betrifft, so gestehe ich, daß das Stück Käse bereits verschwunden ist. Auch vom Speck, der vorzüglich mundet, sind schon ziemlich große Teile abgeschnitten und gegessen worden.“247

,,Sie verstehen es, liebe Frau Mermet, einem Soldaten Freude zu machen. Wurst und Käse werden sicher ausgezeichnet schmecken.“248

,,Ihr Käse schmeckte mir diese Woche zu den Pionierarbeiten wundervoll.“249

,,Ich danke Ihnen herzlich für Ihre liebe Schnapssendung, […].“250

,,Mit ihrem Paket, enthaltend Käs, Anken und Biscuit haben Sie mir eine große Freude gemacht, und ich danke Ihnen herzlich dafür.“251

Nahrung und körperliche Zuneigung zeichnen sich zugleich durch ein enges Verhältnis aus:

,,Nachher aß ich in einem Hüttchen weiche reife Birnen. Sind Sie nicht auch, liebe Frau Mermet, eine solche weiche liebe Frucht?“252

,,Fleisch schicken Sie mit keines, liebes Fraueli, denn ich mag kaltes Fleisch nicht. Ich habe von allen Fleischsorten am liebsten ungekochtes Frauenfleisch, aber das ist nicht zum essen. Sondern nur so so. Und so weiter.“253

Wenn Walser also von Nahrung spricht, schwingt auch immer etwas nicht nur im ernährenden Sinne Körperliches mit, sondern auch etwas Sexuelles. Von Matt bezeichnet Walsers Briefe an Mermet aufgrund dieses erotischen Verhältnisses auch als ,,Eß- und Schreibstücke“ (Parallelisierung von Nahrungsstück und Prosastück). Von einer strikten Trennung der Kunst von der Liebe, wie Lienhard sie postulierte, kann also keine Rede sein.254 Von Matt räumt den auffällig häufigen Bitten um Nahrungs- und Genussmittel ein das Verhältnis der beiden konstituierendes Moment ein. Walser steuere durch diese Forderungen und der metaphorischen hberblendung des ‚Stückes‘ (Nahrung, Prosa, Sexualität) die Beziehung zwischen ihm und Mermet:

,,Die Frau möchte endlich mehr haben; er aber hat genau, was er will. Um das Fütterungszeremoniell, den wortlosen Kern dieser Brief- und Spazierehe, aufrechtzuerhalten, muß er verhindern, daß es in jene erotische Praxis übergeht, die es symbolisiert. Die Frau hat sich zu fügen.“255

Auch wenn diese Deutung vielleicht etwas weit geht, schließlich sind Mermets Briefe nicht erhalten und wir können nicht wissen, in wie weit das Verhältnis durch sie mitbestimmt wurde, es verdeutlicht, dass das ‚Fütterungszeremoniell‘ für die Beziehung prägend war. Als eine Methode der Distanzhaltung und Nicht-Erfüllung erinnert es an masochistische Verzögerungspraktiken. Es finden sich viele Hinweise auf Fetische (v.a. Schuhe, Strümpfe) und einer Sehnsucht nach untergebenem Beherrschtwerden. Interessant ist, dass diese für Walser typischen Dienerphantasien vor dem Hintergrund des masochistischen Phantasmas der ‚oralen Mutter‘256, die u.a. auch als die ‚große Nährerin‘ fungiert, expliziten Eingang in die Briefe fanden und das vor allem als ,,in Ausdrücke der Ehrerbietung eingebettete Erotica“257 wie die Beispiele zeigen:

,,Tragen auch Sie, liebe Frau Mermet, jetzt ordentlich warme Strümpfe? An Ihren lieben, zarten Füßen? Wie schön wäre es für mich, wenn ich vor Sie hinknien und Ihnen recht sorgsam Strümpfe und Stiefelchen anziehen könnte. […] Sie haben mir, liebe Frau Mermet, so reizende Worte über Ihr kleines, liebes, nettes Näschen geschrieben, […]. Ich habe es sehr lieb, das liebe kleine Ding, und ich möchte mich in das Taschentuch verwandeln, womit Sie das Näschen putzen. [Erinnerung an einen Spaziergang zu dritt mit Lisa Walser] Wenn wir vielleicht wieder solch einen Sommerspaziergang zusammen machen, so möchte ich Sie, liebe Frau Mermet, wenn wir an ein Mäuerchen gelangen, mit den Armen herunterheben, daß Sie ganz sanft auf den Boden zu stehen kommen und nicht herunterspringen müssen. Das wäre eine Freude für mich, Sie zu tragen, die Last Ihres lieben zarten Körpers zu spüren.“258

Poetische Figurenkonstellationen, ob nun tatsächlich biographisch verortbar oder nicht, lassen sich also in den Briefen nachweisen. Ihre Literarizität liegt so u.a. in typischen Merkmalen der walserschen Prosa, der Dieneridee und der oben erläuterten Zartheit im Schreiben.259 Walser Briefe an Mermet weisen an vielen weiteren Stellen masochistische Inhalte, Motive und Metaphern auf. Gerade an ihnen ist die enge Verbindung von Dichtung und Brief häufig gezeigt worden. So findet sich beispielsweise im Prosastück Das Knabenhafte folgender Hinweis:

,,Eine Frau, mit der ich mich brieflich unterhalte, liebt mich wie einen Knaben zu behandeln.“260

Diese Stelle wird als Referenz auf Mermet gedeutet.261 Aber auch in den Briefen tauchen Parallelen zu Beschreibungen in den Prosastücken auf:

,,Ich küsse Ihnen wie ein galizischer Landmann den Saum Ihres entzückenden Unterhöschens und bitte Sie mich Sie herzlich grüßen zu lassen als Ihr Robert Walser.“262

Beispielsweise wies Walser in diesem Brief an Mermet auf das Erscheinen ‚Der Rose‘ hin, das auch das Prosastück Sacher-Masoch enthält. Der ‚galizische Edelmann‘ ist darin die Hauptfigur und verweist auf Sacher-Masoch.263 Insbesondere Anreden und Verabschiedungen drücken das zwischen ihm und Mermet inszenierte Machtverhältnis aus:264

,,Meine liebe Herrin. Wieder tituliere ich Sie ganz neu, […].“265

,,Liebe gewaltige Frau. Erhabene Beherrscherin.“266

Auch hier betitelt Walser Mermet explizit als Mutter:

,,Vielen Dank, meine verehrte, liebe große und stets herzlich gute Mutter oder französisch, Maman, für Ihre so gütigen Weihnachtsgeschenke, […].“267

Diese masochistische Phantasie einer nährenden Mutter findet sich in mehreren Briefen wieder:

,,Liebe Mama; mit andern Worten Liebe Frau Mermet. Ich komme durch die zahlreichen lieben Päckli-Sendungen mehr und mehr in Ihre Gewalt und unter Ihre lieben Pantöffelchen. Glauben Sie nicht auch? Würde es Ihnen Vergnügen machen, liebe Frau Mermet, mich mit Haut und Haar zu besitzen, ungefähr wie ein Herr einen Hund besitzt? […] Wissen Sie, liebe Frau Mermet, was ich mir wünsche? Sie seien eine vornehme schöne Madame und ich dürfte dann Ihre Magd sein und eine Mädchenschürze umhaben und Sie bedienen, und wenn Sie nicht zufrieden wären, ich irgendwie Ihren Unmut hervorgerufen hätte, so würden Sie mir Kläpfe geben, nicht wahr, und ich würde über die lieben Kläpfe hellauflachen. Das wäre ein hübscheres Leben für mich als die Schriftstellerexistenz, die ja freilich auch nicht über ist. […] ich strenge Ihre lieben Augen ein wenig sehr an mit diesem engen Gekribsel , nicht wahr, liebe Mama. Vielleicht haben Sie ungern, daß ich Sie so nenne, Es ist dann so, als wenn Ihnen in allem gehorsam sein müßte, wie ein kleiner Bub; das möchte ich gerne. Hin und wieder würden Sie recht streng sein und mich strafen, dann würde ich vor Sie hinknien müssen und Sie um Verzeihung bitten. Ueberhaupt würde mich Mama ganz nach Laune und lieber Willkür behandeln. Das sind allerlei einfältige Gedanken, werden Sie sagen, die sich für einen dummen Jungen ziemen oder nicht einmal für einen solchen, aber mir sind es liebe Gedanken.“268

Die hier beschriebene Phantasie des Lebens wie ein kleiner Bub wird als hübscher als das Schriftstellerleben beschrieben. Durch die Päckli-Sendungen mit Nahrung und Genussmitteln bringe Mermet ihn als masochistisch gedachte Mutter zunehmend in ihre Gewalt. Diese willkürliche Beherrschung ist dabei ausdrücklich von ihm erwünscht. Die gewaltsame Disziplinierung, die Strafe, als konstitutives Element des Masochismus findet sich gleich an mehreren Stellen und wird sogar als Element des eigenen Seins dargestellt:

,,Ich ließ mir vor einiger Zeit das Haar kurz schneiden, aber es wächst bedenklich schnell wieder nach. Früher gab es einen Grafensohn, der in die Welt zog, um das Fürchten gründlich kennen zu lernen; ich dagegen zottle hier umher, um zu lernen, wie eine Ohrfeige von Damenhand schmeckt. Noch blieb mein höchster, intimster Wunsch leider unerfüllt.“269

Beinahe beiläufig mutet diese Bemerkung an. Doch offenbart sie als Vergleich mit dem Grafensohn, der das Fürchten lernen will und dafür in die Welt zieht, Walser ganz wörtlich genommenes ständiges Um(her)ziehen als Suche nach der Erfüllung des höchsten und intimsten, bisher nicht erfüllten Wunsches: einer Ohrfeige von Damenhand.

Walsers Zuneigung reichte sogar für zaghafte Heiratsambitionen. Der Heiratsantrag, den Walser ihr machte, verblieb allerdings unentschieden.270 Außer diesem, dem Werben um Marguerite Chavanne und einem in geistiger Verwirrung seinen beiden letzten Zimmervermieterinnen (Ida und Martha Häberlin) gemachten Antrag, bei dem Walser die Frauen gleichzeitig bat, ihn zu erstechen, gibt es im Leben Walser keine ernsthaften Werbungs- oder Heiratsversuche.271 1953 erklärte Mermet in einem Brief an Carl Seelig ihre Unentschlossenheit mit ihrer wirtschaftlichen Lage. Ihr habe der Mut gefehlt, ohne Geld in die Familie einzutreten.272 Die Angst vor Ablehnung bzw. Unsicherheit in Hinblick auf Mermets Zuneigung könnte auch Anlass zu verschiedenen Versuchen, Eifersucht hervorzurufen gewesen sein, so deutet zumindest Mächler verschiedenen Bemerkungen über andere Frauen, vor allem Zimmermädchen und Kellnerinnen.273 Insbesondere über die Entwicklungen zur wesentlich jüngeren, ihn verehrenden Therese Breitbach, mit der Walser einige Zeit Korrespondenz unterhielt, setzte er Mermet scheinbar beiläufig in Kenntnis:

,,Ich hatte tatsächlich eine Zeit lang immer viel Schnuder in den Nasenlöchern, was von einer Eschauffierung [sic!], vielmehr einer Erkältung herrührte, wovon ich aber jetzt zum Glück befreit bin. Ein siebzehnjähriges Mädchen aus dem Rheinland beehrt mich mit ihrer Korrespondenz, und sind Sie nun immer gesund, […].“274

,,Ich bin jetzt von meiner Rheinlandsbekanntschaft zwar nicht in den Grafenstand wohl aber in den Freundestand hinaufgehoben worden.“275

Aber auch ganz explizit weist Walser in einem Brief auf die von ihm erhoffte Eifersucht als Zeichen ihrer Zuneigung, seinem Spiel mit Eifersucht und auch der Möglichkeit, sie bewusst hervorzurufen und zu beenden hin:

,,Wie Sie sehen, bin ich von Walkers fortgezogen und wohne nun hier bei einem Ehepaar. Man hinterbrachte mir, Sie wären furchtbar eifersüchtig auf’s Anni Walker gewesen. Ich hoffe, daß es wahr ist, denn das würde mir schmeicheln. Zur Eifersucht haben Sie nun also keinen Grund mehr. Anni W. hat mir zum Abschied noch alle Schande gesagt, ich sei Lümmel und Saucheib, der den Variétédamen nachlaufe. Wahr ist nur, daß ich einer Genferin, die im Variété singt, Artigkeiten erwies. Anni W. habe ich’s erzählt und sie damit böse gemacht.“276

Die Frage, ob Walser Mermet liebte oder sie ihn, ob hier von Liebesbriefen oder tatsächlich von einer Brief- und Spazierehe gesprochen werden kann, kann letztgültig hier und allein auf Grundlage der Briefe nicht beantwortet werden. Dennoch wird in einem Brief von 1918 sehr deutlich, dass Walser Mermet ausdrücklich ‚lieb‘ ist. Schuller zeigt an folgendem Textbeispiel, dass Liebe bzw. ‚lieb‘ nicht als Mitgeteiltes, sondern als ‚Mit-Teilung‘ selbst, ,,als das miteinander Geteilte der Korrespondenz“277 eine gewichtige Bedeutung zu kommt:

,,Alles, was Sie berühren, wird zu etwas Liebem. Alles, was Sie tragen, z.B. auch Ihre Kleider, ist auch lieb. Ich bin Ihnen einen Brief schuldig, worin das Wörtchen ‚lieb‘ etwa hundertmal vorkommt, immer in anderer Art, damit es Ihnen nicht langweilig vorkäme. […] Hier benütze ich den Briefbogen, den Sie mir als zarten Hinweis sandten, daß ich bald wieder schreiben würde. […] Auch der Briefbogen ist lieb, weil er von Ihnen kommt und in Ihrer Nähe gewesen ist, in einer von Ihren Schubladen. Also Frieda heißen Sie; ich werde es mir merken, damit es ich nicht wieder vergesse, denn das ist ja eine sehr wichtige Sache, und Frieda ist sicher ein lieber, schöner Name. Sie sind ja von sanfter, friedlicher Art und tragen den Namen mit höchster Berechtigung. Können Sie auch hie und da zanken und herrisch sein? Ich möchte es fast wünschen. […] Was ich sagen wollte, ist, daß ich gerne einen Brief von Ihnen erhielte, worin Sie einen Ton anschlagen würden, als seien Sie meine liebe Vorgesetzte und machten mir allerlei bestimmte Vorschriften. Den etwas strengen, gebietenden Ton in Ihrer Stimme, wann Sie hie und zu Louis sprachen, habe ich sehr, sehr lieb und höre ihn in Gedanken. Liebe ist doch etwas Schönes und Seltsames und sicher das Erlebenswerteste im Leben.“278

Liebe nimmt die Gestalt von Mermet an und ist als solche ,,etwas Schönes und Seltsames“, ja sogar das Erlebenswerteste, das Walser zu kennen scheint und das ,,sicher“. Berücksichtigt man, wie oft Walser seine Beschreibungen und Positionierungen vage und unsicher einer klaren Bedeutung entzieht, erstaunt eine solche deutliche Aussage. Mermets Eigenschaften, die ,,zugleich eigenschafts- und qualitätslos“279 bleiben, übertragen sich auf alles, was in ihre Nähe oder mit ihr in Berührung kommt. ‚Lieb‘ ist das wichtigste Wort in dieser Passage und als Gestaltungsprinzip ritualisiert.

Ab etwa 1920 nehmen die Bitten um Essen, Genussmittel und Geschäftsgänge in den Briefen an Mermet zu und dominieren den Inhalt.280 Walser selbst scheint diese Abnahme von Leidenschaft wahrgenommen zu haben und bezeichnet sich selbst aufgrund seiner Bekanntheit als langweilig:

,,[…] empfangen Sie freundlichsten Gruß von dem Ihnen wahrscheinlich längst schon langweilig vorkommenden, weil längst bekannten, Robert Walser.“281

Im Vergleich mit den Briefen aus früherer Zeit sind diese weniger kunstvoll, weniger poetisch durchkomponiert, sondern eher klar, beinahe präzise und informativ. Allein das ‚das‘, das am Ende der Passage bedauert wird, bleibt ohne klaren Bezug oder Erläuterung. Vor dem Hintergrund der damals erst kürzlich erfolgten Aufnahme in Waldau, zeigt sich hier trotz aller Angepasstheit im Anstaltsleben ein gewisses Bedauern über die eigene Lebenssituation, die er Mermet anvertraut. Auch an anderer Stelle zeigt sich Bedauern über den eigenen Zustand, der seines Erachtens verhindert, dass er für Mermet, das bedeuten könne, was er ihr früher bedeutet habe:

,,Zudem kann ich Ihnen ja, seitdem ich leider Gottes Kranker geworden bin, nicht mehr dasjenige sein was ich Ihnen früher bedeutete. […] Diesem Ihrem guten Herzen, liebe Frau Mermet, möchte ich mich, Ihnen frohes neues Jahr und alles denkbar Beste wünschend, bestens empfehlen, indem ich voraussetze, ich sei berechtigt, zu glauben, es gewähre Ihnen Freude, von Zeit zu Zeit unvoreingenommen zu denken an Ihren Sie verehrenden Robert Walser.“282

Aus Herisau sind im Wesentlichen Geburtstags- und Weihnachtsdanksagungen283 Walsers an Mermet erhalten. Die Korrespondenz scheint sich auf derlei formale Akte zu beschränken, allerdings gehörte sie zu den wenigen Menschen, mit denen er in den ersten Herisauer Jahren größere Wanderungen unternahm.284

2.3. ,,An das Mädchen im Rheinland“ - Über den Briefwechsel mit Therese Breitbach

Therese Breitbach wurde 1908285 geboren, war damit 30 Jahre jünger als Walser, und schrieb das erste Mal 1925 mit siebzehn Jahren an Walser. Sie nahm dabei einen Kontakt auf, der auf ihren älteren Bruder, Joseph Breitbach, zurückging. Dieser versuchte sich, geheim gehalten vor seinen katholischen Eltern, als Jungschriftsteller. Breitbach wandte sich diesbezüglich ratsuchend an Walser, dessen Geschwister Tanner sie mit Begeisterung gelesen hatte.286 Walser antwortete auf ihre Anfrage:

,,Liebes, junges, sehr verehrtes Mädchen. Das mit Ihrem Bruder ist ja sehr interessant. Daß er schriftstellert. […] Besten Dank endlich für Ihre liebenswürdigen Zeilen, über die ich weiter gar nicht erstaunt gewesen bin, die mich einfach freuten.“287

Zu Beginn der Korrespondenz, die sieben Jahre anhielt (1925-1932), war sie Schülerin bei den Ursulinen.288 Walsers Briefe weisen an verschiedenen Stellen einen ,,pädagogische Note“289 auf, wie sich in den Briefen, in denen er besorgt über die Wirkung seine Dichtung auf die junge Frau ist, zeigt:

,,‘Die Rose‘ ist eines meiner feinsten Bücher, das nur ältere und sehr vornehme Frauen in die Hand nehmen sollten, weil es an diesem Buch sehr viel zu verstehen und zu verzeihen gibt. Es ist das ungezogenste, jugendlichste aller meiner Bücher, und ich finde bedenklich, daß Sie sich’s angeschafft haben. Hoffentlich lesen Sie es mit der nötigen Nachdenklichkeit.“290

,,Sie lasen den ‚Kuss‘ in der ‚Individualität‘, ein Prosastück, das ich Ihnen von mir wegen niemals zu lesen gegeben hätte, und das ich, wenn es ein weniger Artiger gedichtet haben würden, als ich einer bin, und wenn ich etwa Zensor oder Konsistorial- oder Regierungsrat wäre, mit einer Schleunigkeit konfisziert hätte, die nichts zu wünschen übrig gelassen hätte. Es tut mir sehr leid, daß dies Stück, das ich nur für Sektierer, Frömmler, Ekstatiker zu veröffentlichen glaubte, etwa für ganz herangereifte Frauen, Ihnen unter die Augen kam, und ich lade Sie höflichst ein, mein Fräulein, lesen Sie doch lieber einstweilen einfach bloß Schiller oder höchstens Goethe.“291

Mit dem etwas herabwürdigenden Hinweis, dass Breitbach besser ‚einfach bloß Schiller oder höchstens Goethe lesen sollte, offenbart Walser ein kritisches Bewusstsein für eine selbst wahrgenommene Bedenklichkeit seiner Dichtung, aber auch eine gewisse Fürsorge um die junge Freundin. Diese Fürsorge bezog sich fast ausschließlich auf eine Gefährdung durch seine Dichtung. In Hinblick auf die zunehmend intimeren Briefe, die ähnlich wie bei Mermet deutlich Merkmale der walserschen Prosa aufweisen, wie die Dieneridee und der Zartheit.

,,ich hoffe, daß dieser geringfügige Brief, in den ich alle meine Gefügigkeiten lege, Sie […] zufriedenstimmt und nehmen an, daß Sie Glacéhandschuhe tragen, für die ich insofern schwärme, als Sie an Mädchenhändchen schlummern, ruhen können.“292

Auch hier inszenierte sich Walser als gefügig Dienender einer Frau, wobei er sie als Mädchen stilisiert und durch die häufige Anrede als Fräulein ihre Jugend stets als einen Wesenszug betont. Mermet hatte Walser persönlich gekannt. Breitbach dagegen ist er nie begegnet.293 Die Art wie er von ihr spricht und sie anredet, gibt insofern also Hinweise auf das allein erschriebene Bild, dass er von ihr hatte. Walser erzählte in einem Brief 1925 von seiner Ausbildung zum Diener in Oberschlesienund sendete ihr sogar ein Foto aus der Zeit, als er im Begriff war, eine Stelle anzutreten.294 Als Breitbach ihn nach seinem Empfinden zu lange auf eine Antwort warten ließ, formulieret er in seinem nächsten Brief seine Sorge um einen Abbruch der Korrespondenz aufgrund seiner Ambitionen, Diener zu werden / zu sein:

,,Liebes, d.h. pardon, zuerst hochgeehrtes, er dann, schüchtern hinterdrein: liebes Fräulein. Ich glaubte schon, Sie würden mir gar nicht schreiben, weil ich von Löffelputze u.s.w. schrieb, was ja ziemlich gewagt war, was Sie aber zum Glück nicht abgehalten hat, fortzufahren, mit mir in Korrespondenz zu bleiben.“295

Es scheint als sei ihm plötzlich aufgegangen, dass gemeingesellschaftlich dienend zu sein, kaum erstrebenswert erschien. Zwischen seinem ersten Brief (01.11.1925) und dem zweiten (15.11.1925) liegen nur etwa 14 Tage. Eine Reaktion Breitbachs war ihm also dringlich und wichtig. Das Zitat verdeutlicht die besondere Bedeutung von Grußformeln. Trotz des kurzen und nur brieflichen Kontaktes spricht er Breitbach vertrauensvoll mit ‚Liebes‘ an, bricht dann ab, sodass zunächst tatsächlich nur ‚Liebes‘ dasteht, bittet um Verzeihung, um dann eine überzogene Ehrerbietungsformel anzuschließen und bekräftigt daran anschließend doch, wenn auch schüchtern, das Erstgesagte ,,liebes Fräulein“. Letztendlich hätte er sich für eine Anrede entscheiden können, ohne den Prozess beschreiben zu müssen. Dieser Akt einer Annäherung im und durch das Wort muss also bewusst erfolgt sein, wie weitere Beispiele verdeutlichen:

,,An das Mädchen im Rheinland. Mein sehr gnädiges Fräulein Breitbach.“296

,,Adieu, meine Rheinländerin, seien Sie herzlich gegrüßt von Robert Walser.“297

,,Rösi Breitbach! Mein ganz hoch verehrtes Fräulein!“298

Ähnlich wie bei Mermet finden sich auch in den Briefen an Breitbach Passagen, die darauf abzielen könnten, Eifersucht hervorzurufen:

,,Und Sie, Gnädigste, werden also eine Haushaltungsschule besuchen. […] Von mir kann ich Ihnen die eigentümliche Mitteilung machen, daß ich aus Liebe zu einem Mädchen neuerdings begonnen habe, Verse zu machen, was mir an mir sehr gefällt.“299

Vor dem Hintergrund, dass Walser wusste, wie sehr Breitbach ihn als Dichter verehrte, scheint es beinahe einer Kränkung gleichzukommen, wenn er ihr offenbart, dass die Liebe zu einer Frau ihn dichten lässt. Die Identität dieser Frau löst Walser dabei nicht auf, sodass unklar bleibt, ob er sich vielleicht sogar auf sie bezog. Sicher ist nur, dass diese Passage einen expliziten Zusammenhang von Liebe und Schreiben, insb. allerdings Versen, festlegte, wie ihn Hobus300 auch für die Prosa Walsers nachweisen konnte. Auch bei anderen Frauengeschichten, die Walser Breitbach offeriert, tauchen diese Anspielungen an die Dichtung und wieder insbesondere der Lyrik auf:

[...]


1 Der Bursche (1913). LG, S.29. Titelbild: Venus im Pelz von Helmut Newton.

2 Der Bursche (1913). LG, S.29.

3 Drux 2007: Motiv. In: Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. S.639 rechts.

4 Vgl. [Art.] Motiv 1999. In: Sachwörterbuch zur deutschen Literatur. S.352 und Drux 2007: Motiv. In: Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. S.638 rechts.

5 Vgl. [Art.] Motiv 1999. In: Sachwörterbuch zur deutschen Literatur. S.352 und Drux 2007: Motiv. In: Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. S.639 links.

6 Drux 2007: Motiv. In: Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. S.639 links.

7 Drux 2007: Motiv. In: Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. S.639 links.

8 Wulf 1988: Der Andere in der Liebe. S.21.

9 Wulf 1988: Der Andere in der Liebe. S.22.

10 Kamper / Wulf 1988: Von Liebe sprechen. S.15.

11 Hobus 2011: Poetik der Umschreibung. S.13.

12 Scheuer 1999: Liebe, Lust und Leid. Zur Gefühlskultur um 1900. S.14f unter Berücksichtigung Norbert Elias‘ Studien zum ,,Prozess der Zivilisation“ (1977).

13 Scheuer 1999: Liebe, Lust und Leid. Zur Gefühlskultur um 1900. S.15.

14 Scheuer 1999: Liebe, Lust und Leid. Zur Gefühlskultur um 1900. S.14f.

15 Kamper / Wulf 1988: Von Liebe sprechen. S.15.

16 Wulf 1988: Der Andere in der Liebe. S.27-29 und Hobus 2011: Poetik der Umschreibung. S.42.

17 Wulf 1988: Der Andere in der Liebe. S.29.

18 Wulf 1988: Der Andere in der Liebe. S.31.

19 Deleuze 1980: Sacher-Masoch und der Masochismus. S.218.

20 Deleuze 1980: Sacher-Masoch und der Masochismus. S.255.

21 Deleuze 1980: Sacher-Masoch und der Masochismus. S.220-231.

22 Wulf 1988: Der Andere in der Liebe. S.32.

23 Wulf 1988: Der Andere in der Liebe. S.32.

24 Hobus 2011: Poetik der Umschreibung. S.42.

25 Hobus 2011: Poetik der Umschreibung. S.42.

26 Beck 1991: Die irdische Religion der Liebe. S.251.

27 Scheuer 1999: Liebe, Lust und Leid. Zur Gefühlskultur um 1900. S.14f.

28 Beck 1991: Die irdische Religion der Liebe. S.251.

29 Scheuer 1999: Liebe, Lust und Leid. Zur Gefühlskultur um 1900. S.14f und 17.

30 Beck 1991: Die irdische Religion der Liebe. S.251.

31 Beck 1991: Die irdische Religion der Liebe. S.251.

32 Beck 1991: Die irdische Religion der Liebe. S.251f und Hobus 2011: Poetik der Umschreibung. S.42.

33 Beck 1991: Die irdische Religion der Liebe. S.252.

34 Beck 1991: Die irdische Religion der Liebe. S.252.

35 Beck 1991: Die irdische Religion der Liebe. S.252.

36 Jung 1988: Die Versprechungen der Liebe. S.37.

37 Jung 1988: Die Versprechungen der Liebe. S.37.

38 Jung 1988: Die Versprechungen der Liebe. S.37.

39 Jung 1988: Die Versprechungen der Liebe. S.37f.

40 Jung 1988: Die Versprechungen der Liebe. S.38.

41 Jung 1988: Die Versprechungen der Liebe. S.38.

42 Vgl: Beck 1991: Die irdische Religion der Liebe. S.251 und Scheuer 1999: Liebe, Lust und Leid. Zur Gefühlskultur um 1900. S.18.

43 Die Einladung (1914). SW 4, S.80.

44 Die Einladung (1914). SW 4, S.79f.

45 Der Bursche (1913). LG, S.29.

46 Aus Gründen der Lesbarkeit wurde hier und im Folgenden ‚der Leser‘ als generisches Maskulinum verwendet.

47 Martin Weibel (1918). SW 16, S.210.

48 Hobus 2011: Poetik der Umschreibung. S.9.

49 Formulierungen und Unterscheidung nach Walser: Zückerchen (1924). SW 8, S.81.

50 Hobus 2011: Poetik der Umschreibung. S.9f.

51 Hobus 2011: Poetik der Umschreibung. S.10.

52 Hobus, Jens: Poetik der Umschreibung. Figurationen der Liebe im Werk Robert Walsers. Würzburg: Königshausen & Neumann 2011 (=Epistemata. Würzburger wissenschaftliche Schriften 697).

53,,Indem Liebesdiskurs und Schreibreflexion interagieren, kommt es zur literarischen Selbstreflexion im Medium der Liebe.“ (Hobus 2011: Poetik der Umschreibung. S.11. Siehe auch: S.15.)

54 Hobus 2011: Poetik der Umschreibung. S.12.

55 Hobus 2011: Poetik der Umschreibung. S.13.

56 Scheuer 1999: Liebe, Lust und Leid. Zur Gefühlskultur um 1900. S.20.

57 Scheuer 1999: Liebe, Lust und Leid. Zur Gefühlskultur um 1900. S.20f.

58 Hobus 2011: Poetik der Umschreibung. S.9f.

59 Zum Werkbegriff und seiner Problematik insb. bei Robert Walser siehe: Groddeck 2008: Jenseits des Buches. S.57-70. Insb. S.57f und S.62-65.

60 Kinder 1994: Deutschsprachige Literatur zwischen 1945 und dem Ende der fünfziger Jahre. S.241.

61 Der heiße Brei (1926 / 1927). SW 19, S.89-92.

62 Vgl. zu dieser Kontroverse: Benne 2007: Autofiktion und Maskerade. S.32-53 und auch: Heffernan 1994: Diese nicht einzuordnende weibliche Struktur (unveröffentlichte Dipolmarbeit). S.47f und Groddeck 2008: Jenseits des Buches. S.62-65.

63 Vgl. Heffernan 1994: Diese nicht einzuordnende weibliche Struktur (unveröffentlichte Dipolmarbeit). S.48.

64 Zum Begriff der Maske und Maskierung in Walsers Werk, das für viele Konstellationen und deren Verständnis in den Prosastücken adäquater erscheint als die Rollen-Theorie, und die Unterscheidung der beiden Erklärungsansätze siehe: Benne 2007: Autofiktion und Maskerade. S.32-53. Insb. S.42. ,,In der Rolle wird eine andere Identität angenommen und vorgegaukelt. Rollen können als solche schwer erkennbar sein, aber der Schauspieler ist sichtbar als Mensch. Die Rollen werden durch seine Person konkretisiert und individualisiert, indem er die eigene Persönlichkeit in die Interpretation einfließen lässt. Im Gegensatz dazu ist gleichgültig, wer oder was sich hinter einer Maske verbirgt.“ Zum Verhältnis von Rolle und Maskerade und dem Problem der Subjektivität in Walsers Werken auch: Kurzawa 1991: ‚Ich ging eine Weile als alte Frau‘. S.167-179. Deleuze betont in seiner Analyse des Masochismus ebenfalls den theatralen Charakter: Deleuze 1980: Sacher-Masoch und der Masochismus. S.207.

65 Droste fasst hierzu in seinen Zehn Gründen, Walser zu lieben zusammen: ,,Wie in ewigem Karneval tanzt die Sprache durch die Reize der Welt, was der Bürger enthemmt im Schutze des Maske tut, leistet sich Walser im Akt der Demaskierung. Die Sätze klingen, als würde sich hier einer davonschleichen und verstecken, was aber geschieht, ist Enthüllung, Gymnastik der Schamlosigkeit.“ Droste 2002: Zehn Gründe, Walser zu lieben. S.17f.

66 Von Matt 1991: Robert Walsers Zorn. S.70.

67 Von Matt 1991: Robert Walsers Zorn. S.71.

68 Benne 2007: Autofiktion und Maskerade. S.42.

69 Vgl. Benne 2007: Autofiktion und Maskerade. S.32-53; Groddeck 2008: Jenseits des Buches. S.62-65 und Noble 2002: Selbstdarstellung oder Selbstverstellung?. S.154 und auch Möbus 2000: Die mehreren Ichs in der Kurprosa Robert Walsers. S.195- 211 und Niehaus 2007: Das Prosastück als Idee und das Prosastückverfassen als Seinsweise: Robert Walser. S.173-186.

70 Noble 2002: Selbstdarstellung oder Selbstverstellung?. S.154.

71 Noble 2002: Selbstdarstellung oder Selbstverstellung?. S.149.

72 Dazu auch: Brändle 2002: Robert Walsers Prosastück ‚Das Diner‘ oder: Das Essen als literarisches Motiv. S.293.

73 Greven 1960: Existenz, Welt und reines Sein im Werk Robert Walsers (Diss.). S.163.

74 Vgl. Greven 1960: Existenz, Welt und reines Sein im Werk Robert Walsers (Diss.). S.163,

75 Eine Art Erzählung (1928/29). SW 20, S.322.

76 Benne 2007: Autofiktion und Maskerade. S.32-53 und Groddeck 2008: Jenseits des Buches. S.33.

77 Neuere Arbeiten zum Verständnis dieser Stelle und ihrer Bedeutung für das Gesamtwerk Walsers: Groddeck 2008: Jenseits des Buches. S.57-70; Benne 2007: Autofiktion und Maskerade. S.32-53 und Niehaus 2007: Das Prosastück als Idee und das Prosastückverfassen als Seinsweise: Robert Walser. S.185f.

78 Groddeck 2008: Jenseits des Buches. S.63.

79 Groddeck 2008: Jenseits des Buches. S.63.

80 Groddeck 2008: Jenseits des Buches. S.63.

81 Eine Art Erzählung (1928/29). SW 20, S.322.

82 Zur Deutung dieser Stelle für das Gesamtwerk Walsers vgl. exemplarisch: Groddeck 2008: Jenseits des Buches. S.63f, Neher 1984: Die Auseinandersetzung mit der Macht in Familie, Literaturbetrieb und Gesellschaft (unveröffentlichte Magisterarbeit). S.55, Benne 2007: Autofiktion und Maskerade. S.32-53, insb. S.33f und Eggers 1979: Zertrenntes Ich-Buch. S.285f.

83 Neher 1984: Die Auseinandersetzung mit der Macht in Familie, Literaturbetrieb und Gesellschaft (unveröffentlichte Magisterarbeit). S.55.

84 Benne 2007: Autofiktion und Maskerade. S.33. Kursive Kennzeichnung durch den Autor des Referenztextes vorgenommen.

85 Zückerchen (1924) SW 8, S.81.

86 Benne 2007: Autofiktion und Maskerade. S.32-53; Groddeck 2008: Jenseits des Buches. S.41.

87 Siehe: Greven 1960: Existenz, Welt und reines Sein im Werk Robert Walsers (Diss.). S.163-165.

88 Siehe Fußnote 106.

89 Baur 1974: Sprache und Existenz. Studien zum Spätwerk Robert Walsers (Diss.). S.2-4.

90 Groddeck 2008: Jenseits des Buches. S.57-70. Insb. S.64.

91 Benne 2007: Autofiktion und Maskerade. S.32-53.

92 Groddeck 2008: Jenseits des Buches. S.64.

93 Groddeck 2008: Jenseits des Buches. S.64 und Benne 2007: Autofiktion und Maskerade. S.45. Kursive Kennzeichnung durch den Autor des Referenztextes vorgenommen.

94 In Hinblick auf den Bezug zwischen narrativer Maskerade und Autor siehe: Benne 2007: Autofiktion und Maskerade. S.47.

95 Anders als bei Hobus, der den Fokus auf die Figurationen legt.

96 Aufnahme-Bericht vom 24. Januar 1929. Einzusehen in: Echte 2008: Robert Walser. Sein Leben in Bildern und Texten. S.413. Die Diagnose wird bei Mächler überblicksartig kontextualisiert: Mächler 2003: Das Leben des Robert Walsers. S.219.

97 Zu Walser psychischer Erkrankung siehe: Mächler 2003: Das Leben des Robert Walsers. S.175-248 und Fröhlich / Hamm 1980: Robert Walser. Leben und Werk in Daten und Bilder. S.233-308. Speziell zum Schizophrenen im Werk: Greven 1992: Robert Walser. Figur am Rande in wechselndem Licht. S.85-105. Ich distanziere mich zwar von der in der Übersetzung durch Helmut Kossodo vorgenommenen Begrifflichkeit des Wahnsinnigen in der Biographie von Catherine Sauvat, inhaltlich lassen sich allerdings dennoch interessante Anekdoten zum psycho-pathologischen Verhalten Walsers entnehmen: Sauvat 1993: Vergessene Weiten. S.285-306.

98 Noble 2002: Selbstdarstellung oder Selbstverstellung?. S.156f.

99 Noble 2002: Selbstdarstellung oder Selbstverstellung?. S.154.

100 Interessante psychologisch-historische Erklärungsansätze und Hinweise zum walser-spezifischen Verhältnis von (Auto-)Biographie und (Selbst-)Darstellungen im Werk finden sich bei: Noble 2002: Selbstdarstellung oder Selbstverstellung?. S.147-169. Insb. S.156- 162 und Ehbauer 1978: Monologisches Spiel. S.166-174.

101 Zum Verhältnis von Briefen und Werk bzw. der Vorliebe zur Maskerade siehe auch: Noble 2002: Selbstdarstellung oder Selbstverstellung?. S.161f. Dazu auch: Von Matt 1987: Wer hat Robert Walsers Briefe geschrieben?. S.98-105, Unglaub 1987: Flora Ackeret und Robert Walser. S.106-121 und Margari 1987: Das dichterische Ich zwischen Briefen und Prosastücken. S.122- 128.

102 Politisch-soziologische Einordnungen der Prosa Walsers insgesamt finden sich bei: Helms 1994: Zur Prosa Robert Walsers. S.134- 151 und im gleichen Sammelband: Holana 1994: Zur Sozialethik in Robert Walsers Kleinprosa. S.152-166.

103 Potthast 2007: Moderne Souveränität und Wahnsinn. S.110.

104 Potthast 2007: Moderne Souveränität und Wahnsinn. S.110.

105 Greven 1960: Existenz, Welt und reines Sein im Werk Robert Walsers (Diss.). S.165.

106 Die Begrifflichkeit stammt in diesem Kontext von: Greven 1992: Robert Walser. Figur am Rande in wechselndem Licht. S.21.

107 Potthast 2007: Moderne Souveränität und Wahnsinn. S.111.

108 Vgl. Potthast 2007: Moderne Souveränität und Wahnsinn. S.110f und Eggers 1979: Zertrenntes Ich-Buch. S.285.

109 Greven 1992: Robert Walser. Figur am Rande in wechselndem Licht. S.21f.

110 Greven 1992: Robert Walser. Figur am Rande in wechselndem Licht. S.22.

111 Sorg 2009: Kurzprosa und Prosastück. In: Handbuch fin de siècle. S.388.

112 Potthast 2007: Moderne Souveränität und Wahnsinn.S.111f.

113 Diese Schätzung beruht auf Jochen Greven und beinhaltet auch hinterlassene Entwürfe: Greven 1992: Robert Walser. Figur am Rande in wechselndem Licht. S.21.

114 Vgl. Greven 1992: Robert Walser. Figur am Rande in wechselndem Licht. S.21, Potthast 2007: Moderne Souveränität und Wahnsinn. S.111 und Eggers 1979: Zertrenntes Ich-Buch. S.284.

115 Heffernan 1994: Diese nicht einzuordnende weibliche Struktur (unveröffentlichte Dipolmarbeit). S.48.

116 Noble 2002: Selbstdarstellung oder Selbstverstellung?. S.154.

117 Strelis 1991: Die verschwiegene Dichtung. S.54.

118 Strelis 1991: Die verschwiegene Dichtung. S.54.

119 Strelis 1991: Die verschwiegene Dichtung. S.54f.

120 Beide Zitate: Strelis 1991: Die verschwiegene Dichtung. S.59.

121 Zur Arabeske und Ornamentik in Walsers Werk siehe: Strelis 1991: Die verschwiegene Dichtung. S.71-74, S.95-97, Jorgensen 2007: Immanenzpoetische Ornamentik - am Beispiel von Robert Walsers ‚Kleine Prosa‘. S.79-106, Andres 1997: Robert Walsers arabeskes Schreiben (Diss.) und Siegrist 1967: Robert Walsers kleine Prosadichtungen. S.88-97.

122 Insgesamt zur Technik des gegenstandslosen Erzählens siehe: Strelis 1991: Die verschwiegene Dichtung. S.54-91.

123 Strelis 1991: Die verschwiegene Dichtung. S.60.

124 Strelis 1991: Die verschwiegene Dichtung. S.60.

125 Siegrist 1967: Robert Walsers kleine Prosadichtungen. S.78.

126 Siegrist 1967: Robert Walsers kleine Prosadichtungen. S.81.

127,,Die Darstellung ist autonom geworden gegenüber einer Gegenständlichkeit, über die sie beliebig verfügt. […] das Wie der Darstellung hat sich vom Objekt gelöst und beansprucht den Vorrang.“ (Siegrist 1967: Robert Walsers kleine Prosadichtungen. S.81.)

128 Die Mädchen (1924). SW 17, S.202f.

129 Brief Don Juans (um 1924). SW 17, S.228f.

130 Vgl. exemplarisch: Benne 2007: Autofiktion und Maskerade. S.32-53, Evans 1999: ‚Im übrigen ist er ein wenig krank‘. S.102-115 und Noble 2002: Selbstdarstellung oder Selbstverstellung?. S.147-169. Insbesondere erwähnenswert ist die Auseinandersetzung mit der Selbstreferentialität in Walsers Werk vor dem Hintergund (post)moderner Sprach- und Subjektkonzeptionen: Mohr 1994: Das nomadische Subjekt. S.207-233.

131 Beispiele: Der Heiratsantrag (1928). SW 19, S.124-126 und Skizze (1911). LG, S.18f.

132 Zur walser-spezifischen Art und Weise der Vewendung von inhaltlichen und formalen Vorlagen sowie dem Erzählmotiv gründend auf Leseerlebnissen siehe: Greven 1999: ‚Einer, der immer irgend etwas las‘. S.37-65.

133 Veränderung des Textes durch den Herausgeber.

134 Sehnsucht nach einem Dolch (vermutlich 1917). LG, S.270. Der Titel wurde vom Herausgeber nachträglich hinzugefügt.

135 Siehe dazu: Greven 1999: ‚Einer, der immer irgend etwas las‘. S.37-65, Horst 1999: Probleme der Intertextualität im Werk Robert Walsers. S.66-81, Lemmel 1999: Robert Walsers Poetik der Intertextualität. S.83 -101 und Mohr 1994: Das nomadische Subjekt. S.234-251.

136 Dtv-Atlas Deutsche Literatur. Hrsg. von Horst Dieter Schlosser. 10., durchgesehene und aktualisierte Auflage. München: dtv 2006 (=dtv-Atlas 3219). S.234.

137 Borchmeyer 1999: Vorwort. S.7.

138 Borchmeyer 1999: Vorwort. S.7.

139 6 Bände, jeweils erschienen: Band 1 1985, Band 2 1985, Band 3 1986, Band 4 1990, Band 5 2000 und Band 6 ebenfalls 2000.

140 Dem Robert Walser-Zentrum in Bern sei herzlich gedankt für die Unterstützung.

141 Vgl. Borchmeyer 1999: Vorwort. S.7-9 und Zmegac 1999: Robert Walsers Poetik in der literarischen Konstellation der Jahrhundertwende. S.28 und 33f.

142 Sorg 2009: Kurzprosa und Prosastück. In: Handbuch fin de siècle. S.388.

143 Es findet sich die Feststellung Walsers allgemeiner und wissenschaftlicher Unbeachtetheit in einer Vielzahl von Monographien und Aufsätzen. Z.B.: Unseld 1999: Einführung in das Robert Walser-Symposium. S.11.

144 Einen sehr guter Überblick über die ältere Forschung bis 1978 befindet sich bei: Ehbauer 1978: Monologisches Spiel. S.5-33. Ein aktueller Überblick (bis Juni 2011) befindet sich bei Hobus 2011: Poetik der Umschreibung. S.22-15. Aktuelle Neuerscheinungen jeglicher Art werden durch das Robert-Walser-Zentrum erfasst und online gelistet: http://robertwalser.ch/ueberrobertwalser/neuerscheinungen/, letzter Zugriff: 13.09.2011.

145 Ausführlich dazu: Hobus 2011: Poetik der Umschreibung. S.22f.

146 Vgl. die Zusammenfassung von Hobus: Hobus 2011: Poetik der Umschreibung. S.22 und die Originalstelle bei Von Matt: Von Matt 2007: Wie weise ist Walsers Weisheit?. S.42f.

147 Von Matt 2007: Wie weise ist Walsers Weisheit?. S.43.

148 Vgl. die Zusammenfassung von Hobus: Hobus 2011: Poetik der Umschreibung. S.23 und Fellner 2003: Begehren und Aufbegehren.

149 Binggeli 2003: Intertextualität und Lektüresemiotik. S.231-260.

150 Hobus 2011: Poetik der Umschreibung. S.23.

151 Vgl. Unseld 1999: Einführung in das Robert Walser-Symposium. S.58.

152 Vgl. Groddeck 2008: Jenseits des Buches. S.58, S.61 und Potthast 2007: Moderne Souveränität und Wahnsinn. S.111.

153. Groddeck 2008: Jenseits des Buches. S.62.

154 Fritz Kochers Aufsätze (1904): Insel Verlag in Leipzig, Geschwister Tanner (1907), Der Gehülfe (1908), Jakob von Gunten (1909) und Komödie (1920): Bruno Cassirer in Berlin, Dichtungen (): Kurt Wolff in Leipzig, Kleine Prosa (1917): Francke in Bern, Kleine Prosa (1917) und Poetenleben (1918): Huber in Frauenfeld, Prosastücke (1916) und Seeland (1920, rückdatiert auf 1919 nach Angaben des Robert-Walser-Zentrums): Rascher in Zürich und Die Rose (1925): Ernst Rowohlt in Berlin. Zusammenstellung aus: Unseld 1999: Einführung in das Robert Walser-Symposium. S.12 und http://robertwalser.ch/ueberrobertwalser/zeittafel/, letzter Zugriff: 13.09.2011.

155 Unseld 1999: Einführung in das Robert Walser-Symposium. S.12f.

156 Siehe DNB: http://d-nb.info/455360626, letzter Zugriff: 13.09.2011.

157 Unseld 1999: Einführung in das Robert Walser-Symposium. S.14.

158 Vgl. Groddeck 2008: Jenseits des Buches. S.59 und Unseld 1999: Einführung in das Robert Walser-Symposium. S.14. Die unterschiedliche Anzahl der Bände beruht auf unterschiedlichen Zählweisen der Bände 12/1 und 12/2.

159 Unseld 1999: Einführung in das Robert Walser-Symposium. S.14.

160 Zur Herausgabe des Gesamtwerkes siehe auch DNB: http://d-nb.info/550305122, letzter Zugriff: 13.09.2011. Wie die Rechte am Werk Walsers vom Kossodo Verlag, bei dem Unseld 1960 die Lizenz für die erste Herausgabe durch Höllerer erwarb, auf den Suhrkamp Verlag übertragen wurden, bleibt unklar und auch Unseld selbst schweigt sich dazu aus: ,,[…] (erst in meinen Tagebüchern wird zu lesen sein, wie sich der hbergang der Rechte von Kossodo auf Suhrkamp vollzog!)[…].“ Unseld 1999: Einführung in das Robert Walser-Symposium. S.14.

161 Zur Editionsgeschichte und zur Problematik des Werkbegriffs bei Robert Walser siehe auch: Groddeck 2008: Jenseits des Buches. S.57-70. Insb. S.59.

162 Robert Walser. Feuer. Unbekannte Prosa und Gedichte. Hrsg. von Bernhard Echte. Frankfurt a.M. suhrkamp 2005 (=suhrkamp taschenbuch 3681). Einbandtext.

163 Philippi fasst die geografischen Abschnitte folgendermaßen zusammen: Berlin 1909-1913, Biel sowie Zürich (1913-1921 und Biel 1921-1929. Siehe: Philippi 1989: Robert Walser. In: Deutsche Dichter. Band 7. S.129.

164 Greven 1960: Existenz, Welt und reines Sein im Werk Robert Walsers (Diss.). S.165f. Jahreszahlen: Zeittafel in: LG, S.296.-299.

165 Vermerk im Protokoll der Anstalt Herisau vom 07.01.1948. Faksimile-Abdruck in: Fröhlich / Hamm 1980: Robert Walser. Leben und Werk in Daten und Bilder. S.295.

166 Vgl. Schilling 2007: Robert Walser. S.151, Philippi 1989: Robert Walser. In: Deutsche Dichter. Band 7. S.128, Echte 2008: Robert Walser. Sein Leben in Bildern und Texten. S.487 und Zeittafel in: LG, S.296.

167 Vgl. Echte 2008: Robert Walser. Sein Leben in Bildern und Texten. S.487 und Zeittafel in: LG, S.296.

168 Vgl. Philippi 1989: Robert Walser. In: Deutsche Dichter. Band 7. S.129, Zeittafel in: LG, S.296-298 und Schilling 2007: Robert Walser. S.151f.

169 Vgl. Echte 2008: Robert Walser. Sein Leben in Bildern und Texten. S.488 und Schilling 2007: Robert Walser. S.21.

170 Vgl. Zeittafel in: LG, S.296-298 und Schilling 2007: Robert Walser. S.74.

171 Walser, Robert. Hier zitiert und in Zusammenhang gesetzt nach: Siegrist 1991: Vom Glück des Unglücks. S.58.

172 Vgl. Mächler 2003: Das Leben des Robert Walsers. Das Leben des Robert Walsers. S.146 und Schilling 2007: Robert Walser. S.89.

173 Zwischen drei und sechs Monaten. Walser widersprach sich diesbezüglich selbst. Siehe dazu: Mächler 2003: Das Leben des Robert Walsers. Das Leben des Robert Walsers. S.146.

174 Ebd. und Schilling 2007: Robert Walser. S.92.

175 Schilling 2007: Robert Walser. S.94.

176 Vgl. Schilling 2007: Robert Walser. S.97, Mächler 2003: Das Leben des Robert Walsers. Das Leben des Robert Walsers. S.162 und Mächler 2003: Das Leben des Robert Walsers. S.162.

177 Potthast 2007: Moderne Souveränität und Wahnsinn. S.109.

178 Philippi 1989: Robert Walser. In: Deutsche Dichter. Band 7. S.128.

179 Zeittafel in: LG, S.299.

180 Philippi 1989: Robert Walser. In: Deutsche Dichter. Band 7. S.133.

181 Zeittafel in: LG, S.299.

182 Fröhlich / Hamm 1980: Robert Walser. Leben und Werk in Daten und Bilder. S.306.

183 Zeittafel in: LG, S.299.

184 Hierzu siehe: Macke 1996: ‚Sie haben wunderschöne Füße…‘. S.34f.

185 Vermerk im Protokoll der Anstalt Herisau vom 07.01.1948. Faksimile-Abdruck in: Fröhlich / Hamm 1980: Robert Walser. Leben und Werk in Daten und Bilder. S.295.

186 Echte 2008: Robert Walser. Sein Leben in Bildern und Texten. S.336.

187 Mächler 2003: Das Leben des Robert Walsers. S.133.

188 Echte 2008: Robert Walser. Sein Leben in Bildern und Texten. S.336 und Mächler 2003: Das Leben des Robert Walsers. S.133.

189 Wolf hier zitiert nach Mächler 2003: Das Leben des Robert Walsers. S.133f.

190 Chavanne hier zitiert nach: Mächler 2003: Das Leben des Robert Walsers. S.134.

191 Mächler 2003: Das Leben des Robert Walsers. S.134.

192 Lienhard 1996: Kunst und Liebe. S.229-240. Hier: S.229f sowie 239f.

193 Interessante Brieffragmente sind bei Echte einsehbar: Echte 2008: Robert Walser. Sein Leben in Bildern und Texten. S.386.

194 Beispiel: An Therese Breitbach (Bern: Mitte Oktober 1925). B, S.241.

195 Beispiele: An Fräulein H. (Bern: 25.01.1926). B, S.258 und an Fräulein H. (Bern: 01.04.1926). B, S.268f.

196 Noble 2002: Selbstdarstellung oder Selbstverstellung?. S.161f.

197 Beispielsweise durch die Verwendung der Metapher des ‚Hundes‘: Vgl. An Frieda Mermet (Biel: 07.08.1918). B, S.138 (,,Würde es Ihnen Vergnügen machen, liebe Frau Mermet, mich mit Haut und Haar zu besitzen, ungefähr wie ein Herr einen Hund besitzt?“) mit Das Kind (III) (1924). SW 8, S.75 (,,Es [das Kind] besaß die Nervosität eines Hundes, sagen wir Windspiels. […] Einst war das Kind ein Mann, der sehr weltmännisch auftrat; […]. Hohn und Spott beglückten es. […] Das Kind zählte nun schon vierzig Jahre, eigentlich schon ein bißchen mehr; […].“).

198 Unglaub 1987: Flora Ackeret und Robert Walser. S.107 und Mächler 2003: Das Leben des Robert Walsers. S.180. An Flora Ackeret. März 1905. In: Echte 2008: Robert Walser. Sein Leben in Bildern und Texten. S.165-167 und S.169.

200 Unglaub 1987: Flora Ackeret und Robert Walser. S.107.

201 Beispielweise 1905 und 1913. Vgl. Mächler 2003: Das Leben des Robert Walsers. S.117f und Zeittafel in: LG, S.297 sowie Unglaub 1987: Flora Ackeret und Robert Walser. S.107.

202 Unglaub 1987: Flora Ackeret und Robert Walser. S.108 und Zeittafel in: LG, S.297.

203 Mächler 2003: Das Leben des Robert Walsers. S.117.

204 Mächler 2003: Das Leben des Robert Walsers. S.117.

205 Vgl. Mächler 2003: Das Leben des Robert Walsers. S.182 (Zitat) und Flora Ackeret in einem Brief an Herman Hesse, 1918: ,,Nachmittags fieng ich an, meinem Mann zu erzählen; er ließ mich aber gar nicht zu Ende kommen, als ich sagte, es sei meine Absicht, mit Karl W. fortzugehen, weil ich ihn liebe.“ Echte 2008: Robert Walser. Sein Leben in Bildern und Texten. S.91.

206 Freundschaftsbrief (1919). LG, S.111f, Der Kamerad (1919). LG, S.109-111 und Maler, Poet und Dame (1917). SW 16, S.189-194. Siehe auch: Echte 2008: Robert Walser. Sein Leben in Bildern und Texten. S.92 und S.169.

207 Der Kamerad (1919). LG, S.109 und S.111.

208 Echte 2008: Robert Walser. Sein Leben in Bildern und Texten.S.169.

209 Echte 2008: Robert Walser. Sein Leben in Bildern und Texten. S.165-167.

210 Zitiert nach: Echte 2008: Robert Walser. Sein Leben in Bildern und Texten. S.167.

211 Hier zitiert nach: Unglaub 1987: Flora Ackeret und Robert Walser. S.108.

212 Unglaub 1987: Flora Ackeret und Robert Walser. S.113.

213 Hier zitiert nach: Unglaub 1987: Flora Ackeret und Robert Walser. S.113.

214 Marie (1918). LG, S.66-86.

215 Die böse Frau (1916). LG, S.109-111.

216 Mächler 2003: Das Leben des Robert Walsers. S.117f und Echte 2008: Robert Walser. Sein Leben in Bildern und Texten. S.167 und S.169 sowie Unglaub 1987: Flora Ackeret und Robert Walser. S.108.

217 Unglaub 1987: Flora Ackeret und Robert Walser. S.107.

218 Hier zitiert nach: Schuller 2009: Zwischen Brief und Literatur. S.5.

219 Vgl. Echte 2008: Robert Walser. Sein Leben in Bildern und Texten. S.28 und S.309.

220 Vgl. Mächler 2003: Das Leben des Robert Walsers. S.114f und Schuller 2009: Zwischen Brief und Literatur. S.1. Der letzte Brief an Frieda Mermet ist vom 20. April 1942.

221 Vgl. Schuller 2009: Zwischen Brief und Literatur. S.1 und Echte 2008: Robert Walser. Sein Leben in Bildern und Texten. S.309.

222 Echte 2008: Robert Walser. Sein Leben in Bildern und Texten. S.286.

223 Echte 2008: Robert Walser. Sein Leben in Bildern und Texten. S.286.

224 Schuller 2009: Zwischen Brief und Literatur. S.2.

225 Schuller 2009: Zwischen Brief und Literatur. S.4.

226 Schuller 2009: Zwischen Brief und Literatur. S.4.

227 Vgl. Schuller 2009: Zwischen Brief und Literatur. S.4.

228 Von Matt 1987: Wer hat Robert Walsers Briefe geschrieben?. S.101.

229 Beispiele: An Frieda Mermet (Bern: September 1921). B, S.193f, An Frieda Mermet (Bern: September 1921). B, S.194f oder an Frieda Mermet (Bern: April 1922). B, S.203.

230 An Frieda Mermet (Biel: 16.11.1920). B, S.180.

231 An Frieda Mermet (Biel: Januar 1914). B, S.70.

232 An Frieda Mermet (Biel: Februar / März 1914). B, S.71f.

233 An Frieda Mermet (Biel: Juni / Juli 1914). S.77.

234 Schuller 2009: Zwischen Brief und Literatur. S.7.

235 An Frieda Mermet (Biel: 02. oder 03.01.1914). B, S.69f.

236 Lienhard 1996: Kunst und Liebe. S.229-240. Hier: S.229f sowie 239f.

237 An Frieda Mermet (Biel: nach 17.04.1918). B, S.128.

238 An Frieda Mermet (Biel: 06.12.1918). B, S.154.

239 An Frieda Mermet (Biel: Sommer / Herbst 1914). B, S.79.

240 An Frieda Mermet (Biel: Oktober / November 1914). B, S.80.

241 Beispiele: An Frieda Mermet (Biel: 25.12.1916). B, S.98f, an Frieda Mermet (Biel: 13.12.1919). B, S.175 und an Frieda Mermet (Biel: 13.12.1920). B, S.182.

242 Siehe auch: Mächler 2003: Das Leben des Robert Walsers. S.131 und Schuller 2009: Zwischen Brief und Literatur. S.6.

243 Mächler 2003: Das Leben des Robert Walsers. S.180.

244 An Frieda Mermet (Biel: 13.12.1913). B, S.67.

245 Dazu auch: Diezemann 2006: Die Kunst des Hungerns. S.130-132.

246 An Frieda Mermet (Bern: 22.07.1924). B, S.216f.

247 An Frieda Mermet (Feldpost aus Cudrefin: 18.04.1915). B, S.89.

248 An Frieda Mermet (Feldpost aus Laugenbruck: ca. 18.10.1915). B, S.91.

249 An Frieda Mermet (Feldpost aus Wisen: 29.10.1915). B, S.92.

250 An Frieda Mermet (Feldpost aus Wisen: 08.11.1915). B, S.92.

251 An Frieda Mermet (Feldpost aus Acqua: 12.08.1917). B, S.110.

252 Hier zitiert nach: Schuller 2009: Zwischen Brief und Literatur. S.7.

253 Hier zitiert nach: Schuller 2009: Zwischen Brief und Literatur. S.7.

254 Lienhard 1996: Kunst und Liebe. S.229-240. Hier: S.229f sowie 239f.

255 Von Matt 1987: Wer hat Robert Walsers Briefe geschrieben?. S.101.

256 Siehe dazu bei Deleuze: Deleuze 1980: Sacher-Masoch und der Masochismus. S.267-278.

257 Mächler 2003: Das Leben des Robert Walsers. S.131.

258 An Frieda Mermet (Biel: Januar / Februar 1915). B, S.84f.

259 Vgl. Margari 1987: Das dichterische Ich zwischen Briefen und Prosastücken. S.125f und Schuller 2009: Zwischen Brief und Literatur. S.2.

260 Das Knabenhafte (1929). SW 19, S.207.

261 Schuller 2009: Zwischen Brief und Literatur. S.5.

262 An Frieda Mermet (Bern: 07.02.1925). B, S.223.

263 Dazu auch: Schuller 2009: Zwischen Brief und Literatur. S.5.

264 Zur Bedeutung der Grußformeln siehe auch bei: Von Matt 1987: Wer hat Robert Walsers Briefe geschrieben?. S.99f.

265 An Frieda Mermet (Bern: 17.12.1924). B, S.221.

266 An Frieda Mermet (Bern: Januar 1925). B, S.222.

267 An Frieda Mermet, (Bern: 09.01.1925). B, S.221.

268 An Frieda Mermet (Biel: 07.08.1918). B, S.138f.

269 An Frieda Mermet (Bern: Ende Dezember 1923). B, S.209.

270 Echte 2008: Robert Walser. Sein Leben in Bildern und Texten. S.309.

271 Vgl. Echte 2008: Robert Walser. Sein Leben in Bildern und Texten. S.397, S.413 und Mächler 2003: Das Leben des Robert Walsers. S.134, S.180 und S.216.

272 Mächler 2003: Das Leben des Robert Walsers. S.131.

273 Vgl. An Frieda Mermet (Bern: Anfang Dezember 1925). B, S.251 und Mächler 2003: Das Leben des Robert Walsers. S.131.

274 An Frieda Mermet (Bern: Ende Oktober 1925). B, S.244.

275 An Frieda Mermet (Bern: Anfang Dezember 1925). B, S.251.

276 An Frieda Mermet (Anfang Februar 1922). Hier zitiert nach: Mächler 2003: Das Leben des Robert Walsers. S.149.

277 Schuller 2009: Zwischen Brief und Literatur. S.6.

278 An Frieda Mermet (Biel: 16. oder 17.12.1918). B, S.155-157.

279 Schuller 2009: Zwischen Brief und Literatur. S.6.

280 Beispiele: An Frieda Mermet (Bern: 15.02.1921). B, S.186, (Bern: Ende Dezember 1923). B, S.208f und (Bern: 12.07.1927). B, S.302.

281 An Frieda Mermet (Bern: Ende Dezember 1923). B, S.209.

282 An Frieda Mermet (Bern, Waldau: 29.12.1930). B, S.345f.

283 Beispiele: An Frieda Mermet (Herisau: 02.01.1935). B, S.352, an Frieda Mermet (Herisau: 17.04.1936). B, S.353 oder auch an Frieda Mermet (Herisau: 27.12.1938). B, S.356.

284 Mächler 2003: Das Leben des Robert Walsers. S.227. An Therese Breitbach (Anfang November 1925). Faksimile-Abdruck einsehbar bei: Echte 2008: Robert Walser. Sein Leben in Bildern und Texten. S.387.

286 Echte 2008: Robert Walser. Sein Leben in Bildern und Texten. S.387.

287 An Therese Breitbach (Bern: ca. 12. / 13.09.1925). B, S.237f.

288 Echte 2008: Robert Walser. Sein Leben in Bildern und Texten. S.387.

289 Echte 2008: Robert Walser. Sein Leben in Bildern und Texten. S.387.

290 An Therese Breitbach (Bern: ca. 12. / 13.09.1925). B, S.238f.

291 An Therese Breitbach (Bern: 13.10.1926). B, S.283f.

292 An Therese Breitbach (Bern: nach 01.11.1925). B, S.247.

293 Echte 2008: Robert Walser. Sein Leben in Bildern und Texten. S.287.

294 An Therese Breitbach (Bern: nach 01.11.1925). B, S.245 und Echte 2008: Robert Walser. Sein Leben in Bildern und Texten. S.181.

295 An Therese Breitbach (Bern: nach 15.11.1925). B, S.249.

296 An Therese Breitbach (Bern: nach 01.11.1925). B, S.245.

297 An Therese Breitbach (Bern: ca. 12. / 13.09.1925). B, S.238.

298 An Therese Breitbach (Bern: Mitte Oktober 1925). B, S.240.

299 An Therese Breitbach (Bern: ca. 12. / 13.09.1925). B, S.238.

300 An Therese Breitbach (Bern: nach 01.11.1925). B, S.246.

Ende der Leseprobe aus 128 Seiten

Details

Titel
Das Motiv der Liebe in Prosastücken von Robert Walser
Untertitel
„Was ist Geliebtsein und Beliebtsein gegen dieses blühende holdselige Wunder: selber lieben!“
Hochschule
Universität Osnabrück
Note
1,8
Autor
Jahr
2011
Seiten
128
Katalognummer
V370435
ISBN (eBook)
9783668479913
ISBN (Buch)
9783668479920
Dateigröße
2760 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Robert Walser, Liebe, Motiv
Arbeit zitieren
Katharina Terhaag (Autor), 2011, Das Motiv der Liebe in Prosastücken von Robert Walser, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/370435

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