Eine Zusammenfassung der Kapitel 1-3 und 5 des ersten Buches der Nikomachischen Ethik des Aristoteles.
Warum handelt der Mensch so, wie er es tut, und was will er damit überhaupt erreichen? Eine Frage, die sich schon viele Menschen jeglicher Epochen gestellt haben und es auch in der Gegenwart noch tun. Aristoteles beschäftigte sich bereits in der Antike mit der Frage nach den Gründen des menschlichen Handelns. Damals, wie heute ist es das Glück, das der Mensch in all seinem Tun sucht und das ihn antreibt. Was aber ist Glück eigentlich und wie kann man es bekommen, bzw. glücklich werden? Aristoteles schrieb seine Thesen dazu in der Nikomachischen Ethik nieder, deren Beginn im folgenden doxographischen Text wiedergeben wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Hierarchie der Ziele
3. Das oberste Gut und die Glückseligkeit
4. Analyse der Lebensformen
4.1 Die hedonistische Lebensform
4.2 Die politische Lebensform
4.3 Die betrachtende Lebensform
4.4 Die kaufmännische Lebensform
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das aristotelische Konzept des menschlichen Strebens und die Suche nach dem höchsten Ziel, der Glückseligkeit (Eudaimonia), auf Basis der Nikomachischen Ethik.
- Teleologie und die hierarchische Ordnung menschlicher Ziele
- Die Unterscheidung zwischen bloßen Tätigkeiten und hervorgebrachten Werken
- Das Prinzip der Selbstgenügsamkeit als Kriterium des höchsten Gutes
- Kritische Analyse verschiedener Lebensformen (hedonistisch, politisch, kaufmännisch)
- Abgrenzung der wahren Glückseligkeit von kurzfristigen Zielen wie Ehre oder Reichtum
Auszug aus dem Buch
Die Hierarchie der Ziele
Die Hierarchie der Ziele ist ein Resultat ihrer Vielfalt, die sich wiederum aus der Vielzahl der „Handlungen, Künste und Wissenschaften“ (N.E. I.1, 1094a 7-8), also dem großen Repertoire an möglichen Tätigkeiten ergibt. Das Ziel der „Sattlerei“ (N.E. I.1, 1094a 12) beispielsweise ist die Herstellung eines Sattels, dabei ist die Kunst der Sattlerei selbst jedoch der sie und andere Künste - zum Beispiel das Schmiedehandwerk, die Pferdezucht und -haltung - leitenden „Reitkunst“ (N.E. I.1, 1094a 12) untergeordnet. Der Grund dieser Unterordnung ist in den Zielen der Reitkunst begründet, da zu deren Erreichen die Sattlerei sozusagen als Werkzeug dient; so dienen Instrumentenbauer, Instrumentalist und Komponist in einem anderen Beispiel der Musikkunst.
Da „das Streben […] leer und sinnlos“ (N.E. I.1, 1094a 23-24) ist, wenn man eine Tätigkeit ausübt, um damit das Ziel einer übergeordneten Tätigkeit zu erreichen, tritt an dieser Stelle ein Regressverbot in Kraft, welches einen unendliches Fortschreiten und einen endlosen Kreislauf des Strebens unterbindet, damit die Reihe der Ziele und gleichzeitig die Hierarchie abgeschlossen werden können. Daher muss es also etwas geben, das sich an der Spitze dieser Hierarchie der Ziele befindet, ein Ziel allen Handelns überhaupt - das oberste aller Ziele, das an der Spitze der Zielhierarchie steht und welches „das Beste“ (N.E. I.1, 1094a 24) ist. Der Unterschied liegt in der Art der Ziele selbst. Diese können zum einen die bloßen „Tätigkeiten“ (N.E. I.1, 1094a 5), zum anderen „bestimmte Werke“ (N.E. I.1, 1094a 5) außerhalb der ausgeführten Tätigkeit sein, wie beispielsweise ein handwerklich erstelltes Produkt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Hinführung zur Fragestellung nach den Gründen menschlichen Handelns und Einführung in die aristotelische Teleologie.
2. Die Hierarchie der Ziele: Erläuterung der teleologischen Struktur von Handlungen und der Notwendigkeit eines obersten Endziels zur Vermeidung eines unendlichen Regresses.
3. Das oberste Gut und die Glückseligkeit: Definition des höchsten Gutes als vollkommen, selbstgenügsam und intrinsisch, identifiziert als Eudaimonia.
4. Analyse der Lebensformen: Untersuchung von vier exemplarischen Lebensformen hinsichtlich ihres Potenzials, das wahre Glück zu verwirklichen.
5. Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse und Bestätigung der Glückseligkeit als höchstes, selbstzweckhaftes Ziel menschlichen Lebens.
Schlüsselwörter
Aristoteles, Nikomachische Ethik, Teleologie, Eudaimonia, Glückseligkeit, Lebensformen, Handlungsziele, Selbstgenügsamkeit, Tugend, Regressverbot, bios theoretikos, Hedonismus, praktisches Wissen, Endziel, Ethik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der aristotelischen Lehre der Ziele des Menschen und der Frage, wie Glückseligkeit im Sinne der Nikomachischen Ethik definiert und erreicht werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind die teleologische Struktur menschlicher Handlungen, die Hierarchie der Ziele sowie die kritische Prüfung verschiedener Lebensentwürfe auf ihr Streben nach Glück.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Untersuchung zielt darauf ab, die Eigenschaften des „höchsten Gutes“ zu bestimmen und zu klären, warum bloße Tätigkeiten oder materielle Resultate als Endziel unzureichend sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine doxographische Analyse der aristotelischen Schriften durchgeführt, ergänzt durch eine strukturierte Untersuchung der sogenannten Lebensformen (bioi).
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Hierarchie menschlicher Handlungen, das Prinzip der Selbstgenügsamkeit und vergleicht hedonistische, politische, kaufmännische und betrachtende Lebensformen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Teleologie, Eudaimonia, Selbstgenügsamkeit, Handlungszweck und die aristotelische Nikomachische Ethik.
Warum lehnt Aristoteles den Reichtum als Ziel ab?
Reichtum wird als bloßes Mittel zu anderen Zwecken angesehen, wodurch er in einem endlosen Kreislauf der Bedürfnisbefriedigung verharrt und somit nicht das vollkommene Endziel darstellen kann.
Inwiefern unterscheidet sich Eudaimonia vom modernen Glücksbegriff?
Eudaimonia ist kein zufälliges „Glück haben“ (luck), sondern ein aktives, auf Tüchtigkeit und Selbstgenügsamkeit basierendes „Gutleben“, das dauerhaft und zielgerichtet ist.
- Citation du texte
- Bennet Ludwig (Auteur), 2013, Über die Ziele und das Glück des Menschen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/370570