Ende der 1980er und zu Beginn der 1990er Jahre löste sich die bipolare Weltordnung auf. Anstelle der Gefahr eines großen globalen Konfliktes traten nach und nach sehr viele kleine regionale Konflikte. Die USA sahen in den Vereinten Nationen ein Instrument, das für die Bewältigung solcher Probleme nutzbar gemacht werden konnte. Mit dem Ende des Ost-West-Konfliktes war auch das Ende der Blockade im Sicherheitsrat gekommen. So genannte Peacekeeping-Missionen nahmen an Zahl immer mehr zu. In ihnen wurde der Schlüssel zur Lösung der regionalen Konflikte gesehen. Das Problem bestand darin, dass das klassische Peacekeeping vielen Konflikten nicht gerecht wurde, weil es noch sehr stark auf die politischen Verhältnisse des Ost-West-Konfliktes zugeschnitten war. Hinzu kam, dass den Vereinten Nationen die Ressourcen fehlten, die gestiegene Nachfrage nach Peacekeeping-Operationen zu bedienen.
Für die USA stellte sich die Frage, ob und wann sie Peacekeeping-Missionen unterstützen sollten, ob sie selbst daran teilnehmen sollten, und wenn ja, dann unter welchen Bedingungen und in welchem Ausmaß. Die USA benötigten eine Peacekeeping-Doktrin.
Inhaltsverzeichnis
A. EINLEITUNG
A.I. UNTERSUCHUNGSGEGENSTAND UND -ZEITRAUM
A.II. ZENTRALE FRAGESTELLUNG
A.III. HYPOTHESEN
A.IV. MATERIALIEN
B. DIE BUSH-ADMINISTRATION
B.I. DIE NEUE WELTORDNUNG
B.II. AN AGENDA FOR PEACE
B.III. REAKTIONEN DER BUSH-REGIERUNG AUF DIE „AGENDA FOR PEACE“
B.IV. DIE KRISE IN SOMALIA
B.IV.1. Hintergründe
B.IV.1.a. Lebensverhältnisse und Gesellschaft der Somalis
B.IV.1.b. Historischer Überblick zur politischen Situation Somalias
B.IV.1.c. Amerikas Verbindung zu Somalia
B.IV.1.d. Die Hungersnot
B.IV.2. UNOSOM I
B.IV.2.a. Die USA im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen
B.IV.2.b. Der Streit in der US-Administration
B.IV.2.c. Der Kongress
B.IV.3. Die Augustentscheidung - die USA werden aktiv
B.IV.3.a. Die Situation in Somalia
B.IV.3.b. Die USA im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen
B.IV.3.c. Bosnien hilft Somalia
B.IV.3.d. Einfluss auf die Entwicklung der Peacekeeping-Doktrin
B.IV.4. UNITAF - Operation Restore Hope
B.IV.4.a. Die Situation in Somalia
B.IV.4.b. Die USA im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen
B.IV.4.c. Operationsplan und Ablauf von UNITAF
B.IV.4.d. Die Entscheidung der Administration für UNITAF
B.IV.4.e. Der Kongress
B.V. ZWISCHENERGEBNIS
C. DIE CLINTON-ADMINISTRATION
C.I. EINSTELLUNG DER CLINTON-REGIERUNG ZUM PEACEKEEPING
C.II. DER FRIEDENSPROZESS IN SOMALIA
C.III. UNOSOM II-EINE FRIEDENSMISSION WIRD ZUM KRIEG
C.III.1. Von UNITAF zu UNOSOM II
C.III.1.a. Die USA drängen auf die Übergabe
C.III.1.b. Das UNOSOM II-Mandat
C.III.1.c. Die Kommandostruktur
C.III.1.d. Übergabephase
C.III.2. Der Krieg gegen Aideed
C.III.2.a. Ereignisse vom 5. Juni
C.III.2.b. Reaktion der UN
C.III.2.c. Ereignisse vom 3. Oktober
C.III.2.d. Reaktion der USA/UN
C.III.3. Das Ende von UNOSOM II
C.IV. DIE HALTUNG DER US-REGIERUNG ZU UNOSOM II
C.IV.1. Unterstützen ohne Aufzufallen
C.IV.2. Wo ist Plan B?
C.IV.3. Die USA planen ihren Ausstieg
C.IV.4. Das Herumwursteln hat ein Ende
C.V. DIE HALTUNG DES US-KONGRESSES ZU UNOSOM II
C.V.1. Der Kongress schaut zu
C.V.2. Somalia wird zum Thema
C.V.3. Der Kongress zeigt Zähne
C.V.4. Showdown im Repräsentantenhaus
C.VI. AUSWIRKUNGEN AUF DIE PEACEKEEPING-DEBATTE
C.VI.1. Von PRD 13 zu PDD 25
C.VI.1.a. Hintergründe zum Streit mit den Militärs
C.VI.1.b. Der erste Entwurf von PRD 13
C.VI.1.c. Der zweite Entwurf
C.VI.1.d. PDD 25
C.VI.2. Der Kongress und das Peacekeeping
C.VI.3. Auswirkungen auf nachfolgende Krisen
C.VI.4. Supplement to „an Agenda for Peace“
D. FAZIT
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Entwicklung der US-amerikanischen Peacekeeping-Doktrin nach dem Ende des Ost-West-Konflikts, wobei die US-Intervention in Somalia als zentrales Fallbeispiel dient, um die veränderte Haltung und das Scheitern der Mission zu analysieren.
- Entwicklung der "Neuen Weltordnung" und die Rolle der "Agenda for Peace".
- Militärische Intervention und die Rolle von UNITAF sowie UNOSOM I/II.
- Einfluss des US-Kongresses auf die außenpolitische Entscheidungsfindung.
- Übergang von der Bush- zur Clinton-Administration im Kontext des Peacekeepings.
- Auswirkungen der Somaliamission auf nachfolgende Kriseneinsätze (wie Ruanda).
Auszug aus dem Buch
B.IV.1.c. Amerikas Verbindung zu Somalia
Bis Ende der 1970er Jahre war Somalia ein Partnerland der UdSSR. Die Sowjetunion betrieb in Berbera im Norden Somalias eine moderne Militärbasis mit Hafen, Trockendock, Raketenlager, einer Kommunikationsstation und einer Landebahn von 15.000 Fuß Länge, auf der auch Großflugzeuge landen konnten. Außerdem lieferte die Sowjetunion eine beträchtliche Anzahl an Waffen an das Barre-Regime. Mit dem Ogadenkrieg zerbrach das Bündnis der beiden Staaten. Barre war nun auf der Suche nach neuen Partnern (Makinda 1993: 52).
1977 mussten die USA ihre Präsenz in Äthiopien aufgeben, da Äthiopien ins sozialistische Lager gewechselt war. Als der Schah von Persien gestürzt wurde, verloren die USA kurze Zeit später auch Persien als weiteren Verbündeten in der Golfregion. Ebenfalls zu dieser Zeit marschierten sowjetische Truppen in Afghanistan ein. Nach diesen Ereignissen gewann Somalia an strategischer Bedeutung für die USA. 1980 wurde ein „Ten Years Arms for Access Accord“ unterzeichnet. Die USA wollten nur Defensivwaffen liefern, und diese durften nicht gegen Guerillas in der Ogadenregion eingesetzt werden. Barre war damit einverstanden, die USA konnten die ehemals sowjetische Basis in Berbera übernehmen (Herrmann 1997: 74-77; Makinda 1993: 53-56).
Zwischen 1982 und 1987 lieferte Amerika Waffen und Wirtschaftshilfe im Wert von US$ 400 Millionen. Die Motivation hierfür war neben der Eindämmung des Kommunismus in Äthiopien vor allem die Angst, durch die Rebellion im Norden den Zugang zur Militärbasis in Berbera zu verlieren. Als das SNM 1988 die Stadt Burao erobert hatte, lieferte das US-Verteidigungsministerium dem Barre-Regime noch einmal 1.200 M-16 Gewehre und 2,8 Millionen Schuss Munition (Herrmann 1997: 78).
Zusammenfassung der Kapitel
A. EINLEITUNG: Einführung in die veränderte Weltlage nach dem Ost-West-Konflikt und die daraus resultierende Notwendigkeit einer neuen amerikanischen Peacekeeping-Doktrin.
B. DIE BUSH-ADMINISTRATION: Analyse der "Neuen Weltordnung", der "Agenda for Peace" und der widersprüchlichen Reaktion der Bush-Regierung auf die Krise in Somalia.
C. DIE CLINTON-ADMINISTRATION: Untersuchung der Haltung der Clinton-Regierung zum Peacekeeping und die Eskalation der UNOSOM II-Mission, die letztlich im Scheitern und in PDD 25 mündete.
D. FAZIT: Zusammenfassende Bewertung, dass die US-Intervention in Somalia ein pragmatischer Kompromiss ohne langfristige Doktrin war, der letztlich das Vertrauen in UN-Missionen erschütterte.
E. ANHANG: Auflistung der entscheidungsrelevanten Faktoren aus PDD 25 für künftige UN-Friedensoperationen.
F. LITERATUR: Verzeichnis der verwendeten Fachliteratur, Dokumente und Internetquellen.
Schlüsselwörter
Somalia, Peacekeeping, Außenpolitik, USA, UNOSOM, Vereinte Nationen, Bush-Administration, Clinton-Administration, Operation Restore Hope, PDD 25, Krisenmanagement, Militärintervention, Außenpolitik, Warlords, Außenbeziehungen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Diplomarbeit analysiert die Entwicklung der US-amerikanischen Peacekeeping-Politik in den Jahren 1992 bis 1995, insbesondere unter dem Einfluss des Scheiterns der Intervention in Somalia.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Außenpolitik der USA nach dem Ende des Kalten Krieges, die Umsetzung von UN-Peacekeeping-Missionen, die Rolle des US-Kongresses und die Auswirkungen von militärischen Rückschlägen auf die politische Doktrin.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es zu untersuchen, wie sich die Einstellung der USA gegenüber UN-Peacekeeping während der Somaliamission veränderte und welche Faktoren – wie etwa die Rolle von Butros-Ghalis "Agenda for Peace" – diesen Prozess beeinflussten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine politikwissenschaftliche Untersuchung, die auf der Auswertung von Fachbüchern, UN-Dokumenten, offiziellen Regierungsberichten und der Berichterstattung des Congressional Quarterly basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Bush-Administration (Entstehung der Krise in Somalia) und der Clinton-Administration (Verschärfung des Konflikts, Scheitern von UNOSOM II und die Auswirkungen auf die Debatte).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Peacekeeping, Somalia, US-Außenpolitik, Vereinte Nationen, UNOSOM, militärische Doktrin, Kongress und Krisenintervention.
Warum war die "Neue Weltordnung" von Bush ein idealistisches Konzept?
Bush sah in der UN nach dem Ende des Ost-West-Konflikts ein wirksames Instrument für kollektive Sicherheit, musste jedoch in der Realität feststellen, dass dieses idealistische Ziel an nationalen Interessen und fehlenden Ressourcen scheiterte.
Wie beeinflusste der 3. Oktober (Task Force Ranger) die amerikanische Politik?
Der Tag markierte das verlustreichste Gefecht der Intervention und führte zu massivem öffentlichen und politischen Druck auf die Clinton-Regierung, was in der Ankündigung des Truppenabzugs und der restriktiven PDD 25 gipfelte.
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- Marco Blasczyk (Author), 2004, Somalia - Das Scheitern einer neuen Weltordnung - Eine Untersuchung der Debatte über internationales Peacekeeping in den USA, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/37064