Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › French Studies - Literature

Die Konstruktion des Augenblicks im Motiv der ´deux cotés de Combray´ in Marcel Prousts ´A la recherche du temps perdu´

Title: Die Konstruktion des Augenblicks im Motiv der ´deux cotés de Combray´ in Marcel Prousts ´A la recherche du temps perdu´

Seminar Paper , 2000 , 23 Pages , Grade: sehr gut

Autor:in: Simone Linde (Author)

French Studies - Literature
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Marcel Prousts Welt ist eine Welt der Gefühle und Sinneswahrnehmungen, die mit bestimmten Eindrücken, Personen und Landschaften zu einer ästhetischen Einheit verschmelzen. Diese Gefühle und Sinneswahrnehmungen sind es, die unser inneres Wesen ausmachen und unsere Existenz bestätigen. Denn die materielle Realität, wie wir sie wahrnehmen, ist nicht die reine Wirklichkeit des Lebens, sondern sie überlagert die individuelle Wahrheit, die ein jeder in sich trägt.
Diese individuelle Wahrheit ist in der Vergangenheit verschlossen. Um sie zu erschließen, reicht es aber nicht, sich die Vergangenheit durch die mémoire de l’intelligence wieder ins Gedächtnis zu holen. Ihrer Erschließung liegt das poetische Konzept der mémoire involontaire zugrunde. Die mémoire involontaire ist durch keine metaphysischen Kategorien in der Lebenswelt verankert. Es hängt ganz vom Zufall ab, ob sie sich dem Individuum erschließt. Nur mit dieser unwillkürlichen Erinnerung ist es möglich, das damals Erlebte aus den Tiefen der Vergangenheit zu reißen. Um nun aber dieses Glücksmoment des Augenblicks gänzlich verstehen zu können, muss er in die Gegenwart integriert werden.
Die Realität ist wie ein Spiegel: Sie scheint mit Leben erfüllt, ist aber nicht mehr als eine Reflektionsscheibe für unser inneres Wesen, unsere Persönlichkeit. Wir stehen vor diesem Spiegel und sehen die Reflexionen, erkennen die Dinge aber nicht in ihrer Essenz. Die Zeit ist wie das Licht, welches die Reflektion erst möglich macht. Da wir aber nur die Repräsentationen, die Bilder im Spiegel sehen, niemals aber das Objekt der Reflektion, müssen wir das Licht in seinem Weg erfassen, dass heißt die Zeit in ihrer Dauer erkennen.
Ausgehend von den theoretischen Ausführungen Marcel Prousts zu seiner Erinnerungsästhetik wird in dieser Arbeit die Konzeption des Augenblicks untersucht, wie er im Motiv der deux côtés de Combray entwickelt wird.
Im 1. Teil stelle ich die theoretischen Ausführungen Prousts zur mémoire involontaire vor, die er in Le tems retrouvé darlegt. Der Schwerpunkt liegt dabei darauf, wie die mémoire involontaire in der Lage ist, Oppositionen zu überwinden. Im 2. Teil untersuche ich, inwieweit Proust in den deux côtés in Du côté de chez Swann bestimmte Oppositionen entwickelt, um sie schließlich in Le temps retrouvé auf vielschichtige Weise wieder zusammenzubringen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Konzeption der Erinnerungsästhetik: mémoire involontaire

3. les deux cotés de Combray

a) antonymische Relation der beiden Seiten

b) Motivik der beiden Seiten

c) Weg der Desillusionierung

d) le temps retrouvé

4. Schluss

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht, wie Marcel Proust in seinem Werk "A la recherche du temps perdu" das Motiv der "deux côtés de Combray" als zentrales Element zur Konstruktion und Auflösung zeitlicher Wahrnehmung nutzt. Der Fokus liegt dabei auf der Analyse der Erinnerungsästhetik und der Überwindung von Oppositionen durch die unwillkürliche Erinnerung.

  • Die theoretischen Grundlagen der "mémoire involontaire"
  • Die antonymische Struktur der beiden Seiten von Combray
  • Die Motivik des Weißdorns und der Vivonne
  • Der Prozess der Desillusionierung und die Fragmentarisierung des Ichs
  • Die Aufhebung zeitlicher und räumlicher Distanz in "le temps retrouvé"

Auszug aus dem Buch

3. les deux cotés de Combray

„Car il avait autour de Combray deux „côtés“ pour les promenades, et si opposés qu’on ne sortait pas en effet de chez nous par la même porte, quand on voulait aller d’un côté ou d’un l’autre: le côté de Méséglise-la-Vineuse, qu’on appelait aussi le côté de chez Swann parce qu’on passait devant la propriété de M. Swann pour aller par là, et le côté de Guermantes.“

Diese beiden côtés sind die Ziele der Spaziergänge von Marcel und seinen Eltern. Sie erstrecken sich – von der Perspektive der Hauses der Großmutter aus gesehen - in entgegengesetzten Richtungen, was durch die beiden Tore deutlich wird, die man jeweils durchqueren muss, wenn man zu einer der côtés gelangen will. Die örtliche „démarcation“ wird noch verstärkt durch die Gewohnheit, niemals beide Seiten an einem Tag zugleich zu besuchen. Aufgrund dieser Opposition erscheinen Marcel die côtés als unvereinbare Punkte: Es sind die realen Faktoren der Entfernung und der Zeit, welche Marcel daran hindern, eine geistige Verbindung zwischen den beiden côtés zu etablieren.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in Prousts Ästhetik der Gefühle ein und definiert die Untersuchung des Augenblicks sowie die Erforschung von Oppositionen in den "deux côtés de Combray".

2. Konzeption der Erinnerungsästhetik: mémoire involontaire: Dieses Kapitel erläutert die Funktionsweise der unwillkürlichen Erinnerung als Mittel, um die wahre Vergangenheit jenseits logischer oder willkürlicher Zugriffe zu erschließen.

3. les deux cotés de Combray: Der Hauptteil analysiert die räumliche und zeitliche Trennung der beiden Seiten (Méséglise und Guermantes), ihre landschaftliche Motivik sowie den Prozess der Desillusionierung und die finale Synthese in "le temps retrouvé".

4. Schluss: Der Schlussteil fasst zusammen, wie durch die Vereinigung von Imagination und Realität die "vases clos" überwunden werden und sich die zerstörende Wirkung der Zeit in eine bewusste Lebenswahrheit verkehrt.

Schlüsselwörter

Marcel Proust, A la recherche du temps perdu, Erinnerungsästhetik, mémoire involontaire, Combray, les deux côtés, Zeitwahrnehmung, Augenblick, Fragmentarisierung, Desillusionierung, le temps retrouvé, Oppositionen, Subjektivität, Unwillkürliche Erinnerung, Literaturanalyse.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit der Konstruktion des Augenblicks in Marcel Prousts Romanwerk "A la recherche du temps perdu", insbesondere anhand des Motivs der zwei Wege ("côtés") von Combray.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Erinnerungsästhetik, die Dichotomie von Méséglise und Guermantes, die Fragmentarisierung der Erfahrung und die Rolle der Zeit als ordnende oder zerstörende Macht.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Marcel die scheinbar unvereinbaren "côtés" in seinem späteren Leben und in der Erinnerung miteinander verknüpft, um seine Identität und die Einheit der Zeit zu finden.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Textanalyse, die auf primärtextlichen Analysen sowie auf theoretischen Ansätzen von Interpreten wie Jauß, Deleuze und Poulet basiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der antonymischen Struktur, der Motivik (Weißdorn und Vivonne), den Weg der Desillusionierung und die Auflösung der Trennung in "le temps retrouvé".

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Neben dem zentralen Begriff der "mémoire involontaire" sind Begriffe wie "vases clos", "Opposition", "Fragmentarisierung" und "Zeitwahrnehmung" prägend für die Analyse.

Welche Rolle spielt die "Seerose" im Text?

Die Seerose fungiert als Allegorie für das spätere Leben Marcels und verdeutlicht die Problematik der "kommunikationslosen" Zeit, in der das Individuum ohne Innehalten vorangetrieben wird.

Wie wird das "Behälter-Inhalt-Motiv" angewendet?

Dieses Motiv wird am Beispiel der Karaffen-Szene erläutert, um die wechselseitige Durchdringung von Form und Inhalt sowie die nahezu vollkommene Austauschbarkeit von Objekten in Prousts Metaphorik zu verdeutlichen.

Excerpt out of 23 pages  - scroll top

Details

Title
Die Konstruktion des Augenblicks im Motiv der ´deux cotés de Combray´ in Marcel Prousts ´A la recherche du temps perdu´
College
University of Hamburg  (Französisches Seminar)
Course
Seminar Marcel Proust: A la recherche du temps perdu
Grade
sehr gut
Author
Simone Linde (Author)
Publication Year
2000
Pages
23
Catalog Number
V3707
ISBN (eBook)
9783638122894
ISBN (Book)
9783638774543
Language
German
Tags
Roman Raum/Zeitkonzeption Erinnerung Metaphorik
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Simone Linde (Author), 2000, Die Konstruktion des Augenblicks im Motiv der ´deux cotés de Combray´ in Marcel Prousts ´A la recherche du temps perdu´, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/3707
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  23  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint