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Gerechtigkeit und Altruismus in der experimentellen Verhaltensökonomie

Titel: Gerechtigkeit und Altruismus in der experimentellen Verhaltensökonomie

Seminararbeit , 2015 , 15 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Stephan Degenhardt (Autor:in)

VWL - Finanzwissenschaft
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In dieser Arbeit soll untersucht werden, welche generalisierbare Aussagekraft die spieltheoretischen Experimente haben, wie das Design die Ergebnisse der Experimente beeinflusst und welche Überlegungen sich mittels des Ultimatum-Spiels (US) und des Diktator-Spiels (DS) für das Gerechtigkeitsempfinden und die Bereitschaft zum Teilen ableiten lassen. Auch wird diskutiert, welche Schlussfolgerungen sich in Bezug auf eine transparente und wirksame Steuerpolitik ziehen lassen.

In den vergangenen Jahren sind in Deutschland die Themen Steuerbetrug und Steuerehrlichkeit immer wieder in den Nachrichten gewesen. Besonders der Fall Uli Hoeneß sorgte für Aufsehen – der ehemalige Manager von Bayern München wurde 2014 wegen Steuerhinterziehung in Höhe von 28,5 Millionen Euro zu einer mehrjährigen Freiheitsstrafe verurteilt.

Das Beispiel und viele andere zeigen: Wenn es ums Geld geht, denken viele Menschen zunächst nur an eine Person – sich selbst. Demnach verhielten sich Menschen so, wie es das klassische Bild des Homo oeconomicus postuliert – rational und eigennützig. Bezogen auf das Thema Steuermoral: Warum das hart verdiente Geld an den Staat abführen, wenn die Wahrscheinlichkeit, von den chronisch überlasteten Steuerfahndern erwischt zu werden, sowieso gering ist?

In den vergangenen Jahrzehnten jedoch hat das Bild des Homo oeconomicus immer mehr Kratzer bekommen. Kahnemann, Knetsch und Thaler (1986) zum Beispiel fanden heraus, dass Marktteilnehmer auf Profit verzichten, weil sie gesellschaftliche Standards für Fairness mit in ihre Kalkulation einbeziehen. Das könne verschiedene Marktanomalien, etwa Überschussnachfragen auf Kundemärkten, erklären.

In den 1980er Jahren ließen speziell zwei simple spieltheoretische Experimente Zweifel am Homo oeconomicus aufkommen: das Ultimatum-Spiel (US) und das Diktator-Spiel (DS). Die Ergebnisse legen nahe, dass Menschen festverdrahtet sind bzw. intrinsisch motiviert, sich altruistisch und fair statt egoistisch zu verhalten. Doch auch diese weitreichenden Interpretationen der Ultimatum- und Diktatorspiele sind umstritten.
pretationen der Ultimatum- und Diktatorspiele sind umstritten.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Ultimatum- und Diktatorspiel

3. Problem der Generalisierbarkeit von Laborexperimenten

4. Variationen des Ultimatum-/Diktatorspiels, Rückschlüsse auf die Steuerpolitik

4.1. Anonymität, Distanz und Transparenz in Diktatorspielen

4.2. Erarbeitetes Einkommen in Diktatorspielen

4.3. Ultimatum- und Diktatorspiel mit explizitem Steuer-/Transfersystem

5. Diskussion

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die psychologischen und ökonomischen Motive hinter fairem Verhalten in experimentellen Spielsituationen, insbesondere im Ultimatum- und Diktatorspiel, und hinterfragt deren Übertragbarkeit auf reale gesellschaftliche Kontexte wie die Steuermoral.

  • Kritische Analyse des Homo oeconomicus-Modells
  • Einflussfaktoren von Laborexperimenten (z.B. Anonymität und Reputationsdruck)
  • Modifikationen des Spieldesigns und deren Auswirkungen auf Altruismus
  • Ableitung steuerpolitischer Implikationen aus experimentellen Ergebnissen
  • Diskussion über "Slippery Slope"-Modelle bei der Steuererhebung

Auszug aus dem Buch

3. Problem der Generalisierbarkeit von Laborexperimenten

Die gerade beschriebene Studie von Forsythe et al. zeigt, dass das Verhalten von Menschen in Laborexperimenten von verschiedenen Einflussfaktoren abhängt. Das wirft die Frage auf, inwiefern die Resultate von Laborexperimenten generalisierbar sind und auf andere Situationen oder die Bevölkerung insgesamt übertragen werden können. Versuchsteilnehmer mögen in Diktatorexperimenten aus Gerechtigkeitsmotiven Geld mit fremden Personen teilen – doch in der Realität? Oder, wie es List (2007) formulierte:

One puzzling feature of everyday life is that even though scores of students around the world have outwardly exhibited their preferences for equality in laboratory experiments by sending anonymous cash gifts to anonymous souls (...), why is it rare to find such data patterns in the extra-lab world? (S. 490)

Levitt und List (2007) identifizierten mindestens fünf Faktoren, die ihrer Ansicht nach die Versuchsteilnehmer beeinflussen und somit deren Laborverhalten im Sinne der Generalisierbarkeit weniger glaubhaft machen: Erstens die Präsenz moralischer und ethischer Überlegungen, etwa die antizipierten negativen Auswirkungen einer Aktion auf andere. Zweitens die variierende Höhe der Einsätze. Drittens ein so genannter „self-selection bias“, also der Umstand, dass bei universitären Experimenten vor allem Studenten teilnehmen, die als „scientific do-gooders“ (Rosenthal und Rosnow, 1969) an der Forschung interessiert sind und besonders bereitwillig mit dem Versuchsleiter kooperieren.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik der Steuermoral ein und stellt das klassische Menschenbild des Homo oeconomicus in Kontrast zu neueren Erkenntnissen aus spieltheoretischen Experimenten.

2. Das Ultimatum- und Diktatorspiel: Dieses Kapitel erläutert die Funktionsweise der beiden Experimente und zeigt auf, dass Probanden entgegen rein egoistischer Annahmen häufig ein hohes Maß an Fairness zeigen.

3. Problem der Generalisierbarkeit von Laborexperimenten: Der Autor diskutiert hier Faktoren wie Überwachung und Reputationsdruck, die das Laborverhalten verfälschen und die Übertragung auf reale Lebenssituationen erschweren können.

4. Variationen des Ultimatum-/Diktatorspiels, Rückschlüsse auf die Steuerpolitik: In diesem zentralen Teil werden modifizierte Spielvarianten analysiert, um spezifische Lehren für ein effektives und transparentes Steuersystem zu ziehen.

4.1. Anonymität, Distanz und Transparenz in Diktatorspielen: Es wird untersucht, wie soziale Isolation und die Wahrnehmung von Überwachung durch den Versuchsleiter das altruistische Verhalten beeinflussen.

4.2. Erarbeitetes Einkommen in Diktatorspielen: Dieses Kapitel thematisiert, dass die Bereitschaft zum Teilen drastisch sinkt, wenn das Kapital zuvor aktiv erarbeitet wurde.

4.3. Ultimatum- und Diktatorspiel mit explizitem Steuer-/Transfersystem: Hier wird gezeigt, dass ein staatliches Steuer-/Transfersystem soziale Ungleichheiten im Experiment effektiv reduzieren kann.

5. Diskussion: Das Fazit fasst zusammen, dass Altruismus in Experimenten oft strategisch begründet ist und Staaten besser auf externe Anreize statt auf die Hoffnung auf intrinsische Steuerehrlichkeit setzen sollten.

Schlüsselwörter

Verhaltensökonomie, Ultimatum-Spiel, Diktator-Spiel, Homo oeconomicus, Steuermoral, Experimentelle Ökonomik, Altruismus, Fairness, Slippery-Slope-Modell, Generalisierbarkeit, Laborexperiment, Reputationsgründe, Steuerpolitik, Einkommensumverteilung, Anonymität.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beleuchtet, ob Menschen in experimentellen Situationen tatsächlich altruistisch handeln oder ob ihr Verhalten durch äußere Bedingungen wie soziale Kontrolle gesteuert wird, um daraus Erkenntnisse für die Steuermoral zu gewinnen.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Die Schwerpunkte liegen auf der Spieltheorie (Ultimatum- und Diktatorspiel), der Verhaltensökonomie, der Kritik an der Generalisierbarkeit von Laborergebnissen sowie steuerpolitischen Maßnahmen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, die Aussagekraft spieltheoretischer Experimente in Bezug auf das menschliche Gerechtigkeitsempfinden zu hinterfragen und zu klären, wie staatliche Steuer- und Transfersysteme das Verhalten der Bürger beeinflussen können.

Welche wissenschaftlichen Methoden finden Anwendung?

Es handelt sich um eine theoretische Seminararbeit, die auf einer Literaturanalyse verschiedener experimenteller Studien und ökonomischer Modelle (wie dem "Slippery Slope"-Modell) basiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert Modifikationen des Diktatorspiels, den Einfluss von Reputation und Überwachung sowie die ökonomischen Folgen von erarbeitetem gegenüber unverdientem Einkommen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Verhaltensökonomie, Fairness, Steuermoral, Altruismus und Experimentelles Design beschreiben.

Warum spielt das "Slippery Slope"-Modell in der Arbeit eine wichtige Rolle?

Es dient als theoretischer Rahmen, um zu erklären, dass Steuerehrlichkeit entweder durch strenge Kontrolle oder durch Vertrauen in die staatliche Dienstleistung gefördert werden kann, anstatt allein auf Altruismus zu vertrauen.

Welche Schlussfolgerung zieht der Autor in Bezug auf erarbeitetes Einkommen?

Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass Menschen, die ihr Geld selbst erarbeitet haben, deutlich weniger bereit sind, dieses zu teilen, was Fragen zur steuerlichen Belastung von Arbeitseinkommen gegenüber Kapitaleinkünften aufwirft.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Gerechtigkeit und Altruismus in der experimentellen Verhaltensökonomie
Hochschule
Universität zu Köln
Note
1,0
Autor
Stephan Degenhardt (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2015
Seiten
15
Katalognummer
V370740
ISBN (eBook)
9783668488052
ISBN (Buch)
9783668488069
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gerechtigkeit Altruismus Ultimatumspiel Diktatorspiel Steuern Verhaltensökonomie Behavioral Economics
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Stephan Degenhardt (Autor:in), 2015, Gerechtigkeit und Altruismus in der experimentellen Verhaltensökonomie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/370740
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Leseprobe aus  15  Seiten
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