Unmittelbar nach Abschluss der 17. UN-Klimakonferenz im südafrikanischen Durban im Jahr 2011 erklärte der kanadische Umweltminister Peter Kent, dass sich sein Land trotz des soeben noch selbst unterzeichneten Abschlussdokuments aus dem Gesamtprozess des Kyoto-Protokolls verabschieden werde.
In der noch jungen Geschichte internationaler Verhandlungen zu verbindlichen Klimaschutzzielen stellte dies ein Novum und einen außergewöhnlichen Akt mit Folgewirkungen dar.
Etwa ein Jahr später vollzog auch Russland diesen Schritt und erklärte, sich nicht an einer Fortführung des Kyoto-Protokolls mit verbindlichen Zielen zur Emissionsminderung beteiligen zu wollen. Auch auf der Folgekonferenz 2013 in Warschau, kam es zu einem Eklat, indem eine Reihe von Umweltschutzorganisationen die Konferenz unter Protest verließen.
Der Schritt der kanadischen Regierung war ein bis dato nicht gekannter Schritt und insofern eine Zäsur auf dem Weg zu einer internationalen Verständigung zum Schutz der natürlichen Lebensbedingungen des Menschen. Deshalb geht diese Arbeit aus politikwissenschaftlicher Sicht und in Auseinandersetzung mit der Two-Level-Games-Metapher von Robert David Putnam der folgenden Fragestellung nach: „Aus welchen Gründen hat Kanada den Gehalt der Beschlüsse der 17. UN-Klimakonferenz
abgelehnt?“. In ihr wird untersucht, warum gerade dieses Land den Schritt vollzog, womit es diesen gerechtfertigt hat und welche Hintergründe hierfür auszumachen sind.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretische Grundlagen und Forschungsstand
3. Dokumentenlage und Methodik des Vorgehens
4. Putnams Metapher „The Logic of Two-Level-Games“ und deren Bedeutung
5. UN-Klima-Konferenz von Durban im Kontext ihrer Entstehungsgeschichte
6. Das Agieren Kanadas auf und nach der 17. UN-Klimakonferenz
6.1 Win-Set-Hypothese
6.2 Positionen Kanadas während der 17. UN-Klimakonferenz
6.3 Ausstieg Kanadas aus dem Kyoto-Protokoll
7. Untersuchung der Win-Set-Situation und Analyse des Akteur-Verhaltens
8. Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht aus politikwissenschaftlicher Perspektive und unter Anwendung der „Two-Level-Games“-Metapher von Robert David Putnam die Beweggründe für Kanadas Ablehnung der Beschlüsse der 17. UN-Klimakonferenz. Ziel ist es, die nationalen Interessenkonflikte sowie das spannungsgeladene Verhältnis zwischen internationalen Verpflichtungen und innerstaatlichen politischen Bedingungen zu analysieren, um das spezifische Abstimmungs- und Rückzugsverhalten Kanadas zu erklären.
- Analyse der internationalen Klimapolitik Kanadas
- Anwendung der „Two-Level-Games“-Theorie auf staatliches Handeln
- Bewertung der Win-Set-Hypothese im Kontext internationaler Verhandlungen
- Interdependenz zwischen nationaler Opposition und internationaler Positionierung
- Politische Hintergründe des Ausstiegs aus dem Kyoto-Protokoll
Auszug aus dem Buch
4. Putnams Metapher „The Logic of Two-Level-Games“ und deren Bedeutung
Putnam hat sich dafür entschieden, seine wissenschaftliche Arbeit in Form einer Metapher darzulegen. Eine Metapher wird gewählt, um einen Bedeutungszusammenhang ohne direkten Vergleich mittels eines sprachlichen Bildes in einen anderen zu übertragen (vgl. Bibliographisches Institut ohne Jahr). Putnam begründet sein stilistisches Vorgehen mit den Worten von Max Black „perhaps every science must start with metaphor and end with algebra; and perhaps without the metaphor there would never have been algebra“ (Putnam 1988: 435; vgl. Black 1962: 242).
Mit der Verwendung einer Metapher vollzieht Putnam eine Art der Abgrenzung zu dem mit dem Aufstellen einer wissenschaftlichen Theorie verbundenen Anspruch. Er betont insofern den noch nicht vollständig ausgereiften Charakter seines Gedankenkonstrukts. Gleichwohl ist es in sich schlüssig und weitestgehend ausgeformt.
Zentrale Annahme der Putnamschen Metapher ist, dass jedwede außenpolitische Handlung der Repräsentanten von Nationalstaaten auf Internationalen Konferenzen bzw. in Verhandlungen, stets sowohl durch innergesellschaftliche als auch durch internationale Einflussgrößen beeinträchtigt und zugleich beschränkt wird. Diese Sichtweise grenzt sich einerseits von den herkömmlichen liberalen und neorealistischen Theorieansätzen ab, stellt jedoch andererseits eine Verbindung zwischen beiden dar (Ankel 2011: 4). Das Besondere und Neuartige an diesem gedanklichem Modell ist die Auffassung, dass das außenpolitische Handeln sowohl von internationalen Strukturen und den hier vorherrschenden Machtkonstellationen als auch das politische Kräfteverhältnis auf nationalstaatlicher Ebene abhängig ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Problematik des kanadischen Rückzugs aus dem Kyoto-Protokoll und Formulierung der Forschungsfrage zur Untersuchung des kanadischen Verhaltens auf der UN-Klimakonferenz.
2. Theoretische Grundlagen und Forschungsstand: Darstellung der liberalen und neorealistischen Ansätze, die als Basis für die Analyse internationaler Beziehungen und der staatlichen Handlungsrationalität dienen.
3. Dokumentenlage und Methodik des Vorgehens: Erläuterung der herangezogenen Quellen, bestehend aus der Theorie von Putnam sowie Berichten zur Klimakonferenz und Regierungserklärungen Kanadas.
4. Putnams Metapher „The Logic of Two-Level-Games“ und deren Bedeutung: Detaillierte Einführung in das theoretische Modell des Zwei-Ebenen-Ansatzes, inklusive der Definition von Level I, Level II und dem Begriff des „Win-Sets“.
5. UN-Klima-Konferenz von Durban im Kontext ihrer Entstehungsgeschichte: Überblick über die historische Entwicklung der UN-Klimakonferenzen bis hin zum konkreten Verlauf und den Beschlüssen von Durban 2011.
6. Das Agieren Kanadas auf und nach der 17. UN-Klimakonferenz: Analyse der kanadischen Position unter Anwendung der Win-Set-Hypothese sowie die Untersuchung der politischen Rechtfertigung für den Rückzug aus dem Kyoto-Protokoll.
7. Untersuchung der Win-Set-Situation und Analyse des Akteur-Verhaltens: Kritische Überprüfung der theoretischen Annahmen anhand der tatsächlichen Verhandlungsergebnisse und des Verhaltens der kanadischen Regierung auf internationaler Bühne.
8. Schlussbemerkung: Zusammenfassung der Forschungsergebnisse und Fazit zur Anwendbarkeit von Putnams Modell auf das Handeln Kanadas bei der Klimakonferenz von Durban.
Schlüsselwörter
Kanada, Klimakonferenz, Durban, Kyoto-Protokoll, Two-Level-Games, Robert David Putnam, Win-Set, Außenpolitik, internationale Beziehungen, Liberalismus, Neorealismus, Klimaschutz, Verhandlungsführung, nationale Interessen, UN-Klimakonvention.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Gründe für die Ablehnung der Beschlüsse der 17. UN-Klimakonferenz in Durban durch die kanadische Regierung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die internationale Klimapolitik, das strategische Handeln von Nationalstaaten und die innerstaatliche Interessenabwägung in Kanada.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet: „Aus welchen Gründen hat Kanada den Gehalt der Beschlüsse der 17. UN-Klimakonferenz abgelehnt?“
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Dokumentenanalyse unter Anwendung der politikwissenschaftlichen „Two-Level-Games“-Metapher von Robert David Putnam.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der theoretischen Herleitung des Zwei-Ebenen-Modells, der Historie der Klimakonferenzen und der spezifischen Analyse des kanadischen Agierens in Bezug auf das Kyoto-Protokoll.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Kanada, Win-Set, Kyoto-Protokoll, internationale Klimaverhandlungen und Two-Level-Games.
Warum spielt die „Win-Set“-Theorie eine so wichtige Rolle für das Verständnis von Kanadas Handeln?
Das Win-Set beschreibt den Spielraum einer Regierung, der durch innerstaatliche Akteure und die öffentliche Meinung begrenzt wird, was erklärt, warum Kanada trotz internationaler Abkommen aus dem Kyoto-Protokoll ausstieg.
Wie unterscheidet sich das kanadische Verhalten auf der Klimakonferenz in Durban von dem auf der Ebene der nationalen Politik?
Während Kanada auf internationaler Ebene (Level I) als Verhandlungsteilnehmer auftrat, war die Regierung auf nationaler Ebene (Level II) durch wirtschaftliche Interessen und eine konservative Parlamentsmehrheit gebunden, die eine Kompromisslosigkeit gegenüber bindenden Emissionszielen forderte.
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- Daniel Koplin (Author), 2014, Aus welchen Gründen hat Kanada den Gehalt der Beschlüsse der 17. UN-Klimakonferenz abgelehnt?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/370751