Zum Hauptteil dieser Arbeit gehören der beispielhafte Ablauf einer Frauen- und einer Männerstripshow sowie Beobachtungen zum jeweiligen Machtverhältnis zwischen Akteur und Publikum. Hierbei soll untersucht werden, inwieweit diese Verhältnisse von den gängigen Geschlechterrollen geprägt werden und davon abhängig sind.
Dies ist vor allem daher interessant, da beispielsweise Liepe-Levinson Studien erwähnt, die darlegen, "that women and men learn to choreograph their daily gestures and other nonverbal forms of communication according to the social roles they are expected to play."
So kann man aus den jeweiligen Choreographien viele aufschlussreiche Details über die jeweilige kulturelle und soziale Stellung des Geschlechtes lesen. Allerdings gilt es hierbei zu beachten, dass es sich bei der
Striptease-Show nur um eine Performance, eine verkörperte Fantasie handelt, die nicht zwingend mit der Realität einhergehen muss, aber dennoch von ihr beeinflusst wird. Was zunächst einmal unter dem Begriff des Striptease generell zu verstehen ist, soll im folgenden Punkt erläutert werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definition des Striptease
3. Genderspezifische Machtverhältnisse im Striptease als Performance
3.1 Zugrundeliegende Rahmenbedingungen
3.2 Verhältnis zwischen Akteur und Publikum
3.2.1 Frauenstripshow
3.2.2 Männerstripshow
4. Resümee
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die genderspezifischen Machtverhältnisse innerhalb der Stripshow als Performance. Dabei liegt der Fokus darauf, inwieweit diese Verhältnisse durch gängige Geschlechterrollen geprägt sind und wie sich die Interaktion zwischen Akteuren und dem Publikum in Frauen- und Männerstripshows gestaltet.
- Stripshow als Theaterperformance und kulturelles Artefakt
- Soziologische und psychoanalytische Rahmenbedingungen von Geschlechterrollen
- Vergleichende Analyse der Interaktion in Frauen- und Männerstripshows
- Die Rolle von Trinkgeld-Ritualen und Machtstrukturen
- Akteur-Publikum-Dynamiken und das Konzept der Kontrolle
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Frauenstripshow
„A woman dances in the spotlight of a small platform stage. She moves her hands over her undulating body and then takes off her clothes. The male spectators stare. Some sit motionless, others solemnly hand her dollar bills or carefully place the money into the dancer's G-string or garter belt.“
So wie von Katherine Liepe-Levinson beschrieben, laufen die meisten Stripshows von Frauen für Männer ab. Die Frau tanzt, entkleidet sich dabei und bietet dem männlichen Zuschauer das, was er sehen will. Konkret bedeutet dies, dass die Striptease-Tänzerinnen während der Show die Rolle des Sex-Objektes verkörpern. Hierbei sind die Männer durch ihre Kleidung geschützt und somit klar im Vorteil, während die Frau aber durch ihre Nacktheit umso verwundbarer in kultureller und physischer Hinsicht erscheint.
Oftmals werden zusammen mit dem Künstlernamen der Tänzerinnen auch ganze Autobiographien neu erfunden, wodurch der Charakter der Theaterperformance verstärkt wird. Diese Selbstinszenierung hängt mit der gängigen Vorstellung zusammen, dass viele Striptease-Tänzerinnen eigentlich keine Freude an ihrer Tätigkeit haben und durch soziale Umstände sozusagen gezwungen sind, diesen Beruf auszuüben. Dieser Behauptung entgegen steht allerdings, dass eine große Mehrheit der Tänzerinnen ihrem Job gerne nachgeht. Da es dem männlichen Zuschauer aber offensichtlich besser gefällt, die Performerinnen in der Opfer-Rolle zu sehen, was an der jeweiligen Trinkgeldgabe ersichtlich ist, schlüpfen die Akteurinnen in die, den Wünschen des Kunden gerechte Rollen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung definiert den Striptease als Theaterperformance und legt die Forschungsfrage zur Untersuchung genderspezifischer Machtverhältnisse innerhalb dieser Shows dar.
2. Definition des Striptease: Dieses Kapitel liefert eine theoretische Definition des Striptease als Aufführung, basierend auf medienwissenschaftlichen und lexikalischen Ansätzen.
3. Genderspezifische Machtverhältnisse im Striptease als Performance: Das Hauptkapitel analysiert die zugrundeliegenden gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und die Machtdynamiken zwischen Akteuren und Publikum.
3.1 Zugrundeliegende Rahmenbedingungen: Hier werden soziologische und psychoanalytische Theorien zu Geschlechterrollen und gesellschaftlicher Macht im Kontext der Stripshow diskutiert.
3.2 Verhältnis zwischen Akteur und Publikum: Dieser Abschnitt untersucht die konkrete Interaktion während der Performance, unterteilt in die Perspektiven von Frauen- und Männerstripshows.
3.2.1 Frauenstripshow: Das Kapitel analysiert die Rolle der Stripperin als Sex-Objekt und die Kontrolle durch den männlichen Zuschauer mittels Trinkgeld-Ritualen.
3.2.2 Männerstripshow: Hier wird das Verhalten des weiblichen Publikums in einer Männerstripshow und die dort vorherrschenden, teils konträren, Machtverhältnisse beleuchtet.
4. Resümee: Das Resümee fasst die gewonnenen Erkenntnisse zusammen und betont die Ambivalenz der Machtverhältnisse, die weniger vom Geschlecht als von der Position innerhalb der Aufführung abhängen.
Schlüsselwörter
Striptease, Performance, Genderspezifische Machtverhältnisse, Geschlechterrollen, Akt-Publikum-Interaktion, Trinkgeld-Rituale, Sex-Objekt, Männerstripshow, Frauenstripshow, Kontrolle, Repräsentation, Theateraufführung, Machtposition, Soziale Stellung, Körperbild
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Striptease als kultureller Performance und untersucht die darin eingebetteten Machtverhältnisse zwischen Akteuren und Zuschauern unter Berücksichtigung von Geschlechterrollen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die theoretische Definition des Striptease, der Einfluss gesellschaftlicher Rahmenbedingungen auf die Wahrnehmung von Geschlecht und die spezifischen Interaktionsformen in Frauen- versus Männerstripshows.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die genderspezifischen Machtverhältnisse innerhalb der Stripshow zu ergründen und zu hinterfragen, ob diese Verhältnisse zwingend durch die gängigen Geschlechterrollen determiniert sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine kultur- und medienwissenschaftliche Analyse, gestützt auf Fachliteratur (u.a. Liepe-Levinson, Fischer-Lichte) sowie die Auswertung von Beobachtungen und Erfahrungsberichten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die theoretischen Rahmenbedingungen skizziert, gefolgt von einer detaillierten Analyse der Dynamiken zwischen Akteur und Publikum in Frauen- und Männerstripshows.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Striptease, Performance, Geschlechterrollen, Machtverhältnisse, Kontrolle und Akteur-Publikum-Dynamik charakterisiert.
Wie unterscheidet sich die Rolle des Publikums in Frauen- und Männerstripshows?
Während männliche Besucher von Frauenstripshows aufgrund gesellschaftlicher Normen häufig eine (täuschende) Kontrollposition einnehmen, zeigen weibliche Zuschauer in Männerstripshows oft aggressive Interaktionsmuster, ohne sich dabei primär als Kontrolleure des Geschehens zu verstehen.
Welche Schlussfolgerung zieht die Autorin bezüglich der Machtverhältnisse?
Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass die tatsächliche Macht eher davon abhängt, auf welcher Seite der Aufführung (Akteur oder Publikum) man sich befindet, als allein vom Geschlecht der Beteiligten.
- Arbeit zitieren
- Sara Fackler Calvo (Autor:in), 2015, Genderspezifische Machtverhältnisse im Striptease als Performance, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/370839