Die Suffigierung in der spanischen Jugendsprache. Augmentativ- und Diminutivsuffixe


Hausarbeit, 2015
19 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Jugendsprache - ein Definitionsversuch

3. Generelle Verfahren zur Varietätenkonstitution

4. Das Wortbildungsverfahren der Suffigierung
4.1 Augmentativsuffixe
4.1.1 Die Suffixe -ata, -azo und -amen
4.1.2 Die Suffixe -ota, -ón und -ona
4.1.3 Weitere Suffixe
4.2 Diminutivsuffixe
4.2.1 DieSuffixe -ete/a und -ito/a
4.2.2 Das Suffix -ilio

5. Resümee

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

,,[¿] [Quéee] paassa tíio [?]“ (Baumann 2001: 40) Sätze wie dieser sind im heutigen, umgangssprachlichen Spanisch vollkommen alltäglich und stoßen auf gesellschaftliche Akzeptanz. Dass Expressionen solcher Art aus der sogenannten Jugendsprache stammen, macht das Ganze zusätzlich interessant und relevant. Denn jeder Mensch durchläuft in seinem Leben die Phase der Jugend und so ist das Thema der Jugendsprache eines, das uns alle betrifft und mit dem wir uns identifizieren können.

Durch meine spanischen Wurzeln, die vielen damit verbundenen Besuche bei den spanischen Verwandten und den Kontakt zu jugendlichen Cousins sowie Freunden, ist die spanische Jugendsprache eine Varietät, die für mich persönlich von äußerst großem Interesse ist. Da allerdings nicht nur im Spanischen eine jugendsprachliche Varietät existiert, sondern in jeder Sprache, ist die Thematik von genereller Relevanz.

Die nachfolgende Arbeit setzt sich zum Ziel, die wichtigsten Suffixe der spanischen Jugendsprache, unterteilt in Augmentativ- sowie Diminutivsuffixe, näher zu beleuchten. Dem soll zunächst ein Definitionsversuch der Jugendsprache an sich, als auch eine Erläuterung der generellen Verfahren zur Konstitution einer Varietät, vorausgehen. Für die gesamte Arbeit waren die ausführlichen und anschaulichen Werke von Klaus Zimmermann sowie Ute Müller-Schlomke maßgeblich und richtungsweisend. Aber auch Alemany y Boiufer, Fajardo, Hernández Alonso und Casado Velarde unter anderen stellten wichtige Referenzen für das Verfassen des folgenden Textes dar.

Auch wenn die Jugendsprachforschung im Falle Spaniens noch nicht sehr weit fortgeschritten ist, so kristallisieren doch einige strukturelle Besonderheiten der Jugendsprache in Spanien heraus. Im nächsten Punkt soll nun eine mögliche Definition zur Jugendsprache an sich gegeben werden.

2. Jugendsprache - Ein Definitionsversuch

„Se caracteriza por su valor contractual y desmitificador de la cultura oficial, es anticonvencional, con tintes muy realistas, llena de humor e ironía y busca librarse de estereotipos, aunque cae en otros; y actúa como una marca distintiva del grupo, al que da cohesión.“ (Hernández Alonso 1991: 16)

Wovon Hernández Alonso hier spricht, ist die Jugendsprache. Aufgekommen um das Jahr 1940, diente diese Sprachvarietät ursprünglich zur Abgrenzung und Rebellion Jugendlicher gegenüber der Erwachsenenwelt. Durch bestimmte sprachliche Expressionen, Kleidungsstile sowie Verhaltensweisen, die zumeist Jugendliche der Unterschicht einführten, wurde diese Antihaltung zum Ausdruck gebracht, (vgl. Zimmermann 2011: 229) „Jugendsprache wird sehr häufig unter der Rubrik der Sprache der Marginalisierten abgehandelt, [...] was nicht korrekt ist [...]“ (Zimmermann 2011: 229), da sie heutzutage von Jugendlichen aller gesellschaftlichen Schichten verwendet oder zumindest beherrscht wird. (vgl. Hernández Alonso 1991: 16) Sie ist eine spielerische „Sonderform der oralen Varietät“ (Zimmermann/Müller-Schlomka 2000: 42), zu deren Realisierung alle sprachlichen Elemente genutzt werden und die den acts of identity angehört, (vgl. Ebd.) Obgleich die Jugendsprache vorwiegend in der mündlichen Kommunikation verwendet wird, ist auch sie bereits „Objekt der Literarisierung“ (Zimmermann 2011: 230) und Verfilmung durch die Thematisierung und Verwendung in Dialogen oderÄhnlichem. (vgl. Ebd.)

Auch wenn in dem Begriff der Jugendsprache der Terminus Sprache enthalten ist, so muss man doch beachten, dass sie nur eine von vielen Non­Standard-Varietäten einer solchen ist und man die Jugendsprache nicht mit der Sprache an sich verwechseln darf. (vgl. Zimmermann 2011: 226) Die Jugendsprache kann hier zum Einen der diaphasischen, zum Anderen aber auch der diastratischen Varietät zugeschrieben werden. Der diaphasischen Varietät immer dann, wenn die Jugendsprache nur in bestimmten Situationen angewandt wird und ansonsten die Standard- oder Umgangssprache verwendet wird. (vgl. Zimmermann 2011: 230) „Insofern sie aber ihrerseits nicht homogen [ist], sondern sozial differenziert, [ist] sie auch diastratisch markiert.“ (Zimmermann 2011: 230) Sprachwandel spielt in Bezug auf diese Sprachvarietät insofern eine sehr bedeutende Rolle, als Jugendliche selbst erwachsen werden „und andererseits oder dadurch bedingt auch Erwachsene zunehmend Jugendsprache [...] verwenden, wodurch der emblematiche Charakter bedroht wird [...]“ (Zimmermann/Müller-Schlomka 2000: 42). Da sie eine instabile und äußert schnelllebige Varietät darstellt, die ständigem Wandel unterzogen ist, ist die Jugendsprache für die Sprachforschung besonders interessant, (vgl. Neuland 2003: 271) Beim Übergang vom Jugend- ins Erwachsenenalter ist es durchaus möglich, dass bestimmte Ausdrucksformen der ehemals Jugendlichen weiterhin verwendet werden und somit auch in der Umgangssprache Anklang finden oder sogar übernommen werden, (vgl. Zimmermann/Müller-Schlomka 2000: 42-43) Ein spanisches Beispiel hierfür wäre das in der Umgangssprache unlängst akzeptierte und übernommene Wort bocata für das gleichbedeutende ursprüngliche bocadillo, (vgl. Zimmermann 2011: 234)

„Mit der Aufnahme und der Bedeutungsüberschreibung gehen jedoch die sozialstilistischen Konnotationen und die Gebrauchspräferenzen oft verloren. Diesen Prozess bezeichnen wir - korrespondierend zur 'Destandardisierung' im Rahmen der Stilbildung - als 'Restandardisierung' im Rahmen der Stilverbreitung.“ (Neuland 2003: 144 nach Neuland 1994)

Da sie international verbreitet ist „und in jeder Sprache eine eigene Form bekommt“ (Zimmermann 2011: 230) lässt sich das Phänomen der Jugendsprache außerdem als Glokalisierungsprozess beschreiben, (vgl. Ebd.) Wie bereits erläutert, sind in die Entstehung einer Jugendsprache alle Ebenen der Sprache verwickelt und so werden auch spezifische Verfahren verwendet, die zur Konstitution einer jeden Varietät dienen, was im folgenden Punkt genauer betrachtet werden soll. (vgl. Zimmermann/Müller-Schlomka 2000: 48)

3. Generelle Verfahren zurVarietätenkonstitution

Zur Konstitution neuer Varietäten einer jeden Sprache und somit auch der Varietät der Jugendsprache werden verschiedene Verfahren angewandt. Zimmermann unterteilt diese Verfahren in drei Gruppen und zwar „formale, semantische und diskursiv-pragmatische.“ (Zimmermann 2011: 229) Zu den formalen Verfahren zählen hierbei unter Anderem das „Wortbildungsverfahren der Derivation“ (Zimmermann/Müller-Schlomka 2000: 48) und zu jenen semantischer Art die Entlehnungen, Metaphorisierungen sowie Metonymisierungen. (vgl. Ebd.) Diskursiv-pragmatische Verfahren sind im Spanischen zum Beispiel die Ausdrücke joder, coño und hostia, (vgl. Zimmermann 2003: 179) Entlehnungen können aus den jeweiligen Sondersprachen einer bestimmten Sprache oder aus dem Englischen stattfinden. Im Falle Spaniens, wäre das caló als beeinflussende Sondersprache zu nennen, (vgl. Zimmermann/Müller-Schlomka 2000: 48) Dass sich vor allem die Jugend dieses Verfahrens zur Varietätenkonstitution ihrer Jugendsprache bedient „resultiert einerseits daraus, daß die Jugend der marginalisierten Schichten in nicht geringem Maße selbst delinquent ist oder im Kontakt mit delinquenten Gruppen lebt.“ (Zimmermann/Müller-Schlomka 2000: 49) Da aber heutzutage sozial höher gestellte Jugendliche gleichermaßen an der Entwicklung von Jugendsprache beteiligt sind, kann dieses Verfahren als Mittel zur Auflehnung gesehen werden, (vgl. Ebd.) Entlehnungen aus dem Englischen sind varietätenübergreifend verbreitet und werden oft sogar in die Standardsprache aufgenommen oder akzeptiert. Ein Beispiel für gängige Anglizismen im Spanischen stellen die Wörter „famili [...] [und] monei“ (Zimmermann 2011: 231), aber auch pop, feeling, speed oder hippy dar. (vgl. Marimón Llorca/Santamaría Pérez2001: 39)

Aber nicht nur Entlehnungen sind bei der Varietätenkonstitution ein relevantes Verfahren, auch Metaphorisierungen und Metonymisierungen spielen hierbei eine gewichtige Rolle. Im Fall der Jugendsprache „[ist] das Verfahren der Metaphorisierung [sogar] eines der zentralsten Verfahren [...]“. (Zimmermann/Müller-Schlomka 2000: 50) Die spanischen Jugendlichen beziehen sich mit Hilfe der Metapher überwiegend auf Äußerlichkeiten, (vgl. Ebd.) Ein Beispiel hierfür ist das von Fajardo aufgeführte Wort paella, welches folgende Bedeutung hat: „Persona que tiene muchos granos o acné en la cara“. (Fajardo 1991: 175)

[...]

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Details

Titel
Die Suffigierung in der spanischen Jugendsprache. Augmentativ- und Diminutivsuffixe
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Note
1,7
Autor
Jahr
2015
Seiten
19
Katalognummer
V370841
ISBN (eBook)
9783668484207
ISBN (Buch)
9783668484214
Dateigröße
508 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Jugendsprache, pasota, cheli, Madrid, Spanien, España, Varietätenlinguistik, Varietät, Spanisch, Jugend
Arbeit zitieren
Sara Fackler Calvo (Autor), 2015, Die Suffigierung in der spanischen Jugendsprache. Augmentativ- und Diminutivsuffixe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/370841

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