In diesem Werk soll das Thema Reptilien als Patienten in der alltäglichen tierärztlichen Praxis im Hinblick auf Vorstellungsgründe und vor allem auf haltungsbedingte Krankheitsursachen und zoonotischen Gesichtspunkten behandelt werden.
Da die Klasse Reptilia einen großen Umfang an Spezies umfasst, sollen in dieser Arbeit lediglich auf einige Spezies, die häufig in der tierärztlichen Praxis vorgestellt werden, eingegangen werden. Auch sollen Gesichtspunkte von Public Health angesprochen werden, hier werden vor allem potentielle Zoonoseerreger behandelt, welche auch Gegenstand immer wiederkehrenden öffentlichen Diskussionen darstellen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Reptilien in menschlicher Obhut
2.1 Taxonomie
2.2 Häufig gehaltene Spezies
3 Vorstellungsgründe und haltungsbedingte Krankheitsursachen
3.1 Chelonia (Schildkröten)
3.1.1. Metabolic bone disease:
3.1.2. Gicht:
3.1.3. Hypervitaminose A:
3.1.4. Jodmangel:
3.1.5. Hypovitaminose A:
3.1.6. Hypovitaminose-E:
3.1.7. SCUD (Septicaemic cutaneous ulcerative disease):
3.1.8. Pneumonie:
3.2 Sauria (Echsen)
3.2.1 Metabolic bone disease bei Echsen:
3.2.2. Haltungsfehler beim Leguan:
3.2.3. Bißverletzungen:
3.3 Serpentes (Schlangen)
3.3.1. Gicht bei Riesenschlangen:
3.3.2. Thiaminmangel:
3.3.3. Biotinmangel:
3.3.4. Häutungsprobleme/Blisterdisease
4 Public Health: Zoonotische Aspekte bei der Haltung von Reptilien in menschlicher Obhut
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die häufigsten Vorstellungsgründe von Reptilien in der tierärztlichen Praxis, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf haltungs- und ernährungsbedingten Erkrankungen bei verschiedenen Spezies sowie auf relevanten zoonotischen Aspekten im Rahmen der menschlichen Obhut liegt.
- Analyse typischer haltungsbedingter Krankheitsursachen bei Schildkröten, Echsen und Schlangen.
- Untersuchung der physiologischen Folgen falscher Licht-, Temperatur- und Ernährungsmanagement-Parameter.
- Bewertung der zoonotischen Risiken durch Salmonellen und Mykobakterien in der Reptilienhaltung.
- Diskussion prophylaktischer Maßnahmen und notwendiger Optimierungen der Haltungsbedingungen.
Auszug aus dem Buch
3.1.1. Metabolic bone disease:
Reptilien werden sehr häufig mit Knochenstoffwechselstörungen in der tierärztlichen Praxis vorgestellt. Die Definition dieser Störungen ist uneinheitlich und die Bedürfnisse an Kalzium und Vitamin D3 bei Reptilien sind immer noch weitgehend unbekannt (Mader, 2005). Alle Erkrankungen des Knochenstoffwechsels der Reptilien werden deshalb unter dem Überbegriff Metabolic Bone Disease (MBD) zusammengefasst, zuvor wurde oft der Begriff Osteodystrophia fibrosa verwendet (Baumgartner & Gabrisch, 2008). Die Ursache dieser Krankheit beinhaltet eine Störung des Kalziumhaushalts, die jedoch wiederum mehrere Ursachen haben kann. Es wird ein Ca:P-Verhältnis von 1:1 bis 2:1 als ideal in der Nahrung von Reptilien angesehen. Gerade in der Wachstumsphase kann davon ausgegangen werden, dass ein vermehrter Ca-Bedarf entsteht. MBD kann differenziert werden in ernährungsbedingten sekundären Hyperparathyreoidismus sowie in renalen sekundären Hyper-parathyreoidismus.
Der ernährungsbedingte sekundäre Hyperparathyreoidismus (Synonyme: NSHP (=nutritional secondary hyperparathyroidism) und fibröse Osteodystrophie) (Kölle, 2013). Die NSHP ist die Folge einer Kombination fehlerhafter Haltungs- und Ernährungsbedingungen. Die Ursachen sind entweder eine ungenügende Kalzium- oder Vitamin-D3-Versorgung, ein falsches Ca:P-Verhältnis in der Ernährung, der Mangel oder das völlige Fehlen von natürlichem Sonnenlichts (UV-Strahlung, vor allem des UVB Bereichs von 290-320nm) (Göbel, 2009). UV-B-Licht ist für den Knochen- und Panzeraufbau bei Echsen wie auch bei Schildkröten unerlässlich. Das UV-Licht wird von spezialisierten Hautzellen aufgenommen, die aus den inaktiven Vorstufen von Vitamin D3, aktives Vitamin D3 (Calcitriol) bilden, welches notwendig ist, damit aus dem Darm Calcium resorbiert werden kann (Schneller & Pantchev, 2011). Calcium ist unverzichtbar für viele Funktionen im zellulären Stoffwechsel. Bei Fehlen von UV-B- Licht, Vitamin D oder Calcium ist der Ca-Stoffwechsel nicht gewährleistet, es kommt zu einer Hypocalcämie und damit zu einer mangelhaften Kalzifizierung des Knochen und es kann zu der klinischen Ausprägung der MBD kommen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung definiert das Ziel der Arbeit, in der Praxis häufig auftretende haltungsbedingte Erkrankungen von Reptilien sowie zoonotische Risiken zu beleuchten.
2 Reptilien in menschlicher Obhut: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die Taxonomie der Klasse Reptilia und stellt die in der tierärztlichen Praxis am häufigsten vorgestellten Spezies vor.
3 Vorstellungsgründe und haltungsbedingte Krankheitsursachen: Dieser Hauptteil analysiert spezifisch haltungsbedingte Störungen bei Schildkröten, Echsen und Schlangen, einschließlich ernährungsphysiologischer Defizite und metabolischer Erkrankungen.
4 Public Health: Zoonotische Aspekte bei der Haltung von Reptilien in menschlicher Obhut: Das Kapitel befasst sich mit der gesundheitlichen Relevanz der Reptilienhaltung für den Menschen, insbesondere hinsichtlich Infektionsrisiken durch Salmonellen und Mykobakterien.
Schlüsselwörter
Reptilien, Veterinärmedizin, Haltungsfehler, Metabolic Bone Disease, Gicht, Ernährungsberatung, Vitaminmangel, Zoonosen, Salmonellen, Mykobakterien, Schildkröten, Echsen, Schlangen, Terraristik, Prophylaxe.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt Reptilien als Patienten in der tierärztlichen Praxis mit Fokus auf häufige Vorstellungsgründe, insbesondere haltungsbedingte Krankheiten und zoonotische Aspekte.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Themen sind die Haltungs- und Ernährungsbedürfnisse von Schildkröten, Echsen und Schlangen sowie die klinischen Konsequenzen bei deren Missachtung und die zoonotische Gefahr für den Menschen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, häufige, durch Fehlhaltung ausgelöste Krankheitsbilder in der Praxis zu identifizieren und die Relevanz der Reptilienhaltung für Public Health aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer wissenschaftlichen Literaturanalyse aktueller Erkenntnisse zu Reptilienkrankheiten und Infektionsrisiken durch Terrarientiere.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich nach Spezies (Schildkröten, Echsen, Schlangen) und detailliert spezifische pathologische Zustände wie MBD, Gicht, Vitaminmangelzustände und Häutungsprobleme.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Zu den Schlüsselwörtern gehören Reptilien, Haltungsfehler, Metabolic Bone Disease, Gicht, Zoonosen, Salmonellen und tierärztliche Praxis.
Welche Rolle spielt die UV-B-Bestrahlung bei den behandelten Erkrankungen?
UV-B-Bestrahlung ist essentiell für die körpereigene Synthese von Vitamin D3, ohne das keine ausreichende Calciumresorption stattfinden kann, was zu schweren Knochenstoffwechselstörungen führt.
Warum ist das Zoonoserisiko bei Reptilienhaltung im Vergleich zu Säugetieren geringer einzuschätzen?
Aufgrund der biologischen Unterschiede, insbesondere der poikilothermen (wechselwarmen) Lebensweise von Reptilien gegenüber der homoiothermen (gleichwarmen) Physiologie des Menschen, ist das Spektrum möglicher Krankheitserreger stark begrenzt.
- Quote paper
- Nicolai Sternberg (Author), 2017, Reptilien in der tierärztlichen Praxis. Haltungsbedingte Krankheiten sowie Aspekte von Public Health bezogen auf Zoonosen in der Reptilienhaltung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/370858