Diese Arbeit soll einen Überblick über vorhandene empirische Evidenz zum Zusammenhang zwischen Medikamentenkonsum und sozialem Status schaffen. In diesem Sinne stehen folgende Forschungsfragen im Mittelpunkt der Arbeit: Erstens „Welche empirische Evidenz liegt vor, die einen Zusammenhang zwischen Medikamentenverbrauch und sozioökonomischen Status untersucht?“ und zweitens „Welche Ungleichheiten können aufgrund dieser vorliegenden Evidenz in der Medikamentennutzung nach sozioökonomischem Status der Nutzer/inn/en festgestellt werden?“
Vorab erfolgt eine kurze Erörterung der grundlegenden Begriffe im Zusammenhang mit gesundheitlicher Ungleichheit und verschiedener theoretischer Erklärungsansätze für dieses Phänomen. Folgend auf eine detaillierte Beschreibung der Vorgehensweise wird ein Rahmen zum Verständnis des Zusammenhanges zwischen sozialem Status und Arzneimittelgebrauch geschaffen.
In Form einer systematischen Literaturrecherche wurden empirische Studien, deren Forschungsinteressen sich mit obigen Forschungsfragen decken, identifiziert und im Anschluss nach Forschungsschwerpunkten gegliedert und diskutiert. Zielsetzung der Arbeit ist es, einen soliden Überblick über die internationale Evidenz zu dieser Thematik zu schaffen, welcher zusätzlich anhand einer tabellarischen Übersicht präsentiert wird. Letztendlich werden Schlussfolgerungen aus der Analyse der Literatur gezogen und weiterer Forschungsbedarf aufgezeigt.
Inhaltsverzeichnis
1 Zusammenfassung
2 Einführung
3 Gesundheitliche Ungleichheit und deren Ursachen
3.1 Wesentliche Begrifflichkeiten
3.2 Ursachen gesundheitlicher Ungleichheit
4 Methodik
5 Einfluss des sozialen Status auf den Medikamentenkonsum – konzeptioneller Rahmen zur Wirkungsweise
6 Medikamentenkonsum und sozialer Status – Zusammenfassung und Diskussion der Ergebnisse der systematischen Literaturrecherche
6.1 Überblick
6.2 Allgemeine Medikamentennutzung bei Erwachsenen und Senioren
6.3 Qualitätsunterschiede der Medikamente und Polypharmazie bei Erwachsenen und Senioren
6.4 Medikamentennutzung bei Kindern und Jugendlichen
6.5 Nutzung von Psychopharmaka und Kopfschmerztabletten
6.6 Medikamentennutzung bei Patient/inn/en mit Herz-Kreislauferkrankungen und anderen Zivilisationskrankheiten
7 Conclusio
8 Anhang
8.1 Tabellarischer Gesamtüberblick über identifizierte Studien
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht systematisch den Zusammenhang zwischen dem sozioökonomischen Status und dem Medikamentenkonsum innerhalb der OECD-Staaten, um potenzielle horizontale Ungerechtigkeiten in der Gesundheitsversorgung zu identifizieren und kritisch zu diskutieren.
- Analyse des Einflusses von Bildung, Einkommen und Beruf auf das Medikamentennutzungsverhalten.
- Untersuchung der Rolle von Gesundheitssystemen und Versicherungsschutz.
- Diskussion von Polypharmazie und der Qualität von Arzneimittelverschreibungen bei verschiedenen sozialen Schichten.
- Betrachtung spezifischer Bevölkerungsgruppen wie Senioren, Kindern und Jugendlichen sowie Patienten mit chronischen Erkrankungen.
Auszug aus dem Buch
3.2 Ursachen gesundheitlicher Ungleichheit
Eindeutige Ursache-Wirkungszusammenhänge zu gesundheitlicher Ungleichheit sind bis heute nicht bekannt (vgl. Bauer et al. 2009: 15; Mielck 2005: 47). Eine Reihe theoretischer Ansätze versucht jedoch die Ursachen gesundheitlicher Ungleichheit zu erklären – in der aktuellen Literatur (vgl. u.a. Bauer et al. 2009: 16f, Siegrist/Marmot 2008: 22f; Richter/Hurrelmann 2009: 21f; Mielck 2005: 50f) findet man hierbei in den Grundzügen vorwiegend folgende erklärende Faktoren:
Erstens wird der Mangel materieller Ressourcen bzw. Einwirkungen durch eine schädliche Wohn- und Arbeitssituation genannt; dies beinhaltet beispielsweise ungesunde Nahrungsmittel oder Gefährdungen am Arbeitsplatz (materieller Ansatz). Zweitens wird eine geteilte Kultur, welche mit bestimmten schichtspezifischen Präferenz- und Verhaltensmustern einher geht und u.a. gesundheitsschädliches Verhalten, wie Bewegungsmangel, Tabak- und Alkoholkonsum fördert, als relevant angesehen (kulturell- verhaltensbezogener Ansatz).
Darüber hinaus werden psychosoziale Phänomene für den sozialen Gradienten verantwortlich gemacht (psychosozialer Ansatz). Diese beinhalten übermäßigen Stress und seelische Belastungen und auch die vergleichsweise eingeschränkte Möglichkeit der erfolgreichen Bewältigung dieser Probleme. So wird angenommen, dass Angehörige niedriger sozialer Schichten mit größeren objektiven Belastungen konfrontiert sind (z.B. finanzielle Sorgen, Angst vor Arbeitslosigkeit, Existenzängste) und zudem über weniger taugliche „Ressourcen“ (z.B. soziale Unterstützung) verfügen, um diese zu verarbeiten. Neuere theoretische Modelle bieten einen zusammenfassenden Blick auf die Problematik und versuchen das komplexe Zusammenspiel mehrerer Faktoren abzubilden (vgl. Mackenbach 2006: 32).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Zusammenfassung: Gibt einen kompakten Überblick über das Anliegen der systematischen Literaturrecherche, die methodische Vorgehensweise und die zentralen Diskussionspunkte bezüglich sozialer Ungleichheiten.
2 Einführung: Thematisiert die Evidenz gesundheitlicher Ungleichheit und stellt die Forschungsfragen bezüglich des Zusammenhangs von sozioökonomischem Status und Medikamentenkonsum.
3 Gesundheitliche Ungleichheit und deren Ursachen: Definiert zentrale Begrifflichkeiten wie sozialen Status und untersucht theoretische Erklärungsansätze für gesundheitliche Ungleichheiten.
4 Methodik: Beschreibt die Kriterien der systematischen Literaturrecherche in Datenbanken wie dem Social Sciences Citation Index und PubMed.
5 Einfluss des sozialen Status auf den Medikamentenkonsum – konzeptioneller Rahmen zur Wirkungsweise: Erläutert theoretische Wirkungsmechanismen, wie soziale Faktoren direkt oder indirekt (z.B. durch Arzt-Patient-Interaktion) den Arzneimittelgebrauch beeinflussen.
6 Medikamentenkonsum und sozialer Status – Zusammenfassung und Diskussion der Ergebnisse der systematischen Literaturrecherche: Analysiert die Ergebnisse der identifizierten 24 Studien, gegliedert nach verschiedenen Nutzergruppen und medizinischen Indikationen.
7 Conclusio: Reflektiert die Ergebnisse der Arbeit und identifiziert Bedarf für zukünftige qualitative Forschung.
8 Anhang: Bietet einen detaillierten tabellarischen Gesamtüberblick über alle in die Analyse einbezogenen Studien.
Schlüsselwörter
Soziale Ungleichheit, Sozioökonomischer Status, Medikamentenkonsum, Arzneimittelverschreibung, Gesundheitssysteme, Polypharmazie, OECD-Staaten, Gesundheitspolitik, Compliance, Literaturrecherche, Gesundheitsversorgung, Soziale Schichten, Morbidität, Prävention, Arzneimittelkosten.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen dem sozioökonomischen Status und dem Medikamentenkonsum in verschiedenen OECD-Staaten basierend auf einer systematischen Literaturanalyse.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind der soziale Gradient in der Medikamentennutzung, der Einfluss von Krankenversicherungssystemen sowie die Rolle der Bildung für den Arzneimittelgebrauch.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, empirische Evidenz darüber zu gewinnen, welche Unterschiede in der Medikamentennutzung nach sozioökonomischem Status bestehen und ob diese auf horizontale Ungerechtigkeiten hindeuten.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es wurde eine systematische Literaturrecherche in den wissenschaftlichen Datenbanken "Social Sciences Citation Index" und "PubMed" durchgeführt, um relevante quantitative Studien zu identifizieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert die identifizierten Studien nach Forschungsschwerpunkten, wie z.B. allgemeine Medikamentennutzung, Polypharmazie bei Senioren, Verschreibungen bei Kindern sowie Psychopharmaka.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem sozioökonomischer Status, Medikamentenkonsum, horizontale Ungleichheit, Gesundheitspolitik und Polypharmazie.
Welche Rolle spielt die Krankenversicherung laut den Ergebnissen?
Studien deuten darauf hin, dass die Ausgestaltung von Versicherungssystemen und die Höhe der Selbstbeteiligung signifikante Barrieren oder Förderfaktoren für den Zugang zu Medikamenten darstellen können.
Gibt es einen klaren sozialen Gradienten?
Das Bild ist differenziert; während bei einigen Medikamentengruppen ein Zusammenhang erkennbar ist, variieren die Ergebnisse stark je nach nationalem Gesundheitskontext und untersuchter Population.
Warum unterscheidet sich das Verschreibungsverhalten bei Kindern?
Die Ergebnisse legen nahe, dass das Bildungsniveau der Mutter und der sozioökonomische Status der Familie einen Einfluss darauf haben, ob bei Infekten häufiger zu Arzneimitteln gegriffen wird.
Was schlussfolgern die Autoren für die Zukunft?
Da quantitative Daten allein oft nicht ausreichen, um die Qualität der Versorgung vollumfänglich zu bewerten, wird für die Zukunft der Einsatz qualitativer Studien empfohlen.
- Citation du texte
- Anonym (Auteur), 2013, Gesundheitliche Ungleichheit. Wie hängen Medikamentenkonsum und sozioökonomischer Status zusammen?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/370877