Die Sehnsucht nach den schönen Seiten des Landlebens

Eine Untersuchung anhand des Landmagazins "Landlust"


Hausarbeit, 2016
13 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Die schönen Seiten des Landlebens

3. Städte-Boom

4. Stadt,Land,Lust

5. Sehnsucht nach Idylle

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Landzeitschriften sind die neuen Erfolgszeitschriften, obwohl die Verkaufszahlen von Printmagazinen im Allgemeinen sinken. Landmagazine wie Landlust, Landleben, Landluft und Landidee befinden sich auf dem Markt und die Nachfrage nach ihnen ist groß: Allein die erste 2005 publizierte Landzeitschrift Landlust kaufen seit 2012 über eine Million Menschen.[1] Doch was macht diese Magazine so erfolgreich? Wer liest sie und warum? Welches Vorstellungen werden durch sie projiziert?

Zuerst soll das erfolgreichste Landmagazin Landlust nach Aufbau und Rubriken untersucht werden. Als Bezugspunkt soll die Januar/Februar-Ausgabe 2015 gelten. Mit welchen Themen beschäftigt es sich, welche Leserschaft spricht es an und welche Vorstellungen und Lebensentwürfe vermittelt es? Haben diese Lebensentwürfe überhaupt einen Realitätsbezug? Erreicht der Ländlichkeitsboom die Großstädter oder zielt das Magazin sogar gerade auf sie ab?

Immer mehr Menschen zieht es in die Großstädte, Dörfer veröden nach und nach. Doch auch sie haben den Wunsch nach Naturnähe.

Die neu entstandene Hybridität zwischen Stadt und Land spiegelt sich in Stadtlandschaften, gerade Urban Gardening liegt im Trend. Doch wieso begeistern sich so viele Städter dafür?

Diesen Fragen soll diese Hausarbeit auf den Grund gehen.

2. Die schönen Seiten des Landlebens

Die Landlust war das erste Landmagazin, das 2005 auf dem Markt erschien und ist laut AWA 2016 mit einer Leserschaft von über 4,5 Millionen pro Ausgabe mit Abstand die erfolgreichste Zeitschrift aus dem Bereich der Landmagazine.[2]

Während das Leben für viele auf dem Land lebende Menschen als vereinsamt, langweilig oder abgeschieden erlebt wird, geben Landzeitschriften eine rein positiv konnotierte Ländlichkeit wieder. Themen wie Tierseuchen, Umweltprobleme, Raumplanungsprobleme, oder Konflikte zur Windräderplatzierung sucht man vergebens.[3] Allein der Name des Magazins suggeriert, dass eine „heile Welt“ dargestellt wird: Landlust. Die schönen Seiten des Landlebens. Dinge, die dieses positive Bild trügen würden, werden ausgeblendet und finden keinerlei Erwähnung.

Die Landlust erscheint alle zwei Monate, ist auf die jeweilige Jahreszeit ausgerichtet und bezieht sich auf saisonale Besonderheiten, nicht jedoch auf aktuelle Geschehnisse.

Blickt man in das Heft, so unterteilt es sich in folgende Rubriken: Im Garten, In der Küche, Ländlich wohnen, Landleben, Natur erleben, sowie Rubriken.

An Ihnen lässt sich erkennen, dass es im Besonderen um Naturnähe und das Erleben der Natur geht, des Weiteren um Kochrezepte, sowie kulturelle oder handwerkliche Aktivitäten.[4] Es geht darum, sich wohlzufühlen, im eigenen Garten aktiv zu werden, zu basteln, seiner Kreativität freien Lauf zu lassen. Kurzum Dinge, die das eigene Leben und Wissen bereichern können, jedoch nicht essentiell für das Überleben und die Existenz im Speziellen sind. Es werden Anregungen gegeben, das eigene Heim zu gestalten und sich darin wohlzufühlen. Es geht mehr um den positiven Lebensstil, als darum, den ländlichen wirklich Raum zu erfahren.

Laut Chefredakteurin Ute Frieling-Huchzermeyer soll das Landleben nicht nachgezeichnet werden: „,Landʽ steht bei uns für so unterschiedliche Themen wie informativ aufbereitete Naturbeobachtungen, aber auch kulturhistorische Geschichten.“[5]

Bei den Texten handelt es sich hauptsächlich um Berichte und Features, sie folgen einem sachlichen Stil und einer übersichtlichen Struktur, ergänzt durch detailreichen, harmonischen Fotografien, die zum Entspannen anregen sollen, jedoch oft geschönt und gestellt wirken. Das Magazin folgt einer klaren Linie: bei Fotografien wird das Augenmerk auf die Details gelegt. Kein Bild ist genau an das andere angefügt, es besteht immer ein kleiner, meist weißer Abstand zwischen ihnen. Das führt dazu, dass man das Gefühl hat, man blättert durch die einzelnen Berichte und Fotostrecken wie durch eine Art Bilderbuch. Schlichtheit und Detailliebe ziehen sich wie ein roter Faden durch die gesamte Ausgabe.

Die Darstellung von Personen wird vermieden, es sei denn der Artikel beschäftigt sich im Speziellen um eine bestimmte Person oder eine Personengruppe, wie z.B. den Knabenchor in von Windsbach in der Januar/Februar-Ausgabe 2015.

Menschen sind selten auf Fotografien zu sehen, im Mittelpunkt stehen dafür Detailaufnahmen wie z.B. von Blumen, zubereitetem Essen oder Selbstgebasteltem. Durch diese Methode erlangt der Leser eine höhere Vorstellungskraft welche nicht von gezeigten Menschen beeinträchtigt werden soll.

Die passenden Texte dazu sind gut recherchiert und gestützt von Expertenkommentaren, wie z.B. einem Gärtnermeister, der sich mit dem Anbau von Tulpen im Besonderen auskennt und mit seinem Fachwissen einen Artikel über den Abbau von Tulpen bereichert. Meinungen des Autors hingegen werden typisch zu journalistischen Darstellungsformen des Features und des Berichts unterdrückt. Der Artikel über den Tulpenanbau umfasst fünf Seiten[6], wovon ca. 2/3 von Bildern gefüllt wird. Auf den insgesamt sechzehn Bildern wird nur auf einem Kleinen der Gärtnereibetreiber gezeigt, wie er einen riesigen Strauß Tulpen in den Händen hält. Hier sieht man deutlich, dass die Hauptakteure eindeutig die Tulpen sind, dem Gärtner nur wenig Beachtung geschenkt wird. Die Nähe zur Natur statt zum Menschen rückt in den Vordergrund.

Den Hauptartikel unterstützen zwei Infoboxen mit allgemeinen Informationen über Tulpen, womit der Leser einen besseren Überblick über die Thematik im Allgemeinen bekommt.

Besonders auffällig ist, dass Magazin durchweg mit Werbung gespickt ist. Bereits auf der ersten Seite, noch vor dem Vorwort der Chefredakteurin, wird für eine Anti-Age-Pflegecreme für reife Haut mit Pigmentflecken geworben. Die Ausgabe umfasst 192 Seiten, wovon allein 57 Seiten für Werbezwecke genutzt werden. Das Spektrum reicht von Küchenmaschinen über Gartenbücher und Reiseangebote, bis hin zu Körperpflegeprodukten, sogar zwei extra Werbebroschüren liegen der Ausgabe bei. Das Lebensgefühl vom schönen Landleben, das immer wieder vermittelt wird und dem damit einhergehenden projizierten Vorstellungen wird dadurch unterstützt. Die Werbung ist jedoch nicht wahllos platziert, sondern zielt auf eine ganz bestimmte Zielgruppe ab. Es ist dieselbe, die das gesamte Magazin anzusprechen versucht: „eine gehobene Zielgruppe mit starker Kaufkraft und ausgeprägter Markenorientierung“[7]. Dabei fühlen sich von der Landlust eher weibliche Leser besonders im Alter von 50 bis 65 und älter angesprochen, die ein Eigenheim besitzen, der mittleren Führungs- und Verwaltungsebene angehören und mehr als 500€ des Einkommens monatlich zur freien Verfügung haben. Das Magazin zielt auf eine Leserschaft von aktiven Menschen ab, die ihr Umfeld, ihren Garten oder ihr Eigenheim bewusst und nach ihren eigenen Vorstellungen gestalten. Der Kreativität seien dabei keine Grenzen gesetzt. Inspirationen um Dinge selbst herzustellen oder zu gestalten liefert das Magazin zuhauf. Gutes Essen ist ihnen sehr wichtig, sie haben Spaß am Kochen und Backen und sind dabei gern experimentierfreudig. Auch in ihrer Einrichtung mögen sie Abwechslung. Das Einrichten der eigenen vier Wände sehen sie als eine Art Hobby. Auch der eigene Garten spielt in ihrem Leben eine große Rolle. Beim Gärtnern können sie Ruhe und Entspannung finden, weshalb sie auch viel Zeit in ihm verbringen.[8]

Das Magazin spricht diesen Lebensstil an und platziert Werbung gekonnt. So befindet sich z.B. inmitten von verschiedenen Rezepten Werbung für Tiefkühlgarnelen, Butter, Schweizer Käse, Bio-Frühstück und Sekt. Neben diesen kleinen Produkten finden sich im Magazin jedoch auch preisintensive Dinge, wie z.B. Allround-Küchenhelfer, Veranstaltungsvorschläge, Dienstleistungsangebote für Wohnküchenplanung oder englische Landhausherde.

Die Werbung des Magazins passt sich genau den Bedürfnissen der Leserschaft an. Da sie Wert auf Qualität legt und der Preis eine untergeordnete Rolle spielt, macht es Sinn preisintensive Werbung zu platzieren und somit den Leser zum Kauf anzuregen.

Das Lebensgefühl von guten Landleben, mit allen Raffinessen und Dingen, die das Leben erleichtern oder angenehmer machen soll sich jeder nach Hause holen können.

3. Städte-Boom

Das schöne Landleben gilt jedoch nicht für jedermann als Ideal. Viele Menschen zieht es in die Großstädte. Mehr als die Hälfte der Erdbevölkerung lebt seit 2008 in Städten, jährlich ziehen etwa 70 Millionen Menschen neu hinzu. Sie wollen ein modernes, aufregendes Leben, einen guten Job in einer großen Stadt, und so verödet der ländliche Raum. Junge Menschen ziehen weg und hinterlassen leerstehende Häuser und alte Menschen.

Gemeint sind jedoch nicht, das Umland einer Großstadt, sondern die von der nächsten Großstadt weit entfernten Dörfer. Arbeitsmangel, Probleme mit der Infrastruktur oder das mangelnde Angebot an Freizeitmöglichkeiten lässt die Menschen fortziehen. Die bleibenden Menschen werden immer älter, können oder wollen gar nicht mehr wegziehen, und so stirbt ein Ort nach und nach aus.

Wie kann es jedoch sein, dass sich Menschen wie Landlust -Leser so etwas als Ideal zu Landeleben nehmen?

Laut Sozialwissenschaftler Steffen Kröhnert des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung ist die Landlust und das Ideal, dass sie vermittelt nur eine Assoziation nach Bodenständigkeit, dörflicher Gemeinschaft und spielenden Kindern im Garten.

Menschen, die sich danach sehnen werden dennoch nicht in abgeschiedene Dörfer ziehen. Selbst wenn sich Familien das Leben in der Stadt schwer finanzieren können, sei es durch hohe Mieten oder hohe Lebensverwaltungskosten, ziehen jedoch nicht in die Abgelegenheit, sondern in Landkreise um die Metropole herum.[9] Dorthin, wo das Kulturangebot nicht weit entfernt ist und rund um die Uhr konsumiert werden kann.

Die Stadt scheint also wie ein Magnet Menschen anzuziehen, denn sie bietet vielerlei Perspektiven.

4. Stadt,Land, Lust

Es ist daher nicht verwunderlich, dass neben der Vielzahl an Landmagazinen, die in den letzten zehn Jahren entstanden sind, auch ein Pendant geschaffen wurde, welches sich nicht auf das Leben in schöner Ländlichkeit bezieht, sondern den urbane Lebensraum in den Mittelpunkt stellt.

Das erste Magazin dieses Spektrums trägt den Namen me.URBAN. Wir sind die Stadt und verkörpert das genaue Gegenteil der Landlust. Bereits auf dem Cover prangt das das Statement: „StadtLandLust“ und positioniert sich damit klar gegen das Leben mit in der Ländlichkeit.

Es richtet sich an „neugierige-, lifestyle-, medien-, technikaffine Großstädter, die die Stadt aktiv erleben und verstehen wollen.“[10] Mit 100.000 Exemplaren pro Auflage liegt es weit hinter der Landlust, füllt jedoch eine weitere Interessenslücke der Magazinwelt. Das Magazin bedient ein vielseitiges Themenspektrum vom urbanen Lifestyle, über Kultur, Freizeit, Arbeit und Wohnen, Genuss, Technik und Mode, bis hin zu Mobilität, Reisen und Nachhaltigkeit.[11]

Im Gegenteil zur Landlust versucht me.URBAN nicht den Leser für das eigene zu Hause zu inspirieren und zu begeistern, sondern will ihn mitnehmen auf eine Reise von „der kleinsten Einheit der Stadt, der Person, über die urbanen Strukturen unserer Welt“[12]. Ebenso wie die Landlust soll jedoch das gute Leben im Vordergrund stehen, nur eben das in der Stadt.

Auch durch die Leserzielgruppen unterscheiden sich. Die Altersspanne der me.URBAN- Leserschaft ist unbegrenzt, zielt jedoch vom jungen Studenten bis hin zum Endvierziger ab und ist für Männer und Frauen gleichermaßen geeignet. Der Leser dieses Stadtmagazins hat ein ganz gegensätzliches Lebensmodel. Er fühlt sich von der Stadt angezogen, von ihrer Schnelllebigkeit und Vielfalt, vielleicht auch wegen eines interessanten Jobs oder durch ein Studium. Er wählt sein Lebensraum Stadt frei für sich und möchte sich in ihm entfalten.[13]

Ein Blick ins Heft zeigt Kontraste zur Landlust auf: grelle Farben, überlappende Bilder auf denen oft junge Menschen zu sehen sind, reißerische Überschriften wie z.B. aus der ersten Ausgabe 2015 „Dein Freund der Joint“, „Besser bechern“ oder „Superhelden machen Stress“. Unterteilt ist das Magazin in drei Teile namens „private“, „public“ und „global“, welche sich den Themen Zusammenleben, Orte, Geschichte, Medien, Leben, Genuss, Wohnen, Arbeit, Politik, Mobilität, Nachhaltigkeit, Kultur und Technik widmen.

[...]


[1] Vgl. Baumann, Christoph: Facetten des Ländlichen aus einer kulturgeographischen Perspektive. Die Beispiele Raumplanung und Landmagazine, In: Werner Nell, Marc Weiland (Hrsg.): Imaginäre Dörfer. Zur Wiederkehr des Dörflichen in Literatur, Film und Lebenswelt, Bielefeld: Transcript 2014, S.101.

[2] O.V.: Wohnen, Einrichten und Garten: http://www.ifd-allensbach.de/awa/medien/printmedien.html#c1586. (Letzter Zugriff: 14.10.2016).

[3] Vgl. Baumann, S.102.

[4] Vgl. ebd.

[5] Vgl. Rasche, Uta: Vom Glück des Gedeihens. http://www.faz.net/aktuell/beruf-chance/mein-weg/ute-frieling-huchzermeyer-vom-glueck-des-gedeihens-11897714-p2.html#lesermeinungen. (Letzter Zugriff: 14.10.2016).

[6] Vgl. Strothmann, Ulrike: Den Frühling treiben. In: Landlust. Die schönen Seiten des Landlebens Januar/Februar 2015, S.30-34.

[7] O.V.: Zahlen und Fakten, die unseren Erfolg sichtbar machen. http://media.landlust.de/fileadmin/pdf/leserstruktur/Landlust_Booklet_Zahlen_und_Fakten_2014.pdf. (Letzter Zugriff: 16.10.2016).

[8] Vgl. ebd.

[9] Dorfer, Tobias: „Dörfer verschwinden“. http://www.sueddeutsche.de/politik/demografie-in-deutschland-doerfer-werdenverschwinden-1.1555594. (Letzter Zugriff: 16.10.2016)

[10] O.V.: me.urban. http://www.axelspringer-mediapilot.de/dl/18746613/ME.URBAN_Wir_sind_die_Stadt.pdf. (Letzter Zugriff: 20.10.2016).

[11] Vgl. ebd.

[12] Ebd.

[13] Vgl. ebd.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Die Sehnsucht nach den schönen Seiten des Landlebens
Untertitel
Eine Untersuchung anhand des Landmagazins "Landlust"
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg  (Germanistisches Institut)
Veranstaltung
LandLebenErzählen - Neuer Regionalismus, Neue Ländlichkeit, Neue Heimat?
Note
1,3
Autor
Jahr
2016
Seiten
13
Katalognummer
V370932
ISBN (eBook)
9783668493896
ISBN (Buch)
9783668493902
Dateigröße
510 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Preis: 12,99€
Schlagworte
sehnsucht, seiten, untersuchung, landlust, Landmagazin, Landleben, Dorf, Natur, Ländlichkeit, Heimat, Urban gardening, Stadtlandschaft, Großstadt, Stadt
Arbeit zitieren
Maxi Pasewaldt (Autor), 2016, Die Sehnsucht nach den schönen Seiten des Landlebens, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/370932

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