Grundlagen der deutschen Wortbildung. Ein kritischer Blick in das Lehrwerk "deutsch.kombi plus"


Hausarbeit, 2014

26 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Didaktische Legitimation von Wortbildung im Unterricht und Einleitung

2 Grundlagen der deutschen Wortbildung
2.1 Definition
2.2 Wortbildungsarten
2.2.1 Komposition
2.2.1.1 Erst- und Zweitglied
2.2.1.2 Fugenelemente
2.2.2 Derivation
2.2.2.1 Präfixe und Partikel
2.2.2.2 Suffixe
2.2.3 Konversion
2.2.4 Weitere Wortbildungsarten
2.2.4.1 Kontamination
2.2.4.2 Kurzwortbildung
2.2.4.3 Reduplikation
2.2.4.4 Rückbildung

3 Wortbildung am Beispiel des Lehrwerks deutsch.kombi plus (Klett-Verlag)

4 Resümee: Wie lernen SchülerInnen Wortbildung im Lehrwerk deutsch.kombi plus?

Literaturverzeichnis

Plagiatserklärung..

1 Didaktische Legitimation von Wortbildung im Unterricht und Einleitung

Der Deutschunterricht soll SchülerInnen dazu befähigen, Äsprachlich zu handeln“1, wobei der Fokus auf der präzisen und bewussten sprachlichen Handlungskompetenz liegt.2 Dies bezieht sich sowohl auf verbale als auch schriftliche Kenntnisse und ebenso auf die Wahrnehmung wie die Erzeugung von Sprachhandlungen. Die Aufgabe des Faches Deutsch im Schulunter- richt liegt allerdings nicht nur in der basalen Befähigung der SchülerInnen zu sprachlich richtigem Handeln: Hierzu gehört auch, dass diese in der Lage sind, die möglichen Reaktionen auf ihr eigenes sprachliches Handeln verantwortungsbewusst abzuschätzen und zusätzlich ihre Kompetenzen selbständig zu erweitern.3 Die unterschiedlichen Lernbereiche im Schulfach Deutsch lassen sich somit in ÄSprachrezeption (Hören, Lesen), Sprachproduktion (Sprechen, Schreiben) sowie […] Sprachreflexion“4 einteilen.5

Besondere Bedeutung kommt dem Erwerb dieser Fähigkeiten zu, da er für alle Bereiche des menschlichen Lebens Relevanz besitzt - vor allem für die Berufsausübung und in der Öffent- lichkeit, aber auch in der Freizeit mit Familie und Freunden. So wird durch die sprachliche Arbeit die generelle Fähigkeit gesteigert, die ÄWelt zu erfassen, zu ordnen und zu gestalten“6, wodurch dem Deutschunterricht zudem ein wesentlicher Einfluss auf die Allgemeinbildung der Schüler zufällt.7 Hinzu kommt auch, dass Sprache an sich Äzur Ausbildung der Persön- lichkeit in entscheidender Weise bei[trägt]“8, was als eines der grundsätzlichen Bildungsziele der Schule bezeichnet werden kann.9

Ein Feld, das sich sehr gut zur Erforschung der Sprache eignet, im schulischen Kontext jedoch oftmals vernachlässigt wird, ist die Wortbildung: Die Rede ist hier vor allem davon, Ädas Wort als Gegenstand der Sprachreflexion und damit die Wortbildung als grammatisches bzw. sprachliches Phänomen“10 zu betrachten. Das Wort eignet sich in diesem Kontext im Vergleich zu einem Satz besser, da es als solches in Bezug auf seine Komplexität und Länge eine recht überschaubare Einheit der deutschen Sprache darstellt. Zudem ist die Wortbildung als Bereich des Unterrichtsstoffes im Fach Deutsch von verhältnismäßig wenigen schul- grammatischen Normen geprägt, was gute Voraussetzungen für ein recht ergebnisoffenes Erforschen und Experimentieren auf diesem Gebiet schafft.

Die Tatsache, dass Wörter regelmäßig das allgemeine Interesse wecken - zum Beispiel im kreativen Gebrauch neuer Wörter in den Bereichen Werbung und Jugendsprache -, verdeutlicht, dass Wörter generell für die menschliche Kommunikation von großem Wert sind.11 Außerdem erweitert Ädie Beschäftigung mit ihr […] den Wortschatz, die Ausdrucksfähigkeit und das Stilempfinden“12. Es lässt sich feststellen, dass der gestalterische Umgang mit Wortbildung den SchülerInnen zu einem sprachkritischeren Bewusstsein verhilft und ihre sprachliche Rezeptionskompetenz fördert.13 Wortbildung zählt zu dem Teil des Deutschunterrichts, der über das Trainieren von Routinen hinaus geht und sich stattdessen mit der Entdeckung des Neuen beschäftigt.14 Somit schafft Wortbildung die Grundlage für den sogenannten Erweiterten Grammatikunterricht, womit Lindauer15 das Erforschen der Sprachstruktur bezeichnet, sowohl hinsichtlich der Methodik als auch der Untersuchungsgegenstände. In Bezug auf die Methodik bedeutet dies, dass der Grammatikunterricht auch Freiraum für authentisches Forschen ohne vorgegebene Begriffe oder Ergebnisse erlaubt. Der Gegenstandsbereich hingegen wird beispielsweise durch Themen aus der Morphologie oder Phonologie erweitert, was sich konkret auf Wörter und ihre Zusammensetzung beziehungsweise Laute und deren Aufbau bezieht.

Weiterhin lässt die Behandlung des Themas Wortbildung die Möglichkeit zu, eine differenzierte Sicht auf sprachliche Phänomene aus unterschiedlichen Sprachräumen zu werfen. Auf diese Art und Weise können sowohl SchülerInnen mit der Muttersprache Deutsch als auch DaZ-SchülerInnen aktiv in den Deutschunterricht eingebunden (und auch miteinander verbunden) werden. Hier kommt insbesondere die Methode des Sprachvergleichs zum Tragen.16

Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist die Grundlagen der deutschen Wortbildung als zuvor legitimierten und vielmehr noch gewinnbringenden Unterrichtsgegenstand vorzustellen und den Umgang des Lehrwerks deutsch.kombi plus (Jahrgang 5 bis 10) aus dem Klett-Verlag mit diesem Themenbereich darzustellen und kritisch zu reflektieren.

2 Grundlagen der deutschen Wortbildung

2.1 Definition

Als Wortbildung wird im Deutschen allgemein ein Verfahren bezeichnet, das dazu dient, Begriffe zu versprachlichen.17 Dadurch, dass hierbei ausschließlich einzelne neue Wörter gebildet werden, lässt es sich von einem anderen Verfahren zur Versprachlichung von Begriffen unterscheiden, bei dem die Bildung von festen Wortgruppen - sogenannten Phrasemen - im Vordergrund steht. Außerdem lässt sich die Wortbildung von dem Verfahren der Wortschöpfung insofern abgrenzen, dass bei letzterer Laute miteinander zu Wörtern verbunden werden, Ädie vorher so noch nicht sinnvoll zusammengesetzt waren“18, wodurch diesen Lautformen erstmalig vollkommen neue Inhalte zugewiesen werden.19 Die durch Wortbildung neu entstandenen Wörter dagegen bestehen aus bereits vorhandenem Äinnersprachlichem sinnhaltigem Material“20, welches die Art und Weise des Bildungsprozesses derselben mitbestimmt.21 Als Gegenstandsbereich der Linguistik meint Wortbildung in diesem Sinne die ÄUntersuchung und Beschreibung von Verfahren und Gesetzmäßigkeiten bei der Bildung neuer komplexer Wörter auf der Basis vorhandener sprachlicher Mittel“22. Die Elemente, die im Rahmen der Wortbildung zu einer neuen Einheit verbunden werden, sind auch als Morpheme bekannt.23 Als solche repräsentieren sie die kleinste Spracheinheit, der eine Bedeutung oder grammatische Funktion zugeordnet ist - ein Wort kann zum Beispiel einem Morphem entsprechen oder sich aus mehreren derselben zusammensetzen.24 Der Aufbau eben dieser Morpheme ist, ebenso wie Ädie Spezifik ihrer Kombinationen oder auch Weglassung“25, ausschlaggebend für die verwendete Wortbildungsart. Zur Unterscheidung der Wortbildungsarten werden somit folgende Merkmale betrachtet: Wie ist die Wortbildung strukturiert, welchen morphologischen Zustand besitzen die beteiligten Wortbildungsmittel und wie verhält sich die Wortart der Wortbildung (das Produkt) zur Wortart der Ausgangseinheit(en) (dem Material).26 Im Deutschen werden drei beziehungsweise vier Grundtypen der Wortbildung unterschieden: Komposition, Derivation - die auch in Präfigierung und Suffigierung unterteilt wird - und Konversion.27 Mit diesen Grundtypen befasst sich Kapitel 2.2 mit seinen Unterkapiteln. Die weniger verbreiteten Wortbildungsarten skizziert das Kapitel 2.3.

2.2 Wortbildungsarten

2.2.1 Komposition

Im Vergleich zu den anderen Wortbildungsarten dominiert das Verfahren der Komposition zahlenmäßig stark.28 Wie die Bezeichnung dieser Wortbildungsart schon nahe legt, handelt es sich bei der Komposition um ein kombinierendes Verfahren.29 Seine Produkte, die Zusammensetzungen, werden dementsprechend auch als Komposita (singular Kompositum) bezeichnet. Im Deutschen werden diese zumeist aus Wörtern und Konfixen (gebundenen lexikalischen Morphemen) gebildet - möglich sind aber auch freie Morpheme beziehungsweise Morphemgefüge.30 Hierbei werden mindestens zwei Grundmorpheme, auch Kompositionsglieder oder Basismorpheme genannt, verwendet.31 Die Komposition als Wortbildungsart ist binär strukturiert, was bedeutet, dass sich die Produkte (die Lexeme) dieses Verfahrens zur Wortbildung Äin unmittelbare Konstituenten zerlegen“32 lassen.33 Dies lässt sich damit begründen, dass charakteristische Komposita aus zwei wortfähigen unmittelbaren Bestandteilen bestehen, die gemäß ihrer Position im Wort als Erstglied oder Zweitglied bezeichnet werden. Im folgenden Absatz werden diese genauer betrachtet.

2.2.1.1 Erst- und Zweitglied

Die Position als Erst- oder Zweitglied im Wort kann nicht von allen wortfähigen Elementen besetzt werden.34 So können beispielsweise als Zweitglied, das auch als Grundwort bezeichnet wird, nur Wortstämme und Konfixe verwendet werden.35 Bei dem Erstglied sieht das hingegen anders aus: Hier können sowohl Wortstämme, Wortreihungen oder Syntagmen (Wortverbindungen) mit Stämmen beziehungsweise Konfixen verbunden werden als auch Konfixe selbst mit Wortstämmen beziehungsweise Konfixen. Als Sonderfälle kommen Wortbildungen hinzu, Äderen Erstglied ein Satz oder ein einzelner Buchstabe ist “36, wobei die Buchstaben hierbei entweder eine ikonische Bedeutung besitzen oder auf eine Rangfolge hinweisen. In dem Fall, dass die Buchstaben in der Position des Erstglieds Abkürzungen längerer Vollformen darstellen, wie beispielsweise bei U-Boot, werden diese Komposita auch als partielle Kurzwörter bezeichnet.

Erst- und Zweitglied können in verschiedenen Beziehungen zueinander stehen: Das eine ist dem anderen entweder gleichgestellt (Koordination) oder sie sind einander über- oder untergeordnet (Subordination). Bei Subordination spricht man auch von Determinativkomposition37 und bei Koordination von Kopulativkomposition.38 Durch die Über- beziehungsweise Unterordnung der Konstituenten können die beiden wortfähigen Elemente eines Determinativkompositums nicht vertauscht werden ohne die Wortbedeutung zu verändern.39 Dies ist bei den hierarchisch gleichgestellten Bestandteilen eines Kopulativkompositums hingegen durchaus möglich.

Die Unterteilung in Erst- und Zweitglied spielt auch für die semantische Bedeutung des Kompositums eine große Rolle: Das Zweitglied, auch als Kopf der Bildung bezeichnet, bestimmt für gewöhnlich sowohl Wortart und Flexionsklasse als auch Genus der gesamten Konstruktion.40 Zusätzlich dazu gibt es Auskunft über die Verwendung des Kompositums im Satz in Bezug auf Pronominalisierung und Attribuierung. Das Erstglied hingegen, das auch als Bestimmungswort bekannt ist, bestimmt für gewöhnlich das Zweitglied näher und trägt den Hauptakzent.41

2.2.1.2 Fugenelemente

Auch wenn Fugenelemente Äim Gegensatz zu allen anderen Wortbildungseinheiten semantisch leer“42 sind und dementsprechend keine eigene Bedeutung besitzen, kommt ihnen doch ein gewisser Wert in Bezug auf die Komposition zu: Sie sind die einzigen Formmittel, die für diese Wortbildungsart charakteristisch und zudem annähernd auf sie begrenzt sind.43

Somit ist die Fuge unmittelbar im Anschluss an die Reihenfolge der Kompositionsglieder als Ädas wichtigste morphologische Mittel zur Strukturierung von Komposita“44 zu bezeichnen.45 Historisch gehen Fugenelemente auf Morpheme (vorrangig Flexionsendungen) zurück, wurden aber partiell auch analog gebildet.46 Ihre weitere Entwicklung wird zudem Äbei der Kasusmarkierung des vorausgestellten Genitivattributes“47 gesehen.48

Generell werden als Fugen die Elemente verstanden, die sich zwischen Stamm und Suffix beziehungsweise zwischen zwei Wurzeln befinden.49 Es sind somit Einschübe, die die Nahtstelle zwischen den einzelnen Kompositionsgliedern schließen.50 Dies bezieht sich auf alles, was Äüber die Form des Nom Sg eines substantivischen Determinans hinausgeht“51 und somit eine phonologische Modifikation einer bestimmten Stammform darstellt.52 In der deutschen Wortbildung sind als Fugen e, en, ens, er, es sowie n, ns und s bekannt.53 Trotz ihrer offensichtlichen Relevanz ist der Status der Fuge in mehrfacher Hinsicht umstritten.54

2.2.2 Derivation

Nicht ganz so verbreitet in ihrer Nutzung wie die Komposition, aber dennoch an zweiter Stelle der Wortbildungsarten, ist die Derivation.55 Dieses auch als Ableitung bezeichnete Verfahren lässt sich weiter in Präfigierung und Suffigierung unterteilen, wobei letztere häufiger vertreten ist als erstere.56 Eine weitere Sonderform stellt die Zirkumfixderivation dar, die sogenannte kombinatorische Derivation.57

Bei der Derivation werden die sogenannten Derivate durch das Hinzufügen von Affixen (gebundene Morpheme mit ausschließlich grammatikalischer Bedeutung) an das Ausgangswort gebildet; als Affixe dienen dabei Präfixe, Suffixe oder Zirkumfixe (Kombination von Präfix/Suffix).58 Wie bei der Komposition lassen sich die Wortbildungen in unmittelbare Komponenten aufspalten, die Derivation ist somit auch binär strukturiert.59

Hier wird allerdings zwischen Derivationsbasis und Derivationsaffix - auch Derivatem genannt - unterschieden.60 Als Derivationsbasen können Konfixe oder wortfähige Grundmorpheme (Wortstämme) benutzt werden.61 Zusätzlich sind aber auch Syntagma beziehungsweise Wortgruppen möglich, wobei zwischen verbalem und substantivischem Charakter sowie freien und phrasemischen Verbindungen differenziert wird.62 Ähnlich wie bei der Komposition das Zweitglied die grammatikalischen Merkmale bestimmt, so gilt dies bei der Derivation für das Derivatem.63

2.2.2.1 Präfixe und Partikel

Bei der Wortbildungsart der Präfigierung werden als Wortbildungsaffixe Präfixe verwendet, die als gebundene Einheiten dem Stamm vorangestellt werden, um das neue Wort zu bilden.64 Sie lassen sich sowohl mit Substantiven und Adjektiven als auch Verben kombinieren. Hierbei ist allerdings zu beachten, dass Präfixe in Verbindung mit Substantiven und Adjektiven syntaktisch keine Bedeutung besitzen und somit nicht den kategoriellen Wortstamm verändern.65 Somit wird bei diesen Fällen Flexion, Genus und Wortart durch die Derivationsbasis bestimmt. Anders ist dies bei der Kombination von Präfix und Verb: Hier legen die Derivate, die Präfixe, die grammatikalischen Besonderheiten des ganzen Wortes fest. Im Vergleich zu den anderen Wortarten ist die quantitative Anzahl an präfigierten Verben im Deutschen sehr groß.66

Präfixe selbst bestehen gewöhnlich aus einer Silbe, einen Sonderfall stellen aber Lehnpräfixe wie beispielsweise anti- oder inter- mit zwei Silben dar. Ein Grund für die geringere Bedeutung der Präfigierung im Vergleich zur Suffigierung wird im Umfang des Präfixbestandes gesehen, wobei hinzu kommt, dass Ädie heimischen Präfixe quantitativ klar hinter den fremdsprachigen zurücktreten“67. Als heimische Präfixe sind vor allem erz-, ge-, haupt-, miss-, un- und ur- zu nennen, die in der deutschen Gegenwartssprache eine sehr unterschiedliche Produktivität aufweisen.68 Bei den Fremdpräfixen gibt es eine recht große Menge an Morphemen, die aus dem Lateinischen - und eindeutig seltener aus dem Griechischen - entlehnt sind und eine große semantische Bandbreite besitzen.69 Zu den fremdsprachigen Präfixe werden anti-, dis-, ex-, hyper-, in-, ko-, pro-, re-, sub-, super-, transund ultra- gezählt.

Präfixe können betont oder unbetont vorliegen, was sich auf verschiedene prosodische Limitationen auswirkt. Normalerweise liegt die Hauptbetonung in den Derivaten auf der Basis.70 Generell bewirken Wortbildungsmorpheme, zu denen auch die Präfixe zählen, eine Veränderung des Basiswortes, die sich Äsemantisch und/oder stilistisch-pragmatisch“71 auswirkt. Es lassen hier sich zwei Gruppen von Bedeutungen unterscheiden: Negations- und Augmentationspräfixe.72 Die Präfixe dieser Bedeutungsgruppen stammen zu großen Teilen aus den heimischen Präfixen, da bei der Menge der fremdsprachigen Präfixe eine Klassifizierung der Bedeutungen nur schwer zu umreißen ist.

In Bezug auf die Präfixe, die nur Verben zur Verbindung auswählen, ist außerdem zwischen Präfixen im engeren Sinn und sogenannten Partikelpräfixen zu unterscheiden: Letztere sind präfixähnlich und lassen sich von den eigentlichen Präfixen nur dadurch differenzieren, Ädass ihnen freie Morpheme entsprechen“73. Als Beispiele können über-, unter-, hinter-, voll- und wider- gelten. Zusätzlich zu diesen gibt es hinsichtlich der Verbindung mit Verben eine weitere Art von Morphemen, die sich aber deutlich von Präfixen und Partikelpräfixen abgrenzen lassen: Partikeln werden grundsätzlich betont, verfügen über freie Entsprechungen und es ist außerdem möglich, sie syntaktisch und morphologisch zu trennen.74 Ebenso wie Präfixe dienen Partikeln der semantischen Veränderung der Verben.75 In Bezug auf die Wortbildung stehen Partikeln und die aus diesem Verfahren entstehenden Partikelverben im Übergang von Derivation zu Komposition und hinsichtlich ihrer grammatischen Bedeutung zwischen Syntax und Morphologie. Zudem gelten sie als das vielfältigste und produktivste Wortbildungsmuster in Bezug auf die Wortbildung von Verben in der deutschen Gegenwartssprache.76

[...]


1 Schoenke, Eva: Didaktik sprachlichen Handelns. Überlegungen zum Sprachunterricht der Sekundarstufe I. Tübingen 1991, S. 1.

2 Vgl. ebd.

3 Vgl. ebd., S. 6.

4 Köster, Juliane/Lindauer, Thomas: Zum Stand wissenschaftlicher Aufgabenreflexion aus deutschdidaktischer Perspektive. In: Didaktik Deutsch. Sonderheft 2/2008. S. 148-161, hier S. 148.

5 Vgl. auch ebd., S. 154.

6 KMK: Sekretariat der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland (Hrsg.): Bildungsstandards im Fach Deutsch für den Hauptschulabschluss. Beschluss vom 15.10.2004. München/Neuwied 2005, S. 6.

7 Vgl. ebd. sowie Budde, Monika: Über Sprache reflektieren. Unterricht in sprachheterogenen Lerngruppen. Kassel 2012, S. 12ff. und S. 22f.

8 Budde (2012), S. 16.

9 Vgl. ebd. sowie S. 22f.

10 Lindauer, Thomas: Wortbildung. In: Praxis Deutsch. Jahrgang 34/2007. Heft 201. S. 6-15, hier S. 6.

11 Vgl. auch Lawrenz, Birgit: Moderne deutsche Wortbildung. Phrasale Wortbildung im Deutschen: Linguistische Untersuchung und sprachdidaktische Behandlung. Hamburg 2006, S. 168 sowie Elsen, Hilke/Michel, Sascha (Hrsg.): Wortbildung im Deutschen zwischen Sprachsystem und Sprachgebrauch. Perspektiven - Analysen - Anwendungen. Stuttgart 2011, S. 32f.

12 Lindauer (2007), S. 6.

13 Vgl. Lawrenz (2006), S. 168f.

14 Vgl. Köster/Lindauer (2008), S. 158.

15 Vgl. Lindauer (2007), S. 7.

16 Vgl. ebd., S. 9.

17 Vgl. Donalies, Elke: Basiswissen Deutsche Wortbildung. Basel/Tübingen 2007, S. 3-7.

18 Ebd., S. 4

19 Vgl. auch Römer, Christine/Matzke, Brigitte: Der deutsche Wortschatz. Struktur, Regeln und Merkmale. Tübingen 2010, S. 111f.

20 Donalies (2007), S. 6. Daher kann als Hauptfunktion der Wortbildung auch die Lexikonerweiterung festgemacht werden (Vgl. Eisenberg, Peter: Das Wort. Grundriss der deutschen Grammatik. Band 1. 3., durchgesehene Auflage. Stuttgart/Weimar 2006, S. 211).

21 Vgl. auch Lohde, Michael: Wortbildung des modernen Deutschen. Ein Lehr- und Übungsbuch. Tübingen 2006, S. 13.

22 Bußmann 1990, S. 852.

23 Vgl. Römer/Matzke (2010), S. 111f.

24 Vgl. auch Elsen/Michel (2011), S. 27ff. Für eine ausführlichere Definition siehe z.B. Römer, Christine: Morphologie der deutschen Sprache. Basel/Tübingen 2006, S. 27-36.

25 Römer/Matzke (2010), S. 112.

26 Vgl. Fleischer, Wolfgang/Barz, Irmhild: Wortbildung der deutschen Gegenwartssprache. 4. Auflage. Berlin/Boston 2012, S. 83.

27 Vgl. Eisenberg (2006), S. 211f. sowie Römer/Matzke (2010), S. 112.

28 Vgl. Elsen, Hilke: Grundzüge der Morphologie des Deutschen. Berlin/Boston 2011, S. 61.

29 Vgl. Donalies (2007), S. 35.

30 Vgl. auch Lohde (2006), S. 35f.

31 Vgl. ebd. sowie Elsen (2011), S. 61 und Römer/Matzke (2010), S. 121ff.

32 Fleischer/Barz (2012), S. 83.

33 Vgl. ebd. sowie Eisenberg (2006), S. 209, Römer/Matzke (2010), S. 121ff. und Lohde (2006), S. 35f.

34 Vgl. Fleischer/Barz (2012), S. 84.

35 Vgl. auch Lohde (2006), S. 36f.

36 Fleischer/Barz (2012), S. 84.

37 Für eine detailliertere Definition von Determinativkomposition siehe z.B. Eisenberg (2006), S. 226-230.

38 Vgl. auch Donalies (2007), S. 36f. sowie 61f. und Elsen (2011), S. 27ff. und S. 61-65.

39 Vgl. Lohde (2006), S. 36ff. sowie S. 173f.

40 Vgl. Fleischer/Barz (2012), S. 85 sowie Lohde (2006), S. 36.

41 Vgl. Lohde (2006), S. 36 sowie Elsen (2011), S. 27f.

42 Donalies (2007), S. 30.

43 Vgl. Eisenberg (2006), S. 235f.

44 Eisenberg (2006), S. 235.

45 Vgl. ebd.

46 Vgl. Elsen (2011), S. 32.

47 Eisenberg (2006), S. 236.

48 Vgl. ebd.

49 Vgl. Elsen (2011), S. 32.

50 Vgl. Lohde (2006), S. 21.

51 Eisenberg (2006), S. 236.

52 Vgl. ebd. Weitere Details zum Wesen und zur Funktion von Fugenelementen finden sich bei Römer/Matzke (2010), S. 113.

53 Vgl. ebd. sowie Elsen (2011), S. 32. Für weitere Informationen zu den verschiedenen Fugenelementen siehe z. B. Lohde (2006), S. 21-27.

54 Vgl. für einen detaillierteren Einblick Eisenberg (2006), S. 235-241 sowie Elsen (2011), S. 32ff., Donalies (2007), S. 30ff. Und Römer (2006), S. 30f.

55 Vgl. Elsen (2011), S. 79.

56 Vgl. auch Eisenberg (2006), S. 209.

57 Vgl. Römer/Matzke (2010), S. 134.

58 Vgl. ebd. sowie Lohde (2006), S. 38.

59 Vgl. Fleischer/Barz (2012), S. 83 sowie Römer/Matzke (2010), S. 134 und Donalies (2007), S. 69.

60 Vgl. Lohde (2006), S. 38 sowie Fleischer/Barz (2012), S. 86.

61 Vgl. Lohde (2006), S. 38f.

62 Vgl. auch Fleischer/Barz (2012), S. 86.

63 Vgl. Donalies (2007), S. 69.

64 Vgl. Eisenberg (2006), S. 209 sowie Donalies (2007), S. 20f.

65 Vgl. auch Römer (2006), S. 32.

66 Vgl. Lohde (2006), S. 231f. Für weitere Informationen über die Bedeutung präfigierter Verben siehe z.B. Lohde (2006), S. 229-268.

67 Lohde (2006), S. 145.

68 Vgl. ebd., S. 145-150 sowie Eisenberg (2006), S. 247-254.

69 Vgl. ebd., S. 150-155.

70 Vgl. Lohde (2006), S. 14f.

71 Ebd., S. 14.

72 Vgl. Lohde (2006), S. 145 sowie S. 150.

73 Römer/Matzke (2010), S. 137. Vgl. im Folgenden ebd., S. 137ff. sowie Römer (2006), S. 32f. und S.116.

74 Vgl. auch Elsen (2011), S. 258. Vgl. Eisenberg (2006), S. 254-269 für eine detailliertere Unterscheidung zwischen Verbpräfixen und Verbpartikeln.

75 Vgl. Römer/Matzke (2010), S. 138f.

76 Vgl. Römer (2006), S. 116.

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Grundlagen der deutschen Wortbildung. Ein kritischer Blick in das Lehrwerk "deutsch.kombi plus"
Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg  (Germanistik)
Veranstaltung
Morphologie
Note
1,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
26
Katalognummer
V370995
ISBN (eBook)
9783668489028
ISBN (Buch)
9783668489035
Dateigröße
605 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Morphologie, Wortbildung, Deutschdidaktik, Deutschunterricht, Didaktik
Arbeit zitieren
Katharina Preuth (Autor), 2014, Grundlagen der deutschen Wortbildung. Ein kritischer Blick in das Lehrwerk "deutsch.kombi plus", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/370995

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