In meiner Hausarbeit zum Thema „Gerechtigkeitstheorien und ihre Bedeutungen für den Religionsunterricht“ werde ich mich vor allem mit der Frage auseinandersetzen, wie man Gerechtigkeit definiert. In Folge dessen werde ich dann auch der Frage nachgehen, ob man Gerechtigkeit messen kann und wie diese in der Gesellschaft verbreitet ist. Weiter werde ich mich auch mit den Konsequenzen für den Religionsunterricht zu dem Thema auseinander setzen und versuche einige Ideen für den Unterricht zu entwerfen.
Zum Thema der Hausarbeit bin ich durch ein anderes Seminar gekommen. In diesem haben wir über Kinder mit Behinderungen gesprochen und deren Förderung an verschiedenen Schulen. Wir kamen dort auf das Thema Bildungsgerechtigkeit von beeinträchtigten Menschen und den Fall „Henri“, welcher durch die Presse ging. Diesen haben wir im Seminar besprochen. Aufgrund meines Wissens aus diesem Seminar zur Bildungsgerechtigkeit habe ich nun versucht den Fall „Henri“ mit einem Fall eines Migranten Kindes zu vergleichen. Mein Interesse wurde somit geweckt, die Begrifflichkeiten zu definieren, verschiedene Theorien zu erläutern und aufgrund dessen zu einem Ergebnis zu kommen. Ist es gerecht ein Kind, aufgrund seiner Behinderung, durch mildere Urteile auf einer höheren Schulform anzunehmen, ein Kind aus dem Ausland jedoch diesen Weg zu verweigern? Und wie kann ich Gerechtigkeit im Unterricht einfließen lassen und die Schüler für Gerechtigkeit in der Gesellschaft sensibilisieren?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Gerechtigkeit – Ein Überblick
2.1 Die universalistische Gerechtigkeit nach der Theorie von John Rawls
2.2 Die partikulare Gerechtigkeit nach der Theorie von Michael Walzer
3. Die Anwendung Michael Walzers Sphärengerechtigkeit am Beispiel vom Fall Henri
3.1 Der Fall Henri Ehrhardt
3.2 Die Gerechtigkeit des Falles Henri im Vergleich
4. Gerechtigkeit in der schulischen Bildung
4.1 Konsequenzen für den Religionsunterricht
5. Reflexion
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das komplexe Feld der Bildungsgerechtigkeit durch die theoretische Linse etablierter Gerechtigkeitskonzepte. Dabei wird die Forschungsfrage verfolgt, wie Gerechtigkeit definiert und gemessen werden kann und welche Konsequenzen sich daraus für die Praxis des Religionsunterrichts sowie den schulischen Umgang mit Vielfalt ergeben.
- Grundlagen der Gerechtigkeitstheorien nach John Rawls und Michael Walzer
- Analyse des Falls „Henri“ zur Anwendung von Sphärengerechtigkeit
- Vergleich der Bildungschancen von Kindern mit Behinderung und Migrationshintergrund
- Die Rolle der Schule als Institution zur Förderung von Chancengleichheit
- Religionspädagogische Anforderungen an einen gerechten Unterricht
Auszug aus dem Buch
3.1 Der Fall Henri Ehrhardt
Der im Weiteren beschriebene Fall und dessen Fakten sind real. Auch die Debatte hat sich wirklich so zugetragen.
Henri Ehrhardt wurde im Februar 2003 geboren. Er kam mit Downsyndrom zur Welt. Trotz einer langen Krankheitsgeschichte besuchte er vier Jahre lang eine Regelschule. Nach der erfolgreichen Inklusion in seine heimatliche Grundschule soll Henri auf eine weiterführende Regelschule gehen. Doch dieser Wunsch der Eltern erweist sich als schwierig.
„Vorausgegangen war eine wochenlange bundesweit geführte Debatte um die Schulkarriere des Elfjährigen. Henri sollte nach dem Wunsch seiner Eltern mit einigen Kindern seiner Grundschulklasse aufs Gymnasium wechseln. Doch dort wurde er abgelehnt, wie auch von der Realschule in Walldorf. Daraufhin hat sich eine bundesweite Debatte um die Frage entwickelt, ob ein Gymnasium der richtige Ort für ein Kind mit geistiger Behinderung ist – und ob Inklusion Grenzen hat.“
Den Eltern ging es nie darum das Henri Abitur macht. Sie waren sich von Anfang an darüber im Klaren, dass Henri dies nie schaffen würde. Sie versuchten ihren Sohn auf dem Gymnasium anzumelden, damit Henri im Kreis seiner Freunde bleiben kann. Dieser, und auch der darauf folgende Versuch Henri an einer Realschule anzumelden, wurden jedoch abgelehnt. Rechtlich gesehen steht Henri der Besuch einer Regelschule jedoch zu. So ergab sich 2014 eine lange Debatte um die Inklusion an Schulen. Die Schulen sind der Auffassung, dass Henri die nötigen Leistungen nicht erbringen kann. Er selber und sein Wunsch im Kreise seiner Freunde zu bleiben wurde jedoch nicht gehört. „Am Mittwoch lehnte die Gesamtlehrerkonferenz der Theodor-Heuss-Realschule Henris Aufnahme endgültig ab, mit 41 zu 12 Stimmen und zwei Enthaltungen.“ Henri soll nun das vierte Schuljahr auf der Grundschule wiederholen. Damit wurde der Fall Henri geschlossen. Offen bleibt jedoch die Debatte um die Inklusion. Dazu soll es im kommenden Schuljahr 2015/16 eine neue Reform des Landesschulgesetzes geben.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Themenfelder Gerechtigkeitstheorien und Bildungsgerechtigkeit ein und motiviert die Fragestellung anhand des Falls „Henri“.
2. Gerechtigkeit – Ein Überblick: Das Kapitel bietet eine begriffliche Einordnung von Gerechtigkeit in Ethik und Theologie sowie eine Gegenüberstellung der Theorien von John Rawls und Michael Walzer.
3. Die Anwendung Michael Walzers Sphärengerechtigkeit am Beispiel vom Fall Henri: Hier wird das Konzept der Sphärengerechtigkeit auf den realen Fall eines Kindes mit Downsyndrom angewendet und mit anderen Bildungssituationen verglichen.
4. Gerechtigkeit in der schulischen Bildung: Dieses Kapitel analysiert das Spannungsfeld zwischen Chancengleichheit und dem tatsächlichen Schulsystem in Deutschland.
5. Reflexion: Die Reflexion fasst die theoretischen Ergebnisse zusammen und plädiert für eine stärkere Sensibilisierung für Diversität im Bildungswesen.
Schlüsselwörter
Gerechtigkeit, Bildungsgerechtigkeit, John Rawls, Michael Walzer, Inklusion, Religionsunterricht, Sphärengerechtigkeit, Bildungschancen, Ethik, Chancengleichheit, Henri Ehrhardt, Diskriminierung, Regelschule, Pädagogik, Diversität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Relevanz verschiedener Gerechtigkeitstheorien für den schulischen Alltag und untersucht, wie diese Theorien dabei helfen können, Bildungsungerechtigkeit zu verstehen und abzubauen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind die theoretische Fundierung von Gerechtigkeit, die Anwendung von Walzers Sphärengerechtigkeit auf konkrete Bildungsentscheidungen sowie die religionspädagogische Verantwortung in einer pluralen Gesellschaft.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, zu analysieren, ob und wie Bildungsgerechtigkeit in Deutschland gewährleistet werden kann und welche Rolle die Schule bei der Förderung von Chancengleichheit spielt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Literaturanalyse und führt eine Fallstudie durch, indem sie philosophische Theorien auf den realen Fall eines Kindes anwendet, um die praktische Tragfähigkeit der Konzepte zu prüfen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Erörterung der Positionen von Rawls und Walzer, eine detaillierte Anwendung dieser Konzepte auf den Fall Henri Ehrhardt sowie eine kritische Auseinandersetzung mit der Bildungsgerechtigkeit im deutschen Schulsystem.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Gerechtigkeit, Bildungsgerechtigkeit, Inklusion, Sphärengerechtigkeit und der religiöse Beitrag zur Gestaltung einer gerechten Bildungslandschaft.
Warum wird der Fall Henri für die Analyse gewählt?
Der Fall dient als konkretes Beispiel, um zu verdeutlichen, wie verschiedene Sphären (wie Zugehörigkeit und Leistung) kollidieren können und warum schulische Inklusion oft an institutionellen Grenzen scheitert.
Wie unterscheidet sich der Ansatz von John Rawls von dem von Michael Walzer?
Während Rawls einen universellen Verteilungsansatz verfolgt, der auf einem Schleier des Nichtwissens basiert, vertritt Walzer eine partikulare Theorie, bei der jedes Gut in einer eigenen Sphäre nach spezifischen Kriterien verteilt wird.
Welche Rolle spielt der Religionsunterricht laut der Autorin?
Der Religionsunterricht soll zur Wahrnehmung des Anderen befördern, kritische Urteilsfähigkeit stärken und einen Beitrag zur Stärkung der Zivilgesellschaft leisten.
Welche Schlussfolgerung zieht die Autorin bezüglich des Schulsystems?
Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass das derzeitige Schulsystem durch die frühe Selektion die soziale Spaltung eher fördert und die Aufgabe zur Förderung von Gerechtigkeit eine gesamtgesellschaftliche Verpflichtung ist, die nicht allein von der Schule gelöst werden kann.
- Citation du texte
- Nina Bunje (Auteur), 2015, Wichtige Gerechtigkeitstheorien und ihre Bedeutung für den Religionsunterricht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/371024