In der vorliegenden Hausarbeit wird auf die "Ästhetik des Hässlichen" im Frühexpressionismus anhand eines exemplarischen Gedichts von Gottfried Benns eingegangen. Bei der Betrachtung des Ästhetik-Begriffs in seinem literaturhistorischen Kontext fällt auf, dass im Verlauf der Geschichte immer wieder die ‚Ästhetik‘ den Anlass zu zahlreichen literarischen, künstlerischen und philosophischen Texte gab. Der Inhalt dieser Hausarbeit fokussiert primär der Ästhetik des Hässlichen in Benns Gedicht "Mann und Frau gehn durch die Krebsbaracke". Dabei wird das Gedicht auf seine formalen und inhaltlichen Merkmale untersucht, die zentralen Motive der Krankheit, des Zerfalls und der Sexualität herausgearbeitet und versucht, die Frage nach der speziellen Ästhetik des Hässlichen in Benns Werk zu beantworten. Abschließend wird auf die expressionistischen Merkmale des Gedichts eingegangen, um dieses vom Naturalismus abgrenzen.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. DER ÄSTHETIK-BEGRIFF
2.1. ÄSTHETIK-BEGRIFF IM EXPRESSIONISMUS
3. GOTTFRIED BENNS MANN UND FRAU GEHN DURCH DIE KREBSBARACKE
3.1. FORM UND AUFBAU
3.2. INHALT
3.3. „KOMM, HEBE RUHIG DIESE DECKE AUF“
3.4. NATURALISMUS – ANTINATURALISMUS
4. FAZIT
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Ästhetik des Hässlichen im expressionistischen Gedicht „Mann und Frau gehn durch die Krebsbaracke“ von Gottfried Benn, wobei die Motive der Krankheit, des Zerfalls und der Sexualität analysiert werden, um die Abgrenzung zum Naturalismus und die spezifische künstlerische Intention des Autors aufzuzeigen.
- Analyse des Ästhetik-Begriffs im Kontext des Expressionismus.
- Untersuchung der formalen und inhaltlichen Merkmale von Gottfried Benns „Mann und Frau gehn durch die Krebsbaracke“.
- Deutung der Motive Krankheit, Zerfall und Fleischlichkeit als Mittel der ästhetischen Provokation.
- Gegenüberstellung des expressionistischen Hässlichkeitspostulats mit naturalistischen Darstellungsweisen.
- Reflektion der Funktion des Hässlichen als notwendiger Durchgangspunkt in der modernen Kunst.
Auszug aus dem Buch
3.2. Inhalt
Inhaltlich ist einerseits das Verhältnis der im Gedicht erwähnten Akteure zu betrachten. Anderseits bieten die Motive Krankheit, Zerfall, Wahrheit und Sexualität ein hohes Potential an hässlicher Ästhetik, welche ebenfalls zu untersuchen sind.
Die Rollensituation von „Mann und Frau“ (A1) ist nicht ganz eindeutig und es bleibt ungeklärt, ob es sich bei der Frau um eine Kollegin, Medizinstudentin, Patientin oder seine Partnerin handelt. Durch das Expertenwissen des Mannes sowie durch seine Kenntnisse über die Kranken und seinen direkten Zugang zu den Patienten in der Krebsbaracke, liegt es nahe, den Mann als Arzt oder zumindest als ein sachkundiger Kenner der Krankheit zu identifizieren.
Da die weiteren Gedichte des Morgue-Zyklus ebenfalls durch die Rollenfigur des Pathologen bestimmt werden ist diese Annahme durchaus wahrscheinlich.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Einführung in die Thematik der Ästhetik des Hässlichen im Frühexpressionismus anhand des Gedichts von Gottfried Benn und Darlegung der zentralen Forschungsfragen.
2. DER ÄSTHETIK-BEGRIFF: Darstellung der historischen Entwicklung des Ästhetik-Verständnisses von der Antike bis zum 18. Jahrhundert und die Erweiterung durch den Expressionismus.
2.1. ÄSTHETIK-BEGRIFF IM EXPRESSIONISMUS: Erläuterung, wie der Expressionismus mit traditionellen ästhetischen Normen brach und das Hässliche als Teil der Kunst etablierte.
3. GOTTFRIED BENNS MANN UND FRAU GEHN DURCH DIE KREBSBARACKE: Vorstellung des Gedichts als zentrales Werk des Morgue-Zyklus, das Krankheit und Tod provokant in den Mittelpunkt stellt.
3.1. FORM UND AUFBAU: Analyse der metrischen Gestaltung, des Verzichts auf Reime und der Verwendung von Parataxen in der vorliegenden Lyrik.
3.2. INHALT: Untersuchung der Rollenkonstellation, der medizinischen Motive und der Bedeutung von Körperlichkeit im Kontext des Gedichtes.
3.3. „KOMM, HEBE RUHIG DIESE DECKE AUF“: Analyse der Enthüllungsmetaphorik und der Aufforderung zur bewussten Konfrontation mit dem Unangenehmen.
3.4. NATURALISMUS – ANTINATURALISMUS: Diskussion über die Differenzen zwischen dem Naturalismus und der expressionistischen Intention, die Wirklichkeit durch das Hässliche zu dekonstruieren.
4. FAZIT: Zusammenfassende Betrachtung der Wirkungskraft des Hässlichen in der Kunst und dessen Bedeutung für die ästhetische Entwicklung.
Schlüsselwörter
Ästhetik des Hässlichen, Gottfried Benn, Expressionismus, Morgue-Zyklus, Körperlichkeit, Zerfall, Krankheit, Sexualität, Naturalismus, Lyrikanalyse, Moderne, Provokation, Wirklichkeit, Todesdarstellung, Literaturwissenschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die „Ästhetik des Hässlichen“ im Gedicht „Mann und Frau gehn durch die Krebsbaracke“ von Gottfried Benn.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind Krankheit, körperlicher Zerfall, die Rolle der Sexualität und die Darstellung medizinischer Zustände in der expressionistischen Lyrik.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Untersuchung zielt darauf ab, die spezifische Funktion der hässlichen Ästhetik bei Benn zu ergründen und das Gedicht vom Naturalismus abzugrenzen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse des Gedichttextes unter Einbeziehung des historischen Kontextes und fachwissenschaftlicher Sekundärliteratur angewandt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden der historische Ästhetik-Begriff, die formale Struktur, inhaltliche Motive sowie die Abgrenzung Benns gegenüber naturalistischen Tendenzen detailliert analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Ästhetik des Hässlichen, Expressionismus, Körperlichkeit, Zerfall und Gottfried Benn charakterisiert.
Warum spielt die Figur des Mannes eine so wichtige Rolle für das Verständnis?
Der Mann fungiert als Experte oder Pathologe, der durch seine distanzierte, medizinische Sprache eine provokante Sicht auf den menschlichen Zerfall ermöglicht.
Inwiefern unterscheidet sich Benns Darstellung von der des Naturalismus?
Benn zielt nicht auf eine wirklichkeitsgetreue Abbildung ab, sondern auf die Zerschlagung bestehender Normen und die Konfrontation mit der existentiellen Nichtigkeit des Menschen.
- Quote paper
- Marie-Christine Bechtel (Author), 2017, Ästhetik des Hässlichen und Kranken in Gottfried Benns Gedicht "Mann und Frau gehn durch die Krebsbaracke", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/371122