Die vorliegende Hausarbeit befasst sich mit den Frauenbildern Lessings. Um diese besser zu verstehen, werden verschiedene Frauenbilder aus unterschiedlichen Dramen analysiert. In diesem Sinne widmet sich das erste Kapitel der Hausarbeitet zwei Frauengestalten aus der Tragödie “Emilia Galotti“ zu (Emilia und Orsina). Bei dieser Analyse wird der Fokus vor allem auf die Frage gelegt, inwiefern beide Figuren als emanzipierte Frauen betrachtet werden können. Im darauffolgenden Kapitel wird die Figur der Miss Sara Sampson aus dem gleichnamigen Trauerspiel untersucht. Hier gehen wir detaillierter auf die Handlung ein und konzertieren uns auf die emanzipierten Taten Saras.
Das 18. Jahrhundert gilt als prägendes Zeitalter für die Veränderung der Frauenrolle und steht für den Beginn der Frauenbewegung. Durch die Epoche der Aufklärung motiviert, welche unter anderem für die Handlungsfreiheit der Menschen plädierte, fingen die ersten mutigen Frauen (zuerst in England und Frankreich) an, an einen Umschwung der Frauenposition zu denken und ihren Missmut kundzutun. Ihre Bestrebungen, Proteste und Gedanken betrachtet man heute als die Wurzeln der Frauenemanzipation.
Die Frauen kämpften für einen sozialen Aufstieg sowie für die Gleichsetzung der Geschlechter. Bis jeher wurden Frauen nämlich nicht als den Männern ebenbürtig angesehen, sondern ihre Aufgabe bestand ausschließlich darin, als Ehefrau und Mutter zu dienen. Sie mussten sich somit ihren Ehemännern unterordnen und waren zudem auch rechtlich und ökonomisch von den Männern abhängig. Letzteres ging so weit, dass die Väter in der damaligen Zeit üblicherweise die Ehemänner für ihre Töchter aussuchten. Auch war den Frauen eine Ausbildung verwehrt, da diese sie von ihren Pflichten, nämlich die Erziehung der Kinder sowie das Erledigen des Haushalts, abhalten würde. Das Einzige, was den Frauen in ihrer Freizeit gestattet war, war die Zuwendung zur Literatur. Sie war das einzige Medium, aus welchem die Frauen sich weiterbilden konnten. Zusammenfassend bedeutet dies also, dass die Frauen eine feste Rollenordnung zu befolgen hatten und in einem starken Abhängigkeitsverhältnis zu ihrem Mann standen, welcher die einzige Pflicht hatte, sich um die Unterhaltszahlung seiner Frau zu sorgen. Die Frauen waren somit machtlos und mussten ihrer Stellung passiv erliegen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung: Die Stellung der Frau im 18. Jahrhundert
2. Aufbau der Hausarbeit
3. Die Frauenfiguren in Lessings Dramen
3.1. Emilia Galotti - Einführung in das Trauerspiel
3.1.1. Emilia
3.1.2. Orsina
3.2. Miss Sara Sampson. Einführung in das Drama “Miss Sara Sampson“
3.2.1. Miss Sara Sampson
4. Fazit
5. Bibliographie
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle und Emanzipation der Frau in den Werken von Gotthold Ephraim Lessing, insbesondere am Beispiel der Dramen „Emilia Galotti“ und „Miss Sara Sampson“. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert sich darauf, inwiefern die weiblichen Hauptfiguren als emanzipiert betrachtet werden können und welche Anzeichen für einen Reifeprozess zur Selbstbestimmung sie aufweisen.
- Analyse der historischen Stellung der Frau im 18. Jahrhundert
- Untersuchung der Frauenfiguren Emilia und Orsina in „Emilia Galotti“
- Untersuchung der Figur der Miss Sara Sampson im gleichnamigen Trauerspiel
- Bedeutung der Liebesheirat als Kontrast zum traditionellen Ehebild
- Die Rolle von Ehre, Selbstfindung und moralischer Reifung der Protagonistinnen
Auszug aus dem Buch
3.1.1. Emilia
Die Hauptfigur Emilia aus dem gleichnamigen Trauerspiel ,,Emilia Galotti" ist wohl eines der wichtigsten Frauenbilder Lessings. Sie vereint das tradierte Bild einer tugendhaften Frau des 18. Jahrhunderts mit einer gebildeten modernen Frau.
Ganz der zeitlichen Familienideologie angepasst, bestrebt Emilia sich, eine gute Ehefrau für ihren zukünftigen Gatten Appiani zu sein. Diesbezüglich empfindet die junge Frau Scham, als sie während einer Morgenmesse von Liebeswerbungen seitens des Prinzen Hettore Gonzaga bedrängt wird. Dieses Schamgefühl wird jedoch nicht nur durch das unsittliche Benehmen des Prinzen (welcher eine verlobte Frau umwirbt) hervorgerufen; es bezieht sich ebenfalls auf das neuendeckte Gefühl, das durch diese Verführungsversuche in Emilia erwacht. Die junge Frau hat eine neue Seite in ihrer Natur entdeckt, von der sie völlig verwirrt ist.
Um sich einen klareren Kopf zu verschaffen, teilt Emilia das Geschehen sofort ihrer Mutter mit. Diese Verhaltensweise ist auf Emilias Erziehung zurückzuführen: Sie wurde belehrt, dass sie darauf achten muss, was die Umgebung sagt („mich von ihm loszuwinden würde die Vorbeigehenden zu aufmerksam auf uns gemacht haben“, Reclam XL: 2.Aufzug, 6. Auftritt S.29).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Stellung der Frau im 18. Jahrhundert: Dieses Kapitel erläutert die gesellschaftliche Unterdrückung der Frau im 18. Jahrhundert und stellt Lessing als frühen Kritiker dieses Frauenbildes vor.
2. Aufbau der Hausarbeit: Hier wird der methodische Vorgehensweise der Analyse dargelegt, welche sich auf die spezifischen Frauenfiguren aus Lessings Dramen konzentriert.
3. Die Frauenfiguren in Lessings Dramen: Dieses Hauptkapitel untersucht die Charakterzüge und die Emanzipationsprozesse von Emilia, Orsina und Sara Sampson innerhalb der entsprechenden dramatischen Handlungen.
3.1. Emilia Galotti - Einführung in das Trauerspiel: Dieses Unterkapitel bettet das Werk in den Kontext des bürgerlichen Trauerspiels ein und thematisiert das Schicksal der Emilia Galotti.
3.1.1. Emilia: Analyse der persönlichen Entwicklung der Titelfigur von einem schüchternen Mädchen zu einer selbstbewussten Frau, die ihr Schicksal selbst in die Hand nimmt.
3.1.2. Orsina: Untersuchung der Gräfin Orsina als intellektuelle Gegenspielerin und kritische Beobachterin der höfischen Machtverhältnisse.
3.2. Miss Sara Sampson. Einführung in das Drama “Miss Sara Sampson“: Einführung in Lessings erstes bürgerliches Trauerspiel und die Thematik der Flucht aus dem Elternhaus.
3.2.1. Miss Sara Sampson: Analyse von Saras Charakter, ihrem Reifeprozess und ihrer Abkehr von väterlichen Autoritätsmustern hin zur Selbstbestimmung.
4. Fazit: Zusammenfassende Darstellung der Ergebnisse, die Lessing als Wegbereiter für die weibliche Emanzipation durch seine literarischen Werke würdigt.
5. Bibliographie: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur zur Arbeit.
Schlüsselwörter
Lessing, Frauenemanzipation, Emilia Galotti, Miss Sara Sampson, 18. Jahrhundert, Aufklärung, Frauenrolle, Literaturanalyse, Tragödie, Selbstbestimmung, Liebesheirat, Emanzipation, Tugend, Reifeprozess, Frauenbild
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie Gotthold Ephraim Lessing in seinen Dramen „Emilia Galotti“ und „Miss Sara Sampson“ frühe Formen der weiblichen Emanzipation darstellt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Frauenbilder des 18. Jahrhunderts, die Entwicklung der Charaktere zur Selbstbestimmung sowie der Kontrast zwischen traditionellen Familienstrukturen und dem Konzept der Liebesheirat.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, dass Lessing durch seine differenzierte Zeichnung starker und tugendhafter Frauenfiguren als ein Wegbereiter für die Emanzipation der Frau angesehen werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wurde für die Analyse verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse von Primärtexten, um die Entwicklung der Frauenfiguren sowie deren Reaktionen auf gesellschaftliche Abhängigkeitsverhältnisse herauszuarbeiten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Untersuchung der Frauenfiguren Emilia, Orsina und Sara Sampson, wobei deren persönlicher Wandel und ihr Umgang mit männlichen Autoritätsstrukturen analysiert werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Emanzipation, Aufklärung, Frauenrolle, Lessing, sowie die spezifischen Figurentitel Emilia Galotti und Miss Sara Sampson.
Welche Rolle spielt die „Ehre“ für die Figur Emilia Galotti?
Die Ehre ist für Emilia ein zentrales Motiv, das sie schließlich dazu bewegt, ihr Leben bewusst zu beenden, um ihre moralische Integrität und die ihrer Familie gegenüber den Nachstellungen des Prinzen zu bewahren.
Warum wird Orsina als „Gegenbild“ zu Emilia bezeichnet?
Orsina agiert als intellektuell reflektierte Frau, die Machtstrukturen erkennt und offen ausspricht, während Emilia ihre Emanzipation eher durch einen inneren Reifeprozess und schließlich durch ihre lebensentscheidende Handlung erreicht.
Wie unterscheidet sich die Flucht von Sara Sampson von der damaligen Norm?
Ihre Flucht stellt einen bewussten Bruch mit der väterlichen Autorität und der arrangierten Vernunftehe dar, um ein Leben nach eigenen Vorstellungen und in Liebe zu führen, was im 18. Jahrhundert als untypisch galt.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor bezüglich Lessings Bedeutung?
Der Autor schließt, dass Lessing zwar primär durch seine Werke wirkte, er jedoch durch seine kritische Darstellung emanzipierter Frauenfiguren einen bedeutenden Beitrag zur damaligen Wahrnehmung der Frauenrolle geleistet hat.
- Citar trabajo
- Tessy Feyder (Autor), 2016, Lessing als Wegbereiter für die weibliche Emanzipation am Beispiel der "Emilia Galotti" und "Miss Sara Sampson", Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/371124