Zum einen handelt diese Hausarbeit von dem Gedicht „Über den gekreuzigten Jesus“ von Catharina Regina von Greiffenberg und zum anderen von dem Gedicht „An den gecreutzigten Jesum“ von Andreas Gryphius. In dieser Hausarbeit soll besonders thematisiert werden, inwiefern sich die Ähnlichkeit der Titel der Gedichte auch im Inhalt wiederspiegeln. Aus diesem Grund wird zunächst auf jedes Gedicht einzeln eingegangen und im Hinblick auf Form, Aufbau, Adressat, stilistische Mittel und religiösem Gehalt analysiert. Im Anschluss wird dann die Jesusdarstellungen und die Leidensdarstellungen beider Gedichte verglichen und im Fazit mit einem allgemeinen Vergleich abgeschlossen.
Andreas Gryphius Gedicht „An den gecreuzigten JEsum“ erschien erstmals 1637 als „An den am Creutz auffgehenckten Heyland“ in den Lissaer Sonetten, der ersten Sonettsammlung des jungen Gryphius. Es ist eine Übertragung des lateinischen Gedichtes „Ad pedes christi in cruce morientis Auctor provolutus“ des gefeierten jesuitischen Dichters Sarbiewski. Gryphius schrieb die Sonette während seiner Zeit in Danzig, wo er von 1634 bis 1636 das akademische Gymnasium besuchte. Das Gedicht wurde 1637 als "An den am Creutz auffgehenckten Heyland" geschrieben und mehrmals überarbeitet (1643, 1650, 1657 und 1663), wobei der Inhalt im Wesentlichen gleich blieb. Ich werde hier die Fassung von 1643 betrachten. Zu finden ist das Gedicht in der Fassung von 1643 als viertes von fünf geistlichen Sonetten, die an erster Stelle der Lissaer Sonetten-Sammlung stehen. In der Erstfassung stand das Gedicht noch an der dritten Stelle vor dem Todesgedicht, was in der folgenden Fassung getauscht wurde, um die sachlich-thematische Anordnung der Sonette einzuhalten und die heilsgeschichtliche Grundkonzeption sichtbar zu machen. Die Abfolge Geburt, Gefängnis, Leichnam, Kreuzigung von 1643 entspricht dabei nicht der biografischen Abfolge der Ereignisse, dafür aber der thematischen Abfolge eher als die Lissaer Fassung mit der Abfolge Gefängnis, Kreuzigung, Piéta. Mit Kreuzigung ist hier außerdem nicht der Akt der Kreuzigung gemeint, sondern vielmehr der Zustand des gekreuzigt seins. Durch diesen Widerspruch zur biografischen Abfolge stellt Gryphius die Wichtigkeit des Sonettes heraus. Das Kreuzungsgedicht ist also ein Teil der Leidensgeschichte Jesu, die Gryphius in seinen Dichtungen der geistlichen
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Andreas Gryphius – An den gecreuzigten JEsum
2.1 Analyse
2.1.1 Äußere Form
2.1.2 Visuelle Form
2.2 Adressat
2.3 Rhetorische Mittel und Stilmittel
2.4 Thema und theologischer Gehalt
3. Catharina Regina von Greiffenberg- Über den gekreuzigten Jesus
3.1 Analyse
3.1.1 Äußere Form
3.1.2 Visuelle Form
3.2 Adressat
3.3 Rhetorische Mittel und Stilmittel
3.4 Thema und theologischer Gehalt
4. Vergleich
4.1 Jesusdarstellung
4.2 Leidensdarstellungen
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit vergleicht das Gedicht „Über den gekreuzigten Jesus“ von Catharina Regina von Greiffenberg mit dem Gedicht „An den gecreuzigten JEsum“ von Andreas Gryphius. Ziel ist es zu analysieren, inwiefern sich die Ähnlichkeit der Titel inhaltlich widerspiegelt und welche religiöse Bedeutung sowie Symbolik beide Dichter dem Kreuzigungsgeschehen beimessen.
- Vergleichende Analyse der Form, des Aufbaus und der rhetorischen Gestaltung.
- Untersuchung der Jesus- und Leidensdarstellung im frühneuzeitlichen Kontext.
- Bedeutung der religiösen Symbolik, insbesondere des Kreuzes.
- Die Funktion der Gedichte als Leitfaden für Gläubige in Krisenzeiten.
Auszug aus dem Buch
2.3 Rhetorische Mittel und Stilmittel
Bereits zu Beginn zeigt sich eine Auffälligkeit in der Überschrift mit dem Wort JEsum" und dem ersten Wort des ersten Verses "HIr". Bei beiden Wörtern sind jeweils die ersten beiden Buchstaben groß geschrieben. Damit zeigt der Autor nicht nur die Wichtigkeit Jesu, indem er ihm zwei große Anfangsbuchstaben widmet, sondern auch die Zusammengehörigkeit. "Hier" ist der Ort des Gedichtes und "hier" ist bei Jesus unter dem Kreuz. Dieser Ort ist kein Ort der sicher ist, sondern ein Ort der mit Angst und Leid verbunden ist. Diese Angst und das Leid spiegeln sich darin wieder, dass Menschen über sich selbst hinauswachsen müssen und unter Umständen viel Leid erfahren müssen, wenn sie sich zu Jesus Christus und zum Glaube bekennen. Dieses „hier“ wird im Laufe des Gedichts noch weiter ausgebaut in ein „weder dort noch hier“ (V. 9), dass die Perspektive der Betrachtung noch erweitert und mehrere Orte mit einschließt. Gleiches macht Gryphius mit der Zeit, indem er von „nun und ewig“ (V. 10) spricht. Dadurch ergibt sich der Fortbestand des Glaubens über zeitliche Grenzen hinaus, bis zu einem nicht näher bestimmten Zeitpunkt „ewig“, der keine Grenze hat.
Der erste Vers beginnt gleich mit dem Imperativsatz "HIr wil ich gantz nicht weg!". In der ersten Fassung von 1637 kommt dieser Ausruf noch ohne Ausrufezeichen aus, steht in der Fassung von 1643 mit. Dadurch wird dem Satz noch mehr Ausdruck verliehen und die Wahrheit und Überzeugung kommt noch mehr zum Ausdruck. Es wird unmissverständlich klar, dass das lyrische Ich sich nicht vom Kreuz wegbewegen will und sich ganz und gar dem Gekreuzigten verschreibt. Dies wird in Vers 4 erneut deutlich gemacht, dass "kein Todt kein Teufel" das lyrische Ich vom Kreuz wegbringen kann. Durch den Jambus liegt die Betonung auf dem "will", was dem Satz einen trotzigen Unterton verleiht. Es erinnert an ein kleines trotziges Kind, das vor dem Süßigkeitenregal steht und auf den Boden stampft. Das "Hier will ich" wird in Vers 5 und 11 nochmal wiederholt. Der Wille des lyrischen Ichs wird nochmal verdeutlicht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der Kreuzigungsgedichte ein und legt das methodische Vorgehen für den Vergleich der Werke von Gryphius und von Greiffenberg dar.
2. Andreas Gryphius – An den gecreuzigten JEsum: Das Kapitel analysiert das Sonett von Gryphius im Hinblick auf seine formale Struktur, die visuelle Gestaltung, den Adressaten, die Rhetorik sowie den theologischen Gehalt.
3. Catharina Regina von Greiffenberg- Über den gekreuzigten Jesus: Hier wird das Figurengedicht von von Greiffenberg auf seine äußere und visuelle Form hin untersucht und seine religiöse sowie theologische Aussagekraft analysiert.
4. Vergleich: Dieser Abschnitt stellt die Jesusdarstellungen und die Leidensbeschreibungen beider Dichter einander gegenüber, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede herauszuarbeiten.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass beide Gedichte trotz unterschiedlicher Methoden eine starke religiöse Symbolik teilen und als spirituelle Wegweiser dienen.
Schlüsselwörter
Andreas Gryphius, Catharina Regina von Greiffenberg, Barocklyrik, Kreuzigungsgedicht, Religionsgeschichte, Theologie, Heiland, Figurengedicht, Dreißigjähriger Krieg, Glaube, Vanitas, Christussymbolik, Erlösung, Sonett, religiöse Lyrik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht zwei religiöse Gedichte aus der frühen Neuzeit, die das Leiden und Sterben Jesu am Kreuz thematisieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die religiöse Dichtung des 17. Jahrhunderts, die christliche Symbolik und die Art und Weise, wie die Dichter den Glauben angesichts von Leid vermitteln.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist ein Vergleich der Gedichte von Gryphius und von Greiffenberg, um zu ergründen, wie ähnliche Titel zu unterschiedlichen inhaltlichen und formalen Darstellungen führen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse angewandt, die Form, Aufbau, Stilmittel und theologischen Gehalt der Gedichte detailliert untersucht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert beide Gedichte zunächst einzeln hinsichtlich ihrer Form, Adressaten und Symbolik, bevor ein direkter Vergleich von Jesusdarstellung und Leidensdarstellungen erfolgt.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Begriffe wie Barocklyrik, Heiland, Erlösung, Kreuzigung und religiöse Symbolik fassen den inhaltlichen Kern der Arbeit zusammen.
Warum ist das Figurengedicht von Greiffenbergs besonders?
Es zeichnet sich durch die visuelle Anordnung des Textes in Form eines römischen Kreuzes aus, was auch weniger gebildeten Lesern den religiösen Kontext erschließt.
Welche Bedeutung hat das "Hier" bei Gryphius?
Das Wort dient als zentraler Ankerpunkt für das lyrische Ich, welches sich unter dem Kreuz positioniert und durch den Glauben standhaft gegenüber weltlichem Leid bleibt.
- Citation du texte
- Ariela Eiloff (Auteur), 2016, Vergleich von "An den gecreuzigten Jesum" und "Über den gekreuzigten Jesus", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/371187