Green IT. Einsatzmöglichkeiten und Risiken für mittelständische Unternehmen


Hausarbeit, 2016
24 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung und Vorgehensweise

2. Green IT
2.1 Definition
2.2 Historische Entwicklung

3. Einsatzmöglichkeiten
3.1 Green Information
3.2 Green Components
3.3 Green Networks
3.4 Green Computing

4. Risiken

5. Fazit

Literaturverzeichnis

Eidesstaatliche Erkärung

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Die verschiedenen Ebenen von Green IT

1. Einleitung

1.1 Problemstellung

„Keine Generation darf mehr verbrauchen, als sie wieder regenerieren kann. Das bedeutet, dass wir sowohl in der Zusammenführung von Ökonomie und sozialer Balance als auch in der Zusammenführung von Ökologie und Ökonomie vor riesigen Aufgaben stehen.“[1]

Unternehmen sehen sich immer größeren Wettbewerbsdruck ausgesetzt, wodurch effiziente Prozess- und Kostenstrukturen, um beispielsweise schneller auf Kundenbedürfnisse und Marktveränderungen reagieren zu können, an Bedeutung gewinnen. Dabei spielen auch Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) eine tragende Rolle, denn kaum ein Geschäftsprozess wird heutzutage ohne IT-Unterstützung durchgeführt. Um der Wettbewerbssituation Stand zu halten, hat sich das Thema Nachhaltigkeit als ein bedeutendes unternehmerisches Handlungsfeld entwickelt. Nicht nur in ökonomischen Handlungsfeldern sondern auch in ökologischen und sozialen Bereichen ist Nachhaltigkeit für den wirtschaftlichen Erfolg mitverantwortlich geworden. In der IT-Industrie ist dabei der Begriff Green IT entstanden. Auf der einen Seite wird damit der Beitrag zur Umweltschonung durch Ressourcen- und Energieeinsparung von IT-Infrastrukturen verstanden, auf der anderen Seite unterstützt sie Unternehmen im Hinblick auf Nachhaltigkeitsziele, zum Beispiel durch den Einsatz von innovativen IT-Technologien.

Die IT-Industrie hat eine hohe ökonomische Bedeutung. Durch den Übergang der Weltwirtschaften von Industrie- zu Informationsgesellschaften ist sie einer der am stärksten wachsenden Märkte. Der deutsche IT-Markt allein weist ein Volumen von 81,1 Milliarden Euro in 2015 auf.[2] Allerdings darf ihr ökologischer Einfluss nicht außer Acht gelassen werden. Aufgrund ihres hohen Energiebedarfes sind IKT nicht sehr ressourcenschonend. Im Jahr 2001 lag ihr Anteil am Gesamtstromverbrauch bei 10,5 % (55 TWh).[3] Bis 2020 wird ein Anstieg von 20 % auf 67 TWh prognostiziert, welcher hauptsächlich dem Equipment in Rechenzentren und dem Personal-Computer-Bereich zugerechnet werden kann.[4] Durch das anfangs beschriebene Zusammenspiel von IT und unternehmerischen Handeln, besteht hier jedoch die Möglichkeit, einen positiven Einfluss auf die Energiebilanz von Unternehmen zu nehmen. Die aufgeführten Fakten untermauern die Notwendigkeit, aber auch die Komplexität einer ökonomischen sowie ökologischen Nachhaltigkeitsstrategie beim Einsatz von IT-Infrastrukturen.

1.2 Zielsetzung und Vorgehensweise

Die Möglichkeiten wie Unternehmen von Green IT profitieren können, soll in der vorliegenden Arbeit herausgestellt werden. Dabei wird sich auf die dem Mittelstand zugehörigen Unternehmen fokussiert. Zum Mittelstand gehören per Definition des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) solche Unternehmen, deren Jahresumsatz sich auf weniger als 50 Millionen Euro beziffert und die gleichzeitig eine Mitarbeiteranzahl von unter 500 Angestellten haben. Geht man nach dieser Definition gehören 99 % der deutschen Unternehmen dem Mittelstand an. Das verleiht dem Mittelstand seinen Namen als Motor oder Rückgrat der deutschen Wirtschaft.[5]

Kapitel 1 liefert zunächst die Problemstellung, Zielsetzung sowie die Vorgehensweise der Hausarbeit. In Kapitel 2 wird Green IT allgemein vorgestellt, indem der Begriff definiert und die historische Entwicklung aufgezeigt wird. Anschließend werden im dritten Kapitel die Einsatzmöglichkeiten, untergliedert in vier Maßnahmen, herausgestellt, mit welchen Unternehmen von Green IT profitieren können. Das vierte Kapitel schildert daraufhin die mit Green IT verbundenen Risiken bevor im fünften und letzten Kapitel das Fazit der Arbeit gezogen wird.

2. Green IT

2.1 Definition

In Anlehnung an die Definition von Green IT durch die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) wird Green IT im Folgenden definiert. Abbildung 1 stellt dabei die verschiedenen Ebenen von Green IT dar.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Die verschiedenen Ebenen von Green IT[6]

Im inneren Kreis sind die direkten Auswirkungen von Green IT zusammengefasst. Damit sind alle Aspekte der IT gemeint, die einen positiven als auch negativen Einfluss auf die Umwelt haben. Das sind beispielweise effiziente Komponenten wie der effektive Einsatz von Energieressourcen aber auch die Produktion solcher Komponenten. Oftmals wird auch hier von der Definition „Green in der IT“ gesprochen. Zusammenfassend ist die Optimierung des Ressourcenverbrauches während der Herstellung, des Betriebs und der Entsorgung gemeint.[7]

Der mittlere Kreis behandelt die indirekten Auswirkungen. Damit sind alle Auswirkungen gemeint, die einen Einfluss auf das ökonomische als auch auf das soziale Umfeld haben. Es beeinflusst beispielsweise, wie andere Produkte umweltfreundlicher hergestellt werden. In der Literatur wird oftmals von „Green durch IT“ gesprochen. Damit werden Energieeinsparungen durch den Einsatz von IT gemeint, wenn beispielweise Dienstreisen durch Videokonferenzen ersetzt werden.[8]

Der äußere Kreis behandelt Systemauswirkungen und die damit einhergehenden Verhaltensänderungen sowie nicht-technische Faktoren. Beispiele hierfür sind Entscheidungen, die auf Grundlage von IT gestützten Systemen getroffen werden.[9] Allerdings ist dieser Aspekt der Definition von Green IT nicht weit verbreitet und es muss hinterfragt werden, wie sehr sich Industrie und Konsumenten von Green IT in seinen Entscheidungen beeinflussen und leiten lassen. In der Arbeit wird sich auf Green-IT-Aspekte aus den ersten beiden Kreisen konzentriert.

2.2 Historische Entwicklung

Im Jahr 2007 tauchte der Begriff Green IT erstmals in wissenschaftlichen Publikationen auf.[10] Allerdings haben Bestrebungen zur Einsparung von Ressourcen und Energie von Informationstechniken schon vor mehreren Jahren begonnen. Um die historische Entwicklung der Green IT darzustellen, muss diese in Verbindung mit der Entwicklung des Nachhaltigkeitsgedanken integrativ betrachtet werden. Neben dem allgemeinen gesellschaftlichen Bewusstsein von Nachhaltigkeit und der Reduzierung von negativen Einflüssen auf die Umwelt hat sich dieses Denken auch im IT-Umfeld entwickelt. Folgend werden einige fundamentale Entwicklungsschritte aufgeführt.

Den wohl ersten Schritt zur Entwicklung des Nachhaltigkeitsgedanken erfolgte durch die Veröffentlichung des Berichts „Our Common Future“ von der United Nations World Commission on Environment and Development im Jahre 1987. Der Bericht gibt eine bis heute anerkannte und viel zitierte Definition zur Nachhaltigkeit.[11]

Im Jahr 1992 wurde in den USA aufgrund des steigenden Stromverbrauchs das Energy Star Label eingeführt. Es gilt als Gütesiegel für energiesparende IT-Produkte.[12] Im Jahr 2003 wurde der Energy Star Label in der Europäischen Union eingeführt, was zur Entstehung eines weltweit anerkannten Gütesiegels führte.[13]

Einen indirekten Einfluss auf das Nachhaltigkeitsbewusstsein in der IT-Branche hatte das 1997 veröffentliche Kyoto-Protokoll der Vereinten Nationen. In diesem Zusatzprotokoll zum Rahmenübereinkommen über Klimaänderungen verpflichteten sich 193 Nationen zur Reduzierung des CO²-Ausstoßes.[14]

In 2003 wurden von der EU die sogenannten RoHS-Richtlinien (Restrictions of the use of certain Hazardous Substances) eingeführt. Diese regulieren beispielweise die Verwendung bestimmter schädlicher Rohstoffe wie Quecksilber und Blei.[15]

Durch die Verabschiedung der WEEE-Richtlinie (Waste of Electrical and Electronic Equipment) in 2003[16] wurden Hersteller verpflichtet, bereits bei der Produktion Vorkehrungen für die spätere Wiederverwendung zu treffen und Altgeräte von den Konsumenten kostenlos entgegenzunehmen und die Entsorgung zu finanzieren.[17]

Ein weiterer Schritt in Richtung Green IT war der im Jahr 2006 von der Umweltbehörde Greenpeace eingeführte „Guide to Greener Electronics“, durch den Hersteller über eine Ampelskala nach ökologischer Kriterien bewertet werden.[18]

Aufgrund der Weltwirtschaftskrise im Jahr 2007 bestand die Gefahr, dass das Augenmerk auf Nachhaltigkeit vernachlässigt würde. Jedoch beinhalteten viele Konjunkturpakete Investitionen in umweltschonende und ökologische Technologien. Alleine in Deutschland wurde eine Investitionssumme von fast sechs Milliarden für solche Technologien festgelegt.[19] Ziel von Vertretern der Bundesregierung, Wirtschaft und Forschung war es, Deutschland zum Vorreiter im Bereich der Green IT zu machen.[20]

Momentan sind der Green IT verwandte Themen wie Virtualisierung oder Cloud Computing in den Medien eher omnipräsent. Dadurch ergibt sich die Möglichkeit, Green IT außerhalb des öffentlichen Blickfelds zu fördern und weiterzuentwickeln. Unterstützt werden diese Bemühungen beispielsweise durch die 2012 verabschiedete Energieeffizienz-Richtlinie der EU, welche eine Energieeinsparung von 20 % bis 2020 festlegt.[21]

3. Einsatzmöglichkeiten

Das Fraunhofer-Institut teilt Green IT und die daraus resultierende Maßnahmen in die vier Themenbereiche Green Information, Green Components, Green Network und Green Computing auf. Im Folgenden werde diese kurz definiert und Maßnahmen für mittelständische Unternehmen ermittelt.

3.1 Green Information

Unter dem Aspekt Green Information werden alle Maßnahmen zusammengefasst, welche Informationen mit Bezug auf Nachhaltigkeit bereitstellen. Dazu zählen beispielsweise Energieeffizienzmessungen anhand derer Optimierungen vorgenommen werden können.[22] Für die erfolgreiche Umsetzung einer Green-IT-Strategie kann auf Informationen solcher Art nicht mehr verzichtet werden. Dazu kann zum einen zur Erfassung als zum anderen zur Planung und Steuerung von Gegenmaßnahmen auf Betriebliche Umweltsysteme (BUIS) zurückgegriffen werden.[23] Diese können besonders in Hinblick auf den Energie- und Materialverbrauch rentabel sein. Zudem können Sie zur Kontrolle der Einhaltung von Umweltrichtlinien genutzt werden.[24] Es wird aus Kostengründen jedoch empfohlen, von unabhängigen Insellösungen abzusehen und Systeme zu verwenden, welche in bestehende ERP-Systeme integriert werden können.[25]

Eine weitere Möglichkeit ist der Einsatz von sogenannten Smart Metern. Unter einem Smart Meter versteht man ein Messsystem, das „den tatsächlichen Energieverbrauch und die tatsächliche Nutzungszeit widerspiegelt“.[26] Die Informationen, die solche Messsysteme bereitstellen, können sowohl dem Verbraucher bzw. Kunden als auch dem Stromerzeuger dienen. Für den Kunden kann der Verbrauch bewusster erfolgen, genauer kalkuliert und Schwachstellen aufgedeckt werden. Die entstehende Preistransparenz kann zu stärkerem Wettbewerb im Energiesektor führen, wodurch Stromerzeuger durch beispielsweise flexible Preisgestaltung Anreize schaffen können, den Stromverbrauch zu verringern.[27]

Eine zusätzliche und nicht zu unterschätzende Maßnahme ist die Sensibilisierung von Mitarbeitern für das Thema Green IT. Durch Schulungen kann den Mitarbeitern ein Umweltbewusstsein beim täglichen Umgang mit den Gerätschaften vermittelt werden. Das betrifft simple Maßnahmen wie zum Beispiel das Ausschalten der Geräte nach Beendigung des Arbeitstages. Außerdem herrscht in der Dematerialisierung ein hohes Einsparpotenzial, indem beispielweise Ausdrücke verringert werden. Zudem sollten die Mitarbeiter frühzeitig über die Umsetzung von Green-IT-Maßnahmen informiert und eingebunden werden. So entwickelt sich eine größere Akzeptanz für eine umweltbewussten Arbeitsweise und zukünftige Projekte.[28]

3.2 Green Components

Mit Components ist nichts anderes als die Hardware der IT-Systeme gemeint. In deutschen Unternehmen gab es in 2010 ca. 26,5 Millionen Endgeräte. Der größte Anteil fällt auf Desktop-PCs und Laptops.[29] Die Anzahl von Rechenzentren und Serverschränken beläuft sich auf mehr als eine Million.[30] Die Einsparmöglichkeiten in der Hardware sind erheblich. Laut einer Studie der Deutschen Energie-Agentur (dena) können Unternehmen mit 130 Mitarbeitern bei konsequenter Umsetzung von Green-IT-Strategien bis zu 75 % der IT-Stromkosten reduzieren.[31] Weitere Studien gehen sogar davon aus, dass mittelständische Unternehmen beim Einsatz von energieeffizienter Hardware und IT-Peripherien mit langen Erneuerungszyklen bis zu 75 % der Betriebskosten einsparen können.[32] Dennoch spielte das Energiesparpotenzial bei vielen Unternehmen in der Beschaffung neuer Hardware nur eine geringe Rolle. Als Gründe sind hier unklare Zuständigkeiten oder fehlende Richtlinien zur Nutzung von energieeffizienter Hardware zu nennen. Das verdeutlicht, dass beim Einkauf neue Beschaffungskriterien geschaffen werden müssen. Die Anschaffungskosten als Hauptkritikpunkt sollten um Kriterien wie Energieeffizienz und umweltgerechte Entsorgung erweitert werden. Der Einkauf neuer Hardware sollte über den gesamten Zeitraum seines Lebenszyklus betrachtet werden. Bei der Kostenrechnung kann sich dabei an Öko-Labels wie dem Energy Star orientiert werden.

Daneben gibt es bei der Hardware technische Neuerungen, wodurch der Energieverbrauch stark reduziert werden kann. Unternehmen könnten sogenannte Solid State Drives (SSD) einsetzen. Diese Flashspeicher haben einen deutlich niedrigeren Strom- und Kühlungsbedarf als die noch weit verbreiteten Hard Disk Drives (HDD).[33] Durch den Einsatz kann dabei vor allem in Rechenzentren ein großer Energieanteil eingespart werden. Denn in den Rechenzentren wird 35 bis 50 % der Energie für Kühlung verbraucht.[34]

Eine weitere Maßnahme ist der Einsatz von Thin Clients oder auch Terminals genannt. Bei Thin Clients handelt es sich um Endgeräte, welche die Rechenleistung von externen Servern zur Verfügung gestellt bekommen. Die Datenverarbeitung findet komplett auf diesen Servern statt. Dadurch benötigen die Thin Clients keine Komponenten wie Festplatten oder Lüfter.[35] Thin Clients haben den Vorteil von niedrigen Beschaffungs- und Betriebskosten. Zudem sind die aufgrund der kompakten Ausstattung weniger wartungsintensiv. Die Wartungskosten belaufen sich auf immerhin ca. 80 % der Gesamtkosten eines Computer-Arbeitsplatzes. Ein weiterer Vorteil ist die hohe Lebensdauer, welche ungefähr doppelt so hoch ist wie die von Desktop-PCs. Da bei Thin Clients auf bewegliche Teile verzichtet werden kann, sind diese weniger fehleranfällig.[36] Besonders interessant werden die Thin Clients für Unternehmen aufgrund ihres niedrigen Stromverbrauchs im Vergleich zu Desktop-PCs, welcher mehr als doppelt so gering ist. Dadurch können alleine bei den Stromkosten ungefähr 64 € pro Thin Client eingespart werden.[37] Ebenso stellt der Einsatz von Notebooks eine Alternative zu den herkömmlichen Desktop-PCs dar. Der Energieverbrauch ist ähnlich gering wie der von Thin Clients. Allerdings haben sie höhere Anschaffungskosten und einen geringeren Lebenszyklus sowie Schwachstellen im stationären Gebrauch.

Abschließend muss erwähnt werden, dass bei der Einkaufsentscheidung die Anforderung an die Rechenleistung ebenfalls in Betracht gezogen werden muss. Bei hohem Bedarf stellen die Desktop-PCs hier trotz ökologischer Schwachstellen die beste Lösung dar. Bei geringerem Bedarf und einer größeren Anzahl an Nutzern sind Thin Clients in Bezug auf Kostenfragen die beste Option.[38]

3.3 Green Networks

Für die Etablierung von flächendeckenden Green-IT-Strategien wird ein ausgebautes Breitbandnetz vorausgesetzt.[39] Das Stromnetz ist eines dieser Netze. Erweitert mit Informations- und Kommunikationstechnik wird es zum Smart Grid.[40] Unter Smart Grid versteht man die „intelligente Nutzung aller zur Verfügung stehenden Ressourcen sowie […] die Optimierung und Integration des Gesamtsystems der Elektrizitätsversorgung“[41] die „von der Gewinnung des Stroms über die Speicherung, den Transport, die Verteilung bis hin zur effizienten Verwendung“[42] ausreicht. Durch den Wechsel zu erneuerbaren Energien und den geplanten Atomausstieg sind Smart Grids verstärkt ins Blickfeld gerückt. Doch auf den ersten Blick erscheinen sie weniger als Maßnahmen für Unternehmen, sondern mehr als ein politisches Aufgabengebiet. Allerdings ergeben sich für Unternehmen durch den Aufbau intelligenter Stromnetze neue Marktpotenziale, da es zu einem partiellen Zusammenschluss der Energie- und ITK-Branche kommen kann.[43] Beispielsweise kann die Vorhersage für die Stromeinspeisung erneuerbarer Energie ein neues Geschäftsfeld darstellen, welches durch innovative Softwarelösungen bei relativ niedrigen Entwicklungskosten und hohem Umsatzpotenzial erschlossen werden kann.[44] Green Network bietet mittelständischen Unternehmen also großes Potenzial bei den Zielen der Kostensenkung und Geschäftsfelderschließung. Weiteres Umsatzpotenzial liegt dabei in den Bereich Mobilität und Logistik. Der Einsatz von Softwarelösungen zur Verbesserung der Transportrouten und –auslastung ist bereits weit verbreitet und birgt nur noch geringes Potenzial. Fokussiert werden sollten IT-Systeme, die Einfluss auf das Fahrverhalten nehmen und den Verkehrsfluss steuern. Das erhöht die Effizienz der Fuhrpark und kann zu hohen Kosteneinsparungen führen.[45]

Unternehmen sollten ebenfalls die Optimierung ihrer Mobilitätskonzepte in Betracht ziehen. Eine gute Möglichkeit Kosten einzusparen besteht darin, indem man Geschäftsreisen durch Videokonferenzen ersetzt. Alleine in 2016 kam der deutsche Mittelstand auf ca. 138 Millionen Geschäftsreisen, die mit ca. 37 Milliarden Euro Kosten verbunden waren.[46] Allerdings stößt die Umstellung bislang auf wenig Akzeptanz, da viele Unternehmen die hohen Anschaffungskosten für Konferenzsysteme scheuen.[47] Studien zeigen jedoch, dass sich solche Systeme innerhalb des ersten Jahres amortisieren.[48] Das in den letzten Jahren immer populärer werdende Einführen von Home Office stellt eine weitere Gelegenheit der Verbesserung der Ökobilanz eines Unternehmens dar. Zudem können Unternehmen ihr Firmenimage verbessern, indem Arbeitswege durch Fahrten mit dem Fahrrad oder dem öffentlichen Nahverkehr subventioniert werden.

3.4 Green Computing

Die wohl größten Einsparungen können Unternehmen in diesem Bereich erzielen. Allgemein versteht man darunter den Einsatz von IT-Systemen unter ökologischen Aspekten. Besonders bei Rechenzentren liegt hier ein hohes Einsparpotenzial. Im Jahr 2008 wurden im Mittelstand ca. 1,3 Millionen Server in Rechenzentren betrieben, welche für Energiekosten in Höhe von 488 Millionen Euro verantwortlich waren.[49] Das größte Problem fast aller Rechenzentren ist die geringe Auslastung der Server, welche durchschnittlich nur zwischen zehn und 30 % liegt.[50] Das stellt in dem Fall ein Problem dar, da Server auch im Leerlauf fast 70 % der Energie verbrauchen, die sie unter Komplettauslastung benötigen würden.[51] Zur Problembehebung bieten sich Virtualisierungstechniken an. Dadurch wird die Auslastung und gleichzeitig die Effizienz der Server erhöht. „Bei der Virtualisierung wird mithilfe von Software das Vorhandensein von Hardware simuliert und ein virtuelles Computersystem erstellt. Auf diese Weise können Unternehmen mehr als nur ein virtuelles System – und mehrere Betriebssysteme und Anwendungen – auf einem einzigen Server ausführen.“[52] Durch den Einsatz von Virtualisierung werden die Kühlungskosten reduziert, wodurch bis zu 75 % des Energieverbrauches eingespart werden können.[53] Je nach Größe der Rechenzentren sind die Virtualisierungstechniken auch auf den Mittelstand übertragbar. Bei kleinen Unternehmen stellt die Virtualisierung nicht zwingend einen rentablen Nutzen dar und ist mit hohem Administrationsaufwand verbunden. Allerdings gibt es attraktive Optionen wie Outsourcing, Konsolidierung und Contracting. Beim Outsourcing werden die Serverstrukturen auf externe Rechenzentren umgelegt und der Zugriff über eine Cloud gewährleistet. Bislang haben jedoch rund 85 % der Kleinunternehmen noch kein Vertrauen zum Cloud Computing gefunden.[54] Eine Möglichkeit diese Skepsis zu verringern wäre ein Zusammenschluss der Unternehmen in Verbundgruppen. Die konsolidierten Server könnten dann in gemeinsamen Rechenzentren betrieben werden, die unternehmerische Selbstständigkeit bliebe aber weiterhin erhalten. Wie bei der Virtualisierung ergeben sich hier Vorteile wie geringe IT-Kosten, eine höhere Energieeffizienz und bessere Auslastung.[55]

Sollten Unternehmen sich dazu entscheiden ein eigenes Rechenzentrum betreiben, können durch sogenanntes Contracting Energiesparpotenziale erreicht werden. Mit „Energie-Contracting ist ein integriertes Energiedienstleistungprodukt [gemeint], um die Energie- und Kosteneffizienz […] langfristig zu verbessern. Ein externer Energiedienstleister […] erbringt ein modulares Maßnahmenpaket […]. Der Contractor übernimmt technisch-wirtschaftliche Risiken und gibt Garantien für die Kosten und Ergebnisse der Energiedienstleistung über die gesamte Vertragslaufzeit.“[56] Was bisher überwiegend für Gebäude und Produktionsanlegen angewendet wird, könnte ebenso für Rechenzentren etabliert werden. In dem Fall würde der Contractor Schwachstellen der Rechenzentren ermitteln und Einsparpotenziale aufdecken und beheben. Durch die Ausweitung ergeben sich den Unternehmen garantierte Einsparungen. Im Gegenzug wird der Contractor an den Einsparungen beteiligt. Diese Strategie bietet Unternehmen die Möglichkeit ohne Investitionskapital eine Green-IT-Maßnahme einzuführen. Zudem ergeben sich potenzielle Geschäftsfelder, indem z.B. selbst als Berater für Energie-Contracting aufgetreten werden kann.[57]

[...]


[1] Bundeskanzlerin Angela Merkel auf der 11. Jahreskonferenz des Rates für nachhaltige Entwicklung (20.06.2011).

[2] Vgl. Statista, (2016), o.S.

[3] Vgl. Fraunhofer-Institut, (2009), S. 11.

[4] Vgl. Fraunhofer-Institut, (2009), S. 66.

[5] Vgl. IfM, (2013), o.S.

[6] Vgl. OECD, (2010), S. 8.

[7] Vgl. OECD, (2010), S. 9.

[8] Ebd.

[9] Vgl. OECD, (2010), S. 10.

[10] Vgl. Zarnekow R./Kolbe L., (2013), S. 17.

[11] Vgl. Zarnekow R./Kolbe L., (2013), S. 16.

[12] Vgl. Energy Star, (2013), o.S.

[13] Vgl. Zarnekow R./Kolbe L., (2013), S. 16.

[14] Vgl. Vereinte Nationen, (1999), o.S.

[15] Vgl. Europäische Parlament, (2011), S. 13

[16] Vgl. Europäische Parlament, (2011), S. 1.

[17] Vgl. Bundesministerium der Justiz, (2005), S. 5.

[18] Vgl. Zarnekow R./Kolbe L., (2013), S. 17.

[19] Vgl. OECD, (2010), S. 13.

[20] Vgl. BMWT, (2010), S.10.

[21] Vgl. Fraunhofer-Institut, (2013), S.15.

[22] Vgl. Fraunhofer-Institut, (2009), S. 96.

[23] Vgl. Ratenstrauch C., (1999), S.11.

[24] Vgl. Haasis H., (1999), S. 1 ff.

[25] Vgl. Meyer J., (2011), S. 278.

[26] Bundesministerium der Justiz, (2005), S. 53.

[27] Vgl. BMWT, (2013), o.S.

[28] Vgl. BLFU, (2012), S. 17 ff.

[29] Vgl. Borderstep Institut für Innovation und Nachhaltigkeit, (2012), S. 50.

[30] Vgl. Umweltbundesamt, (2010), S. 13.

[31] Vgl. dena, (2012), S.7.

[32] Vgl. Beauftragte der Bundesregierung für Informationstechnik, (2011), S. 95.

[33] Vgl. Wüst K., (2009), S. 37.

[34] Vgl. Gartner, (2008), o.S.

[35] Vgl. Fraunhofer-Institut, (2008), S. 10.

[36] Vgl. Bitkom, (2008), S. 6 ff.

[37] Ebd.

[38] Vgl. Bitkom, (2010), S. 3.

[39] Vgl. Fraunhofer-Institut, (2009), S. 97.

[40] Vgl. Borderstep Institut für Innovation und Nachhaltigkeit, (2012), S. 58 ff.

[41] BMWT, (2013), S.12.

[42] Ebd.

[43] Vgl. BMWT, (2010), S.7.

[44] Vgl. Boston Consulting Group, (2010), S. 51 f.

[45] Vgl. Boston Consulting Group, (2010), S. 42.

[46] Vgl. Verband deutsches Reisemanagement, (2016), S. 5.

[47] Vgl. Boston Consulting Group, (2010), S. 59.

[48] Vgl. dena, (2012), S.19.

[49] Vgl. Borderstep Institut für Innovation und Nachhaltigkeit, (2012), S. 4.

[50] Vgl. Cato A./Schreiber H., (2010), S. 217.

[51] Vgl. Umweltbundesamt, (2010), S. 77.

[52] VMware, (o.J), o.S.

[53] Vgl. Boston Consulting Group, (2010), S. 23.

[54] Vgl. Vanson, (2012), S. 11.

[55] Vgl. Beauftragte der Bundesregierung für Informationstechnik, (2011), S. 18.

[56] Prognos, (2010), S. 35.

[57] Vgl. Prognos, (2010), S. 49.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Green IT. Einsatzmöglichkeiten und Risiken für mittelständische Unternehmen
Hochschule
FOM Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Köln
Veranstaltung
IT-Management
Note
1,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
24
Katalognummer
V371213
ISBN (eBook)
9783668491472
ISBN (Buch)
9783668491489
Dateigröße
466 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Green IT, IT, IT-Management, Risiken, Einsatzmöglichkeiten, Chancen, Chance, Risiko, Green, Umweltfreundlich, Sauber, Energie, Grün, Green Information, Green Components, Green Networks, Green Computing, Umwelt, Sparen, IKT, WEEE, HDD, Hard Disk Drive, dena, BUIS, BMWT, Solid State Drive, Umweltsysteme, ERP, Smart Meter
Arbeit zitieren
Alexander Kloska (Autor), 2016, Green IT. Einsatzmöglichkeiten und Risiken für mittelständische Unternehmen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/371213

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