Technischer Fortschritt und Innovationen gelten als Wachstumsmotor der Wirtschaft und sind der Treiber für strukturelle Veränderungen. Bereits Schumpeter bezeichnete die Innovationstätigkeit als einen Prozess der schöpferischen Zerstörung.
1 Durch Innovationen werden erschöpfte Wohlstandsquellen durch neue ersetzt.
Sie sorgen für die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen und Volkswirtschaften und können dazu beitragen, die Arbeitslosigkeit zu senken.
Gleichzeitig kommt auch dem Mittelstand eine zentrale Rolle zu. Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) stellen 99,7 % aller Unternehmen in Deutschland. Sie tragen die Beschäftigung (70 % der Arbeitsplätze), übernehmen einen Großteil der Ausbildungsleistung (80 % der Ausbildungsplätze) und erwirtschaften 49 % des BIP.2
In Anbetracht der großen Tragweite von Innovationen im Wirtschaftsprozess und dem wichtigen Beitrag des Mittelstands zur wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit ist es daher nur folgerichtig, das Innovationsverhalten kleiner und mittlerer Unternehmen zu stärken und zu fördern sowie Innovationshemmnisse abzubauen.
Durch den Wandel zur Wissensgesellschaft und den zunehmenden weltweiten Wettbewerb werden die Bedeutung von Innovationen und die Anforderungen an Unternehmen noch verstärkt. Innovationen werden zu einer notwendigen Bedingung für die erfolgreiche Entwicklung eines Unternehmens – und damit letztlich auch einer Volkswirtschaft – in einem dynamischen Umfeld.
Die Innovationsthematik und die Mittelstandspolitik umfassen ein sehr weites Feld, das folglich nicht in allen Aspekten diskutiert werden kann.
Die vorliegende Arbeit untersucht das Innovationsverhalten der Wirtschaft im Allgemeinen und des Mittelstands im Besonderen. Dabei werden die Bedeutung von Innovationen herausgestellt, Einflussfaktoren auf die Innovationstätigkeit untersucht und innovationspolitische Maßnahmen diskutiert.
„Innovation“ ist ein schillernder Begriff, der oftmals unterschiedlich verwendet wird.
Daher ist zunächst eine nähere Begriffsbestimmung erforderlich. In Kapitel 1 werden nach einer Abgrenzung zu verwandten Ausdrücken unterschiedliche Definitionen und Betrachtungsweisen des Innovationsbegriffs vorgestellt.
Innovationen wirken sich in vielfältiger Weise aus. Die öffentliche Diskussion über die Folgen von Innovationen in allen Bereichen der Gesellschaft, Politik und Wirtschaft verdeutlicht ihre große Bedeutung, die im Rahmen der Globalisierung und der Wissensintensivierung noch zunimmt.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Innovation – Begriff, Arten, Ablauf
1.1. Abgrenzung des Innovationsbegriffs
1.2. Innovation als Prozess
1.3. Differenzierung nach dem Gegenstandsbereich
1.4. Differenzierung nach dem Grad der Erneuerung
1.5. Innovationen nach dem Auslöser
2. Bedeutung und Auswirkungen von Innovationen
2.1. Volkswirtschaftliche Effekte von Innovationen
2.2. Betriebswirtschaftliche Effekte von Innovationen
3. Einflussfaktoren auf das Innovationsverhalten
3.1. Unternehmensgröße und Marktmacht
3.2. Marktstruktur
3.3. Sonstige Einflussgrößen
3.3.1. Unternehmenscharakteristik
3.3.2. Unternehmensumwelt
4. Das Innovationsverhalten in Zahlen
4.1. Zur Messbarkeit von Innovationen
4.2. Innovationsaktivitäten der deutschen Wirtschaft allgemein
4.3. Innovationsaktivitäten nach der Unternehmensgröße
4.4. Innovationsaktivitäten nach weiteren Einflüssen
5. Innovationshemmnisse
6. Die Innovationspolitik des Bundes
6.1. Aktivitäten, Gründe und Ziele
6.2. Die Fördermaßnahmen im Überblick
6.3. Wirksamkeit und Kritik
7. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das Innovationsverhalten der deutschen Wirtschaft mit einem besonderen Fokus auf kleine und mittlere Unternehmen (KMU). Ziel ist es, die ökonomische Bedeutung von Innovationen herauszuarbeiten, die theoretischen und empirischen Einflussfaktoren auf die Innovationstätigkeit zu analysieren sowie die Relevanz staatlicher Innovationspolitik für den Mittelstand kritisch zu diskutieren.
- Theoretische Grundlagen und Abgrenzung des Innovationsbegriffs
- Volkswirtschaftliche und betriebswirtschaftliche Effekte von Innovationen
- Analyse von Einflussfaktoren wie Unternehmensgröße, Marktmacht und Marktstruktur
- Empirische Betrachtung der Innovationsaktivitäten in Deutschland
- Identifikation und Kategorisierung von Innovationshemmnissen im Mittelstand
- Evaluierung der staatlichen Innovationspolitik und Fördermaßnahmen für KMU
Auszug aus dem Buch
1.1. Abgrenzung des Innovationsbegriffs
Bevor der Innovationsbegriff näher beleuchtet wird, ist es zunächst erforderlich, zwischen den beiden Begriffen „Invention“ und „Innovation“ zu differenzieren, die im allgemeinen Sprachgebrauch häufig, jedoch fälschlicherweise synonym, verwendet werden.
Invention wird oft mit Erfindung gleichgesetzt. Eine Invention meint die erstmalige technische Realisierung einer neuen Problemlösung als Ergebnis von Forschung und Entwicklung. Dagegen ist eine Innovation durch den Verwertungsbezug bzw. durch die praktische Anwendung einer neuartigen Lösung charakterisiert. Eine Innovation meint die erstmalige wirtschaftliche Nutzung einer neuen Problemlösung. Sie umfasst demnach die ökonomische Optimierung der Wissensverwertung. Es geht hierbei um die Markteinführung der Invention. Eine Invention stellt daher eine notwendige Vorstufe der Innovation dar.
Ebenfalls abzugrenzen ist die nachgelagerte Seite des Innovationsprozesses. Durch den Begriff der Imitation oder Nachahmung wird in diesem Zusammenhang die Erstmaligkeit einer Neuerung analysiert. Imitation meint die wiederholte Anwendung einer neuen Problemlösung durch Übernehmer in anderen Unternehmen. Obwohl es sich um keine absolute Neuartigkeit handelt, können Imitationen aus der subjektiven Sicht eines Unternehmens ebenfalls als Innovationen bezeichnet werden. Sie sind somit von absoluten Neuheiten, die bisher noch nicht zur Anwendung gekommen sind, zu unterscheiden.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die Bedeutung von Innovationen als Wachstumsmotor und die zentrale Rolle des Mittelstands für die deutsche Wirtschaft.
1. Innovation – Begriff, Arten, Ablauf: Definition der Begriffe Invention und Innovation sowie Kategorisierung von Innovationsarten und deren prozessualer Charakter.
2. Bedeutung und Auswirkungen von Innovationen: Analyse der makroökonomischen Effekte auf Konjunktur und Wachstum sowie der betriebswirtschaftlichen Auswirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit.
3. Einflussfaktoren auf das Innovationsverhalten: Untersuchung der theoretischen Determinanten, insbesondere der Unternehmensgröße, der Marktmacht und weiterer unternehmensinterner sowie -externer Faktoren.
4. Das Innovationsverhalten in Zahlen: Empirische Auswertung der Innovationsaktivitäten in Deutschland unter Berücksichtigung verschiedener Unternehmensgrößen und Einflussfaktoren.
5. Innovationshemmnisse: Darstellung der Hürden, die Unternehmen an der erfolgreichen Durchführung von Innovationsprojekten hindern, mit speziellem Fokus auf KMU.
6. Die Innovationspolitik des Bundes: Diskussion der staatlichen Interventionsgründe und Überblick über die konkreten Fördermaßnahmen und deren kritische Beurteilung.
7. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Innovationsfähigkeit des Mittelstands und Empfehlungen für eine zukunftsorientierte Politikgestaltung.
Schlüsselwörter
Innovation, Mittelstand, KMU, Forschungs- und Entwicklungsausgaben, Innovationsmanagement, Wettbewerbsfähigkeit, Innovationshemmnisse, Innovationspolitik, FuE, Marktstruktur, Technologie-Transfer, Wachstum, Investitionen, Risikokapital, Strukturwandel
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Innovationsverhalten kleiner und mittlerer Unternehmen im Vergleich zu Großunternehmen in Deutschland sowie die Rolle der staatlichen Förderung.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder umfassen Begriffsdefinitionen von Innovationen, ökonomische Auswirkungen, Einflussfaktoren, empirische Daten zur Innovationsleistung und die staatliche Innovationspolitik.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, das Innovationsverhalten des Mittelstands zu beleuchten und aufzuzeigen, wie Innovationsfähigkeit durch politische Maßnahmen gestärkt werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, in der theoretische Modelle der Innovationsforschung mit aktuellen empirischen Daten verschiedener Institute verknüpft werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden Einflussfaktoren wie Unternehmensgröße und Marktstruktur diskutiert, das Innovationsverhalten anhand von Statistiken analysiert und Hemmnisse für den Mittelstand identifiziert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Innovation, Mittelstand, Wettbewerbsfähigkeit, Innovationshemmnisse, FuE-Aktivitäten und staatliche Förderpolitik geprägt.
Warum haben KMU im Innovationsprozess andere Herausforderungen als Großunternehmen?
KMU verfügen oft über weniger finanzielle Ressourcen, eine schlechtere Eigenkapitalausstattung und haben Schwierigkeiten beim Zugang zu Fachpersonal und externem Know-how.
Ist staatliche Innovationsförderung aus Sicht der Arbeit grundsätzlich sinnvoll?
Ja, sofern sie Marktversagen wie Informationsasymmetrien korrigiert, jedoch muss sie kritisch auf Mitnahmeeffekte und die Beeinträchtigung unternehmerischer Entscheidungsfreiheit geprüft werden.
- Quote paper
- Alexander Gerth (Author), 2003, Das Innovationsverhalten des Mittelstands, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/37124