Dieser Essay behandelt verschiedene Autorenkonzeptionen.
Die Auffassungen hinsichtlich Autoren und schriftstellerischem Schaffen machten im Laufe der Zeit einen Wandel durch. Während in der Barockzeit um 1700 die Einstellung bestand, Lyrik folge gewissen Regelmäßigkeiten und sei damit erlernbar, dominierte um 1800 der autonome, geniale Autor. Die Genieästhetik führte zu einem radikalen Einschnitt in der Regelpoetik.
Inhaltsverzeichnis
1. Autorkonzeptionen: vom poeta doctus zum Genie
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht den historischen Wandel der Autorkonzeptionen, ausgehend von der regelpoetischen Tradition des Barock hin zur Genieästhetik des 18. Jahrhunderts, und analysiert die damit verbundenen Konsequenzen für die Literaturproduktion und -rezeption.
- Wandel von der Regelpoetik zur Genieästhetik
- Die Rolle des "poeta doctus" bei Opitz und Gottsched
- Das Geniekonzept bei Lessing und Young
- Vergleich von Nachahmung und Originalität
- Einfluss der Autorkonzeption auf die Textinterpretation
Auszug aus dem Buch
Autorkonzeptionen: vom poeta doctus zum Genie
Die Auffassungen hinsichtlich Autoren und schriftstellerischem Schaffen machten im Laufe der Zeit einen Wandel durch. Während in der Barockzeit um 1700 die Einstellung bestand, Lyrik folge gewissen Regelmäßigkeiten und sei damit erlernbar, dominierte um 1800 der autonome, geniale Autor. Die Genieästhetik führte zu einem radikalen Einschnitt in der Regelpoetik.
„Vater der deutschen Dichtkunst“ Martin Opitz setzt in seinem Werk „Buch von der deutschen Poetery“ (1624) den Maßstab zur Schematisierung deutscher Dichtung und führte in die Regel- und Nachahmungspoetik ein. Seine aufgestellten Forderungen, beispielsweise die Eingrenzung auf die Metren Jambus und Trochäus, die Anwendung des Alexandriners, sowie die Etablierung reiner deutscher Sprache wurden zu einschneidenden Veränderungen. Das Opitz’sche Lehrbuch, welches an Vorbildern wie Aristoteles und Julius Caesar Scaliger orientiert war, präsentiert Poesie aufgrund der klaren Forderungen als systematisch erlernbares Handwerk. Durch das eingehende Studieren von Lehrbüchern könne jedes Individuum literarisch produzieren, möge die Vermutung lauten. Jedoch widerspricht Opitz dieser Spekulation. Nicht Regeln und Gesetze bilden den Poeten, sondern die „regung des Geistes“ muss zum Schreibakt anregen. Hierbei handelt es sich um etwas nicht Erlernbares, vielmehr um eine Eigenschaft und Haltung aus dem Subjekt selbst heraus. Angesichts des späteren Wandels der Autorenrolle erscheint dieser Gedanke modern und fortschrittlich, signalisiert bereits eine Tendenz zum späteren Geniebegriff.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Autorkonzeptionen: vom poeta doctus zum Genie: Dieses Kapitel zeichnet den historischen Prozess nach, in dem sich das Verständnis des Autors von einem handwerklich geschulten "poeta doctus" hin zu einem autonomen Genie wandelte, und beleuchtet dabei die theoretischen Positionen von Opitz, Gottsched, Lessing und Young.
Schlüsselwörter
Autorkonzeption, Regelpoetik, Genieästhetik, poeta doctus, Martin Opitz, Johann Christoph Gottsched, Gotthold Ephraim Lessing, Edward Young, Nachahmungspoetik, Originalität, Literaturtheorie, Barocklyrik, Produktionsästhetik, Gelehrsamkeit, Interpretationsspielraum
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit thematisiert den historischen Wandel des Autorbegriffs in der deutschen Literaturgeschichte, insbesondere den Übergang von der regelbasierten Dichtung des Barock zur Genieästhetik um 1800.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind Regelpoetik, Nachahmung, der "poeta doctus", die Genieästhetik sowie die Auswirkungen dieser Konzepte auf die Qualität und Interpretation von literarischen Werken.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die theoretischen Verschiebungen in der Autorenrolle darzustellen und zu zeigen, wie diese den Wandel von normativen Forderungen hin zur Subjektivierung des künstlerischen Schaffens beeinflussten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturtheoretische Analyse, die zentrale Texte der Poetologie (u.a. von Opitz, Gottsched, Lessing und Young) im historischen Kontext miteinander vergleicht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Anforderungen an den Autor bei Opitz und Gottsched, den Gegenentwurf der Genieästhetik bei Lessing und Young sowie die daraus resultierenden Konsequenzen für die literarische Qualität und Rezeption.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Genieästhetik, Regelpoetik, poeta doctus, Nachahmung, Originalität und Autorschaft definiert.
Wie unterscheidet sich die Auffassung von Opitz von der späterer Genie-Vertreter?
Opitz sah Dichtung als erlernbares Handwerk, das jedoch durch die "regung des Geistes" belebt werden müsse, während die Genieästhetik das Handwerk und die Regelhaftigkeit zugunsten einer angeborenen, spontanen Originalität ablehnte.
Welche Rolle spielt die Metapher der "Krücken" bei Edward Young?
Young bezeichnet Regeln als "Krücken", die den Nicht-Genies als Hilfsmittel dienen, für das wahre Genie jedoch ein Hindernis darstellen, da dieses seine Originalität aus sich selbst schöpft.
- Citation du texte
- Anonym (Auteur), 2016, Autorenkonzeptionen. Vom poeta doctus zum Genie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/371245