Der vorliegende Essay untersucht die Stellung des Bundesverfassungsgerichts in der öffentlichen Wahrnehmung. Das Bundesverfassungsgericht steht in den letzten Jahren immer wieder im Mittelpunkt politischer Debatten. Je nachdem auf welcher Ebene man sich befindet und aus welcher Perspektive man das Verfassungsgericht betrachtet, kann man zu unterschiedlichen Ergebnissen in der Beurteilung der Institution Verfassungsgericht kommen. Auf der rein funktionslogischen Ebene, kann die zunehmende Justizialisierung diskutiert werden. Begibt man sich auf die Ebene der Bürger, ist es interessant zu schauen, wie das Gericht von der Gesellschaft bewertet wird.
Egal welche Perspektive man einnimmt, dem Verfassungsgericht kommt immer eine besondere Rolle zu. Betrachtet man sich das Verfassungsgericht in der Vergangenheit fällt auf, dass sich das Vertrauen in das Gericht in im Verlauf der Jahre geändert hat. Besonders interessant wäre hier zu schauen, wie das Gericht in dieser Zeit öffentlich in Erscheinung getreten ist und welche Entscheidungen es getroffen hat, um zu sehen in welchem Zusammenhang Entscheidungen und Vertrauen der Bevölkerung stehen. Im weiteren Verlauf sollen nun erstmal die aktuelle Stimmungslage bezüglich des Vertrauens gegenüber dem Verfassungsgericht analysiert werden.
Das Verfassungsgericht genießt in der Öffentlichkeit den größten Zuspruch der in Abbildung aufgelisteten Institutionen. Rein logisch sollte einen dieses Ergebnis überraschen, da das Gericht als einer der wenigen Institutionen nicht gewählt wird und somit möglicherweise eine geringere Legitimation aufweist, wie beispielsweise der Bundesregierung, welchem das geringste Vertrauen zugesprochen wird.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Das Verfassungsgericht
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Vertrauensverhältnis der deutschen Bevölkerung zum Bundesverfassungsgericht und analysiert, inwieweit die institutionelle Rolle des Gerichts sowie dessen politisch bedeutsame Entscheidungsfindung dieses Vertrauen beeinflussen.
- Vertrauenswerte im Vergleich zu anderen Verfassungsorganen
- Die Rolle des Bundesverfassungsgerichts als politischer Akteur
- Legitimation eines nicht gewählten Gerichts
- Einfluss kontroverser Rechtsprechung auf die öffentliche Wahrnehmung
- Wechselspiel zwischen Gesetzesauslegung und Gemeinwohl
Auszug aus dem Buch
Das Verfassungsgericht
Das Faktum des hohen Vertrauens in das Verfassungsgericht bedarf einer Erklärung. Hans Vorländer und Andre Brodocz fordern in ihrem Essay „Vertrauen in das Bundesverfassungsgericht“ auf Seite 259 nicht nur eine Erklärung sondern eine Aufklärung. Diese Aufklärung soll die reelle Arbeit des Verfassungsgerichts wiederspiegeln, da sich das Gericht als Institution der Judikative nicht rein auf der rechtlichen Ebene befindet, sondern durch ihr Handeln und Entscheidungen Einfluss auf den politischen Prozess hat.
Betrachtet man die zunehmende Jusitzialisierung durch das Gericht, kann man der Argumentation von Vorländer und Brodocz nur zustimmen. Der ursprüngliche Gedanke des Verfassungsgerichts als Hüter der Verfassung und damit als Schiedsrichter in einer passiven Rolle weicht immer mehr einer aktiven Rolle (vgl. Hönnige 2007: 241).
Als Beispiel kann der Wechsel von negativen zum positiven Gesetzgeber angeführt werden. Das Bundesverfassungsgericht legt die rechtlichen Rahmenbedingungen fest und ist in dem Fall negativer Gesetzgeber. Durch diesen Rahmen sind politische Akteure wie Parlament und Regierung eingeschränkt. Dies entspricht einem Eingriff in das demokratische Räderwerk. In einem nächsten Schritt antizipieren Politiker das Verhalten des Verfassungsgerichts und passen ihre Entscheidung dementsprechend an (vgl. Hönnige 2007: 241).
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die aktuelle Bedeutung des Bundesverfassungsgerichts im politischen Diskurs und präsentiert statistische Daten zum Vertrauensstand im Vergleich zu anderen Institutionen.
Das Verfassungsgericht: Dieses Kapitel erörtert die Gründe für das hohe öffentliche Vertrauen trotz der fehlenden demokratischen Wahl der Richter und analysiert die aktive Rolle des Gerichts als Akteur im politischen Prozess.
Schlüsselwörter
Bundesverfassungsgericht, Vertrauen, Legitimation, Judikative, Justizialisierung, Verfassungsrechtsprechung, Gemeinwohl, Politische Debatten, Institutionenvertrauen, Rechtsprechung, Grundgesetz, Demokratie, Out-of-Area-Urteil
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit im Kern?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse des gesellschaftlichen Vertrauens in das Bundesverfassungsgericht und untersucht, welche Faktoren dieses Vertrauen innerhalb der Bundesrepublik Deutschland prägen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Themen sind die Legitimation der Rechtsprechung, die Rolle des Gerichts als Hüter der Verfassung, der Wandel zur aktiven politischen Mitgestaltung sowie der Vergleich des Vertrauensniveaus mit anderen staatlichen Institutionen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, den Zusammenhang zwischen den Entscheidungen des Gerichts und dem Vertrauensverhältnis der Bevölkerung zu verstehen und zu klären, warum das nicht gewählte Verfassungsgericht oft ein höheres Vertrauen genießt als gewählte Regierungsorgane.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit stützt sich auf eine Analyse politikwissenschaftlicher Literatur, insbesondere der Arbeiten von Vorländer, Brodocz und Hönnige, sowie auf die Auswertung empirischer Umfragedaten zum Institutionenvertrauen.
Was sind die inhaltlichen Schwerpunkte im Hauptteil?
Im Hauptteil wird die zunehmende Justizialisierung diskutiert, die aktive Rolle des Gerichts als „positiver Gesetzgeber“ beleuchtet und anhand von Fallbeispielen untersucht, wie kritische Urteile das Vertrauen der Bürger beeinflussen können.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Institutionenvertrauen, Legitimation, Verfassungsgerichtsbarkeit, politische Steuerung und das Spannungsverhältnis zwischen Recht und Politik.
Warum genießt das Verfassungsgericht trotz fehlender Wahl so hohes Vertrauen?
Die Autorin argumentiert, dass das Gericht als unabhängiger Schiedsrichter wahrgenommen wird, der Entscheidungen „im Namen des Volkes“ trifft und sich dabei am Gemeinwohl orientiert, statt parteipolitischen Interessen zu folgen.
Welche Bedeutung hatte das Jahr 1994 für das Vertrauensverhältnis?
Das Jahr 1994 markierte einen Tiefpunkt im Vertrauen gegenüber dem Gericht, was maßgeblich auf die kontroversen Entscheidungen, wie etwa zum „Out-of-Area“-Einsatz deutscher Soldaten, zurückzuführen ist.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2015, Essay zur Verfassungsgerichtbarkeit in der Bundesrepublik Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/371254