In dieser wissenschaftlichen Arbeit soll dem auf den Grund gegangen werden: Kann für Kinder mit Migrationshintergrund und/oder aus sozial schwachen Familienverhältnissen durch eine Methode wie die alltagsintegrierte Sprachförderung Chancengleichheiten hergestellt werden?
Durch die verschiedenen nationalen und internationalen Vergleichsstudien zu Schulleistungen, Leseleistungen und vielem mehr wurden in Deutschland immer wieder öffentliche Diskussionen entfacht. Die Ergebnisse waren mehr als unbefriedigend und ließen die zuständigen bildungspolitischen Stellen sowie Forschungseinrichtungen des gesamten Landes nach Möglichkeiten zur Verbesserung unseres Bildungssystems suchen. Als mögliche Lösung wurde nun der frühkindliche institutionelle Bildungssektor verstärkt in den Blick genommen. Mit vielen Maßnahmen und Bemühungen sollte diese ungleiche Verteilung an Bildungsgütern und Chancen beseitigt werden.
Besonders die Tatsache, dass Kinder mit einem Migrationshintergrund zum Schuleintritt häufig gar nicht oder nur sehr schlecht die deutsche Sprache beherrschen, lässt die Politiker hoffen, dass sich früh einschleichende Chancenminderungen auf dem Bildungs- und Arbeitsmarkt verringern oder gar ganz vermieden werden können, wenn diese Kinder ihre Schullaufbahn mit gleichen Voraussetzungen beginnen wie Kinder deutscher Herkunft beginnen. Aufgrund dessen nehmen Sprachförderprogramme einen immer größeren Stellenwert in deutschen Kindertageseinrichtungen ein.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Frühkindliche institutionelle Bildung, Erziehung und Betreuung
2.1 Politische Interessen an Kindertageseinrichtungen
2.2 Gesetzesperspektiven
3 (Sprach-)Bildung in der frühen Kindheit
3.1 Bildung in der frühen Kindheit
3.2 Grundlagen der sprachlichen Entwicklung in der Kindheit
3.3 Varianten des (Mehr-)Spracherwerbs
3.4 Erwerbsschritte und Einflussfaktoren auf den Zweitspracherwerb
4 Sprachförderung in Kindertageseinrichtungen – Gründe, Wege, Fakten
4.1 Alltagsintegrierte Sprachförderung
4.2 Evaluationsstudie zur Sprachförderung im Elementarbereich
4.2.1 Praktische Umsetzung und Verständnis alltagsintegrierter Sprachförderung
4.2.2 Vorgehensweise und die zentralen Ergebnisse im Überblick
4.3 (Außer-)familiäre Einflüsse auf die kindliche Entwicklung
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwiefern die Methode der alltagsintegrierten Sprachförderung in Kindertageseinrichtungen dazu beitragen kann, Chancengleichheit für Kinder mit Migrationshintergrund sowie für Kinder aus sozial schwachen Familienverhältnissen herzustellen.
- Frühkindliche institutionelle Bildungs- und Betreuungsaufträge
- Grundlagen und Prozesse der kindlichen Sprachentwicklung
- Die Bedeutung von alltagsintegrierter Sprachförderung im Kindergartenalltag
- Analyse von Wirksamkeitsstudien im Bereich der Sprachförderung
- Einfluss familiärer und außerfamiliärer Faktoren auf Bildungsbiographien
Auszug aus dem Buch
3.2 Grundlagen der sprachlichen Entwicklung in der Kindheit
Der Spracherwerb in der frühen Kindheit stellt einen komplexen Prozess in der menschlichen Entwicklung dar, der entscheidend für den weiteren Bildungsverlauf ist. Sprache ist die wichtigste Instanz zwischenmenschlicher Kommunikation und befähigt jeden Einzelnen, Beziehungen zur Umwelt aufzunehmen und sich in ihr zu verständigen. Die sprachliche Bildung beginnt bereits vor der Geburt und ist ein Prozess, der sich im alltäglichen Leben stetig fortführt, ohne jemals abgeschlossen zu sein (vgl. Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen, S. 92). Um den bestmöglichen Zugang zu Bildungsgütern zu erhalten, muss man nicht nur die Landessprache, sondern auch die Bildungssprache beherrschen. Im Vergleich zur Alltagssprache ist die Bildungssprache um einiges komplexer. Jedoch ist es nicht allen Kindern unseres Landes gleichermaßen möglich, die Bildungssprache angemessen zu erlernen. Gründe für einen mangelhaften Erwerb der Bildungssprache können darin bestehen, dass Kinder aufgrund ihrer Herkunft bereits unsere Alltagssprache als Zweit-, Dritt- oder Mehrsprache nur unzureichend erlernen und beherrschen (vgl. Schröder/Keller, S. 4).
Die Sprache ist ein System von Zeichen und Regeln, das einer Gemeinschaft dazu dient, sich zu verständigen. Dabei erfüllt sie verschiedene Funktionen. Zum einen dient die Sprache der Informationsvermittlung; dadurch können Menschen sich schlicht und einfach verständigen. Des Weiteren kann man mit der Sprache Gedanken, Gefühle und Wünsche äußern. Sie hat also auch eine Ausdrucksfunktion. Sprache und Denken beeinflussen sich stets gegenseitig. Die kognitive Funktion von Sprache dient dazu, jemand anderem Erinnerungen und Vorstellungen mitzuteilen. Auch wenn man weiß, wozu die Sprache einem Menschen dient, ist es immer noch eines der größten psychologischen Mysterien, dass Kinder innerhalb von wenigen Jahren das höchst komplexe System der Sprache entschlüsseln und lernen, diese zu benutzen. Der Spracherwerb ist ein aktiver Prozess in der kindlichen Entwicklung anpassen (vgl. Horn/Skubinn, 2014, S. 109 ff.).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Chancenungleichheit ein und formuliert die zentrale Fragestellung zur Rolle der alltagsintegrierten Sprachförderung.
2 Frühkindliche institutionelle Bildung, Erziehung und Betreuung: Das Kapitel erläutert den politischen und rechtlichen Rahmen der frühkindlichen Bildung in Deutschland, insbesondere den Bildungsauftrag von Kitas.
3 (Sprach-)Bildung in der frühen Kindheit: Hier werden theoretische Grundlagen der kindlichen Entwicklung, Sprachaneignung und die Bedeutung von Mehrsprachigkeit erörtert.
4 Sprachförderung in Kindertageseinrichtungen – Gründe, Wege, Fakten: Dieses Kapitel stellt das Konzept der alltagsintegrierten Sprachförderung dar und analysiert Evaluationsstudien sowie familiäre Einflüsse.
5 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Sprachförderung zwar einen Beitrag zur Chancengleichheit leisten kann, soziale Disparitäten jedoch nicht vollständig aufzuheben vermag.
Schlüsselwörter
Alltagsintegrierte Sprachförderung, Chancengleichheit, frühkindliche Bildung, Spracherwerb, Migrationshintergrund, Kindertageseinrichtungen, Bildungssystem, Sprachstand, Sozialprofil, Sprachförderprogramm, institutionelle Betreuung, Sprachentwicklung, Bildungsgerechtigkeit, Mehrsprachigkeit, Pädagogik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Wirksamkeit von alltagsintegrierter Sprachförderung als Instrument, um bildungsbedingte Chancenungleichheiten bei Kindern in Kindertageseinrichtungen zu verringern.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die rechtlichen Rahmenbedingungen frühkindlicher Bildung, der Prozess des Spracherwerbs sowie die Auswirkungen von sozialen Hintergründen und Migrationshintergründen auf den Bildungserfolg.
Was ist die primäre Forschungsfrage der Arbeit?
Die Forschungsfrage lautet: Kann für Kinder mit Migrationshintergrund und/oder aus sozial schwachen Familienverhältnissen durch die Methode der alltagsintegrierten Sprachförderung Chancengleichheit hergestellt werden?
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine Literatur- und Studienarbeit, die aktuelle Forschungsergebnisse und Evaluationsstudien zum Thema Sprachförderung analysiert und in einen pädagogischen Kontext einbettet.
Welche Inhalte stehen im Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung zur frühkindlichen Bildung, eine detaillierte Erläuterung der alltagsintegrierten Sprachförderung sowie die Auswertung von spezifischen Evaluationsstudien.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit maßgeblich?
Wichtige Begriffe sind insbesondere die alltagsintegrierte Sprachförderung, der Bildungsauftrag von Kindertageseinrichtungen sowie der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Sprachkompetenz.
Welche Rolle spielen die SISMIK- und SELDAK-Verfahren in dieser Untersuchung?
Diese Beobachtungsbögen dienen zur systematischen Erfassung der sprachlichen Kompetenzen und Entwicklung von Kindern in Kitas und bilden eine wichtige Datengrundlage für die analysierte Evaluationsstudie.
Wie schätzt die Autorin die Rolle des familiären Hintergrunds ein?
Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass der familiäre Hintergrund einen sehr starken Einfluss auf die kindliche Entwicklung hat, den die Kindertageseinrichtung zwar abmildern, aber nicht vollständig ausgleichen kann.
- Citar trabajo
- Charleen Horst (Autor), 2016, Alltagsintegrierte Sprachförderung in Kindertageseinrichtungen im Hinblick auf Förderung von Chancengleichheit, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/371379